Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Wait For It: Leia
Wait for it: Leia
Sie fragte sich oft, welcher grausame Schicksalsschlag ihr Überleben sicherte. Jeden Morgen, wenn sie aufwachte und jede Nacht, wenn sie den Kopf auf das Kissen sinken ließ, um in einen unruhigen Schlaf zu fallen, kämpfte sie mit der dumpfen, allgegenwärtigen Last ihres eigenen Durchhaltevermögens; sie rang mit Schuldgefühlen angesichts der Tatsache, dass sie lebte, wenn jeder einzelne Mensch, der sie jemals geliebt hatte und den sie mit ihrem ganzen Sein geliebt hatte – wenn ein gesamter Planet voller Menschen – fort war.
Sie versuchte, zu verstehen, warum sie überlebte, warum sie sich dem Tod sogar in den Momenten entzog, in denen sie sich ihm so rücksichtslos entgegenstellte. Sie war an sich nicht selbstmordgefährdet; Alderaans Zerstörung hatte sie mit einem brennenden und gebrochenen Herzen zurückgelassen, das sich so sehr nach Rache verzehrte, dass sie nicht ruhen konnte, bis ihr dieser Wunsch erfüllt wurde – aber sie war nicht vorsichtig, und es gab genug Momente, in denen sie sich sicher war, dass der Sensenmann ihre Nummer gezogen hatte – und doch, und doch –
Sie lebte – nein, sie existierte; nach Alderaan und der Schlacht von Yavin gelang es ihr, körperlich unversehrt weiterzumachen, in der Gegenwart zu leben, egal, wie oft die Hürden unüberwindbar schienen, und jedes Mal, wenn sie sich im Gemetzel einer Schlacht und doch siegreich wiederfand, verletzt und blutend und doch atmend, dachte sie, dass es etwas geben musste, was das Schicksal für sie vorgesehen hatte, etwas, das sie in der Galaxie und in einem Leben verankerte, das zu einem Friedhof geworden war, als ihr Planet und ihr Volk sich verflüchtigt hatten.
Sie konnte nichts tun, als die Offenbarung zu erwarten, auf eine Manifestation ihres Zwecks zu warten – sie wusste, sie war nicht die Retterin der Rebellenallianz, das war Luke, Luke und all seine unerfahrene, aber gewaltige Macht – sie war eine Anführerin, das war sicher, aber die Allianz hatte vor ihr schon Anführer gehabt und es würden Anführer nach ihr kommen, wenn sie starb – sie spürte, dass ihr Schicksal irgendwo jenseits der Rebellion lag, während sie sich mit einer ungewissen Zukunft in den Händen ihren Weg durch jeden neuen Tag suchte.
Sie versuchte, zu erkennen, was für sie in den Sternen geschrieben stand.
Je weiter sie sich von Alderaans Untergang entfernte, desto verlorener fühlte sie sich oft; je näher der Sieg über das Imperium rückte, desto mehr fragte sie sich, aus welchem Grund sie den finalen Kampf überhaupt überleben sollte – die Galaxie würde anfangen, sich wiederherzustellen und sie wäre ein antiquiertes, archaisches Symbol der Dinge, die durch die Hände der Sith gestorben waren.
Und dann…wurde es ihr im Laufe der Zeit klar, zuerst ganz allmählich und dann plötzlich auf eine überwältigende Art und Weise. Es wurde durch eine endlose Anzahl kleiner Streitigkeiten und Wortgefechte klar; es wurde durch bissige Bemerkungen klar, die sie beide mitten ins Herz trafen und es wurde auf unausgesprochene Art und Weise klar – die Art, wie eine adrenalingeladene Umarmung nach der Zerstörung des ersten Todessterns die Tür zu einem schüchternen ersten Kuss auf dem Falken öffnete, zu stillen, zurückgezogenen Nächten, die sie fern von neugierigen Blicken in seiner Koje verbrachten, zu einer verzweifelten, öffentlichen Liebeserklärung in der Wolkenstadt – zu einer Verbindung, die sie brauchte, nach der sie sich sehnte und die sie mehr als alles, was sie bisher in ihrem Leben gehabt hatte, schätzte, mehr als alles, was sie jemals von ihrem Leben erwartet hatte, als sie nur eine Prinzessin gewesen war, eine politische Schachfigur.
Sie hatte immer nur im Abstrakten von romantischer Liebe geträumt, weil sie gewusst hatte, dass sie einer arrangierten Ehe unterworfen sein würde und nachdem ihre Welt zusammengebrochen war, hatte sie nicht geglaubt, jemals wieder etwas zu fühlen, geschweige denn jemanden zu finden, der ihr das Gefühl gab, so geliebt und sicher zu sein, wie sie es einst in ihrer Heimat gewesen war – als sie sich in ihn verliebte, traf es sie also wie die unerträglichen Strahlen einer Wüstensonne und dann wie der unerwartete Schuss eines Blasters. Sie war gelähmt, verletzt, aber dieses Gefühl, diese Emotion, die er hervorrief, zog sie vorwärts, hielt sie am Leben.
Sie hatte um einen Grund gebeten, weiterzumachen und er war ihr am unwahrscheinlichsten Ort gegeben worden – im unwahrscheinlichsten Mann. Er hatte ihr einige Zeit vor der finalen Schlacht einmal gesagt, dass sie ihn zu einem besseren Menschen machte, dass sie ihn daran erinnerte, wer er hatte sein wollen, als er jünger gewesen war. Sie hatte ihn angeschaut und sich gefragt – ist er der Grund, warum ich nie aufgegeben habe?
Es lief alles auf einen einzigen Moment der Krise hinaus, einen Moment auf dem noch rauchenden Schlachtfeld im Wald, mit ihrem Leben auf Messers Schneide, mit dem Schicksal der Freiheit der Galaxie in ihren Händen und einer Schusswunde in ihrer Schulter, die ihr den Atem raubte und einen Sekundenbruchteil lang Panik auslöste, ein Aufflackern der Verzweiflung – bleib am Leben, wiederholte eine Stimme in ihrem Kopf zum ersten Mal seit Jahren, bleib am Leben –
Han beugte sich über sie, sein Gesicht voller Sorge und Nervosität – und sie schaute ihn an, ohne zu blinzeln und drückte ihren Blaster gegen ihre Rippen, begegnete seinem Blick mit Entschlossenheit; er sah die Waffe und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln –
„Ich liebe dich", sagte er rau.
– und alles ergab plötzlich einen Sinn, alles; sie war so lange geduldig und ungeduldig gewesen und hatte so lange gewartet, um jemanden zu finden, etwas zu finden, irgendeinen Grund, warum ihr Leben immer noch von Bedeutung war, trotz allem, was sie geliebt und verloren hatte –
„Ich weiß", erwiderte sie – sie wusste es, sie hatte so lange schon gewusst, dass er für sie da war, aber es in seiner Stimme zu hören, diese Worte von ihm zu hören – es war genug.
Sie feuerte die Waffe über seine Schulter auf den Feind ab und Adrenalin und Selbstsicherheit hielten ihre Hand ruhig – und als der Schuss sein Ziel traf, verspürte sie eine Welle des Triumphes; sie fühlte den Sieg am Horizont und sie fühlte sich glücklich, am Leben zu sein – glücklich, nicht gestraft. Sie wollte lebendig sein und sie war zutiefst davon überzeugt, dass das Warten auf dieses Gefühl sich gelohnt hatte – und dass die Zukunft, die sie mit ihm haben würde, es wert war.
„And if there's a reason I'm still alive
When everyone who loves me has died
I'm willing to wait for it…"
Lin-Manuel Miranda [Hamilton: Wait for it]
