Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Pointy Things
Spitze Dinge
Er erfuhr von der Sache mit den Nadeln auf einem gewöhnlichen Versorgungsflug.
Gewöhnlich deswegen, weil nichts passierte. In der Tat war der schnelle Abstecher vom Stützpunkt der Allianz zum ausgewählten Planeten – einer üppigen Welt namens Naboo – so ereignislos und so alltäglich, dass Han Solo sich ziemlich sicher war, dass sie sich nur verletzt hatte, um sie beide daran zu erinnern, dass ihr Leben immer noch ständig auf dem Spiel stand.
Die Dinge liefen zu reibungslos, zu selbstverständlich in der Abwesenheit einer Horde Sturmtruppler, und so wurde sie von einer einheimischen Kreatur des Planeten gebissen, die ihre Kontakte als Haustier hielten. Seltsame Wesen, diese Gungans. Noch seltsamer aber war die Menschenfrau, die ihrer kleinen Enklave des Widerstands an den verborgenen Orten des Planeten half. Sie war eine alte Frau namens Sabé, die nicht in der Lage schien, den Blick von Leia abzuwenden – sie berührte sogar ihr Haar, als ob sie einander kennen würden.
„Auf diesem Planeten fühle ich mich irgendwie verletzt", hatte Leia schwach geäußert, als sie besorgt zuschaute, wie der Falke beladen wurde – dann hatte das Ding sie gebissen.
Han nahm das als Stichwort, endlich zu gehen, während Chewbacca das Ding von ihr wegzerrte und die Gungans wütend anheulte, ihre Haustiere besser in den Griff zu bekommen – Chewie war äußerst darauf bedacht, die Prinzessin zu beschützen; man könnte denken, er stünde bei ihr in einer Lebensschuld.
[Ich bin jedem zu einer Lebensschuld verpflichtet, in den du dich verliebst], hatte Chewie ihn einmal geneckt, worauf Han einen ganzen Tag lang nicht mit ihm gesprochen hatte.
Chewie wurde erst dann ziemlich selbstgefällig, als Han sich über diese Witze aufregte; je häufiger Han ihm sagte, dass er ein milbenbefallener Fellball mit einem ernsten Hirnschaden sei, desto häufiger wollte Chewie wissen, warum sie immer noch blieben, wenn Han sich nicht das eingefangen hatte, was er so clever als die „Alderaanische Grippe" bezeichnete.
Aber die Nadeln, die Nadeln – zurück zu der Sache mit den Nadeln. Han zog Leia mit sich an Bord und sicherte alles, während er auf Chewbacca wartete; er hatte kein Wort des Abschieds für ihre Kontakte übrig, während Leia mit unbewegter Miene vor sich hin sah.
„Es ist nicht schlimm", bemerkte Leia, während Blut die saubere weiße Bluse befleckte, die sie trug.
„Großartig", meckerte Han und starrte auf das aufblühende Rot, während er die Motoren hochjagte. „Deine Betreuer werden mich umbringen."
„Meine Betreuer?", fuhr sie ihn an.
„Mon Mothma und der Rest von ihnen", murmelte er. Leise ahmte er die Art nach, wie sie immer von oben herab mit ihm sprachen – verletzen Sie die Prinzessin nicht, berühren Sie die Prinzessin nicht, die Prinzessin ist naiv, verwirren Sie die Prinzessin nicht –
Als ob das Einzige, woran er dachte, darin bestand, wie er sich an die Prinzessin heranmachen könnte. Sie brachten ihm nicht genug Achtung entgegen.
Manchmal dachte er an andere Dinge.
Manchmal dachte er darüber nach, 3PO zu zerlegen.
Davon abgesehen war sie diejenige, die sich immer freiwillig für Versorgungsflüge meldete, für Missionen, für alles Mögliche. Sie war niemand, der nur herumsaß, und trotz seiner dramatischen und lebensbedrohlichen Bekanntmachung mit der Rebellion hatte Han erkennen müssen, dass der Sturz eines Imperiums in der Tat bedeutete, ziemlich viel herumzusitzen und auf eine wundersame Gelegenheit zu warten, die mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million eintrat.
Chewie schloss die Rampe und knurrte etwas darüber, dass das Tier giftig gewesen sein könnte; Leia sah auf ihre verwundete Hand hinunter – eingerissene Haut, abgebrochene Nägel, Kratzer, Schnitte, rohes Fleisch. Sie betrachtete sie teilnahmslos und unbeeindruckt. Als Chewie das Steuer übernahm, stand Han auf und gab ihr ein Zeichen.
„Komm schon", befahl er auf seine raue Art. „Wird es grün oder so?"
„Ich glaube nicht, dass es giftig war", informierte sie ihn und folgte ihm schnell zu den Mannschaftsquartieren.
„Setz dich", grunzte er und ging in die Hocke, um das medizinische Versorgungsset zu holen. Während sie sich auf eine Koje setzte und vorsichtig ihre Hand hielt, kramte er einen Moment darin herum. „Gut, dass du nicht zimperlich bist", meinte er grimmig.
Er kam herüber und setzte sich – zu nah, dachte sie, aber dann erinnerte sie sich daran, dass er wahrscheinlich mehr auf die Versorgung ihrer Wunde fixiert war als auf alles andere. Er zog ihre Hand zu sich hin und legte sie auf seinem Oberschenkel ab.
Sie zog sie zurück.
„Netter Versuch, Captain."
„Reg dich nicht auf, Prinzessin", gab er zurück.
„Dein Bein zu berühren, versetzt mich nicht in Aufregung."
Er hörte auf, in der Ausrüstung zu stöbern und drehte sich mit einem demonstrativen Blick zu ihr um.
„Dann schieb die Hand etwas nach oben, Verehrteste", erwiderte er gedehnt.
Sie wurde leuchtend rosa und sah ihn finster an.
„Du – bist so – ich weiß nicht, warum ich – du – "
Er grinste.
„Gebt mir Eure Hand, Eure Wortgewandtheit, ich werde nichts Seltsames damit anstellen", versprach er und streckte ihr seine Hand entgegen.
Sie gehorchte und er breitete ein Tuch über seinem Knie aus und legte ihre Hand dort ab.
„Okay", sagte er. „Nicht zu tief – Bacta-Gel ist hier selbstverständlich", murmelte er in sich hinein. „Ein antiseptisches Mittel kann nicht schaden, nur für den Fall, dass das Vieh etwas Seltsames in den Zähnen hatte."
Sie zuckte zusammen, als er das Blut mit einem feuchten Tuch abwischte, immer noch ein wenig fasziniert davon – in letzter Zeit war sie fasziniert von ihren eigenen Verletzungen; ihr eigenes Blut zu sehen, gab ihr das Gefühl, ein Mensch zu sein. Meistens durchlebte sie ihre Tage in einem roboterhaften Gemütszustand. Leia drehte ihren Kopf gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie er eine Spritze hervorzog und auf ihre Finger richtete. Er schien dabei zu sein, sie in den schmalen, v-förmigen Zwischenraum zwischen ihrem kleinen Finger und ihrem Ringfinger zu stechen.
Auf ihre Reaktion war er nicht vorbereitet. Erst war die Nadel in seiner Hand, dann lag sie zerbrochen auf dem Boden, spitzes, gefährliches Silber, das auf dem Kabinenboden herumrollte, tückisch für bloße Füße.
Han fluchte und schüttelte seine Hand – Antiseptikum lief seinen Arm hinunter.
Mit einem wütenden Blick sah er auf, aber bevor er etwas sagen konnte –
„Was machst du da? Wolltest du mich damit stechen? Nicht", schrie sie ihn an und wich zurück. Sie war so weit weg, dass sie sich in die Ecke gedrängt hatte. „Nicht", schrie sie erneut und hielt abwehrend die Hände nach oben.
Wie gelähmt starrte er sie nur an – Gott, ihr Gesicht war nicht mehr rosa, sondern bleich wie der Tod; er war verdammt kurz davor, ihren Schädel durch die krankhaft durchsichtige Haut ihrer Wangen hindurch sehen zu können.
„Es war nur ein Antiseptikum – ", begann er und wandte sich ihr zu.
„Komm nicht in meine Nähe", knurrte sie.
Chewie brüllte laut durch den Flur und wollte wissen, was das Geschrei verursachte.
Leia hielt sich die Ohren zu.
„Chewie", bellte Han. „Hör auf zu schreien."
Sofort bereute er es und zuckte zusammen. Leia schloss die Augen und atmete, als wäre die Sauerstoffversorgung defekt und sie könne nicht genug davon bekommen. Sie schüttelte den Kopf.
Behutsam schob Han die Ausrüstung in seinem Schoß beiseite und stand auf. Er zögerte.
„Ich werde Chewie sagen, dass es dir gut geht", teilte er ihr langsam mit – der Wookiee würde hier hereinstürmen, um ihm den Kopf abzureißen, wenn er dachte, Han hätte Leia etwas angetan. „Geht es – dir gut?", fragte er vorsichtig und musterte sie unsicher.
Sie antwortete nicht und er begann, den Raum zu verlassen.
„Nein", sagte sie heiser und sah auf. „Lass mich nicht alleine", flehte sie ihn unerwartet an. „Lass mich nicht hier alleine. Es ist immer noch – es liegt auf dem Boden."
Er starrte sie weiterhin verwirrt an, seine Hände hingen nutzlos an den Seiten herab. Seine Stirn legte sich in Falten.
„Es – die Nadel?", fragte er.
Sie nickte.
Einen Moment lang sah er sie fassungslos an, dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, begab er sich auf Hände und Knie und begann, den Boden abzutasten. Wie ein Blinder schob er seine Hände umher, sein Kiefer vor Verwirrung, Ärger – und vielleicht auch ein bisschen Angst – angespannt – und überprüfte jeden Teil der Kabine, bis sein Nagel gegen etwas stieß, das ihn stach und er fluchte.
Er hob die Nadel auf und umschloss sie fest mit der Hand, wobei die spitzen Enden zu beiden Seiten herausragten. Den Teil der Spritze fest in der Hand haltend, begann er, aufzustehen, überlegte es sich dann aber anders.
„Äh, Eure – Prinzessin?", fing er an und verzog das Gesicht angesichts seines Stotterns.
Sie gab ein ersticktes Geräusch von sich, das wahrscheinlich „Ja, Han?" bedeutete.
„Ich habe die Nadel in der Hand und ich werde jetzt aufstehen", informierte er sie und fühlte sich dabei ein wenig albern. „Wirst du wieder durchdrehen?"
Mit schwacher Stimme antwortete sie:
„Bitte leg sie einfach weg."
Mit gerunzelter Stirn kroch Han zu einem anderen Teil der Kabine, versteckte die Nadel irgendwo und erinnerte sich im Geiste daran, sie später zu entsorgen. Er stand auf und ging hinüber zur Medizinbox. Eine Minute lang stocherte er unbeholfen darin herum, dann sah er sie an. Sie hatte sich ein wenig aufgesetzt, die Knie angezogen, die Hände hinter sich abgestützt. Ihre Augen sahen rot und verwirrt aus, ihr Gesicht war immer noch leichenblass – wenn er darüber nachdachte, hatte sie auf Yavin tagelang genauso ausgesehen – Yavin, nach dem Todesstern –
Eine Erkenntnis drang in sein Bewusstsein.
„Vader hat dir Zeug gespritzt, oder?", fragte Han abrupt – ungerührt, aber er wusste nicht, wie er es sonst sagen sollte.
Etwas an der Art, wie er nicht lange um den heißen Brei herumredete, sprach sie an und sie hob den Blick, blinzelte die hohle Schwärze darin weg und begegnete seinen Augen. Ohne zu blinzeln, starrte sie ihn an, dann nickte sie stumm.
Han sah wieder auf den Medizinkasten hinunter. Er nahm etwas Bacta-Gel, einen weichen Verband und etwas Betäubungscreme heraus und drehte sich, alles in einer Hand haltend, zu ihr um und ging auf sie zu.
Er setzte sich neben ihre Füße und wartete.
„Du musst es mich wenigstens verbinden lassen, Leia", bat er.
Sie schob ihre Beine nach vorne und rutschte herum, bis sie neben ihm saß. Ihre Schulter streifte seine, als sie ihm vorsichtig ihre Hand reichte und er sah, wie sie beim Anblick der entstellten Bisswunde zusammenzuckte.
„Wir sollten das Antiseptikum nicht einfach weglassen", wagte er zu erwähnen. „Wir wissen nicht, was in die Wunde hineingeraten ist."
Sie begann, ihre Hand zurückzuziehen.
„Stich mich nicht mit einer Nadel – tu mir nicht weh", erwiderte sie sofort. „Es wird nicht funktionieren. Ich werde nichts verraten."
Völlig außer Fassung wartete er einen Moment, dann griff er sanft nach ihrer Hand und zog sie langsam zurück.
„Leia", sagte er und benutzte wieder ihren Namen. „Ich frage dich nichts", fuhr er mit ruhiger Stimme fort. „Du bist auf dem Falken."
Sie schloss die Augen, ihre Stimme zitterte.
„Ich weiß", antwortete sie. „Bitte, Han. Ich kann nicht – sie – ich kann nicht damit umgehen. Alleine ihr Anblick…es löst etwas in mir aus."
Das war ihm mittlerweile auch klar. Han nickte. Er sah aufmerksam auf ihre Hand hinunter; wenn ihre Reaktion so verdammt schrecklich ausfiel, würde er ihr das ganz sicher nicht aufzwingen. Was auch immer geschehen war - was auch immer man ihr angetan hatte – war eindeutig traumatischer gewesen, als er es sich jemals vorgestellt hätte. Er verbrachte einen Moment damit, Betäubungscreme aufzutragen und räusperte sich dann.
„Wenn du es nicht erträgst – ähm, in der Nähe spitzer Dinge zu sein", begann er diplomatisch. „Wie hat man dich dann medizinisch versorgt, nachdem – naja", er stockte unsicher. „Auf Yavin haben sie dich zwei Wochen lang im Krankenflügel behalten."
Wie war sie behandelt worden, wenn sie auf eine der gängigsten medizinischen Versorgungsarten so reagierte?
Angesichts seines Euphemismus hatte sie schwach gelächelt. Sie presste die Zähne aufeinander und überlegte, ob sie ihm antworten sollte oder nicht – sie wusste noch nicht einmal, warum sie diese dumme Versorgungsmission hatte begleiten wollen, außer dass der Jahrestag von Alderaan näher rückte und – und sie sich beschäftigen musste –
„Ich habe jegliche Behandlung mit – spitzen Dingen – abgelehnt", gab sie schließlich zu.
„Was ist mit Knochenheilung?", fragte Han – sie musste gebrochene Knochen gehabt haben – Leia schüttelte den Kopf.
„Ich habe sie auf die alte Art richten lassen", gestand sie heiser. „Als sie zum ersten Mal versucht haben, mir eine Spritze zu geben, habe ich…ich habe – "
Sie hatte angefangen zu schreien. Es war ihr so schlecht gegangen, dass die Ärzte vor Erstaunen erstarrt waren, unsicher, was sie tun sollten, bis Rieekan hereingekommen war und ihnen befohlen hatte, sich von ihr fernzuhalten, bis er sie hatte beruhigen können. Han – Han brauchte das alles nicht zu wissen.
Leia verstummte.
Han begann, ihre Hand mit dem Verband zu umwickeln. Sein Blick war konzentriert darauf gerichtet und um die Stille zu füllen, fragte er:
„Warum magst du Naboo nicht?"
Sie holte tief Luft und stieß sie langsam wieder aus. Dann zuckte sie die Achseln, während sie versuchte, nicht über den Sturm nachzudenken, der in ihrem Inneren herrschte, versuchte, normal zu atmen, versuchte, nicht in Tränen auszubrechen.
Sie hasste Nadeln. Sie hasste sie, hasste sie, hasste sie –
„Es hat sich seltsam angefühlt", flüsterte sie. „Es fühlt sich an, als würde ich dort hingehören. Aber ich war erst einmal dort, als ich sehr klein war. Mein Vater hat mich mitgenommen – wir haben ein Grab besucht, eine Freundin aus der Republik", sie brach ab und drehte den Kopf weg.
Ihre Kehle verengte sich.
Han verknotete den Verband. Er hielt inne, drehte dann ihre Hand um und fuhr mit seiner Handfläche über ihre. Er ließ seine Finger zwischen ihre gleiten und drückte sie fest genug, damit sie wusste, dass er da war und sanft genug, um ihr nicht wehzutun.
Er hob ihre Hand an.
„Du hast Monate unter Schmerzen verbracht, während du auf die alte Art geheilt bist, weil du keine Nadeln mehr aushältst?", fragte er.
Sie zuckte zusammen – er war geplättet und ein wenig von Ehrfurcht erfüllt. Der Schmerz, den sie ertragen haben musste, nur um die schnelle Heilung zu vermeiden, die flüssige Wunder in Spritzen ihr ermöglicht haben könnten – so zu leiden, nur um unangenehme Erinnerungen zu vermeiden.
Han schluckte.
Sie entgegnete:
„Nach Alderaan war ich nicht in der Lage, etwas zu fühlen."
Ihre Finger zuckten in seinen. Sie wusste nicht, warum sie ihm das erzählt hatte. Sie schloss die brennenden Augen, die Wimpern schwer wie Blei. Sie presste die Lippen zusammen. Sie wollte nach Hause gehen, aber sie konnte nicht – sie hatte keine Vorstellung mehr, was das Wort „Zuhause" bedeutete. Wenn dieses Gefühl sie überkam, dieses verzweifelte Bedürfnis, wieder zu Hause zu sein, dann –
Nun, in letzter Zeit suchte sie normalerweise Han auf und fing einen Streit an.
Han hob ihre Hand an und zog leicht daran. Als sie den Kopf drehte und seinen Blick auffing, war sie überrascht angesichts des klugen Glitzerns, das sie dort vorfand und angesichts der Worte, die aus seinem Mund kamen:
„Du kannst nicht zulassen, dass er dich so besitzt, Leia", sagte er ernst.
„Mich besitzt?", keuchte sie schmerzerfüllt. „Mich besitzt – "
„Du nimmst den anhaltenden Schmerz einer Verletzung monatelang auf dich, wegen etwas, was er dir auf dieser Kampfstation angetan hat?" unterbrach Han sie. „Du leidest so sehr? Die Folter hört nie auf. Du entkommst dieser Zelle nie", informierte er sie geradeheraus. „Du kannst ihn nicht so gewinnen lassen."
Ihre Lippen öffneten sich. So einfach war es nicht – sie konnte nicht einfach einen Schalter betätigen und das Trauma beenden, ändern, was geschehen war –
„Das ist eine Krankheit, Han", erklärte sie ihm verzweifelt. „Es ist psychisch bedingt. Und ich", sie zögerte. „Ich mag den Schmerz", gestand sie matt. „Ich fühle mich so taub – so betäubt. Die ganze Zeit. Ich will etwas…spüren."
Plötzlich legte er ihre Hand auf seine Brust. Er drängte:
„Kannst du das spüren?"
Sie spürte den gleichmäßigen Rhythmus seines Herzens, das unter seinem Hemd schlug, warm, lebendig, sicher und zuverlässig. Sie schluckte, ihre Finger wurden von dem hypnotischen Pochen angezogen, ihr Blick ruhte auf seiner Brust – dann auf seinem Kiefer, seinen Lippen, seiner Nase – seinen Augen.
„Ja", antwortete sie kaum hörbar.
Er drückte ihre Hand etwas fester dagegen.
„Wenn du das nächste Mal eine Spritze brauchst, kommst du zu mir", sagte er bestimmt. „Ich werde sie dir geben", fügte er hinzu und ließ ihre Hand los.
Sie drückte ihre Hände fest zusammen, unsicher, warum er das getan hatte – unsicher, warum sie den Rhythmus immer noch in den Fingerspitzen fühlen konnte. Was ging hier vor sich – mit ihr, mit ihm? Oh, dachte sie verzweifelt, was passiert hier?
Warum war er nicht gegangen? Warum wollte sie nicht, dass er das tat? Warum hatte sie sich freiwillig gemeldet, mit ihm zu gehen, obwohl er in ihr das Bedürfnis weckte, gegen Wände zu schlagen und Dinge umzuwerfen?
„Und warum glaubst du, dass dir das gelingen wird, Captain?", fragte sie, fasziniert von seinem Selbstvertrauen.
Er zuckte die Achseln und schenkte ihr ein gewinnendes Lächeln.
„Weil du in Anbetracht meines umwerfenden Aussehens eine mickrige Nadel überhaupt nicht bemerken würdest."
Zu seiner Erleichterung lächelte sie ihn kopfschüttelnd an.
„Hat dich jemals jemand so geliebt, wie du dich selbst liebst?"
„Noch nicht", scherzte er.
Die Art, wie er das zu ihr sagte, hatte etwas seltsam Prophetisches an sich.
Sie verstummten beide.
„Ich werde Chewie versichern, dass ich dir nicht wehgetan habe", entschied Han trocken und stand auf.
Er war bereits an der Tür, als sie ihn aufhielt:
„Han?"
Er drehte sich um.
Sie wusste nicht, wie sie ihre Gedanken in Worte fassen sollte – er hatte sie nicht behandelt, als wäre sie krank, nachdem sie durchgedreht war; er hatte sie nicht verspottet, als sie ihn gebeten hatte, die Nadel aus ihrem Sichtfeld zu entfernen – er hatte nicht nach einer Erklärung verlangt, warum sie sich so lächerlich verhielt, als sie ihre Umgebung nicht richtig einordnen konnte. Er hatte kein Traumatraining, keine Erfahrung – sie nahm zumindest an, dass es so war – mit Opfern und dennoch –
„Danke", sagte sie mit schwacher Stimme und hoffte, dass ihre Erleichterung darüber, dass er sie sogar nach einem solchen Ausbruch immer noch zu respektieren schien, zur Geltung kam.
Er zuckte die Achseln und rieb sich nervös den Kiefer. So schmeichelhaft er in Bezug auf sich selbst war, mochte er es nicht, so herzlich behandelt zu werden; er war es nicht gewohnt.
Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Das, was aus seinem Mund kam, war:
„Sieh mal, wenn ich gewusst hätte, dass sie dich – gefoltert haben", platzte er heraus, „dass sie dir so schlimme Sachen angetan haben", fuhr er fort, „dann hätte ich die Rettung umsonst durchgeführt."
In dem Moment, in dem er es sagte, fühlte er sich bereits wie ein Idiot.
Aber sie lächelte ihn an. Er schenkte ihr seinerseits ein schiefes Lächeln und wandte sich zum Gehen – dieses Mal wirklich, um ihr einen Moment zu geben, um sich zu sortieren.
Auf dem Flur sackte er gegen die Wand und senkte den Kopf. Er schluckte schwer und starrte auf seine Füße – wenn der Anblick einer Nadel ihr so etwas antun konnte, wie sahen dann ihre Träume aus, wenn sie die Schlaftabletten nicht nahm, die sie mitgebracht hatte, wenn sie den Raum mit jemandem teilen musste? Wie fühlte sie sich, wenn sie weiße Rüstungen sah, schwarze Helme, graue Metallwände – war ihr Leben eine lebendig gewordene Hölle, die aus verschiedenen Auslösern bestand?
Er hob den Kopf und holte tief Luft.
Er war froh, die Sache mit den Nadeln herausgefunden zu haben.
Es lehrte ihn, sie niemals mehr, noch nicht einmal für einen Moment, für nichts weiter als ein verzogenes und verwöhntes Mitglied des Königshauses mit einem hübschen Gesicht zu halten.
