Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Whore
Hure
Langeweile, vermutete sie, führte dazu, dass Han ihre Sachen durchstöberte, als wären die wenigen Besitztümer, die sie hatte, die faszinierendsten Dinge auf der Welt. Sich gegenseitig kennenlernen, nannte er es, während er sich ihren Rucksack schnappte und den Inhalt auskippte – jedoch erst, nachdem ihr Gesichtsausdruck ihm versichert hatte, dass ihr Protest nur halbherzig war und es sie wirklich nicht störte – du kannst meine Kiste als nächstes durchsehen, versprach er.
Träge auf dem Rücken liegend in seiner Koje ausgestreckt, schürzte sie die Lippen und wickelte sich eine Haarsträhne um den Zeigefinger.
„Du denkst, ich will deine Kiste durchwühlen?", forderte sie ihn heraus.
„Ja, welche Frau will nicht in den persönlichen Gegenständen des Kerls stöbern, mit dem sie schläft?"
„Eine kluge Frau", gab Leia zurück.
„Hm, du könntest richtig liegen, wenn ich interessant wäre", schnaubte Han und begutachtete das Durcheinander, das er gerade auf dem Boden angerichtet hatte. Mit dem Rücken gegen die Ersatzkoje gelehnt, streckte er die Beine aus und hielt alle ihre Sachen zwischen seinen Knien gefangen, sein Blick kritisch. „Alles, was du herausfinden wirst, ist, dass ich eigentlich gar nicht so charmant oder cool bin", informierte er sie.
„Naja, ich muss wohl kaum Zeit damit verschwenden, zu bestätigen, was ich schon weiß", scherzte sie.
„Beiß dir besser auf die Zunge, Schätzchen, bevor jemand das für dich übernimmt."
Sie fuhr mit der Zunge über ihre Zähne, klemmte sie dazwischen ein und bewegte sie aufreizend in seine Richtung. Er grinste, schüttelte den Kopf und streckte die Hand aus, um ihre Sachen zu durchstöbern – Leia hatte nur wenige kostbare Besitztümer; die meisten Dinge gehörten ihr nicht, sondern waren ihr nach der Zerstörung ihres Zuhauses zugeteilt oder geschenkt worden. Der Rucksack war alles, was sie in der wahnsinnigen Hast der Flucht von Hoth und vor dem Imperium mitgenommen hatte.
Neugierige Schurken schien es allerdings zu interessieren, was eine Prinzessin, die so wenig besaß, als wertvoll erachtete.
Darunter waren verschiedene Zugangskarten und Ausweise. Geld. Lesechips für ihr Holopad. Ersatzkleidung – was gut war, weil sie ansonsten die gesamte Reise über in ihrem Schneeanzug verbringen würde. Oder verbracht hätte, wenn Han es nicht nach einer Woche geschafft hätte, ihn ihr auszuziehen – und sie dann davon zu überzeugen, dass es wirklich nicht nötig war, für den Rest des Weges mehr als sein T-Shirt zu tragen.
Er nahm einen silbernen Kanister, warf ihn in die Luft und achtete auf die Geräusche, die der Inhalt machte.
„Was ist hier drin?"
„Tee."
Han brummte und stellte ihn wieder ab.
„Warum hast du diese Tasche überhaupt fertig?", fragte er.
„Es ist eine Notfalltasche."
„Eine was?"
Sie drehte den Kopf, um ihn anzusehen, und strich sich mit dem Finger über das Schlüsselbein. Sie hob ein Bein und legte das andere angewinkelt darüber, den Knöchel an ihrer Hüfte, womit sie ein Dreieck erzeugte.
„Eine Notfalltasche", wiederholte sie langsam. „In meinem ersten Jahr bei der Rebellion, als ich noch auf Coruscant war, habe ich gelernt, immer eine bei mir zu haben", erklärte sie. „Für den Fall, dass ich sofort fliehen müsste."
„Clever", bemerkte er.
„Ich kann mich nicht beklagen", gab sie ernst zurück.
Han grinste. Er nahm einen schmalen, röhrenförmigen Behälter in die Hand, der aussah, als würde er eine Brille enthalten, öffnete ihn und kippte den Inhalt in seine Hand. Angesichts des unauffälligen rosa Zylinders runzelte er die Stirn und hielt ihn nach oben. Als er darunter spähte, stellte er fest, dass sich der Boden drehen ließ.
„Eine Taschenlampe?", fragte er und drehte den kreisförmigen Sockel.
Das Gerät leuchtete nicht auf. Es brummte. In der Tat summte es fröhlich vor sich hin. Er hob die Augenbrauen.
„Nein", erwiderte Leia sanft.
Han fing an zu lachen und schaltete es schnell aus. Er machte eine Schau daraus, es ordentlich wieder in seinen Behälter zu stecken.
„Du solltest es waschen, nachdem du es mit deinen schmutzigen Händen angefasst hast", ermahnte sie ihn.
„Ich habe dich mit meinen schmutzigen Händen angefasst."
Sie reckte kokett die Nase in die Luft, als Han den Gegenstand beiseitelegte. Er lachte erneut.
„Das ist in deiner Notfalltasche?", fragte er ungläubig. „In einer Tasche, die du gepackt hast für den Fall, dass du fliehen und um dein Leben rennen musst – "
„Oh, und ich soll keinen Orgasmus haben, während ich auf der Flucht bin?", unterbrach sie ihn gekränkt.
„Du hast Hände", erinnerte Han sie.
„Ja, und eine Aversion dagegen, das Karpaltunnelsyndrom zu entwickeln."
Han warf ihr einen belustigten Blick zu.
„Wie oft benutzt du dieses Ding, Hoheit?"
„Seltener, in der letzten Woche", erwiderte sie.
„Seltener", wiederholte Han. „Seltener, sagt sie – nur seltener", er schüttelte den Kopf. „Ich bin dir einfach nicht gut genug, was?", fragte er gedehnt. Er nahm es wieder in die Hand und tat so, als würde er es ihr zuwerfen. „Willst du's dir schnell selbst machen, während ich hier beschäftigt bin?"
„Nein, danke, ich warte", antwortete sie freundlich.
Er grinste und griff nach einer kleinen Kosmetiktasche. Es überraschte ihn nicht, sie fast leer vorzufinden; Leia trug wenig Make-Up. Er kramte durch schwarzen Eyeliner, ein bisschen Rouge, eine dünne Flasche Wimperntusche und durchsichtigen Lippenbalsam – und bemerkte dann eine blutrote Lippenstiftkappe am Boden der Tasche. Er nahm den Lippenstift heraus und drehte ihn mit milder Neugierde in der Hand. Er nahm die Kappe ab und starrte überrascht auf die aufdringliche, rubinrot leuchtende Farbe. Mit zusammengekniffenen Augen las er das goldgeprägte, kleine Etikett an der Seite und warf ihr dann einen durchdringenden Blick zu.
„Hure?", las er laut und zitierte den Namen des Lippenstifts.
Leia drehte den Kopf zur Seite und verengte die Augen.
„Nun, das ist nicht mein bevorzugter Kosename", bemerkte sie spitz.
Dramatisch hielt er den Lippenstift in die Höhe.
„Ahhh", seufzte sie.
„Er heißt Hure?", forderte er.
„Es freut mich, zu hören, dass du lesen kannst."
Han schaute sie erwartungsvoll an.
„Trägst du das auf deinen Lippen?", fragte er skeptisch – es gab einfach keinen Teil von ihm, der sich vorstellen konnte, dass Leia, Prinzessin Leia, einen Lippenstift in einem solchen Rotton, der obendrein noch den Titel Hure trug, kaufte und sich dann die Lippen damit schminkte.
„Nein, jeden Morgen ziehe ich damit ein kleines Herz auf meinem Hintern und kritzele deine Initialen hinein."
„Was?!", stotterte Han.
„Natürlich trage ich ihn auf meinen Lippen, Han."
Dramatisch legte er eine Hand auf die Brust.
„Naja, komm her, ich will meine Initialen auf deinen Hintern schreiben", scherzte er.
„Dafür wird es noch genug Zeit geben", erwiderte sie träge.
„Weißt du, du hast verdammt viel Persönlichkeit unter all den Haaren und den finsteren Blicken versteckt, Prinzessin."
Sie drehte den Kopf und lächelte ihn strahlend an. Er winkte mit dem Lippenstift.
„Warum hast du das?"
Zögernd rollte sie sich auf die Seite. Sie schürzte die Lippen, neigte den Kopf und lächelte ein wenig reumütig.
„Als ich eine neue Senatorin war, hat mich ein Widersacher vor einem ziemlich elitären Ausschuss eine kleine, rebellische Hure genannt", erklärte sie. „Also habe ich ihn gekauft. Und speziell dann getragen, wenn ich mit dem Kerl zu tun hatte."
„Jemand hat dich eine Hure genannt?", fragte Han.
„Vielleicht war ich eine Hure", feuerte Leia zurück und hob eine Augenbraue.
Han blinzelte sie an.
„Naja, da ist ja nichts dabei", erwiderte er ernst. Dann verengte er die Augen. „Warum zur Hölle würdest du mir sagen, dass ich dein erstes Mal war, wenn du – "
„Das warst du", unterbrach Leia ihn.
Han blinzelte sie wieder an.
„Was geht hier vor sich?", murmelte er.
Sie grinste.
„Du kannst eine Jungfrau und eine Hure sein."
„Ich bin ganz Ohr", entgegnete Han ernst und lehnte sich nach vorne.
Sie zuckte die Achseln.
„Es ist nur eine Denkweise, die Männer erschreckt. Es ist eine Fassade. Huren existieren nicht. Es ist ein soziales Konstrukt."
Han neigte seinen Kopf und setzte dann mit bewussten Bewegungen die Kappe wieder auf den Lippenstift, sodass es ein kleines Klicken erzeugte. Demütig legte er eine Hand auf die Brust, beugte sich vor und präsentierte ihn ihr mit gesenktem Kopf und einer schwungvollen Geste.
Sie nahm ihn entgegen und drückte ihre Lippen in einem kleinen Kuss dagegen.
„Ich habe herausgefunden, dass es sehr wenig gibt, dass Männer mehr erschreckt als die Vorstellung, dass sie nicht die sexuelle Macht innehaben. Es war nie wichtig, ob diese Macht eine Illusion ist."
Er lächelte sie langsam und bewundernd an.
„Naja", bemerkte er heiser. „Es würde mir nichts ausmachen, den Lippenstift an dir zu sehen, Leia."
Geschickt rollte sie ihn zwischen ihren Fingern, legte den Kopf von einer auf die andere Seite, nahm ihn dann zwischen die Zähne und stand von der Koje auf, bevor sie sich anmutig auf Händen und Knien auf den Boden sinken ließ. Sie kam auf ihn zu und schob ihre Besitztümer aus dem Weg, als sie sich ihm näherte, bis sich ihr Gesicht genau vor seinem befand. Sie setzte sich auf die Knie auf, befreite vorsichtig den Lippenstift aus ihren Zähnen, öffnete die Kappe und drehte ihn auf. Stumm hob sie die Augenbrauen und er nickte.
„Willst du ihn ausprobieren?", fragte sie unschuldig.
Han zuckte die Achseln und blies ihr durch die Luft einen Kuss zu.
„Ich glaube nicht, dass es meine Farbe ist", scherzte er und schaute zu, wie sie eine dünne, perfekte Schicht auf ihre Lippen auftrug, sogar ohne einen Spiegel.
Geschäftsmäßig verschloss sie ihn wieder, warf ihn zur Seite und schüttelte langsam den Kopf. Mit dem Finger fuhr sie seine Brust hinunter bis zu seinem Gürtel und beugte sich dann vor, um seine Kehle zu küssen, während ihre Hand die Knöpfe seines Hemdes öffnete, bevor ihre Küsse träge über seine Brust wanderten.
„Ich meine nicht auf deinen Lippen", murmelte sie und veränderte langsam ihre Position, als sie sich nach unten bewegte, ihre Küsse wurden inniger, heißer und sanfter, je näher sie seinen Hüften kam.
Mit einem leisen Stöhnen schob Han seine Hand in ihre Haare und sie platzierte eines ihrer Beine über seinem und machte es sich bequem – sie war mit diesem Lippenstift wirklich viel zu lange abstinent gewesen.
