Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Wait For It: Han

Wait for it: Han

Er fragte sich oft, welcher Teil seiner rücksichtslosen und leichtsinnigen Natur ihn dort hielt. Es ging gegen alle seine Prinzipien, für ideologischen Erfolg anstelle für bares Geld zu arbeiten; es widersprach vollkommen seinem Selbsterhaltungstrieb, sich in Missionen verwickeln zu lassen, die von vorneherein jeglichen Erfolg auszuschließen schienen. Aus welchem Grund riskierte er so viel, riskierte sein Leben, für eine gemeine Bande von Freiheitskämpfern, die alles daran setzte, unüberwindbare Hürden zu überkommen?

Er war aus dem Alter heraus, in dem der Wunsch nach Ruhm und Anerkennung jede Handlung erfüllte; im Herzen war er kein Revolutionär. Er hatte das Streben nach Legitimität aufgegeben, als er sich nicht in die Form zwängen konnte, die die Akademie verlangte und er hatte längst vergessen, dass er nicht immer in den Reihen der Verbrecher und des Abschaums zuhause gewesen war.

Es gab keinen logischen Grund, bei der Rebellenallianz zu bleiben – und seine frustrierte Verwirrung angesichts seiner Unfähigkeit, zu gehen, verwandelte sich schnell in widerwillige Akzeptanz seiner emotionalen Bindung, nicht zur Sache, aber zu den Menschen, zu Luke, zu – zu ihr.

Immer schon war er anfällig für flüchtige Emotionen gewesen; er handelte instinktiv, handelte ohne zu denken, ohne zu kalkulieren – das war es, was zu seinem Rauswurf aus der Akademie geführt hatte, es hatte ihn immer wieder in Teufels Küche gebracht, und diese Art von reflexartiger Natur war in einer Seele verwurzelt, die alles zu stark fühlte und doch niemals gelehrt worden war, es zu kontrollieren. Als er sich bewusst wurde, dass er sich immer noch auf Yavin aufhielt, weil er um die Genesung der Prinzessin besorgt war; als er begriff, dass er in den Jahren danach immer noch Vorräte für sie schmuggelte, weil sie ihn immer aufzusuchen schien, ihn zu brauchen schien; als er verstand, dass seine Angst auf Ord Mantell nicht ihm selbst galt, sondern ihr – und als er bemerkte, dass er sich seiner Verantwortung gegenüber Jabba wieder entzog, um sie zu beschützen und um sicherzustellen, dass es ihr gut ging, gab er es auf, sein Verhalten rationalisieren zu wollen.

Es war nicht rational, es war rein instinktiv. Er wollte sie, zunächst einmal körperlich, und dann alles an ihr – er wollte ihren Geist, ihre Seele, ihre Stimme, ihre Berührung; er wollte ihre Lippen auf seinen, ihre Haare auf seinem Kissen – es war eine qualvolle Erkenntnis, weil Leia unmöglich zu entschlüsseln war. Sie schützte sich selbst gut und egal, wie oft er sich in ihrer Gesellschaft befand, ihr engster Freund, ihr Beistand, ihr ebenbürtiger Widersacher in zunehmend emotional aufgeladenen, verbalen Schlachten, er konnte nicht herausfinden, ob sie diese Sache erwiderte, die sich an ihn angeschlichen, ihn gepackt und festgenagelt hatte – er war hilflos, unfähig zu entkommen.

Er hing weiterhin herum, um sie zu zermürben und er hing herum, um auf sie zu warten, um zu sehen, ob er jemals ihre Rüstung aufbrechen, den Schild von ihrem Herzen ziehen und ihr eine ungeschliffene Emotion entlocken könnte. Er kam an einen Punkt, an dem er plötzlich genau wusste, warum er sich immer noch mit der Meistgesuchten des Imperiums abgab; je näher er ihr kam, desto mehr Zuneigung empfand er für sie und desto mehr schienen seine Hände zu zittern, wenn sie ihn ansah und sein Blut zu rauschen, wenn sie sprach – lautlos schien sie ihn anzuflehen, sie von den Füßen zu reißen, aber er wagte es nicht.

Seine eigene Unsicherheit behinderte ihn, er befand sich mit ihr auf unbekanntem Terrain, und er versuchte, sie so weit zu provozieren, dass sie zuerst nachgab, dass sie seine Zeit, die er hier verbrachte, lohnenswert machte; er war zu stolz, um zu erkennen, dass sie sich mit Gefühlen konfrontiert sah, die sie noch nie zuvor erlebt hatte. Er kämpfte für sie und er blutete für sie; er neckte sie, er bezauberte sie, er tat alles, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, er tat alles unter den Sternen, er hackte in Fluren auf ihr herum, trieb ihr die Röte in die Wangen, er lobte sich selbst und in ihm flammte ganz offensichtlich Eifersucht auf, wenn andere Männer sie umwarben. Er tat alles, außer ihr zu sagen, dass er in sie verliebt war, weil er noch nie zuvor so von diesem Gefühl aus der Fassung gebracht worden war.

Es war brutal, darauf zu warten, dass sie zu ihm kam, denn inmitten seiner eigenen absurden Mischung aus Stolz und Unsicherheit zögerte er, um sie nicht zu verschrecken; er wusste, was sie durchgemacht hatte – und sogar nach diesem ersten Kuss, als er in jeder Sekunde, in jedem Atemzug geschmeckt hatte, dass sie seine Anziehung und seine Zuneigung erwiderte, wollte er sie nicht erschrecken, sie nicht verängstigen; er hatte ewig auf eine Offenbarung gewartet, warum er sein Los für die Rebellen in den Topf geworfen hatte, also konnte er auch warten, bis sie bereit war.

Es kam so unerwartet, so schockierend – Prinzessin Leia, die gefasste Frau, die besonnene Denkerin, dafür berüchtigt, ihre Pläne stets unter Verschluss zu halten und beherrscht zu bleiben – er hätte nie gedacht, als er dort in der Kohlenstoffgefrierkammer stand, von Lando verraten und dem möglichen Tod ins Auge blickend, dass sie in diesem Moment brechen würde; feindliche, grobe Hände schleiften ihn von ihr weg und er konnte die Erlösung fast sehen, als sie es sagte –

„Ich liebe dich", rief sie – bestimmt, gelassen, endgültig.

Das Geständnis war elektrisierend; das Warten hatte sich gelohnt – es hatte sich gelohnt, ihr so lange frustriert zu zeigen, was sie ihm antat, es war all den Streit und das Flirten wert gewesen – er wusste nicht, ob er die nächsten fünf Minuten überstehen würde, aber er wusste, dass sie ihm gehörte, und das Einzige, was er tun konnte, war, sie zu beruhigen und sicherzustellen, dass sie verstand, dass er die Verantwortung, die sie ihm damit übertrug, so, so ernst nahm –

„Ich weiß."

Irgendwie schaffte er es, ruhig zu klingen, gefasst. Wenn diese nächsten Momente ihn umbringen würden, würde er in dem Wissen sterben, dass sie jeden hätte haben können und doch ihn ausgewählt hatte; er hatte seine Zeit mit der Rebellion nicht verschwendet, er hatte sein Leben nur bereichert und wenn er das hier durchstand, wenn er den Dampf und den Rauch und all das Blutvergießen überlebte, würde er ihr für den Rest seines Lebens zur Seite stehen und jede Sekunde wertschätzen, die er damit verbracht hatte, darauf zu warten, dass sie sich so heftig in ihn verliebte, wie er sich in sie verliebt hatte.


And if there's a reason I'm by her side

When so many have tried

I'm willing to wait for it…"

Lin-Manuel Miranda [Hamilton: Wait for it]