Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Hairy Situations

Haarige Angelegenheiten

Luke Skywalker war einige Zeit lang in der Basis von Hoth herumgewandert und wurde zunehmend frustrierter, als er vergeblich nach Leia suchte – sie war die einzige Person, die ihn ernstzunehmen schien, wenn er über seine Jedi-Ziele sprechen wollte, über seine seltsamen Träume, die von Ben Kenobi handelten. Er suchte sie oft auf; sie war zuverlässig, wenn es darum ging, ruhig zuzuhören oder einen weisen Rat zu geben. Es kam eigentlich nicht oft vor, dass er sie nicht finden konnte, aber heute hatte sie dienstfrei und ihm war aufgefallen, dass er nicht sicher war, was Leia in ihrer Freizeit tat – sie schien furchtbar ungern welche zu beanspruchen.

Es war Wedge Antilles, der nach seinem vierten Streifzug durch den Hangar endlich Mitleid mit ihm hatte und sich von seiner Position unter seinem Sternenjäger aufsetzte, wo er an etwas bastelte. Den Hydroschraubenschlüssel immer noch im Mund, zeigte er auf etwas und murmelte undeutlich vor sich hin.

„Hm?", fragte Luke.

Wedge spuckte das Werkzeug aus, räusperte sich und zeigte immer noch in eine Richtung.

„Ich sagte, wenn du die Prinzessin suchst, sie ist auf dem Falken."

„Oh", sagte Luke, drehte sich um und folgte seiner Hand mit den Augen. Er runzelte die Stirn. „Natürlich ist sie das", bemerkte er.

Er verdrehte leicht die Augen. Wedge grinste und zog anzüglich die Augenbrauen nach oben, bevor er wieder zurück unter seinen Jäger rutschte, um weiterzuarbeiten. Luke schlurfte auf den Frachter zu und beäugte die heruntergelassene Rampe bedauernd – er hatte nicht daran gedacht, dort nachzusehen, aber er war sich nicht sicher, warum. Es war offensichtlich, dass sie irgendwann dort landen würde. Luke endete in seiner Freizeit normalerweise ebenfalls dort, aber Leia schien rätselhafterweise häufiger dort zu landen – und das Verblüffendste war, sie tat es trotz der Tatsache, dass sie nach einer gewissen Zeit so gut wie immer in schlechter Stimmung davonstürmte.

Luke schüttelte den Kopf und schob die Hände in die Taschen. Er schnaubte vor sich hin – die Piloten hatten Recht, es war nur eine Frage der Zeit. Seine Schwäche für Leia hatte begonnen zu verblassen; an ihre Stelle war ein seltsamer Beschützerinstinkt getreten, der ihn erschreckte, und er glaubte nicht unbedingt, dass Han eine gute Partie war.

Einen Moment blieb Luke an der Rampe stehen, dann ging er ein paar Schritte hinauf und trat träge an den Falken heran. Chewie war nirgendwo zu sehen und der Wookiee war normalerweise der erste, der auf dem Schiff in Sicht kam. Luke betrat das Schiff, bog um die Ecke, machte sich auf den Weg in Richtung des Hauptraums und erstarrte.

Han!"

Der atemlose Schrei kam aus den Mannschaftsquartieren und er machte auf dem Absatz kehrt und begab sich in diese Richtung.

„Hör auf, dich zu bewegen!"

Das war Hans Stimme.

„Sei nicht so grob", tadelte sie ihn mit piepsiger Stimme.

„Du wirst es schon aushalten", erwiderte der Schmuggler.

Luke stand wie gelähmt im Flur, den Mund leicht geöffnet. Er hörte ein Ächzen, dann sagte Han:

„Rück mal, die Position ist das Problem."

Lukes Augen weiteten sich.

Er hörte ein dumpfes Geräusch und dann ein leises Quietschen.

„Vorsichtig!"

„Der Schmerz wird schnell vorbei sein, wenn ich es einfach hinter mich bringe – "

„Es ist zu fest, um es einfach durchzuziehen!"

„Ich weiß, was ich tue, Verehrteste."

Lukes Mund öffnete sich noch ein wenig mehr – was zur Hölle war da drin los?

Leia keuchte auf.

„Du bist keine große Hilfe – entspann dich", befahl Han.

„Ich dachte, du wärst gut darin", beschwerte sich Leia atemlos. „Du hast Erfahrung – "

„Du tust so, als wäre ich eine Art Profi – "

„Nun, bei all den Frauen, die du kennst, bin ich überrascht, dass du das noch nie zuvor gemacht hast – "

„Oh, ich habe es schon einmal gemacht, Schätzchen", schnauzte Han aalglatt zurück.

Luke wurde rot – die Rampe war unten, die Tür war offen, wussten sie das nicht? Wenn die beiden – sicherlich hatte Leia mehr Anstand als –

„ – normalerweise mache ich es aber mit einem Wookiee, der nicht die ganze Zeit meckert!"

Warte.

Was?

Mit einem Mal machte Luke einen Satz nach vorne und stürmte mit geweiteten Augen um die Ecke in den Mannschaftsraum. Sofort stolperte er über einen von Hans Stiefeln, landete auf seinen Knien und stieß sich an einem Tisch den Kopf. Als er aufsah und versuchte, seine verschwommene Sicht loszuwerden, starrten Han und Leia ihn in mildem Erstaunen an.

Han hatte den Arm erhoben und hielt eine Haarbürste in der Hand, die andere Hand hielt eine dicke Strähne von Leias Haaren von ihrem Rücken weg und zu ihm hin. Sie saß vor ihm auf einer Kiste, die Arme verschränkt und den Rücken leicht nach vorne gebeugt, während ihre dicke Jacke neben ihr in der Koje lag.

Aber abgesehen von der Tatsache, dass es so aussah, als würde Han die Prinzessin von Alderaan mit einer riesigen Haarbürste in Wookiee-Größe verprügeln, ging nichts so Unanständiges vor sich, wie es sich angehört hatte.

Luke rieb sich den Kopf und zuckte zusammen.

„Äh", sagte er undeutlich. „Was macht ihr da?"

Han schnaubte und zeigte mit der Bürste auf ihn.

„Was machst du da?", gab er die Frage gleich zurück. „Wie ich sehe, kannst du diese Jedi-Gymnastik aus dem Effeff", zog er ihn auf.

Luke wurde rot und nutzte den Tisch, um sich daran hochzuziehen. Noch während er vor sich hin murmelte und Han einen missmutigen Blick zuwarf, hatte er sich von seinem kleinen Unfall erholt.

„Spielt ihr Verkleiden?", fragte er und nickte zur Bürste hin.

Leia blinzelte ihn vorsichtig an.

„Meine Haarspange hat sich in meinen Haaren verknotet", erklärte sie bedächtig.

Luke runzelte amüsiert die Stirn.

„Okay", sagte er langsam. „Also, was hat Han damit zu tun?"

„Ich war auf der Suche nach Chewie", antwortete Leia mit einem leichten Knurren in der Kehle. „Aber Chewie ist draußen auf Patrouille. Dieses sprechende Bantha", fauchte Leia und gestikulierte heftig in Hans Richtung, „hat behauptet, er sei ein Profi darin, Dinge aus Chewies Fell zu bürsten. Er sagte, das könne er übernehmen."

„Das könnte ich auch", prahlte Han, „wenn du aufhören würdest zu jammern."

„Ich jammere nicht!"

Han warf Luke über ihren Kopf hinweg einen Blick zu und nickte.

„Hör auf zu nicken!", giftete Leia und drehte sich um, um ihn anzustarren.

Han grinste sie schief an. Dann zuckte er die Achseln, senkte die Bürste und ging wieder dazu über, an dem eindrucksvollen Knoten zu zerren und ihn ein wenig zu lösen.

„Was hat dich so aus der Fassung gebracht, Junior?", fragte Han und warf dem angehenden Jedi einen Blick zu.

Luke errötete und streckte die Hand aus, um sich wieder über den Kopf zu fahren, und seine Handfläche verweilte an seinem Kiefer. Demonstrativ schaute er hinüber in eine Ecke.

„Nichts."

„Lügner", warf Leia ihm schlicht vor.

Luke sah sie an.

„Auf wessen Seite bist du?", wollte er wissen.

Leia dachte einen Moment nach. Dann sagte sie:

„Auf Hans Seite."

Luke rümpfte die Nase und lehnte sich gegen den Türrahmen.

„Nun", begann er vorsichtig. „Ich habe euch gehört, als ich auf das Schiff gekommen bin und, ähm, es hat sich nicht angehört, als ob Haare kämmen das ist, was du…gerade tust", entgegnete er. Lahm nickte er zu Leia hinüber. „Mit ihr."

Leia blinzelte ahnungslos, aber Han verstand es sofort. Er stieß ein lautes Lachen aus und seine Augen nahmen einen leicht lasziven Glanz an.

„Also hast du gedacht, du platzt hier rein?", fragte Han und täuschte einen empörten Tonfall vor. „In einem privaten Moment?"

Luke zuckte die Achseln.

„Ich habe gehört, dass du es normalerweise mit Wookiees machst und war leicht – besorgt", gab er scharf zurück und hielt mit Han mit.

Han starrte ihn an.

In der Zwischenzeit dämmerte Leia die Erkenntnis und sie wurde rot und sah Luke schockiert an.

„Was ist los mit dir? Die Tür ist offen! Die Rampe ist unten! Denkst du, ich würde – "

„Sekunde", unterbrach Han sie laut und ließ ihre Haare los. „Heißt das, wenn die Tür geschlossen und die Rampe oben wäre – "

„NEIN, DAS HEISST ES NICHT", unterbrach Leia ihn lauter, während sich ihre Wangen erneut rot färbten.

Han legte seine Hände auf ihre Schultern und brachte grinsend seinen Mund nah an ihr Ohr heran.

„Denk länger als nur eine Sekunde darüber nach, Hoheit", schlug er vor und zwinkerte Luke selbstgefällig zu.

Leia drehte sich um, schnappte sich die Bürste und schlug Han damit heftig auf die Schulter. Lachend rieb er über die Stelle, an der sie ihn getroffen hatte und hielt seine Hände in die Höhe. Ihr langes Haar, verfilzt und unordentlich, halb geflochten, halb lose, fiel ihr über den Rücken, als sie aufstand.

„Sag mir Bescheid, wenn Chewie zurückkommt", befahl sie gebieterisch. „Er kann das ohne diesen – männlichen – Unsinn erledigen."

„Chewie ist männlich", ergänzte Luke wenig hilfreich.

Leia warf ihm einen Blick zu, machte auf dem Absatz kehrt und nahm ihre Jacke. Han verschränkte die Arme und sah Luke nüchtern an.

„Wer weiß, wohin das geführt hätte, wenn du nicht hereingekommen wärst?", scherzte er.

Luke warf Leia einen Seitenblick zu. Sie hob die Hände.

Nirgendwohin, Solo!", beharrte sie.

Luke sah zu, wie sie an ihm vorbeiging, zuckte die Achseln und blickte Han dann entschuldigend an.

„Tut mir leid", murmelte er. „Ich dachte wirklich, ich höre – "

„Nein, Junior", erwiderte Han todernst, „sie wäre viel lauter gewesen, wenn es so gewesen wäre."

Er hatte vermutet, dass sie immer noch in Hörweite war und die Haarbürste, die plötzlich durch den Raum segelte und hart auf seine Brust auftraf, bestätigte seinen Verdacht. Er hörte sie ärgerlich vor sich hin knurren, als sie vom Schiff herunterstürmte, grinste, und fing das provisorische Wurfgeschoss mit seiner Hand auf.

„Warum hackst du so auf ihr herum?", fragte Luke verärgert.

Han zuckte die Achseln.

„Weil es ihr gefällt", sagte er ernst und lächelte dann gewinnend.

Das stimmt wahrscheinlich, dachte Luke trocken.

„Ich kann nicht glauben, dass sie dich gebeten hat, ihr die Haare zu bürsten", dachte er laut nach.

„Eigentlich hat sie mich gebeten, den Knoten herauszubekommen", antwortete Han und sah auf die Haarbürste hinunter. Er streckte die Hand aus und rieb sich den Nacken. „Ich hab das irgendwie genossen, Junior", gestand er und warf Luke für die Unterbrechung einen missmutigen Blick zu.

Luke verdrehte die Augen.

„Könnt ihr zwei nicht endlich etwas miteinander anfangen?", meckerte er. „Dann kann der Rest von uns vielleicht wieder dazu übergehen, die galaktische Gewaltherrschaft zu stürzen."

Er drehte sich um und beschloss, Leia zu folgen und sie mit seinen Gedanken abzulenken. So ließ er Han einfach stehen, leicht beleidigt, weil jemand ihn als hoffnungslos durchschaubar entlarvt hatte, was ihn und – ihre Hoheit – betraf.

Als Luke vom Millennium Falken wegschlenderte, fragte er sich, ob Leia wusste, wie glücklich sie sich schätzen konnte, dass er es gewesen war, der sie belauscht hatte und nicht irgendein leicht zu beeindruckendes Mitglied der Renegaten-Staffel – diese Kerle konnten ein Gerücht schneller in der Galaxie verbreiten, als Vader eine Luftröhre zusammendrückte.