Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Perception

Wahrnehmung

Egal, wie lange sie unter den einfachen Soldaten der Rebellenallianz gewesen war, Prinzessin Leia blieb eine isolierte Figur – als unnahbar, kühl und distanziert wahrgenommen. Sie wurde mit Respekt und Ehrfurcht behandelt, so wie es ihre Position verlangte, aber über die Jahre hinweg war es nervenaufreibend geworden – je respektvoller sie behandelt wurde, desto entfremdeter fühlte sie sich.

Ihre Erziehung hatte ihr ein Verständnis dafür vermittelt, dass Führungskräfte etwas distanziert sein mussten, aber die Einsamkeit, die sie nun als vertriebene Prinzessin umgab, ein tragisches Symbol und ein Mitglied der Hierarchie, war fast unerträglich, wenn sie der einfachen und humorvollen Kameradschaft gegenübergestellt wurde, die unter den gewöhnlichen Rekruten herrschte.

Leia pflegte starke, freundschaftliche Beziehungen mit dem Oberkommando und harmonierte exzellent mit Männern wie Carlist Rieekan; sie hatte Bekannte und Menschen, mit denen sie zurechtkam – und, noch wichtiger, als sie manchmal erkennen wollte, sie hatte Luke und sie hatte Han – aber Luke war oft von welpenhafter Faszination ihr gegenüber erfüllt und Han war – Han.

Es war eine nicht lange zurückliegende Auseinandersetzung mit Han gewesen, die sie dazu gebracht hatte, über den Mangel an Bindungen in ihrem Leben seit Alderaans Auslöschung nachzudenken – der Mann machte sie wütend und hatte das irritierende Talent, auf zutiefst unheimliche Weise ihre empfindsamsten Nerven zu treffen – aber in letzter Zeit hatte er begonnen, sie zu meiden und ihr letzter Austausch mit ihm war knapp und von seiner Seite aus sarkastischer als sonst gewesen. Die Spannung zwischen ihnen – die sich von der durchschnittlichen Ebene das sind einfach Han und Leia zu Han ist aus irgendeinem Grund wirklich wütend auf Leia entwickelt hatte – ließ sie verwirrt und verlassen zurück.

Sie ärgerte sich sehr über die letzte Empfindung und bemühte sich, damit klarzukommen, während sie die Inventarisierung neuer Vorräte und deren Platzierung in nach Gruppen geordneten Schließfächern anleitete – sie war sich der Kälte nicht bewusst und sie versuchte, die steife, formelle und leicht feindselige Haltung ihrer derzeitigen Begleitung zu ignorieren, da es sie nur daran erinnerte, dass die Menschen um sie herum sich in ihrer Gegenwart nicht wohlfühlten.

„Nein", sprach Leia leise, ihre Stimme perfekt unter Kontrolle haltend. „Belacqua – halten Sie Peilsender getrennt von Körperkameras."

Die Frau, Belacqua Tarse, sah Leia kaum an, als sie respektvoll den Kopf senkte und etwas neu ordnete – Leia verspürte einen Anflug von Ärger, vorrangig deshalb, weil Belacqua jemand war, den sie immer für erträglich gehalten hatte und mit dem sie immer gut ausgekommen war.

Sie stand ihr keineswegs nahe – Leias Freundinnen waren mit Alderaan gestorben und es schien, als ob es ihrer Fähigkeit, Freundinnen zu finden, ebenso ergangen war, aber Belacqua war immer herzlich gewesen und weniger anfällig für die zurückhaltende Vorsicht, die viele Menschen Leia entgegenbrachten.

Das Problem war, dass Belacquas plötzliche Kälte mehr war, als Leia auf diesem gottverdammten, gefrorenen Abklatsch eines Planeten ertragen konnte und zusammen mit dem Schlag ins Gesicht, den Hans Verhalten in letzter Zeit darstellte, traf sie das mehr, als es sollte – und sie stellte sich dem Problem.

„Ist irgendetwas los?", fragte Leia geradeheraus.

Die Stille, die folgte, sprach für sich, aber Belacqua sagte nichts, sondern bewegte nur den Kopf in einem leichten, störrischen Kopfschütteln.

„Nein, Eure Hoheit", antwortete sie dann – sofort spürte Leia die Abneigung in ihrem Tonfall und es bereitete ihr Unbehagen – was konnte sie ausgerechnet Belacqua Tarse getan haben?

Leia seufzte und presste die Zähne aufeinander. Sie trat vor, legte ihre Vorratsliste zur Seite und verschränkte die Arme, als sie neben der anderen Frau zum Stehen kam. Belacqua bewegte den Kopf und blondes Haar verbarg ihren Gesichtsausdruck, obwohl Leia der finstere Blick unter ihren zusammengezogenen Brauen nicht entging.

„Belacqua, wenn ich irgendetwas getan habe, das Sie gekränkt hat, können Sie frei sprechen", teilte sie ihr mit.

Für einen Moment sagte Belacqua nichts, dann sah sie mit einem etwas ungläubigen Ausdruck auf dem Gesicht auf.

Leia runzelte ein wenig die Stirn – richtig, eine durchschnittliche Person sprach so nicht. Die einfachen Soldaten hatten untereinander kein Protokoll zu befolgen und brauchten keine Erlaubnis, um etwas auszudiskutieren – und Leia konnte kaum eine Balance finden zwischen der menschlichen Frau, die mit anderen mitempfinden konnte und der rein effizienten Maschine, die sie sein musste, um zu überleben.

Sie seufzte und sah mit angespanntem Kiefer weg.

„Ich wollte nicht so herablassend klingen", bemerkte sie leise.

Sie trat ein paar Schritte zurück und neigte den Kopf.

„Warum mache ich das hier nicht einfach fertig?", fragte sie matt.

Belacqua wandte sich wieder dem zu, was sie katalogisierte und zuckte die Achseln.

„Das ist meine Aufgabe, ich werde sie auch beenden", erklärte sie gleichmütig.

„Sie wünschen sich nur, dass man Ihnen eine angenehmere Gesellschaft zugeteilt hätte", vermutete Leia rundheraus.

Wegen des Risikos eines Einsturzes auf Hoth wurden Aufträge nie an Einzelpersonen vergeben, aus Sicherheitsgründen mussten es immer mindestens zwei Personen sein.

Sie sah, wie Belacqua ein wenig lächelte, aber es verblasste schnell wieder. Sie sagte nichts mehr und Leia wandte sich ab und ging wieder zurück zu ihrer Vorratsliste – die unsichtbare Wand, die sie zu umgeben schien, war frustrierend, teilweise war sie selbstverschuldet, teilweise ein Produkt ihrer Umstände und ihrer Position.

Leia rieb sich über die Stirn, ihre Gedanken kehrten zu Han zurück und sie überlegte zum hundertsten Mal, was sie getan hatte, um ihn ihr gegenüber so – feindselig zu stimmen…aber nein, es war noch nicht einmal Feindseligkeit, es war purer Widerwille, in ihrer Nähe zu sein und sie konnte es nicht recht einordnen –

Belacqua räusperte sich.

„Wussten Sie, dass ich mit Han Solo schlafe?"

Leia starrte auf das Datapad vor sich und die Buchstaben verschwammen für einen Moment. Sie stand still, geschockt von der Äußerung – unsicher, ob sie schockiert war, weil Belacqua ohne Vorwarnung mit einer so vollkommen persönlichen Sache herausgeplatzt war oder schockiert wegen – nun ja, der anderen Gefühle, die sie sofort unterdrückte.

Sie schluckte.

„Nein", antwortete sie nach einem langen Moment der Totenstille.

„Ich sollte sagen, habe", merkte Belacqua knapp an. „Ich habe mit Han Solo geschlafen."

Verärgert über das absurde Gespräch hob Leia leicht den Kopf und neigte ihn Belacqua zu, ohne sich umzudrehen.

„Ich betrachte Captain Solos sexuelle Aktivitäten nicht als meine Angelegenheit", sagte sie bestimmt und hoffte inbrünstig, dass es damit ein Ende haben würde – was auch immer das hier war.

Sie hörte, wie Belacqua sich bewegte und vermutete, dass sie sich umgedreht hatte – Leia spürte, wie sich ihre dunklen, violetten Augen in ihren Rücken bohrten.

„Das tun Sie nicht?", fragte sie mit einem Hauch so reiner Unschuld, dass es gleichzeitig geringschätzig klang.

Leia fuhr abrupt herum, ihr Gesichtsausdruck kühl.

„Das tue ich nicht", stimmte sie zu.

Belacqua blinzelte sie an und verengte die Augen.

„Ich bezweifle, dass das der Wahrheit entspricht", erwiderte sie angespannt.

Leia schürzte die Lippen und widerstand dem Drang, vor Belacquas anklagendem Blick zurückzuweichen; sie schüttelte kurz den Kopf und verengte ihrerseits die Augen – sie war völlig überrascht, aber ihre jahrelange diplomatische Ausbildung hatte ihr beigebracht, sich auch in solchen Situationen zu behaupten.

„Belacqua", begann sie einfach, „ich weiß nicht, wovon Sie sprechen."

Belacqua reckte die Nase in die Höhe und verschränkte die Arme – eine Geste der Unsicherheit, wie Leia sofort bemerkte. Die blonde Frau runzelte die Stirn und wandte ihr dann wieder vollständig das Gesicht zu, ihr Ausdruck ein wenig misstrauisch und ein wenig unsicher.

„Sie sind eine Art Schlampe, oder?", fragte Belacqua rhetorisch.

Leias Lider zuckten angespannt, das einzige Zeichen, dass sie erschrocken war – innerlich fühlte sich das Wort an wie ein Schlag ins Gesicht und ihre Kehle wurde trocken.

„Früher habe ich gedacht, die Leute wären hart zu Ihnen und wirklich rücksichtslos", fuhr Belacqua fort. „Ich meine, Sie haben ihre gesamte Heimat verloren, oder nicht? Ich habe nicht gedacht, dass irgendjemand das Recht hat, Sie arrogant zu nennen oder Ihnen zu sagen, wie Sie sich damit fühlen sollen."

Leia neigte defensiv den Kopf.

„Wie nett von Ihnen", bemerkte sie, obwohl ihr Tonfall nichts dergleichen implizierte – in Anbetracht dessen, wie Belacqua sie gerade genannt hatte, fühlte sie sich nicht verpflichtet, der anderen Frau auf die Schulter zu klopfen, weil sie einmal halbherzig mitfühlend gewesen war.

Belacqua zuckte die Achseln.

„Sie sind jedoch noch kälter, als alle sagen. Sie gehen einfach über Menschen hinweg und das können Sie sich nicht einfach erlauben, weil Sie verletzt worden sind."

Leias Ausdruck verfinsterte sich.

„Leutnant Tarse, ich habe in dieser Basis eine Position im Oberkommando inne und wenn Sie glauben, dass meine Autorität eine persönliche Beleidigung ist – "

„Ich spreche nicht von Ihrer militärischen Position", unterbrach Belacqua sie tapfer. „Ihr professionelles Verhalten ist über jeden Zweifel erhaben", gab sie zu. „Ich rede von der Art, wie Sie die Leute behandeln."

Belacqua blinzelte heftig und deutete auf sich selbst.

Jeder weiß, dass ich mit Han geschlafen habe", sagte sie und ihre Wangen wurden rot. „Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie es nicht gewusst haben – weshalb es mich umbringt, dass Sie sich jetzt ganz plötzlich entschieden haben, mit den Fingern zu schnipsen und ihn an sich heranzulassen, weil Sie es nicht ertragen können, dass er jemanden unter Ihrer Nase abschleppt, anstatt es nur außerhalb dieses Planeten zu tun, oder dass er sich nicht mehr vor Sehnsucht nach Ihnen verzehrt", fuhr sie erregt fort und bemerkte den völlig verstörten Ausdruck auf Leias blassem Gesicht überhaupt nicht. „Natürlich ist es nicht Ihre Schuld, dass Solo sich als schwach wie eine läufige Kath-Hündin herausgestellt hat, und Ihnen nachläuft, obwohl Sie ihn wie Abschaum behandeln – es ist nicht so, dass ich dachte, ich würde ihn heiraten, ich hatte nur meinen Spaß, aber es ist immer noch ein Schlag unter die Gürtellinie – "

„Belacqua", fiel Leia ihr heiser ins Wort, unfähig, die Verzweiflung und das Unbehagen zu verschleiern, das sowohl ihre Stimme als auch ihr Gesicht durchdrang. „Wovon reden Sie?"

Leia schluckte schwer und presste fest die Lippen zusammen – sie fürchtete, wenn sie den Mund öffnete, könnte sie anfangen, ungleichmäßig zu atmen – ihr wurde eindeutig etwas vorgeworfen und sie wusste sofort, dass das, worüber Belacqua sprach, in direktem Zusammenhang mit Hans abstoßendem Verhalten in letzter Zeit stand.

Belacqua lächelte sie spöttisch an.

„Tun Sie mir den Gefallen und lassen Sie das Unschuldige-Jungfrauen-Gehabe sein."

Leias Lippen teilten sich erschrocken – und ihre Wangen wurden rot. Sie trat einen Schritt zurück, senkte ihren Blick von Belacquas Augen zu einem Punkt auf ihrer Schulter und presste unbehaglich die Zähne zusammen.

„Sie konnten es nicht ertragen, dass er Sie aufgibt, oder? Ich dachte, Sie wären nur eine verdammte Aufreißerin, aber Sie genießen es richtig, ihn zu foltern – und wen interessiert es, wer sonst noch dabei verletzt wird, richtig?"

Leia starrte sie an.

„Ich verstehe nicht", begann sie.

„Sie haben mit ihm geschlafen!", fuhr Belacqua sie ungläubig an. „Die ganze Zeit haben Sie damit verbracht, ihn zu verführen und dann haben Sie mit ihm geschlafen, als er mit jemand anderem zusammen war!"

Leia machte einen großen Schritt zurück und blinzelte heftig. Der Vorwurf hatte eine seltsam bestärkende Wirkung und sie verengte streng die Augen, während ihr Kiefer sich anspannte.

„Wo nehmen Sie diesen Gedanken her?", fragte sie bedrohlich. „Hat er Ihnen das gesagt?"

Wollte Han deswegen nicht mehr in ihrer Gegenwart sein? Hatte er dieses Mal den Mund zu voll genommen und wartete darauf, dass sie davon hörte, während er ihre Reaktion fürchtete? Er hatte Recht, sich so ausweichend zu verhalten, wenn es so war – wenn sie ihn in die Finger bekäme, würde sie –

„Nein", gestand Belacqua widerwillig durch zusammengebissene Zähne. „Er – nein, das hat er nicht, aber es ist offensichtlich – "

„Offensichtlich?", fauchte Leia in Rage. Ihr Gesicht errötete erneut und sie trat einen Schritt vor, ihre Fassung teilweise zurückgewinnend. „Inwiefern?"

Sie presste die Zähne zusammen, aufgebracht von dem Gedanken, aufgebracht von – so vielem, was Belacqua ihr vorwarf.

„Ich habe – Captain Solo niemals Hoffnungen gemacht. Ich behandele ihn nicht wie Abschaum", verteidigte sie sich.

„Ha", gab Belacqua heiser zurück. „Die ganze verdammte Basis weiß, wie er für Sie empfindet und Sie tun so, als wäre es ein großer Scherz – aber es wäre der Todesstoß für Ihr Ego und Ihren Einfluss, wenn er darüber hinwegkommen würde, nicht? Also jetzt ist er mit mir fertig und widmet seine gesamte Zeit wieder Ihnen."

Panik und Chaos breiteten sich in Leias Kopf aus – es ist kein Scherz?, fragte sie sich – Han flirtete unaufhörlich mit ihr und machte Scherze darüber, sie ins Bett zu bekommen, aber das war einfach Han – sie hatte sich selbst dazu gezwungen, es nicht wahrzunehmen, weil sie sich nicht dadurch zum Narren halten lassen wollte, dass sie dachte, irgendetwas davon wäre aufrichtig –

Belacqua schniefte und fuhr sich mit der Hand über die Wange.

„Sehen Sie?", bemerkte sie unglücklich. „Sie wissen genau, wovon ich spreche."

Leia kehrte in die Gegenwart zurück und schluckte schwer. Sie trat ein paar Schritte vor, fing Belacquas Blick auf und hielt den Kontakt aufrecht.

„Belacqua", sagte sie kurz und spitz. „Ich habe noch nie mit", sie hielt für eine Sekunde inne, weil ihre eigenen Gedanken sie verspotteten – noch nie mit irgendjemandem geschlafen; du bist ein unerfahrenes kleines Mädchen und er wäre sowieso nie an dir interessiertaußerdem bist du ein wandelnder Albtraum – „Han Solo geschlafen", beendete sie ihren Satz bestimmt und überging ihre eigenen Unsicherheiten.

Die blonde Frau sah weg und biss sich auf die Unterlippe. Sie lehnte sich zurück gegen das Regal und verschränkte die Hände hinter ihrem Rücken, legte sie als Kissen gegen die Regalbretter. Die Überzeugung in Leias Blick musste sie zum Zweifeln gebracht haben, denn sie schaute verlegen und mit all der übrigbleibenden Entrüstung von jemandem zurück, der sich im Unrecht befand, peinlich berührt war und immer noch dagegen ankämpfen wollte.

„Tja, einige von uns wollen mit ihm schlafen", entgegnete sie zittrig, „und ich kann nicht glauben, dass er an Ihnen interessiert ist, wenn Sie ihn nur herumstoßen."

Leias Schultern sanken ein wenig – sah es für alle anderen so aus? Dachten sie alle, sie würde sich wie eine hochmütige Königin verhalten, hocherfreut, dass man um sie herumscharwenzelte, die Han – und alle anderen – als einen endlosen Ego-Schub benutzte, um über ihnen allen zu stehen?

Ihre Auseinandersetzungen mit Han waren legendär, ihr Hin und Her wurde oft als Sport angesehen – die Renegaten-Staffel war berüchtigt dafür, auf sie zu setzen – und ja, manchmal waren sie gemein zueinander, aber immer nur, weil Han es zu weit trieb – Han war derjenige, der alles für einen Scherz hielt und sie wies ihn zurück, weil sie es sich nicht leisten konnte, wegen eines Auftragsschmugglers die Kontrolle zu verlieren –

„Han ist mein Freund", entgegnete Leia ruhig und war sehr darum bemüht, ihren Ton gleichgültig zu halten. Sie straffte die Schultern. „Ihre Wahrnehmung ist vollkommen beeinträchtigt. Er hat keinerlei romantisches Interesse an mir."

Belacqua stieß ungläubig den Atem aus und sah Leia mit großen, verletzten Augen an.

„Haben Ihnen die Privatlehrer des Palastes eigentlich irgendetwas Nützliches beigebracht?", erkundigte sie sich bitter. Sie rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf. „So eine emotionale Blindheit muss ein Segen sein", sagte sie gefühllos, „Sie dürften überhaupt niemals etwas fühlen."

Mit ausdruckslosem Gesicht trat Leia zurück. Sie erwiderte nichts – das war eine Bemerkung, die sie zu oft hörte, die immer saß; sie weckte in ihr den Drang, zu schreien und mit bloßen Händen etwas in Stücke zu reißen.

Sie wandte Belacqua den Rücken zu und löste sich vollkommen aus der Unterhaltung. Die andere Frau war eindeutig verletzt und unsicher – wahrscheinlich Hans Schuld – und sie brauchte jemanden, an dem sie es auslassen konnte – Leia hatte klargestellt, dass von ihrer Seite aus keine Respektlosigkeit im Spiel war, zumindest nicht im Bereich des Betrugs oder des Ausspannens von Männern.

Hinter sich hörte sie ein Schniefen, dann riss Belacqua sich zusammen.

„Eure Hoheit, wenn Ihr erlaubt, dass ich – "

„Gehen Sie", willigte Leia sofort ein – sie spürte die Demütigung und das Bedauern, das Belacqua mit plötzlicher Grausamkeit überkommen hatte und Leia dankte ihrer aristokratischen Erziehung stumm dafür, sie gelehrt zu haben, niemals in der Öffentlichkeit so die Kontrolle über ihre Emotionen zu verlieren.

Aus dem Augenwinkel sah sie dabei zu, wie Belacqua davonging und dann, in einem plötzlichen Anflug düsterer Neugierde, sah sie hoch und forderte sie auf, stehenzubleiben.

„Belacqua."

Sie drehte sich um und wartete mit gesenktem Blick; zweifelsohne wartete sie auf eine Zurechtweisung – oder sogar auf den Befehl, sich bei einem höheren Offizier zu melden. Leia betrachtete ihren geneigten Kopf, sah dann selbst wieder nach unten und fuhr mit dem Finger über den dünnen Eisschimmer auf einem Tisch.

„Ich möchte wissen, warum Sie so sicher waren, dass ich mit Han geschlafen habe", teilte sie ihr schließlich mit.

Sie sah auf und wartete darauf, dass Belacqua das auch tat und ihr antwortete.

Belacqua zögerte. In der Tat hob sie den Kopf, aber sie wich Leias Blick für einen Moment aus. Sie rieb mit den Handballen ruckartig über ihre Wangen, löschte Tränenspuren aus und Leia stand geduldig und erwartungsvoll da.

Belacqua seufzte.

„Wissen Sie, wie demütigend es ist, im Bett mit dem Namen einer anderen Frau angesprochen zu werden?", fragte sie heiser.

Sie begegnete Leias Augen für eine Sekunde, dann strich sie sich die Haare hinter die Ohren, drehte sich schnell um und fingerte an der Tür herum, um den Raum zu verlassen.

Leia beobachtete ihren Rückzug und zuckte beim Zuschlagen der Tür und dem feinen Eisregen, der bei der Erschütterung von der Decke fiel, zusammen – einen Moment lang vergaß sie zu blinzeln, unsicher, was sie davon halten sollte, und in dem Versuch, die Aussage zu deuten.

Die Erkenntnis dämmerte ihr wie ein Sonnenaufgang, begrub sie wie eine Flutwelle unter sich und sie schloss die Augen und legte eine Hand an ihren Hals – sie fühlte, wie sie errötete, spürte es in ihren Adern und in ihren Fingerspitzen –

Wissen Sie, wie demütigend es ist, im Bett mit dem Namen einer anderen Frau angesprochen zu werden?

Das tat sie nicht, aber es war nicht schwer, sich vorzustellen, wie es sich wahrscheinlich anfühlte. Wenn Han das getan hatte – Belacqua musste gedacht haben, dass er die beiden verwechselte, ein klischeehafter Fehler für jemanden, der mehrere Affären hatte – Leia und Belacqua sahen sich jedoch nicht besonders ähnlich, was bedeutete, dass Han aktiv an sie gedacht haben musste –

Leia erlaubte sich kurz die Vorstellung, wie er ihren Namen sagte, ihn flüsterte, ihn murmelte – und sie öffnete nervös die Augen und straffte die Schultern. Das erklärte – dachte sie schwach, das erklärte, warum er sie mied; nachdem Leia davon gehört hatte, war sie besorgt bei dem Gedanken, ihm in die Augen zu schauen, während sie wusste, wie er über sie dachte, was er von ihr wollte.

Leia schluckte schwer und drückte eine Hand gegen ihr Schlüsselbein, um sich Halt zu geben – sie hatte Belacqua beschuldigt, einen falschen Eindruck zu haben, die Dinge falsch wahrzunehmen – Han ist ein respektloser Charmeur, er macht sich über mich lustig, er kümmert sich um niemanden und es macht mich wütend, weil es idiotisch ist, Gefühle für ihn zu haben und ich kann keine weitere Enttäuschung mehr ertragendeswegen – stoße ich ihn herum, behandele ich ihn wie Abschaum? Das hatte Belacqua gesagt –

Die Sache war, es fing an, so zu klingen, als ob Han sich doch kümmerte und etwas trübte ihre Sicht, etwas wie Schmerz und Angst und Widerwille, ihr Herz noch durch etwas anderes beschädigen zu lassen – sogar vorsätzliche Fehlinterpretation – es klang ganz so, als ob es sich bei Prinzessin Leia um diejenige handelte, deren Wahrnehmung beeinträchtigt war.