Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Puzzled
Geduldsspiel
Es hatte einmal einen Zeitpunkt in ihrer Jugend gegeben, an dem Leia es für ein Zeichen von Intelligenz gehalten hatte, während langer Besprechungen aufmerksam zu bleiben. In ihrer frühen Jugend hatte sie ziemlich viel Zeit damit verbracht, vehement darauf zu bestehen, dass sie sie genoss; jedes Mal, wenn sie an einer diplomatischen Konferenz oder einer Anhörung des Senatsausschusses teilnehmen konnte, war sie bei dem Gefühl von Exklusivität und Bedeutsamkeit aufgeblüht. Sie war ehrgeizig und eifrig gewesen, zu lernen, zu führen und miteinbezogen zu werden und hielt sich selbst für äußerst distinguiert, wenn sie davon schwärmte, wie anregend sie den Prozess fand…aber ihre Jugend war längst vorbei, obwohl sie in Jahren gemessen noch sehr jung war, und sie war aus dem Versuch herausgewachsen, Kultiviertheit und Aufregung in etwas zu finden, das definitiv auch als einfache Mitteilung über das Holonetz ausgereicht hätte.
Sie war sich ziemlich sicher, dass diese Besprechung in diese Kategorie von Besprechungen fiel. Die Art, die auch einfach eine Mitteilung hätte sein können. Auf diese Weise hätten die Leute sie privat ignorieren können, anstatt mit glasigen Augen direkt voreinander einzudösen. Zumindest ging Leia davon aus, dass es anderen genauso schwer fiel, aufmerksam zu bleiben, wie ihr. Sie konnte sich allerdings nicht sicher sein, weil sie, nun ja…nicht aufmerksam war. Sie war gelangweilt. Sie war unfassbar gelangweilt und es war kalt, weil es auf Hoth immer kalt war. Vor zwei Wochen hatte sie vergessen, wie sich ihre Zehen anfühlten. Nach allem, was sie wusste, konnten sie blau angelaufen und abgefallen sein. Sie hätte es nicht bemerkt. Sie schlief in zwei Paar Socken. Sie ging davon aus, dass sie den Zustand ihrer Zehen erst dann begutachten würde, wenn sie irgendwann das Gleichgewicht nicht mehr würde halten können.
Sie blinzelte träge und schüttelte ganz leicht den Kopf. Zehen, kalte Zehen…nicht das Thema dieser Besprechung. Nichts, an das sie im Moment denken sollte. Allerdings hatte sie schon lange vergessen, um was zur Hölle sich diese Besprechung eigentlich drehte. Wenn sie an irgendeinem Punkt zum Sprechen aufgefordert werden würde, wäre ihr Mangel an Aufmerksamkeit mit einem Mal schmerzhaft offensichtlich, was wahrscheinlich ein wenig peinlich sein würde, aber sie bezweifelte, dass sie dafür vorgesehen war, etwas zu präsentieren oder zu kommentieren. Wenn das der Fall wäre, hätte sie Notizen. Sie hatte immer Notizen bei sich, wenn sie sprechen musste.
Sie spürte, wie sich ein Gähnen anbahnte, und versuchte, es zu unterdrücken, während sie sich trübe im Konferenzraum umsah. Der Tisch war kalt an ihrer Haut, wo ihre Hand darauf ruhte, und sie runzelte die Stirn und wünschte sich, sie hätte ihre Handschuhe mitgebracht. Sie fühlte sich immer etwas lächerlich, wenn sie in Innenräumen Handschuhe trug – niemand sonst schien das zu tun – aber es war so kalt und zählte irgendwas in dieser Basis, die buchstäblich aus Eis bestand, eigentlich als Innenraum? Fragwürdig, äußerst fragwürdig. Hoth war so kalt, dass sie manchmal aktiv versuchen musste, Eis zu schmelzen, nur um Trinkwasser zu haben.
Sie schaffte es, gegen das Gähnen anzukämpfen, aber dann zuckten ihre Lider und sie runzelte die Stirn. Nicht aufzupassen war eine Sache, aber einzuschlafen war eine Todsünde. Wenn sie während einer Besprechung des Führungsteams einschlief, während Mon irgendetwas herunterleierte (über was sprach sie eigentlich?), würde Bail Organa sich wahrscheinlich aus seinem Grab erheben, um ihr eine wohlverdiente Strafpredigt über Respekt zu halten und er hätte diesen zutiefst enttäuschten Ausdruck auf seinem Gesicht, bei dessen Anblick Leia immer das Bedürfnis gehabt hatte, zu weinen.
Unauffällig hob Leia die Hand und rieb sich fest über die Nasenspitze, in der Hoffnung, dass es sie etwas wacher werden ließe. Träge klopfte sie auf den Block vor sich, um beschäftigt zu wirken und ließ dann heimlich den Blick umherwandern, um festzustellen, ob alle anderen auch so taub und desinteressiert waren wie sie. Crix Madine sah eindeutig fasziniert von den Vorgängen aus und Leia widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen. Sie mochte Crix. Ihn zu mögen war eine komplizierte Sache, da er in eine groteske, vom Imperium initiierte Tragödie auf Dentaal verwickelt gewesen war, aber dieser Vorfall war es auch gewesen, der ihn mit Schuldgefühlen übermannt und zum Überlaufen gebracht hatte und sein Wissen über imperiale Taktiken war beispiellos. Aber sie mochte ihn und sie vertraute ihm. Er war an der imperialen Akademie und in der Hierarchie des Kommandos weiter aufgestiegen als Han, aber seit er übergelaufen war, hatte er sich oft genug bewiesen, dass Leia keinen Zweifel an seiner Loyalität hegte. Allerdings verhielt er sich um das Oberkommando herum immer noch ein wenig wie ein Speichellecker. Wahrscheinlich weil die Hälfte davon – sogar Rieekan – ihn für vorbelastet hielt.
Sie glaubte nicht, dass Han ihn allzu sehr mochte, aber das konnte auch deswegen sein, weil Crix die Rolle als Experte für imperiale militärische Techniken und Training übernommen hatte, was Han einen Grund weniger lieferte, warum er noch hier herumlungerte. Auf der anderen Seite hatte Leia gehört, dass corellianische Männer sich untereinander manchmal wie Hunde verhielten, die ihr Gebiet verteidigten, also vielleicht lag es auch daran.
Apropos…ihr Blick fiel auf Han und ihre Lippen verzogen sich leicht. Er saß zurückgelehnt in einem Stuhl – drehte sich praktisch damit hin und her – und spielte mit einem Rätselwürfel in seiner Hand. Mit ein paar Fingern tippte er auf die Kanten, damit sie die Farbe wechselten und Leia verengte die Augen. Er gab nicht einmal vor, aufmerksam zu sein – davon abgesehen, dass seine Augen auf Mon gerichtet waren – und was hatte er überhaupt hier zu suchen? Er war kein Rekrut, geschweige denn Teil der oberen Ränge. Er nahm nie an so etwas teil, sogar wenn er eingeladen wurde – was, ihres Wissens nach, bisher zweimal passiert war, heute nicht mit eingerechnet. Leia betrachtete ihn und entschied, dass er in Bezug auf die Frage, warum er miteinbezogen wurde, in der Tat etwas verwirrt aussah.
Er warf den Rätselwürfel von einer Hand in die andere und hielt ihn dann vor sich, während er einige der Blöcke träge verschob. Leia sah zu, wie eine gesamte Seite des Würfels ein verschwommenes Grün annahm und sie verengte leicht die Augen. Er drehte ein anderes Feld herum und eine zweite Seite des Würfels wurde zu einem makellosen Blau. Wie schaffte er – ? Leia gab bei Rätselwürfeln innerhalb von zwanzig Minuten auf und er schaffte es einfach…?
Han blickte auf und bemerkte, dass sie ihn beobachtete. Er warf den Würfel in die Luft, fing ihn wieder auf und grinste sie an. Dann setzte er einen strengen Gesichtsausdruck auf, deutete auf Mon Mothma und schüttelte den Kopf, als wolle er sie dafür ermahnen, dass sie nicht aufpasste. Leia verengte die Augen ein wenig mehr und starrte ihn an. Mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht gab er vor, Mon aufmerksam zuzuhören und Leia betrachtete verstimmt die Linie seines Kieferknochens.
Das dumpfe, eintönige Summen von Mons Stimme hallte im Raum wider und sie registrierte undeutlich, dass jemand – Dodonna, wie sie glaubte – eine Frage stellte, was ihr wie ein Wunder vorkam, weil sogar Dodonna noch vor einem Moment komplett teilnahmslos gewirkt hatte. Er tat es wahrscheinlich nur, damit Mon sich besser fühlte. Schön für ihn, dachte Leia bei sich und erlaubte sich dann einen kurzen Moment, in dem sie darüber nachdachte, wie Luke ihr erzählt hatte, dass Hobbie Klivien davon überzeugt war, dass Mon und Jan etwas am Laufen hatten. Leia wusste sicher, dass das nicht stimmte, aber sie behielt Mons Geheimnisse für sich und abgesehen davon war Hobbies Flussdiagramm, mit dem er seine Theorie erklärte, urkomisch.
Leia warf einen Blick auf ihr Datapad, bemerkte die Uhrzeit und sah wieder auf. Sie ertappte sich selbst wieder dabei, wie sie Han betrachtete. Er war wieder dazu übergegangen, mit dem Rätselwürfel zu spielen und Leia entschied, wenn er es schaffte, ihn direkt vor ihren Augen zu lösen, würde sie einen Ohnmachtsanfall vortäuschen, um dieser sterbenslangweiligen Besprechung zu entkommen. Sie war sich nicht ganz sicher, warum sie das beschloss, außer dass es ihr etwas zum Durchhalten gab; sie hatte keinen Ohnmachtsanfall mehr vorgetäuscht, seit sie noch auf Alderaan gelebt hatte, also wäre es vielleicht gut, zu üben. Ein gut inszenierter Ohnmachtsanfall konnte sich als praktische Waffe erweisen.
Selbstsicher drehte Han einen Teil des Würfels, aber mit einem Mal wurde das gesamte Ding wieder mehrfarbig und der Ausdruck auf seinem Gesicht war so beleidigt, dass Leia fast laut aufgelacht hätte. Er runzelte tief die Stirn und verdoppelte seine Anstrengungen – Leia fragte sich, ob er wusste, dass sie ihm zusah, und versuchte, anzugeben – und biss dabei die Zähne zusammen. Amüsiert ließ sie ihren Blick über sein Profil wandern, seinen Hals hinunter und dann zu seinen Schultern. Er hatte sein Hemd bis zu den Ellenbogen hochgerollt, was ihr schrecklich vorkam. War ihm nicht kalt? Wahrscheinlich nicht, entschied Leia seufzend. Han hatte sie irgendwann im letzten Monat umarmt, sie wusste nicht mehr warum, und sein gesamter Körper war so warm gewesen, dass sie Angst gehabt hatte, jemand müsste sie mit einem Brecheisen von ihm lösen. Aber das hätte ihr ewig angehangen, also hatte sie ihn stattdessen weggeschoben und ihn wegen irgendetwas angeschrien. Er hatte sie nur mit einem leicht genervten, verwundeten Blick angesehen. In letzter Zeit tat er das sehr oft.
Genervt, damit konnte sie klarkommen. Verwundet, das gab ihr ein…nun ja, nicht so gutes Gefühl.
Vielleicht läuft er nur heiß, dachte sie bei sich, während ihre Augen zu seinen Stiefeln wanderten. Einen davon hatte er auf seinem Knie aufgestützt, während er lässig zurückgelehnt dasaß. Ihr Blick folgte den purpurnen Stichen seiner Blutstreifen vom Schaft seines Stiefels bis über seinen Oberschenkel. Wo soll das hinführen, Leia?, forderte ihr Unterbewusstsein prüde und dann, ungebeten, schoss ihr eine müßige Frage durch den Kopf – ich frage mich, wie er nackt aussieht.
Leias Ellbogen rutschte fast vom Konferenztisch. Sie fing sich wieder und schaffte es, keine plötzlichen Bewegungen zu machen, blinzelte jedoch heftig. Dieser Gedanke war absolut aus dem Nichts gekommen. Mit einem kleinen Stirnrunzeln zwang sie ihren Blick hinunter auf ihr Datapad und blähte die Nasenflügel auf. Sie kümmerte sich nicht darum, wie Han Solo nackt aussah; sie hatte kein Interesse daran und es gab keinen Grund dafür, dass ihr so etwas in den Kopf kam. In der Tat war sie vehement dagegen.
Demonstrativ sah sie zu Mon hinüber. Sie spürte, wie ihr Gesicht rot wurde und hatte das Bedürfnis, laut zu fluchen. Warum musste sie immer erröten?
Bevor sie darüber nachdenken konnte, wanderte ihr Blick langsam wieder zurück zu Han. Er hatte seinen Rätselwürfel wieder dazu gebracht, zu kooperieren.
Stell ihn dir nackt vor. Tu so, als ob er nackt wäre.
Ein Teil ihres Gehirns, ein offensichtlich verdorbener, besessener Teil ihres Gehirns, von der Kälte in den Wahnsinn getrieben, belästigte sie unerbittlich und sie starrte auf Hans Blutstreifen, irgendwie nicht dazu in der Lage, ihm ins Gesicht zu sehen. Wütend presste sie die Zähne zusammen. Ich werde nicht –
NACKTER HAN SOLO.
Leia streckte die Hand aus und rieb sich fest über die Stirn. Sie bewegte sich hin und her und spürte, wie jemand sich umdrehte und sie in mildem Interesse ansah. Sie überlegte, ob sie ihren Kopf auf den Tisch schlagen sollte. Was im Namen von – ?
Na gut, du prüdes Mädchen, stell ihn dir ohne sein Hemd vor.
Leia war im Hinblick auf ihre eigenen Gedanken zunehmend empört. Sie fühlte sich davon leicht angegriffen und war dann wiederum beleidigt, weil es sie störte und in Wirklichkeit wollte sie nichts anderes, als dieser Besprechung zu entkommen, weil sie eindeutig an irgendeiner Form von vorübergehendem Wahnsinn litt. Ich bin nicht prüde, grummelte sie leise vor sich hin.
Ihr Magen fühlte sich seltsam an, so als ob sie sich selbst auslachen würde und sie verzog das Gesicht. Sie drückte die Handfläche an ihre Nase und tat so, als ob sie gähnen müsste. Sie rieb sich ein wenig über die Nase und spähte durch ihre Finger hindurch zu Han hinüber. Sie war nicht prüde, sie hatte nur kein Interesse daran, insbesondere Han ohne seine Kleidung zu sehen oder ihn sich vorzustellen, weshalb –
Einmal hatte er allerdings dieses am Hals aufgeknöpfte Hemd an. Seine Brust war schön. Ich wette, der Rest von ihm ist genauso schön. Ich wette, er hat einen schönen –
Beschämt drehte Leia ruckartig ihren Stuhl zur Seite. Sie zwang ihr Gesicht zu einer harten, entschlossenen Maske und starrte unergründlich – sie hoffte, dass es unergründlich war – auf die Tafel, anhand derer Mon ihren Vortrag hielt. Warum redete Mon immer noch? Und warum befand sie, Leia, sich auf einmal in einem inneren Kampf mit einer besitzergreifenden Hexe, die ihre Gedanken in Bezug auf die Eigenschaften von Hans unbekleideter Statur beeinflusste?
Unfähig, sich zurückzuhalten, wanderte ihr Blick ein wenig zur Seite und fokussierte sich wieder auf Han. Er fuhr sich mit der Hand durch seine Haare.
Wenn er nackt wäre und ich Sex mit ihm hätte, könnte ich seine Haare zurückstreichen.
Leia riss ihren Blick von ihm los und beschloss, stattdessen auf Dodonnas Hinterkopf zu starren. Ja, Dodonna. Der alte, konservative, mürrische Dodonna. Spaßverderber Dodonna. Sie konzentrierte sich darauf, solche Dinge zu denken und doch, und immer noch ungebeten, verdrängten völlig unangemessene Gedanken das Banale aus ihrem Kopf und flüsterten verlockende Versuchungen in ihr Ohr.
Er schläft wahrscheinlich nackt. Er würde mir einen Blick gewähren. Er würde mich ihn nackt ansehen lassen, er will, dass ich es tue. Er will mich nackt sehen. Er…er würde allerdings die Narben sehen. Nicht schön.
Leia blinzelte verschwommen und rutschte unbehaglich hin und her. Sie runzelte die Stirn und vergaß, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten. Sie – was – also bestand ihre Sorge plötzlich darin, dass er ihre Narben sehen könnte, und nicht eher darin, dass sie überhaupt nicht daran interessiert war, sich vor Han auszuziehen? Verwirrt schürzte sie die Lippen, blinzelte abgelenkt und versuchte, ihre Ohren nicht mehr auf Durchzug zu stellen, sondern Mon wieder ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Sie schien sie überhaupt nicht zu hören.
Stell ihn dir nackt vor.
Hilflos warf Leia Han erneut einen Seitenblick zu und ihre Augen verengten sich nachdenklich. Sie hatte einen Teil seiner Brust bereits gesehen, also war es leicht, sich den Rest seiner bloßen Haut vorzustellen, derselbe Farbton, dieselbe Wärme – er war muskulös, das war selbst mit Kleidung ziemlich offensichtlich und er hatte wahrscheinlich wirklich einen – nun ja, wenn die Art, wie er manchmal über seine vergangenen Großtaten berichtete, der Wahrheit entsprach, dann war sein – all dieser Stolz und das Ego mussten irgendwo herstammen, nicht…? Leia fiel fast vom Stuhl, als eine Flut expliziter Bilder sich einen Weg durch ihr Gehirn bahnte, Beispielbilder von Männern, die sie in Holos gesehen hatte oder an Nacktstränden oder in Badegärten und sie hätte fast laut aufgequietscht.
Sie blinzelte sehr heftig und sah sich um, um festzustellen, ob jemand auf sie achtete. Gedankenlesen war unmöglich? Niemand in diesem Raum konnte wissen, dass gerade ein kleines Bild von jedem Schwanz, den sie jemals gesehen hatte, unbeschwert durch ihren Kopf geschwirrt war, als ob sie als Vorlage für Han Solo verwendet werden könnten. Leias Mund wurde trocken und sie begann, in Panik auszubrechen – keiner davon war seiner und sie konnte nicht einfach hier sitzen und ihm einen andichten, sie war nicht wirklich ein Profi – ihre Erfahrung mit nackten Männern aus Fleisch und Blut in ihrer Gegenwart beschränkte sich auf den einen Typen, der sich auf Sullust vor ihr entblößt hatte und den einen Freund, von dem sie definitiv geglaubt hatte, dass sie sich auf ihn einlassen würde, bis er das Ding zum Vorschein gebracht hatte und sie aus irgendeinem Grund sofort wieder alleine in ihrem Zimmer hatte sein wollen. Stattdessen hatte sie ihm höflich mitgeteilt, dass das alles ja gut und schön war, aber dass sie ihre Meinung geändert hatte, vielen Dank, und ob er bitte gehen könnte, bevor der Vizekönig nach Hause kam und den Verstand verlor.
Oh, verdammt. Ich bin prüde.
Sie presste die Zähne aufeinander.
Sie war in einer Abwärtsspirale gefangen. Es gab kein Zurück mehr von dem schwarzen Loch, in das ihre Gedanken gerade gezogen worden waren – was kam als nächstes? Würde sie genau an diesem Konferenztisch sitzen und aus irgendeinem komplett irrsinnigen, radikalen Grund anfangen, sich vorzustellen, wie Han sie einfach, ah, einfach über einen Tisch beugte oder etwas wie, wie –
Oh nein.
Die Vorstellung war jetzt definitiv in ihrem Kopf. Und sie waren beide nackt.
Natürlich sind wir beide nackt, wie würde er mich mit meinen Kleidern vögeln…?
Leia griff unter den Tisch und kniff sich fest in den Oberschenkel. Ihre Augen tränten. Gegenüber am Tisch warf Han seinen Rätselwürfel in die Luft und fing ihn selbstgefällig wieder auf; Leia bemerkte, dass er ihn gelöst hatte, jede Seite wies eine glatte, übereinstimmende Farbfläche auf. Also musste sie wohl eine Ohnmacht vortäuschen. Was gut war, weil sie tatsächlich ohnmächtig werden könnte, wenn auch aus keinem anderen Grund als dem, die absolute Hure eines Dämons zu exorzieren, der sie scheinbar bewohnte.
„…halten Sie von dem Entschluss, Prinzessin?"
Leia fuhr fast aus der Haut. Sie blickte Mon Mothma mit großen Augen an und war sich der Blicke aller schmerzlich bewusst.
Zu ihrer Rechten gähnte Carlist unbesorgt.
„Was?", fragte Leia abrupt.
Mon Mothma wiederholte die gesamte Frage.
„Oh", sagte Leia. „Ja."
„Ja, Sie denken, das ist eine präzise Auswertung? Oder ja, Sie denken, wir sollten fortfahren?"
Leia blinzelte sie an.
„…Ja", sagte sie erneut.
Han hatte genug Nerven, mit seinem blöden Rätsel dazusitzen und zu schnauben. Laut.
„Ah. In Ordnung", erwiderte Mon. Sie hob die Hände. „Vielleicht sollten wir – "
„Eigentlich habe ich eine Frage", unterbrach Leia sie kurz. Sie deutete auf Han, ihre Finger hatten die Form eines Gewehrs, ihr Gesichtsausdruck war finster. „Was tut er hier?"
Sie bemerkte, dass sie unglaublich unhöflich klang und der schockierte Ausdruck auf Mons Gesicht spiegelte das wider. Sogar Dodonna wirkte leicht überrascht angesichts ihres Tonfalls, wahrscheinlich weil Leia Han normalerweise verteidigte – zumindest bei Jan.
Trotz der Tatsache, dass er zuvor selbst in Bezug darauf verwirrt ausgesehen hatte, warum er eigentlich hier war, schaffte Han es, bei der Frage überaus beleidigt auszusehen und legte sogar eine Hand über sein Herz, als hätte sie auf ihn eingestochen.
„Nun ja, er", begann Mon fragend. „Er…war derjenige, der das Gespräch belauscht hat, das uns diese Informationen eingebracht hat", erklärte Mon langsam. „Bei seinem letzten Versorgungsflug. Ich dachte, er würde vielleicht sehen wollen, wie wir es analysiert und beschlossen haben, zu handeln."
Leia warf ihr einen gereizten Blick zu.
„Nun, er ist eindeutig nicht interessiert daran, da er die gesamte Besprechung hindurch hier gesessen und einen Rätselwürfel bearbeitet hat", stellte sie bitter fest.
Sie fühlte sich, als hätte sie ihren Körper verlassen. Es war unangebracht, sich Han gegenüber ohne Grund so feindselig zu verhalten, aber sie wollte gerade unbedingt meilenweit von ihm entfernt sein. Sie musste alleine sein, um ihren Kopf geradezurücken. Und vielleicht brauchte sie auch eine Begegnung mit der Massagefunktion ihrer Dusche. Leia widerstand dem Drang, sich diesen Gedanken wortwörtlich aus dem Kopf zu schlagen und starrte Han finster an.
„Mon, ich denke, sie ist nur verärgert, weil ich einen Rätselwürfel gelöst habe", bemerkte Han unschuldig.
„Das bin ich nicht", fuhr Leia ihn an. „Jeder kann – "
Er warf ihn zu ihr herüber und sie lehnte sich mit einem Quietschen zurück und schaffte es, ihn aufzufangen.
„Okay, zeig es mir", forderte er sie heraus.
Plötzlich sahen alle sie an. Carlist besaß genug Nerven, um ein dämliches Grinsen im Gesicht zu haben und Leia machte sich im Geiste eine Notiz, ihn später verbal zu enthaupten. Zum Glück war Mon Mothma kein so großer Fan von Späßen, wie Carlist es zu sein schien, und räusperte sich höflich.
„Wie ich schon sagte, vielleicht sollten wir für heute aufhören", sagte sie. „Wir können diese Diskussion fortsetzen, wenn alle ein bisschen…aufmerksamer sind."
Sie warf Leia einen demonstrativen Blick zu, aber Leia war zu beschäftigt damit, von ihrem Stuhl aufzuspringen, als ob er in Flammen stünde, und aus dem Raum zu stürmen. Sie hatte gerade nichts dafür übrig, sich darum zu kümmern, wie absurd ihr Verhalten wirkte, sie kümmerte sich nur darum, so viel Distanz wie möglich zwischen sich und den gutaussehenden Han Solo zu bringen.
Han – gutaussehend? GUTAUSSEHEND?
Leia schlug sich dabei auf die Stirn – was war sie, ein simples Schulmädchen mit einem Schwarm? Nein, das war lächerlich, sie war nicht verknallt. Schwärmereien waren für Leute, die ein Zuhause hatten, zu dem sie zurückkehren konnten, und Eltern, die am Leben waren, und die keine anderen Sorgen hatten, außer die Frage, welches HoloNotiz-Programm das Beste war, um während des Unterrichts herumzukritzeln, und sie hatte nichts davon. Naja, es ist wahrscheinlich viel mehr als nur eine Schwärmerei und ich erlaube mir nur nicht, darüber nachzudenken, weil das wahrscheinlich eine Welt voller Schmerz bedeutet und mich ohnehin die ganze Zeit alles verletzt –
Hinfort mit dir, Hexe!, heulte Leia die Stimme in ihrem Kopf an.
Sie blieb stehen und starrte auf ihre Handfläche, als ihr klar wurde, dass sie sich mit dem Rätselwürfel gegen die Stirn geschlagen hatte. Er schimmerte fröhlich in ihrer Hand, alle sechs Seiten in einer anderen Farbe – rot, grün, gelb, lila, blau und rosa. In ihrem ganzen Leben hatte sie nur maximal drei Seiten gleichzeitig lösen können. Sie starrte darauf. Han hatte noch nicht einmal so ausgesehen, als ob er sich Mühe gäbe.
Er ist gut darin, Dinge zu verstehen. Er ist gut darin, mich zu verstehen.
Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und zog sanft daran und Leia peitschte herum, streckte die Hand aus und schlug danach. Sie neigte den Kopf nach oben und funkelte ihn wütend an.
„Halt mich nicht fest, Han, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du mich nicht festhalten sollst?", fuhr sie ihn an.
Hans Hand löste sich schnell von ihr und er hielt sie nach oben.
„Ich habe dich nicht festgehalten", begann er und verstummte dann. Er zuckte die Achseln. „Okay. Tut mir leid."
Langsam ließ er seinen Arm sinken und Leia seufzte und ließ die Luft aus ihren Lungen entweichen.
„Ich weiß, dass du mich nicht festgehalten hast", entschied sie und hob die Schulter an.
Han zuckte erneut die Achseln.
„Wenn du sagst, dass der Griff zu fest war, dann war der Griff zu fest", murmelte er.
Leia sah ihn vorsichtig an.
„Was?", fragte sie.
„Was meinst du damit?", erwiderte Han.
Verärgert hob sie die Brauen.
„Du bist mir gefolgt und", sie hielt sich selbst davon ab zu sagen, dass er sie festgehalten hatte, weil sie wirklich nicht glaubte, dass das seine Absicht gewesen war. Es war nicht vollkommen ungewöhnlich für eine Person, die Aufmerksamkeit einer anderen Person dadurch zu erlangen, dass sie sie am Arm oder der Schulter nahm, nachdem sie zu ihr geeilt war. Sie mochte es einfach nicht, obwohl es sie früher nie gestört hatte. „Du wolltest meine Aufmerksamkeit", ergänzte sie milde.
„Nun, ja", entgegnete Han unbekümmert. Er deutete auf ihre Hand. „Zuerst einmal hast du meinen Rätselwürfel", sagte er ernst. „Zweitens benimmst du dich wirklich komisch."
„Ich benehme mich nicht komisch."
„Okay", stimmte Han skeptisch zu. „Aber du hast immer noch meinen Rätselwürfel", gab er stur zurück.
Sie sah darauf hinunter und reichte ihn ihm dann. Er nahm ihn und warf ihn träge hoch und runter. Mit ein paar Handgriffen hatte er das Programm zurückgesetzt. Leia sah zu, wie alle Farben aufblitzten und wieder zu einer bunt gemischten Menge wurden, frustrierend und unvollendet. Sie blinzelte und schürzte die Lippen.
„Wie hast du das so schnell gelöst?", fragte sie.
„Jeder kann es lösen", zitierte er ihre eigenen Worte.
Leia seufzte. Sie verschränkte die Arme. Ihre Stirn runzelte sich und sie sah wieder zu ihm auf, betrachtete sein Gesicht erneut. Ihre Gedanken waren jetzt stiller, da sie sich mit ihm im Gespräch befand, aber sie waren immer noch da und murmelten ihr Dinge zu. Sie befürchtete, dass sie lauter zurückkommen würden, wenn sie ihn zu lange anschaute, und dass sie irgendetwas wirklich Verrücktes tun könnte, wie ihn in ihr Schlafzimmer zu bitten oder so etwas und was zur Hölle würde sie dann mit ihm tun? Oh, hier schlafe ich, Han, wenn du mir jetzt deinen Penis zeigen könntest, damit ich von dieser Krankheit geheilt sein, meine Meinung ändern und dich rauswerfen kann –
Ein schlimmerer Gedanke kam ihr in den Sinn: Sie war sich ziemlich sicher, dass sie ihm erlauben würde, ihn draußen zu lassen.
Ihr Gesicht wurde rot und Han schaute sie seltsam an. Er warf den Würfel noch einmal in die Höhe und schaute dann darauf hinunter.
„Ich habe noch nie einen gelöst", bemerkte sie. Sie platzte mit dem Geständnis heraus, weil sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte und vage daran dachte, dass es ihre Verlegenheit erklären würde.
„Nun, sie sind schwer", entgegnete Han unverblümt.
Er machte sich nicht über sie lustig und Leia hob ein wenig die Brauen.
„Du musst die ganze Zeit versuchen, zu ignorieren, wie es funktionieren sollte", sagte er und drehte ein paar Blöcke. Eine Seite leuchtete sofort blau auf und Leia blinzelte beeindruckt. „Wenn du also eine Person bist, die Regeln und so mag", er zuckte mit den Schultern, „ist es umso schwerer."
„Ich verstehe", erwiderte Leia kurz angebunden.
Han warf ihn ihr zu und sie fing ihn wieder auf.
„Probier es aus", sagte er. „Gib ihn mir nicht zurück, bis du es begriffen hast."
Leia blinzelte ihn scharf an und schürzte die Lippen. Gib ihn mir nicht zurück, bis du es begriffen hast? War das irgendeine Art von Metapher? Sie verengte die Augen und scheinbar unbesorgt über ihren prüfenden Blick, kratzte Han sich am Kiefer und runzelte die Stirn. Er rieb über einen Punkt in der Nähe seines Ohrs und Leia bemerkte, dass er am Morgen beim Rasieren eine Stelle vergessen hatte. Sie schluckte schwer.
„Woran hast du gedacht?", fragte Han plötzlich.
Sofort war Leia auf der Hut.
„Bitte?"
„In dieser Besprechung", erklärte Han und ruckte mit dem Kopf. „Als Mon dich nach deiner Meinung gefragt hat, hast du ausgesehen, als ob gerade jemand nackt den Raum betreten hätte", schnaubte er.
Dann schien er zu denken, dass es vielleicht kein so guter Scherz war und hörte hastig auf zu lachen. Er zuckte zusammen, aber Leia war zu sehr damit beschäftigt, ihn anzustarren, beleidigt, weil sein Gedankengang dem, was wirklich in ihrem Kopf vorgegangen war, ziemlich nah kam. Sie schloss den Mund und verengte die Augen, darum bemüht, sich irgendetwas auszudenken. Dann kam ihr der Gedanke, dass sie, wenn sie ihn einmal unvorbereitet treffen könnte, die Oberhand in ihren Neckereien haben würde, was Spaß machen könnte. Anscheinend von demselben vorlauten Wesen überkommen, das sie den ganzen Morgen belästigt hatte, beschloss sie, ehrlich zu sein und zu sehen, wie er reagierte. Er würde ihr wahrscheinlich ohnehin nicht glauben.
„Ich habe dich mir nackt vorgestellt", sagte sie ausdruckslos.
Sie erwartete, dass Han ihr ein schelmisches Grinsen zuwerfen würde und sofort eine anzügliche, neckende Bemerkung parat hätte, aber stattdessen sah er sie verblüfft an und machte eine Geste, als ob – als ob er – sich selbst bedecken würde. Ungläubig folgten Leias Augen seinen Händen, aber er hatte sie so schnell gefaltet, dass sie sich die Bewegung auch eingebildet haben könnte. Seine Schultern neigten sich etwas nach vorne und er schien…wachsam?
„Ja?", erwiderte er trocken. „Wie habe ich ausgesehen?"
Leia blinzelte ihn an. War er…besorgt, dass er in ihrer Fantasie nicht…ansprechend ausgesehen hatte? Sie zuckte mit der Nase und erinnerte sich selbst streng daran, dass es keine Fantasie gewesen war, sondern ein aufdringlicher Gedanke, den sie immer noch plante, in Brand zu stecken. Sie nahm den Rätselwürfel von einer Hand in die andere, während sie plötzlich gereizt wurde. Nun, jetzt war sie gefangen. Wenn sie ihm sagte, dass er gut aussah, könnte sie alle möglichen Dinge andeuten. Aber sie wollte auch nicht grausam sein und ihn schlechtmachen.
„Du hast", begann Leia bissig, „wie ein nackter Mann ausgesehen."
Bei dieser Bemerkung sah Han eher amüsiert als verlegen aus. Er grinste sie nicht an, aber er schenkte ihr ein schiefes Lächeln.
„Könnte schlimmer sein", scherzte er. „Zumindest habe ich nicht ausgesehen wie ein nackter Hutt. Natürlich braucht es dazu nicht viel Fantasie."
Leia schnaubte. Han streckte die Hand aus und tippte auf den Rätselwürfel.
„Dann brauchst du den hier verdammt dringend", bemerkte er trocken. „Der hält deinen Kopf aus der Schmuddelecke heraus, Verehrteste."
Er warf ihr einen verschmitzten Blick zu und drängte sich an ihr vorbei, während er mit der Hand durch seine Haare fuhr. Leia drehte sich um, um ihn zu betrachten, ihre Augen wanderten über seinen Rücken und sie legte eine Hand auf ihre Hüfte und beäugte den Würfel in ihrer Hand.
„Ist es das, wofür du ihn benutzt?", verlangte sie zu wissen.
Er drehte sich zu ihr um und hob anzüglich die Augenbrauen.
„Bist du deswegen so gut darin geworden, ihn zu lösen?", trieb sie ihn an und ihre Augen verdunkelten sich ein wenig eifersüchtig. Er war eindeutig talentiert darin, das verdammte Ding zu lösen. Dachte er einfach die ganze Zeit über Horden von nackten –
„Nun", sagte er gedehnt, „du lungerst ziemlich oft in meiner Nähe herum", feuerte er zurück.
Leia legte mit geschürzten Lippen den Kopf schief und errötete ein wenig bei der Andeutung. Sie schaute hinunter auf den schimmernden Würfel. Dann sah sie streng wieder auf.
„Ich lungere nicht um dich herum. Du lungerst um mich herum."
„Du schleichst immer um den Falken herum!", hielt Han dagegen. „Der Falke ist mein Schiff!"
„In meiner Rebellenbasis angedockt. Bei meiner Rebellion", gab Leia zurück. „Herumschleichen?", forderte sie.
Han hob eine Braue. Sie verschränkte die Arme und tippte auf den Rätselwürfel in ihrer Armbeuge. Sie hielt seinem Blick stand und Han starrte trotzig zurück.
„Widersprich mir nicht, Prinzessin", sagte er schließlich in einem leichten, amüsierten Ton. „Du bist diejenige, die mich mit deinen schmutzigen Gedanken vergewaltigt hat."
Ihre Kinnlade fiel.
„Verge – ich habe – Han", protestierte sie, zu gleichen Teilen irritiert und besorgt, dass er wirklich so darüber denken könnte. Er lachte und sie sah ihn finster an. „Willst du damit sagen, dass du nie dasselbe gemacht hast?", erkundigte sie sich. „Hast du mich dir nie nackt vorgestellt?"
Han sah sie gekränkt an.
„Ich löse einfach den Würfel, Schätzchen", scherzte er und deutete darauf. Er blickte sie an und grinste dann. „Ich glaube nicht, dass meine Einbildungskraft ausreicht, um der Realität gerecht zu werden", neckte er sie, „also warte ich."
Leia schaute ihn einen Moment passiv an. Er zwinkerte ihr zu, machte auf dem Absatz kehrt, um davonzustolzieren und sie kniff die Augen zusammen und funkelte seinen Rücken an. Die Realität – er war so arrogant. Sie musste wirklich etwas gegen diesen Größenwahn tun – dachte er wirklich – sie zog den Arm zurück und spielte mit dem Gedanken, den Rätselwürfel direkt gegen seinen aufgeblasenen Kopf zu werfen, hielt dann aber inne und nahm die Hand wieder herunter. Das war nicht fair, technisch gesehen hatte sie damit angefangen.
„Oh", rief er, drehte sich plötzlich noch einmal um und legte die Hände trichterförmig um den Mund. „Wenn du mich jemals nackt sehen willst, Prinzessin, gib mir den Würfel einfach nach Mitternacht zurück", sagte er gedehnt. „Ich schlafe nackt."
Sie musste erneut so ausgesehen haben, als ob sie den Würfel werfen würde, weil er sich irgendwie duckte und zur Seite hin auswich, bevor er sich wieder umdrehte und davonschlenderte. Mit brennenden Ohren wandte Leia sich schnell um, um über ihre Schulter hinweg zu sehen, ob sich noch jemand im Flur aufhielt, da er sich praktisch die Seele aus dem Leib geschrien hatte. Rieekan und Madine starrten sie beide vom Türrahmen des Konferenzraums aus an und hatten ihre Unterhaltung offensichtlich abrupt beendet. Madine sah hastig weg. Rieekan schien sie zu studieren, um herauszufinden, ob er Solo ausfindig machen und ihm eine Standpauke halten musste. Leia antwortete mit einem leichten Kopfschütteln, drehte sich heftig errötend um und stolzierte davon, während sie den Rätselwürfel in der Hand hielt und vor sich hinmurmelte.
Sie hielt das Spielzeug vor sich und drehte ein paar Mal heftig daran herum, versuchte, ihn dazu zu bringen, sich selbst zu lösen, und der Würfel leuchtete in verschiedenen Farben auf, verspottete sie, schlimmer durcheinandergebracht als noch zu Anfang. Sie biss die Zähne zusammen, gab einen kleinen, frustrierten Laut von sich und schüttelte ihn. Gib ihn mir nicht zurück, bis du es begriffen hast – nun, was wenn sie das dumme Ding niemals begriff? Es für immer zu behalten, würde ihr nichts nutzen – konnte Han einfach – konnte er ihr zeigen, wie – sie seufzte, blieb wieder stehen und starrte zweifelnd vor sich hin. Sie lehnte sich gegen die kalte, kalte Wand des Durchgangs, drehte den Kopf und starrte den Flur hinunter, dorthin, wo Han verschwunden war.
Er brachte sie dazu, sich nackt zu fühlen und das war ein ganz eigenes Rätsel für sich.
