Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Cling

Klammern

Han stellte schnell, und mit einiger Belustigung, fest, dass die Prinzessin von Alderaan im Schlaf extrem anhänglich war. In den seltenen Fällen, in denen sie sich dicht gedrängt einen engen Schlafraum teilen mussten – auf hochriskanten Missionen oder in gefährlichen Situationen – war ihm aufgefallen, dass sie dazu neigte, nah bei jemandem zu schlafen. Zu diesem Zeitpunkt war es eine Art milder Folter für ihn gewesen, jetzt kam es ihm nur wie eine Eigenart vor.

Die Koje des Falken ließ nicht viel Platz für persönlichen Freiraum, aber Leia schien immer einen Weg zu finden, sich noch enger an ihn zu schmiegen und sich um ihn zu schlingen, womit sie jegliche Versuche unterband, zu flüchten, bevor sie aufwachte – nicht, dass er viel Zeit damit verbracht hätte, ihr zu entkommen.

Sie hatte ihre Arme um seinen Hals oder seine Brust liegen, den Kopf auf seiner Schulter, die Füße mit seinen verheddert oder die Knie berührten seine – es war immer etwas. Han spürte eine Art Verzweiflung in ihrem Bedürfnis nach körperlicher Berührung, die er ihr gegenüber nicht erwähnen wollte, wenn sie wach war.

Es machte ihm nicht viel aus; er fand es lustig, schon alleine deswegen, weil es so wenig dazu passte, wie bissig und distanziert sie generell sein konnte, auch wenn sie ein wenig aufgetaut war, seit sie Hoth und das Asteroidenfeld verlassen und einen Rhythmus miteinander gefunden hatten.

Er saß aufrecht in seiner Koje, halb auf ein Kissen gestützt, halb gegen die Wand gelehnt, und erstellte ein Vorratsinventar für die nächsten Wochen bis Bespin. Chewie hatte – in einer riskanten Aktion, wegen der er von Han auseinandergenommen worden wäre, wenn er Leia aufgeweckt oder sie etwa eine Stunde früher unterbrochen hätte – den Kopf durch die Tür gesteckt, mit geringer Lautstärke geknurrt, dass Han etwas Nützliches tun solle, und ihm das Datapad zugeworfen.

Normalerweise nahm Han eine Inventur im Cockpit oder am Dejarik-Tisch vor, aber er verspürte nicht den Wunsch, aufzustehen – Leia schlief immer noch, und sie hatte die offene Seite der Koje für sich; auf keinen Fall würde er sie stören.

Han fühlte sich seltsam häuslich, wie er sich verantwortungsbewusst um die Logistik kümmerte, während eine Frau neben ihm schlief.

Sie rührte sich gelegentlich und kuschelte sich näher an ihn. Bereits zweimal hatte sie ihre Hand durch seine Armbeuge geschoben und ihn besitzergreifend an sich gezogen, weshalb er unterbrochen hatte, was er tat, und geduldig darauf wartete, dass sie sich neu positionierte, damit er seinen Arm zurückhaben konnte.

Leia zog an seinen Rippen und seiner Hüfte, und versuchte anscheinend, es sich bequem zu machen und ihm gleichzeitig noch näher zu kommen.

Er grinste und schüttelte den Kopf – es gab keinen logischen Grund dafür, dass er sich bei ihr plötzlich so zuhause fühlte, als ob vier Nächte zusammen lebenslange Stabilität bedeuteten, aber sein Verstand arbeitete gegen ihn, sein gesamtes Wesen schien in dem Moment zur Ruhe gekommen zu sein, in dem sie zu ihm ins Bett geklettert war –

Ich will es tun, Han, das will ich wirklich.

Okay, Schätzchen.

Er überprüfte die essbaren Vorräte, Wasser; er prüfte seine finanzielle Situation – eine miserable Anzahl von Credits auf seinen zahlreichen sicheren und versteckten Konten, bei weitem nicht genug, um das auszubezahlen, was Jabba mittlerweile von ihm verlangte, und die Rebellion konnte es sich nicht leisten, ihn zu unterstützen – er konnte dem Kopfgeld nicht länger einfach entfliehen, nicht jetzt, nicht wenn er Leia endlich für sich hatte und sie bereits herausgefunden hatten, dass sie der einfachste Weg war, um an ihn heranzukommen.

Ziellos scrollte Han durch das Reparaturprotokoll.

Leia zog an seinem Ellenbogen, bewegte sich still, und er legte das Datapad aus der Hand und auf das Kissen, sodass er den Arm, an dem sie zog, um ihre Taille legen konnte. Nach einem Moment warf er ihr einen Blick zu, um nach ihr zu sehen, und bemerkte – für den Bruchteil einer Sekunde – dass ihre Augen offen waren und sie nachdenklich seinen Arm betrachtete.

Er sah zu, wie sie die Augen schloss, sich leicht wegdrehte und erneut unschuldig an seinem Arm zog.

Er setzte sich leicht auf und musterte sie aufmerksam.

„Leia", sagte er, die Augen nachdenklich zusammengekniffen.

Er senkte den Kopf etwas und spähte auf ihre geschlossenen Augen hinunter. Ihre Wimpern zuckten ein wenig.

„Bist du wach?", fragte er misstrauisch.

Ihre Wimpern flatterten erneut und sie biss sich auf die Lippe, während sie ein Auge leicht öffnete. Sie sah verlegen aus, und – als wäre sie auf frischer Tat ertappt worden, und er verspürte einen Anflug der Belustigung – was zur Hölle tat sie – ?

„Warst du die ganze Zeit wach?", fragte er, als sie die Augen komplett öffnete und mit ihren dunkelbraunen Augen zu ihm aufblickte.

Leia neigte den Kopf leicht zur Seite.

Sie war wach gewesen, sie wollte es nur nicht zugeben.

Han schaute sie erwartungsvoll an und hob eine Augenbraue.

„Ich dachte, du wärst im Schlaf hinter mir her", neckte er sie.

Er grinste. Dann steckte er das Datapad unter das Kissen, um es vor Schäden zu schützen, legte sich neben sie und stützte den Kopf auf die Handfläche.

„Warum machst du das?", erkundigte er sich neugierig.

„Hm?", murmelte Leia und ihre Wangen erröteten. „Was?"

„Schlaf vortäuschen", beschuldigte Han sie leichthin. „Mich an dich ziehen. Schenke ich dir nicht genug Aufmerksamkeit?"

Leia blinzelte ihn vorsichtig an und er fragte sich, ob er einen Nerv getroffen hatte. Sein Grinsen verblasste ein wenig und er legte den Kopf schief.

„Das stört mich nicht, Leia", bemerkte er und rieb sich über den Kiefer.

Sie rutschte unbehaglich hin und her und hob die Schultern. Dann strich sie sich das Haar aus dem Gesicht.

„Ich mag deine Berührungen", gab sie leise zu. „Du bist – warm. Du riechst gut, du", sie hielt vorsichtig inne. „Du fühlst dich gut an."

„Ja, also", meinte Han gedehnt. „Du fühlst dich auch gut an. Tu nicht so, als ob du schläfst."

Leia seufzte. Sie schloss die Augen.

„Es ist anhänglich, ich weiß, dass es das ist, Han", gestand sie leise. „Ich will nicht, dieses, ah, erdrückende Mädchen sein – "

„Was?"

„Dich ersticken, du weißt schon", antwortete sie zittrig. „Ich will nicht, dass du – nervös wirst und denkst, dass ich, dass ich", sie stockte und presste die Zähne zusammen. „Ich weiß nicht. Ich hätte das nicht tun sollen."

„Du wolltest es", erwiderte Han, plötzlich von Furcht ergriffen. „Du – du bist zu mir gekommen, Leia, du – "

„Nein, nein, schhh", beruhigte sie ihn schnell. „Das ist keine Anschuldigung – ich, ich sage nur, dass ich weiß – wir haben miteinander geschlafen und das ist nicht gleichbedeutend mit einer Verpflichtung, ich weiß das, ich will nicht, dass du denkst, ich erwarte – ich will nicht klammern."

Frustriert biss sie sich auf die Unterlippe.

„Ich dachte, ich könnte distanzierter sein."

Han schaute sie an, sein Mund leicht geöffnet; für einen langen, stillen Moment war er unsicher, was er sagen sollte. Er wäre nicht auf den Gedanken gekommen – er hatte nicht gedacht, verdammt, ist sie anhänglich, ich wünschte, sie würde weggehen – so war es überhaupt nicht; er wollte nicht, dass sie das dachte. Er hätte niemals, niemals so viel Zeit damit verbracht, das Eisen und den Stahl um ihr Herz aufzubrechen, wenn das alles war, um was es hier ging, irgendein hastig befriedigtes, sexuelles Verlangen –

„Nicht", sagte er heiser und fuhr mit der Hand über ihre Rippen. Er schüttelte den Kopf. „Distanzier dich nicht."

Auf ihrem Bauch hielt er mit seiner Hand inne und schaute hinunter auf ihre bloße Haut.

„Es ist nur", hauchte Leia leise, „dass ich mich so verletzlich fühle", gestand sie, „und es überwältigt mich."

Sie schluckte schwer, ihre Augen brannten.

„Seit Jahren hat mich niemand mehr festgehalten, einfach nur festgehalten."

Han lächelte ein wenig – diese sture, starke Prinzessin, die in vorgetäuschtem Schlaf ihre Zuneigung ausdrückte, weil sie dachte, es würde sie schwach erscheinen lassen, dachte, er würde sie für unreif oder lächerlich halten. Wenn er gewusst hätte – nun, er war vorsichtig mit ihr gewesen, sogar in intimen Augenblicken, hatte er ihr Raum geben und sie nicht bedrängen wollen – lass sie führen, Solo, lass sie dich wählen

Es war fast eine Erleichterung, denn verdammt noch mal, wenn er sie jetzt festhielt, würde er nicht weniger männlich wirken, weil er jemanden so dringend brauchte, nicht wenn sie ihn auch brauchte.

„Leia?"

Sie blinzelte ihn erwartungsvoll an; er rutschte ein wenig näher und schob seine Hand von ihrem Bauch zu ihrer Taille.

„Komm her", flüsterte er.

Sie lächelte schwach und kam näher, suchte und fiel in ein Gewirr einer Umarmung, so eng, dass sie ihr vielleicht nie entkommen würde, und das war in Ordnung für sie, denn seit dem Augenblick, in dem sie hier hereingekommen war, entschlossen, sich von ihm berühren zu lassen, entschlossen, berührt zu werden, hatte sie das unterdrückende Gefängnis aufgeschlossen, in dem sie gelebt hatte, und sie fühlte so viel – Zuneigung, Hoffnung, Glück, Traurigkeit, Verlust – es ließ sie ausgebrannt zurück, und Hans Arme und seine Nähe boten eine Verschnaufpause, eine Kraftquelle – elektrisierende Stärke.

„Du kannst klammern", murmelte er rau.

Leia machte ein skeptisches und unzufriedenes Geräusch.

„Hey", brummte er leise, drückte seinen Mund an ihr Ohr und zog ihren Kopf an seine Brust. „Ich bin Kopfgeldjägern ausgewichen, damit ich hierfür bleiben kann, damit du in Bezug auf mich zu Verstand kommst", bemerkte er gedehnt.

Er spürte, wie Leia leise lachte und leicht gegen seine Seite drückte.

„Es ist verdammt noch mal besser, wenn du klammerst, Prinzessin", riet er ihr. „Hast du mich gehört?"

Sie nickte an seiner Brust.

„Lass nicht los", sagte er heiser.

Leia verstärkte ihren Griff – dann geh nicht, dachte sie, von Furcht vor Bespin und dem, was kommen würde, erfüllt – oh, sie musste zur Besinnung kommen, sich selbst wieder zusammennehmen, diese Verwundbarkeit loswerden, sie waren in einem Schwebezustand gefangen, von der Rebellion und dem Lauf der Zeit losgelöst, und das würde nicht für immer so bleiben –

Doch für den Moment konnte sie einfach hier bei ihm liegen, weil sie sich lange nicht mehr gut gefühlt hatte und er – er fühlte sich so gut an.