Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Interlude

Intermezzo I

Das Problem war die Versorgung. In einem Krieg wie diesem war es immer die Versorgung. In einem ungleichen Krieg, in dem auf der einen Seite ein Monstrum stand, bis an die Zähne bewaffnet und bösartig, allmächtig und unausweichlich, und auf der anderen Seite ein zusammengepflasterter Aufstand, ausgestattet mit genügend Enthusiasmus, mit berechtigter, wirkungsvoller Wut – und sehr wenig greifbarer Schlagkraft. Trotz des wundersamen Sieges, der der beeindruckenden Kampfstation des Imperiums ein Ende gesetzt hatte, war die Rebellion immer noch eine im Untergrund agierende, sich abmühende Koalition, eine Organisation mit der stillschweigenden Sympathie vieler, doch der lauten Unterstützung nur der mutigen – und harsch zum Schweigen gebrachten - wenigen. Und so wurden üppige Schlachten angesichts der entscheidenden Notwendigkeit von Geheimhaltung meist durch verdeckte Operationen ersetzt; Guerilla-Taktiken waren ein notweniges Hilfsmittel für Revolutionäre, die von einem starken Gegner überragt wurden – und die unter einem endlosen Mangel an Warenlieferungen litten.

Egal, zu welcher Jahreszeit und egal, in welcher Basis – sie brauchten Rationen, frische Nahrung, Medikamente; ihnen fehlten Soldaten und Munition, Mechaniker und Wissenschaftler – die immateriellen Mängel waren genauso demoralisierend wie die materiellen. Vorräte – und es war ironisch, wirklich ironisch, dass eines der unverzichtbaren Wesen, das Blockaden und imperialen Kontrollpunkten, Hinrichtungskommandos und Kopfgeldjägern gleichermaßen trotzte, um direkt vor der Nase anerkannter Kaufleute Vorräte für die Rebellen zu ergattern, jetzt so darunter litt, dass ihnen die Vorräte fehlten.

Han war außer sich, Leia hatte ihn noch nie so, so –

„Er ist mit den Nerven am Ende", bemerkte Carlist Rieekan bestimmt, einen grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht. Er richtete seine Worte an Jan Dodonna, während ein angespannter Muskel in seinem Kiefer zuckte. „Ich musste ihn aus dem Dienstplan streichen. Er ist nicht fokussiert."

Mit einem sauren Ausdruck auf dem Gesicht rieb sich Dodonna fest über die Schläfen. Er starrte auf die Tabellen und Zeitpläne vor sich.

„Das übt mehr Druck auf uns aus", murmelte er, obwohl er keinen wirklichen Groll gegen Solo hegte. Er streckte seine Handfläche aus. „Die Prinzessin hat bereits mehrere Schichten übernommen."

Er sagte es, als würde es seine Gefühle beleidigen, dass sie überhaupt in normalen Schichten arbeitete, obwohl Leia sich sicher war, dass es mehr mit ihrem aristokratischen Status als mit ihrem Geschlecht zu tun hatte. Sie runzelte ein wenig die Stirn – sie konnte es nicht ausstehen, wenn man sich mit ihrem Titel auf sie bezog, wenn sie im Raum war; anstatt elitäres Denken auszudrücken, schien es sie von einem komplexen Wesen auf eine einzige Eigenschaft zu reduzieren.

„Ich habe deutlich zu verstehen gegeben, dass ich wie jeder andere gemeldete Offizier behandelt werden möchte", warf sie ein.

„Das ist edel", sagte Dodonna knapp, „aber das sind Sie nicht. Ich habe kein Problem damit, dass Sie arbeiten, Eure Hoheit. Wir brauchen Sie, aber da ist eine feine Linie, die in Bezug auf Rang und Verbrüderung gezogen werden muss. Sie werden den Respekt als Führungsperson verlieren, wenn Sie sich zu oft als Fußsoldatin ausgeben – "

„Ich glaube nicht, dass wir uns darüber Sorgen machen müssen", beschwichtigte Rieekan ihn geringschätzig. „Das Problem ist – wenn sowohl Chewbacca als auch Han außer Dienst sind, stehen uns wenige Streitkräfte und Wachoffiziere zur Verfügung und es ist ungefähr diese Zeit", murmelte er, „in der das Imperium uns in der Regel wiederfindet."

Ein raues Seufzen entwich Dodonnas Lippen.

„Haben wir irgendwelche Informationen, die darauf hinweisen – ", begann er.

„Nein, aber wir haben Informationen, die darauf hindeuten, dass sie Suchdroiden und einzelne Späher aussenden werden", presste Rieekan hervor. „Wir können kaum noch Soldaten rekrutieren und die Festung in der Nähe von Sullust ist noch nicht einsatzbereit."

Dodonna nickte und hob mit angespanntem Gesichtsausdruck den Kopf.

„Wachsamkeit ist der Schlüssel, frühe Warnungen", murmelte er. „Wir brauchen Solo nicht nur hier, sondern können auch nicht riskieren, dass er entdeckt oder verfolgt wird. Alle Schiffe müssen auf dem Boden bleiben", sagte Dodonna geradeheraus. „Das muss er verstehen."

„Das wird er nicht", antwortete Rieekan rundheraus.

„Bringen Sie ihn dazu, Carlist", forderte Dodonna ihn auf und sah den General scharf an. „Sie sind sein befehlshabender – "

„Nein", unterbrach Leia leise.

Sie schüttelte den Kopf – da sie auf einem unnachgiebigen Stuhl mit gerader Rückenlehne saß, der kaum Komfort bot, war ihre Haltung kaum als damenhaft zu bezeichnen; sie nahm mit einer Mischung aus Sorge und Kummer an dieser Besprechung teil, unsicher, wie sie sich ihren Verlauf wünschte, hin und hergerissen zwischen der Unversehrtheit und Sicherheit ihrer kostbaren Rebellion und den zutiefst emotionalen Bedürfnissen ihrer Freunde, ihres – was auch immer Han für sie war.

„Han ist kein gemeldeter Soldat", erinnerte Leia Dodonna. „Er springt von Vertrag zu Vertrag."

Dodonna warf wütend einen Stift auf seinen Tisch.

„Er schläft hier, er isst unsere Nahrung, er profitiert von unserer Sicherheit – "

„Er schläft auf seinem Schiff", ergänzte Leia. „Er isst Nahrung, die er zuerst selbst hierher geschmuggelt hat. Wenn man die doppelte Belohnung, die auf seinen Kopf ausgesetzt ist, in Betracht zieht, setzt er sich wohl einem höheren Risiko aus als die meisten von uns. Wir verstecken uns. Han fliegt direkt hinter imperiale Linien – regelmäßig, in unserem Namen."

Mit einer verzerrten Grimasse im Gesicht kratzte Dodonna sich am Bart.

„Sie denken also, wir sollten ihn gehen lassen?", fragte er knapp. „Das Risiko eingehen, entdeckt zu werden. Sie sind auf seiner Seite?"

Leia blinzelte nachdenklich und ließ wenige Emotionen durchscheinen.

„Ich dachte, wir wären hier, um eine Diskussionsrunde zwischen Führungspersonen abzuhalten", erwiderte sie kühl. „Ich bin auf keiner Seite, ich wäge die Möglichkeiten gegeneinander ab."

„Sie sind voreingenommen, weil Sie ihm nahestehen, Eure Hoheit", antwortete Dodonna kurz angebunden. „Vergeben Sie mir, wenn diese Annahme dreist ist."

„Es ist nicht dreist und es ist nicht falsch", entgegnete Leia kalt. „Befangenheit ist ein Nebeneffekt der menschlichen Natur, also scheint es nur fair, dieselbe Anschuldigung an Sie zu richten – in Anbetracht der Tatsache, dass Sie ihn nicht mögen, Jan."

Rieekan verschränkte die Arme und streckte dann eine Hand aus, um sich über die Stirn zu reiben. Hinter seiner Handfläche verborgen warf er Leia einen Seitenblick zu, krümmte dann die Finger und legte sie an seine Stirn. Müde schloss er die Augen.

„Ich mag Solo vielleicht nicht leiden können, aber ich respektiere seinen Beitrag", sagte Dodonna. „Ich – wir – müssen seinen Fall auf dieselbe Weise betrachten wie jeden anderen – "

„Bis zu einem gewissen Grad, ja, aber ich denke, Rang und Ausmaß des Beitrags sollten bei dieser Entscheidung berücksichtigt – "

„Er hat keinen Rang! Wie Sie selbst gesagt haben, ist er uns nicht verpflichtet. Ich nehme an, das bedeutet, dass ich ihm keine Befehle erteilen kann, aber das ist auch sehr gefährlich für uns!", platzte Jan wütend dazwischen.

Rieekan hob ruckartig die Brauen.

„Haben Sie sie gerade unterbrochen?", fragte er ungläubig und senkte seine Hand, um auf Leia zu deuten. Leia unterdrückte angesichts seines verletzten Ehrgefühls ein Lächeln.

„Ich – ", begann Dodonna milde.

Leia hielt ihre Hand nach oben.

„Ich habe ihn schon oft unterbrochen, Carlist. Ich habe darum gebeten, in meiner Eigenschaft als Soldatin gleichberechtigt zu sein, also lassen Sie ihn", bemerkte sie bestimmt. Sie räusperte sich. „Es ist sehr höflich von uns, hier zu sitzen und so zu tun, als ob richterliche Entscheidungen auf einer unumstößlichen Grundlage der Gerechtigkeit basieren, aber das trifft nirgendwo zu. Situationsabhängige Gerechtigkeit ist gerechtfertigt."

Dodonna presste hartnäckig die Zähne zusammen und dachte über ihre Worte nach.

„Das ist also Ihre Einstellung?", fragte er. „Sie denken, wir sollen ihm die Erlaubnis erteilen, zu gehen?"

Leia zögerte, ihre Unsicherheit lastete schwer auf ihren Schultern. Dass sie ihn Solo nannten, machte es fast einfacher, sich gegen ihn zu stellen, sein Nachname nahm der Vertrautheit ihrer Freundschaft die Bedeutung. Das letzte Mal, als sie vor einer Entscheidung gestanden hatte, die sie dazu zwang, zwischen ihrer Familie und ihrer Sache zu wählen, hatte sie zusehen müssen, wie ihre Welt vor ihren Augen zerstört wurde. Es zählte nicht, dass sie versucht hatte, ein Spiel zu spielen oder dass sie wusste, dass Alderaan ohnehin der Vernichtung preisgegeben worden wäre, egal, was sie getan hätte; sie war immer noch erschüttert von der Wahl, vor die man sie gestellt hatte, der oberflächlichen Realität dessen, was man von ihr verlangt hatte, und sich erneut mit derselben Entscheidung konfrontiert zu sehen, war traumatisch.

Schweigend sah sie Rieekan an, einen der letzten vertrauenswürdigen Überreste ihrer Heimat. Schwer seufzend hob er die Schultern. Sie fragte sich, was er von ihrem Mangel an Überzeugung hielt, fragte sich, was er von ihr hören wollte. Sie wusste, dass er niemals für sie sprechen oder versuchen würde, sie zu beeinflussen. Schließlich holte sie tief Luft.

„Ich denke, es zeigt enorme Selbstbeherrschung, dass er uns überhaupt gefragt hat", meinte sie. „Er hätte einfach davonfliegen können, als Chewbaccas Zustand sich verschlechtert hat."

„Weil er getan hat, was jeder gesunde Mensch tun würde, der die Gefahr, in der wir uns alle befinden, versteht, sollten wir ihn belohnen?", forderte Dodonna sie heftig heraus. „Wenn dieses Schiff dabei beobachtet wird, wie es dieses System verlässt, oder wenn es irgendwo in der Nähe dieses Systems entdeckt wird, sind wir erledigt. Wenn er entdeckt wird – gefangen gehalten – und gefoltert, wie wird er sich dann verhalten? Wie loyal ist er? Es handelt sich um Kashyyyk, Eure Hoheit. Das ist mitten in – dort ist eine gottverdammte imperiale Besatzungsmacht. Es besteht keine Möglichkeit, dass er nicht entdeckt wird."

Dodonna sprach so leidenschaftlich, dass er nicht einmal bemerkte, wie er fluchte, eine Handlung, für die er sich in Leias Gegenwart normalerweise schämen würde. Steif schüttelte er den Kopf und fuhr fort:

„Wenn er auf wundersame Weise davonkommt, ist es eine verdammte Gewissheit, dass man ihn hierher zurückverfolgt und dann", Dodonna schlug die Hände zusammen. „Erledigt. Wir sind erledigt und das wegen eines einzigen Wookiees."

Sein letzter Satz war hart und verurteilend. Leia biss sich fest auf die Innenseite ihrer Wange.

Rieekan zuckte die Achseln.

„Vielleicht kommt er nicht zurück", bot er an. „Er hat Schulden zu begleichen. Es gibt einen Grund, warum er sich uns nicht angeschlossen hat."

Leia biss sich fester in die Wange.

Dodonna sah Rieekan irritiert an, als ob er glaubte, der andere Mann hätte den Verstand verloren.

„Ja, er hat sich uns nicht angeschlossen und trotzdem kommt er immer wieder zurück – das ist ein alarmierendes Zeichen. Vielleicht kommt er nicht zurück – Carlist, um Siths Willen. Er wird zurückkommen, weil sie hier ist", rief Dodonna und deutete auf Leia.

Leia hob die Brauen und ihre Wangen erröteten leicht. Sie schürzte die Lippen.

„Das stimmt, Carlist, ich habe Han mit einem Rückhaltebolzen versklavt", bemerkte sie ausdruckslos.

„Er wird mit der gesamten verdammten imperialen Armee auf seinen Fersen zurückkommen."

Unruhig rutschte Leia hin und her und beugte sich vor.

„Ich verstehe die Lage, in der wir uns befinden", begann sie, „und was auch immer Sie denken mögen, Han tut das auch. Vielleicht ist er kein Verfechter unserer Ideologie, aber er ist schlau und will ganz sicher auch nicht von imperialen Truppen gefangen genommen werden – oder riskieren, dass seine Freunde verletzt werden. Wenn er glaubt, dass er das hier schaffen kann", sie verstummte.

„Ich weiß nicht, Prinzessin", bemerkte Carlist müde. „Ich habe ihn noch nie so gesehen. Was er vorschlägt, wäre ein kaum vertretbares Risiko, wenn er in Bestform wäre, aber er ist emotional am Boden zerstört. Wenn ich ihn schon keine Wache übernehmen lassen kann – gehen wir dann davon aus, dass er dazu in der Lage ist, der Sorte von Fallen und Verfolgungsmechanismen auszuweichen, die das Imperium für uns bereithält – speziell für dieses Schiff bereithält?"

Leia sah ihn vorsichtig an. So umsichtig wie sie war, hätte sie erwartet, dass Rieekan sich eher auf ihre Seite stellte. Niedergeschlagen hob er eine Schulter.

„Ich muss wie ein General denken", sagte er.

Leia stützte steif das Kinn in die Hand.

„Menschen können emotional am Ende sein und trotzdem funktionieren", teilte sie ihm fast vorlaut mit – denken Sie, dass ich bei klarem Verstand war, als wir auf Yavin gekämpft haben, Carlist?

Sie presste fest die Lippen zusammen.

„Er ist nicht nur irgendein Wookiee", merkte sie sanft an. „Chewbacca ist genauso maßgeblich daran beteiligt wie Han, Waren für uns zu schmuggeln und er hat harte Arbeit geleistet, um diese Basis aufzubauen – er hat unsere Arbeit getan, als er verletzt wurde", wies sie darauf hin. „Ohne Entschädigung, wenn ich das hinzufügen darf."

Dodonna verzog das Gesicht.

„Ich weiß", sagte er schwer. „Ich weiß."

Er lehnte sich zurück und starrte hinunter auf seinen Schreibtisch.

„Wir können Solo vielleicht autorisieren, einen Sprung zu einem etwas unbedeutenderen Planeten zu wagen und auf dem Schwarzmarkt angemessenere medizinische Versorgung zu ergattern – "

„Er sagt, dass es dafür zu spät ist", murmelte Rieekan. „Chewbacca braucht seine Heiler."

„Was zur Hölle kann Solo schon über Wookiee-Heilkunst wissen?", bellte Dodonna und sein Gesicht wurde rot. „Entschuldigen Sie, Prinzessin – Carlist, ich versuche, mein Bestes zu geben; ich versuche, hunderte zu beschützen, ohne dabei wie ein ungnädiges Stück Scheiße zu wirken!"

Rieekan blinzelte ihn ruhig an.

„Ich verstehe, Sir", erwiderte er. „Ich sage Ihnen lediglich, was Sache ist."

Leia lehnte sich wieder nach vorne und straffte die Schultern.

„Sie", fing sie an und hielt dann inne, um sich zu korrigieren: „Wir müssen bedenken, dass es hier nicht nur um eine Lebensschuld geht. Es geht darüber hinaus. Han war noch nie mit Chewbaccas kultureller Verpflichtung einverstanden und würde es sich nie verzeihen, wenn Chewie aus Gründen, von denen er glaubt, dass sie seine Schuld sind, etwas zustoßen würde."

„Nichts davon ist Solos Schuld", informierte Dodonna sie knapp.

„Nein, der Unfall nicht", entgegnete Leia grimmig. „Aber was ist damit, dass sie überhaupt hier sind?", sie ließ diese Bemerkung so stehen – weil Leia wusste, dass Han aus demselben Grund noch hier herumlungerte, von dem Dodonna behauptete, dass er deswegen so hartnäckig zurückkommen würde.

Dodonna lehnte sich zurück. Rieekan sah auf seine Stiefel hinunter und schrammte einen fest über den Boden, sein Gesicht zu einer finsteren Miene verzogen. Leia sah zwischen ihnen hin und her und sah dann weg. Ihr Brustkorb schmerzte, als hätte eine eiskalte Hand ihn gepackt und unerbittlich zusammengedrückt. Dodonna brach die Stille, indem er tief Luft holte, sein Gesicht war unergründlich. Er schaute Leia direkt an.

„Nein", entschied er schließlich. „Ich kann das nicht zulassen. Captain Solo bekommt keine Erlaubnis, aus diesem System herauszurasen und sich direkt in imperiales Territorium zu stürzen."

Leia schluckte hart und Dodonna blickte Rieekan an.

„General, Ihre Stimme?", fragte er grimmig.

Rieekan schloss die Augen und sah Leia nicht an. Er seufzte müde.

„Ich stimme dem zu", erwiderte er. Er öffnete die Augen. „Das sind keine Entscheidungen, die ich gerne treffe", ergänzte er, die Bemerkung an Leia gerichtet.

Sie starrte auf die Wand direkt vor sich.

„Ich verstehe Ihre Argumentation. Ich stimme ihr sogar zu. Sie ist logisch, sie dient dem Wohl der Allgemeinheit", sagte sie. Sie zögerte und biss sich auf die Lippe. „Ich halte es trotzdem nicht für richtig. Diese Entscheidung wurde nicht mit dem Herzen getroffen."

„Wir können keine Rebellion mit dem Herzen gewinnen, Eure Hoheit", bemerkte Dodonna.

Sie blinzelte.

„Nun", entgegnete sie milde, während sie aufstand. „Nicht mit gebrochenen."

Sie verschränkte die Arme und Dodonna verzog das Gesicht und ließ den Kopf hängen. Er schaute auf die Dinge auf seinem Schreibtisch.

„Werden Sie es ihm sagen?", erkundigte er sich grimmig.

Leia nickte.

„Er wird trotzdem gehen", warnte sie.

„Nicht, wenn Sie ihn darum bitten, das nicht zu tun", murmelte Rieekan. Er warf ihr einen Blick zu. „Erinnern Sie ihn daran, dass Ihr Leben mehr als jedes andere auf dem Spiel stünde."

Leia verspürte einen Anflug von Wut auf Carlist, eine heiße Welle der Verärgerung. Sie würde sich nicht – anmaßen, sich selbst in Hans Zuneigung höher einzustufen als Chewbacca und wenn sie aus irgendeinem Grund diese Macht hätte, würde es ihr nicht im Traum einfallen, davon Gebrauch zu machen. Ihm einreden, dass er eines der wichtigsten Wesen in seinem Leben für – für sie aufgeben sollte?

Sie sagte nichts. Sie neigte lediglich den Kopf und wandte sich zum Gehen.

„Prinzessin", rief Dodonna ihr hinterher. Er zögerte, aber fuhr widerwillig fort: „Entscheidungen des Oberkommandos sind geeinte Entscheidungen", erinnerte er sie.

Sie hielt inne und hörte ihm zu, drehte sich aber nicht um. Sie neigte nur erneut in schweigendem Einverständnis den Kopf – umstrittene Entscheidungen hinter verschlossenen Türen waren schön und gut, aber es war eine heilige Regel, dass, sobald eine Entscheidung getroffen war und weitergegeben wurde, kein Mitglied des Oberkommandos ihr widersprach. Ähnlich wie mit Versorgungsgütern konnte der Zusammenhalt der Führungsebene oder auch ein Mangel dessen einen Sieg entweder sichern oder vereiteln.


Die Verletzung war vor anderthalb Wochen aufgetreten, einer dieser unheilvollen Unfälle, die eine Flutwelle von Problemen nach sich zogen. Chewbacca hatte dabei geholfen, einen X-Flügler zu reparieren, der hoch über dem Hangarboden hing und war darunter eingeklemmt worden, als ein Teil des Gerüsts zusammengebrochen war. Festgenagelt, aber in gutem Zustand, schien es nur darauf anzukommen, ihn zu befreien und den Bruch zu behandeln – aber das Wrack war ein tonnenschweres Durcheinander und ein sauberer Bruch wurde schnell zu etwas, das dem Kompressionssyndrom gefährlich nah kam – und als die Tage vergingen, wurde sein Zustand kritischer, während der spärlich ausgestattete Krankenflügel von Hoth sich darum bemühte, ihn vom Abgrund zurückzuholen.

Sie hatten einen einzigen Bacta-Behandlungsraum, der eine veraltete Konstruktion aufwies; sie hatten ältere technologische Modelle, Mediziner, die eher allgemein ausgebildet als spezialisiert waren, 2-1B-Medidroiden, die einen Wackler hatten und wieder und wieder Heilmittel anboten, die die medizinische Versorgung nicht hergab – oder Verfahren, die Wissen erforderten, das nur Wookiees besaßen.

Mit jedem Tag verschlechterte sich Chewbaccas Zustand und als die Prognosen immer düsterer wurden, tat Hans Laune es ihnen gleich. Seine sorglose Einstellung, seine Gewissheit, dass Chewbacca sich genauso schnell erholen würde wie in der Vergangenheit, verschwanden langsam und er war nicht mehr bei Sinnen.

Es hätte nicht so schrecklich verlaufen sollen, aber eine grausame Abfolge unglücklicher und bizarrer Ereignisse trat auf – die Atmosphäre auf Hoth war Chewbacca noch nie gut bekommen und er war unterernährt, weil er sich seine Rationen mit den Rebellen geteilt hatte; da sein Körper sich von vorneherein nicht im besten Zustand befand, wurde eine schwere Verletzung schnell zu einer erschreckenden Bedrohung.

Während sie neben Han vor dem beschlagenen, zerkratzten Sichtfenster stand, das einen Blick auf die medizinische Abteilung gewährte, konnte Leia sein Zittern fast fühlen. Die aufgestaute Wut und Angst in ihm war spürbar und wurde in heftigen Wellen von ihm ausgestrahlt. Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte, pochte wütend, und er starrte fest geradeaus, starrte auf Chewbacca.

Leia war eine steinerne Wächterin gewesen, die altbekannte Eisprinzessin, als sie die zuvor getroffene Entscheidung, ihm die Erlaubnis zu verweigern, an ihn weitergegeben hatte – eine Entscheidung, die er sich angehört und auf die er mit gefährlicher Stille reagiert hatte, während er Chewbacca anstarrte.

Der Wookiee war von Bacta und fieberhaftem Schweiß durchtränkt – der Tank, den sie hatten, war zu klein für ihn, aber die Ärzte taten ihr Bestes; ihnen fehlte das kräftigende Kraut, von dem Han energisch behauptete, dass sie es brauchten, um eine stärkere Immunreaktion bei Chewie hervorzurufen.

Leia war an den Zorn der Soldaten gewöhnt, allerdings war sie nicht an Zorn – echten Zorn – von Han gewöhnt. Ihre Streitigkeiten waren Kräftemessen, unkontrollierbare Ausbrüche von Emotionen, die nicht richtig kanalisiert wurden und sich auf andere Weise einen Weg bahnten – aber was sie jetzt in seinem Profil erkennen konnte, war echter Zorn, fast Hass. Hass –

„Du hast nicht so viel Einfluss, wie ich dachte, hm?", bemerkte er, seine Stimme hart und frostig. „Auch wenn du immer so tust."

Der letzte Teil war ein gegen sie gerichteter Stoß, gespickt mit Trotz – arrogant, so schien er sie zu nennen, distanziert, zickig – alles, was sie von dir behaupten und nichts, auf das ich zählen kann. Leia wäre fast zusammengezuckt und zog sich in ihre professionelle Rüstung zurück, hielt an diesem immateriellen Kettenhemd fest.

„Es war keine leichte Entscheidung", begann sie neutral. „Han, wir müssen in Betracht ziehen, dass – "

„Halt die Klappe", murmelte Han – leise, so als wäre er auch jetzt, sogar in seiner Wut und seiner Sorge, zu zurückhaltend, um es laut auszusprechen; es war ein gedämpfter Befehl, aber es saß und Leia biss sich auf die Zunge. „Ich hasse es, wenn du so sprichst. Ich hasse es, wenn du diesen – herablassenden – leeren – Ton bekommst", fauchte er.

Sie stand immer noch stumm da und hielt ihren Kopf leicht von ihm weggeneigt, als er sich abrupt zu ihr umdrehte.

„Ich dachte, du wärst für ihn da reingegangen, Leia", fuhr er sie heiser an und streckte seine Hand in Richtung der Glasscheibe aus. „Du hast deine dummen, verdammten Komplexe, was mich betrifft, was auch immer dein Problem ist, aber das hättest du für ihn tun sollen."

Hans n's waren lang, so als würde er die Zähne zusammenbeißen, um seine Stimme gegen Ende weiterhin fest wirken zu lassen. Als er abbrach, schnappte er schwer nach Luft und Leia sah zu, wie sein Gesicht rot und der Bereich um seine Lippen herum blass wurde. Sie hatte genug Momente erlebt, in denen er seine Emotionen zurückhielt, um zu erkennen, welchen Schmerz er durchlitt.

Sie verbiss sich, was sie eigentlich sagen wollte und hielt die – geeinte – Entscheidung weiterhin aufrecht.

„Es ist ein zu großes Risiko. Der Falke hat einen zu hohen Wiedererkennungswert, ihr seid beide Ikonen. Kashyyyk ist voller Garnisonen, es ist halb versklavt", zählte sie mechanisch auf. „Sie werden dich dorthin verfolgen oder hierher zurückverfolgen. Oder du wirst gefangen genommen, gefoltert und wirst unseren Standort verraten – "

„Das könnte bei jedem Flug passieren – das könnte dir widerfahren, Schätzchen", knurrte er. „Du bist nicht unzerbrechlich. Du bist – "

„Sprich nicht so mit mir", unterbrach Leia ihn scharf. „Wag es ja nicht. Ich bin unzerbrechlich", entgegnete sie heftig, während sie Nadeln auf ihrer Haut spürte. „Ich bin ungebrochen", sagte sie und dachte an unzählige Stunden unter dem Einfluss des imperialen Verhördroiden. „Du weißt nicht, wie es ist", ergänzte sie eisig, „also sprich nicht so mit mir."

Han verstummte, aber es war eine wütende, widerwillige Stille. Sie spürte, dass er das sofortige Verlangen, sich zu entschuldigen, herunterschluckte und sich trotz seines Fauxpas dazu zwang, wütend zu bleiben. Wegen seiner gefühllosen Missachtung dessen, was sie durchgemacht hatte, für einen Moment wutentbrannt, fuhr Leia fort:

„Ich habe für diesen Kampf Millionen verloren", bemerkte sie knapp. „Ich bin gegen Trauer nicht unempfindlich – ich versuche, nicht noch mehr zu verlieren. Ich – wir – versuchen, das, was am besten wäre, in Einklang zu bringen mit einer unmöglichen – "

„Es ist nicht unmöglich!", rief Han und wandte sich ihr zu. „Es ist nicht unmöglich – er braucht Kashyyyk, er muss nach Kashyyyk gebracht werden!", bellte er mit gerötetem Gesicht. „Er braucht seine Heiler und sein Volk, um sein verdammtes Leben zu retten – "

„Han", unterbrach sie ihn verzweifelt, „glaubst du wirklich, dass das an diesem Punkt noch etwas ändern wird? Diese uralte Kräutermedizin – "

„Du hättest mich aufbrechen lassen sollen, als sie ihn nicht in den Bacta-Tank bekommen haben!", brüllte Han und seine Augen blitzten gefährlich auf. „Und da wir stattdessen eine Woche verschwendet haben, in der dieser erbärmliche Krankenflügel seine Behandlung verpfuscht hat, könntest du mich ihn jetzt wenigstens nach Hause bringen lassen, damit er bei seiner Frau und seinem Jungen sterben kann!"

Leia wich zurück und wandte sich von ihm ab, während sie mit eng um ihren Körper geschlungenen Armen vor dem Sichtfenster stand. Der Gedanke, dass Chewbacca leblos, tot zu den Füßen seiner Familie lag, war zutiefst verstörend. Han ragte über ihr auf, sein heftiger Herzschlag war an seinen Handgelenken und an seiner Schläfe deutlich erkennbar.

„Was würde deine heißgeliebte Rebellion ohne ihn anfangen, Leia?", forderte Han. „Er ist was? Eine große, starke, kostenlose Arbeitskraft? Er spricht eine seltsame Sprache, er ist entbehrlich? Er hat eure Schiffe repariert – er hat die Hälfte dieser Basis aufgebaut – "

„Chewbacca hat sich das ausgesucht! Er hat – "

„Du weißt verdammt gut, dass er dorthin geht, wo ich auch hingehe und ich habe mich entschieden, hierzubleiben!", unterbrach Han sie mit brechender Stimme. „Ich habe es mir ausgesucht und er – er würde nicht nein sagen, er würde euch nicht im Stich lassen und das ist die Art, wie ihr ihm dafür dankt?"

„Du hast es dir ausgesucht, du hast es dir ausgesucht?", fuhr Leia ihn an. „Jetzt geht es um dich? Du sprichst immer und immer wieder von Chewbaccas Überzeugung und dass du ihm einen Gefallen tust, indem du bei seiner geschätzten Rebellion bleibst, weil dabei Geld für dich herausspringt – "

„Du weißt ganz genau, warum ich noch hier bin", unterbrach Han sie in gefährlichem Ton und sein Blick streifte sie kalt. „Wag es nicht, dich jetzt dumm zu stellen."

Leias Lippen bewegten sich stumm. Sie trat zur Seite und betrachtete Chewbacca, das erbärmliche Auf und Ab seiner Brust, den verschwommenen, gequälten Ausdruck auf seinem sanften Gesicht. Sie spannte den Kiefer an und haderte mit sich selbst – das war nicht die Entscheidung, die sie wollte. Es war ihr egal, ob sie sie aus persönlichen anstelle von praktischen Gründen getroffen hatte.

Ihr blieben so wenige Menschen übrig, die sie liebte.

„Du musst verstehen, mit was wir uns konfrontiert sehen", sagte Leia bestimmt und senkte den Kopf. „Wir haben im Moment nicht die Soldaten oder die Kapazitäten, um einen Angriff abzuwehren; wir haben keinen Evakuierungsort! Wir dürfen nicht gefunden werden", ergänzte sie verzweifelt. „Wenn du gehst – wenn wir entdeckt werden – "

„Man wird mich nicht erwischen", brach es brutal aus Han hervor. Trotz seiner Wut nahm er sanft ihren Arm, sah sie an und deutete auf den Raum, in dem Chewbacca lag. „Leia, ich muss ihn nach Kashyyyk bringen. Das ist seine einzige Chance. Er wird sterben. Willst du das an deinen Händen haben?"

„Han", protestierte sie laut und ihre Augen brannten – Alderaan oder die Rebellion, Han und Chewie oder die Rebellion, warum musste alles in ihrem Leben sie vor solche Entscheidungen stellen? Warum hatte sie, als sie sich für diesen Kampf entschieden hatte, nicht bemerkt, dass sie alle menschlichen Teile von sich opferte?

„Was?", schoss er direkt zurück. „Du hast mir gesagt, dass du dich für ihn einsetzt. Du hast versprochen – "

„Das habe ich", erwiderte Leia und entriss ihm ihren Arm. Sie drehte sich zu ihm um. „Das habe ich. Diese Entscheidung war nicht einstimmig, sie war nicht – ich wollte das nicht!", gab sie zischend zu. „Rieekan und Dodonna müssen wie Soldaten denken."

„Und du musst dich dem fügen", bemerkte Han bitter. „Warum? Weil du nur ein Aushängeschild bist?"

Er legte eine Hand auf seine Brust.

„Du weißt, dass ich das schaffen kann", flehte er. „Wer sonst – wer sonst könnte das?", er sah sie ungläubig an. „Wir sind vom Todesstern entkommen, im Vergleich dazu ist das hier nichts."

Er schüttelte den Kopf.

„Du kennst mich."

„Es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue", entgegnete Leia heiser, „oder nicht an dich glaube. Es ist eine Risikoanalyse, dass du – nicht gewinnst, dass du – was spielt es für eine Rolle?", sie brach verärgert ab. „Ich habe ihnen gesagt, dass du trotzdem gehen wirst."

Sein Kiefer verspannte sich und sie sah, wie ein innerer Kampf in seinen Augen aufflackerte, so als ob er gehofft hätte, dass sie so etwas nicht sagen würde, ihn nicht vor diese Wahl stellen würde – weil er ihre Zustimmung wollte, weil er sie nicht enttäuschen wollte? Ihr Mund fühlte sich trocken an und ohne nachzudenken griff sie nach seiner Hand – er wich so heftig von ihr zurück, dass sie die Faust an ihre Lippen legte und ein kleines Schluchzen unterdrückte.

„Glaubst du, ich will, dass alle hier festgenommen werden?", forderte er nach einem Moment mit blassem Gesicht. Sie hatte ihn noch nie so hin und hergerissen gesehen. „Wenn du", begann er kopfschüttelnd, als ob er Albträume aus seinem Kopf verscheuchen wollte, „wenn du gesagt hättest, dass ich gehen kann – "

Er hörte auf zu reden und starrte sie einfach nur mit offenem Mund an. Etwas daran – machte sie fertig, etwas daran, dass er auf dem Höhepunkt seiner Trauer und Sorge immer noch Zeit fand, wegen ihr hin und hergerissen zu sein, wegen ihrer Sache, ihrem Segen, Dinge, von denen er behauptete, dass er sich nicht darum kümmerte oder nicht daran glaubte.

Er machte auf dem Absatz kehrt und begann, auf und ab zu gehen.

Leia drehte sich mit blassem Gesicht um und umklammerte die Kante des Sichtfensters. Wenn Luke hier wäre, könnte er zwischen ihnen vermitteln, er könnte bei all dem hier helfen – Nerven beruhigen, Ideen einbringen, einen Plan schmieden – aber Luke war auf irgendeiner Spähermission und sie und Han waren doppelt so explosiv, wenn er nicht da war, um als Puffer zu dienen.

„Han", sagte sie leise und legte die Hand auf das Glas vor ihr. „Ich will Chewie nicht verlieren. Das will ich nicht", ihre Stimme brach.

Han drehte sich wieder um und kam zu ihr zurück. Er hob die Hand und deutete auf sie, sein Zeigefinger schwebte dicht vor ihrem Gesicht.

„Wag es nicht, deswegen zu weinen", knurrte er sie gehässig an.

Er wollte sich abwenden und peitschte dann wieder herum, sein Gesichtsausdruck ungläubig und verzerrt.

„Du bist eine verdammte Heuchlerin", warf er ihr vor. „Das ist mir eine schöne – Rebellion. Ein Kampf für Gleichberechtigung", fauchte er.

Leia starrte ihn an, während sich ihre Nackenhaare aufstellten.

„Glaubst du, ich mache das zum Spaß?", fragte sie heiser.

„Alles hier, alles in dieser Basis, in der letzten Basis, in der wir uns aufgehalten haben, ist auf Menschen ausgerichtet – auf Menschen zugeschnitten", entgegnete Han heftig. „Chewie hatte von Anfang an Schwierigkeiten, hier zu atmen und niemand hat sich darum gekümmert – wenn ich medizinische Versorgung oder Rationen schmuggele, ist ein Großteil davon für menschliche Körper bestimmt – und er ist hier, ihm geht es beschissen", Han stieß seinen Ellenbogen in Chewbaccas Richtung, „weil niemand einen Gedanken daran verschwendet hat, wie man ihn vielleicht retten könnte, obwohl er dabei hilft, diese Rebellion aufzubauen. Dachtet ihr, dass er niemals verletzt werden würde?"

Die Anschuldigung, sie sei elitär, rassistisch, war widerwärtig; sie fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube und sie war kurz davor, sich zusammenzukrümmen. Sie verspürte den Drang, ihn in ihrer Wut zu schlagen – weißt du, was ich für diesen Kampf verloren habe? – aber das Schlimmste daran war die Wahrhaftigkeit seiner Worte – wie wenig Aufmerksamkeit sie darauf verwendeten, sicherzustellen, dass sie für alle Spezies, die sich ihren Reihen anschlossen, ausgerüstet waren –

„Die Mehrheit", stotterte sie und hasste sich selbst bereits, als die Worte ihre Lippen verließen, stoppte die Bemerkung, bevor sie sie überhaupt beenden konnte – Han stürzte sich trotzdem darauf.

„Die Mehrheit", zitierte er heftig. „Sie verdient es zu regieren, nicht wahr? Sie verdient die Macht, die beste Behandlung?", forderte er sie weiter heraus. „Schande über den Rest der Galaxie, dass sie nicht als Menschen geboren wurden, nicht? Das wolltest du doch gerade sagen, kleine Imperatorin?"

Sie schlug ihn. Hart, schnell und ohne nachzudenken – eine peitschende Bewegung, ihre kleine Handfläche traf grob auf sein Gesicht wie ein Donnerschlag, dann gruben sich ihre Nägel in ihre Handfläche und sie zog die Hand an ihre Brust, entsetzt über diese Handlung, gleich nachdem sie sie ausgeführt hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde sah Han aus, als ob er die Ohrfeige erwidern würde, aber dieser Blick verwandelte sich schnell in erschrockene und düstere Resignation.

Sie schluckte schwer.

Han rieb sich über das Gesicht und drehte sich weg.

„Setz es auf die Liste der Beschwerden", murmelte er halb zu sich selbst.

Er entfernte sich, lehnte sich gegen das Sichtfenster und drückte seine Stirn dagegen. Matt starrte er in die medizinische Abteilung, die Ellenbogen über seinem Kopf gegen das Glas gedrückt, sein Gesichtsausdruck stumpf. Er sah sie nicht an, als er wieder sprach.

„Ich habe keinen Zugang zu den Türen des Hangars", bemerkte er kalt. „Weil ich kein offizielles Mitglied bin. Ich kann ohne deine verdammte Erlaubnis nicht gehen. Natürlich könnte ich den Code knacken, aber das würde eine Woche dauern", er zuckte grob mit den Schultern, „bis dahin ist er tot."

Han starrte vor sich hin.

„Werdet ihr ihn hinterher einfach hier im Schnee begraben? Oder lasst ihr mich an ihm festhalten, bis ich ihn zurück zu seiner Familie bringen kann?", fragte er – und er schien sie nicht zu verspotten; er schien es ernst zu meinen, während er mit einer tiefen, erdrückenden Schuld umzugehen versuchte.

Leia presste die Faust dichter an ihre Brust.

Es gab keinen Grund, Chewbacca sterben zu lassen, wenn seine Heimat ihn retten könnte – und Hans Anschuldigungen waren beunruhigend zutreffend; wenn Chewie ein Mensch gewesen wäre, hätte sich sein Zustand wahrscheinlich nicht so sehr verschlechtert. Ihre persönlichen Gefühle in dieser Angelegenheit waren klar, doch sie hatte versucht, sie zu zügeln, nicht in der Lage, im Beisein ihrer Kollegen irgendetwas auszudrücken, was ihr als Schwäche ausgelegt werden könnte, zu sehr darauf bedacht, nicht verletzlich oder unrealistisch oder jung zu wirken.

Han hatte ihr eine politische Fackel an die Hand gegeben, mit der sie sie verbrennen konnte und das war etwas, was sie mit sich selbst vereinbaren könnte; das war ein Blickwinkel, durch den sie ihre eigene Schuld und ihre eigene Sorge um Chewie unbedeutender erscheinen lassen konnte.

„Glaubst du wirklich, dass er die Reise nach Kashyyyk überleben wird?", fragte sie kleinlaut.

Han ließ einen seiner Arme sinken und rieb sich unauffällig mit dem Handgelenk über die Nase. Leia gab vor, es nicht zu bemerken. Verärgert, aber auch müde, deutete er mit der Hand auf das Sichtfenster.

„Sie tun hier so wenig für ihn", sagte er. „Ich kann das auf dem Falken übernehmen", empörte er sich erneut. „Malla, die Ältesten, sie haben uralte Heilmittel – du solltest sehen, wie diese Dinge ihre Wirkung entfalten, Leia, ich habe es gesehen, ich habe gesehen", er verstummte und eine seiner Hände bewegte sich abwesend zu seinem Rücken.

Er umklammerte sein Hemd.

„Wenn du glauben kannst, dass Luke unsichtbare Kräfte hat, kannst du auch daran glauben, dass Wookiees wissen, wie sie ihn retten können. Sie haben – Mittel und Wege."

Sie glaubte ihm. Sie glaubte an die Macht und sie glaubte an Hans Vertrauen, weil er ein selbsternannter Zweifler war und wenn er schwor, dass Chewbaccas Clan die einzige Hoffnung auf Rettung für ihn war – dann meinte er es auch so.

Leia war nervös, ihre Haltung angespannt und gereizt. Ihre Hand pochte und ihre Handfläche brannte von der Kraft der Ohrfeige, die sie ihm gegeben hatte. Sie schämte sich, Gewalt angewendet zu haben. Sie schämte sich mehr dafür, dass sie Han verletzt hatte, wenn er bereits verletzt war. Sie war hin und hergerissen, ihr Herz raste und schlug ihr bis zum Hals, um sie zu ersticken; sie schmeckte das metallische, saure Trauma der Wahl, vor die man sie auf dem Todesstern gestellt hatte – persönliche Wünsche oder politische Schachzüge.

Damals hatte es keinen wirklichen Ausweg für sie gegeben – aber jetzt gab es einen; vielleicht eine Chance, etwas von dem hilflosen Kummer wettzumachen, den sie aufgrund ihrer Unfähigkeit, Alderaan zu retten, empfand. Sie könnte eine gut gemeinte Entscheidung zurückweisen, die sie in ein Muster der Gleichgültigkeit führen könnte. Sie könnte eine Spaltung in den Reihen des Kommandos riskieren, sie könnte riskieren, in den Augen ihrer Kollegen als instabil zu gelten – für Chewbacca.

Mit zitternden Händen schob Leia einige Haarsträhnen zurück. Sie hatte sich der Rebellion noch nie zuvor widersetzt – ganz sicher nicht, seit sie alles dafür verloren hatte. Dass sie kurz davor war, es für einen Wookiee, für einen Mann zu tun –

Nicht nur irgendein Wookiee, dachte sie und wiederholte ihre Worte von vorhin.

Sie holte tief und schmerzhaft Luft. Sie löste sich vom Fenster, ging ein wenig auf und ab und trat dann zu Han, um seinen Ellenbogen zu ergreifen. Unerwarteterweise kämpfte er dagegen an und wich wie ein verschrecktes Tier von ihr zurück. Als sie ihren Griff verstärkte, wandte er nur den Kopf ab, so als wollte er ihn komplett auf seinem Hals umdrehen, um ihrem Blick auszuweichen.

„Han", sprach sie ihn an, senkte den Blick und vermied es, ihm ins Gesicht zu schauen.

Er machte ein undefinierbares Geräusch und hob seinen anderen Arm, um sich über das Gesicht zu reiben.

„Du hast Recht", sagte sie.

Sie hielt seinen Arm fester.

„Ich werde deine Erlaubnis einholen", fügte sie leiser hinzu.

Han drehte sich höhnisch zu ihr um, bis er die Schwere des Ausdrucks auf ihrem Gesicht sah. Sie begegnete seinem Blick und hielt ihm mit der Entschlossenheit stand, die er brauchte, mit der Hoffnung, an die er sich klammerte. Seine Lippen bewegten sich und er spannte den Kiefer an, während er impulsiv die Hand ausstreckte, um ihr Gesicht zu berühren. Seine Fingerspitzen streiften über ihre Wange, dann wandte er sich mit zusammengebissenen Zähnen ab. Er legte die Hand auf das Glas des Sichtfensters und knirschte mit den Zähnen.

Leia straffte die Schultern, schüttelte die Hände aus und drehte sich um, um den langen, farblosen Flur hinunterzublicken, der sie zurück zum Büro des Oberkommandos führen würde, wo sie sich ihm widersetzen würde – es würde Aufruhr verursachen, es könnte eine Degradierung verursachen, aber es war richtig.