Kapitel 8. Ein alter Bekannter
Ein paar Minuten später – die Butterbierflaschen standen inzwischen leer auf dem Tisch und die Stimmung war entspannt und fröhlich – wurde ihre wohl auch alkoholbedingt äußerst angeregte Unterhaltung in Harrys neuem Wohnzimmer von einem Geräusch unterbrochen. Es klang wie ein Scharren oder Kratzen an Holz. Harry drehte sich blitzartig um in Richtung der Terrassentür, die hinausführte in den Hintergarten des Anwesens, doch er sah nichts. Er sprang auf, um nachzuprüfen, dass wirklich alles in Ordnung war. Seine wegen des Krieges noch immer angespannten Nerven ließen etwas anderes nicht zu. Monate des Gejagt- und Verfolgt-Werdens ließen sich nicht einfach so verdrängen, auch wenn er das Geräusch wohl noch vor ein oder zwei Jahren einfach ignoriert hätte. Harry schlich vorsichtig und mit gezücktem Zauberstab in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war, und achtete darauf, selbst möglich keinen Ton zu verursachen. Ron und Hermine folgten auf dem Fuß. Alle drei waren sie schlagartig wieder stocknüchtern. Als Harry angespannt und unter Ausnutzen der Wand als möglicher Deckung behutsam zum Fenster hinaus spähte, sah er zunächst nichts. Kurz darauf wagte er einen erneuten Blick und erkannte schließlich im wuchernden Dickicht draußen die senkrecht aufgestellte Schwanzspitze einer Katze.
Harry atmete tief durch und versuchte sich zu entspannen. Falscher Alarm. Alles in Ordnung. Zeit wieder runterzufahren und das Nervenkostüm zu beruhigen. Vermutlich hatte sich die Katze nur ihre Krallen geschärft und dafür seine Terrassentür missbraucht. Doch irgendwas hielt ihn davon ab, sich umzudrehen und wieder auf die Sofa zu setzen. Harry zögerte einen Moment, dann öffnete er die Tür einen Spalt, den Zauberstab im Anschlag. Sie ging zum Glück nach innen auf, sodass die das ganze Haus einhüllenden Efeuranken nicht im Weg waren. Als er erneut nach draußen lugte und sich sein Blick mit dem der Katze traf, die nun etwa zwei Meter von ihm entfernt stand, wusste er schlagartig, warum er gezögert hatte, und öffnete die Tür weiter. Die Katze war ungewöhnlich groß, hätte rötliches Fell und sah aus, als wäre sie einmal zu oft gegen etwas sehr Hartes gelaufen.
„Hermine, ist das...?"
„Krummbein!"
Hermine quietschte den Namen ihres verloren geglaubten Katers so laut und schrill, dass Harry für einen Moment befürchtete, dass die Fensterscheiben zu Bruch gingen. Sie stürzte an Harry vorbei zur Tür, wobei sie ihn fast unabsichtlich aus dem Weg schubste, und ging mit ausgebreiteten Armen in die Knie. Krummbein reagierte ähnlich schnell. Mit einer mühelosen Eleganz, wie sie nur Katzen besaßen, schlüpfte er zwischen Sträuchern und den Efeuranken hindurch und sprang in Hermines Schoß, die ihn mit beiden Armen fing und ihn vor Glück schluchzend fest an sich drückte. Als sie nach einer halben Ewigkeit ihren Griff etwas lockerte, schüttelte er sich kurz, rollte sich in ihrem Schoß zu einem Ball zusammen und schnurrte laut, während er sich von Hermine hinter den Ohren und am Bauch kraulen ließ.
Harry beobachtete die innige Streicheleinheit für den Kater, dessen kontinuierliches Schnurren auf ihn eine beruhigende, fast schon meditative Wirkung ausübte, gerade in Verbindung mit Hermines Strahlen. Sie hatte während der Horkruxjagd so oft betont, wie sehr sie Krummbein vermisste, und als sie zusammen mit Harry und Ron nach der Schlacht in den Fuchsbau zurückgekehrt war, und Mrs. Weasley ihr unter Tränen gebeichtet hatte, dass ihr Kater nach dem Todesserangriff nicht mehr aufgetaucht war, war sie völlig aufgelöst gewesen. Sie hatte sich sofort das Schlimmste vorgestellt. Und auch wenn es Harry nach einer Weile irgendwie gelungen war, ihr einzureden, dass Krummbein weggelaufen war und als Katze in freier Wildbahn problemlos für sich selbst sorgen konnte, musste er doch insgeheim zugeben, dass er das vor allem gesagt hatte, um sie zu trösten. Und nicht, weil er es geglaubt oder seine Erklärung für besonders wahrscheinlich gehalten hatte. Immerhin war Krummbein bereits ziemlich alt, regelmäßige Fütterung gewohnt und hatte seines Wissens nach nie selbst jagen müssen, auch wenn er immer gerne magisches Ungeziefer durch den Weasley-Garten gescheucht hatte. Harry freute sich außerordentlich, dass er hier gründlich daneben gelegen hatte, und das glückliche Gesicht, das Hermine machte, zauberte ihm ein Lächeln auf die Lippen.
Doch schon nach ein oder zwei Minuten wand sich Krummbein zur Überraschung aller drei aus Hermines Händen und lief wieder hinaus ins Freie, wo er stehen blieb, sich umsah und laut miaute.
„Was ist denn jetzt los?", fragte ein sichtlich überraschter Ron. „Er war doch immer sehr verschmust, oder Hermine? Zumindest bei dir...", schob er nach und suchte seine Hände unbewusst kurz nach Narben von früheren Kratz- und Bissspuren ab.
Hermine sah ebenfalls irritiert aus.
„Ich, ich weiß es nicht", stammelte sie. „Vielleicht war ihm das einfach bisschen viel? Ich habe ihn vielleicht etwas zu sehr gedrückt. Und nach all der Zeit alleine war er es nicht mehr gewohnt?"
Krummbein maunzte weiter, kam zurückgelaufen und umkreiste katzentypisch immer wieder Hermines Beine, an die er sich dabei fest drückte. Dann lief er weiter laut miauend wieder hinaus ins Freie.
„Sieht nicht so aus", meinte Harry. „Aber wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, er will uns was zeigen."
„Meinst du?", fragte Ron noch zögerlich, doch Hermine hatte bereits ihren Zauberstab gezogen und damit begonnen, sich einen Weg durch den Efeu und die Sträucher zu bahnen, was einfacher gesagt war als getan. Harry und Ron versuchten, hinterher zu kommen, doch es war nicht gerade leicht, da die Sträucher sehr dicht gewachsen waren. Während Hermine für diese Verhältnisse ungewöhnlich schnell unterwegs war und es damit schaffte ihrem Kater auf den Fersen zu bleiben, hatten Harry und Ron Mühe zu folgen.
Als Ron den dritten Ast ins Gesicht bekommen und sich auch Harry schon mehrere Kratzer an Armen und Beinen geholt hatte, kam Hermine an einer Art hölzerner Schuppen an, der vielleicht 20 Meter vom Haus entfernt war. Er war in einem außerordentlich schlechten Zustand, große Teile der hölzernen Fassade waren sichtlich morsch und teilweise schon kollabiert, ein Teil des Daches war eingefallen und die noch stehenden Wände sahen aus, als würden sie nur noch von dem üppig sprießenden Wilden Wein zusammengehalten. Krummbein war nirgends zu sehen.
„Geh da bloß nicht rein!", rief ein besorgter Ron Hermine zu. „Das Ding kann jeden Moment einstürzten und ich will nicht, dass du drunter liegst!"
Harry hatte den gleichen Gedanken.
„Ron hat Recht, halte lieber Abstand. Das sieht echt extrem baufällig aus."
Hermine drehte sich um, zum ersten Mal, seit sie das Haus verlassen hatte.
„Keine Sorge, Jungs", sagte sie, „ich werde hier sicher nichts Dummes machen. Aber ich habe Krummbein verloren."
Harry und Ron schlossen zu ihr auf und standen nun mehrere Meter vor dem Schuppen. Oder besser dem, was davon übrig geblieben war.
„Sieh mal", sagte Ron plötzlich und deutete auf ein halb verrottetes Stück Holz, das noch Spuren von Farbe erkennen ließ. „Ist das ein Schild?"
„Könnte sein", antwortete Harry, als er die am Boden liegende Reklametafel mit einem verblichenen und nicht mehr lesbaren Schriftzug darauf sah. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Aber natürlich! Das muss die Werkstatt sein, wo sie die Besen hergestellt haben! Das werden sie sicher nicht im Haus gemacht haben. Wer weiß, wie lange sie schon nicht mehr genutzt wurde. Wenn mein Uropa sein Geschäft schon früh verkauft hat, dann wurden hier die Produktion vielleicht schon vor Hundert Jahren eingestellt! Kein Wunder, dass hier alles kaputt ist."
„Ein Wunder, dass es überhaupt noch steht", ergänzte Ron. „Also, zumindest teilweise."
In dem Moment hörten sie erneut ein Miauen. Es kam von einer Seite des Schuppens, die von ihrem Standpunkt aus nicht einsehbar war. Hermine folgte dem Ton, wobei sie darauf achtete, genug Sicherheitsabstand zum Schuppen einzuhalten, Harry und Ron liefen ihr hinterher. Dann hörten sie ein weiteres Miauen, das sich diesmal aber höher anhörte. Harry und Ron sahen sich irritiert an, während sich Hermine weiter zielgerichtet durch den Unterwuchs kämpfte. Schließlich standen sie einige Meter seitlich neben dem Schuppen versuchten, Krummbein wieder zu finden. Dem Miauen nach konnte er nicht weit entfernt sein. Nach ein paar Sekunden entdeckten sie ihn nahe eines in sich zusammengefallenen Teiles der Seitenwand des Schuppens. Durch den Einsturz hatte sich aus Brettern der Wand sowie eines Teils des Daches eine Art wettergeschützter „Höhle" gebildet. In dieser „Höhle" lagen ziemlich mitgenommene Teile der einstigen Inneneinrichtung des Schuppens, unter anderem etwas, das wie ein teilweise auseinandergefallener alter Schrank aussah, von dem nur noch mehrere nebeneinander und übereinander liegende Schubladen übrig waren. Als sich Krummbein diesem Trümmern näherte, hob sich plötzlich der Kopf einer zweiten Katze aus einer der Schubladen. Und diese Katze fauchte Krummbein bösartig drohend an. Sofort wich Krummbein mehrere Schritte zurück und begann abermals laut zu miauen, der Blick dabei abwechselnd zwischen Hermine und der fauchenden Katze hin und her pendelnd.
„Oha, noch eine Katze", rief Ron. „Und das wollte er uns zeigen? Eine Katze, die ihn nicht mag?"
„Glaube ich nicht", meine Harry. „Moment, seht ihr das auch?"
Harry deutete auf einen Haufen von tierischen Überresten nahe Krummbeins Position, vielleicht zwei Meter vom Eingang der „Höhle" entfernt.
„Was?", fragte Hermine.
„Die Knochen. Dort! Da liegen Knochen, irgendwelche Fellknäule, ein paar Federn. Gleich neben Krummbein."
„Ja, und?" fragte Ron. „Irgendwas musste er ja fressen, als er auf sich alleine gestellt war. Was ist daran merkwürdig?"
In dem Moment lief Krummbein wieder etwas auf die Katze zu, worauf diese sich aufrichtete, einen monströsen Buckel machte und ein besonders bedrohliches Fauchen, fast schon Heulen von sich gab. Zugleich bewegte sie sich aus der Kiste und auf Krummbein zu. Sie war größtenteils schwarz, hatte aber auch einige größere weiße Flecken in ihrem ziemlich verlottert und dreckig aussehendem Fell. Doch im Gegensatz zu ihm war sie alles andere als beweglich und katzenhaft, vielmehr wirkte sie massiv in ihrem Bewegungsablauf behindert und belastete eine Hinterpfote nicht.
„Oh nein", schrie Hermine, „schaut, sie ist verletzt! Ihre Hinterpfote steht ganz schief!"
„Nicht nur das", ergänzte Harry. „Sie ist auch extrem abgemagert. Nur noch Haut und Knochen. Vermutlich konnte sie schon länger nicht jagen."
„Aber natürlich! Deswegen hat er uns hierher geführt!", rief Hermine plötzlich ganz stolz. „Dass wir sie retten! Er wusste, dass sie sich nicht mehr versorgen konnte! Braver Krummbein!"
Ron dachte einen Moment nach.
„Dumme Idee gerade. Kann es sein, dass die Knochen und Federn dann deswegen hier liegen, weil Krummbein ihr Futter besorgt hat? Für sie gejagt hat? Machen Katzen so etwas?"
Hermine schüttelte den Kopf und setzte an, etwas zu sagen, hielt dann aber erst noch ein paar Sekunden zum Nachdenken inne.
„Katzen definitiv nicht. Katzen sind von Natur aus Einzelgänger. Kneasel allerdings würde man so etwas zutrauen..." Sie starrte einen Moment in die Ferne, bevor sich ihre Augen weiteten. „Oh ich dusselige Dummtorte, wie konnte ich das all die Jahre nicht bemerkt haben?! Das muss es sein! Wäre er eine reinblütige Katze, hätte er unmöglich den Fidelius-Zauber überwinden können! Aber doch ist er hier!"
Harry prustete ob dieser mehr als unpassenden, ja geradezu kafkaesken Selbsteinschätzung, bevor er den Sachteil ihrer Aussage wahrnahm.
„Hermine?", fragte er verwirrt. „Was willst du damit sagen?"
„Naja, ist das nicht klar, Harry? Wir Zauberer denken immer, wir hätten die größten magischen Fähigkeiten, und alles, was für uns gilt, gilt auch für andere magische Wesen. Dass das nicht stimmt, wissen wir, wie Kreacher uns ja letztes Jahr unmissverständlich klargemacht hat. Hauselfen haben andere Magie als wir und können z.B. an Orte apparieren, an die ein Zauberer nicht hingelangt. Das gleiche gilt auch für andere magische Wesen. Wir gehen z.B. ganz selbstverständlich davon aus, dass ein mit dem Fidelius-Zauber gesichertes Objekt für niemanden zugänglich ist, außer für die eingeweihten Zauberer. Aber offensichtlich hat der Zauber auf manche magischen Wesen überhaupt keinen Einfluss. Kneasel und Kneasel-Mischlinge z.B. Oder auf einer deutlich profaneren Ebene: Magisches Ungeziefer. Wo kamen die ganzen Doxys, Irrwichte, Feen im Grimmauldplace denn her? Für sie gelten Zauber wie der Fidelius-Zauber einfach nicht. Nur vergessen wir das ständig, weil wir immer nur unsere eigenen Zauberkräfte als Maßstab heranziehen!"
„Das heißt, Krummbein ist ein Kneasel?", fragte Ron.
Hermine schüttelte den Kopf.
„Kein Kneasel, zumindest kein reinblütiger. Dann würde er anders aussehen. Aber muss wohl ein Mischling sein. Das würde auch sonst alles erklären. Weshalb hat er Krätze sofort als Peter Pettigrew erkannt? Wieso hat er Sirius verteidigt? Weil er die Wahrheit gespürt hat! Und jetzt hat er die Gefahr für diese Katze gespürt und uns hierher geführt. Das ist kein Katzenverhalten, das ist Kneasel-Verhalten! Und ich nehme an, dass die Katze dort ebenfalls Kneaselblut in sich hat. Sonst könnte sie nicht hier sein. Die Frage ist natürlich immer, wie viel..."
„Ok, aber wäre es nicht sinnvoller, das nachher zu besprechen?" fragt Harry. „Die entscheidende Frage ist doch, was machen wir nun mit ihr?"
Noch immer stand sie auf drei Beinen, machte einen Buckel, so gut es mit ziemlich sicher gebrochenem und verdrehtem Hinterbein eben ging, und fauchte Krummbein sporadisch an, der einen Sicherheitsabstand hielt, aber trotzdem in relativer Nähe blieb.
„Wir müssen sie behandeln!", sagte Hermine resolut. „Irgendwie müssen wir sie hier herauslocken. Die Frage ist nur wie. Gerade weil sie so aggressiv ist. Sie fühlt sich bedroht, ist ausgehungert und hat wohl auch große Schmerzen..."
„Schwebezauber?", schlug Ron vor.
Hermine wiegelte ab.
„Aus einem Schwebezauber würde sie sich wohl herauswinden und sich bei dem Sturz danach noch stärker verletzten. Das möchte ich ihr nicht zumuten."
„Vorher versteinern?", schlug Harry vor. „Oder ist der Zauber zu stark?"
„Vermutlich. Ich befürchte, dafür ist sie zu schwach. Das könnte sie umbringen. Wir müssen einen anderen Weg finden."
In dem Moment hörten sie aus der Schublade hinter der Katze ein weiteres, diesmal sehr leises, hohes Miauen.
„Oh nein!", rief Hermine. „Sie hat auch noch ein Kätzchen!"
„Na Wunderbar", kommentierte Ron sarkastisch. „Wenn's läuft, dann läuft's einfach..."
Hermine ignorierte ihn.
„Wir müssen etwas tun! Und zwar schnell! Wer weiß, wie es diesem Kätzchen geht, wenn schon die Mutter in so einem schlechten Zustand ist?"
Harry atmete tief durch.
„Mist." Dann entschied er sich zu handeln. Denn er würde diese Kätzchen hier nicht sterben lassen. Es waren in den vergangenen Monaten bereits so viele unschuldigen Leben ausgelöscht worden, die nichts für ihr Schicksal konnten, sondern einfach nur Pech gehabt hatten. Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen waren. So wie dieses Kätzchen. Aber sein Leben konnte er retten. Und das würde er tun.
„Ok", sagte er entschlossen, „ich gehe etwas näher ran. Nur mal kurz schauen, ich komme sofort wieder. Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn ihr euch mal bereit macht für einen Schildzauber, sollte mir plötzlich etwas entgegen kommen."
Hermine und Ron zückten ihre Zauberstäbe und richteten sie auf den Schuppen.
„Bereit?"
„Bereit!", antworteten Ron und Hermine.
Harry bewegte sich mit gezogenem Zauberstab in Richtung der Katze, die ihn sofort giftig anfauchte. Vorsichtig, seinen Blick ständig zwischen der Katze und dem völlig baufälligen Schuppen hin und herwandern lassend, rückte er nahe genug an den zerfallenen Schrank heran, um einen Blick in die Schublade werfen zu können. Als er noch etwa zwei Meter weg war, sah er es. In der Schublade lag auf einem Lappen und etwas Moos nicht nur ein Kätzchen. Sondern drei. Sie waren vielleicht zwei Wochen alt, sahen allesamt bis auf die Knochen abgemagert und kraftlos aus und bewegten sich nicht, vom Atmen mal abgesehen.
„Mist!", sagte Harry erneut, bevor er sich wieder zurückzog und zu Hermine und Ron zurückkehrte.
„Und?", fragte Hermine angespannt.
„Drei Kätzchen, am Leben, aber alle sehr schwach. Und auf dem rückwärtigen Teil der Schublade liegt ein Balken, das heißt, wir können sie nicht einfach herausziehen. Oder levitieren."
„Verdammte Scheiße", fluchte Ron.
„Wir müssen handeln, und zwar schnell", konstatierte Hermine erneut. „Wir müssen die Katze irgendwie ablenken oder bewegungsunfähig machen, aber schonend! Und sie dann zusammen mit den Kätzchen herausholen."
„Kannst du die Kiste in einen Käfig verwandeln?", fragte Harry Hermine. „Irgendwas Stabiles, das sie sowohl schützt als auch gefangen hält, während wir sie raus ziehen?"
Hermine nickte.
„Wenn ich nahe genug herankomme, um alles genau zu sehen, dann schon, klar. Aber wir müssen die Katze vorher wieder in die Schublade verfrachten. Wir kriegen wir das hin?"
Sie dachten eine Weile nach, kamen aber auf keinen erfolgsversprechenden Plan.
„Ich hab's!", rief Ron plötzlich. Die Sandwiches! Da ist Schinken drauf. Wenn sie so ausgehungert ist, wie sie aussieht, dann können wir sie damit sicher locken!"
Hermine dachte einen Moment nach, bevor sie mehrfach heftig nickte.
„Gute Idee, Ron! Könnte klappen."
Sie griff in ihre Perlenhandtasche, holte eines der von Mrs. Weasley zubereiteten Sandwiches heraus, klappte es auf und fischte die dicke Scheibe Schinken heraus. Die beiden nun fleischlosen Scheiben hielt sie Ron hin.
„Halt mal."
Dann lief sie zusammen mit Harry und Ron zwei Meter in Richtung des Schuppens und levitierte den Schinken mit einem Schwebezauber direkt an der Katze vorbei, die sichtlich große Augen machte, in die Kiste zu den Kätzchen.
Ron klappte die Scheiben wieder zusammen und biss hinein.
„Echt jetzt?", fragte Hermine perplex.
„Wolteft du fi haben?"
„Nein! Und jetzt eh nicht mehr!"
Ron schluckte den Bissen runter.
„Dann ist doch alles in Ordnung. Und wir müssen jetzt wohl eh etwas warten."
„Vielleicht sollten wir auch noch Wasser hinstellen?", schlug Harry vor. „Vermutlich hat sie auch schon länger nichts mehr getrunken."
Hermine beschwor ein Schälchen Wasser herbei und ließ es ebenfalls in der Kiste nieder.
„Jetzt heißt es warten und hoffen", sagte sie schließlich und trat wieder etwas zurück.
Noch aber bewegte sich die Katze nicht, sondern starrte abwechseln Krummbein und das Trio an.
„Ich glaube, sie frisst nicht, wenn wir und Krummbein zu nahe sind", äußerte Harry nachdenklich.
„Du hast Recht", antwortete Hermine. „Lasst uns etwas zurückweichen, zumindest vorerst. Komm, Krummbein!"
Der Kater sah sie an, bewegte sich aber nicht, sondern starrte weiter in Richtung der Katze vor ihm.
Hermine griff erneut in ihre Handtasche und holte eine zweite Scheibe Schinken hervor, die sie in mehrere Stücke zerriss. Dann wedelte sie mit einem Stück in der Luft, sodass es Krummbein sah, und warf ein Stück zwischen sich und den Kater. Das ließ sich Krummbein nicht zweimal sagen. Der Kater rannte zu dem Brocken Fleisch und machte sich darüber her. Als er damit fertig war und sah, dass Hermine noch weiteren Nachschub hatte, lief er miauend auf sie zu und blieb mit großen Augen vor ihr stehen.
Hermine verwandelte einen herumliegenden Ast in einen großen Katzenkäfig und legte den Rest der Scheibe hinein. Krummbein schlüpfte hinein und begann zu fressen, worauf Hermine die Tür schloss.
„Entschuldigung, aber es ist besser, wenn du uns gleich nicht störst. Und du kannst nachher eh nicht hier bleiben."
Krummbein gab einen klar missmutigen Laut von sich.
„Sieh mal, Hermine", sagte Ron plötzlich. „Es scheint zu klappen."
Hermine spähte zu der Katze. Langsam und schwerfällig hinkte sie zu der Kiste mit ihren Jungen sowie dem Schinken zurück und verschwand schließlich darin.
„Ok, dann ist jetzt unsere Chance", erklärte Hermine. „Wir gehen folgendermaßen vor: Wir schleichen uns langsam heran. Harry, du produzierst die besten Schildzauber und hast die besten Reflexe. Falls etwas auf die Katzen stürzen sollte, während ich die Kiste in einen Käfig verwandele, dann schützt du sie mit einem Zauber. Ron, du bleibst etwas zurück und gibst uns Rückendeckung. Du achtest darauf, dass nichts einstürzt. Wenn sich irgendwas bewegt, dann warnst du uns oder besser, du produzierst falls nötig ebenfalls einen Schildzauber. Für uns. Ich kümmere mich um den Käfig und dann den Schwebezauber. Wenn wir die Katzen draußen haben, ziehen wir uns zurück, ihr schnappt euch Krummbein und wir apparieren so schnell es geht zum Fuchsbau zurück. Dort können wir uns besser um sie kümmern."
Harry und Hermine liefen mit ausgestrecktem Zauberstab auf den Schuppen zu, wobei sie die letzten Meter nur noch vorsichtig zwischen den Bäumen voran schlichen, um die Katze nicht wieder aufzuscheuchen. Ron gab von weiter hinten durch, dass er bereit und bisher alles in Ordnung war.
„Ok, dann gilt es", sagte Hermine. „Ich fange an."
Harry richtete seinen Zauberstab über die Katzen und konzentrierte sich, sodass er binnen Sekundenbruchteilen einen Schildzauber durchführen konnte. Gleichzeitig richtete Hermine ihren Zauberstab auf die Kiste und schwang ihn. Innerhalb einer Sekunde verwandelte sich die Holzkiste in einen geschlossenen Katzenkäfig. Ein Balken über ihr bewegte sich. Harry zuckte, sah aber, dass sich außer dem Balken nichts rührte. Hermine schwang ihren Zauberstab erneut und die Kiste wackelte, bewegte sich aber nicht. Die Katze begann laut zu fauchen, während die Kätzchen leise „Miaus" von sich gaben. Hermine versuchte es erneut, und die Kiste bewegte sich stärker, hob aber wieder nicht ab.
„Harry, der Balken liegt noch auf der Kiste. Kannst du ihn etwas anheben?"
Harry schnaufte genervt, klar unzufrieden über den mangelnden Fortschritt.
„Ich versuch's", sagte er, und man konnte seine Nervosität dabei klar heraushören.
„Dann auf drei", sagte Hermine. „Eins. Zwei. Drei!"
„Vingardium Leviosa!"
Der Balken hob sich unter lautem Knarzen und Stöhnen von morschem Holz, und mit ihm auch ein Teil des darüber liegenden Daches. Einige Sekunden später war der Katzenkäfig frei und Hermine hob ihn erst vorsichtig, dann schneller an und ließ ihn zu sich schweben. Als er weit genug entfernt war vom Haus nahm ihn Hermine in die Hand und trug ihn mehrere Meter zurück. Harry tastete sich mit vorsichtigen Schritten rückwärts, immer darauf bedacht, nicht über eine Wurzel oder etwas anderes zu stolpern und auch nicht den Balken aus den Augen zu verlieren. Als er weit genug weg war, um sich sicher zu fühlen, setzte er den Balken ab und folgte Hermine, die bereits neben Ron wartete.
„Wir haben es geschafft!", rief Hermine strahlte Harry und Ron an. „Das war super Arbeit, Jungs!"
„Von euch beiden", sagte Ron und sah einen Moment auf den Boden. „Ich stand ja nur rum und habe zugesehen."
„Großer Irrtum, Ron", erklärte Hermine. „Du warst der wichtigste Mann bei der ganzen Angelegenheit. Du hast uns abgesichert und deshalb überhaupt erst dafür gesorgt, dass wir so nah ran gehen konnten. Ohne dich wäre es nicht gegangen! Außerdem hattest du die Idee mit dem Schinken."
Ron winkte ab.
„Ach, übertreib doch nicht. Ich weiß, warum du das machst und deswegen mag ich dich so, Hermine, aber faktisch habe ich kaum eine Rolle gespielt. Das hättet ihr auch ohne mich geschafft."
In dem Moment hörten sie hinter sich den Lärm von berstendem Holz, schrill quietschendem Metall, rutschenden Steinen und zersplitterndem Glas.
Harry und Hermine drehten sich zu Ron und warfen ihm ihr breitestes Grinsen zu.
„Was meintest du gerade noch mal?", fragte Harry lachend, während Hermine Ron mit hochgezogener Spock-Augenbraue, zuckenden Mundwinkeln und ihrem feinsten „Ich-habe-es-dir-doch-gesagt-Blick" angrinste.
„Vielleicht war ich doch nicht ganz so unwichtig", lachte Ron verlegen, plötzlich ziemlich stolz auf sich.
Er nahm Hermine den Käfig mit den Katzen ab, während Harry sich die Kiste mit Krummbein schnappte. Hermine drängte sich an ihnen vorbei, und schaffte mit ihrem Zauberstab einen besseren Durchgang durch das dichte Unterholz. So marschierten sie bis zum Haus, durch es hindurch und schließlich auf den Weg zum Eingangstor, während Hermine alle Türen vor ihnen öffnete bzw. hinter ihnen schloss. Als sie das Grundstück verlassen hatten, aber weiterhin noch innerhalb des Wirkungsbereichs des Fidelius-Zaubers waren, stellte sich Hermine zwischen Harry und Ron, legte jeweils eine Hand auf deren Arm und apparierte sie ohne eine weitere Sekunde zu verlieren zurück zum Fuchsbau.
Sekundenbruchteile später waren sie im Garten der Weasleys angekommen und fünf Katzen, zwei große und drei kleine beschwerten sich lautstark über den äußerst unangenehmen Transportvorgang. Offenbar war Apparieren für Katzen ähnlich unangenehm wie für Menschen.
„Ist ja gut, aber wir mussten apparieren", versuchte Hermine die Vierbeiner zu beschwichtigen. Der Erfolg hielt sich in argen Grenzen.
Zu dritt liefen sie mit den Katzenkäfigen ins Haus, wo Mrs. Weasley angesichts des Lärms sofort in die Küche geeilt kam.
„Sieh mal, Mum, wen wir gerade gefunden haben", rief Ron und nickte in Richtung Krummbein.
„Und wir haben eine verletzte Katze mit drei Kätzchen", ergänzte Hermine hastig. „Sie ist sehr schwach und die Kätzchen sind es ebenfalls. Wir müssen sie dringend behandeln!"
„Oh nein!", rief Mrs. Weasley aus, „das arme Ding! Was hat sie?"
„Wohl eine gebrochene Hinterpfote", erklärte Harry. „Sie kann sich kaum bewegen."
„Das kriegen wir hin", sagte Mrs. Weasley. „Harry Liebes, stelle die Kiste mit Krummbein mal hier neben den Tisch. Und lass ihn am Besten erst mal drin, nicht dass er bei der Behandlung noch stört. Ron, mach neben dem Kamin mal etwas Platz und stell dann die Kiste dort hin. Hermine, kannst du dann einen magischen Ring um den Käfig ziehen? Die Katze darf nicht raus können, aber wir müssen den Käfig verschwinden lassen, bevor wir sie behandeln können. Ich hole schnell das Tierbehandlungsbuch."
Mrs. Weasley verschwand für wenige Minuten aus der Wohnküche, und als sie wieder mit einem aufgeschlagenen mittelgroßen Büchlein mit bunten Einband zurückgekehrt war, hatten Ron, Hermine und Harry alles vorbereitet. Hermine hatte dort, wo Ron Platz geschaffen hatte, einen etwa einen Kubikmeter großen, transparenten magischen Käfig gezogen, der Objekte zwar eindringen, aber nicht mehr heraus ließ. Anschließend hatte sie den Katzenkäfig wieder in die Schublade zurückverwandelt, die er ursprünglich gewesen war. Zum Trio hatten sich nach kurzer Zeit auch Ginny und George gesellt, die beide ebenfalls das Miauen der Katzen gehört hatten, und nun aufmerksam die noch immer leise miauenden, aber sich sonst kaum bewegenden Kätzchen mit ihren charakteristischen Bleistiftschwänzchen beobachteten. Ginny hatte sogar ein „Bei Merlin, sind die süß!" von sich gegeben und Ron, Hermine und sogar kurz Harry mit großen Augen angestrahlt, bevor sie gemerkt hatte, wie schwach die Kätzchen waren. Anschließend war ihr Strahlen einem sorgenvollen Stirnrunzeln gewichen, das schließlich nach der Rückkehr von Mrs. Weasley mit dem Haustierheilbuch um einen Schimmer der Hoffnung ergänzt wurde.
scheuchte die Runde, die sich um den magischen Käfig versammelt hatte, mit den Worten beiseite, dass sie Platz benötige, legte ihr Buch dann auf den Küchentisch und zückte ihren Zauberstab. Mit einer Routine, die davon zeugte, dass das Behandeln kranker Wesen für sie seit langem zum Alltagstrott gehörte – verständlich bei einer vielfachen Mutter – führte sie zuerst Diagnosezauber durch, belegte die Katze dann mit einem effektiven Beruhigungszauber und heilte, als sie kurz darauf ruhig atmend da lag, das gebrochene Bein mit einem Frakturzauber. Dabei zuckte die Katze merklich zusammen und miaute einmal laut protestierend, immerhin war das Fixieren gebrochener Knochen mit einem kurzen stechenden Schmerz verbunden, blieb aber liegen. Als sie gesehen hatte, dass alles verlaufen war wie geplant, schickte sie Ron in die Vorratskammer, etwas Fleisch und Milch holen, während Ginny zwei Untertassen und ein Schälchen mit Wasser besorgen sollte. George wiederum musste ein altes Handtuch herbeitragen. Als alle drei zurückgekehrt waren, stellte Mrs. Weasley das Schälchen mit Wasser sowie eine Untertasse mit etwas klein gerupftem Kochschinken in eine Ecke des magischen Käfigs, nahm dann die Katze in beide Hände und legte sie davor. Anschließend platzierte sie die zweite Untertasse in der Kiste vor die Kätzchen und goss ein wenig Milch hinein, sodass nur der innere Bereich leicht gefüllt war. Dann schickte sie alle Anwesenden, die sich eng um den magischen Käfig drängten, von den Katzen weg, entfernte sich selbst und hob schließlich den Beruhigungszauber für die Katze auf.
Harry, Hermine und die vier Weasleys sahen, wie die Katze aufsprang und einige Sekunden ihre Umgebung sondierte. Zunächst belastete sie dabei weiterhin nicht ihr Bein, setzte es nach ein paar Schritten schließlich aber doch auf den Boden, wobei sie keinen Schmerzenslaut von sich gab. Etwa eine Minute später, als sie sich sicher war, dass die einige Meter entfernt befindlichen Menschen offenbar keine akute Bedrohung für sie und ihre Kätzchen darstellten, trank sie ein paar Schlucke Wasser, bevor sie hastig den ganzen Schinken herunterschlang. Auch die Kätzchen blieben nicht untätig. Zwei von ihnen, die den Geruch der Milch offenbar wahrgenommen hatten, krochen langsam vorwärts zu dem Unterteller mit Milch und tapsten hinein, wobei sie sich zunächst die milchigen Pfoten ableckten, dann später das milchige Gesicht und schließlich nach ein paar Versuchen herausfanden, wie man Milch aus einem Schälchen schleckte. Nur das dritte Kätzchen, das kleinste, das besonders schwach aussah, blieb fast regungslos liegen und machte keine Anstalten, irgendetwas zu fressen.
„Was machen wir mit dem Kleinen, Mum?", fragte Ginny schließlich, als klar war, dass es bereits zu schwach war, um sich zum Unterteller zu bewegen. „Es muss doch was fressen!"
„Ich weiß nicht, ob wir warten sollten, bis es bei seiner Mutter trinkt", ergänzte Hermine. „Das kann Stunden dauern, bis sie wieder Milch hat, und dann ist es vielleicht schon zu spät!"
war ebenfalls besorgt.
„Das Kätzchen gehört zu einem Tierheiler, aber das ist derzeit keine Option. Ich werde was versuchen. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, aber ich sehe keine Alternative."
Sie zückte ihren Zauberstab und belegte die Katzenmutter erneut mit einem Beruhigungszauber, bevor sie zum magischen Käfig mit der darin befindlichen Kiste ging. Dann nahm sie das schwache Kätzchen vorsichtig in eine Hand und legte es zwischen seinen beiden Geschwistern mit dem Kopf auf die Untertasse, sodass seine Schnurrhaare in der Milch landeten, bevor sie einen Wärmzauber über den Kätzchen produzierte sich wieder zurückzog. Erst bewegte es sich nicht, doch nach einigen Sekunden leckte es sich die Schnurrhaare sauber. Ein paar Sekunden später erneut. Schließlich begann es, sporadisch an der Milch zu nippen, wobei Harry nicht wusste, ob es sich nur sauber lecken wollte oder tatsächlich fraß. Doch das Ziel war erreicht, es schluckte zumindest ein paar Tropfen Milch hinunter.
Als Mrs. Weasley sah, dass ihr Plan aufgegangen war und die Kätzchen die kleine Menge Milch aufgeschleckt hatten, schickte sie mit der Begründung, dass die Katzen nun Ruhe benötigten, alle Anwesenden aus der Küche und löste schließlich den Beruhigungszauber für die Katze. Harry, Ron und Hermine gingen in den Garten, wo Hermine endlich auch Krummbein aus seinem Gefängnis freiließ. Dort setzten sie sich an einen hölzernen Gartentisch und führten das Gespräch fort, dass sie in Harrys Wohnzimmer begonnen hatte. Nach ein oder zwei Minuten begann sich Krummbeins Missmut über das relativ lange Einsperren in seinem Käfig zu legen und er schmiegte sich zunächst an Hermines Beine, bevor er es sich schließlich in ihrem Schoß bequem machte, während er von ihr durchgehend hinter den Ohren gekrault wurde. Dort schlief er nach einer Weile schnurrend ein.
Als Harry, Hermine und Ron einige Stunden später nach dem Abendessen erneut im Garten saßen und Krummbein dabei zusahen, wie er späte Maikäfer jagte – und zu Hermines Missfallen auch fraß – kam schließlich eine komplett schwarze, edel aussehende Eule angeflogen und landete direkt neben ihnen im Gras. Ron griff zu dem Brief, der an ihrem Bein befestigt war, und als er seinen Namen sah, öffnete er ihn und las laut vor. Es waren nur wenige Sätze:
Potter, Weasley, Granger.
Kommt morgen um 10:00 in die Winkelgasse. Ich habe euch etwas zu übergeben. Kommt alleine oder mit weiterer Begleitung. Ich werde alleine sein und auf der Sitzbank neben Weasleys Zauberhafte Zauberscherze warten. Es ist keine Falle.
Draco Malfoy
Harry und Hermine sahen sich überrascht und mit großen Augen an. Damit hatten sie nicht gerechnet.
„Was sagt man dazu?", rief Ron verblüfft. Und dann: „Glaubt ihr ihm?"
Harry starrte finster auf den Brief, bevor er antwortete.
„Malfoy ist der letzte Mensch auf Erden, dem ich irgendetwas glaube. Ich denke aber, es wäre extrem dumm von ihm, uns in der Winkelgasse anzugreifen. Selbst mit massiver Unterstützung von seinen Todesserfreunden."
„Du willst also hingehen und ihn treffen?", fragte Ron. „Den Trottel."
Harry schnaufte hart.
„Nein, ich will nicht. Aber..."
„Aber?"
„Es wirkt merkwürdig, aber er könnte wichtige Informationen haben, Ron", sagte Hermine nachdenklich. „Insiderinformationen aus Todesserkreisen. Und mit dem Brief ist auch alles nachverfolgbar. Er muss etwas wichtiges erfahren haben, das er uns mitteilen will."
Harry nickte.
„Ja, das meinte ich. Eine Info, die er nur uns übergeben kann."
Ron sah seine beiden Freunde übellaunig an.
„Mum wird nicht begeistert sein, das wisst ihr."
„Das ist mir klar", sagte Hermine. „Aber wir müssen ohnehin in die Winkelgasse. Wir brauchen neue Zauberstäbe, wir brauchen die Schlösser, die Kingsley empfohlen hat, ich muss dringend in eine magische Apotheke und wir müssen Katzenfutter und Medizin organisieren, um die Kätzchen wieder hochzupäppeln. Nur weil sie jetzt etwas Milch getrunken haben, heißt das noch lange nicht, dass sie über den Berg sind und von alleine gesund werden."
„Dann sollten wir Dad aber auch davon überzeugen, morgen besonders viele Auroren zum Schutz der Winkelgasse bereitzustellen."
„Wäre gut, ja", sagte Harry. „Und es würde auch sicher nicht schaden, den DA zusammen zu trommeln. Dann haben wir auf jeden Fall eine schlagkräftige Eskorte. Und wir würden auch mal wieder alle sehen. Wird mal wieder Zeit."
Ron verschränkte die Arme hinter dem Kopf und lehnte sich zurück, während er die untergehende Sonne betrachtete.
„Dann auf zur Winkelgasse."
Es klang nicht vollends überzeugt, aber er würde seine Freude nicht im Stich lassen.
