Es ist 7 Uhr und hört Channel 97! Was macht ihr an diesem wunderschönen und sonnigen Mor….
Klar, der sonnige Morgen klatschte gerade in dicken Tropfen gegen das Fenster als ich genervt auf den Wecker schlug. Das Wetter passte ja wieder bestens zu meiner Laune. Tief seufzte ich, was hatte mich nur geritten jetzt schon aufzustehen obwohl ich erst heute Nachmittag würde arbeiten müssen? Max. Mein Nichtsnutz von Exfreund würde um 8 Uhr endlich seinen Krempel abholen. Hätte der Idiot ja schon lange machen können als ich zwei Wochen nicht in der Stadt war, wenn er es schon für klug hält meine Nachbarin zu vögeln!
Es half ja nichts. Widerwillig schwang ich mich aus dem Bett und streckte mich. Heute wurde ich dabei nicht fordernd angewedelt. Mein Hund hatte bei einer Kollegin geschlafen, die ebenfalls einen Hund hatte. Ich wollte ihn nachher nicht hier haben, bevor er sich noch in Max verbiss. Obwohl…. Nein!
Schnell putzte ich meine Zähne und kramte eine bequeme Hose und ein Shirt hervor. Schnell hatte ich alle seine Sachen aus dem Schrank auf einen Haufen geworfen. Mir doch egal ob seine Hemden zerknitterten oder seine gebügelten weißen Socken dreckig werden könnten. Wie hatte ich sowas dämliches nur so lange ertragen können…
Natürlich hatten wir schöne Zeiten. Am Anfang. Vor zwei Jahren. Dass er fremd geht hatte ich schon länger vermutet, konnte es aber nicht beweisen. Dass ich es herausgefunden habe war eher zufällig. Ich war (ja wie im Film) zufällig zwei Stunden früher als geplant zurückgekommen von meinem Seminar in Seattle. Und wer kommt da im Handtuch bei meiner Nachbarin heraus um die Zeitung herein zu holen? Mir wurde immer noch schlecht dabei.
„Schatz?! Ich kann dir das erklären! Die Dusche…" Ungläubig hatte ich ihn angeschaut bis der erste Schock von mir abgefallen war.
„Die Dusche war kaputt? Wolltest du mir das gerade weiß machen? Die. Dusche. War. Kaputt? Etwas Besseres ist dir nicht eingefallen?! Du vögelst meine Nachbarin und willst mir erzählen unsere Dusche war kaputt! Du mieser, verlogener Dreckskerl!"
Ich hatte noch am selben Tag die Schlösser ausgetauscht. Ein Blick auf die Uhr und mein Handy verrieten mir dass der Idiot gleich sein Zeug vom Bürgersteig würde aufsammeln können. 7:58 und kein betrügender Exfreund in Sicht. Der Regen hatte aufgehört als ich schon mal langsam das Fenster öffnete. Vielleicht würde es ja doch noch ganz schön werden heute. Fünf – vier – drei – zwei – eins. Pech gehabt Freundchen.
Schon segelten die ersten Hemden aus dem Fenster. Das tat gut. 10 Minuten später war der Berg mit Kleidung schon fast vollständig durch das Fenster gewandert. Die letzten Stücke auf dem Arm näherte ich mich dem Fenster, als draußen ein Auto mit quietschenden Reifen anhielt. „Spinnst du vielleicht?!" Gefolgt von den Socken rief ich nur zurück: „Wir hatten ausgemacht um 8 Uhr und nicht um 8:15!" Ungläubig starrte er mich an. „Du hast sie doch nicht mehr alle! Ich hoffe du dummes Miststück hast deine Finger von meinem Notebook gelassen, sonst…" Jetzt war es genug. Mit einem süffisanten Grinsen hielt ich das Elektrogerät hoch. „Ach du meinst diesen nutzlosen Briefbeschwerer mein Schatz?" Meine Stimme triefte vor Gift. Max wurde ganz blass. „Ich warne dich, mach jetzt a nichts Dummes. Ich schwöre dir ich mache dich fertig wenn du es fallen lässt!" „Uups!" Und schon segelte das Notebook aus dem Fenster.
Ein Passant mit längeren braunen Haaren und einem Basecap konnte gerade noch aus dem Weg springen um nicht getroffen zu werden. „Ich bringe dich um du dumme Schlampe! Warte nur bis ich dich kriege! Ich prügel die Sch…." Ich weiß nicht wer von uns beiden mehr erschrak als der Mann ihn plötzlich am Hals packte und gegen die Laterne drückte. Ich verstand nicht alles da sich meine Wohnung im dritten Stock befindet. Ich hörte nur etwas wie Ehre und lass die Finger von ihr sonst kommt die Polizei. Kurz schaute er mit den blausten Augen die ich je gesehen hatte zu mir hoch. Dann verschwand er einfach ohne noch etwas zu sagen.
Dass ich ihn bald wieder sehen würde war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Max hatte grummelnd sein Zeug und das zerstörte Notebook in sein Auto gestopft und war dann endlich abgedampft. 11 Uhr. Ich hatte noch mehr als fünf Stunden Zeit bevor ich zur Arbeit müsste. Ja das Leben einer Krankenschwester. Was machte ich denn nun mit dem angebrochenen Tag… Hmm. Ich könnte meinen Bruder im Büro besuchen. Ein bisschen Ablenkung wäre ganz nett.
Nächstes Problem. Was sollte ich anziehen? Schließlich entschied ich mich für meine geschnürten Boots, eine schwarze Hose und mein altes AC/DC Shirt.
