Als Lena heraus findet, dass Kara Supergirl ist, hat Kara die Augen geschlossen.
Als Lena heraus findet, dass Kara Supergirl ist, liegt Kara in Lena's Bett.
Als Lena heraus findet, dass Kara Supergirl ist, bekommt Kara das nicht mit.
An dem Tag, als Lena herausfindet, dass Kara Supergirl ist, hat Kara Danvers einen privaten Termin in ihrem Penthouse, um ein exklusives Interview mit ihr zu führen. Lena die üblicherweise zurückhaltend lebt, meidet die Presse wie die Pest. Die meisten berichteten nicht neutral nach dem Schema: War sie doch eine Luthor, deren Name sprach für sich allein. Es interessierte Sie nicht, dass sie für die Menschen forschte, nicht gegen sie. Zudem organisierte sie Wohltätigkeitsveranstaltungen unter ihren Namen und spendete großzügig an gemeinnützige Einrichtungen. Das Misstrauen blieb. Also zeigte sie sich öffentlich, benannte ihr Unternehmen von Luthor Corp in L Corp um. Es sollte signalisieren, dass sie anders war, sie wollte sich von ihrer verdammungswürdigen Familie unabhängig zeigen. Stattdessen wurde auf sie geschossen.
Gute Nachrichten verkauften sich nicht und sensationsgierige Reporter waren in National City keine Seltenheit. Lena könnte selbst eine Story über diese Art von Jägern verfassen. Die sympathische Reporterin Kara Danvers war eine Ausnahme. Sie verurteile Lena nicht voreilig und hörte zu. Dabei war sie keineswegs naiv. Sie stellte die richtigen Fragen, recherchierte und schrieb die Wahrheit. Simpel.
Das war ein Grund, wieso Lena diesem Interview zustimmte. Kara durfte über Lena schreiben. Lena vertraute ihr damit.
Die Reporterin hatte es geschafft, einen Freifahrtschein von Lena zu bekommen. Jess, ihre Sekretärin, fielen die Augen aus, als sie ihr bestätigt hatte, das Kara immer sofort und auch ohne Termin zu ihr durchgelassen werden durfte.
Ein weiterer Grund war die Hartnäckigkeit von Kara und deren Argumente. „Lena, du tauchst plötzlich in der Stadt mit dem Namen Luthor auf. Natürlich sind die Leute skeptisch."
„Wird der Name je wieder reingewaschen sein? Wieso können nicht alle so denken wie du. Du hast mir auch eine Chance gegeben. Und habe ich mich vor den Bürgern nicht präsentiert? Meine Ansichten öffentlich kundgetan? Das Unternehmen unbenannt?", hat Lena frustriert gefragt.
„Das hast du und es war gefährlich. Ab jetzt solltest du dich etwas in der Öffentlichkeit zurückhalten. Die Bürger sind noch zornig. Lass ihnen etwas Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass die Schwester von Lex Luthor in der Stadt ist und keineswegs seine kranken Ansichten teilt. Lex, der einen triftigen Grund hat, dich aus dem Weg zu räumen, mal ganz außen vor. Das alles sind keine harmlosen Gegner. Zusätzlich Aliens die Rache am Namen Luthor üben wollen. Das sind eine Menge Angreifer, Lena. Ich werde Supergirl zu deinem Schutz schicken und..."
„Moment. Du willst Supergirl nach mir schicken? Das ist nicht nötig. Ich habe meine eigene Security. Ich kann durchaus auf mich selbst aufpassen. Das ich Leute gegen mich habe ist nichts Neues."
„Deine Leute werden gegen Alientechnologie nichts ausrichten können. Supergirl kann dich als Einzige beschützen!" Lena blickte überrascht in Kara's aufgebrachtes Gesicht. Die bezaubernde, etwas tollpatschige Reporterin zeigte einen kämpferischen Ausdruck und ihre Augen wirkten wild. Der Anblick war keinesfalls unattraktiv. Lena fand sich paralysiert.
„Das ist lächerlich, sie wird Besseres zu tun haben, als eine Luthor zu Sitten," spielte sie das ganze herunter und stand auf um zu signalisieren das dieses Gespräch vorbei war.
„Dann lass uns wenigstens eine Seite besänftigen. Gib mir ein Exklusiv-Interview. Es muss privat sein, eine persönliche Note haben. Lade mich zu dir in dein Penthouse ein!" Lena riss erstaunt die Augen auf und drehte sich zu ihr um. Sie fixierte Kara mit ihrem Augen. Niemand war bisher bei ihr zu Hause, in ihrem Heiligtum. Dort wo sie schlief. Sie beobachte wie heftig Kara unter ihrem Blick errötete. Es begann an ihrem Hals, hier bildeten sich ein paar zarte Flecken und lief weiter zu ihrem Gesicht, das innerhalb Millisekunden komplett schamrot wurde. Verlegen senkte Kara ihren Blick. Lena hatte selten so etwas charmantes gesehen.
Sie konnte nicht anders, als dieser heftigen Bitte nachzukommen. Kara war fest davon überzeugt, mit einem Artikel über einen etwas privateren Eindruck der taffen Unternehmerin, würden zumindest einige Leute in National City besänftigt werden. In diesem Augenblick wollte Lena nur Kara besänftigen und sagte dem Interview zu.
Kara würde jeden Augenblick hier sein und das Interview führen. Erst ein paar Wochen sind vergangen, seit dem sie Kara Danvers kennengelernt hat. Streng genommen war sie an diesem Tag noch gar keine richtige Reporterin. Lena hat das nur angenommen und damit einen Funken in Kara entfacht, der dort schlummerte. Interessant, in welch kurzer Zeit, Kara sie um den Finger gewickelt hat und es geschafft hat, sich hier her einzuladen. Ihre niedliche Art durfte man nicht unterschätzen, Kara wusste sehr wohl, wenn sie etwas wollte und anscheinend auch, wie sie es bekommen konnte.
Ca 1 Woche zuvor
Spät am Abend, an dem Tag an dem Lena dem Interview zugesagt hat, sitzt sie einsam in ihrem Büro, als sie einen Luftzug wahrnimmt und aufhorcht. Supergirl ist auf ihrem Balkon gelandet und Lena klappt überrascht ihr Laptop zu, ehe sie aufsteht. Supergirl entgeht die rasche Geste nicht. Lena kann nicht erkennen, ob sie misstrauisch ist. Sie strahlt Stärke aus, ihr Gesicht regungslos, während sie mit verschränkten Armen vor der Brust dort steht und darauf wartet, dass Lena zu ihr tritt.
„Supergirl. Es gibt einen offiziellen Eingang, wissen Sie," sagt Lena, während sie die gekippte Balkontür für Sie öffnet.
„Ich möchte kein Aufsehen erregen, es geht um ihre Sicherheit, Miss Luthor," erwidert sie und tritt mit selbstverständlichen Schritten in Lena's Büro. Mit ihrem Blick scannt sie eilig den Raum.
„Sollten sie dann nicht ein etwas weniger aufreizendes Kostüm tragen?" Lena lässt ihre Augen offensichtlich über Supergirls Form wandern. Von den Stiefeln angefangen, über die lange Beine, zu dem kurzen Rock und über die definierten Armen, zu dem S auf ihrer Brust, ehe sie ihr endlich in die Augen blickt und dabei weit eine Augenbraue nach oben zieht. Nichts. Supergirls's Gesicht bleibt unverändert und Lena fühlt sich nahezu lächerlich, dass sie eine Reaktion erwartet hat. Sie nimmt sich etwas von dem Wasser aus der Glaskaraffe, das sie dort immer bereit stehen hat. Während der Arbeit vergisst sie meist davon zu trinken, doch ihre Kehle scheint mit einem Mal wie ausgetrocknet.
„Gefällt ihnen mein Kostüm nicht?" Lena verschluckt sich nahezu. Die späte Erwiderung kommt unerwartet. Lena stellt das Glas ab und gibt auf.
„Wieso sind sie hergekommen?" Fragt sie stattdessen und lässt das Geplänkel sein. Supergirl wirkt zufrieden. Sie lässt ihren Blick durch Lena's Büro schweifen, bevor sie antwortet.
„Um sie zu beschützten."
„Hat Kara Danvers sie geschickt? Ich hab ihr bereits mitgeteilt, dass ich Ihren Schutz nicht benötige. Sicher haben Sie Besseres zu tun, als eine Luthor zu betreuen. Wieso sagen wir Kara nicht einfach, dass ich Sie von meinem Sicherheitskonzept überzeugen konnte."
„Die Wachen vor ihrer Tür sind leicht auszuschalten. Es sprang kein Alarmsystem an, als ich auf ihrem Balkon gelandet bin. Ich bin nicht überzeugt. Ich werde Kara Danvers nicht anlügen."
„Haben sie niemals gelogen? Eine kleine Notlüge für den guten Zweck? Den Alarm stelle ich selbstverständlich an." Supergirl lässt ihre Arme fallen und geht ein paar Schritte. Wahrscheinlich um Zeit zu gewinnen, zu überlegen. Sicher hat sie schon mehrfach gelogen, ihre geheime Identität lässt gar nichts anderes zu. Sie nimmt sich eine Deko aus Lena's Regal, ein altes Holzpferd, das Lex ihr als Kind geschnitzt hat, als er noch ihr Lieblingsbruder war. Ein lächerlich sentimentales Erinnerungsstück. Es nun in Supergirls Händen zu sehen verursacht ein ziehen in Lena's Bauch, dass sie nicht deuten kann. Erleichtert beobachtet sie, wie Supergirl das Pferd wieder in das Regal stellt und ein paar Schritte auf Lena zu geht. Sie greift unter ihren roten Umhang und holt etwas hervor. Sie hält es Lena entgegen. Eine Uhr? Lena ist irritiert.
„Das ist keine normale Uhr. Unter dem Ziffernblatt ist eine Taste mit einem `S` eingebaut. Wenn Sie dort drücken, werde ich ein Signal wahrnehmen und sofort bei Ihnen sein. Bitte tragen Sie die Uhr und benutzten das Signal, sollten Sie in Gefahr sein."
Lena lacht, sie kann nicht anders. Ein geheimes Signal, direkt zu Supergirl? Wie absurd und gleichzeitig genial. Und wow Lena könnte es in ihren Händen halten. Sie zögert jedoch.
„Ich drücke und sie kommen geflogen? Sind Sie sicher, dass Sie mir eine solche Uhr geben möchten, einer Luthor?", es ist die ewige Leier, das immer gleiche Spiel. Die Luthors waren die Feinde der Super's. So war es, seit Lex Luthor Superman den Krieg erklärt hat. Lex sitzt jetzt im Gefängnis, auch wenn er dort noch sehr viel Macht hat, ist er hinter Gittern und Superman ist in einer anderen Stadt. Ist es nicht an der Zeit, dass eine neue Ära beginnt? Doch Lena muss sichergehen und sie ist zu verlegen, um nach dem intimen Geschenk zu greifen.
Supergirl kommt einen weiteren Schritt auf sie zu, dieses Mal direkt in ihren persönlichen Radius. Zuerst kann sie Supergirl riechen, kann ernsthaft ihren Geruch riechen. Ein wenig Schweiß, gemischt mit etwas seltsam Unbekannten und einen Hauch von Blumen. Kein unattraktiver Geruch. Dann kann Sie Supergirl spüren. Sie greift nach Lena's Handgelenk und hält dieses fest, während sie mit der andern Hand die Uhr anlegt. Ein angenehmer Schauder geht durch Lena's Körper, den sie nicht unter Kontrolle hat. Supergirl scheint besorgt.
„Hab ich die Uhr zu eng angelegt?" Mit ihrem Daumen streift sie sanft über Lena's Handgelenk, überprüft den Verschluss. Dabei senkt sie den Kopf, so dass Lena's Nase beinahe in ihrem Haar landet. In ihrem Gesicht kitzelt es und Lena zieht eilig ihre Hand zurück, ehe sie nochmals erzittert. Supergirl schaut verdutzt zu ihr und Lena kämpft dagegen an zu erröten. Luthor's erröten nicht.
„Nein," beeilt sich Lena zu sagen. Beinahe verwundert blickt sie auf die massive Uhr, die nun an ihrem Handgelenk sitzt. Sie starrt auf das `S`, das dort eingraviert ist.
„Entspricht nicht gerade meinem Modestandard, aber ich werde die Uhr selbstverständlich in Ehren tragen," lächelt Lena.
Supergirl nickt und macht Anstalten wieder aufzubrechen. Sie ist schon halb aus der Tür, bevor Lena sie aufhält.
„Wie kann ich mich revanchieren?", ruft Lena, ehe sie sich zurückhalten kann.
Fragend schaut Supergirl zurück. „Revanchieren?"
„Für die Uhr. Kann ich Sie zum Essen einladen?" Angesichts Supergirls gerunzelter Stirn fügt sie hinzu: „In meiner Welt macht man das so, wenn man sich bei jemanden bedanken möchte."
Supergirl reagiert nicht und Lena kommt sich doof vor, dass sie überhaupt gefragt hat. Plötzlich kann sie an nichts anderes denken, als das ihre Frage so geklungen hat, als würde sie Supergirl um ein Date bitten.
„Sie können kochen?", fragt Supergirl neugierig. Oh! Lena lächelt erleichtert. Sie dachte eigentlich an einen Restaurantbesuch, aber das war wohl absurd mit Supergirl essen zu gehen. Sie kann kochen, es ist sogar ein Hobby von ihr, für das sie sich nur meist zu wenig Zeit nimmt. Für Supergirl allerdings, würde sie sich die Zeit liebend gerne nehmen. Wer kam schon in den Genuss für Supergirl zu kochen.
„Ich koche gerne. Ich nehme mal an, Sie essen Fleisch?" Abermals lässt Lena ihren Blick offensichtlich über Supergirl's muskulöse Arme schweifen. Sie schämt sich dafür nicht. Welche Frau wird nicht neidisch bei diesem Anblick. Oder lüstern.
„Ich esse fast alles," erwidert Supergirl und lacht. Sie wirkt einen Augenblick entspannt, sogar glücklich und es ist ein atemberaubender Anblick gegenüber ihrer sonst so heroischen Maske. Lena möchte mit einem Mal mehr von Supergirl kennenlernen, möchte unbedingt diese Verabredung. Der Wunsch brennt heftig in ihr.
„Dann fällt es mir besonders leicht, etwas für Sie zu kochen. Es ist also abgemacht? Sagen wir morgen Abend? 19 Uhr?" Lena's Herzschlag beschleunigt sich vor Erwartung.
„Einverstanden, Miss Luthor und vergessen Sie nicht den Alarm zu aktivieren," gibt Supergirl zurück und dreht sich um. Mit einem Satz verschwindet sie in den Nachthimmel und ist davon.
„Was zum Henker?!"
Am nächsten Tag, erscheint Lena früher als üblich in ihrem Büro. Jess sieht erstaunt auf, als sie an ihrem Vorzimmer vorbei läuft und sie begrüßt.
„Guten Morgen, Jess. Ich werde heute zeitig gehen, daher stellen Sie bitte nur Unaufschiebbares durch. Die neuesten Laborberichte benötige ich noch vormittags auf meinem Schreibtisch, damit ich diese überprüfen kann. Ach und senden Sie mir bitte ein Originalrezept für Tiramisu auf meine Mailadresse. Übersetzt natürlich."
„Selbstverständlich, Miss Luthor."
„Schauen Sie nicht so schockiert, auch ich habe ein Privatleben. Ist das so schwer zu glauben?"
„Das ist es nicht Miss Luthor. Was ist mit dem Vorgespräch bezüglich des Interviews mit Kara Danvers am Samstag?"
„Was ist damit?"
„Wann sollen wir den Fragekatalog erstellen? Auf welche Themen möchten sie eingehen. Wie viele Fotografen laden wir ein? Benötigen wir Leute von der Inneneinrichtung, für die Szene in ihrem Penthouse...""
„Wow, okay Stopp. Ihr Engagement in Ehren, Jess, aber das Interview mit Kara Danvers ist privat und bleibt unter Verschluss. Das bedeutet, dass niemand anderes anwesend sein wird, keine Fotografen, Inneneinrichter, niemand. Nur Miss Danvers, ihr Diktiergerät und ihre Handykamera. Alles klar?"
„Glasklar, Miss Luthor." Falls Jess über ihre Antwort schockiert ist, zeigt sie es wenigstens nicht.
„Gut. Dann machen wir uns an die Arbeit."
Lena hat Superkräfte entwickelt, überlegt sie und lacht über ich selbst. Sie hat in den kurzen Stunden, in denen sie in ihrem Büro arbeitet, mehr geschafft als sie es sonst in der doppelten Zeit hätte. Vielleicht sollte sie öfters früher ins Büro kommen, sie war dann wesentlich effektiver. Vielleicht sollte sie sich öfters mit Supergirl verabreden, damit sie immer dieses Kribbelm im Bauch spürt, das folgt, wenn sie daran denkt, dass sie heute ein beinahe Date haben wird.
Zufrieden nimmt sie ihr Telefon und wählt Kara Danvers an. Sie ist eine Freundin von Supergirl. Es schadet nicht herauszufinden, ob Supergirl womöglich ihr Treffen gegenüber Kara erwähnt hat.
„Hallo Lena, schön dass du anrufst."
„Hey Kara. Ich wollte hören, wie es dir geht."
„Gut, bestens. Alles supergut um genau zu sein," antwortet Kara in ihrer üblichen Art und Lena schwört, sie kann durch das Telefon hören, wie sie sich ihre Brille die Nase hochschiebt. Eine Geste die Lena jedes Mal merkwürdigerweise unter die Haut geht.
„Freut mich zu hören. Hör mal Kara, ich wollte dir mitteilen, dass ich heute Abend eine Verabredung mit Supergirl habe. Ich würde gerne wissen, ob du eventuell irgendwelche Tipps für mich hast. Du weißt schon. An der Alienfront." Peinlicher ging es nicht mehr, hatte sie wirklich gerade Alienfront gesagt?
„Du hast eine Verabredung mit Supergirl. Wow, du must aufgeregt sein oder? Ich glaube, ich wäre ziemlich aufgeregt."
„Ach komm schon Kara, du siehst sie doch regelmäßig. Wie ist sie so privat?"
„Wie meinst du das? Sie ist ganz normal, würde ich sagen."
„Normal? Gott Kara, öffne mal die Augen. Die Frau ist ein Traum, auch wenn ich ihr das natürlich nie laut sagen würde. Ich glaube nicht, dass sie einen festen Freund hat, aber weißt du was? Gibt es da jemanden?"
„Also Lena, ähm, du meinst... also du meinst, ob Supergirl einen Mann hat?" Meine Güte. Kara hat das kaum über die Lippen gebracht.
„Du klingst so verlegen. Ja das meinte ich. Oder... Moment, oder ist es deswegen, steht Supergirl auf Frauen?"
„Frauen?," quietscht Kara in ihr Ohr.
„Ja, warum nicht. Es würde Sinn machen, die meisten starken Frauen, die ich kenne stehen heimlich auf Frauen."
„Woher weißt du das, wenn es heimlich ist."
„Ich habe es eigenhändig herausgefunden. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, Kara."
„Bedeutet das, dass du lesbisch bist?" Die Frage kommt brühwarm und Kara versucht sich bereits dafür zu entschuldigen. Doch Lena übergeht das und antwortet ihr.
„Du klingst so schockiert. Aber um deine Frage zu beantworten. Nein, ich bin nicht lesbisch. Ich definiere mich nicht. Ich hasse Labels. Mir gefallen Männer UND Frauen, ich bin offen, was das angeht."
„..."
„Kara, bist du noch dran? Deine Schwester steht doch auch auf Frauen. Warum hab ich also gerade den Eindruck, dass du damit nicht klar kommst. Ist es, weil ich dir Blumen geschickt habe?"
„Nein, Lena, nein. Ich habe damit kein Problem. Wirklich gar nicht."
„Hmm, gut," antwortet Lena. „Also muss ich die Sache mit Supergirl wohl selbst herausfinden," erwidert Lena. Bevor sie auflegt, kann sie im Hintergrund anhand des Geräuschpegels entnehmen, dass Kara Danvers gerade von ihrem Stuhl gefallen ist.
Lena war eindeutig aus der Übung. Wann hatte Sie zuletzt ein Menü zubereitet? Sie selbst aß meist Salat und hielt sich an einen strikten Diätplan, der zartes Hähnchenbrust oder einen Streifen Carpaccio zuließ. Supergirl würde daran freilich nicht satt werden. Sie hat sich wahrscheinlich etwas weit aus dem Fenster gelehnt mit ihrer Einladung, doch sie war eine Perfektionistin und schließlich erreichte sie beim dritten Anlauf, die gewünschte Konsistenz des Tiramisus das es als Nachspeise gab. Als Hauptgang wählte sie Rinderfilet mit Knödel. Diese kochten bereits, bei dem Fleisch musste sie einfach auf ihr Glück hoffen, das sie es noch drauf hatte, es so zu braten, dass es weder zu roh noch zu durch war. Sie wird es jedoch erst in die Pfanne geben, wenn Supergirl hier ist, davor macht es keinen Sinn. Für eine Vorspeise reichte ihre Zeit nicht, aber sie hat im Vorfeld noch einen Salat zubereitet.
Lena fühlt sich so nervös, dass sie neben dem kochen von dem Wein trinkt, den sie für das Abendessen gedacht hat. Es ist ihr Lieblingswein und sie besitzt eine volle Kiste davon.
An ihrem Handgelenk vibriert es auf einmal und ein Fiepen ertönt. Lena stellt überrascht fest, dass sie über die Uhr von Supergirl eine Nachricht erhalten hat. Neugierig liest sie ihr Display. Dort steht in kurzen Worten:
Es kam etwas dazwischen, es tut mir leid, S.
Lena schleudert das Geschirrtuch in die Ecke. Supergirl hat ihre Verabredung abgesagt. Sie ist enttäuscht aber auch zornig, dass sie sich selbst so zum Affen gemacht hat. Was dachte sie sich nur dabei? Sie hat die Arbeit früher beendet, was so gut wie niemals vor kommt, um sich in die Küche zu stellen und ein 3 Gänge Menü zubereiten. Fleisch anzubraten, wie ein braves Hausfräulein, das wartet bis ihr Liebster von der Arbeit heimkehrt!
Lena schaltet die Kochplatte mit den Knödeln aus und nimmt sich die Weinflasche von der Küchentheke. Sie öffnet den Reißverschluss am Rücken ihres engen schwarzen Kleides, das sie für den Abend gewählt hat. Um Supergirl zu verführen? Dachte sie das ernsthaft? Als sie endlich den Verschluss zu fassen bekommt und ihn öffnet, atmet sie durch.
Sie trinkt von ihrem Wein und langsam verraucht ihre Wut. Zurück bleibt die Enttäuschung. Sie kann noch nicht einmal auf die Antwort von Supergirl reagieren. Sie hat keine Ahnung wie das Ding funktioniert und sie hat viel zu sehr Angst, versehentlich das ´S` dort zu treffen. Was würde sie auch antworten? Verschieben wir es?
Supergirl hat eindeutig Panik bekommen. Sie wollte diese Verabredung nicht. Es war auch zu lächerlich, eine Verabredung zwischen einer Super und einer Luthor. Was dachte sie sich bloß?
Später als Lena nahezu die ganze Flasche Wein geleert hat und in Selbstmitleid zerflossen ist, schaltet sie den Fernseher ein um die Stille zu durchbrechen, ihre lauten Gedanken zu übertönen. Und sich in den Schlaf lullen zu lassen. Sie ist viel zu betrunken, um sich das Programm anzusehen und daher legt sie sich direkt auf die Couch und macht die Augen zu. Sie hofft auf den erlösenden Schlaf.
Doch ein Wort dringt immer wieder in ihr Bewusstsein, das der Nachrichtensprecher verkündet.
Supergirl ist zur Hilfe gekommen. Das schwerste Grubenunglück in der Geschichte. Supergirl hat unaufhörlich die `Kumpels` aus der Grube gerettet. Ohne Supergirl wären alle verschüttet und gestorben.
Lena öffnet ihr Auge. Erst eines, runzelt die Stirn, dann das Andere. Ihre zusammengekniffenen Augen starren in das Bild, das sich ihr zeigt. Supergirl, die in die eingestürzte Grube fliegt und einen Arbeiter rettet, in dem sie ihn rausfliegt. Sofort verschwindet sie wieder und holt den nächsten, erhält Applaus und Händeschütteln. Mit Tränen in den Augen berichten die Arbeiter von dem Unglück.
Deshalb hat Supergirl sie versetzt. Es war mit einem Mal so klar, was sollte sonst Supergirl dazwischen gekommen sein als ein Weltuntergang, ein Verbrechen, oder ein Grubenunglück. Supergirl ist eine Heldin! Lena schlägt sich die Hand auf den Kopf, vielleicht um sich etwas Verstand einzubläuen. Sie steht auf und schwankt Richtung Küche, um den letzten Rest des übrigen Wein in die Spüle zu kippen. Igitt nie wieder Alkohol. Sie wirft einen Blick auf das Chaos, das sie hier veranstaltet hat und zuckt gleichgültig mit den Schultern. Das kann sie morgen beseitigen, höchste Zeit ins Bett zu gehen und den Schlaf der Toten zu halten.
Da klopft es an ihre Terrassentüre. Erschrocken dreht sie sich so schnell auf dem Absatz um, dass sie beinahe stürzt. Dann sieht sie Supergirl am Himmel, sie schwebt einen Meter über dem Boden ihrer Dachterrasse. Neben ihr ist ein weiteres Supergirl. Es gibt zwei Supergirls? Kurz dachte sie schon, sie hätte noch ein drittes Supergirl gesehen, aber sie hat sich getäuscht. Gott sei dank waren es nur zwei. Wie viel hat sie getrunken?
„Miss Luthor, darf ich einen Augenblick eintreten?"
Lena tritt ein paar Schritte näher und blickt zwischen den beiden Supergirls's hin und her. Da ist Ruß auf beiden Gesichtern und auf den Anzügen, die einiges abbekommen haben.
„Ich mache Euch auf," antwortet Lena und öffnet die Türe nur um anschließend gegen die Glastüre zu laufen und sich den Kopf schwer zu stoßen. Sie hat das zweite Glas, das Sicherheitsglas vergessen.
„Fuck," entfährt es ihr und Supergirl ist in Windeseile bei ihr und fängt sie auf.
„Das sah übel aus, Sie sollten sich einen Moment ausruhen." Supergirl hebt sie mit Leichtigkeit hoch und Lena findet sich vollständig in ihren Armen. Sie schmiegt ihren schmerzenden Kopf an Supergirls Schulter und seufzt. So lies es sich besser aushalten und tat weniger weh.
„Du riechst so gut, ein wenig verbrannt. Knusprig, zum anbeißen", säuselt, Lena und versucht ein sexy Lächeln von sich zu geben, aber es endet mit einem schmerzverzerrten Gesicht.
„Schhhh, Lena. Nicht sprechen." Wie befohlen bleibt sie still, während sie in Supergirl's Armen liegt und verträumt zu ihr aufsieht. Dabei bemerkt sie wie ihr halb geöffnetes Kleid von der Schulter rutscht und den Blick ein wenig auf ihren mit Spitze besetzten BH frei gibt. Lena findet das sexy und beobachtet Supergirl unter strengen Lidern. Ob Sie einen Blick riskiert?
Doch Supergirl ist an der Couch angekommen und lässt sie vorsichtig hinab gleiten und somit aus ihren starken Armen. Lena schmollt. Sie versucht, den bestmöglichen Schmollmund und dieses Mal lässt Supergirl ihren Blick auf Lena's Lippen fallen. Erwischt!
„Wo ist das zweite Supergirl?", fragt Lena und sieht sich um. Sie war verschwunden.
Supergirl blickt sie amüsiert an. „Sie haben einiges getrunken und sich eben ziemlich den Kopf gestoßen. Am besten sie schließen jetzt die Augen, dann wird es Ihnen morgen bald besser gehen." Sie nimmt die Decke von der Couch und bedeckt Lena damit. Doch ehe sie Anstalten macht sich von der Couch zu erheben, greift Lena nach ihrem Arm und hält sie fest im Griff.
„Ich weiß, wieso du mich versetzt hast. Ich habe gesehen, wie du die Menschen aus der Grube gerettet hast. Das war suuuper," sagt Lena und merkt wie ihre Augen schlagartig schwer werden vor Müdigkeit. „Im Kühlschrank ist Tiramisu," fügt Lena schläfrig hinzu undt kuschelt sich in die Decke. „Bitte nimm dir davon." Langsam driftet sie ab.
„Ich habe es extra für dich gemacht," flüstert sie, bevor sie endlich in den Schlaf der Traumlosen findet.
