Liebe Leser, liebe Freunde, ohne viel Gerede präsentiere ich euch den nächsten Kapitel. Bitte entschuldigt die lange Pause und danke dass ihr immernoch meine Story lest und kommentiert. Ich freue mich solche tollen Leser zu haben.

Eure

tatosensei


Kapitel 20: Gegenwart

Ein erboster Dunkelhaariger raste die Straße des Fifth Avenue hinunter bis er mit einer immensen Bremsung vor dem Fünf-Sterne-Hotel stehenblieb. Sein Ausstieg, das Zuwerfen seiner Autoschlüssel an den Concierge und das Verschwinden in den Privataufzug geschah so schnell, dass keiner so richtig mitbekam, dass der CEO von Kaiba Corp in einer derartigen schlechten Laune ankam, dass man ihn lieber nicht über den Weg laufen sollte. Im obersten Stock angekommen sah Kaiba bereits den besorgten Gesichtsausdruck von Mokuba, der losreden und ihn etwas fragen wollte - wohl was hier los war - doch er stoppte ihn, indem er seine Hand hochhob und zischte:

"Jetzt nicht, Mokuba."

Schnellen Schrittes lief er stattdessen ins Eckzimmer, sein Bruder im Schlepptau. Im abgedunkelten Zimmer warteten mehrere seiner Bodyguards und Roland auf ihn, auf einem Stuhl saß Xenia, die Hauptdarstellerin dieses Tages; auf dem Boden gefesselt und wohl etwas zusammengeschlagen saßen daneben die drei Bodyguards - die Nebendarsteller. Auf der Fahrt zum Hotel hatte Roland per Freisprechanlage alle schrecklichen Details vom frühen Nachmittag erzählt, alles, was die Kameras auf der Straße festhalten konnten und alles was die Bodyguard unter Androhung von körperlicher Gewalt zugegeben hatten.

"Mr. Kaiba, wir haben sie alle hierher gebracht, wie Sie gesagt hatten", sprach Roland als er seinen Chef sah. Dieser nickte und widmete sich einer verärgerten und vor Wut kochenden Xenia.

"Was zum Teufel veranstaltest du hier, Seto, diese brutalen Bastarde haben mich hierher gebracht und lassen mich nicht gehen. Ich hatte heute ein Treffen mit einem Produktdesigner, das ich verpassen musste. Obendrein habe ich mir wegen diesen brutalen Kerlen hier einen Nagellack kaputt gemacht. Ich verlange eine Erklärung!"

"Sei froh, dass sie dir nicht noch mehr kaputt gemacht haben, denn wenn es nach mir ginge Xenia, dann schwöre ich dir, ich hätte nicht so viel erbarmen mit dir", sagte Kaiba mit aller Anstrengung seinen Ärger im Zaum und unter Kontrolle zu halten. "Wie kannst du es wagen zu ihr nach Hause zu gehen und ihr zu drohen? Ihr diese Lügen zu erzählen? Wie kannst du es wagen mit deinen Schlägertypen ihr Zuhause zu demolieren? Sag es mir!", er ging einige Schritte in ihre Richtung, zwang sie vom Stuhl aufzustehen und stand nun gefährlich Nahe vor ihr, "wie konnte dein krankes Gehirn so etwas zustande bringen? Was hast du dir dabei gedacht?" Die letzten Worte sprach er mit dermaßen Zorn in den Augen an und griff nach ihrem Arm, dass Roland intervenieren musste.

"Mr. Kaiba, nicht.", sagte der Security-Chef mit einer klaren Aufforderung, welche nur ihm erlaubt war. Obwohl er wusste, wie es Kaiba ergehen musste - er selbst hat den Tatort inspiziert und war geschockt, vor allem als er über Xenias Drohung gegen Tea erfuhr und daran dachte, dass mit etwas Pech auch Kaibas kleine Tochter an diesem Nachmittag in der Wohnung anwesend sein könnte - dennoch musste er vor allem in diesen wenigen Fällen des Kontrollverlustes seines Chefs einen klaren Kopf behalten und die Stimme der Vernunft sein, um ihn vor größeren Problemen fernzuhalten.

Kaiba ließ von Xenia ab, die nun mehr als nur verärgert war, so vor aller Augen bloßgestellt worden zu sein.

"Roland, kümmere dich darum sie ins nächste Flugzeug zu setzen und sie nach Sankt Petersburg zu ihrem Vater zu fliegen. Sorge dafür, dass zwei meiner Männer sie die ganze Zeit begleiten. Und geflogen wird Holzklasse, hast du mich verstanden?"

Roland nickte. Xenia schaute entsetzt zu ihrem Mann und wusste nicht, worauf sie mehr wütend sein sollte, auf Kaibas Entscheidung sie loszuwerden, oder einen kommerziellen Flug nehmen zu müssen.

"Was soll das, ich will nicht nach Sankt Petersburg! Ich bin erwachsen, ich kann selbst Entscheidungen treffen!"

"Roland", ignorierte Kaiba die rasende Russin, "danach kümmerst du dich um die andere Sache."

Kaiba ging aus dem Zimmer ohne den bunten Wortschatz an Beleidigungen und Drohungen seiner noch Ehefrau weitere Beachtung zu schenken. Er wusste, dass er sie mit diesen Mitteln nicht lange loswerden konnte. Im Gegenteil: Sobald sie einen Fuß in Sankt Petersburg setzte, könnte sie gleich im nächsten Atemzug den Privatjet ihres Vaters nehmen und wieder zurück sein; sie war ein freier Mensch und daran konnte nicht einmal er was ändern. Schlimmer noch, er würde gerne Bajev aus der Geschichte so lange wie möglich raushalten, jetzt würde er aber Wind von der Scheidung bekommen und Schritte gegen ihn unternehmen. Aber er brauchte Zeit, er brauchte Gewissheit, dass sie wenigstens in den nächsten Stunden und Tagen keine Bedrohung für Tea und Mona sein würde. Obwohl er mit einer erbosten Xenia in Russland bei ihrem Vater ganz andere Probleme bekommen würde, als was er jetzt schon hatte, brauchte er Zeit, um sich was zu überlegen. Er durfte sich nicht aufgrund seiner Leichtfertigkeit alle Chancen bei Tea verbauen, und so hitzköpfig wie er das letzte Mal mit ihr umgegangen war, war er kurz davor.

"Seto, was ist passiert?", sprach erneut Mokuba, der seinen Bruder nun in sein Büro begleitete, "Kannst du mir bitte sagen, was los ist? Ist was mit Tea oder Mona? Hat Xenia den Beiden was angetan?"

Kaiba ging, wie zu oft in letzter Zeit, zu seiner Getränkebar und schenkte sich einen Whiskey ein. Doch als der erste Schluck des bitteren Getränks ihn an die vielen letzten Male erinnerte, weswegen er immer das Bedürfnis hatte zu trinken, brannte der Alkohol stärker und erbarmungsloser seinen Rachen hinunter. Alkohol und schlechtes Gewissen, eine Kombination, die er zu oft gemeinsam erleben musste. Der Wut gewann erneut die Oberhand, als er sich nur eine Sekunde lang an Teas blasses Gesicht und ihre blauen Flecken am Arm erinnerte und als er an Mona dachte und wie sie knapp einem solchen Trauma entkommen konnte. Er hatte komplett die Kontrolle über die Situation verloren, seinen Gegner unterschätzt, sich selbst überschätzt. Mit einem lauten Knall warf er das Kristallglas mit der Flüssigkeit gegen die Wand, wo es in tausenden Scherben zersprang und eine Spur aus Flecken und Rissen hinterließ.

"Diese verdammte Frau hat sie aufgesucht und hat sie gedroht, Mokuba! Sie hat ihre ganze Wohnung demoliert, sie hat alles zerschlagen, was sie in die Hände bekam, und ich war nicht einmal da, um sie aufzuhalten. Ich habe schon wieder zugelassen, dass diese Bitch mir alles kaputt macht! Und ich will mir nicht ausmalen, was mit Mona passiert wäre...", Kaiba fiel mit einem schwerfälligen Knall auf sein Bürostuhl und nahm seine Stirn in die Hand. Er war über die Phase normaler Kopfschmerzen hinaus, seine Migräne, die angespannten Nerven und der Jetlag haben ihre Spuren hinterlassen. Aber das alles war nichts gegenüber Teas abgeneigtem Verhalten, gegen ihre Drohung Mona nie wieder sehen zu können. Was könnte er jetzt tun?

"Mona ist nichts passiert, oder?", fragte Mokuba mit einer geschockten und zittrigen Stimme. Kaiba schüttelte seinen Kopf, Mokuba ließ einen lauten Seufzer von sich. Er hatte zwar immer noch keine genaue Vorstellung, was heute geschehen war, aber nach den Gesichtern von Roland und Seto zu beurteilen, war es schlimmer, als seine Fantasie es ihn ausmalen konnte.

"Wo sind die beiden jetzt?"

"Tea, du musst mit ihm reden", sagte Elli, die einen unaufhaltsam vibrierenden, tonlosen Smartphone in der Hand hielt. Tea saß auf der Couch, Mona in ihrem Schoß, die vor einer halben Stunde in Teas Armen eingeschlafen war. Dennoch konnte die Brünette ihre kleine Tochter nicht in das kleine Zimmer ihrer Freundin auf dem provisorisch eingerichteten kleinen Bett legen, welches die Blondine aus einer aufblasbaren Matratze zusammengebaut hatte. Sie wollte Mona nicht alleine lassen, sie wollte spüren, dass sie in der Nähe war, dass sie keiner Gefahr ausgesetzt war. "Magst du dich nicht auch mal ausruhen Tea", setzte Elli fort, als der Anruf erneut verstummte, ohne dass jemand abgenommen hatte. Achtzehn Anrufe in Abwesenheit aus drei verschiedenen Nummern und fast genauso viele Nachrichten - geschriebene wie gesprochene - alle von derselben Person.

Als Psychologin wusste Elli was gerade mit den Beiden, Kaiba und Tea, los war, aber sie konnte keine Abhilfe schaffen, zu frisch war das Ganze und zu sehr war sie selbst in der Sache involviert. Sie wollte Tea die nötige Zeit geben, um sich von ihrem Schock zu erholen, sie hoffte nur, dass Kaiba vernünftig genug sein würde, sie nicht bei ihr zu Hause aufzusuchen, sie nicht zu bedrängen. Dass er schon längst wusste, wo Tea in den nächsten Tagen und Nächten beherbergt sein würde, war ihr klar. Dies musste sie ihm Zugutehalten, aber wie lange noch?

Sie war genauso wütend, wie Tea, wütend auf die Tatsache, dass ihre Freundin endlich nach so langer Zeit, als sie wieder etwas Glück, Ruhe und Harmonie erleben konnte, auf einmal wieder in ein Chaos gestürzt wurde. Sie sah wieder in Tea ihre Freundin, die verletzt wurde, die verwundet war, die um ihr Leben und das ihrer kleinen Tochter fürchtete. Und das alles erneut wegen derselben Person wie vor drei Jahren. Doch sie wollte neutral bleiben, um die Vernünftige in dieser verwirrten Situation zu sein und um ihrer Freundin den richtigen Rat geben zu können, schließlich war sie Psychologin, um genau das machen zu können.

Als die Uhr halb zwölf zeigte und Elli aufgegeben hatte, Tea aus dem vegetativen Zustand zu holen, brachte sie eine dicke Decke aus dem Schlafzimmer und deckte damit Mutter und Tochter zu. Tea war bereits in einen traumlosen und unruhigen Schlaf gefallen und hielt Mona so fest, als hinge davon ihr ganzes Leben ab.

Der Morgen danach brachte keine großen Veränderungen im Gemütszustand der beiden Freundinnen. Aufzuwachen in einer eigentlich fremden Haushalt und zu wissen, dass in ein paar Kilometer Entfernung die eigenen vier Wänden in Trümmern lagen, sorgten für eine nachdenkliche und verbitterte Atmosphäre. Der Tag hatte jedoch begonnen und zwang den zwei berufstätigen jungen Frauen und das zweijährige Kleinkind den Alltag auf.

"Wir sehen uns dann heute Abend, Elli. Ich werde heute Vormittag nur für einige Stunden in der Arbeit sein, danach werde ich schauen, dass ich in der Wohnung etwas Ordnung schaffe.", teilte Tea mit, als sie nach ihrer Handtasche griff.

"Tea, ich kann heute meine Kollegin bitten, zu übernehmen, dann können wir gemeinsam aufräumen. Um wie viel Uhr wirst du dort sein?"

"Das ist nicht nötigt. Ich werde schauen, dass ich am frühen Nachmittag etwas Zeit finde, bevor ich Mona vom Kindergarten abhole. Ich muss sowieso schauen, was sich wieder herstellen lässt und was komplett neu beschafft werden muss."

"Das spielt keine Rolle", bestand Elli weiter, "ich schaue dann, dass ich so gegen früher Nachmittag im Appartement bin."

"Danke Elli", konnte Tea leise, aber für Ellis Ohren klar und deutlich flüstern, bevor ihre Stimme brach und ihre Augen mit Tränen füllten. Sie nahm Monas Hand und ging vorsichtig die Treppen am Eingang hinunter. Der Weg zur Kita war von Ellis Wohnung etwas weiter weg, aber dennoch zu Fuß erreichbar und nicht nur das Wetter motivierte Tea den langen Spaziergang zu nehmen, auch die frische Luft und der Parkt, durch die sie laufen mussten, versprachen ein wenig Ordnung in ihren verwirrten Kopf zu bringen.

Kaum einige Schritte gegangen, bemerkte Tea, dass sie beobachtet wurde. Als sie stehen blieb und sich umsah, konnte sie aber niemanden in der Menschenmenge erkennen, die blond, dünn und mit Bodyguards unterwegs war. Trotz ihres Erlebnisses vom gestrigen Tag, wollte sie nicht paranoid sein und versuchte durch langes Ein- und Ausatmen ihre strapazierten Nerven zu beruhigen. Dennoch ging sie instinktiv schneller und zerrte fast das kleine Kind hinter sich her. Nach weiteren Schritten durch den Park, wo die Menschenmenge nicht mehr dicht durch die Straßen drängte, bemerkte sie erneut, dass sie verfolgt wurde. Diesmal war kein Paranoia, diesmal war wirklich jemand dicht hinter ihr, jemand im schwarzen Anzug, jemand der Aussah wie ein Bodyguard…

Sie blieb vor Angst stehen und ihr pochendes Herz schallte in ihrem Kopf. Sie drückte die Hand von Mona noch fester in ihre und brachte das kleine Mädchen noch näher zu sich, bereit es mit allen Mitteln, die ihr zur Verfugung standen, zu beschützen.

Bevor Sie jedoch etwas sagen konnte - sie konnte ihre Stimme auf einmal nicht finden - sprach der Bodyguard sie an:

"Miss Gardner, bitte haben Sie keine Angst".

Sie erkannte seine Stimme. Zu oft hatte sie ihn in ihrer Vergangenheit gesehen, und obwohl er kein Mann für lange Reden war, so war seine Stimme jedoch unverkennbar: Roland, der Sicherheitschef des Kaiba Corp und Chef- Bodyguard von Seto Kaiba. Ihr perplexes Gesichtsausdruck veranlasste den großen Bodyguard weiterzusprechen:

"Miss Gardner, ich bin hier, um dafür zu sorgen, dass Ihnen und der Kleinen nichts passiert", erklärte Roland.

"Kaiba hat dich geschickt, nicht wahr?", bestätigte Tea mehr sich selbst, als dass sie nachfragte, "Das ist nicht nötig, Roland, ich brauche keinen Aufpasser, schon gar nicht von ihm!"

Sie ließ den Bodyguard nicht aussprechen, sondern drehte sich um und setzte ihren Weg fort.

"Miss Gardner, seien Sie vernünftig."

"Nein, kommen Sie mir nicht damit, ich bin nicht diejenige, die unvernünftig war, Roland."

"Sie können sich nicht vorstellen, wie schlecht es Mr. Kaiba wegen der ganzen Sache geht."

"Das ist mir egal, ich habe ein Kind zu beschützen, alles andere ist für mich irrelevant! Und jetzt lassen Sie uns in Ruhe. Teilen Sie ihrem Chef mit, dass ich nichts mit ihm zu tun haben will, weder jetzt, noch irgendwann."

Mit den letzten harschen Worten, die sie aussprach, machte sich ein drückender Schmerz in der Brust von Tea breit, den sie jedoch ignorierte. Zu oft hatte sie wegen ihn falsche Entscheidungen getroffen, zu sehr hatte sie Verständnis, ja sogar Mitleid mit ihm gehabt, und jedes Mal hatte sie die Quittung dafür erhalten. Jetzt war jedoch Schluss, jetzt ging es nicht nur um sie, sondern um Mona.

Irgendwie schaffte sie es das Kind in den Kindergarten zu bringen, und obwohl sie Roland nicht mehr dicht hinter sich vernahm, wusste sie genau, dass der treue Sicherheitsmann sie von der ferne beobachtete. Irgendwie brachte dieser Gedanke ein Sicherheitsgefühl bei ihr hervor, welches sie nicht einmal sich selbst zugeben würde...


PS: Der nächste Kapitel kommt bald und er ist etwas kontrovers. Ich freue mich deshalb sehr über eure Kommentare.