Kapitel 11: 2 Stimmen

20 Minuten waren vergangen und noch immer stand Frank allein vor der Zelle, des Patienten der als Leigh Emerson bekannt war. Einen Serienmörder und widerlichen Perversen. Frank bekam eine Gänsehaut, als er daran dachte das ein solcher Abschaum hier leben sollte. Sicher gab es hier viele Verrückte, aber niemand von den Insassen hier, war auch nur Ansatzweise wie Emerson. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn man diesen Monster auch nur den geringsten Freiraum lassen würde.

Frank lehnte sich an die kalte Wand und trank den letzten Schluck seines bereits kalten Kaffees aus. Seine Gedanken wanderten zurück zu Jude und zu dem Gespräch, was vor nicht einmal einer Stunde stattfand. Er wünschte sich so sehr, dass alles anders gelaufen wäre. Wie konnte er auch nur so dumm sein und es ihr sagen. Das die Frau seiner Träume mittlerweile ein völlig anderes Leben führte, war kaum zu übersehen. Warum also hatte er es nicht einfach dabei belassen? Er hatte sie völlig überrumpelt und sie in die Enge getrieben. Was wäre, wenn sie ihn nun nicht mehr hier haben wollte. Er wollte sie nicht noch einmal verlieren. Auch wenn er hier bloß ein einfacher Wachmann war und sie eine Nonne, so war er wenigstens hier und konnte ihr zur Seite stehen…..gerade in so einer Situation. Nein, er würde sich nicht wegschicken lassen und auch wenn es ihn innerlich zerriss, würde er nie wieder über die Vergangenheit sprechen. Vielleicht musste sich Frank eingestehen, dass es wirklich so war, wie Jude sagte. Die Frau von damals existiert nicht mehr.

Müde rieb sich Frank die Augen und hoffte fast, dass er umsonst hier warten würde. Nicht weil er es vermeiden wollte Jude zusehen. Er wollte viel mehr vermeiden, dass Emerson sie sah. Eines stand fest, er würde dieses kranke Stück nicht allein mit ihr lassen.

‚Vielleicht muss sie das von eben auch erst verdauen.' doch kaum hatte Frank seinen Gedanken zu ende gebracht, da hörte er Schritte, die sich durch den dunklen Korridor ihm nährten.

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Jude war noch immer völlig außer sich, niemals hätte sie dachte, dass ein ehemaliger Lover von ihr, plötzlich hier stehen würde und doch war genau das geschehen. Eine schreckliche Unruhe breitete sich in Jude aus. Was würde geschehen, wenn Frank allen erzählen würde, woher sie sich kannten. Was wäre, wenn plötzlich alle wüssten, wer und was sie einst war.

Tränen des Bedauern liefen über Judes blasse Wangen und sie betete zu Gott um Vergebung. Sie hatte ihr altes Leben vor Jahren abgelegt und seither ein Leben in Busse und Demut verbracht. Ihr Glaube war gefestigt und sie war jemand! Jemand der etwas bewirkte und dem man respektierte, vielleicht sogar fürchtete. Das jedoch, machte für die vermeintlich strenge Nonne kaum einen Unterschied. Sie war nicht mehr das Flittchen von früher und doch…doch hatte das Gespräch mit Frank etwas in ihr bewirkt. Sie erinnerte sich nun an den schüchternen Mann, der sie besser behandelt hatte als es alle anderen taten. Sie erinnerte sich an seine sanfte Art und das er sie nie so ansah, wie eine billige Schlampe. Damals hatte Jude das Gefühl, er sah nicht nur Abfall in ihr, den man nach kurzen Genuss entsorgte…..und genau das machte ihr Angst. Sie hatte damals schon so viel verloren und wollte dieses schreckliche Gefühl des Verlustes nicht noch einmal durchleben. Sie traf eine Entscheidung und bis heute, hatte sie diese nicht bereut. Frank McCann war ein guter Mann, der eine gute Frau verdiente, doch das war nicht sie. Damals nicht und heute schon gar nicht.

‚Ach Judy, hör auf über Dinge nachzudenken, die unwichtig sind.'

Jude begann über ihre eigene Naivität zulachen und schüttelte den Kopf. Sie wusste, dass Frank mit Sicherheit schon seine sieben Sachen genommen hatte und Briarcliff den Rücken zuwendete. Es wäre wahrscheinlich auch besser so, denn so würde ihr Geheimnis auch geheim bleiben und doch…..doch wusste Jude, dass sie ihn vermissen würde, auch nach so kurzer Zeit, die er hier war. Er war immer da und hatte stehts ein freundliches Wort oder ein aufmunterndes Lächeln für sie übrig. Eine Geste, die hier selten war. Die Patienten fürchteten sie und der Großteil des Personals ebenso, selbst einige der Nonnen machten einen großen Bogen um sie.

Einsamkeit! Judes ständiger Begleiter. Traurig wischte sie sich die letzte Träne von ihren Wangen und stand auf, sie hatte noch einiges vor sich. Die Arbeit stand an erster Stelle. Jude wusste für Selbstmitleid würde sie später noch genug Zeit haben, dann wenn sie allein in ihrem kleinen Zimmer war und in ihr kaltes einsames Bett flüchtete. Das war Judes Ort ihr wahren Gefühle zu zeigen, denn niemand würde es je wagen, in ihr Schlafzimmer zu kommen und somit würde auch nie jemand erfahren, wie oft sich Miss Judy Martin nachts in den Schlaf weinte.

Jude atmete tief durch und verließ ihr Büro, um sich zu Emerson zu begeben. Sie musste sich eingestehen, dass sie Angst hatte einen solchen Mann oder Monster allein zu begegnen. Noch wusste sie nicht, dass sie nicht allein sein würde und gerade als sie begann, sich mit den Gedanken abzufinden, sah sie jemanden vor Emersons Zelle warten. Wie versteinert blieb Jude stehen und blickte den Wachmann, der bereits mehr als zulässige Überstunden hier war an.

‚Frank?'

Nie hätte Jude gedacht, dass er nach dem so unerfreulichen Gespräch noch hier sein würde.

Frank hatte sie unterdessen auch entdeckt und sah sie schweigend an. Seine Augen wirkten noch müder als vorhin und unter ihnen zeichneten sich immer dunkler werdende Schatten ab.

Für einen langen Moment standen beide in dem dunklen Flur und starrten sich wortlos an.

Jude schluckte schwer, denn damit hatte sie wahrlich nicht gerechnet, sie ging langsam einige Schritte näher und musterte den Mann vor sich.

„Frank…..was….was machen Sie noch hier?" fragte Jude und verfluchte sich selbst dafür, wie leise und klein ihre Stimme klang.

Mit einem traurigen wenn auch geheimnisvollen Lächeln, ging auch Frank einige Schritte auf sie zu. Er studierte ihr Gesicht und konnte sehen, dass sie wirklich überrascht war. Diese Frau schien keinerlei Glauben mehr in die Menschen zu haben und das machte Frank schwer zu schaffen, denn er wollte mehr als alles andere, dass sie ihm vertraute.

„Ich hatte Ihnen doch gesagt, ich lasse Sie nicht allein zu Emerson gehen. Ich bleibe hier…..bei Ihnen."

Jude starrte Frank nur an und plötzlich spürte sie etwas, was sie eine sehr sehr lange Zeit nicht mehr gespürt hatte. Ihr Herz begann wie wild zu hämmern und es erschreckte Jude mehr als das Gespräch mit Emerson. Er war geblieben und das für sie, doch wie sollte sie damit umgehen. Immer mehr fühlte Jude den Zwiespalt der Gefühle in sich und zwei verschiedene Stimmen, die sie aus ihren inneren heraus lauthals anschrien.

‚Wirf ihn raus, er ruiniert alles was du erreicht hast.'

‚Wirf nicht wieder alles weg aus Angst vor Verlust, lass ihn in dein Leben.'

Doch welche der beiden Stimmen rief lauter zu ihr?

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