In dieser Fanfiction verarbeite ich die ersten Leaks zu Resident Evil 8. So stelle ich mir vor, wie die Gerüchte vielleicht zu einer Story verarbeitet werden könnten. Romantik gibt es diesmal nicht, dafür Horror, Action und ein durchschlagendes Duo. :) Ich wollte außerdem auch schon länger mal eine Fanfic mit HUNK als Hauptfigur schreiben. Da ich in letzter Zeit viel RE4 gespielt habe, kommt viel Inspiration von der Geschichte dieses Spiels. Viel Spaß beim Lesen!


Chris Redfield hatte schon ein ganz mieses Gefühl, als ihn um halb sechs Uhr morgens sein Handy aus dem Schlaf riss und Clive O'Brian ihn bat, sofort ins Büro zu kommen. Das nagende Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war, begleitete ihn auf dem ganzen Weg zur B.S.A.A.-Zentrale und auch, als er die Treppen nach oben in den Konferenzraum erklomm, wo sein Vorgesetzter bereits auf ihn wartete. Chris' Verdacht wurde bestätigt, als er sah, dass per Videokonferenz Veronica von BlueUmbrella zugeschaltet war.

Sie hatten 2017 zusammengearbeitet, als Chris Lukas Baker gejagt hatte. Veronica war sein Funkkontakt gewesen und hatte ihn bei seiner Mission begleitet. Er hatte bis heute nicht ihr Gesicht gesehen und er musste zugeben, dass er ein komplett anderes Bild von ihr in seiner Vorstellung gehabt hatte.

Die Veronica, die er sich zu ihrer Stimme vorgestellt hatte, war nicht so jung wie die Frau, die er gerade vor sich hatte. Und auch nicht so attraktiv.

Veronica hatte lange haselnussbraune Haare und trug eine Brille. Sie lächelte Chris freundlich zu.

„Guten Morgen, Christopher", begrüßte O'Brian ihn freundlich. „Setz dich bitte."

„Morgen", sagte Chris, zog seine braune Lederjacke aus und hängte sie über eine Stuhllehne.

„Ich mach es besser kurz, Chris", sagte Veronica, während Chris sich setzte. „Wir haben einen neuen Fall."

„Die Connections?", fragte Chris sofort. Auch wenn es BlueUmbrella und der B.S.A.A. gelungen war, der Organisation empfindlichen Schaden zuzufügen, hatten sie es noch nicht geschafft, sie vollständig zu zerschlagen. Chris hatte die letzten drei Jahre seiner Arbeit hauptsächlich mit Ermittlungen gegen die Connections verbracht und er war für jeden Hinweis dankbar.

„Das wissen wir noch nicht", sagte O'Brian. „Wir haben im Moment nur spärliche Informationen zur Verfügung." O'Brian reichte Chris eine dünne Akte.

„Und um was geht es?", fragte Chris, schlug die Akte auf und besah sich die beiden Dokumente und die Fotos. „Nordosteuropa?"

„Ja, uns sind dort verdächtige Aktivitäten aufgefallen", sagte Veronica. „Du sollst hinfliegen und sie untersuchen, Chris."

„Was für verdächtige Aktivitäten?", wollte Chris wissen.

„Das ist eine etwas längere Geschichte", sagte Veronica.

Plötzlich wurde eine zweite Person zugeschaltet. Es war Norman Jackson, der Generalstaatsanwalt. Chris hatte schon ein paar Mal mit ihm zu tun gehabt und schätzte ihn als sehr kompetenten Mann ein, auch wenn sich nicht entscheiden konnte, ob ihm Jackson nun sympathisch war oder nicht. Er hatte damals die Prozesse gegen Morgan Lansdale und die Terragrigia-Terroristen erfolgreich geführt und sich damit weltweit einen Namen im Kampf gegen Bioterrorismus gemacht. Chris glaubte auch, sich erinnern zu können, dass er bei den Ermittlungen gegen die Umbrella Corporation eine Rolle gespielt hatte.

„Guten Morgen, Mr. Redfield, schön, Sie mal wieder zu sehen, auch wenn es unter diesen Umständen sein muss", sagte Jackson.

„Staatsanwalt Jackson, was verschafft mir die Ehre?", fragte Chris.

„Haben Sie schon mal von Paul M. Schiffer gehört?", fragte Jackson.

„Ist mir nie untergekommen", meinte Chris, der den Namen tatsächlich noch nie gehört hatte. „Hat der mit unserem Fall zu tun?"

„So vermuten wir", erklärte Jackson. „Schiffer ist ein Sektenführer, der mit seinen Anhängern in einer Art Kommune gelebt hat. Er hat sich in den Vereinigten Staaten des mehrfachen Kindesmissbrauchs und Betruges schuldig gemacht. Meine Behörde hat jahrelang gegen ihn ermittelt, aber wir konnten ihn nie dingfest machen. Anfang der 2000er-Jahre hat er sich in den Norden Russlands abgesetzt und ist seitdem untergetaucht. Die Vermutung liegt nahe, dass ihm einige seiner Anhänger dorthin gefolgt sind. Womöglich hat er dort eine neue Kommune gegründet."

Chris sah von Jackson zu Veronica. „Ich soll Schiffer nachspüren?"

„Ganz recht", erklärte Veronica. „Wir haben die Vermutung, dass er sich bei diesen Koordinaten im Norden Russlands aufhält."

„Ich verstehe nicht ganz, was das mit der B.S.A.A. zu tun hat", musste Chris ehrlich zugeben.

„Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, Chris", sagte O'Brian. „In der Gegend, in der wir Schiffer vermuten, sind in den letzten Jahren viele Leute verschwunden. Es heißt, dass es geheime Treffen und Rituale gibt. Man hat Symbole gefunden und Leichen, die so zugerichtet waren wie …"

„Wie die in Raccoon City", sagte Veronica.

O'Brian reichte Chris einen Ordner mit weiteren Fotos. Chris kam sich wie in einem Déjà-vu vor. Die Menschen auf den Bildern waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden und erinnerten Chris ganz stark an die Leichen von den Wanderern, die er und seine Kollegen damals im Sommer 1998 in Raccoon City untersucht hatten. Er musste für einen Moment seinen Blick abwenden. Glücklicherweise hatte er nicht gefrühstückt. Auf den anderen Fotos sah man alle möglichen Symbole, von denen Chris nur die Pentagramme erkannte. Das größte und auffälligste Symbol sah aus wie eine Schlange mit Greifarmen.

„Was ist das? Was hat diese Leute getötet?", fragte er, angewidert von dem Anblick.

„Wir vermuten, irgendwelche Raubtiere. Die Bisse sind nicht menschlich", erklärte Veronica besorgt. „Aber wir konnten sie auch keinem bekannten Tier zuordnen. Vielleicht neuartige B.O.W.s."

„Alle Symbole konnten wir mit Ausnahme dieser seltsamen Schlange auf Schiffers Sekte zurückführen", erklärte Staatsanwalt Jackson. „Das war die Bestätigung für uns, dass er sich dort aufhalten muss."

„Ich soll ihn aufspüren und festnehmen?", wollte Chris wissen. „Ist er in bioterroristische Aktivitäten verwickelt?"

„Das wissen wir nicht", sagte O'Brian. „Genau deshalb muss die B.S.A.A. die Sache untersuchen. Du bist unser bester Mann, Chris."

„Verstehe. Wann fliege ich?"

„Heute Mittag", sagte Veronica.

„Werde ich mit Ihren Leuten zusammenarbeiten?", fragte Chris.

„Fast", meinte Veronica mit einem Grinsen.

„Nicht direkt", sagte O'Brian, wobei er ein wenig herumdruckste. Irgendetwas schien ihm unangenehm zu sein. Er gab sogleich Staatsanwalt Jackson das Wort.

„Es gibt ein paar Gerüchte aus der Gegend. Die russischen Behörden haben uns berichtet, dass sich Menschen ähnlich verhalten wie die Ganados aus Spanien. Genau um das zu verifizieren, ist es so wichtig, Chris, dass Sie die Sache untersuchen. Sie werden auch nicht allein sein. Sie werden mit einem Partner zusammenarbeiten", erklärte Jackson.

„Einem Partner?", fragte Chris interessiert. Normalerweise leitete er eine Einheit bestehend aus mehreren Soldaten der B.S.A.A. Er hatte nur ein paar Mal mit einem Partner als Duo zusammengearbeitet und meistens mit seiner Frau Jill. Nach ihrer Befreiung aus Afrika hatte sich Jill jedoch von ihrer Arbeit bei der B.S.A.A. zurückgezogen, sodass er fortan allein oder als Alpha-Team-Leiter operiert hatte.

„Sagen Sie ja nicht mit Leon." Eine Zusammenarbeit mit Leon wäre unter den gegebenen Umständen am sinnvollsten gewesen. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dann war es hilfreich, Leon, der schon in Spanien mit den Ganados und Las Plagas zu tun gehabt hatte, dabei zu haben.

„Nein, nicht mit Mr. Kennedy, auch wenn wir darüber nachgedacht haben, Sie beide zuschicken. Mr. Kennedy ist der beste Agent, den die Regierung hat."

Chris und Leon kamen ganz gut miteinander aus. Sie hatten im Kampf gegen Glenn Arias zusammengearbeitet. Chris wusste, wie fähig Leon war. Sie hatten sich etliche Jahre nicht gesehen und es gab ein paar Unstimmigkeiten zwischen den beiden Männern wegen einer Frau namens Ada Wong.

„Nein, uns hat sich eine bessere Gelegenheit geboten, die wir ergreifen mussten. Sie werden einen anderen Partner an die Seite gestellt bekommen. Wir waren schon seit dem Zusammenbruch von Umbrella hinter ihm her", sagte Jackson und aus seiner Stimme war eine gewisse Genugtuung herauszuhören. „Er ist uns fast 20 Jahre lang immer wieder entwischt, aber vor kurzem ist es uns endlich gelungen, ihn zu fassen. Er sitzt im Moment noch in einem Bundesgefängnis in Untersuchungshaft."

„Und wer ist dieser ominöse Jemand?", fragte Chris, der zugegeben neugierig wurde.

„Er ist seit Anfang der 2000er-Jahre ein freischaffender Söldner. Er ist ein ehemaliger Umbrella-Agent vom Umbrella Security Service U.S.S. mit dem Codenamen HUNK", sagte Veronica.

„Moment mal!", meinte Chris und richtete sich in seinem Stuhl auf. „Ich soll mit einem Umbrella-Agenten zusammenarbeiten?! Mit einem Söldner?! Sie verarschen mich doch gerade?" Er sah zu O'Brian, doch dieser schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, Chris."

„Der Mann ist eine Legende", sagte Veronica. „Einen besseren findet man praktisch nicht. Er hat sich während seiner Zeit bei Umbrella den Ruf erarbeitet, von jeder noch so gefährlichen Mission unbeschadet zurückzukommen. Er erledigt jeden Auftrag, egal wie schwierig er ist. Man nannte ihn damals den Sensenmann oder Mr. Death, weil er immer als Einziger überlebt hat."

Chris sah zwischen Veronica, Jackson und O'Brian hin und her und wartete darauf, dass jemand ihm sagte, dass er gerade veralbert wurde und in Wirklichkeit doch mit Leon zusammenarbeiten musste. Aber nichts dergleichen geschah. Sein schlechtes Gefühle hatte ihn schon beim Aufstehen gewarnt, dass wohl etwas auf ihn zukommen sollte, was ihm nicht gefallen würde.

„Sie meinen das wirklich ernst, oder? Ich soll wirklich mit diesem Kerl zusammenarbeiten."

„Ja, Chris. Ihr werdet euch heute noch kennenlernen", sagte Veronica. „Ich versichere dir, Chris, er ist äußerst kompetent. Er versteht sein Handwerk."

„Wenn Sie so lange hinter ihm her waren und froh sind, dass er im Gefängnis sitzt", meinte Chris etwas erstaunt, „warum lassen Sie ihn dann wieder raus? Was für ein Spiel läuft da?"

Er hatte genug Erfahrung mit Bürokraten und Politikern gemacht, um zu wissen, wann er kritisch nachhaken musste.

Veronica rang mit sich. Ihr war anzumerken, dass sie sich unwohl fühlte.

„Wir mussten … abwägen", sagte Jackson und klang dabei genau wie der Technokrat, der er war. „Die Kenntnisse und Fähigkeiten dieses Mannes können nicht ungenutzt bleiben. Wir wollen daraus Kapital schlagen."

„Und lassen Sie mich raten", meinte Chris, „Sie haben irgendeinen schmutzigen Deal mit ihm gemacht, oder?"

„Wenn Sie es so ausdrücken wollen, ja", antwortete Jackson knapp. „Wir haben ihm Immunität zugesagt, wenn er für uns arbeitet. Dass er Agent für uns wird, war die Voraussetzung dafür, dass er freikommt und nicht für den Rest seines Lebens ins Gefängnis geht."

Chris stöhnte auf. „Das darf doch nicht wahr sein. Was hat er dazu gesagt?"

„Er hat wie erwarten abgelehnt, also mussten wir unserer Forderung ein bisschen mehr Nachdruck verleihen", sagte Jackson.

Veronica war peinlich berührt. Chris wandte sich nun an sie und sah sie mit forderndem Blick an. „Wir haben seine Frau und seine beiden Töchter in Gewahrsam. Deshalb hat er zugesagt. Wir lassen sie wieder gehen, wenn …"

Chris spürte, wie die Wut in ihm hochkochte. „Das sage noch mal einer, wir seien die Guten. Wir sind auch nicht besser als diese Leute."

„Das ist Ihre persönliche Meinung, Mr. Redfield. Manchmal muss man eben tun, was nötig ist", sagte Jackson hart. „Sie treffen Agent HUNK noch heute Vormittag. Dann fliegen Sie gemeinsam."

Chris hatte sich in diesem Moment entschieden: Er konnte Norman Jackson nicht leiden.

„OK. Ich habe verstanden. Was hat dieser Mann drauf? Wenn ich da raus gehe und nicht weiß, mit was ich es zu tun habe, dann muss ich wissen, ob ich mich auf den Kerl verlassen kann", sagte Chris. „Ich hoffe, Sie wissen, dass es verdammt heikel ist, jemanden auf so hinterhältige Weise zu erpressen und dann von ihm zu erwarten, dass er brav mitspielt."

„Wir wissen, wie heikel die Situation ist", sagte Veronica schuldbewusst. „Ich versichere dir, dass HUNK der Beste ist, den man finden kann. Der Mann ist eine tödliche Waffe. Er wurde für Gefahrensituationen mit Virenausbrüchen speziell ausgebildet und er weiß, wie man mit B.O.W.s umgeht. Er hat Raccoon City überlebt und er war 2004 auch in Spanien. Den Kerl überrascht nichts. Egal, auf was ihr in Russland treffen werdet, dieser Mann wird damit fertig. Einen fähigeren, verlässlicheren Partner findest du nicht."

Chris wollte lieber nicht nachfragen, warum dieser HUNK überhaupt in der Stadt oder in Spanien gewesen war. Es behagte ihm sogar nicht, dass er gezwungen war, mit jemanden, der er nicht kannte, auf einem so schwierigen Einsatz zusammenzuarbeiten. Natürlich hatte er auch Sheva nicht gekannt, bevor sie sich in Afrika begegnet waren, aber Sheva war immerhin eine Kollegin von der B.S.A.A. gewesen und keine gesuchte Verbrecherin. Dieser HUNK war ein Söldner und wenn Chris eines gelernt hatte, dann dass man Söldnern nicht vertrauen konnte. Fast wäre es ihm noch lieber gewesen, seine Leute hätten ihm eröffnet, dass er mit Jake Muller, Albert Weskers Sohn, zusammenarbeiten sollte. Dass Jake ein fähiger Bursche war, dass hatte Chris hautnah erleben dürfen und die beiden pflegten heute ein fast freundschaftliches Verhältnis.

„Wie genau wird der Einsatz ablaufen? Gibt es einen Plan, wenn wir so wenig Informationen haben?", fragte er.

„Die russischen Behörden haben bereits grünes Licht für den Einsatz gegeben. Sie werden uns zum Zielort begleiten. Meine Leute setzen dich und HUNK in der Nähe ab", sagte Veronica. „Der Zeitplan sieht vor, dass ihr höchstens 24 Stunden in der Gegend bleiben werdet. Ihr werdet so viel über die Gegend in Erfahrung bringen, wie nur möglich. Prüft die Gerüchte nach und seht, ob ihr Schiffer aufspüren könnt. Da wir nicht wissen, ob wir es mit Bioterrorismus zu tun haben, müsst ihr alles genauestens untersuchen und Proben nehmen. Ich werde dabei die ganze Zeit mit euch von der Zentrale aus Kontakt halten."

„Wir werden auch mit euch in Verbindung stehen", sagte O'Brian. „Eure Ausrüstung wird gerade vorbereitet."

„Euer Flug geht heute Mittag. Sei pünktlich, Chris", sagte Veronica.

Chris schnaubte. Das konnte ja heiter werden.