Hallo Hallo,

vielen Dank für die Kommentare und die PMs, ich habe mich sehr gerfreut, und schaut, es ist noch Mai und es gibt den nächsten Kapitel. Ich hoffe er gefällt euch gut, es kommen noch ein paar Kontroverse Kapitel, mit denen ihr vielleicht nicht so einverstanden sein werdet. Ich bin mal gespannt, was ihr darüber denkt.

Viel Spaß beim Lesen, eure

Tatosensei


Kapitel 19: Gegenwart

"Miss, Sie können nicht einfach so zum CEO, wenn sie keinen Termin mit ihm haben", versicherte zum dritten Mal die Sekretärin am Empfang im untersten Foyer des Kaiba Corp Headquarter in Nordamerika. Zum dritten Mal schnappte eine furiose Brünette der Sekretärin an, dass es ihr Scheiß egal sei, ob sie einen Termin mit dem CEO habe oder nicht. Sie könne zu ihm , wann sie möchte, deshalb solle sie gefälligst den CEO-Fahrstuhl für sie freigeben, und falls sie so sehr vor dem mächtigen Boss Angst habe, dann könne sie ihn anrufen und die Ankunft von Tea Gardner mitteilen.

Um ihren Worten Taten folgen zu lassen, ging Tea zum Fahrstuhl und wartete, bis zu ihrer Überraschung die Türen sich öffneten und sie tatsächlich in das höchste Stockwerk des Gebäudes gefahren wurde. Anscheinend hatte die Sekretärin im Foyer doch nachgegeben, denn ohne ihren OK würde sie gewiss nicht zum CEO unterwegs sein.

Die Sekretärin griff sofort, als sie den Aufzug mit Höchstgeschwindigkeit aufsteigen sah, nach dem Telefon, um seinen Chef über den unangekündigten Gast zu informieren, wozu sie weniger als 10 Sekunden Zeit hatte, gesetzt den Fall Kaiba nahm den Hörer sofort ab.

Kaiba nahm den Hörer mit einem unzufriedenen Grunzen ab. Jeder wusste, dass er nur Anrufe seiner eigenen Sekretärin entgegennahm, und niemand wagte ihn jemals direkt anzurufen. Aber weil er der Sekretärin für diesen einen Tag freigegeben hatte und weil die Mitarbeiterin im Foyer bestimmt einen sehr guten Grund dazu haben musste, weshalb sie ihn anrief, machte der CEO eine Ausnahme und behielt Recht: Die aufgeregte Empfangsdame informierte darüber, dass eine Tea Gardner ihn sehen wollte. Er versuchte seinen überraschten Ton zu verbergen und sagte ihr, dass es in Ordnung sei. Ein komisches Gefühl bereitete sich jedoch in seinem Magen: Er hätte nie erwartet, dass Tea zu ihm ins Büro kommen würde, das war untypisch für sie, selbst damals, als sie ein besseres Verhältnis hatten.

In seinem Kopf wirrten alle möglichen Gedanken herum: war etwas passiert? Ging es Mona gut? Warum konnte sie seinen Besuch von heute Abend nicht abwarten?

Er ging schnellen Schrittes zu seiner Bürotür und öffnete sie, als im selben Augenblick Tea vor sein Gesicht sprang. Von dem Gesichtsausdruck wusste er sofort, dass etwas nicht stimmte.

"Wie konntest du nur sowas zulassen? Wie konntest du nur so etwas über mich sagen!", fauchte sie Kaiba an und konnte ihre Frustration und ihren Ärger nicht mehr am Zaum halten, "Was hast du dir dabei gedacht mich zur Zielscheibe zu machen", schrie sie ihn unkontrolliert an und schlug mit den Fäusten auf seine Brust.

Wenn Kaiba vor ein paar Sekunden besorgt war, so war er jetzt entsetzt. Er griff Tea an beiden Handgelenken, um sie etwas zu beruhigen und endlich zu erfahren was los war.

"Tea, was ist passiert? Ist was mit Mona? Beruhige dich!"

Tea blickte mit ihren tränenreichen, aber gleichzeitig vor Wut leuchtenden blauen Augen zum ersten Mal seid sie in sein Büro gestürzt war Kaiba an. Dieser schauderte vor ihrem Anblick, erkannte in ihrem Blick eine Mischung aus Frust, Ärger und Verzweiflung.

"Wie konntest du ihr sagen, dass ich deine Geliebte bin? Wie konntest du ihr über die abendlichen Treffen erzählen, wenn du wusstest, wie sie reagieren würde? Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sie Mona angetroffen hätte! Ich hasse dich dafür, Seto Kaiba, ich hasse dich dafür, dass du schon wieder in meinem Leben aufgetaucht bist, um mir Schmerzen und Leiden zuzufügen."

Kaiba verstand kein Wort. Wen hatte er so etwas erzählt? Er hatte mit niemandem über Tea gesprochen außer Mokuba und selbst bei ihm hatte er kein solches Wort benutzt, geschweige denn sie als solche bezeichnet. Dann traf ihn die Einsicht. Xenia!

Ist sie etwa gestern nach New York geflogen und hat Tea aufgesucht? In der Wohnung?

"Was hat sie dir angetan Tea? Was hat dir Xenia gesagt?!", er musste sie wieder an den Armen packen und leicht schütteln um sie wieder zu Verstand zu bringen, denn sie sagte irgendwelche unverständliche Sätze, die durch ihr Schluchzen und Kurzatmigkeit unterbrochen wurden. Nun kochte der Ärger in ihm hoch, wenn er nur daran dachte, was diese unbarmherzige und unkontrollierte Frau gemacht haben könnte, als sie Tea antraf. Sein Blick wanderte auf Teas Oberarme, wo sich die dunkelblauen Handabdrücke eines der Bodyguards abzeichneten, die durch den kurzärmeligen T-Shirt nicht verdeckt werden konnten.

"Was hat sie dir angetan Tea?", fragte Kaiba nun mit verzweifelter Stimme.

"Nichts was du mir nicht tausendfach angetan hast!". Tea wischte sich die Tränen: "Du bist nicht nur ein verdammter Mistkerl, sondern bist ein Lügner, der die Menschen um sich herum manipuliert. Was dachtest du? Nur weil ich so dumm war und dir erlaubt hatte Mona zu sehen, wäre ich dir wieder für immer verfallen Hast du gedacht du kannst mich zu deiner Geliebten degradieren und gleichzeitig deine Frau besänftigen?"

"Ich habe ihr so etwas nicht gesagt, Tea, das musst du mir glauben. Ich habe ihr sogar gedroht, dass sie sich aus deinem Leben raushalten soll."

"Also hast du doch von mir erzählt?", rief sie und schüttelte den Kopf, "Ich muss dir nichts mehr glauben, niemals wieder werde ich dir glauben, Kaiba! Und was die Rückkehr nach Domino betrifft, vergiss es! Die Antwort ist nein, niemals werde ich mich in die Höhle des Löwen begeben!"

Mit den letzten Worten, die in Kaibas Ohren schallten, wie das schlimmste aller Drohungen, stürzte Tea zur Tür, um aus dieser verdammten Gebäude und von diesem verdammten Mann loszukommen, aber Kaiba riss sich zusammen und verhinderte im letzten Augenblick, dass sie den Raum verlassen konnte. Er packte an Teas Arm und erwischte - vom schmerzhaften Zischen, das Tea entkam - zu allem Übel die Stelle, die Blau vom Handdruck angelaufen war und schloss die Bürotür erneut, bevor sie rausspringen konnte. Tea zuckte vor dem Stechen zusammen und forderte ihn auf sie gehen zu lassen. In seiner Verzweiflung, die Frau zu beruhigen, mit ihr vernünftig reden zu können und ihre letzten Worte ungeschehen zu machen, tat Kaiba das, was ein beobachtender Dritter als einen schamlosen und verzweifelten Versuch und einer seiner größten Missgeschicke bezeichnen würde: Er küsste sie.

Der erzwungene Kuss brachte zwar die lauten Forderungen von Tea zum Verstummen, erreichte aber, dass die Brünette sich von ihm losriss und ihn mit aller Kraft eine Ohrfeige verpasste.

"Das reicht! Ich will dich nie wieder in meiner Nähe sehen Kaiba, vergiss für immer, dass du eine Tochter hast! Ich werde nicht zulassen, dass du sie jemals wieder siehst."

Sie rannte aus dem Büro und zum Fahrstuhl.

Kaiba war für einige Sekunden gelähmt von dem was er gemacht und von dem was sie gesagt hatte. Dann konnte er sich nicht entscheiden, ob er die Security anrufen und Tea aufhalten oder hinter ihr herrennen sollte. Als er nach wenigen Sekunden wieder klar denken konnte, entschied er sich für keine der Optionen, sondern stürzte zum Telefon und rief Roland an, den er mit kurzen aber wirkungsvollen Worten befahl herauszufinden, wo Xenia war, um sie daran zu hindern das Land zu verlassen und in seinem Penthouse festzuhalten. Ferner sollte er bis zu seiner Ankunft im Penthouse herausfinden, was in Teas Wohnung passiert war und wo sich Mona befand.

Danach stürzte er in das Parkhaus und suchte mit seinem Wagen langsam die Straßen um Kaiba Corp herum nach Tea, die er nicht mehr auffinden konnte. Höchstwahrscheinlich hatte sie die U-Bahn nach Hause genommen.

Er drückte auf das Gas und betete alle Götter an, auch an denen er nicht glaubte, dass es für ihn nicht zu spät sein würde.

Für einen Augenblick wusste sie nicht was sie machen wollte. Die Energie, die ihr das Zusammentreffen mit Kaiba verliehen hatte und die sie in der Konfrontation gesteckt hatte, war verschwunden und sie fühlte sich nahe dem Kollaps. Dennoch musste sie sich zusammenreißen und in die Wohnung zurückkehren: Sie brauchte noch Sachen für Mona und sich. Sie mussten wohl oder übel einige Tage bei Elli übernachten.

Als sie die Wohnungstür öffnete, erdrückte das Chaos und die Zerstörung sie erneut, und so kamen ihr erneut die Tränen, die Verzweiflung die Angst. Sie ging in den Schlafbereich. Hier wurde glücklicherweise nicht viel angerichtet. Ein paar Boxen mit Bücher waren auf Monas Bettchen gefallen, sonst war der dunkle Bereich in der Wohnung verschont geblieben. Sie nahm einige Kleidungsstücke und packte sie in eine Reisetasche, währenddessen immer noch die Tränen wegwischend. Sie ging mit der Tasche in den Wohnbereich und setzte sie auf das Sofa ab.

Zahnbürste, Hygieneartikel, Handtücher, nein, Elli wird schon ein paar Handtücher haben. Mützi, ich darf Mützi nicht vergessen, und ein paar Kinderbücher und den Rucksack.

In ihrem Selbstgespräch vertieft bemerkte sie nicht, wie jemand in die Wohnung kam. Erst als sie das Geräusch von zerbrechendem Glas unter den Füßen einer Person wahrnahm, blickte sie auf und in die Augen von Kaiba.

Kaiba war wie verrückt Richtung Teas Wohnung gefahren, jedoch den Verkehr unterschätzt, den er bei allem Willen und Macht nicht entgehen konnte. Erst als er an der Haustürschwelle war, bemerkte er, dass die Tür Faust-breit offen war. Das Bild, das sich ihm offenbarte, schockierte selbst ihn. Er konnte sich lange, nervenzehrende Minuten nicht fangen. Die kleine gemütliche Wohnung, wo er an so vielen Abenden mit seiner Tochter gespielt hatte, wo die Wärme und Geborgenheit nur so aus jeder Ecke der Wohnung strahlten, lag in Trümmern vor ihm: zerschlagene Möbel, zerschmettertes Geschirr, zerrissene Gardinen. Es fehlte nur noch Blut, damit der Tatort vollständig wäre.

Er sah Tea mit dem Rücken mitten im Raum stehen, die gedankenverloren mit sich selbst sprach und irgendwelche Dinge aufzählte. Als er einen weiteren Schritt in ihre Richtung ging, knackte etwas unter seinem Fuß und veranlasste ihn zum Stehen. Er schaute auf den Boden und sah einen auf dem Kopf gefallenen Bilderrahmen. Vorsichtig ging er in die Hocke und hob den Rahmen auf und drehte es auf die Bildseite um: Eine Bildercollage die ihn bisher nicht aufgefallen war. Bilder der Vergangenheit, wertvolle Augenblicke, die er verpasst hatte und zukünftige Lebensereignisse, die er verpassen würde. Er richtete sich auf und traf auf Teas Blick, war jedoch nicht imstande etwas zu sagen. Seine Augen sprachen für ihn: vor Schreck erstarrt, zum ersten Mal machtlos, sprachlos.

Tea drehte sich um und packte ihre Sachen, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.

"Tea."

Sie ignorierte ihn.

"Tea hör zu", sprach Kaiba weiter, "es tut mir leid, was passiert ist. Ich werde mich um die Sache kümmern und glaub mir, wenn ich dir sage, dass sie teuer dafür bezahlen wird, was sie dir angetan hat." Kaibas Stimme hatte einen gefährlichen Ton angenommen, der Ton eines rachsüchtigen und gefährlichen Mannes, dessen Drohungen Versprechen waren.

Tea schwieg weiterhin.

"Oh mein Gott, was ist hier passiert?", sprach eine entsetzte Stimme an der Tür. Beide drehten sich um und sahen, wie Elli schockiert um sich schauend in den Raum kam. "Tea, was ist passiert?"

"Wo hast du Mona gelassen, Elli?", fragte Tea besorgt nach, statt auf die Frage der Freundin einzugehen.

"Sie ist bei Granny. Ich habe mir Sorgen gemacht, als du nach einer Stunde nicht aufgetaucht bist. Ich bin mit dem Taxi da, der wartet unten."

Es war schon so spät geworden? Sie musste zu ihrer Tochter. Auch wenn die liebe Nachbarin Granny ein paar Mal kurzfristig auf Mona aufgepasst hatte, wünschte sich Tea in diesem Augenblick nichts sehnlichster, als ihre kleine Tochter in den Arm zu nehmen. Sie packte die letzten wichtigen Sachen in die Reisetasche und sprach zu Elli; "Dann lass uns gehen."

Ohne auf eine Konfirmation zu warten, ging sie voraus und die Treppen hinunter zum Taxi.

Elli und Kaiba schwiegen sich an und sprachen kein Wort, bis Elli sich umdrehte und ebenfalls die Wohnung verließ.

Zurück blieb Kaiba im Trümmerhaufen, was zum Sinnbild seines Lebens geworden war.

Ihm kam die Situation schrecklich bekannt vor.