Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Armor

Rüstung

„Was ist los mit dir?"

Leia presste die Zähne zusammen – er machte sie wütend, so unendlich wütend. Er schaffte es, dort zu sein, wo sie war, sie aufzusuchen, wenn sie nichts anderes wollte, als in Ruhe gelassen zu werden. Außerdem schaffte er es, sie auf solch feindselige Art und Weise nach ihrem Wohlergehen zu fragen – sie war sich natürlich sicher, dass er niemals dachte, er sei feindselig, aber wie er es gesagt hatte – was ist los mit dir? – fast selbstgefällig, so als ob er sicher war, dass sie mal wieder einen selbstgerechten Tobsuchtsanfall hatte und er bereits tausend Möglichkeiten sah, sie damit zu ärgern –

Leia schüttelte leicht den Kopf und sah demonstrativ von ihrem Tablett auf. Sie schaute ihn in kühlem Schweigen an, dann wandte sie sich wieder der Suppe zu, die sie zum Mittagessen ausgewählt hatte und ignorierte ihn.

Han nahm eine Frucht von seinem Tablett und begann sie zu schälen, indem er seinen Daumen hineingrub, um eine Kerbe zu schaffen und sich von dort aus weitervorzuarbeiten. Sie spürte, dass er sie erwartungsvoll ansah und ignorierte es demonstrativ – sie saß außerhalb der Stoßzeiten in einer Ecke; welcher Teil davon deutete darauf hin, dass sie Gesellschaft wollte?

Sie sah, wie er die Schale teilweise auf sein Tablett fallen ließ und fühlte den bohrenden Blick seiner Augen auf sich.

„Du bist unfreundlich", bemerkte er schließlich und zog eine Augenbraue hoch.

Leias Blick zuckte nach oben.

„Nimm das als Hinweis", fuhr sie ihn scharf an und wirbelte ihren Löffel in der Suppe herum, um sie abzukühlen.

Han nickte unbekümmert mit dem Kinn zu ihrem Essen hin.

„Wenn du den Metalllöffel da herausnimmst, wird es schneller abkühlen", teilte er ihr mit.

„Na, danke, Professor", gab sie zurück.

Er bemerkte jedoch, dass sie nach einem Moment den Löffel herausnahm, ihn beiseitelegte und sich in ihrem Sitz zurücklehnte. Han grinste und zupfte an der Schale seiner Frucht – was war es? Irgendeine Form von Birne? Leia blinzelte ihn an und betrachtete seine Hände und er lehnte sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch vor.

„Sagst du mir, was dein Problem ist?", fragte er in demselben Ton, in dem er das Gespräch begonnen hatte – und sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, während sich ihre Lippen verzogen.

„Wie schaffst du es, im unausstehlichsten Tonfall, den die Menschheit kennt, zu fragen, ob es mir gut geht?", forderte sie.

Han sah überrascht aus. Sie hielt ihre Handfläche nach oben und krümmte die Finger.

„Du solltest nett fragen – hey, Leia, ist irgendetwas nicht in Ordnung? – aber stattdessen fragst du, als ob – was auch immer mich beschäftigt, wahrscheinlich dumm ist", sie verstummte und schüttelte den Kopf, „oder als ob du es nicht erwarten kannst, mir damit auf die Nerven zu fallen."

Han hielt inne in dem, was er tat und sah sie über die Frucht hinweg an. Für einen langen Moment blickte er sie milde an, dann räusperte er sich demonstrativ.

„Hey, Leia, ist irgendetwas nicht in Ordnung?", wiederholte er mit derselben Betonung, die sie verwendet hatte.

Leia verengte die Augen.

„Zur Hölle mit dir."

Han lachte kurz auf und sie konnte sich nicht entscheiden, ob er amüsiert oder gereizt klang – so oder so rührte er sich nicht, sondern lehnte sich nur ein wenig zurück und schlug die Beine übereinander.

„Okay", sagte er und versuchte eine andere Taktik. Er zog einen Streifen Schale von seiner Frucht und warf ihn auf sein Tablett. „Da wir bereits in der Hölle sind", erwiderte er und deutete auf das Eisgefängnis, das sie ihre Rebellenbasis nannten, „und ich nirgendwo sonst hingehen kann, kannst du mir genauso gut erzählen, was dich so sauer gemacht hat, dass du es an dem Jungen auslässt."

Han warf einen weiteren Streifen der Schale auf sein Tablett und sah sie scharf an.

„Es sieht dir nämlich nicht ähnlich, deine Krallen in Luke zu versenken", merkte er gereizt an.

Leia lehnte sich mit angespannten Schultern zurück.

„Meine Krallen?"

„Ja, Verehrteste, deine Krallen", gab Han zurück und sein Kiefer verspannte sich. „Sie sind gewaltsamer, als du denkst", murmelte er.

Leia senkte für einen Moment den Blick und rutschte unbehaglich herum. Sie sah sich in der spärlich besetzten Kantine um und drückte die Fingerspitzen in ihren Arm – sie war an diesem Morgen schroff mit Luke umgegangen und jetzt, da Han es erwähnte, erinnerte sie sich deutlich an seinen verletzten Ausdruck, als sie ihn zurückgewiesen hatte.

Sie seufzte.

„Es war nicht meine Absicht, irgendetwas an Luke auszulassen", bemerkte sie.

„Ja, das glaube ich dir", sagte Han geradeheraus. Er griff in seine Tasche, ließ eine Klinge aufschnappen und begann seine Frucht in Scheiben zu schneiden, nahm eine davon auf und biss hinein. „Also, was hast du an ihm ausgelassen?"

Leia starrte auf seine Hände.

„Nichts", murmelte sie.

Han leckte über seinen Daumen, schnippte dann mit den Fingern und deutete auf sie.

„Falsch, Prinzessin", feuerte er sofort zurück. „Du hast gerade zugegeben, dass du etwas an ihm auslässt, als du sagtest, dass das nicht deine Absicht war!"

Er hob eine Augenbraue, grinste und schnitt dann eine weitere Scheibe seiner Frucht ab.

Mit finsterer Miene presste Leia die Zähne zusammen.

„Du hast dich hier in der Absicht hingesetzt, mich zu überlisten", beschuldigte sie ihn matt.

„Nun, wenn du mich nicht unterschätzt hättest, wären wir nicht hier", gab er fairerweise zu bedenken.

Sie runzelte die Stirn und lehnte sich vor, um mit dem Löffel in der immer noch dampfenden Suppe herumzustochern und fragte sich, ob es dem Ganzen ein Ende bereiten würde, wenn sie ihn einfach ignorierte –

„Ich habe den ganzen Tag Zeit", bemerkte er stur.

offensichtlich nicht.

Steif legte sie ihre Finger an die Stirn, lehnte sich wieder zurück und klopfte mit dem Löffel auf das Tablett. Sie legte ihn hin und kaute einen Moment lang auf der Innenseite ihrer Lippe. Sie war sich vollkommen sicher, dass sie das nicht mit ihm besprechen wollte, aber er saß nun einmal hier und das Thema beschäftigte sie und wenn das weiterhin der Fall war, könnte es sein, dass sie Luke wieder unabsichtlich verletzte und das war nicht fair –

Leia stieß hart den Atem aus und sah ihn direkt an.

„Wusstest du, dass ich einen neuen Spitznamen habe?", erkundigte sie sich knapp.

Han hob eine Braue. Er biss ein weiteres Stück Obst ab, kaute nachdenklich und versuchte sich daran zu erinnern, ob er sich in letzter Zeit etwas Neues hatte einfallen lassen, das sie wirklich wütend gemacht haben könnte, anstatt sie nur zu verärgern – aber das war nicht der Fall und er stellte im Allgemeinen sicher, dass seine Meisterwerke eher augenzwinkernd als ganz und gar gemein waren.

Leia schürzte die Lippen, als er nicht antwortete.

„Frostige Schlampe", zitierte sie.

Han hob verblüfft die Brauen – das stammte definitiv nicht von ihm.

„Jemand hat dir das ins Gesicht gesagt?", fragte er ungläubig.

Leia stürzte sich auf seine Antwort wie ein wildes Tier.

„Du hast also davon gehört", beschuldigte sie ihn und warf ihm einen bitteren Blick zu. „Als ob es hinter meinem Rücken akzeptabel wäre?"

„Nein", sagte Han langsam. Er drehte die Frucht in seiner Hand, legte sie dann zusammen mit seinem Messer hin und wischte sich die Hände an seinem Hemd ab – Leia sah ihn deswegen genervt an und er ignorierte es. „Der, den ich gehört habe, war zuallererst einmal anders", fügte er hinzu und zuckte mit den Schultern, „ich war nicht sicher, wie du davon gehört haben kannst, wenn dich niemand direkt so angesprochen hat."

Leia blinzelte heftig.

„Nun, wie hast du es denn gehört?", fragte sie gehässig.

Han zögerte und drückte seine Knöchel zusammen. Einige seiner Finger knackten leise und er runzelte die Stirn.

„Ich habe Eisprinzessin gehört", erklärte er und zensierte sogar das, denn was er gehört hatte, war eigentlich Eiskönigin gewesen, eine Bemerkung eines verärgerten Piloten, der sowohl gegen ihre angebliche Herzlosigkeit als auch gegen ihr inzwischen nicht mehr existierendes alderaanisches Erbe gestichelt hatte – Königin Breha würde es das Herz brechen, wenn sie wüsste, wie kalt Prinzessin Leia ist

Han schüttelte den Kopf, um die Gedanken loszuwerden.

„Ich habe noch nie gehört, dass jemand dich eine Schlampe genannt hätte."

Leia lächelte dünn.

„Ich habe es mitangehört", sagte sie. Sie drehte den Kopf zur Seite und er betrachtete nachdenklich ihr Profil. „Ich musste die Entscheidung verkünden, dass für die bevorstehenden galaktischen Festtage kein Familienurlaub genehmigt wird", erläuterte sie knapp und zitierte dann, was sie so getroffen hatte: „Naja, die frostige Schlampe schert sich einen Dreck um Heim und Herd, sie hat noch nicht einmal eine Träne über Alderaan vergossen."

Han starrte sie mit offenem Mund an.

Wer hat das gesagt?", fragte er.

„Ich weiß es nicht", erwiderte Leia geradeheraus.

„Oh doch, das tust du", bemerkte er sofort. Sein Kiefer spannte sich an. „Wer?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Es spielt keine Rolle", sagte sie fest – und das tat es wirklich nicht, denn eine Person mochte es ausgesprochen haben, aber sie wusste, es gab noch andere, die so über sie dachten – es war nur ein Wort, gegen das sie besonders empfindlich war, und die vorherrschende Meinung, dass sie in der Öffentlichkeit öfter zusammenbrechen müsste, um zu beweisen, dass sie – traurig war.

Ich bin immer traurig, dachte sie grimmig, es ist das Einzige, was mich antreibt.

„Verdammt", murmelte Han steif. „Hey, es ist in Ordnung, Leia", sagte er und schenkte ihr ein kleines Lächeln.

Sie sträubte sich gegen seine Freundlichkeit und versteifte sich ein wenig.

„Es ist ein Ausdruck ihres Ärgers darüber, dass sie nicht für kurze Zeit nach Hause gehen können und ich verstehe das", meinte sie förmlich. „Es fehlt der – autoritäre Respekt mir gegenüber, wenn diese Art von Sprache verbreitet wird und sie sollten wirklich noch einmal über ihre beleidigenden Äußerungen nachdenken – "

Sie bemerkte, dass Han sie ungläubig anstarrte und stockte.

„Ich mag das Wort Schlampe nicht", beendete sie ihren Redefluss langsam und hob das Kinn. „Rieekan war da, als ich es mitangehört habe und ich glaube, er dachte, ich würde – weinen."

„Hast du geweint?", fragte Han rundheraus. Er schaute sie neugierig an – plötzlich klang sie mehr darüber beunruhigt, dass Rieekan bemerkt hatte, wie erschüttert sie war.

Leia antwortete nicht – nein, sie würde es nicht als Weinen definieren, sie hatte ewig nicht mehr geweint, aber ihre Augen hatten angefangen zu brennen und ihre Kehle war wie zugeschnürt gewesen, was bedeutete, dass sie sich gefühlt hatte, als müsse sie sich übergeben, bis Rieekan sich ihr genähert und sie sich zusammengerissen hatte, als ob nichts gewesen wäre.

„Das sind nur in einem hitzigen Augenblick geäußerte Bemerkungen von verärgerten Soldaten – "

„Leia, irgendwelche Arschlöcher haben deine Gefühle verletzt", unterbrach Han sie einfach. „Wen interessiert es, ob Rieekan gesehen hat, dass dich das getroffen hat?"

Leias Ausdruck wurde kühl.

„Das war wohl kaum der Fall", teilte sie ihm schließlich kurz angebunden mit.

Han sah sie eine Minute lang an und grinste dann – aber es war ein freudloses Grinsen, nicht schief und charmant, sondern aufgebracht, eine Beschäftigung für seine Lippen, während er sie anstarrte und kurz den Kopf schüttelte.

„Hör zu – warum zum Teufel stört es dich so sehr, wenn jemand denkt, dass du Gefühle hast?", verlangte er unverblümt zu wissen.

Überrascht von seiner Frage wich Leia zurück. Sie schluckte schwer und zog leicht die Brauen zusammen, während sie sich dafür wappnete, ihm zu antworten.

„Ich – ", begann sie.

„Ich meine es ernst", fuhr Han fort und ignorierte ihren Protestversuch. „Irgendwelche Arschlöcher haben deine Gefühle verletzt", wiederholte er und unterstrich seine Aussage mit einer scharfen Bewegung seiner Hände. Für einen Moment starrte er sie an, dann zuckte er die Achseln. „So einfach ist das."

„Das ist es nicht."

„Doch, das ist es."

„Nein, Han!"

„Warum nicht?", forderte er sie heraus.

Leia beugte sich ruckartig vor.

„Ich muss sie anführen!", brachte sie heiser hervor. „Ich muss unerschütterlich sein. Ich muss ihre Rüstung sein."

Lange sah Han sie schweigend an. Langsam rutschte er nach vorne.

„Sagt wer?", fragte er leise und sehr bewusst.

Leia machte ein eindeutig frustriertes Geräusch.

„Du verbringst so viel Zeit damit, meinen Titel zu verspotten – hast du mal für eine Sekunde innegehalten und dich gefragt, ob es vielleicht etwas bedeuten könnte? Es ist nicht nur eine dumme Formalität für ein kleines, reiches Mädchen. Es ist eine Verantwortung. Diese Rebellion wird nicht zerbrechen, weil ich nicht zerbrechen werde."

Han entspannte sich ein wenig und nahm sich die Bemerkung über seinen Spott zu Herzen. Er mochte es, sie auf sein Niveau herunterzuziehen, aber nicht, um zu bagatellisieren, wer sie war und was es ihr bedeutete, sondern um sie einfach daran zu erinnern, dass auch sie ein Mensch war.

„Okay", murmelte er schwermütig, „aber in der Öffentlichkeit einen klaren Kopf zu bewahren, ist etwas anderes, als so zu tun, als hättest du keine Gefühle", merkte er vorsichtig an.

Leia sah stur von ihm weg, ihr Profil präsentierte sich ihm in klaren, blassen Linien und leicht geröteten Wangen – Kälte oder Verlegenheit oder wahrscheinlich eine Mischung aus beiden. Han schob sein Messer umher, hob es dann auf und schnitt nachlässig eine weitere Scheibe Obst ab. Einen Augenblick lang betrachtete er sie ausdruckslos, dann biss er hinein.

„Es würde dir besser bekommen, wenn du einfach zugeben würdest, dass es deine Gefühle verletzt hat", bemerkte er altklug. „Dann kannst du in Selbstmitleid zerfließen, anstatt es an anderen auszulassen."

Leia senkte das Kinn ein wenig, blickte ihn aber nicht an.

„Du weißt schon", sagte Han gedehnt. „Geh ins Bett und wein ein bisschen, lass es einfach zu. Oder wein dich bei Rieekan aus, er denkt sowieso, er wäre jetzt dein Vater", murmelte Han.

Leia wandte sich um und schaute ihn mit nachdenklich schief gelegtem Kopf an.

„Oder komm und setz dich in den Falken,um zu weinen und diesen Arschlöchern ein paar deiner eigenen Namen zu verpassen", fuhr er fort und konzentrierte sich dabei auf seine Frucht. „Du kannst meinen Whisky trinken und dich verstecken." Er sah auf und zwinkerte ihr zu. „Ich werde es nicht ausnutzen."

Es war der nachträgliche Gedanke eines anzüglichen Kommentars, aber Leia wusste, dass er es auch so meinte.

Sie starrte ihn stumm an und öffnete dann den Mund.

„Ich kann nicht", sagte sie fest.

Han funkelte sie an.

„Ich verstehe, dass du nicht willst, dass Leute dir erzählen, wie du in der Öffentlichkeit zu trauern hast und niemand hat ein verdammtes Recht dazu, aber bei deinen Freunden – ", fing er wütend an.

„Nein, Han", unterbrach sie ihn sanft. „Ich bin körperlich nicht dazu in der Lage."

Sie schluckte schwer, ihr Hals war trocken.

„Ich versuche zu weinen und stattdessen wird mir übel", bemerkte sie müde. Sie verstummte. „Wenn du alles fühlen würdest, was ich fühle", sie hielt kurz inne, „dann würdest du sterben."

Han nickte – sie hatte wahrscheinlich Recht. Er stützte seine Ellenbogen auf den Tisch auf und deutete harmlos mit dem Messer auf sie.

„Deswegen musst du über Kleinigkeiten weinen", sagte er. „Wie irgendein Arschloch, das dich eine Schlampe nennt", murmelte er finster und zeigte dann auf ihr Tablett, „oder dass deine Suppe mittlerweile kalt ist."

Leia sah dumpf nach unten und bemerkte, dass kein Dampf mehr davon aufstieg – er hatte wahrscheinlich Recht, sie musste kalt geworden sein. Hier auf Hoth gab es ein schmales, schmales Fenster zwischen zu heiß, um gegessen zu werden und von der Luft eingefroren. Eine lange Zeit schaute sie auf das dürftige Mahl hinunter, bis sie hörte, dass Han sein Tablett von sich schob und aufstand.

Sie sah ihm dabei zu, wie er davonging und das Messer zurück in seine Tasche steckte und ihr Herzschlag beschleunigte sich ein wenig – seine Gesellschaft war schön gewesen, obwohl sie sich anfangs so sehr dagegen gewehrt hatte. Sie war überrascht, dass Han solch eine philosophische Sicht auf Emotionen hatte, aber vielleicht sollte sie das nicht sein; immerhin teilte Han immer lautstark seine Empfindungen mit – ob es nun Wut, Ärger oder Freude war –

Er kam zurück, um eine neue Schale vor ihr abzustellen und die kalte Suppe auf sein zurückgelassenes Tablett zu befördern. Dann drückte er die letzte Obstscheibe gegen ihre Wange. Sie schlug seine Hand weg, stieß das Obst zu Boden und fuhr herum, um ihn drohend anzustarren. Er grinste und sie unterdrückte den plötzlichen Drang, gleichzeitig zu lachen und in Tränen auszubrechen. Was herauskam, war eine Art ersticktes Schnaufen, als sie mit der Handfläche über ihr Gesicht rieb, um das klebrige Gefühl loszuwerden.

Er beugte sich vor, bis er auf einer Höhe mit ihrer Schulter war.

„Sag mir, wer dich so genannt hat", verlangte er.

Sie schüttelte bestimmt den Kopf – nein, das war es nicht wert. Es war es nicht wert, dass Han irgendetwas anzettelte.

Er schnaubte spöttisch, richtete sich auf und zuckte die Achseln – wie du willst, Prinzessin. Während er sie aufmerksam ansah, legte er den Kopf schief und schob die Hände in die Taschen.

„Komm heute Abend zum Falken", sagte er und hob eine Braue.

„Um zu weinen?", fragte Leia trocken.

„Du kannst dich einschließen und alles", erwiderte er vollkommen ernsthaft.

Leia presste fest die Lippen zusammen. Sie holte tief Luft und nickte. Han sah sie noch einen Moment länger an, machte dann auf dem Absatz kehrt und ließ sie mit ihrem Mittagessen alleine. Sie wandte sich der frischen Schüssel Suppe zu und rührte mit dem Löffel darin herum. Sie schaute zu, wie der Dampf sich träge nach oben wand und blinzelte ein paar Mal – Hoth hatte etwas an sich, das alles in ihr eingefroren zu haben schien und sie betäubte, aber vielleicht lag es an Han, sie aufzutauen.