Unter Wölfen

Kapitel 1 - Vor offenen Augen verborgen

Behutsam strich er über das Abbild der Schlange auf dem Unterarm seines Geliebten. Wären sie keine Zauberer, und nur einfache Menschen, dann könnte man es für ein simples Tattoo halten. Doch er wusste es besser - zu seinem eigenen Leidwesen.

Der Körper neben ihm regte sich. Die Leinendecke raschelte als er sich zu ihm umdrehte und den Arm wegzog, um ihn unter seinem Kopfkissen zu vergraben.

»Nicht berühren, sonst werd ich mir den Arm beim nächsten Mal wieder bandagieren«, brummelte er mit seiner öligen, tiefen Stimme, die zuweilen sehr grantig klingen konnte, besonders dann, wenn er nicht ausgeschlafen war.

»Oh, gut! Du bist wach!« ließ er verlauten und griff ihn hinterrücks und ohne Vorwarnung an. Euphorisch fiel er über seinen Mund her wie ein Ertrinkender über ein Stück Treibholz.

Wieder brummelte sein Bettgefährte nur als Reaktion, und doch war es ein so angenehmes Geräusch, dessen Vibrationen er selbst in seinem Brustkorb spürte.

»Remus!« versuchte er zwischen den Küssen zu protestieren, die Augen immer noch geschlossen. Seine Abwehrversuche waren jedoch nicht einmal als halbherzig zu bezeichnen.

»Wenn du nicht willst, musst du mich nur abwehren!« Remus konnte sich das Lächeln nicht verkneifen, das sich über sein ganzes Gesicht ausbreitete. Er genoss es viel zu sehr, ihn zu küssen, auch wenn sein Gefährte sich eindeutig dagegen sträuben wollte. »Ich zähle bis drei... wenn du mir dann nicht einen zumindest halbherzigen Abwehrversuch geliefert hast, dann werde ich deinen Körper auf die himmlischste Art und Weise aus dem Schlaf holen und du wirst mir sehr dankbar sein dafür!« Remus verteilte Schmetterlingsküsse entlang seines Schlüsselbeins und den anderen freien Arm hinab, der unter der Bettdecke hervor lugte.

Er brummelte nur und geisterhafte Fingerspitzen strichen über Remus' bloße Seite hinab.

»Eins...«, fing er an und zog dabei die Silbe unnötig lang hinaus. Mit seinem Mund begann er eine Rückreise hinauf zur Halsbeuge, wo er an der dünnen Haut zu knabbern begann. Er spürte die Finger seines Gefährten durch seine dichten Locken fahren und fasste dies als Bestätigung für mehr auf.

»Zwei...«, zählte er mit melodischer Stimme weiter und grinste zwischen den Küssen. Er war mittlerweile beim Ohrläppchen angekommen und ließ seine Zunge genüsslich an der Ohrmuschel entlangfahren.

Der Körper neben ihm - oder mehr halb unter ihm - regte sich und er bemerkte, dass seine Demonstrationen nicht ganz unbeeindruckt an seinem Partner vorbeigingen.

»Letzte Chance...« lachte er in den Kuss hinein und knurrte leicht als sich Fingernägel in seinen Rücken gruben.

Gerade als er zur 'drei' ansetzen wollte, fühlte er sich auf einmal herumgewirbelt und fand sich auf dem Rücken wieder und der andere über ihm. Wenn seine Augen nicht schon schwarz wären, würde der Schatten sie spätestens jetzt finster wie die Nacht erscheinen lassen. Und doch verbarg sich so viel mehr hinter diesem Blick. Wenn er ihn anstarrte mit seinen dunklen Augen, war ihm als würde er in ein Meer eintauchen, das so dunkel wie die finsterste Nacht bei Neumond war, und doch so empfindsam und gefühlvoll, dass er bis zu diesem Tag nicht zu glauben imstande war, diesen Menschen für sich gewonnen zu haben.

Remus bereute die vielen versäumte Zeit, die sie beide hätten haben können, wenn er nur gewillt genug gewesen wäre, um wirklich hinzuschauen.

Verheißungsvoll sog er die Luft ein und warf ihm einen herausfordernden und leicht trotzigen Blick hoch. Sie hatten viele verpasste Chancen aufzuholen.

Der Blick wurde sogleich mit einem innigen Kuss bestraft, der ihm im wahrsten Sinne des Wortes den Atem raubte. Er ließ die viel zu langen Fingernägel über den Rücken des anderen streifen. Nicht zu fest... das wollte er sich für später aufheben, denn noch konnte er sich beherrschen, auch wenn er ihn zu gerne erneut markieren wollte.

Zu seinem Unmut bemerkte er zu spät, was der andere vorhatte. Dieser griff hinter sich, fasste blindlings nach den Händen, die ihn so unbarmherzig herausforderten und presste beide Hände über Remus' Kopf ins Kissen hinein, mit recht wenig Gegenwehr seinerseits wohlgemerkt.

»Was wolltest du gleich noch sagen?« fragte er während seine dunklen Haare ihn Strähnen über seine Schulter fielen. Mit der Nasenspitze zeichnete er ein Muster auf Remus Wange nach. Beim nächsten innigen Kuss verschränkte er seine Finger mit denen Remus' und wurde von einer Woge übereifriger Leidenschaft begrüßt.

»Hab ich vergessen...« grinste Remus schelmisch und streckte ihm seine Hüfte freudig entgegen. Doch sein Gefährte wich jedem Kontakt aus. »Hey, du weißt, dass das unfair ist!«

»Ich weiß mich zu beherrschen...« Sein Grinsen sollte boshaft wirken. Jeder andere hätte es auch als gemein und abscheulich eingestuft, doch Remus wusste es besser.

»Du weißt, dass ich dir kräftemäßig überlegen bin?« fragte er und wackelte mit einer Augenbraue.

»Und doch liegst du unter mir...« Seine basslastige Stimme war Musik in Remus' Ohren, zu der jede Faser seines Körpers im Chorus intonierte.

»Weil du es bist«, gab er als Antwort wieder und knurrte frustriert, weil sein Gegenüber noch immer nur ein Bein zwischen den seinen liegen hatte. Ob ein erneutes Aufbegehren die Situation endlich zu seinen Wünschen hin ändern würde?

»Du bist heute morgen übereifrig...« kommentierte der andere nur ohne auf die stumme Bitte einzugehen.

»Weil ich dich heute nur für mich allein habe, das möchte ich mit jeder Sekunde ausnutzen!« Remus' Augen funkelten vor Freude.

Die sonst so grimmigen Lippen fuhren an seinem Hals hinab. Die Haarspitzen strichen über seine Haut hinweg. Er war eigentlich recht kitzelig, aber er ignorierte es, denn es war sein Mann, dessen Berührungen er spürte und nicht die eines anderen. Remus genoss es, wenn sein Körper mit seinen Liebkosungen übersät wurde.

Die Nasenspitze schob die silberne Kette herum, die um Remus' Hals lag und an der ein silberner Ring hing. Das Gegenstück zu dem an Remus' Ringfinger.

»Den muss ich gestern vergessen haben...«, sagte sein Mann beinahe nachdenklich. Normalerweise forderte er ihn gleich wieder ein, wenn er vom Treffen mit jenen zurückkam, die ihnen ihr beider Glück versagten. Es war nicht so, dass es nicht erlaubt war... es war allerdings gefährlich und beide wollten den Plan nicht durch ihre egoistische Liebe gefährden.

»Dann musst du ihn dir wohl zurückholen«, sagte Remus und ließ seine Hände los, um nach dem Verschluss der Kette zu greifen.

»Ein Mann mit zwei Eheringen... Da könnte man glatt auf seltsame Gedanken kommen.« Er schmunzelte. Remus liebte es, wenn er nicht die Notwendigkeit darin sah, seine kalte Maske aufrecht zu erhalten, wenn sie allein waren.

»Sirius hat schon Fragen gestellt...«, bemerkte er beiläufig, während er seinen Mann dabei beobachtete, wie dieser den Ring von der Kette befreite und sich den Ring selbst ansteckte. Es erfüllte Remus mit Freude, ihn mit dem Ring am Finger zu sehen. Normalerweise trug er ihn unter drei Lagen Stoff versteckt um seinen Hals. Doch heute nicht.

»Erst jetzt?« fragte er und war beinahe entrüstet.

»Ja, man sollte meinen, dass ihm der Ring viel eher auffallen würde. Vielleicht hat er es aber auch einfach nicht erwähnt«, vermutete Remus.

»Black soll eine Chance auslassen, um sich zu echauffieren? Warum sollte er sich die Chance entgehen lassen?«

»Er ist nicht ganz so übel, wie du denkst, Severus.«

»Nein, er ist schlimmer«, murmelte Severus.

Remus seufzte.

Black war nie ein gutes Thema zwischen ihnen, schon gar nicht, wenn sie zusammen nackt im Bett lagen. Er griff nach der Hand seines Mannes, an der er den Ring trug, zog die Hand zu seinen Lippen und küsste das weißgoldene Band, in dessen Innenseiten ihre Initialen eingraviert waren. Ihre Namen zu verwenden hatten sie für zu gefährlich eingestuft. Niemand sollte erfahren, wem diese Ringe gehörten oder wer den Counterpart des einen Ringes besaß, sollte einer von ihnen gefangen genommen werden.

Denn damit mussten sie jederzeit rechnen.

Also hatten sie sich für ein simples S. bei Remus' Ring entschieden. Die Innenseite von Severus Ring zierte ein schlichtes R.. Selbst ein S.+R. hatten sie für zu auffällig erachtet.

Remus zog ihn zu sich hinunter.

»Lass uns nicht streiten. Du weißt, wie ich zu Sirius stehe«, fing er an und setzte einen Schmetterlingskuss auf Severus' Nasenspitze.

Dieser brummelte nur als Antwort, beließ es aber dabei.

»Ich mag es, wenn du den Ring trägst«, lenkte er schließlich ungeschickt ab.

»So lange ich nicht offiziell irgendwo anwesend sein muss, kann ich es mir leisten, der zu sein, der ich sein möchte.« Dieses Mal war Severus es, der zu einem Kuss hinunter tauchte und seinem Gatten den Atem raubte. Das schelmische Grinsen konnte ihm niemand aus dem Gesicht wischen. Auch nicht der Gedanke an Sirius Black. Seine Erektion war schon wieder verschwunden, aber das machte nichts. Severus wollte diesen Moment auskosten, denn beide wussten die Rarität dieses Moments zu schätzen.

Severus trug den Ring nie, wenn er zu einem Treffen der Todesser gerufen wurde. Dann legte er selbst die Kette ab, an der der Ring hing, und schickte eine Eule damit zu Remus.

Die Eule war nicht einmal seine eigene. Sie gehörte dem Orden und wurde normalerweise nur für offizielle Ankündigungen losgeschickt. Das gelegentliche Ausleihen des kleinen Kauzes war bisher noch nicht aufgefallen. Und wenn sie es bemerkt hatten, dann war es bisher nicht zur Ansprache gebracht worden.

Seit einem Jahr waren sie nun schon verheiratet.

Heimlich.

Die Situation trieb sie dazu.

Es war der einzige Luxus, den sie sich gönnten. Ihre Ehepapiere waren tief unter Hogwarts versteckt, im Kerker unter den vielen Papyrusrollen, die so ein Lehrerdasein mit sich brachten. Dort wo sie niemand vermuten würde.

Nicht einmal wenn Severus seinen Posten in Hogwarts verlieren sollte, was wohl in nächster Zeit nicht auf Dumbledores Pamphlet stand. Dafür war er zu sehr an den Plan des alten Zauberers gebunden, von dem nicht einmal Remus viel wusste.

»Was möchtest du zum Frühstück?« fragte Severus während er Remus' Gesicht wieder mit lasziven Küssen überdeckte.

»Oh, ich darf mir etwas wünschen?«, fragte Remus gespielt unwissend. Allein bei dem Gedanken an Essen fing sein Magen heftigst zu protestieren an.

»Heute ist unser Jahrestag. Du darfst dir alles wünschen, was du willst. Gesetzt den Fall, dass es im Kühlschrank ist, was die Auswahl etwas einschränkt.«

»Dann möchte ich dich!«

»Tut mir leid. Ich steh nicht auf der Speisekarte.« Severus grinste und setzte seine Reise mit seinen Lippen über die Haut seines Mannes fort.

»Waaaas?« fragte Remus entsetzt. »Dann trete ich in Hungerstreik!« Mit diesen Worten hielt er Severus auf Armeslänge Abstand.

»Also gut...« Was Remus spielen konnte, konnte Severus schon längst, also ging er einfach mit und erhöhte den Einsatz. Er schälte sich aus der Bettdecke, stand in seiner vollen Pracht mitten im Raum. Die Vorhänge waren zugezogen, aber ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen wagten es durch den den Spalt hindurch zu brechen.

Severus streckte seine Gliedmaßen genüsslich bis die Knochen knackten. Die spärlichen Sonnenstrahlen fielen dabei direkt auf seinen Rücken wie ein Scheinwerfer.

»Genießt du die Aussicht?« fragte er über seine Schulter hinweg.

»Jeden Zentimeter.« Remus' Versuch, Desinteresse vorzutäuschen, war ohnehin sinnlos.

»Gut, dann sollte es dich vielleicht interessieren, dass das hier«, er drehte sich kurz um und deutete in einer ausschweifenden Armbewegung auf seinen Körper, »jetzt unter die Dusche springt. Aber da du ja in Streik getreten bist, wird dieser Adonis wohl allein duschen müssen... Was für eine Vergeudung...« Er brauchte nicht zurückzuschauen, um die Enttäuschung und Entrüstung auf Remus' Gesicht zu sehen. Das Rascheln der Bettdecke und die quietschenden Dielen unter seinen Fußsohlen waren verräterisch genug.

»Adonis, hm?«

Starke Arme schlängelten sich von hinten um seinen Oberkörper.

Severus schob eine Augenbraue skeptisch in die Höhe. »Naja, dein Adonis.«

»Das ist richtig! Und nur mein Adonis!« knurrte Remus ihm ins Ohr.

»Spricht da der Wolf aus dir?« Beide lachten.

Es war Remus klar, dass Severus es sich nicht leisten konnte, außerhalb ihres kleinen Zufluchtsortes Schwäche zu zeigen. Remus hatte sich immer gefragt, wie Severus diesen harten Wechsel innerhalb von Sekunden vollziehen konnte. Dann sah er sich nicht mehr dem liebevollen Menschen gegenüber, sondern dem strengen Lehrer, dem Todesser, der Schachfigur Dumbledores, die wie auf Knopfdruck funktionierte und sprang, wenn es nötig war.

Remus sprach nur ungern mit ihm darüber, aber es bedrückte ihn, dass auf den Schultern seines Gatten so viel Verantwortung lag.

oOo

Severus stand am Herd - nur mit einer Schürze bekleidet. In der Pfanne schmorte ein fast durchgebratener Pfannkuchen. Rechts von ihm auf der Anrichte stapelten sich die bereits fertig gebackenen Pfannkuchen zu einem Turm empor.

Ein Duft von Vanille und Orangenzesten waberte ihm entgegen als er die Küche betrat.

»Hmmmm...« brummte Remus und schaute ihm über die Schulter.

»Du hast mir ja nicht gesagt, was du willst... und Pfannkuchen ist leider das einzige, was ich zubereiten kann. Alles andere wäre nur gezaubert...«

»Ich bin vollkommen zufrieden mit Pfannkuchen«, säuselte er Severus ins Ohr und gab ihm einen Kuss zwischen Hals und Haaransatz.

»Dann schneide doch schon mal das Obst«, schlug Severus vor und bugsierte den fertigen Pfannkuchen auf den schiefen Turm.

»Und ich dachte, ich werde heute bedient!« schmollte Remus und grub in der Schublade mit dem Besteck nach einem kleinen Messer. »Extra Bananen für den Herrn?«

»Du kennst mich zu gut.«

»Kommt sofort.« Remus fing an zu pfeifen während er das Obst wusch und schälte. Erdbeeren, Blaubeeren, Bananen und für sich selbst zerhackte er ein wenig Zartbitterschokolade.

»Wir haben im Kühlschrank übrigens Sahne mit Schokoladengeschmack. Du weißt schon, diese komischen Metallflaschen, die die Muggel verkaufen, aus denen das Zeug im festen Zustand rauskommt, wenn man auf den Knopf drückt«, wies Severus ihn drauf hin.

»Wir haben Sprühsahne im Kühlschrank und du erzählst mir erst jetzt davon?« fragte er entrüstet und riss sofort die Kühlschranktür auf. »Warum hast du das nicht schon gestern gesagt?«

»Weil ich weiß, was du sonst damit gemacht hättest und ich hätte mich dann anschließend mehrfach duschen müssen.«

Wären sie in Hogwarts gewesen oder im Haus am Grimmauldplatz 12, hätten sie einfache Reinigungszauber verwenden können, aber in ihrem kleinen Domizil waren sie extra vorsichtig.

Severus wollte keine Aufmerksamkeit erregen. Die Todesser sollten sie hier nicht finden. Das Haus war mit mehreren Schutzzaubern belegt, so dass sie niemand hier aufspüren können sollte. Zusätzlich verzichteten sie auf jeglichen unnötigen Zauber oder Bannspruch. Das Muggelleben war beiden ohnehin nicht unbekannt, also fiel es ihnen nicht schwer, auf Zauberei zu verzichten.

»Punkt für dich...« sagte Remus und holte die Sprühsahne hervor. »Für dich und deine verdammte Logik!«

»Außerdem sollte etwas zum Frühstück übrig bleiben und so wie ich dich kenne, hättest du die ganze Dose gestern für dubiose Zwecke verwendet und geleert.«

»Jaaahaaa! Hab's schon verstanden... Der alte Gryffindor ernährt sich komplett ungesund von Luft und Liebe und Sahne vom Körper seines Angetrauten. Und der alte Slytherin stopft nur grummelige Logik in sich hinein.«

»Vergiss nicht: Weniger Schokolade und all das ungesunde Zeug.«

»Und weniger Zucker«, ergänzte Remus verständnislos.

»Wenn es sich vermeiden lässt.« Severus wendete den nächsten Pfannkuchen.

»Sag mal, hast du eine Quidditch Mannschaft eingeladen oder für wen ist dieser schiefe Turm von Pfannkuchenpisa?!« fragte Remus skeptisch, während der Turm stetig wuchs.

»Ich gebe zu, ich habe mich beim Teig etwas verschätzt«, sagte Severus und schichtete den nächsten auf. Mit der Kelle schöpfte er die nächste Portion Teig in die Pfanne und schwenkte diese geschickt um den Teig überall zu verteilen.

»Warte mal...« Remus hielt die halb geschälte Banane in der Hand und drehte sich zu ihm um. »Habe ich richtig gehört? Severus Snape gibt zu, einen Fehler begangen zu haben?«

Severus warf ihm einen sehr mürrischen Blick zu.

»Komm schon!« Remus ließ nicht locker. »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich die Gelegenheit einfach so verstreichen lasse? Mein Mann gibt einen Fehler zu! Der unfehlbare Meister der Zaubertränke, der jeden Gedanken vorher dreimal überdenkt, bevor er ihn überhaupt denkt und dann erst den Mund aufmacht... Dieser Mann gibt offen zu, sich verschätzt zu haben?!«

Severus brummelte.

»Also ich bin mir nicht sicher, ob sich das mit deinem Beruf verträgt. Ich glaube, da werde ich ein Wörtchen mit Dumbledore wechseln müssen...«

»Um ihm was zu sagen?«

Remus musste ihn nicht ansehen, um die hochgezogene Augenbraue zu bemerken. Er konnte sie aus den Worten heraushören.

»Um Dumbledore zu erklären, dass sein Meister der Zaubertränke die Menge von Zutaten nur schätzt und sogar zugibt, sich zu verschätzen... Das könnte sehr gefährlich enden. Vielleicht sollte Dumbledore sich nach einem neuen Tränkemeister umschauen... Dann könnte ich dich ganz für mich allein haben.« Als Antwort bekam er lediglich ein verächtliches Schnaufen. Also fuhr er fort, ohne seinem Mann eine Gelegenheit zum Widerspruch zu geben: »Jaja, ich weiß. Das ist unmöglich. Ohne deine Position komme ich nicht an den Wolfsbanntrank und bei dem dessen Namen nicht genannt werden darf würde dein Ansehen und Nutzen sinken, solltest du nicht mehr in Hogwarts arbeiten. Das dürfen wir also keinesfalls zulassen.«

Auf einmal hörte er das Schaben der Pfanne über die Herdplatte nicht mehr. Stattdessen fühlte er die Umarmung starker Arme und ein Kinn, das sich auf seine Schulter legte.

»Wir haben darüber gesprochen.«

Es war kein Vorwurf.

Es war lediglich eine traurige Erinnerung, dass sie jederzeit ihren letzten Tag miteinander erleben könnten. Niemand wusste von ihrem Bündnis und auch wenn Remus Severus' Können in Sachen Okklumentik absolut vertraute und der dessen Namen nicht genannt werden darf nicht verräterische Erinnerungen in Severus Gedächtnis finden würde, so blieb doch stets ein gewisses Maß an Risiko.

Es war ein Thema, das beide nur ungern besprachen. Einmal halb abgehakt, und dann unter den Teppich gekehrt.

»Ja, ich weiß... und ich bin froh um jeden Tag, den ich mit dir verbringen darf. Ich würde nur zu gern zumindest bei Ordenstreffen offen nach deiner Hand greifen dürfen, ohne dass uns gleich die Hölle heiß gemacht wird.«

»Ich will nicht, dass er seinen Blick auf dich richtet. Wenn er ein Ordensmitglied gefangen nimmt und dann von unserer Verbindung erfährt, werde nicht nur ich in Gefahr sein, sondern auch du. Und genau das muss ich um jeden Preis verhindern, Remus!«

»Wir werden beide in den Krieg ziehen, Severus. Es wird Opfer geben, auf beiden Seiten.« Remus griff über seine Schulter und vergrub die Hand in das noch feuchte Haar. »Vergiss nicht, dass wir beide auf der selben Seite kämpfen. Ich hege die waghalsige Hoffnung, dass wir uns am Ende des Krieges in den Armen liegen können, ohne dass uns irgend jemand vorwurfsvoll anstarrt oder der dessen Name nicht genannt werden darf uns entzweien kann. Ich möchte daran glauben, dass wir uns nach dieser ganzen Angelegenheit ein Leben aufbauen können - weit entfernt von Hogwarts oder dem Orden oder dem Ministerium. Wir fangen einfach von ganz vorne an, von neuem... und lassen uns von niemandem reinreden.«

Severus küsste die Stelle hinter Remus' Ohr.

»Das wäre sehr schön«, sagte Severus schließlich. Das Lächeln wärmte seine dunkle Stimme.

»Aber du glaubst nicht dran... hab ich recht?« Er bekam keine Antwort darauf. »Ich weiß, dass es Dinge gibt, die du mir nicht sagen kannst. Aber wenn ich mir keine Hoffnungen machen kann, dann seh ich keinen Sinn mehr im Leben. Wir kämpfen einen hoffentlich nicht aussichtslosen Krieg gegen jemanden, der die absolute Macht über die ganze Zaubererwelt ergreifen will. Wir sind die dünne Mauer, die ihn davon abzuhalten versucht. Wenn wir den Kampf aufgeben, bevor der Krieg überhaupt begonnen hat, beschließen wir damit den Tod vieler Unschuldiger. Trotzdem finde ich es nicht fair uns gegenüber. Haben wir nicht auch ein Recht auf ein Leben nach dem Krieg, Severus?« Er blickte über die Schulter und schaute ihn aus dem Blickwinkel an. »Machst du dir keine Gedanken, was du nach dem Krieg machen wirst?« fragte er obwohl er die Antwort bereits ahnte.

»Mach dir bitte so viel Hoffnung, dass es für uns beide reicht, denn ich wage es nicht, mir solche Szenarien auszudenken.«

Remus lächelte traurig. »Wenn das so ist, werde ich so viel Hoffnung für uns machen, dass es doppelt und dreifach für uns reicht... und für ein paar andere auch.«

Severus konnte darauf nichts entgegnen. Stattdessen klopfte er Remus ein paar mal auf den flachen Bauch und wandte sich wieder dem Pfannkuchen zu, der auf einer Seite nun schwarz wie eine Schuhsohle war.

»Ich glaube, den verfüttern wir lieber an die Eichhörnchen im Garten...« Mit angewidertem Gesichtsausdruck legte er ihn auf ein Stück Küchenpapier ab.

»So was will doch nicht einmal ein Eichhörnchen anrühren...«, kommentierte Remus neckisch.

»Würdest du dich bitte um das Obst kümmern, oder bleibt es hier bei der Hoffnung, dass das Frühstück irgend wann einmal fertig wird?« Severus warf einen Blick auf das halbherzig kleingeschnittene Häufchen Elend, das Remus bisher zustande gebracht hatte.

»Aye Aye, mein Captain!« säuselte Remus fröhlich.

»Schneid mal zwei oder drei Äpfel in dünne Scheiben, dann mach ich noch ein paar Apfelpfannkuchen.«

Das ließ sich Remus nicht zweimal sagen und schnappte sich den Sparschäler.

Das Frühstück entbehrte fast jeden Luxus, der bei anderen als ein üppiges Frühstück durchgehen würde. Es war sogar relativ spartanisch: Zwei Tassen und eine Teekanne. Der immense Stapel Pfannkuchen und eine Obstschale. Remus brauchte kein aufwendiges Drumherum und Severus war ohnehin sehr pragmatisch veranlagt. Sie saßen vor der großen Fensterfront im Wintergarten. Draußen trällerten die Vögel und gaben sich geschäftig der Balz und dem Nestbau hin. Der ungepflegte Garten war eigentlich gar nicht so heruntergekommen, wie viele Nachbarn es behaupten würden, wenn sie es denn sehen könnten.

Severus bevorzugte es wild und Remus vermochte es nicht, ihm zu widersprechen. Das Unkraut spross in die Höhe mit purpurfarbenen Blüten und einem beißend, bittersüßen Duft. Fast zu schön für Unkraut. Auch die angebauten Kräuter weckten keinen sehr gepflegten Eindruck. Aber es wuchs und darauf kam es Severus an. Wenn er von den vielen Kräutern und Wurzeln erzählte, versuchte Remus stets zuzuhören, aber da er nie der beste Schüler weder in Kräuterkunde noch in Zaubertränke war, ließ seine Konzentration meist nach wenigen Minuten nach.

Der verglaste Wintergarten war schlicht eingerichtet, außer ein paar Kakteen hatten dort keine Pflanzen Platz gefunden. Sie waren einfach zu selten hier und es widerstrebte beiden, einen Hauselfen für das Haus zu suchen.

Es war ohnehin ein Rätsel wie die meisten zu ihren Hauselfen kamen. Weder Remus' Familie noch Severus' hatten Hauselfen besessen. Die Zaubererwelt war manchmal ein Widerspruch an sich. Sie alle wollten keine absolute Diktatur durch einen einzigen Zauberer, denn das würde ja ihre Freiheit einschränken und die Freiheit derer, die nicht der Ideologie der Unantastbaren Achtundzwanzig entsprach, und dennoch wollte diese Welt nicht von den Besitzrechten abrücken, einen Hauselfen besitzen zu dürfen.

Manchmal war die Welt, in der sie lebten, so herrlich ignorant historischen Ereignissen gegenüber, dass es an Idiotie grenzte. Die Muggel waren ihnen auch ohne Zauberkräfte weit überlegen, sowohl technisch als auch gesellschaftlich. Während in der Muggelwelt die Sklaverei größtenteils abgeschafft worden war, hingen die Zauberer - besonders die alt eingesessenen mit einem großen historischen Stammbaum - an ihrer Tradition, sich Hauselfen zu halten. Dabei waren die kleinen Kreaturen gar nicht hilflos. Man könnte meinen, sie wären unterjocht, weil sie sich nicht wehren konnten. Aber das stimmte gar nicht. Hauselfen besaßen eine starke ureigene Magie, die sie auch ohne Zauberstab anwenden konnten. Genau das machte sie so gefährlich.

Nein, Severus und Remus wollten keinem Hauselfen Zutritt zu ihrem geheimen Zufluchtsort gewährleisten.

Also gab es relativ wenig Pflanzen im Haus, die regelmäßiger Pflege bedurften. Die restlichen Pflanzen waren mit einem Bannzauber belegt, der ihnen einmal in der Woche ein kleines Regenwölkchen bescherte. Der Garten pflegte sich indes selbst. Die Vögel zupften die toten Blätter und Zweige raus und nutzten sie für Nistmaterial. Die Regenwürmer entsorgten den Rest auf dem Boden und die Igel kümmerten sich darum, dass es keine Überpopulation von Regenwürmern und anderen Insekten gab. Denn auch wenn der Garten für andere Menschen wie ein normaler Garten aussah, war er für die Tiere uneingeschränkt wahrnehmbar - und vor allem selten von Menschen frequentiert.

Vom Wintergarten aus wirkte er tatsächlich wie ein kleiner, undurchdringlicher Urwald.

So lange Severus seine Kräuterbestände noch wiederfand, war alles in Ordnung.

Remus ließ den Blick verträumt aus dem Fenster in die Ferne schweifen.

»Woran denkst du?« wollte Severus wissen, nachdem er seinen Mann mehrere Minuten lang studiert hatte.

Remus blinzelte ein paar Mal und der verklärte Blick kehrte in die Gegenwart zurück.

»Nur ein wenig mehr Hoffnung gemacht für uns beide.«

Es war gelogen und das wusste Severus, aber er beließ es dabei.

»Die Pfannkuchen sind fantastisch. Es ist ein Wunder, dass ein so guter Zaubertränkemeister nur ein einziges Kochrezept kennt«, schmunzelte Remus und schaufelte sich eine überladene Gabel mit Apfelpfannkuchen, Erdbeeren und einer gehörigen Ladung Schokoladensahne in den Mund.

»Ich habe nicht wirklich viel Zeit damit verbracht, kochen zu müssen. Nach den UTZ Prüfungen war ich einige Jahre... naja... Albus hat mich schließlich eingestellt und da gehörte kochen nicht zu meinen Notwendigkeiten«, versuchte Severus zu erklären ohne dabei die Zeit anzusprechen, die er in der Gesellschaft der Todesser verbracht hatte, weil... nun ja, sie sprachen nicht darüber.

»Aber du bist doch ab und zu in deinem eigenen Haus, wenn Ferien sind oder wenn das Schuljahr beendet ist«, wandte Remus ein. Er hatte bisweilen beobachtet wie manierlich und beinahe viel zu übertrieben Severus seinen Pfannkuchen zuerst mit Marmelade bestrich, einrollte und dann kleinste Stücke davon abschnitt, dazu ein Stück Banane auf die Gabel schob und es sich genüsslich in den Mund schob. In der Zeit hätte Remus seinen Pfannkuchen zur Hälfte inhaliert.

»Wie du weißt, gehört Essen generell nicht zu den wichtigsten Tätigkeiten meines Alltages. Wirklich regelmäßig esse ich nur, wenn ich in Hogwarts bin.«

»Aber das sind zwei Monate, Sev! Das Schuljahr endet am 30. Juni und beginnt erst wieder am 1. September... Sag mir jetzt nicht, dass du zwei Monate lang nur von Pfannkuchen lebst!«

»Es sind zwei Monate für die Schüler, aber du vergisst, dass die Lehrer nicht auch gleich alle verschwinden. Deine Anstellung zum Beispiel wäre zum Beispiel am 31. Juli beendet worden. Das ist der Vertrag. Du musst schließlich noch nacharbeiten oder vorbereiten, je nachdem. Und da meine Anstellung permanent ist... zumindest bis meine Aufgabe endgültig erledigt ist, komme ich auch eher zur Schule wieder zurück als die Schüler. Ich kann schließlich keinen Zaubertränkeunterricht geben, wenn die Zutaten nicht rechtzeitig überprüft, inventiert oder nachbestellt wurden. Nicht zu vergessen die Tränke, die ich für Poppy braue oder etwaige private Tränke, die ich monatlich vorrätig haben möchte.«

Remus wusste, worauf Severus hinaus wollte.

»Wo wir bei den monatlichen Tränken sind... Ich will dir einen Tränkemeister empfehlen, der mir einen Gefallen schuldig ist«, begann Severus.

»Ein anderer? Was ist mit dir?« fragte Remus alarmiert.

»Für den Fall, dass ich dir aus irgend welchen Gründen keinen Wolfsbanntrank brauen kann, wird er für mich einspringen«, erklärte er mit gleichbleibender, beinahe desinteressierter Stimme.

»Severus?« Remus steigerte sich in leichte Panik hinein.

»Mach dir keine Sorgen um die Kosten, ich habe bereits alle etwaigen Unkosten abgedeckt. Das sollte zumindest für die nächsten zehn Jahre reichen.« Severus ignorierte seinen Partner gekonnt und schaufelte sich den nächsten Bissen hinein.

»Severus!« rief er nun etwas lauter, um ihn aus der Litanei herauszuholen, in die er nur all zu oft verfiel. »Was soll das?«

Irritiert hob Severus den Blick und starrte ihn ratlos an. »Was meinst du?«

»Ein anderer Tränkemeister... Zehn JAHRE! Severus, was willst du mir damit sagen? Denn wenn es nach mir geht, hört es sich verdammt danach an, als würdest du dich entweder von mir trennen oder irgend etwas schlimmes planen und nicht mit deinem Überleben rechnen!« Remus war außer sich. Die Narben in seinem Gesicht färbten sich schneller rot als seine Wangen und er war nicht sicher, ob die Wutröte auch schon in seine Ohren geschossen war.

»Ich möchte nur sicher stellen, dass du versorgt bist, Remus. Das ist alles.«

Remus geballte Faust flog auf den Tisch, dass die Tassen klirrten. »Nein, das ist kein 'Ich will dich nur versorgt wissen', Sev! Das ist ein verdammter, geplanter Abschied! Ich bin mir im klaren, dass das, was wir haben, wenig Zukunft haben kann, aber dann können wir dem hier auch gleich ein Ende setzen, findest du nicht auch?« Er griff nach seinem Ehering und versuchte mehrfach, sich den Ring abzustreifen. Vor lauter Wut rutschte seine zittrigen Finger ab, der Ring blieb an seinem Gelenk hängen. Erst nach drei Versuchen, hatte er es schließlich geschafft, den Ring komplett abzustreifen und ihn auf den Tisch zu knallen.

»Remus...«

»Nein! 'Remus' mich nicht! Ich will eine verdammte Erklärung haben! Hier und jetzt!«

Seine Stimme überschlug sich und er schnaufte durch zusammengebissenen Zähnen. Ihm war klar, dass er deutlich überreagierte. Doch sein ganzes Leben war stets von anderen fremdbestimmt worden. Er wollte es nicht akzeptieren, dass Severus sich zu ihnen einreihte.

Severus Snape tat nie etwas unüberlegt. Die Tatsache, dass er bereits für ihn vorgesorgt hatte, war ein Beweis dafür, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt war und dass Remus einer Zukunft ohne Severus entgegensah.

Damit wollte Remus sich einfach nicht zufrieden geben.

Severus atmete ruhig und tief ein, aber er sagte nichts. Mit einem traurigen Blick holte er ihn wieder auf den Boden zurück. Viele hätten diese Nuance in seinen Augen gar nicht erst wahr genommen. Für die meisten war er einfach nur der berechnende und emotionslose Zaubertränkemeister von Hogwarts, mit dem niemand befreundet sein wollte, geschweige denn verheiratet. Remus allerdings konnte in ihm lesen, auch wenn Severus sich die beste Mühe gab, nichts nach außen dringen zu lassen.

Eine zu lange Vergangenheit verband ihr Schicksal miteinander.

Remus beruhigte sich also wieder und fragte schließlich: »Gut, wie heißt der Mann?«

Severus zauberte wortlos seine Jacke herbei und griff in eine der Innentaschen. Sein Arm griff dabei unnatürlich tief hinein und hätte eigentlich schon längst den Saum der Jacke sprengen müssen, so dass sein Arm am unteren Ende hätte rausschauen müssen. Da wurde Remus klar, dass die Innenseiten der Tasche verzaubert sein mussten.

Hervor brachte er schließlich einen Zettel ähnlich einer Visitenkarte. Doch in der Zaubererwelt gab es keine Visitenkarten...? Wie immer es auch die Muggel in ihrer unwissenden Welt für gewöhnlich vollbrachten, die Zaubererwelt musste es doch immer wieder ein wenig mehr extravaganter umformen.

Das Stück Papier war völlig blank, wenn auch ein wenig gräulich überzogen mit leicht abgegriffenen Ecken.

Severus ließ seinen Zauberstab darüber gleiten. Remus bewunderte Severus Fähigkeit, wortlose Magie zu wirken. Er selbst hatte sich einiges beibringen können, nachdem er seinen Abschluss gemacht hatte, aber er hatte nicht das Gefühl, für dieses Zauberstufe auch nur irgendein Talent zu besitzen. Remus erinnerte sich, dass er seinen Zauberstab auf dem Nachttisch liegen gelassen hatte.

Eine Unachtsamkeit, der er sich unbedingt entledigen musste. Es war so verlockend, den Geist ausspannen zu lassen und nicht in jedem Schatten etwas Böses zu erwarten. Trotzdem schalt er sich selbst.

Normalerweise ging er nicht so unachtsam mit seinem Zauberstab um.

Severus murmelte eine Abwandlung des Accio vor sich hin, und auf dem Stück Papier erschien ein Name und eine Adresse.

»Es ist ein Hinterraum in einer Apotheke in Blackburn. Es ist leicht zu finden, aber für das Muggelauge gut versteckt. Du musst den Seiteneingang nehmen. Das Passwort ist auf der Rückseite. Die Mitarbeiter wissen Bescheid«, erklärte Severus beiläufig.

Remus begutachtete das Stück Papier als erwartete er, dass es ihm noch irgendein anderes Geheimnis offenbarte. Aber es blieb bei der bloßen Adresse. Die Rückseite ließ ihn allerdings schmunzeln.

Bellis perennis war dort zu lesen.

'Gänseblümchen?!' wollte er fragen, doch stattdessen kam ein: »Wie viel?« aus seinem Mund.

Severus hatte das letzte Stück Banane aufgegabelt und wischte damit die Reste der Marmelade von seinem Teller. »Was meinst du?«

»Die Kosten...« fing er an. »Wie viel hat es dich gekostet für zehn Jahre vorzusorgen?«

Severus schob sich mit aller Seelenruhe das Bananenstückchen in den Mund und legte sein Besteck auf dem Teller zusammen. »Wird das jetzt eine Diskussion, bei der du keine Ruhe geben wirst bis ich es dir gesagt habe oder lässt du dich mit einem 'lass das meine Sorge sein' beruhigen?«

Remus warf ihm einen skeptischen Blick zu.

Severus seufzte. »Also kein 'lass das meine Sorge sein'?«

Remus wandte den Blick nicht von ihm ab.

»Nun gut«, begann Severus. »Du weißt, wie schwierig es ist, Wolfsbanntrank zu brauen, richtig?«

Ein Nicken.

»Es ist nicht damit getan, den Trank zu brauen... Es fängt schon bei der Beschaffung der Zutaten an. Du weißt, dass Dumbledore mich bezahlt hat, damit ich den Trank braue. Aber das ist nur die Hälfte. Ich habe kein Geld von ihm dafür genommen, damit ich den Trank braue. Das Geld habe ich für die Beschaffung von Wolfswurz verwendet und zur Bestechung der Lieferanten. Wolfswurz steht unter strenger Reglementierung des Ministeriums. Es wird nur kontrolliert angebaut und geerntet. Wer welches bestellen will, muss offenlegen, für welchen Werwolf es bestimmt ist, ob er registriert ist, ob er ausreichend gesichert werden kann während der Vollmondnächte. Es bedarf drei Anträge, welches zu bekommen, in doppelter Ausführung und von vier Abteilungen unterschrieben. Ich habe Dumbledore erklärt, wie schwierig es ist, diese Zutat zu bekommen. Er hatte es sich vermutlich nicht so vorgestellt, als er zu mir kam mit der Bitte, dich monatlich mit dem Trank zu versorgen. Es stand außer Frage, dass wir den offiziellen Weg gehen wollten. Das Ministerium hing Dumbledore bereits wegen anderer Angelegenheiten im Nacken, da sollte der Antrag zur Bestellung von Wolfswurz nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf Hogwarts ziehen. Wie er das Wolfswurz beschafft hat, hat er mir bis heute nicht erklärt. Er weiß zwar, dass ich dich weiterhin damit versorge, aber er hat mich nicht nach dem Grund gefragt. Vielleicht denkt er auch einfach nur, dass ich auf einmal zum guten Samariter mutiert bin.«

»Was ist jetzt mit den Kosten? Ich habe mir ehrlich gesagt nie darüber Gedanken gemacht, wie der Trank gebraut wird oder wie viel der Trank kostet. Ich wusste, dass er außerhalb meines Budgets liegt. Also habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt.«

»Die Kosten werden vom Orden des Phönix getragen. Ich dachte, Dumbledore hätte dich davon unterrichtet?«

Remus schüttelte den Kopf. »Er kam mir nur mit der Ausrede, ich solle mir darum keine Gedanken machen.«

»Ach, und ihm gehst du dann nicht auf den Geist und lässt nicht locker, bis er dir die Wahrheit gesagt hat?«

Remus grinste verschmitzt. »Nun ja, du kennst doch Dumbledore. Wenn er etwas nicht sagen will, dann redet er so lange drum herum ohne die Frage zu beantworten, bietet einem unentwegt Zitronenbonbons an, wechselt dann mittendrin mehrmals noch das Thema, bevor er einen aus dem Raum bugsiert - notfalls auch durch das Fenster - ohne dass du merkst, dass du keine Antwort erhalten hast.« Er zwinkerte seinem Mann zu. »Bei dir ist das etwas ganz anderes...«

»Was soll das denn heißen?« fragte Severus irritiert.

»Du wirst mich schlecht rauswerfen, wenn ich dich nerve, oder mir mit Strafarbeiten drohen.« Remus lachte bei der Vorstellung.

»Ich fürchte, ich muss hier noch einmal meine Prioritäten in dieser Beziehung überdenken. Ich könnte dich aus dem Bett werfen, wenn du unerträglich wirst«, überlegte Severus und sein Mundwinkel schob sich zu einem schiefen Grinsen hoch.

»Du lenkst übrigens vom Thema ab. Also ich wusste nicht, dass der Orden die Kosten übernimmt. Das erklärt aber noch lange nicht, wie viel du für mich ausgegeben hast, um eine Versorgung für die nächsten ZEHN Jahre zu gewährleisten!«

»Das hast du durchschaut, ja?«

Remus schnaufte verächtlich.

»Also gut.« Severus nahm erstmal einen Schluck Tee zu sich und ließ sich offenbar absichtlich viel Zeit. »Wir umgehen also jeden Monat eine Höllenfahrt an Papierkram. Stell dir einmal vor, wie das für einen normalen Werwolf verläuft, selbst wenn er registriert ist und er eine reiche Familie hinter sich stehen hat. Die meisten werden trotzdem keine Arbeit finden können, auch wenn sie sich den Trank leisten könnten und bekannt ist, dass sie jeden Monat um die Vollmondnächte ausfallen werden. Der Schwarzmarkt floriert, nicht nur weil der Trank die Schmerzen lindert bei der Transformation, sondern auch bei schlechter Herstellung äußerst Sucht fördernd wirken kann. Ein Umstand, den viele Tränkebrauer zu ihren Gunsten ausnutzen, indem sie viel zu übertriebene Preise pro Trank verlangen. Und dabei ist nicht einmal sicher, ob diejenigen, die den Trank verkaufen, auch dazu in der Lage sind, die richtige Wirkung damit zu erzielen. Es wird so viel gepfuscht. Hinterher hat man zu viel Geld in einen Trank investiert, der gar keine Wirkung zeigt oder die Transformation sogar noch schlimmer macht. Der Trank muss außerdem frisch eingenommen werden, wie du weißt. Spätestens drei Tage vor Vollmond zweimal täglich. Wolfswurz muss frisch hinzugegeben werden. Es darf nicht konserviert oder getrocknet sein, ansonsten verfehlt es seine Wirkung.«

»Du hast dich gründlich darüber informiert«, stellte Remus schuldbewusst fest.

Severus schnaufte abschätzig. »Du kennst mich. Wenn es etwas nachzuforschen gibt, dann mach ich es richtig.« Er goss sich frischen Tee nach und süßte ihn mit etwas Honig. Nachdenklich rührte er mit dem Löffel in seiner Tasse. Das Klacken gegen die Porzellanwand durchbrach jäh ihr Schweigen. Auch die Vögel draußen im Garten waren verstummt.

»Albus hat mir zum Ende des Schuljahres erklärt, dass er dich einstellen möchte und kam auch gleich mit der Bitte zu mir, dir den Trank zu brauen. Ich wusste natürlich nicht, wie man ihn zubereitet. Warum auch? Ich hatte ja keinen Grund dazu, welchen zuzubereiten. Es fing an mit Beschaffung der Literatur, was schon schwierig war, weil man diese auch nur über das Ministerium erhielt. Ich wollte allerdings keinen Aufruhr veranstalten und habe mir die Anleitung anderweitig beschafft.«

»Das ist zwar sehr faszinierend, aber warum erzählst du mir das, Severus?«

»Was ich auf der Suche nach Zutaten und Anleitungen entdeckt habe, soll dir nicht passieren, Remus! Ich will nicht, dass du irgendwann wieder in der Gosse landest und keinen Job hast nur weil du unter einem Zustand leidest, für den du nichts kannst!«

»Sev, ich war bereits dort...« Remus kannte die Zustände sehr wohl. Er sprach darüber nur ungern. Severus sah ihn perplex an. »Als Albus mich zurück nach Hogwarts geholt hatte, hab ich mich von einem Job zum nächsten gehangelt, wohl wissend, dass ich den nächsten Monat da nicht mehr arbeiten würde. Ich habe jeden Job angenommen, den ich kriegen konnte, selbst in der Muggelwelt, damit ich mir wenigstens etwas zu essen kaufen konnte«, erklärte Remus ein wenig kleinlaut.

»Und ich möchte nicht, dass du noch einmal da hinein gerätst«, unterbrach Severus ihn forsch.

»Aber Sev... du versorgst mich doch damit, warum also Sorgen machen?«

»Weil der Gryffindor in dir nicht verstehen kann, dass ich nicht ewig für ihn da sein werde«, platzte es schließlich aus Severus heraus. »Ich weiß, dass du gerne in deiner Seifenblase leben möchtest. Bei Merlin! Ich wünsche mir auch nichts sehnlicher als endlich frei zu sein, ohne mich jedes Mal umdrehen zu müssen, weil ich denke, dass mir irgendjemand auflauern und mich an den Dunklen Lord verraten könnte.« Severus holte einmal tief Luft. Er wollte den Tag eigentlich nicht mit streiten verbringen. Es war ihr Jahrestag! »Ich bin zu realistisch veranlagt, um zu hoffen, dass ich den Krieg überleben werde.« Da - er hatte es ausgesprochen! »Ich möchte nur, dass du ein weitgehend normales Leben führen kannst. Sollte ich nicht mehr da sein oder auch nur irgendwie verhindert sein, wird er dir helfen, dass deine Instinkte dich nicht überwältigen.«

Remus starrte das Stück Papier an. »Was ist mit dem Wolfswurz? Wenn es frisch hinzugefügt werden muss, wer garantiert mir, dass er nicht pfuscht?«

Das war eine berechtigte Frage. Er kannte diesen Mann nicht, und bei Fremden übermannten ihn seine Instinkte und das Misstrauen, das er sich im Laufe seines Lebens angeeignet hatte.

»Du kannst ihm vertrauen, weil ich ihm vertraue. Außerdem wirst du derjenige sein, der ihn mit Wolfswurz versorgt«, sprach Severus in Rätseln.

»Wie? Ich?« stieß Remus irritiert aus. »Woher soll ich das Zeug denn bitte beschaffen?!«

»Na, was glaubst du, was das lila, ekelhaft süß riechende Zeug in unserem Garten ist?« Severus deutete mit einem beiläufigen Kopfnicken nach draußen.

Remus fiel es wie Schuppen von den Augen. »Ich dachte immer, das sei Unkraut!« rief er erstaunt aus und verdiente sich damit eine hochgezogene Augenbraue.

»Das sieht auch nicht viel anders aus und ist zu nichts anderem nützlich. Allerdings ist die Pflanze sehr dominant. Drumherum wächst entweder nur Gestrüpp oder winterfeste Kräuter. Deswegen ist die Pflanze unbeliebt bei den Kräuterkundigen, die eine Lizenz haben, Wolfswurz anzubauen.«

Da ging Remus ein Licht auf: »Und du hast so eine Lizenz?!« fragte er in einem beinahe ungläubigen doch sehr hoffnungsvollen Ton.

»Bei Merlins Bart, nein! Lizenzinhaber müssen zwei Drittel der Ernte an das Ministerium abgeben für die Bereitstellung an registrierte Werwölfe. Es reicht mir, dass ich nur einen Werwolf versorgen muss. Da möchte ich nicht noch eine Horde anderer Werwölfe am Umhangzipfel hängen haben! Außerdem würde das meinem Ruf schädigen... Severus Snape, der Retter der Werwölfe.« Er schüttelte den Kopf. »Da würde der Dunkle Lord mehr als nur eine Frage haben und mich aus dem Inneren Kreis verbannen. Das kann ich nicht zulassen.«

»Aber ist das nicht...«

»Illegal?« unterbrach Severus ihn. Remus nickte stumm. »Hochgradig illegal.« Er grinste wieder als spräche er über das natürlichste der Welt. »Als wenn mich Verbote jemals aufgehalten hätten.«

Nein, das hatten sie wahrlich noch nie, erinnerte Remus sich.

»Du hast mir immer noch nicht geantwortet«, wies Remus wieder auf den Anfang der Diskussion hin.

»Manchmal hasse ich deine Werwolfattitüden. Festbeißen bis sich dein Opfer ergibt...« Das war ein unfairer Vergleich, und das wusste Severus.

»So lange meine Opfer so sexy aussehen wie du, gehe ich damit vollkommen d'accord.« Jetzt war Remus derjenige, der wissend über den Rand seiner Teetasse hinwegsah, nicht ohne den Schalk im Nacken. »Ja, selbst der kleine Werwolf kann sich akkurat ausdrücken. Da staunst du, nicht wahr?«

»Ich gebe zu, du überraschst mich immer wieder.«

»Und ich glaube es immer noch nicht, dass du mir die Kosten noch nicht genannt hast, Severus!« wies er ihn wieder auf den Anfang des Gesprächs hin.

Severus seufzte - erneut, zum unzähligsten Male an diesem Morgen. »Die reinen Zutatenkosten belaufen sich auf 25 Galleonen. Pro Trank! Er wird einzeln zubereitet, wie du ja weißt. Der Trank kann auch nicht gelagert werden. Albus hat mir eine Aufwandsentschädigung zukommen lassen für die Mühe und die Zeit, die ich damit verbracht habe. Es war mehr ein symbolisches Entgegenkommen und jeder andere Tränkemeister hätte sich persönlich angegriffen gefühlt. Es waren rund 10 Galleonen pro Trank. Jeder andere würde mehr nehmen für den bloßen Aufwand. Den Rest kannst du ja ausrechnen. Da du die Hauptzutat selbst liefern kannst, gab es einen Nachlass im Gesamtpreis, aber das war's dann auch schon. Dr. Dörkenson ist leider nicht so leicht einzuschüchtern. Er wusste auch, dass ich unbedingt jemanden brauche, dem ich vertrauen kann.«

Er trank seinen Tee aus. »Spar dir die deine grauen Haare, Remus. Es ist bereits bezahlt«, nahm er ihm jeden Wind aus den Segeln.

»Severus! Das ist ein Vermögen!«

»Wie gesagt... es ist bereits bezahlt, also lassen wir das jetzt... Vielleicht finde ich ja bald eine Möglichkeit, wie man ihn verbessern kann, oder eine Methode, mit der man verhindern kann, dass sich Werwölfe verwandeln.«

»Das wäre mal was. Ich bin ja schon froh, dass der Trank nicht mehr so scheußlich schmeckt wie zu Anfang.« Remus erinnerte sich nur ungern an die ersten Tränke, die Severus ihm bereit gestellt hatte. Sie schmeckten bitter und er traute sich nicht, den Geschmack irgendwie abzuschwächen oder mit Honig oder Zucker zu übertönen. Nach Severus' Angaben hätte das die Wirkung beeinträchtigt.

»Da muss ich dir leider sagen, dass der Trank gar nicht so fürchterlich hätte schmecken müssen.«

»Wie meinst du das?« fragte Remus und ahnte schon, was nun ans Licht kommen würde.

»Naja, ich konnte dich nicht sonderlich ausstehen... und ein wenig Zitrone würde die Wirkung nicht torpedieren.«

»Du... Du hast was?« Er wusste nicht, ob er lachen oder ihm an die Gurgel gehen sollte. Eine Mischung aus beidem wäre wohl angebracht.

Severus lachte lauthals drauf los. »Tut mir leid«, schnaufte er.

»Von wegen 'tut mir leid'! Du hast mich das Zeug ein Jahr lang schlucken lassen!« empörte Remus sich.

»Ich darf dich daran erinnern, dass du das Jahr nicht abgeschlossen hast, Remus! Und du hast den letzten tatsächlich ausgelassen. Außerdem«, fuhr er fort, »hatte ich das Rezept zum Schluss hin verbessert... und sogar die Zitrone leichter dosiert. Gegen ein wenig Vitamin C kannst du doch wirklich nichts einwenden, oder?« Severus schmunzelte über Remus verblüfftes und auch ein wenig entsetztes Gesicht.

Remus öffnete den Mund, doch es kam nichts heraus. Der Mund schloss sich wieder - empört. Er kam sich dumm vor. Der nächste Einwand kam ihm in den Sinn und er öffnete erneut den Mund und hob dazu den Finger, um sein folgendes Argument zu untermauern. Doch auch dieses Mal blieb er stumm. Es kam nicht einmal Luft aus seinem Mund heraus.

»Was ist? Hat es dir etwa die Sprache verschlagen, Remus?« fragte Severus amüsiert. »Nun gut, ich habe deinen Trank am Anfang ein wenig manipuliert. Gewirkt hat er trotzdem. Du hast zu denen gehört, die mich während der Schulzeit getriezt haben, wundert es dich da, dass ich dir nicht vertraut habe?«

»Sev, da sind wir doch drüber weg...« Remus klang wehleidig.

»Ja, jetzt. Aber damals waren wir das nicht. Ich habe die Herausforderung geliebt, aber wollte dich trotzdem etwas leiden sehen.«

»Es war so sauer, dass ich es kaum herunter gekriegt habe!« jammerte Remus.

»Wie gesagt, es war nur Zitrone. Es hat dir nicht geschadet. Ich hatte schon befürchtet, du würdest an Skorbut erkranken wie die alten Seeleute damals auf langer Fahrt, wenn ich dir nicht zu etwas mehr Vitaminen verhelfe.«

»Ok, ok... Es war also alles in meinem Sinne...« wiederholte er skeptisch. »Und nur durch Zufall hat es den Trank komplett ungenießbar gemacht, schon verstanden!«

»Es hat niemand behauptet, dass Medizin gut schmeckt. Wenn Medizin nach Zucker schmecken sollte, dann gäbe es nur Zucker ohne Wirkung.«

Severus verzog keine Mine mehr. Er wirkte wie der Lehrer, der vor seiner Klasse stand und einen Schüler dabei erwischt hatte, den Anweisungen keine folge zu leisten. Mit aller Seelenruhe stand er auf und nahm die Teekanne mit.

»Ich setze neuen Tee auf. Irgendwelche Wünsche?« Der Salon, an den der Wintergarten angrenzte, mündete in einem Gang mit direkter Sicht auf die Haustür. Links ging es zur Küche, rechts zur Treppe zu den oberen Etagen. Vor der Küche blieb er stehen mit der Teekanne in der einen Hand und dem Deckel in der anderen. »Vielleicht willst du dieses Mal Earl Grey mit etwas Zitrone?«

Remus schnappte sich eines der Sitzkissen von den Gartenstühlen und warf es mit ziemlich genauer Zielsicherheit Richtung Gang, doch da war Severus natürlich schon längst in der Küche verschwunden.

Er schämte sich als er auf seinen Ring herabblickte. Dabei wollte er gar nicht so übertrieben reagieren. Während er sich den Ring wieder ansteckte, nahm er sich fest vor, solche Ausbrüche zu vermeiden.

Schallendes Gelächter und das Geräusch von fließendem Wasser drang aus der Küche.

Insgeheim freute Remus sich.

Sein Mann zeigte selten Freude.

Und ein Severus Snape lachte in der Regel nie.

Sein Herz machte einen Satz bei dem Klang seines Lachens, auch wenn es auf seinen eigenen Kosten war.

oOo

Das Haus stand an einer Ecke umringt von überhängenden Bäumen und schulterhohen Büschen hinter einer Jahrhunderte alten Mauer, die ihre beste Zeit längst hinter sich gelassen hatte.

Keiner würde nach ihnen in am Rande eines kleinen Dorfes genannt Righton Castle suchen.

Das Grundstück hinter der alten Mauer erinnerte mehr an einen Wald, um den die anderen Häuser später hochgezogen waren.

Die dicke Eiche im Vorgarten war mindestens doppelt so alt wie das Haus selbst. Vom Tor aus konnte man das Haus nur erahnen. Zwischen den Baumwipfeln und Sträuchern lugten blaue Dachziegel hervor und ein kleiner Giebelreiter bildete die Spitze des Anwesens. Die Glocke im Dachreiter war längst entfernt worden.

Das Häuschen musste einst in seiner Geschichte eine wichtige Aufgabe erfüllt haben für die Dorfgemeinschaft. Einen Giebelreiter errichtete man nicht so einfach auf dem Dach eines einfachen Hauses. Anstelle der Glocke hatte man versucht, dem Reiter eine Uhr anzuheften. Wenn man auf dem Dachboden auf Schatzsuche ging, würde man sicherlich noch die Reste des Uhrwerks entdecken können. Der einzige Zeuge des Vorhabens war ein verblichenes Ziffernblatt mit stehengebliebenen Zeigern. Elf Uhr fünfundfünfzig verkündeten die Zeiger seit je her.

Wer mit einem geschulten Ohr hinhörte, würde es in der Umgebung surren hören. Eine Mischung aus Bienensummen und dem statischen Pfeifen von Magie.

Auf dem Haus lagen so viele Schutzzauber, dass nicht einmal der eifrigste Auror Zutritt erlangen würde.

Remus liebte dieses Dorf.

Es war so abgeschieden und ruhig. Und sie waren die einzigen Zauberer. Wäre in dem Dorf jemand magisch begabt gewesen, hätten sie es bemerkt.

Wenn sie sich im Haus aufhielten, beließen sie es auch dabei. Sie logierten im Dorf nicht. Lebensmittel und Kleidung brachten sie stets mit. So weit ging es mit ihren Befürchtungen, entdeckt zu werden.

Es reichte ihnen, dass die Zaubererwelt ihnen gegenüber Vorurteile hegte. Sie brauchten nicht noch eine aufgebrachte Dorfgemeinschaft, die ihnen mit Heugabeln und brennenden Fackeln auflauerten, nur weil die Bewohner erfahren hatten, dass in dem Haus zwei Männer zusammen wohnten.

Von ihrer Beziehung hatten sie also nicht nur ihren Freunden nichts erzählt, sondern auch ihre Nachbarn nicht eingeweiht.

Remus war ein registrierter Werwolf.

Severus ein berüchtigter Todesser.

Es genügte ihnen, dass sie für diese Fakten schon vorverurteilt wurden. Da musste nicht auch noch das Vorurteil gegen Homosexualität hinzukommen - weder durch die Muggel, noch durch andere Zauberer.

Dabei war Remus immer davon ausgegangen, dass er für immer allein bleiben würde. Dass ihn jemand so akzeptieren würde, wie er war, das war ausgeschlossen!

Remus konnte nicht lange genug leben, um diesem Menschen zu zeigen, wie sehr er ihn liebte.

Auch wenn niemand etwas von ihrer Liebe erfahren durfte. Remus lebte für den Tag, an dem sie ihre Liebe öffentlich verkünden würden - am Ende des Krieges, wenn sie diesen denn überlebten.

Der Gedanke sollte ihren Jahrestag nicht in den Schatten stellen. Dazu hatten sie viel zu viel geopfert, um hier in Ruhe einen Tag für sich allein zu haben, ohne irgendwelchen Fragen ausweichen zu müssen.

Da Remus dauerhaft bei Sirius untergekommen war aufgrund von permanenter Arbeitslosigkeit, kam es seinem Freund natürlich seltsam vor, dass Remus mehrere Tage unterwegs sein würde ohne eine Erklärung. Dabei war nicht einmal Vollmond, der seine Abwesenheit erklären würde. Sirius' bewährtes Gespür für peinliche Fragen war nur ein Spiel mit der Zeit.

Früher oder später würde einer vom Phönixorden die richtigen Fragen stellen, auf die Remus dann keine Ausflüchte mehr parat haben würde. Es grenzte schon an ein Wunder, dass die vielen Auroren, die bei jedem Ordenstreffen anwesend waren, noch keinen Verdacht geschöpft hatten.

In solchen Angelegenheiten bewunderte er Severus' Disziplin und Verschlossenheit. Insgeheim wusste Remus, dass er einer peinlichen Befragung nicht stand halten würde, sollte Sirius oder gar Dumbledore auf die Idee kommen, ihn zu befragen.

Doch das waren alles ferne Sorgen und Probleme.

Er wollte ihren ersten Hochzeitstag nicht mit negativen Gedanken trüben.

»Bist du mir noch sauer?« fragte Severus nachdem sie den Tisch abgedeckt und sich an den Abwasch gemacht hatten.

»So sauer wie eine Zitrone!« Remus widerstand dem Drang, ihm die Zunge rauszustrecken, während er den nassen Teller abtrocknete.

Severus verzog den Mund zu einem breiten Grinsen.

»Wie kann ich das je wieder gutmachen?« fragte er überdramatisch. Die schwarzen Strähnen fielen ihm ins Gesicht.

»Ich wüsste da schon etwas...« säuselte Remus. »Aber ich gebe mich zunächst damit zufrieden, dass ich dich heute das erste Mal wieder richtig habe lachen gehört.« Die Bemerkung verfehlte ihre Wirkung nicht. »Ich mag es, wenn du lachst. Und wir werden hoffentlich noch oft Gelegenheit haben zu lachen.«

»Wie kitschig!« spottete Severus.

Das Geschirr war sauber im Schrank und das Besteck in den Schubladen verstaut. Die Pfanne hing wieder über dem Herd.

»Ich danke dir.« Remus umarmte ihn von hinten und beobachtete ihn dabei wie er er auf ach so verpönte muggelige Art den Schwamm und das Handtuch zum Trocknen ablegte.

»Wofür?« fragte Severus und drehte sich in der Umarmung zu ihm um.

»Für alles.« Remus küsste ihn auf den Mund. »Für die Tränke.« Er küsste seine Wange. »Für deine Freundschaft als ich mich verloren glaubte.« Er platzierte einen Kuss direkt über seiner Augenbraue. »Für deinen Mut.« Die andere Augenbraue. »Für deine Liebe.«

Severus löste sich aus der Umarmung und nahm ihn bei den Händen.

»Was möchtest du heute tun?« fragte Remus mit einem erwartungsvollen Glänzen in den Augen.

»Eigentlich hatte ich nicht viel für heute geplant. Ausschlafen. Ein gemeinsames Frühstück. Alles bereits erledigt... Zeit mit dir verbringen.«

»Und da dachte ich, dass ein Severus Snape wirklich alles in seinem Leben durchplanen müsste und Spontaneität nicht zu seinen Stärken gehört«, versuchte Remus ihn aufzuziehen.

»Normalerweise muss ich auch darauf vorbereitet sein, dass man mir in den Rücken fällt.«

»Und diese Angst hast du bei mir nicht?« fragte er ernst.

Severus sah ihm unerschrocken in die Augen. Normalerweise wäre dies ein Grund, zurückzuschrecken und möglichst nicht in seinem Weg zu stehen. Aber das galt nur für Schüler oder Menschen, die Severus nicht leiden konnte, was ungefähr auf 99% seiner Bekanntschaften zutraf. Remus hatte seine Scheu längst abgelegt und wich vor Severus' einschüchternden Blicken schon lange nicht mehr zurück. Der Blick, mit dem er jetzt bedacht wurde, war alles andere als einschüchternd.

»Bei dir fühle ich mich frei.«

Die Antwort überraschte ihn dennoch.

Um eine passende Erwiderung verlegen, ließ Remus Taten sprechen. Er legte ihm die Arme um den Hals und küsste ihn langsam und innig.

Er fuhr mit seiner Hand durch Severus' schwarze, glatte Haare. Eine Geste, die ihm auf einmal seine volle Aufmerksamkeit bescherte. Er mochte es, wenn diese dunklen Augen ihn mit geweiteten Pupillen ansahen, als würde er der Grund sein für das Ausschütten von Adrenalin kurz vor der Jagd... als wäre er die schmackhafteste Beute, die ihm gerade geboten wurde.

Das spornte den Werwolf in ihm an.

Besonders wenn es darum ging, die Oberhand zu gewinnen.

Heute jedoch war er sehr genügsam und fügig. Nicht nur weil er wusste, welche Wege Severus für ihn bereit war zu gehen.

Sie küssten sich erneut.

»Wollen wir rauf gehen?« fragte er zwischen den Küssen. Er meinte speziell das Schlafzimmer, aber Severus hatte wohl andere Pläne.

Erschrocken keuchte Remus in den Kuss hinein, als Severus ihn auf die Anrichte ob und sich selbst zwischen seine Beine stellte. Remus drückte seinen Mann näher an sich. Er schlang seine Beine um Severus. Nicht, dass er Angst hatte, er könnte sich auf einmal auf und davon machen, aber es verlieh ihm eine Illusion von Kontrolle.

Er wollte ihn spüren.

»Wieso hast du dir überhaupt die Mühe gegeben, dich für das Frühstück anzuziehen?« fragte Remus recht vorwurfsvoll und beinahe pikiert.

Severus war kein Freund von T-Shirts oder sonstigen legeren Kleidungsstücken. Seine Hemden mussten immer eine Knopfleiste haben. Sehr zu Remus' Verdruss, oder zu Severus' Nachteil. Denn wenn Remus es eilig hatte, flogen nicht nur die Hemden auf, sondern auch die Knöpfe flogen dann als Wurfgeschosse in alle Richtungen.

Doch dieses Mal nicht.

Severus sollte dafür bezahlen, dass er so umständliche Kleidung bevorzugte. Er ließ seine Hände an Severus Armen hinaufwandern und fuhr mit den Fingernägeln über seinen Brustkorb hinab. Da wo er die nach Aufmerksamkeit heischenden Brustwarzen durch das dünne Leinen spüren konnte, verweilte er extra lange mit seinen Fingern und zeichnete unsichtbare Muster durch den Stoff nach, wohl darauf bedacht, die empfindlichen kleinen Puckel nicht direkt zu berühren. Dafür erntete er einen frustrierten Seufzer. Seine Fingerspitzen wanderten weiter hinab, machten dann aber eine Biegung um Severus' Seiten und umarmten ihn statt weiter in mehr fordernde Regionen zu gleiten.

Ein weiteres frustriertes Stöhnen folgte und Remus konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Wenn Severus ungeduldig wurde, versuchte er, die Aufmerksamkeit anders auf sich zu lenken und einzufordern.

Die Initiative ging schließlich von seinem Mann aus, der seine Fingernägel vergrub, und zwar in eine sehr empfindliche Region, die Remus als sehr stimulierend empfand: Seine Pobacken.

Es führte jedes Mal zur gleichen Reaktion, denn er stieß dann sein Becken schon beinahe unbewusst nach vorn, wo Severus' Hüften auf ihn warteten.

Remus hasste es, wenn jemand seine Reaktionen so gekonnt provozieren konnte. Zu oft war er in seinem Leben manipuliert worden. Doch es war Severus, der seine Saiten zum schwingen brachte wie ein Virtuose seine Violine erklingen ließ, und kein Fremder. Sein Körper war Wachs in Severus' Händen. So lange seine offenkundigen Liebkosungen in glückstrunkenem Zerwühlen der Bettlaken endete, war es Remus recht.

Er legte schließlich nicht irgendwem sein Herz offen in die Hände, sondern es war die eine Person, der er alles anvertraute und für die er alles geben würde, selbst sein eigenes Leben.

Severus mochte es beizeiten manchmal rau und schroff, aber Remus kannte auch seine zärtlichen Seiten. Die, welche Severus niemandem sonst zeigen würde, zu dessen Freiheit er sich nie öffentlich bekennen würde. In Remus' Armen aber war er frei, alles zu tun und zu fordern, was er begehrte.

Und dieser jemand forderte nun Aufmerksamkeit, die Remus ihm willentlich verwehrte. Er fühlte sich schon ein wenig schlecht dabei.

Severus spielte mit unfairen Mitteln, denn Remus hatte im Gegensatz zu ihm eine Vorliebe für einfache Kleidung. Und so kam es, dass Remus morgens - auch wenn die Zeit bereits schon zu weit vorangeschritten war, um es 'morgens' zu nennen - nur Jogginghose und T-Shirt trug und bevorzugte denn ein Hemd mit Knopfleiste und störendem Kragen.

Severus' Finger stahlen sich unter den T-Shirtsaum auf seine nackte Haut. Keine zärtliche Berührung, wie die einer Knospe, sondern kräftig mit Fingernägeln, die sich nun scharf über Remus' unteres Kreuz krallten und garantiert für die nächsten Tage ihre Spuren hinterließen. Sein Körper streckte sich Severus entgegen.

»Heute so ungeduldig?« neckte Remus ihn zwischen den Küssen.

Severus grummelte tief, während er sich schließlich von den diabolisch grinsenden Lippen löste und sich einen Weg zur Halsschlagader bahnte, die bereits prominent unter der Haut hervorstach.

»Wenn du nur ein normales T-Shirt tragen würdest, oder ein Unterhemd... oder ein ganz normales Pyjamahemd, mit vier oder fünf Knöpfen, dann wären wir schon längst fortgeschrittener zu Gange, mein Lieber. Aber nein, du musst ja darauf bestehen, diese teuren Hemden zu tragen mit mindestens 30 Knöpfen!« murmelte Remus.

»Du bist Zauberer! Mach was draus!« knurrte Severus und biss sich unsanft in Remus' Halsbeuge fest.

»Ahh!« rief dieser überrascht aus, stieß ihn aber nicht von sich. Nachdem er wieder halbwegs denken konnte, sagte er: »Wo wäre denn da der Spaß, wenn ich dir einfach deine Kleidung weghexe?«

»Was für eine faule Ausrede!« murmelte Severus während er die andere Seite von Remus Nacken bearbeitete und ihn schier in den Wahnsinn trieb. Das beengte Gefühl in seiner - eigentlich! - recht weiten Jogginghose wurde allmählich unangenehm.

»Mein Zauberstab liegt oben auf dem Nachtschränkchen...« brachte sein hormonvernebeltes Gehirn gerade noch zu Stande.

Plötzlich hielt Severus ihn auf Armeslänge entfernt und taxierte ihn mit abschätzendem Blick. Seine Augen wirkten dunkler als sonst. Die leicht durcheinander geratenen Haare und seine vom Küssen pink verfärbten Lippen faszinierten Remus, dass er zuerst gar nicht registrierte wie die wunderschöne Aktivität zu einem abrupten Ende gekommen war.

»Der Blick steht dir. Du solltest öfter geküsst werden.« Remus grinste schelmisch und wollte ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen geben, doch Severus wich zurück und hielt Remus bei den Schultern fest.

»Was hast du?« fragte er schließlich, nachdem ihm das Verhalten seines Mannes selbst für einen Severus Snape atypisch vorkam.

»Kannst du etwa deinen Zauberstab nicht herbeirufen?« fragte er vollkommen und ernsthaft entrüstet und mit zusammengepressten Lippen.

»Nein... kann ich nicht...« Remus hielt es für unwichtig, besonders jetzt in diesem Moment.

Er griff nach Severus' Kragen und wollte ihn zu sich heranziehen.

Doch Severus blieb standhaft und hielt ihn weiter auf Abstand. Remus wusste, dass er ihn mit Leichtigkeit überwältigen konnte. Durch seine Lykanthropie war er stärker als ein normaler erwachsener Mann, auch ohne Vollmond und Verwandlung. Und sie beide wussten, dass Remus die Oberhand gewinnen würde, sollten sie sich in bloßer Manneskraft messen wollen.

Er schaute in das Gesicht seines Mannes und erblickte den Lehrer, der kurz davor war, seinem Schüler Strafarbeit für einen Monat aufzuhalsen, nur dass Remus ihn nicht ganz ernst nehmen konnte, ohne seine schwarze Kluft und ohne die malerische Umgebung der Kerker von Hogwarts.

Doch etwas in Severus' Blick ließ ihn zurückweichen.

Er konnte förmlich sehen, wie die Maske des emotionslosen Professors sich über seine Mimik legte und auf einmal schienen Welten zwischen ihnen zu liegen: Remus, eine Frohnatur an sich, der auch noch das Positive im Leben erblicken konnte, wenn er gebrochen in der Gosse lag, und Severus, dessen Augen so alt wirkten wie Dumbledores; Augen, die zu viel gesehen hatten. Dessen Blick von Finsternis und Grausamkeit ummantelt war. Ein Mann, der mit dem Ernst des Lebens unbedingt in Sturheit und Entschlossenheit konkurrieren wollte.

»Hab ich dir nicht gesagt, dass du das üben musst?« Es war eine rein rhetorische Frage.

»Hast du«, bestätigte Remus leicht genervt und wollte von der Anrichte herunterrutschen.

»Und?« Severus hielt ihn da fest, wo er gerade saß, und schaute ihn erwartungsvoll an, beide Augenbrauen hochgezogen.

»Hab ich nicht!« stieß er alles andere als reumütig aus.

Severus verdrehte die Augen.

»Hast du vergessen, wie wichtig es ist, seinen Zauberstab jederzeit erscheinen zu lassen, ganz gleich, wo du ihn liegen gelassen hast?« Severus versuchte, seine strengste Stimme zu verwenden. Ganz genau wie er vor seinen ungezogensten Schülern sprechen würde, dass sich die Schüler vor Angst keinen Pieps mehr zu sagen trauten. Doch irgendwie gelang es ihm nicht ganz. Es lag wohl an seinem aufgewühlten Zustand, an dem Remus ganz allein schuld war.

»Nein, hab ich nicht.« Jetzt klang Remus wie ein schmollendes Kind, dem das liebste Spielzeug weggenommen wurde.

»Müssen wir die Übung etwa wiederholen?« fragte Severus wenig amüsiert. Er legte den Kopf dabei schief, so dass sein Blick an seiner Nase entlang hinunter zu Remus glitt und dieser so gleich einen Vorgeschmack dessen bekam, was Severus' Schüler zu ertragen hatten.

Den Augenblick, in dem Remus' Verstand Klick machte, konnte man von seinem Gesicht ablesen wie von einer Reklametafel. »Ist das etwa eine Ihrer geheimsten Fantasien, Professor?« Verspielt legte er einen Finger auf die gespitzten Lippen und war sogar relativ stolz auf sich selbst, nicht lauthals drauf loslachen zu müssen. Ein wagemutiger Wimpernaufschlag folgte.

Severus linkes Augenlid zuckte. »Du weißt, das Spiel kann man auch zu zweit spielen...« ermahnte er ihn.

»Na, das hoffe ich doch!« Remus kicherte wie ein aufgeregtes Schulmädchen. Er fuhr mit dem Zeigefinger über Severus' immer noch viel zu überbekleidete Brust und hielt erst in seiner Bewegung an, als er die silberne Schnalle des Ledergürtels erreicht hatte.

Severus starrte ihn streng an und wich einen Schritt zurück. Der sanftmütige Liebhaber war verschwunden. »Hände auf die Anrichte, Mr. Lupin«, sagte er langsam. Seine Zunge umschmiegte dabei jede einzelne Silbe.

Remus reagierte nicht sofort und hakte seinen Finger stattdessen hinter den Ledergürtel ein, um seinen Mann wieder näher an sich heranzuziehen. Doch dieser blieb standhaft und regte sich nicht.

»Haben Sie Bohnen in den Ohren, Mr. Lupin?« fragte er kalt.

Remus starrte ihn bedröppelt an.

Meinte Severus das nun ernst?

Er konnte es nicht einschätzen.

»Nein?« fragte er recht unsicher.

Er streckte den Hals nach ihm und wollte die grimmigen Lippen mit den seinen einfangen, doch ein pointierter Zauberstab bohrte sich auf einmal gegen sein Brustbein und er wich langsam wieder zurück.

»Das heißt: 'Nein, Sir!', Mr. Lupin. Wenn Sie keine Erziehung genossen haben, werde ich mich gerne dazu bereit erklären, Ihnen die Werte und den nötigen Respekt, den Sie einem Mentor entgegenzubringen haben, gründlich zu erläutern.«

»Bist du jetzt mein Mentor, ja?« fragte Remus belustigt.

Die Spitze des Zauberstabs drückte schmerzhaft gegen seine Brust, so dass er unwillkürlich davor zurückwich.

Remus schluckte.

»Bedeutet das, dass Sie mein Mentor sind, Sir?« versuchte er zu seiner spielerisch verführerischen Seite zurückzufinden.

»Das wird sich zeigen«, bekam er als Antwort.

»Ist das denn an Voraussetzungen gebunden?«

»Merken Sie sich eins, Mr. Lupin.« Severus kam seinem Gesicht so nahe, dass er dessen Atem auf seiner Haut spüren konnte. Die Lippen waren so verführerisch nahe, dass er sich automatisch nach ihnen streckte... und ins Leere fiel.

Severus stellte sicher, so langsam zu sprechen, dass es selbst ein hormongesteuerter Wolf verstehen müsste: »Sie werden ihren Zauberstab herbeirufen und dafür belohnt werden, oder - gesetzt den Fall, dass Sie sich entgegen Ihres Levels entsagen und den Übungen nicht folge leisten - bestraft werden.«

Remus lief es abwechselnd heiß und kalt über den Rücken vor freudiger Erwartung, und scheiterte dabei, seine Freude zu verbergen.

»Sind Sie bereit, Mr. Lupin?«, fragte er, ganz in seinem Element aufblühend.

Remus' Mund war ganz trocken. Statt zu antworten nickte er stumm.

Severus deutete auf Remus' Knie. »Spreizen!«, befahl er ihm.

Remus befolgte die Anweisung wie ein lernwilliger Welpe.

Snape stellte sich wieder zwischen seine Beine und ergriff dessen Oberschenkel. Mit den Daumen an der Innenseiten fuhr er die Schenkel entlang.

Die Stoffbarriere störte Remus immens.

»Rufen Sie sich bildlich ins Gedächtnis, wo Ihr Zauberstab liegt«, wies er ihn an. Seine Daumen zogen Kreise an der oberen Hälfte seiner Oberschenkel. Immer näher zum Ansatz seiner Hüfte hin, und wieder zurück.

»Jetzt stellen Sie sich vor, wie Sie Ihre Finger um das Holz Ihres Zauberstabes schließen«, sprach er weiter. Er war dem Gesicht seines willigen Schülers näher gekommen und strich mit seiner Nasenspitze die Wange entlang bis zum Haaransatz und dann an der Ohrmuschel entlang. Sein Atem verwob sich in Remus' viel zu lang gewordenen Strähnen. »Fühlen Sie die Beschaffenheit, fühlen Sie den Kern Ihres Stabes, die Verbindung zu Ihrer Magie...«

Seine Lippen geisterten über die dargebotene Haut. Remus wartete. Er sehnte sich nach einer Berührung dieser Lippen, doch sie kam nicht.

»Im Moment spüre ich etwas ganz anderes.« Remus Stimme zitterte vor Erregung. Wie sollte er sich da auf ein Stück Holz im Schlafzimmer konzentrieren können?

»Ruhe! Sie werden erst dann sprechen, wenn Sie aufgefordert werden, Mr. Lupin. Ist Ihnen das klar?«

Remus lehnte den Kopf an Severus Schulter und nickte stumm.

Das genügte anscheinend nicht. Severus wich einen Schritt zurück. Die viel zu kurze Berührung wurde ihm entzogen.

»Ich muss Sie wohl disziplinieren, Mr. Lupin. Sie sprechen, wenn ich Sie auffordere. Eine Geste ist keine Antwort!« Mit der Spitze seines Zauberstabes berührte er die Halsschlagader.

Er pointierte den Zauberstab auf Remus' Hals. Die Spitze fühlte sich warm an und wurde immer wärmer, bis es beinahe schmerzte. Dann fuhr Severus mit dem Stab sein Brustbein hinab - elendig langsam. Der Geruch von verbranntem Leinen stieg ihm in die Nase.

»Wenn Sie hinuntersehen, werde ich Sie weiter bestrafen müssen, Mr. Lupin. Ich kann warten... Haben Sie die nötige Disziplin?« Severus Mundwinkel zog sich abwertend hoch.

Jeder hätte Remus für verrückt erklärt, aber er liebte es, wenn Severus ihn dominierte.

Es stand völlig im Widerspruch mit seiner Werwolfsnatur, und er wusste auch, dass er ihm physisch weitaus überlegen war. Wenn er es wollte, dann könnte Remus jederzeit dieser Szene ein Ende setzen. Doch eben genau darin lag der Punkt: Er wollte es nicht!

Also starrte er in diese dunklen Augen und wartete auf die nächste Anweisung.

»Konzentrieren Sie sich, Lupin!« befahl Severus harsch.

Es lag ihm ein zynischer Kommentar auf der Zunge. Er schluckte ihn herunter. Er kannte Severus Ausdauer und Disziplin, mit der er Remus um Längen schlug. Also versuchte er, den Anweisungen zu folgen.

»Ihr Stab wird auf Ihren Ruf hören. Stellen Sie sich vor, Sie halten Ihn in Ihren Händen.«

Remus spürte auf einmal, wie kühle Luft auf seine Brust traf. Der Mistkerl hatte sein Lieblingsshirt mit seinem Zauberstab zerteilt!

»Ich hoffe, der Professor weiß, wie man Leinen wieder nahtlos zusammensetzt!« forderte Remus ihn empört heraus. Severus fixierte seine Hände auf der Anrichte und kam seinem Gesicht bedrohlich nahe.

»Ruhe!« Das R rollte wie ein Knurren über seine Zunge hinweg.

Er war ihm so nahe, dass er die Bartstoppeln auf seiner Wange spüren konnte.

»Wenn Sie wollen, dass ich ruhig bin, müssen Sie mir schon den Mund stopfen, Professor Snape!« Vielleicht kam er ja so an seinen ersehnten Abschluss. Für einen abgelenkten und lippenfixierten Werwolf war das eine sehr spitzfindige Pointe, und wenn seine Hände nicht gerade auf die Ablage getackert wären, würde er sich sogar selbst dafür auf die Schulter klopfen.

»Ich soll Ihnen also den Mund verbieten, ja?«

»Ich denke, das würde meine Konzentration immens unterstützen, Professor«, sagte Remus und versuchte irgendwie aufreizend zu wirken, fühlte sich dann aber irgendwie recht plump und aus der Übung. Wären sie öfter zusammen, dann hätte Remus jetzt nicht das Gefühl, so aufreizend zu wirken wie Salpetersäure mit einem Schuss Pfefferspray.

»Das wäre wohl wünschenswert.«

Remus freute sich wie ein kleines Kind auf den Kuss, der nun folgen würde. Mit seiner Hakennase umspielte er Remus' Gesicht, zeichnete Muster auf seiner Wange nach und dirigierte ihn regelrecht. Remus folgte ihm wie ein aufgeregter Welpe. Seine Lippen berührten die seinen, strichen über sie hinweg. Im letzten Augenblick schloss Remus sehnsüchtig die Augen.

Doch es passierte nichts!

Entsetzt starrte er seinen Mann an.

Dieser hatte sich zurückgelehnt und begutachtete ihn wie ein Objekt unter einem Mikroskop.

»Du gemeiner Schuft!« entwischte es ihm.

Severus grinste zufrieden. »Ich habe dich zum Schweigen gebracht, so wie du es selbst vorgeschlagen hast. Auf welche Weise du zum Schweigen gebracht werden wolltest, hast du nicht gesagt.«

Remus fühlte sich als hätte man ihm den Lolli vor der Nase weggeschnappt.

»Na, warte!« rief er und löste sich kinderleicht aus Severus' Griff, um nach dessen Gesicht zu schnappen, und sich den Kuss zu holen, auf den er gewartet hatte.

So sehr er sich aber anstrengte, Severus wich ihm immer wieder aus. Schließlich legte er ihm die Hand auf die Brust und schob ihn von sich.

»Sie vergessen sich, Mr. Lupin!« Seine Mine war stur und emotionslos.

Manchmal fragte er sich, ob er Dr. Jekyll und Mr. Hyde geheiratet hatte. Wenn er sich so Voldemort gegenüber gab, konnte er durchaus verstehen, wie er die anderen hinters Licht führen konnte!

»Werde ich jetzt bestraft?« fragte Remus völlig schuld befreit.

Das schiefe Lächeln entschwand, so dass Remus vage an seinen Lebensentscheidungen ins Zweifeln geriet.

Als Severus sich schließlich doch dazu herabließ, mit ihm zu sprechen, umspielte seine Zunge jedes Wort, jede Silbe einzeln und unheimlich langsam: »Das bleibt abzusehen, wie Sie sich verhalten, Mr. Lupin.« Wieder griff er nach seinen Händen und drehte die Innenflächen nach oben. »Stellen Sie sich vor...«

»Was denn? Sind wir immer noch bei der Zauberstabsache?!« unterbrach Remus ihn genervt.

»Je eher Sie sich anstrengen, meinen Anweisungen zu folgen, desto schneller werden Sie entlassen und desto schneller können wir uns anderen angenehmeren Themen widmen, Mr. Lupin.«

Er konnte sich irren, aber wenn es nach Severus' Zunge ging, so müsste sein Familienname eigentlich anders klingen, was Remus an etwas erinnerte:

»Ich werde mich bemühen, unter der Bedingung, dass Sie mich unter meinem richtigen Namen ansprechen, Professor Snape.«

Für einen Augenblick fiel Severus aus seiner Rolle: »Du weißt, dass das Muggeldokument in unserer Welt keine rechtliche Gültigkeit hat?«

»Ich weiß! Aber es ist mir egal! Ich könnte dich nie heiraten, auch wenn wir nicht in dieser elendigen Situation wären! Ich weiß, dass ich lebenslang unter Beobachtung stehen werde und auch, dass ich jederzeit inhaftiert werden könnte, sollten sie sich doch dazu entscheiden, sich dem Werwolfproblem auf andere Weise zu widmen! Ich bin mir dessen bewusst, dass ich jederzeit in Askaban landen könnte, wenn ich auch nur einmal einen anderen Menschen beißen sollte. Oder wenn ich dessen auch nur beschuldigt werden sollte. Das alles ist mir klar, Severus, seit ich ein Kind war!« Er hatte gar nicht vor gehabt, ihm eine Szene zu machen. Nur widerwillig ließ er sich von Severus' Armen einschließen. »Hier gibt es kein Ministerium, das sinnlose Gesetze erlässt, um Leute wie mich klein zuhalten. Hier gibt es keine Vorurteile gegen das, was ich bin oder gegen das, was wir gemeinsam haben. Also bitte: Nenn mich bei meinem richtigen Namen«, flehte er ihn an. »Und wenn es nur dieses eine Mal ist.«

Severus lehnte seine Stirn gegen Remus' und lächelte fast. »Also gut... Wollen Sie sich konzentrieren und die Aufgabe beenden, Mr. Snape?«

»Ich will es versuchen, Professor Snape.« Remus kam nicht umhin, leise zu kichern.

»Halten Sie Ihre Hände mit der Innenfläche nach oben. Stellen Sie sich vor, wie Sie Ihren Zauberstab mit ihrer Stabhand umschließen. Der Stab ist alt. Sie kennen Ihn besser als jeder andere, kennen jede Wölbung, jeden Kratzer, jede Verzierung, und wenn sie auch noch so abgenutzt ist. Sie kennen die Macht, die der Stab in sich bündelt, wenn Sie einen Zauber aussprechen. Wenn Sie Ihn benutzen, ist er wie eine Verlängerung Ihres Armes und Ihrer Magie. Können Sie sich das vorstellen, Mr. Snape?« Er strich ihm wieder mit den Daumen über die Innenseiten seiner Oberschenkel entlang und war in seinem Schoß angekommen, wo er sich sehr lasziv der wachsenden Wölbung widmete.

Remus sog die Luft scharf ein.

»Das ist...«

»Was ist es, Mr. Snape?« unterbrach Severus ihn. »Unfair? Ablenkend?« Er griff fester zu. »Gefällt Ihnen das?«

Remus' Pupillen weiteten sich. »Ja«, hauchte er.

»Konzentrieren Sie sich, Mr. Snape. Sie wollen doch diese Übung nicht unnötig hinauszögern, oder etwa doch? Ich habe den ganzen Tag Zeit. Wie steht es mit Ihnen?«

Frustriert atmete Remus tief durch.

Er schloss die Augen, um sich von diesen verführerischen Gedanken abzubringen, die Severus' Gesicht mit sich brachten. Ein kribbelndes Gefühl sammelte sich in seiner Magengegend, das sich in seine Arme ausweitete und seine Hände wärmte. Der Zauberstab lag auf seinem Nachtschränkchen, das wusste er. Er hatte ihn schließlich am Abend zuvor da abgelegt. Das Kribbeln intensivierte auf seinen Handflächen, und auf einmal lag er da. Ohne große Umstände. Kein grelles Leuchten, kein 'Pouff!'.

Triumphierend hielt er ihn hoch.

»Beeindruckend, Mr. Snape«, lobte Severus ihn und wollte ihm seine Lippen aufdrücken, doch der Gryffindor hatte etwas anderes vor.

»Nicht so schnell, mein Lieber!« Remus hielt ihm die Spitze des Stabs auf die Brust gepresst, so dass er ihn damit einige Schritte von sich wies. Damit erntete er ein leicht entrüstetes Schnauben. Ein Geräusch, mit dem er sich in den letzten Jahren durchaus vertraut gemacht hatte. Es war ein Zeichen von Anerkennung, wenn man so sagen wollte - in Severus' Art.

Er überlegte sich eine Antwort auf seine kleine Qual, der Tisch hatte sich zu seinen Gunsten gedreht.

»Was ist los, Mr. Snape? Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?« Severus grinste süffisant.

Remus blieb stumm.

Manchmal verfluchte er sich selbst für seine fehlende Schlagfertigkeit. Stattdessen deutete auf die Beule in seiner Hose als wäre es eine Erklärung. Er drängte Severus immer weiter zurück bis dieser gegen die Kante des Küchentisches stieß.

»Da Sie ja nun über Ihren Zauberstab verfügen, könnten Sie sich dem Problem der Bekleidung widmen, über die Sie sich so jämmerlich ausgelassen haben, weil Sie zu faul waren, und die Entkleidung Ihren Fingern offenbar eine schier unmögliche Überwindung abgerungen hätte.« Er lehnte sich selbstsicher gegen den Küchentisch und strich mit seinen Fingerspitzen die Knopfleiste seines Hemdes entlang als präsentiere er sich auf einem Silbertablett. »Sie haben Ihr Werk noch nicht beendet, Mr. Snape. Wenn ich also bitten darf?«

»Wie Sie wünschen!« Mit einem Wink war das Hemd weg. Nicht explodiert. Nicht einfach ausgezogen, weggezerrt oder verbrannt. Nein, es war einfach weg.

Im nu befestigte Remus den Zauberstab an seinem Handgelenk, an dem eine unsichtbare Halterung geschnallt war. Mit der Halterung verschwand auch der Stab wieder. Ein Trick, den er sich von seinem Mann abgeschaut hatte.

»Und die Hose?« fragte dieser vorwurfsvoll.

»Um die werde ich mich persönlich kümmern.« Remus' Augen funkelten im Sonnenschein, der durch das große Fenster hinter Severus einfiel. Die Hose sollte kein echtes Hindernis darstellen, doch zunächst wollte er Vergeltung ausüben für die schäbige Folter, der er eben noch ausgesetzt war.

Er versiegelte ihrer beider Lippen zu einem Kuss, der schüchtern begann und dann an Leidenschaft zunahm bis beide atemlos keuchten. Seine Fingerspitzen erkundeten die blasse Haut unter ihnen wie ein Blinder ein Buch in Brailleschrift erkundete.

Keine Narbe war vor ihm gefeit, und Narben waren auf Severus' Körper nur allzu präsent. Er küsste die weiße Linie seines Halses entlang bis zur Halsbeuge, in die er sich verbiss mit einer solchen Hingabe, dass Severus seine Frustration nicht mehr unterdrücken konnte. Auch seine Finger wurden fordernder, doch Remus wusste sich dieses Mal zu beherrschen und wollte keine Eile walten lassen.

»Sag mir, was du willst!« forderte Remus seinen Mann auf, während er dessen Rücken mit seinen Krallen bearbeitete. Er konnte sich nie dazu entscheiden, ob es er selbst war oder ob es eine animalische Vorliebe seines inneren Werwolfs war, die ihn dazu trieb. Sein Mann musste markiert werden, immer und immer wieder. Andere Werwölfe sollten gar nicht erst auf die Idee kommen, Severus zu beanspruchen.

»Hng...« bekam er lediglich als Antwort.

Remus grinste in den Kuss hinein, der ihn hinab führte zu den nahezu auffordernden Brustwarzen, die zu sich zu kleinen dicken Nervenklumpen verhärtet hatten.

»Was ist los?« fragte er und hinterließ mit seiner Zunge eine feuchte Spur auf der bleichen Haut. »Hat der berühmte Severus Snape seine Zunge verschluckt? Derjenige, der nie um einen abfälligen Kommentar verlegen ist?«

Severus schnaufte verächtlich.

»Ich warte immer noch. Sag es mir, oder ich werde mich gleich vor die Muggelkiste werfen und dich den ganzen Tag ignorieren!« Seine Lippen umschlossen eine der Brustwarzen, an der er so lange sog und nagte, bis er ein kehliges Grollen vernahm. Dann eine Hand in seinen Haaren und er wurde von seiner Beschäftigung fortgerissen. Herausfordernd starrte er hinauf in die schwarzen Augen, die ihn so unbarmherzig und doch begierig beobachteten.

»Auf die Knie, Wolf!« knurrte Severus dunkel.

Remus folgte dem Befehl ohne Widerworte.

»Ich will dich so lange hart durchficken, bis dir die Lichter in deinem Oberstübchen ausgehen, bis du nicht nicht einmal mehr an deinen eigenen Namen erinnern kannst!«

Remus schoss die Schamesröte vor Vorfreude zu Kopf. Die Wortwahl war selbst für Severus ungewohnt. Er spürte einen Ruck an seinen Haaren.

»Muss ich dir deine Aufgabe ausgiebig erklären, oder kannst du dich noch daran erinnern, was du tun musst?« herrschte Severus ihn an. Seine Hand wanderte von seinem Haar sein Kinn entlang und strich mit seinem Daumen über die gerötete Wange. Remus nutzte die Gelegenheit, um den Daumen mit seinen Zähnen zu fassen und tief einzusaugen. Mit seiner eifrigen Zunge leckte er das Salz von der Haut.

»Du kleines Biest!« keuchte Severus, der sichtlich unter den Andeutungen mit seiner sonst streng disziplinierten Fassung zu kämpfen hatte.

Remus schloss die Augen, während er den Daumen immer noch mit seiner Zunge umschmiegte. Seine Hände fuhren die bekleideten Oberschenkel hinauf, zielstrebig, bis er feststellte, dass selbst Severus' Hose Knöpfe hatte. Er verdrehte über diesen Knopffanatismus die Augen und entließ dabei Severus' Daumen.

»Was hast du nur gegen Reißverschlüsse, Darling?!« Ungeduldig knöpfte er die Hose auf und befreite das Objekt, auf das er es abgesehen hatte.

Severus stöhnte beim ersten Hauch, der seinen Schaft umgarnte.

Sein Mann hatte allerdings vor, ihn offenbar umzubringen - so hätte Severus es vermutlich vor dem Zaubergamot unter Eid ausgesagt.

Anstatt sich um das überaus nach Aufmerksamkeit heischende Objekt zu kümmern, entblößte er Severus erst einmal komplett, angefangen bei den Hausschuhen. Elendig langsam schälte er ihn aus der Hose und Unterwäsche. Ein Geduldsspiel, das Severus aus der Reserve locken sollte. Aber dazu benötigte es durchaus mehr, und das wusste Remus.

Ein grimmiges Knurren entwich der Kehle seines Mannes.

»Du wirst doch nicht etwa ungeduldig?« Noch bevor Severus sich darauf eine zynische Antwort ausdenken konnte, hatte Remus seinen Schaft ergriffen, seine Lippen darum geschlossen und ihn beinahe zur Gänze in seinem Mund aufgenommen.

Severus sackten die Knie weg. Er konnte sich gerade noch an der Tischkante festhalten. Remus wusste, was gut für ihn war und er wollte ihn mit allen Tricks verwöhnen, vielleicht aber auch quälen. Abwechselnd. Mal mit seinem Mund, mal nur mit seiner Hand und immer den Blick nach oben gerichtet, von wo aus ihn diese schwarzen Augen beobachteten als wäre er das Sahnehäubchen auf der Schokoladentorte.

Spindeldürre Finger griffen in sein lockiges Haar. Wortloses Einvernehmen zwischen ihnen und Remus ließ sich von der Hand in seinen Haaren führen. Jedes leiseste Seufzen war Musik in seinen Ohren. Diese zugeknüpfte Persönlichkeit, die niemanden an sich heranließ und für alle anderen ein Buch mit sieben Siegeln war, eben dieser Mann öffnete sich ihm auf einen bloßen Wink mit der Wimper.

Seine Zunge glitt über das harte Fleisch auf und ab. Immer wieder erntete er ein tiefes Grollen, wenn er an der zarten Haut nagte.

Remus wusste, wann er aufhören musste, bevor es zu schnell wieder vorüber sein würde, ohne dass er - wie Severus es so schön formuliert hatte - in den Genuss kommen konnte, den Verstand ausgeknipst zu bekommen.

Langsam wanderten seine Lippen über die Haut eines viel zu flachen Bauchs und über die Muskeln hinauf, die trotzdem die einzelnen Rippen nicht verbergen konnten. Immer wieder blieben seine Lippen hängen, um Schmetterlingsküsse zu verteilen.

Barsch wurde er hochgezerrt, seine Lippen stürmisch erobert und mit einem Blick begutachtet, dass ihm abwechselnd kalt und heiß den Rücken hinunterlief.

Leicht außer Atem schritt Severus zur Seite und wies auf den Tisch.

»Du bist an der Reihe.«

Wenn sie sich so gegenüberstehen, fiel der Größenunterschied zwischen ihnen auf. Remus war knapp einen halben Kopf größer als Severus. Sein Mann musste zu ihm aufschauen, und dennoch ließ er sich nie von der Körpergröße beeindrucken.

Alle Gedanken in seinem Kopf erloschen, denn Severus schob ihn sehr bestimmt auf den Tisch und drückte ihm seine Lippen auf. Der Kuss startete langsam und mündete in einem stürmischen beinahe brutalen Duell zwischen Lippen und Zungen. Remus stöhnte laut auf als Severus sich in seine Unterlippe verbiss.

Er streifte ihm das zerschlissene T-Shirt von den Schultern. Mit einem Handgriff war der Knoten der Jogginghose gelöst. Da der Werwolf relativ mager gebaut war, glitt Remus' Hose sang- und klanglos herunter.

Keine Unterwäsche. Severus quittierte dies mit skeptischem Blick.

»Erinner mich daran, dass ich dich besser füttern muss...« flüsterte Severus mit halb geschlossenen Augen.

Remus lachte. »Bei Sirius' Kochkünsten würdest du auch lieber am Hungertuch nagen!«

Bei der Erwähnung von Blacks Namen krallte Severus seine Finger in die entblößten Arschbacken.

»Außerdem vergisst du«, fing Remus an und griff nach Severus' beachtlicher Erektion, die ihm dreist in den Bauch stach, »dass die Verwandlung mich enorm viel Energie kostet. Nach einer Vollmondnacht hab ich so viel Energie verbraucht wie in einer Woche Quidditch Training.«

Verspielt sog er Severus' Unterlippe ein und vollführte mit seinem Daumen ein paar Manöver, die ihm mit einem scharf eingesogenen Stöhnen ihre Wirkung quittierten.

»Schluss mit den Spielchen!« schnaubte Remus schließlich. »Du hast mir versprochen, mir das Hirn rauszuvögeln und ich warte noch drauf. Bisher gab es ja nur heiße Luft!«

Im nu fand er sich mit der Tischplatte konfrontiert, und eine eiserne Hand legte sich um seinen wie eine eins aufrecht stehenden Schwanz. Überrascht keuchte Remus auf.

Er spürte wie sich Severus über ihn beugte und seine Brust sich gegen Remus' Rücken drückte. Mit unsanften Bissen malträtierte Severus die linke Schulter und flüsterte tonlos: »Dein Wunsch ist mir Befehl!«

Er fühlte kalte, ölige Finger zwischen seinen Pobacken. Wo Severus auf einmal das Gleitgel wieder her hatte, wollte Remus im Grunde genommen gar nicht erst erörtern. Der Mann war auf alle Situationen vorbereitet - immer!

Ein Finger überwand den Muskelring und drang in ihn ein. Er spürte wie sich der Finger krümmte und ihn massierte, und - so diabolisch wie Severus nun einmal war - stets den einen Punkt umging, der Remus zum heulen bringen konnte.

Erst ein Finger, dann zwei, und immer krümmten sie sich in die falsche Richtung. Frustriert wackelte ein wenig mit dem Hintern, um die Finger zu der Stelle zu dirigieren, die sein Herz schneller schlagen lassen würde. Ein dritter Finger kam hinzu und schließlich war es zu eng, um die Stelle weiterhin absichtlich zu meiden.

»Severus!« stöhnte Remus gereizt.

Er bekam keine Antwort, jedenfalls keine verbale. Stattdessen beugte Severus sich wieder zu ihm hinunter und übersäte die rot markierte und empfindliche Stelle auf seiner Schulter mit sanften Küssen und Bissen. »Sev!« Er wollte sich aufbäumen und gegen diese sensible Qual protestieren, doch Severus drückte ihn mit seinem vollen Gewicht auf den Tisch. Das Lachen vibrierte gegen seinen Rücken.

»Du bist heute ganz schön ungeduldig!« Seine Lippen geisterten über den Rand von Remus' Ohrmuschel.

»Wir haben so selten Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen. Also sei nicht so gemein...« forderte Remus frustriert.

Severus' Nasenspitze wanderte über Remus' Nacken hinweg zur anderen Schulter, wo er seine Lippen nur über die Haut geistern ließ.

»Severus!« jammerte Remus beinahe weinerlich.

Endlich zeigte sein Mann Erbarmen. Seine Finger berührten den Punkt und drückten schonungslos dagegen, so dass Remus vor seinen Augen Sterne funkeln sah. Die Hand um sein Glied pumpte im gleichen Rhythmus wie die Finger in ihm.

Es dauerte auch nicht lang, bis Remus unkontrolliert stöhnte ob der erbarmungslosen Demonstrationen seines Mannes. Während Severus ihn mit seinem Gewicht auf den Tisch drückte, drückte seine Erektion unmissverständlich gegen Remus Pobacken. Sein Atem strich heiß über Remus' Nacken.

»Wenn du so weiter machst, komme ich ohne dich!« schimpfte Remus zwischen zusammengebissenen Zähnen, um Atem ringend.

Sofort war der Hautkontakt verschwunden, auch seine Hände berührten Remus nicht mehr. Der Werwolf nutzte den Moment um kurz aufzuatmen und sich etwas zu beruhigen. Er wollte nicht, dass der Augenblick zu schnell vorbei war. Zögernd warf er einen Blick über die Schulter als gar nichts passierte.

»Worauf wartest du?« fragte er schließlich.

Der Schlag auf sein Gesäß kam vollkommen unerwartet. Erschrocken stöhnte er auf und warf Severus einen irritierten aber alles anderen als vorwurfsvollen Blick über die Schulter zu.

»Ich wollte mir die Ansicht einprägen«, kam es von hinten als Antwort. Das schelmische Grinsen troff von jeder einzelnen Silbe.

Erneut schallte ein Klatschen durch die Küche. Das wohlige Stöhnen versuchte Remus erst gar nicht zu unterdrücken. Es bahnte sich ungefragt seinen Weg seine Kehle hinauf.

»Gefällt dir das?« fragte Severus, obwohl Remus' offensichtlicher Zustand keinerlei Erklärung bedurfte. Die kühle Hand strich behutsam über die gerötete Stelle.

Bevor Remus einen nonchalanten Spruch dazu entgegnen konnte, wurde er jäh zum Schweigen verdonnert.

Es gab nur eine kleine Vorwarnung als die Spitze der Eichel gegen ihn drückte. Severus versenkte seine Erektion in einem Stoß zur vollen Gänze. Es war nicht ihr erstes Mal und sie hatten sich in der Nacht zuvor ausgetobt. Remus Körper war an Severus' Größe gewöhnt. Und so bereitete das plötzliche Eindringen dem Werwolf keine nennenswerten Schmerzen. Es war lediglich ein kurzes Aufflammen, das sofort von einem ganz anderen Gefühl ausgelöscht wurde.

Severus begann sich zu bewegen. Erst langsam als müsse er sich daran erinnern, wie Sex überhaupt funktionierte. Seine Bewegungen waren genüsslich und beinahe träge.

Ein tiefes Knurren bildete sich in Remus' Kehle.

Seine hypersensiblen Sinne verrieten ihm alles. Den Gemütszustand seines Mannes, den Adrenalinschub, der durch dessen Venen rauschte, die Hormone, die er versprühte wie einer dieser automatischen Raumerfrischer. Es gab Momente, da verfluchte Remus seine Lykanthropie, aber manchmal waren die Nebenwirkungen ganz nützlich. Severus umgab stets eine Duftnote, die an das große Labor im Kerker von Hogwarts erinnerte, was auch nicht verwunderte, schließlich verbrachte er da die meiste Zeit seines Tages. Egal, wie oft er duschte, Remus nahm den Geruch immer an ihm wahr. Es war stets ein Duft von getrockneten Kräutern und herben Extrakten, die er schon zu Schulzeiten nicht auseinanderhalten konnte, und dann war da noch dieser leichte Moschusduft, der ganz eigen war für Severus und überhaupt nichts mit dem Labor zu tun hatte.

Seine Nase war so fein, dass Remus seinen Mann bloß am Geruch überall erkennen würde!

Gerade jetzt war er überwältigt von einer Wolke leidenschaftlicher Erregung, Adrenalin und einem Geruch, für den er keinen Begriff hatte, und den er bei anderen Menschen nie wahrgenommen hatte, wenn sie in seiner Nähe waren. Träumerisch wollte er glauben, dass dies der Duft der Liebe war. Auch wenn es sich kitschig anhörte.

Severus bewegte sich immer noch lasziv, so dass Remus ein wenig mehr Motivation ins Spiel bringen wollte. Auf halbem Wege kam er ihm mit seinen Hüften entgegen und beschleunigte so das Tempo. Es fühlte sich gut an, aber es war immer noch zu langsam!

Severus knurrte und fixierte die dargebotenen Hüften mit seinen Händen.

»Nicht so schnell!« schnarrte er grimmig.

Es sollte wohl nach Severus' Tempo gehen. Remus allerdings wusste dies zu sabotieren. Er zog einfach seine Muskeln zusammen. Die Reaktion folgte sofort. Severus beugte sich über ihn und biss in die rot verfärbte Halsbeuge.

Ein Stoß.

Die Muskeln zogen sich weiter zusammen.

Noch ein Stoß.

Severus schnaufte und Remus fürchtete schon, dass sein Mann wieder protestieren würde. Remus bewunderte das hohe Maß an Beherrschung, mit dem Severus aufwartete. Er selbst hätte sie nicht aufbringen können.

Doch auch Severus Snape hatte einen Punkt, an dem er sich fallen ließ.

Mit jedem neuen Stoß ließ er mehr von seiner Zurückhaltung ab. Der nächste war kräftiger und tiefer als der vorangegangene.

Schließlich war es nicht nur Remus allein, der vor Entzücken stöhnte.

Schon bald wurden die Stöße grober, drängender. Er veränderte die Position und somit auch den Winkel, dass Remus' Pupillen kurz in die Augenhöhlen hoch rutschten. Der Tisch knarzte erbärmlich unter Remus' Gewicht. Der Putz bröckelte an der Stelle von der Wand, wo die Tischkante stetig gegen krachte.

Genau wie die Kante an Remus' Beinen rote Striemen hinterließ, wo er von Severus immer wieder gegen geschoben wurde. Der Schmerz war ein bittersüßes i-Tüpfelchen zum euphorischen Gefühl, das seinen ganzen Körper zum erklingen brachte.

Der Rhythmus wurde verlangender. Gerade jetzt wäre Remus schon nicht mehr in der Lage gewesen, das Tempo mitzuhalten. Seine Knie unter ihm gaben nach. Wenn der Tisch nicht gewesen wäre, dann hätten sie beide wohl auch nicht wahrgenommen, dass sie auf dem Boden weitermachten. Doch so musste der Tisch die Strapazen aushalten.

Er ließ dieses glückselige Gefühl über seinen Körper ergehen, bis er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte - bis ihm schließlich alles völlig egal war, so lange er nur...

Severus' rechte Hand schloss sich plötzlich um sein halb erschlafftes Glied. Er bekam es eigentlich nur mit, weil Severus' Hände immer ein wenig kühler war. Von da an ging alles recht schnell. Die Stöße wurden kürzer, schneller, und doch nicht schnell genug. Remus stützte sich mit der Hand gegen die Wand, damit er wenigstens später noch ohne Blessuren gehen konnte. Die Tischkante erwies sich mittlerweile als scharfkantiges Biest, das sich erbarmungslos in seine Oberschenkel biss.

Ein rhythmisches Klatschen ihrer aufeinanderprallender Körper stimmte mit ihren tonlosen Versprechungen in das hitzige Konzert ein. Remus nahm es schon kaum noch wahr. Seine Knie zitterten und sein Glied war binnen weniger pumpender Bewegungen von Severus' Hand wieder zur vollen Größe angeschwollen.

Jede Handbewegung erwies sich als bittersüße schmerzhafte Schikane, die ihn zur Spitze hinauf trieb wie ein Gejagter.

»Severus!« mehr konnte er nicht als Warnung herausbringen. Severus verstand ihn auch so. Grummelnd legte er sich über ihn. Die Hand pumpte unentwegt weiter. Fester. Härter.

Er spürte Haarspitzen über seinen Nacken streichen, fühlte den heißen Atem und schließlich auch die Zähne, die sich erneut in seine Halsbeuge gruben.

Vollkommen entzückt legte Remus den Kopf zur Seite. Die Darbietung seines Mannes trieb ihn in den Wahnsinn. Er spürte wie sich alles in ihm zusammenzog.

Nur beiläufig bemerkte er den Unterarm, der wohl zum Abstützen direkt vor seinem Gesicht gelandet war.

Das Mal, das auch gut als Tattoo hätte durchgehen können, erschien ihm wie ein Schlag ins Gesicht.

Er hasste es abgrundtief.

Hatte sich die Schlange gerade bewegt?

Nein, das konnte nicht sein. Das musste sich sein blutarmes Gehirn ausgedacht haben. Gebannt starrte er auf den Schlangenkopf, der sich um den Schädel wand und dann weiter hinunter zum Handgelenk kroch. Es bewegte sich doch, oder?

Severus grummelte unverständliche Wörter.

Remus wollte nachfragen. Aber wie bildeten sich Wörter auf seiner Zunge? War er überhaupt zum reden imstande? Er wusste es nicht.

Er hatte es vergessen.

Bevor er die Augen schloss und schamlos in der Hand seines Mannes kam, nahm er noch im letzten Augenblick wahr, wie das Abbild der Schlange in das Handgelenk hinein biss.

Er konnte sich daraus keinen Reim machen.

Es war ihm aber auch reichlich egal. Sobald Severus sich mit zwei finalen Stößen in ihm ergoss, war er schon lange nicht mehr in der Lage, einen rationalen Gedanken zu fassen.

Außer Atem und mit sich selbst zufrieden, klammerte sich Remus hilflos am Tisch fest. Seinen Beinen brauchte er erst gar nicht zu trauen. Sie würden überfordert unter ihm nachgeben, wie weicher Pudding.

Severus zog sich unter gezischten Flüchen zurück. In ihm blieb eine Leere zurück, über die er sich beschweren wollte, aber nicht die Worte dafür fand.

Eine behandschuhte Hand legte den Ring direkt vor seinem Gesicht auf den Tisch. Das Klacken des Metalls wirkte wie ein Schauerregen unter Eiskübeln.

Das Paradies schmolz dahin.

Das zauberhaften Nachwehen seines Orgasmus war weggefegt. Er stieß sich angsterfüllt vom Tisch ab und wirbelte herum.

Severus stand vor ihm, voll bekleidet und in seinen schwarzen Todesserumhang gehüllt. Er hielt die grässliche Maske nur an ihren Striemen fest. Sie baumelte an seinem herabhängenden Arm, nutzlos und verhasst.

Seine Aufmachung ließ die Küche schrumpfen. Der Raum wirkte am helllichten Tage plötzlich von Schatten überfüllt und bösen Stimmen. Und mittendrin stach Severus Gesicht blass heraus wie das einer Leiche. Nur sein Atem laborierte noch schwer.

Erschrocken musste Remus zusehen, wie sein Mann die Wärme und alle Emotionen aus seiner Mimik verschwinden ließ und sorgfältig hinter der kalten Mine des Tränkemeisters versteckte, so wie ihn jeder kannte, wie ihn jeder sah.

»Pass... pass auf dich auf!« stammelte er zurecht.

Severus nickte knapp.

Der Luftsog war schließlich das Letzte, das er von seinem Mann mitbekam, als dieser aus dem Haus aparierte.

Er griff nach dem Ring und sackte schließlich in sich zusammen.

Die letzten Spuren seines Mannes rannen warm an der Innenseite seiner Schenkel hinab.

Er wollte nicht weinen. Er wollte stark bleiben.

Severus würde zurückkommen.

Er kam immer zurück.

Die Tränen konnte Remus nicht zurückhalten.

Jeder Abschied fühlte sich wie ein Lebewohl an.


AN:
Sag ich noch was dazu?
Jaaa! Ich sage noch was dazu...

Dr. Dörk Dörkensen™ ist geistiges Eigentum von Dirk, weil Dirk doof ist.
Ok, nein, er ist nicht doof. Aber er kam mit dem Namen um die Ecke als ich GERADE ZUFÄLLIG einen Namen brauchte... Tja... pP! :D

Das ist der Teil, der mich vom Schreiben der anderen Kapitel abgehalten hat. Es fing mal wieder wie ein normaler ONESHOT an... Mittlerweile sind 4 Teile geplant... HÖCHSTENS fünf!
Nicht mehr! (Hast du das gehört, Hirn? NICHT MEHR!)
Meine Plotbunnies nagen mir schon sämtliche Extremitäten ab wegen anderer Geschichten und Kapitel...

Achja, ich bin übrigens immer noch ein Muggel... Filme gesehen? Ja. Bücher gelesen? Nö :D

Dafür dass die Story 15 k kurz ist (zumindest bis jetzt), habe ich eigentlich relativ wenig darüber zu sagen oder als AN hinzuzufügen. Das editieren und Titel finden war extrem langwierig.

Und ich entschuldige mich für die schlechteste verfasste Sexszene seit es Fanfictions gibt...
Es tut mir wirklich leid... nicht!