Kapitel 5. Mehr als nur Formalitäten

Die Rückkehr vom Grimmauldplace hätten Harry und Hermine kaum besser timen können. Keine fünf Minuten nach ihrer Ankunft kehrte Mrs. Weasley heim, nachdem sie begleitet von Bill und Fleur als Sicherheitseskorte einen dringend überfälligen Wocheneinkauf erledigt hatte, der beim besten Willen keinen Tag Aufschub mehr zugelassen hatte. Anschließend hatte sie sich sofort an das Zubereiten des Abendessens gemacht. Eine Stunde später, nachdem auch Mr. Weasley nach einem wieder einmal überlangen Arbeitstag heimgekommen war, saß die gesamte Familie inklusive Charly, Bill und Fleur, aber ohne Percy (Überstunden) und Ginny (gemäß Hermine schweres Unwohlsein, auch wenn Harry an der Geschichte gewisse Zweifel hegte) am Küchentisch und aß zu Abend.

Zunächst verlief das Essen ohne nennenswerte Ereignisse, bis schließlich Mr. Weasley zwischen Hauptgang und Nachspeise verkündete, dass Kingsley Shacklebolt, der das Amt des provisorischen Zaubereiministers innehatte, ihn am Vormittag in sein Büro gerufen habe, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Dabei sei es neben ein paar internen Ministeriumsinterna, die Mr. Weasley aus Gründen der Geheimhaltung nicht ausbreitete, primär um zwei Kernaspekte gegangen: Einerseits habe Kingsley ihm das derzeit vakante Amt des Stellvertretenden Aurorenchefs angeboten (eine vor allem administrative Aufgabe, die viel Ministeriumserfahrung erfordere, weswegen der Job auch von Hexen und Zauberern ohne spezifische Aurorenausbildung ausgeübt werden könne), andererseits sei es um Harry und einige mit der Volljährigkeit einhergehende Formalitäten gegangen, die angesichts der Wirren des Krieges bisher noch ausstanden. Da sich beide schnell einig gewesen waren, dass es angesichts der noch immer heiklen Sicherheitslage derzeit keine gute Idee sei, Harry ins Ministerium zu schicken, um dort einen gewöhnlichen Behördengang zu absolvieren, und sich Mr. Weasley ohnehin etwas Bedenkzeit für seine Jobentscheidung erbeten hatte, waren sie übereingekommen, dass Kingsley den Weasleys nach dem Abendessen einen Besuch abstatten würde, um die Angelegenheiten im kleinen Kreis zu besprechen.

Das war nun etwa vier Stunden her. Die Uhr in Rons Zimmer zeigte Viertel vor Elf an und Harry, der weiterhin nicht wusste, um welche Formalitäten es genau ging, tigerte seit mindestens eine halben Stunde rastlos durch Rons Zimmer. Für Hermine und Ron war das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits waren sie froh über die Ablenkung für Harry, dessen Stimmung sich wegen der Vorfreude auf Kingsley wieder leicht aufgehellt hatte (oder war das auf Hermines Trost zurückzuführen?), andererseits trieb er sie mit seinem Kreiseziehen in der beengten Stube unter dem Dach allmählich in den Wahnsinn.

„Verdammt Harry", maulte Ron, „du machst mich ganz kirre! Kannst du dich nicht einfach auf deinen Arsch setzen wie jeder andere Mensch auch um diese Zeit? So wie du gerade trippele ich nicht mal morgens vor Bad herum, wenn Ginny es für ihre ganzen Schmink- und Styling-Zauber blockiert..."

Hermine, die im Schneidersitz neben Ron auf dem Bett saß und in ein Buch über Familiengeschichte von Zauberern vertieft war, sah kurz von ihrer Lektüre auf.

„Ja, weil Ginny bereits eine Stunde aus dem Bad draußen ist, wenn du aufstehst."

Harry grinste, während sich Ron über Hermines trockenen Kommentar mokierte.

„Du könntest dich aber wirklich endlich setzen", sagte Hermine dann wieder in normalem Ton zu Harry. „Kingsley wird schon noch auftauchen."

Harry seufzte.

„Ja, ja das wird er. Es ist halt nur, es ist schon so spät."

Hermine rollte mit den Augen.

„Er ist amtierender Zaubereiminister, Harry. Was erwartest du? Dieses Amt ist schon unter normalen Umständen ein 24-Stunden-Job. In der jetzigen Lage kurz nach einem Krieg, nach Übernahme des Ministeriums durch Todesser und mit der derzeitigen Notbesetzung in allen wichtigen Ministerien hat sich das Arbeitspensum geradezu potenziert. Alleine dass er sich hier angekündigt hat und sich Zeit für dich und Mr. Weasley nimmt, ist ein großes Zeichen, denn es wird ihm nicht leicht gefallen sein, dafür einen Platz in seinem Terminkalender frei zu machen. Und irgendwann muss selbst er auch mal schlafen."

„Das weiß ich alles, Hermine", erklärte Harry, „es ist nur..."

In diesem Moment hörten sie draußen die vertraute tiefe Bassstimme, und Harry stürzte zur Tür und die Treppe hinunter, so schnell er nur konnte.

„Kingsley!", begrüßte er den ranghöchsten Zauberer im Königreich euphorisch, um am irritiert-tadelnden Gesichtsausdruck seiner beiden Leibwächter sofort seinen Fauxpas zu bemerken. „Äh, tut mir leid! Ich meine natürlich Zaubereiminister Shacklebolt!"

Kingsley, der mit dem Rücken zur Treppe stand, drehte sich in Richtung Harry und reichte ihm die Hand. In seinem Gesicht war die Freude (oder war es Erleichterung?), Harry wieder zu sehen, klar erkennbar.

„Harry! Es tut gut dich wohlbehalten und munter zu sehen! Es gibt auch keinen Grund für die ganzen protokollarische Gepflogenheiten. Ich bin sogar ganz froh, wenn ich ab und an mal um die Formalitäten herumkomme. Für dich weiter Kingsley, Harry!"

Harry nahm den Händedruck an und strahlte.

„Abgemacht, Kingsley!"

Kingsleys freudiges Gesicht wurde wieder ernst.

„Ohne dich, Harry, wäre ich jetzt kein Zaubereiminister. Es ist beispiellos, was du in deinen jungen Jahren bereits geleistet hast."

In diesem Moment kamen auch Hermine und Ron, sowie wenige Sekunden später Ginny die Treppe heruntergeeilt und wurden von Kingsley ebenfalls mit kurzem Smalltalk begrüßt. Kingsley sah Mr. Weasley an und kam sofort zur Sache:

„Arthur, angesichts der bereits fortgeschrittenen Zeit ist es wohl das klügste, dass ich zunächst mit Harry rede und wir unsere Besprechung erst im Anschluss abhalten. Bist du damit einverstanden?"

Nach einer kurzen Rücksprache mit Mrs. Weasley – Harry meinte dabei ein besorgt-bemutterndes „Die Kinder müssten eigentlich längst schlafen" von ihr vernommen zu haben – und einer Erklärung von Harry, dass er Ron und Hermine bei sich haben möchte, machten es sich Kingsley und das Trio am Esstisch in der Wohnküche bequem, während sich der Rest der Familie Weasley zurückzog. Harry fühlte sich unweigerlich an die Zusammenkunft mit dem damaligen Zaubereiminister Scrimgeour erinnert, die nahezu ein Jahr zuvor an der gleichen Stelle stattgefunden hatte, damals allerdings unter anderen Vorzeichen und mit deutlich anderer Stimmungslage. Als alle Weasleys außer Sichtweite waren, sprach Kingsley fast beiläufig einen Muffliato-Zauber, worauf Harry, Ron und Hermine verschwörerisch grinsende Blicke austauschten.

„Ich glaube nicht, dass es nötig war, aber dieser Zauber gehört einfach zur Standardvorgehensweise bei vertraulichen Angelegenheiten", erklärte Kingsley, der die Blicke des Trios natürlich bemerkt hatte. „Schon lange vor dem Krieg. Da ihr drei da seid, können wir auch gleich mit etwas Erfreulichem anfangen."

Kingsley räusperte sich, setzte sich aufrecht und nahm eine formale Haltung an.

„Harry James Potter, Hermine Jean Granger, Ronald Bilius Weasley, im Namen des Zaubergamots, des Zaubereiministeriums und aller Zauberer und Hexen in diesem Königreich spreche ich euch den höchsten Dank aus für eure Leistungen in den zurückliegenden dunklen Monaten im Kampf gegen Lord Voldemort! Wir alle stehen tief in eurer Schuld! Ich freue mich daher, euch mitteilen zu dürfen, dass ich in meiner Funktion als Zaubereiminister heute morgen einen förmlichen Antrag eingereicht habe, euch dreien mit dem Orden des Merlin erster Klasse auszuzeichnen. Über die Verleihung bestimmt das Zaubergamot, ich glaube aber, ich nehme nicht viel vorweg, wenn ich vermute, dass die Bewilligung des Antrages angesichts eurer Taten eine reine Formalität sein wird."

Harrys Augen wurden groß, doch noch bevor er etwas sagen konnte, hörte er Ron, aus dem seine Verblüffung förmlich herausplatzte.

„Ich fasse es nicht, der Merlin-Orden! Wir sind reich! George meinte mal, der Merlinorden ist 10.000 Galeonen wert!"

„Ron!", zischte Hermine empört. „Beim Merlin-Orden geht es nicht ums Geld! Das ist die höchste Ehre, die ein Zauberer in diesem Land nur erhalten kann! Eine solche Würdigung rein finanziell zu betrachten ist erbärmlich! Zeig mal bisschen Respekt!" Dann wandte sie sich direkt an Kingsley. „Zaubereiminister, wir fühlen uns zutiefst geehrt durch diese äußerst großzügige Auszeichnung!"

Harrry und Ron stimmten ein und bedankten sich ebenfalls für die Nominierung. Kingsley begann zu schmunzeln, überspielte den groben Schnitzer von Ron aber routiniert mit diplomatischem Geschick.

„Ihr habt beide Recht. Der Orden ist tatsächlich mit 10.000 Galleonen dotiert, der eigentliche Wert besteht aber nicht im monetären, sondern im ideellen Sinn. Üblicherweise findet die Verleihung im Festsaal des Ministeriums vor voll versammeltem Zaubergamot statt. Allerdings ist fraglich, ob das dieses Jahr angesichts der derzeitigen Sicherheitslage möglich sein wird. Ich halte euch da aber auf dem Laufenden. Der weitere Verlauf wird nun aber vom Zaubergamot bestimmt. Möglicherweise wird die Verleihung auch erst nach den nächsten Wahlen im nächsten Frühjahr stattfinden, da dieses Gremium leider ebenfalls stark unter dem Krieg gelitten hat und mehrere Posten derzeit vakant sind."

Die Art und Weise, wie Kingsley den letzten Satz aussprach, machte klar, was mit den vorherigen Mitgliedern passiert war.

Kingsley räusperte sich, so als wollte er die aufgekommenen Gedanken in seinem Kopf übertönen. Er öffnete seinen Aktenkoffer, der bisher neben ihm gelegen hatte, und holte zwei Formulare mit Siegeln hervor, die er Harry und Ron in die Hand drückte. „Hier ist noch eine Kleinigkeit: Betrachtet euren Appariertest hiermit als erfolgreich absolviert. Wie ich vernommen habe, seid ihr im Apparieren nicht nur äußerst geschickt, sondern inzwischen auch sehr erfahren, sodass ein weiterer praktischer Test wohl verzichtbar ist."

Harry und Ron bedankten sich abermals bei Kingsley, während Hermine, die ihren Lizenz ja bereits in ihrem sechsten Schuljahr erhalten hatte, für eine Sekunde so aussah, als wollte sie gegen dieses schamlose Übergehen eines exorbitant wichtigen Tests protestieren. Letztendlich schloss sie ihren bereits geöffneten Mund aber sogleich wieder ohne etwas zu sagen, auch wenn sie nicht so aussah, als freute sie sich überschwänglich über diese Lizenzerteilung via kurzem Dienstweg.

„Das ist aber nicht der Grund, weswegen ich hierher gekommen bin", fuhr Kingsley fort, und seine plötzlich etwas anders klingende Stimme irritierte Harry. Harry drängte sich der Verdacht auf, dass nun etwas Unangenehmes kommen würde. Um ehrlich zu sein, er hatte schon länger damit gerechnet. Immerhin war es doch mehr als nur ungewöhnlich, dass Dumbledore drei blutjunge Schüler, sogar für Zauberermaßstäbe gerade erst volljährig geworden, mit einer so wichtigen Aufgabe wie dem Kampf gegen Voldemort beauftragte, von den Geheimnissen um die Horkruxe ganz zu schweigen. Harry fürchtete, dass trotz aller Geheimhaltung auf Seiten des Trios etwas durchgedrungen sein könnte. Denn natürlich ging Harry davon aus, dass im Ministerium neben so bösartigen wie heillos überforderten Leuten wie Umbridge – bei dem Gedanken lief ihm ein Schauer über den Rücken und sein Blick wanderte unwillkürlich auf seine Hand – auch hochkompetente Zauberer und Hexen im Ministerium beschäftigt sein mussten, die möglicherweise mehr als nur einen groben Verdacht hegten, weshalb sich Voldemort so unbesiegbar wähnte. Es konnte doch nicht sein, dass einzig und alleine Dumbledore die Wahrheit kannte, jeder andere aber völlig im Dunklen tappte. Oder?

Kingsley sah Harry nun direkt an.

„Ich bin auch hier, um einen schwerwiegenden Fehler im Ministerium zu korrigieren", erklärte er. „Einen Fehler, der dich betrifft, Harry."

„Einen schwerwiegenden Fehler, der mich betrifft", fragte Harry, die Worte Kingsleys wiederholend. Das klang nicht gut, im Gegenteil, es klang sogar sehr bedrohlich. Es klang aber auch nicht nach dem aufgedeckten Horkrux-Geheimnis, weswegen ihm doch ein kleiner Stein vom Herzen fiel. Doch als Harry sah, wie Hermine Kingsley mit vor Sorgen zerfurchter Stirn ansah, auch Ron mehr als nur unruhig wirkte, fühlte er eine große innere Anspannung aufkommen, die seine Eingeweide förmlich zu zermalmen drohte.

„Ja, aus irgendwelchen bisher unbekannten Gründen wurde ein wichtiger Verwaltungsakt nicht durchgeführt. Dafür möchte ich mich offiziell entschuldigen."

„Ein Verwaltungsakt?"

Für Harry klang das nicht nach einer Angelegenheit, die eine offizielle Entschuldigung des höchsten Mannes in der britischen Zaubererwelt notwendig machte. Doch Kingsley war es offenbar sehr wichtig.

„Harry", sagte er mit nun fast einfühlsamer Stimme, „hast du den Artikel von Rita Kimmkorn gelesen, der kürzlich im Tagespropheten stand?"

Harrys Blick schoss zu Hermine, die ebenso rasch Augenkontakt mit ihm gesucht hatte wie er mit ihr, dann zurück zu Kingsley. Sofort kochte wieder kalte Wut in ihm hoch angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die dieses bösartige Biest von Boulevard-"Berichterstatterin" über ihn verbreitet hatte.

„Ja", war das einzige, das Harry mit fest zusammengekniffenen Zähnen herauspressen konnte.

„Lass dich davon nicht einschüchtern oder gar verärgern", sagte Kingsley schnell, sichtlich überrascht, wie deutlich die Reaktion von Harry, aber auch von Hermine und Ron auf das Stück war. „Der Artikel war Bullshit und jede Sekunde Beschäftigung mit ihm ist eine zu viel. Allerdings war eine einzige wahre Aussage enthalten."

Harry sah Kingsley überrascht an.

„Und die wäre?", frage Hermine, noch bevor es Harry tun konnte. Aus ihrem Gesicht sprach die Überraschung, gepaart mit Sorge und Neugierde.

Kingsley schien kurz nach der passenden Formulierung zu suchen, um diese delikate Angelegenheit nicht unnötig spannend zu machen, nicht nach all dem, was Harry die letzten Jahre erlebt hatte.

„Harry", fragte er nach schließlich, „was weißt du eigentlich über deinen Urgroßvater Henry Potter?"

Harry sah Kingsley überrascht an, mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. Er dachte einige Sekunden nach, um sich an die spärlichen Informationen zu erinnern, die ihm von anderen Menschen erzählt worden waren oder die er – was noch viel seltener vorgekommen war – irgendwo hatte nachlesen können.

„Fast gar nichts", sagte Harry nach einer Weile bitter, als ihm wieder einmal schmerzlich bewusst wurde, wie fremd ihm seine Familiengeschichte eigentlich war. „Faktisch weiß ich nur, dass er mein Uropa war, als reinblütiger Zauberer im Wizengamot saß und dort für etwas Aufregung sorgte. Ach, und laut Kimmkorn" - er sprach den Namen mit ähnlichem Tonfall aus wie Umbridge - „soll er Besen gemacht haben."

Harry spürte, wie eine Hand – es war Hermines – seine ergriff und drückte, um ihm emotionalen Beistand zu spenden. Er bedankte sich mit einem kurzen Seitenblick und sah dann wieder zu Kingsley, der dann auch gleich fortfuhr.

„Diese Information von Kimmkorn ist tatsächlich korrekt", erklärte Kingsley und klang dabei selbst überrascht. „Das ist aber nicht die entscheidende Information hier, Harry. Entscheidend ist, was mit der Besenmanufaktur passierte."

Harry versuchte sich schnell zu erinnern, was Kimmkorn über seinen Urgroßvater und dessen Betrieb geschrieben hatte. In seinen Hirn tauchten die Satzpartikel „kein freiwilliger Verkauf", „persönliche Eskapaden", „außereheliche Affären", „Schweigegeld", „Abfindungen" und weitere hässliche Worte auf, die wohl nur dazu dienten, um ihn zu diffamieren. Doch viel Zeit blieb ihm nicht, denn Kingsley ließ Harry keine Zeit für längere Gedankenstränge.

„Hier liegt Kimmkorn wieder nicht richtig, zumindest nicht ganz. Dein Urgroßvater verkaufte tatsächlich seine Besenmanufaktur, aber aus gänzlich anderen Gründen, als sie schrieb: Es ist so Harry", sagte Kingsley nun bedeutungsschwer „bevor dein Großvater geboren wurde, hatten deine Urgroßeltern schon einmal eine Tochter. Annabel Potter."

Harrys Augen weiteten sich. Eine unbekannte Verwandte?

Kingsley, der diese Reaktion befürchtete hatte, fuhr schnell fort.

„Sie scheint ein Squib gewesen zu sein, wir wurden im Ministerium erst nach ihrem Tod im Jahr 1985 auf sie aufmerksam. Sie erlitt nach unseren Informationen bereits während ihrer Kindheit eine schwere Erkrankung und verbrachte scheinbar den Großteil ihres Lebens in St. Mungo's, wo sie schließlich auch starb. Sie hatte keinerlei Nachkommen."

Harry sackte mit geschlossenen Augen in sich zusammen, als seine frisch aufgekeimten Hoffnungen, doch noch ein lebendes Familienmitglied kennenzulernen, und sei es nur eine entfernte Verwandte, wie Seifenblasen zerplatzten. Daran konnte auch Hermines erneutes Handdrücken, dieses Mal mit beiden Händen, nichts ändern.

„Tut mir leid, Harry, wenn ich falsche Hoffnungen geweckt habe", sagte Kingsley, während Ron ebenfalls sei Mitgefühl ausdrückte, wenn auch in nicht ganz so gewählten Worten.

„Der Punkt ist aber der, Harry", ergänzte Kingsley. „Henry Potter verkaufte seine Besenmanufaktur, um eine Stiftung einzurichten, die sicherstellte, dass immer genug Geld da war, um Annabel zu versorgen. Und sie wurde gut versorgt. Offenbar war sie trotz aller Einschränkungen durch ihre Krankheit und ihre fehlenden magischen Fähigkeiten in St. Mungo's sowohl beim Personal als auch bei anderen Patienten ein sehr beliebter Patient. Laut den Patientenakten war sie unglaublich lebensfroh und immer guter Laune und war schon durch kleinste Zuwendungen glücklich zu machen, z.B. durch persönliche Aufmerksamkeit oder auch einfach dem Servieren des Essens. Was sich auch positiv auf andere Patienten auswirkte. Sie ließ einfach nichts Negatives an sich heran. Selbst noch kurz vor ihrem Tod, als sie die letzten Wochen ihres Lebens ans Bett gefesselt war, nahm sie ihr Schicksal so positiv auf, dass man andere Patienten zu ihr ins Zimmer schob, damit ihre positive Lebenseinstellung auf sie abfärbte."

„D-das ist ist schön", sagte Harry stockend, während sich Tränen in seinen Augen bildeten. Hermines Hand strich über seine, während sie die andere behutsam von ihm löste, um sich mit ihr eine lange Tränenspur aus ihrem Gesicht zu wischen.

„Ich war ebenfalls ergriffen", gab Kingsley zu und Harry fragte sich, ob er Kingsley jemals von Gefühlen hatte reden hören.

„Zurück zum Thema", sagte Kingsley darauf hin wieder mit seinem üblichen Business-Tonfall. „Die Satzung der Stiftung, die Henry für Annabels Pflege gründete, sah vor, dass das verbleibende Vermögen nach ihrem Tod an Henry zurückfließen oder, im Falle seines Ablebens, an alle volljährigen Nachfahren aufgeteilt werden solle. Da du, Harry, der einzige lebende Nachfahre von Henry Potter bist, fließt das Vermögen komplett an dich."

„Du hast noch mehr Geld?", rief Ron perplex aus, nur um von Hermine einen Ellenbogen in die Rippengegend gerammt zu bekommen.

„Ron, du bist so ein taktloser, unsensibler Troll!", schalt Hermine ihren Freund mit leisen, aber umso deutlicheren Worten, worauf Ron ob des Ausbruches merklich zusammenzuckte. „Unglaublich! Denkst du auch einmal nach, bevor du etwas sagst?!"

„Ich hätte lieber Verwandte als Geld", sagte Harry leise und traurig in Richtung Ron, ohne ihm allerdings den Kommentar so übel zu nehmen wie Hermine, die seine Hand nun wieder fester drückte.

Kingsley gab Harry kurz Zeit, um die neu erhaltenen Informationen kurz sacken zu lassen. Als er den Eindruck hatte, dass Harry wieder aufnahmefähig war, fuhr er fort:

„Es gibt da noch etwas Weiteres, Harry. Henry Potter richtete nicht nur die Stiftung für Annabel ein, er besaß auch ein Landhaus, in dem er bis zu seinem Tod lebte."

Harrys Blick, der nach den letzten Informationen Kingsleys Gesicht gemieden hatte, schoss hoch.

„Ein Landhaus?"

„Ja", bestätigte Kingsley. „Hier bist du ebenfalls Alleinerbe. Herzlichen Glückwunsch, Harry!"

Nun war Harry endgültig sprachlos, während in seinem Kopf nun alle mögliche Gedanken, zusammenhängend oder nicht, eine Hetzjagd veranstalteten, gegen die ein Quidditch-Spiel gegen Slytherin in einem Gewittersturm ein müdes Kaffeekränzchen alter Weiber war. Er hatte Verwandschaft, aber tot. Er war noch reicher als gedacht, hatte ein Haus, Kimmkorn hatte tatsächlich bei etwas recht gehabt, das ihn betraf, aber bei vielem anderen wieder nicht, Hermine hielt schon seit mehreren Minuten seine Hand, aber so ungewohnt es war, es fühlte es sich nicht falsch an. Kingsley sprach über etwas weiter, aber Harry bekam es nicht mit. Ron sagte etwas, Hermine fuhr ihn erneut an. Er hatte Verwandschaft, aber tot, dazu ein Haus und noch mehr Geld, aber zu welchem Zweck, Kimmkorn hatte bei etwas Recht gehabt, es war...

„Harry? Noch da?", fragte Hermine schließlich und riss ihn zurück in die Gegenwart.

„Sorry", murmelte Harry, „ich war gerade in Gedanken woanders. Bisschen viel auf einmal..."

Harry zwang sich, seinen Aufmerksamkeit wieder auf Kingsley zu fokussieren.

„Wie kommt es eigentlich", fragte Hermine schließlich Kingsley, „dass Harry erst jetzt benachrichtigt wird bezüglich seines Erbes? Er ist doch schon fast ein ganzes Jahr volljährig. Hätte er nicht bereits letztes Jahr von Zaubereiminister Scrimgeour oder zumindest einem Ministeriumsangstellten informiert werden müssen?"

Ron sah Hermine nickend an.

„Du hast Recht! Solche Angelegenheiten werden immer gleich am Tag der Volljährigkeit gültig. Das ist ein magisches Gesetz!"

Kingsley schüttelte den Kopf.

„Nicht ganz, Ronald. Es ist kein magisches Gesetz, sondern ein Verwaltungsakt des Ministeriums. Dieser allerdings wird von den zuständigen Ministeriumsangestellten immer mit höchster Priorität behandelt, um zu gewährleisten, dass der Akt immer sofort am Tag der Volljährigkeit vollzogen wird. Die für den Briefverkehr zuständigen Eule gehen um Punkt Mitternacht raus, sodass die volljährig gewordenen Zauberer und Hexen pünktlich zum Frühstück alle erforderlichen Dokumente vorliegen haben. Wieso das bei dir nicht erfolgte, Harry, ist gegenwärtig Gegenstand einer Untersuchung, die bisher allerdings noch keine Ergebnisse gebracht hat. Klar ist, dass hier ein großer Fehler passiert ist, wie ich vorhin schon angedeutet habe und dass ich hierfür offiziell um Entschuldigung für dieses Versagen des Ministeriums bitte."

„Schon ok, Kingsley", sagte Harry ohne Groll. „Das Geld hätte mir im letzten Jahr ohnehin nichts gebracht."

„Das Haus als Versteck vielleicht schon", ergänzte Hermine nachdenklich.

„Du meinst", fragte Ron mit nur leicht verhohlener Wut, „wir hätten den ganzen letzten Winter in einem schönen warmen Haus sitzen können, statt in einem arschkalten Zelt mitten im Nirgendwo zu campen und Frostbeulen zu bekommen wie andere Pickel in der Pubertät?"

„Wer weiß", sagte Hermine und zuckte mit den Achseln. „Fehler passieren, und das Ministerium hatte im letzten Juli nun wirklich genug Gründe, etwas zu verschwitzen, bei allem was da schon vor Übernahme durch V-Voldemorts Anhänger abging. Allerdings..., es hatten sicher auch genug Ministeriumsangestellte Gründe, es nicht allzu eilig zu haben mit der Übergabe an Harry..."

„Du meinst, es war kein Fehler, sondern ein Fehler?", fragte Ron und malte dabei mit beiden Händen Anführungszeichen in die Luft. „Wäre das denn möglich?"

„Das halte ich für plausibel, wenn nicht sogar wahrscheinlich", erklärte Kingsley. „Unter anderem genau diese Frage soll die Untersuchung klären."

„Toll", kommentierte Harry sarkastisch. Dann fiel ihm noch etwas ein:

„Wo liegt dieses Landhaus eigentlich? Godric's Hollow?"

Kingsley lächelte.

„Das kann ich dir nicht sagen Harry, denn das Haus wurde mit dem Fidelius-Zauber gesichert." Kingsley sah, wie Harrys Kinnlade herunterklappte. Offenbar hatte er die falschen Schlüsse gezogen. „Nein Harry, nicht so wie du denkst, du kannst es selbstverständlich finden. Hier." Er griff in seine Unterlagen und reichte ihm einen versiegelten Umschlag. „Dies ist ein automatisch erstelltes, ministeriell beglaubigtes Übergabedokument. Hier drin findest du alle nötigen Informationen. Niemand im Ministerium kennt den Inhalt, auch ich nicht. Ich empfehle, du öffnest den Brief alleine, denn er ist mit mehreren Schutzzaubern gesichert und geht bei unautorisiertem Gebrauch unmittelbar in Flammen auf. Vorsicht dabei, das dabei entstehende Feuer kann ziemlich böse Brandverletzungen verursachen und hat schon einige Heiler in St. Mungo's auf Trab gehalten!"

Ron, der den Umschlag zuvor neugierig angesehen hatte, betrachtete plötzlich intensiv eine etwas deformierte Stelle des Küchentischs.

„Noch etwas, Harry: Nachdem du das Haus betreten hast, solltest du den Umschlag sofort vernichten. Alle Regeln, die dir Mad-Eye im Umgang mit dem Grimmauldplace Nummer 12 beigebracht hat, sind auch hier gültig! Es wäre zu deiner Sicherheit sehr wichtig, dass du sie genau beachtest."

Harry nickte Kingsley zu.

„Das hätte ich sowieso gemacht. Professor Moody war sehr deutlich."

„Mit guten Gründen. Ich rate dir auch dringend, dass du als Geheimniswahrer den Eingeweihtenkreis auf absehbare Zeit so klein wie möglich hältst, maximal 2-3 Personen. Derzeit geht Sicherheit einfach vor. Bitte bedenke, welch ein glücklicher Zufall sich hier für dich ergeben hat. Der Fidelius-Zauber bei dem Objekt besteht schon so lange, dass nicht nur niemand außer dir Zugang hat, sondern praktisch auch niemand mehr weiß, dass es dieses Objekt überhaupt jemals gegeben hat. Das ist in diesen unruhigen Zeiten eine extrem günstige Situation. Bitte gib diesen Schutz nicht leichtfertig auf!"

„Also keine permanente Überwachung von der gegenüberliegenden Straßenseite wie beim Grimmauldplace?", fragte Ron.

„Exakt, Ron", bestätigte Hermine, deren Wut auf Ron sich offenbar wieder weitgehend verflüchtigt hatte, während Kingsley ebenfalls zustimmend nickte.

„Ich empfehle ebenfalls, neben den Schutzzaubern ein passwortgesichertes magisches Schloss einzubauen. In der Winkelgasse machte vor wenigen Tagen mit Zachary Stoptons Safe Spaces ein neuer Laden auf, der u.a. genau solche Schlösser fertigt. Inhaber ist ein ehemaliger Aurorenkollege von mir, der nach einer schweren Arbeitsverletzung, die seine Karriere beendet hat, in die Wirtschaft gewechselt ist. Seine Preise sind saftig, aber er ist vertrauenswürdig und jede Galleone wert."

Harry versprach Kingsley, keine Sicherheitsvorkehrungen zu scheuen. Dann aber verzog er das Gesicht, als ihm etwas einfiel.

„Es gibt da noch ein Problem...", sagte er unsicher.

„Ja Harry?", fragte Kingsley ohne zu wissen, worauf Harry hinauswollte.

„Gringotts. Das letzte Mal, als ich dort zu Besuch war, wollten mich irgendwie alle Mitarbeiter töten..."

Kingsley, der sich ein Lachen verkneifen musste ob der Formulierung, mit der Harry seinen folgenschweren Einbruch umschrieben hatte, dachte einen Moment nach.

„Daran habe ich bisher tatsächlich noch nicht gedacht, Harry", gestand Kingsley, und man sah ihm deutlich an, dass ihm dies angesichts der großen medialen Aufmerksamkeit, die der Bankraub samt den dabei entstandenen Verwüstungen ausgelöst hatte, etwas peinlich war. „In der Tat sind die Kobolde derzeit wohl nicht gerade gut auf dich zu sprechen. Bereits der Versuch sie zu betrügen, ist für sie ein schweres Verbrechen, das sie extrem übel nehmen, ein erfolgreicher Einbruch und Bankraub ist noch einmal eine Nummer größer. Es wäre wohl tatsächlich klug, erst einmal abzuwarten und nicht bei Gringotts vorbeizuschauen. Das gilt auch für euch, Hermine und Ronald! Ich denke zwar nicht, dass euch derzeit akute Gefahr droht durch die Kobolde, es wäre aber trotzdem besser, erst einmal persönlichen Kontakt zu vermeiden. Ich kümmere mich darum, eine Vereinbarung mit den Kobolden zu erzielen, die euch in Zukunft wieder einen regulären Kundenzugang zu Gringotts erlaubt. Ich denke, ihr werdet in ein paar Tagen vom Koboldverbindungsbüro hören."

„Schöner Mist", brummte Harry missmutig. „Das heißt, ich komme derzeit nicht an mein Vermögen ran?"

Kingsley schüttelte den Kopf.

„Das habe ich nicht gesagt. Du kannst einfach Kreacher schicken, um Geld holen zu lassen."

„Kreacher?"

Harry und Hermine sahen Kingsley irritiert an, während Ron einen Gesichtsausdruck annahm, der sich wohl grob mit „Ah, richtig, da war ja was" übersetzen ließ.

„Ja, Kreacher", wiederholte Kingsley. „Dein Vermögen ist nicht konfisziert und bei aller Abneigung gegen dich werden die Kobolde dein Gold nicht antasten. Das verstieße gegen ihr Ethos."

Harry sah ihn noch immer verwirrt an, offensichtlich auf dem Schlauch stehen, was Kreacher mit Gringotts zu tun hatte.

„Ah, natürlich", rief Hermine plötzlich aus und schlug sich gegen den Kopf.

„Hauselfen zählen nach magischer Gesetzgebung zum Haus! Das Gringotts Verlies genauso, daher können sie es betreten und Gold dorthin bringen oder abholen, wenn Bedarf besteht."

„So ist es", bestätigte Kingsley. „Selbstverständlich können sie nur das eigene Verlies betreten..."

Das hellte Harrys Stimmung deutlich auf. Es war gut, wenn sich zumindest ein paar der Probleme und Sorgen, die ihn quälten, in Luft auflösten. Selbst wenn neue hinzu kamen.

„Ok, dann eine letzte Frage, Kingsley: Wann kann ich das Haus betreten?", fragte Harry daraufhin, nun sehr neugierig geworden.

„Mit Öffnen des Briefumschlags geht das Eigentum offiziell in deinen Besitz über. Die Haustür öffnet sich magisch, ich empfehle aber dennoch, ein neues Schloss und diverse Schutzzauber zusätzlich zum Fidelius-Zauber auszusprechen."

„Das kriegen wir hin", rief Ron enthusiastisch, „Schutzzauber sind eine große Stärke von Hermine! Kann es kaum erwarten, dass wir aufbrechen!"

Wir, Ron?" fragte Hermine nun wieder ungehalten und mit scharfem Tadel in der Stimme, das versteckte Kompliment komplett ignorierend. „Wir? Es ist Harrys Haus, und er alleine entscheidet, ob er jemanden einweiht und wenn ja, wen!"

„Schon gut, Hermine", erklärte Harry beschwichtigend, der einen erneuten Zwist seiner beiden besten Freund am Horizont aufziehen sah. „Ich hatte eh vor, euch zwei einweihen." Harry blickte zu Kingsley, der ihn skeptisch ansah. „Nur euch zwei."

„Sehr gut", sagte Kingsley. „Damit können wir dann zum letzten Punkt kommen. Es gibt noch eine weitere Angelegenheit zu klären."

Harry hatte für einen Sekundenbruchteil den Eindruck, Kingsley versuche Zeit zu schinden, doch Kingsley fuhr nach eine kaum merklichen Pause weiter fort.

„Als letzter Potter bist du ebenfalls Erbe des Potter-Anwesens in Godric's Hollow..."

Harrys Augen weiteten sich, als er Kingsley fixierte.

„Ich will es nicht", sagte er wie aus der Pistole geschossen, und man konnte mit den Händen greifen, welche Gedanken Harry angesichts der Geschichte dieses Hauses gerade hatte und welche Gefühle er dabei durchlebte. „Dieses Haus, es ist, wir..., also Hermine und ich, ...waren letztes Jahr einmal dort..., an Weihnachten. Es ist völlig zerstört... Unbewohnbar... "

Harry spürte, wie Hermine wieder nach seiner Hand griff.

„Es wirkte wie ein Mahnmal, als wir es letztes Jahr besichtigten", fügte sie mit sanfter Stimme hinzu. „Wie ein Ort des Gedenkens, welches Leid Krieg verursacht. Vielleicht sollte es das einfach bleiben. Als Warnung, was passieren kann, wenn der Hass regiert."

Kingsley nickte.

„Das kann ich gut nachempfinden", sagte er, und wandte sich anschließend wieder an Harry. „Nimm dir alle Zeit, die du brauchst, Harry! Es gibt keine Notwendigkeit etwas zu überstürzen. Wenn du eine Entscheidung getroffen hast, was mit dem Haus passieren soll, dann können wir gerne noch einmal reden. Bis zu diesem Zeitpunkt bist du Eigentümer. Was aber natürlich nicht heißt, dass du es besuchen, bewohnen oder reparieren musst."

„Ok", sagte Harry, doch es klang so, als stünde sein Entschluss bereits fest.

„Habt ihr weitere Fragen?", fragte Kingsley schließlich.

Nachdem Harry, Hermine und Ron verneint hatten, stand Kingsley auf und reichte den Dreien die Hand.

„Ich möchte noch einmal betonen, wie dankbar ich für euer Wirken im vergangenen Jahr war", erklärte er, als sie alle vier aufgestanden waren und er das Muffliato aufgehoben hatte. „Ihr habt so viel durchgemacht, bitte überhastet jetzt nichts, sondern nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um alles zu verarbeiten. Macht dann die Schule fertig, und kümmert euch erst danach um einen Job. Das reicht nächstes Jahr noch dicke, gerade wenn ihr im Ministerium arbeiten wollt, wie ich gehört habe. Bis dahin haben wir hoffentlich wieder alles so weit aussortiert, dass wir Anfängern einen angenehmen und vielversprechenden Berufsstart ermöglichen können. Derzeit wäre es schwer, das zu garantieren", und seine Bedrückung über diesen Umstand ließ klar heraushören.

„Das war ohnehin mein Plan", erklärte Hermine hastig, gerade so, als wollte sie Kingsley beruhigen, während Harry und Ron ebenfalls zustimmend nickten.

Kurze Zeit später kamen Mr. und sowie die beiden Leibwächter von Kingsley in die Wohnküche geeilt, um nun ihrerseits mit dem frisch ernannten Zaubereiminister zu reden. Harry, Hermine und Ron verabschiedeten sich von Kingsley, wünschten alle eine gute Nacht und stiegen die Treppe hinauf bis in Rons Zimmer unter dem Dach, um noch einmal kurz – natürlich ebenfalls per Muffliato abgesichert – den Wust an neu gewonnenen Informationen zu rekapitulierten. Da es aber bereits nach Mitternacht war und sich schnell herausstellte, dass sie nach dem langen Tag einfach zu müde und nicht mehr fähig waren, klar zu denken, verabschiedete sich Hermine nach wenigen Minuten wieder in Richtung Ginnys Zimmer, in dem sie seit der Rückkehr von Hogwarts übernachtete. Harry redete noch kurz mit Ron, bevor auch dieser immer einsilbiger und leiser wurde und einige Minuten später anfing leise zu schnarchen. Er selbst lag hingegen noch sehr lange wach in dieser Nacht, während seine Gedanken rast- und ziellos in Kreis rasten und ihn trotz bleierner Müdigkeit am Einschlafen hinderten. Es dauerte bis fast zur Dämmerung, bis er endlich wegdriftete.