Derek Hale - Verlorene Familie oder doch nicht?

Sheriff Stilinski:

Als ihn der Notruf ereilt, hatte Noah gerade seinen Sohn Stiles dazu überredet sich von seinen Recherchen loszureißen und schlafen zu legen.

Er war gerade 17 Jahre alt geworden und verbrachte im Moment mehr Zeit damit Antworten auf alle Fragen der Welt zu finden als mit Schlafen.

Noah konnte sich nicht beschweren - Stiles war gut in der Schule und verbrachte die Zeit, die er nicht im Dienst war, meistens bei ihm.

Aber er machte sich trotzdem Sorgen. Die schlaflosen Nächte zeichneten dunkle Ringe unter seinen Augen ab und er redete immer weniger. Allerdings kippte die Stimmung im Haus immer ein bisschen zu dieser Jahreszeit. Vor Jahren war Claudia gestorben doch die beiden vermissten sie immer noch.

Seufzten warf der Sheriff einen letzten Blick in den Spiegel und lief dann mit schnellen Schritten zur Tür hinaus. Anscheinend hatte es einen Brand in einem der Häuser, die tiefer im Wald lagen, gegeben. Gott sei Dank hatte es sich nicht zu einem Waldbrand entwickelt, aber so wie der Officer vom Nachtdienst geklungen hatte muss es zu mindestens Verletzte geben.

Je näherer er dem Waldgebiet kam desto mehr lastete ein ungutes Gefühl auf ihm. Er war zwar der Sheriff der Stadt, aber warum sollte man ihn mitten in der Nacht hier rauszerren, wenn es nichts Schlimmes gab. Was konnte nicht bis morgen warten?

Noah stoppte den Wagen ein paar Meter vor dem Polizeiband, dass die Gegend absperrte und stieg aus dem Auto. Sofort schlug ihm der Geruch von Rauch entgegen und seine Augen tränten.

Hustend zog er sich einen Schal über den Mund und duckte sich gekonnt unter dem gelb - schwarz gestreiften Band durch. Mit einer Hand die Taschenlampe haltend eilt er durch den Wald, bis sich die dicken Bäume langsam zu einer Lichtung bildeten.

Ihm stockte der Atem. Dass es einen Brand gegeben hatte, war ja wohl eine Untertreibung. Das ganze Haus lag in Schutt und Asche. Holzbalken lagen queer überall verstreut und Ziegelsteine lagen im Dickicht. Es muss eine richtige Explosion gewesen sein.

Er machte sich einen Überblick über die Situation und begrüßte seine Kollegen von der Nachtschicht. Anscheinend wurden immer noch Körper geborgen und man konnte nur hoffen, dass nicht alle Mitglieder der Familie Hale in dem Haus gewesen waren. Denn so viel war klar: Dort kommt keiner mehr lebend raus.

Plötzlich hörte er schnelle Schritte von hinten, die immer näherkamen. Er drehte sich um und sah kurz ein rotes Licht aufblitzen und blinzelte mit den Augen bevor auf einmal ein Junge vor ihm stand. Er hatte dreckige, zerrissene Klamotten an und atmete schwer. Über sein Gesicht zogen sich Schnitte und es sah so aus, als ob er gerannt wäre.

Er trug eine von Horror versetzten Gesichtsausdruck, der ihn wie ein kleines Kind aussehen lässt. Erst dann realisierte der Sheriff, dass das Derek Hale war. Sein Herz durchzog ein kurzer Schmerz. Wie muss es sein, wenn deine Heimat von einem Moment auf den anderen weggerissen wird.

Der Junge ging an ihm vorbei und rannte zu den Polizeiwagen herüber die ihr Blaulicht über die Szene flackern ließen. Er lief dem Jungen hinterher, weil er weiß, was man in Trauer alles tun kann und wie wenig man rational denkt, als dieser erschrocken stehen bleibt. Vor ihm liegt die verkohlte Leiche von Laura Hale. Ihre Augen starren ins Nichts und ihr einst schönes Gesicht ist mit Brandflecken übersäht.

Erst das scharfe Einatmen des Jungen neben ihm, klärt seinen Kopf. Seine Ausbildung nimmt über und er führt den Jungen sanft an den Schultern von der Leiche weg. Er hat das Gefühl das Derek sich das normalerweise nicht gefallen hätte lassen, aber dies sind nun mal keine normalen Umstände.

Er setzt Derek in eines der leeren Polizeiwagen und kniet sich vor ihm nieder. Der Junge hat seine Augen auf den Boden gerichtet und murmelt etwas vor sich hin. Der Sheriff strengt sein Gehör an und das unverständliche Nuscheln bildet klare Worte: „Sie sind alle tot, sie sind alle tot, sie sind alle tot, …" Besorgt schaut Noah ihn an. Mit sanfter Stimme sagt er: „Das kannst du doch gar nicht wissen." Darauf schnellt Dereks Kopf hoch und er fährt ihn mit plötzlicher Wut an: „Was soll denn sonst sein, wenn ich…. Ich weiß das sie alle zu Hause waren. Schaut das etwa so aus, als ob jemand der da drin war überlebt hat?"

Die Wucht der Wut mit der Derek spricht erschrak den Sheriff und er zuckte leicht zurück. Trotzdem hatte er das Gefühl, als ob der Junge vor ihm eigentlich etwas anderes sagen wollte, aber es sich im letzten Moment verkniffen hatte. Besorgt musterte er den Jungen vor sich. Sein Gesicht war von Trauer verzerrt und er schien sich kaum davon abhalten zu können zu weinen. Zu gern hätte er ihn in den Arm genommen, doch dann veränderte sich auf einmal Dereks Gesichtsausdruck.

Seine Augen weitete sich und er atmet scharf ein. Sein Körper wird stock-steif und er steht taumelnd auf, um ein paar Schritte weiter ein Amulett aufzuheben, dass jemand auf dem mit herbstlichen Blättern übersäten Boden fallen gelassen hat. Er starrt auf das Amulett in seiner Hand und sein Ausdruck verspricht puren Schock und Schmerz. Sein Atem kommt keuchend und er murmelt ein sich wiederholendes Mantra: „Das kann nicht wahr sein, das kann nicht wahr sein, ….", bis er mit einem Schrei abricht und auf dem Biden zusammenbricht.

Schnell eilt Noah zu dem schluchzenden Jungen und legt einen Arm um ihn. Die Zeit, die sie so verbringen vergeht wie in Zeitlupe, aber irgendwann hört Derek auf zu schluchzen und ballt die Hände zu Fäusten, das Amulett immer noch in seiner linken Hand. Er hebt den Kopf und steht langsam auf. Sein Gesicht zeigt keine Emotionen mehr und er scheint sich von der Realität abgeschnitten zu haben. Seufzend stand der Sheriff auf und führte den Jungen zum Auto zurück.