Hallo liebe Leser, ich hoffe ihr seid noch da und begleitet meine Geschichte weiter. Hier der etwas zu späte aber vom Inhalt hoffentlich des Wartens würdige Kapitel.
ich bin gespannt, was ihr davon haltet. Vor allem was ihr über die Situation denkt.
Wenn meine Muse mich nicht verlässt, gibt es den nächsten Kapitel nicht so spät wie diesen.
Eure
tatosensei
Kapitel 21 Gegenwart
Sie war später von der Arbeit losgekommen, als es ihr lieb war. Eigentlich wollte sie das Meiste aufgeräumt haben, bevor Elli dazustieß, aber ihre Armbanduhr verriet, dass sie dafür gerade mal drei Stunden hatte.
Die Wohnungstür war abgeschlossen, als sie hineintreten wollte. Elli musste sie abgesperrt haben, als sie gestern als Letzte aus der Wohnung gegangen war. Sie holte tief Luft, innerlich auf das Chaos vorbereitend, dass sie mit der Öffnung der Tür auffinden würde.
Als die Tür sich jedoch mit einem sanften Quietschen öffnete, konnte Tea ihren Augen nicht trauen. Weg war der Trümmerhaufen, die kaputten Möbel, die zerstörten Küchenutensilien, die zertrümmerten Bilderrahmen und Dekoration. Sie stand in ihrer Wohnung, so wie sie noch vor zwei Tagen war, aufgeräumt, gepflegt und sauber. Wenn es Tea nicht besser wüsste, würde sie glauben, sie hätte endgültig ihren Verstand verloren. Als ob sie sich selbst beweisen musste, dass sie nicht träumte, tastete sie sich langsam den Möbeln entlang. Alles war an seinem Platz, alles sah fast so aus, wie sie gewohnt war, außer das eine oder andere Möbelteil, was zwar ähnlich aussah, jedoch definitiv nicht dasselbe Fabrikat oder Modell hatte, wie ihre alten Möbel. Nur im Bilderrahmen, welcher auf dem Konsolentisch stand, war die Bildercollage verschwunden, die sie in den letzten beiden Jahren mit Mona zeigte. Sie nahm den leeren Bilderrahmen in die Hand und starrte auf sie, als einzigen wahren Beweis dafür, das alles, was mit dem Alptraum des gestrigen Nachmittags zu tun hatte, kein Hirngespinst war.
"Ich habe das Bild genommen, weil ich es nicht in einem kapputen Bilderrahmen auf dem Boden liegen haben wollte. Und weil mir aufgefallen ist, dass ich kein einziges Bild von Mona habe."
Kaibas raue tiefe Stimme brachte Tea zurück in die Realität und bewirkte in ihr wieder eine unangenehme Anspannung.
"Du hattest nicht das Recht meine Wohnung zu betreten und schon gar nicht hier etwas anzufassen, Kaiba!"
Teas Worte hatten die Absicht ihn weh zu tun, ihn zu verletzen, so wie sie sich verletzt gefühlt hatte so viele unzählige Male in ihrem jungen Leben. Aber sie hörten sich wehmütig an, trotzig. Kaiba schwieg nur und gewährte ihr diesen kurzen Moment der Genugtuung.
"Wir müssen reden, Tea. Ich habe versucht dich so oft anzurufen…"
"Verstehst du es immer noch nicht? Ich will nichts mit dir zu tun haben, Kaiba. Ich brauche weder deinen Bodyguard, noch deine Innenarchitekten, die meine Wohnung wieder zurechtbringen, ich brauche niemanden, ich habe friedlich gelebt, bevor du aufgetaucht bist…", ihr fiel es schwer weiterzureden, als der Knoten im Hals ihr schon wieder zu ersticken drohte und die Tränen sich unaufhaltsam in ihren Augenwinkeln bildeten, um nach unten zu kullern.
Kaiba fand sich erneut in der unangenehmen Situation: Tea weinen zu sehen, brachte ihn aus der Fassung, auch wenn sie sich bemühte ihre Tränen zu verbergen. Ihm packte wieder das unaufhaltsame Verlangen sie in den Arm zu nehmen, sie zu trösten.
"Tea…"
Kaiba trat einige Schritte nach vorne und wollte nach ihrem Arm greifen und sie an sich drücken. Er wollte alles tun, nur um sie nicht mehr in dieser Lage zu sehen, nur um ein kleines bisschen Hoffnung zu haben, nicht völlig aus ihrem Leben verbannt zu werden. Tea vernahm seine Annäherung und ging zurück, nur um am Konsolentisch vor der Couch aufgehalten zu werden.
"Tea, bitte lass mich dir alles erklären."
"Ich brauche deine Erklärung nicht!" Teas Versuch, ihm auszuweichen wurden gestoppt, als Kaiba seinen Arm ausstreckte und sie am Vorbeigehen hinderte. Sie schaute in seine Augen, das Blau ihrer azurblauen Augen leuchtete noch mehr durch die Tränen, die sie irgendwie geschafft hatte, nicht zu vergießen. Der Ärger und die Wut hatten die Oberhand.
"Versuch ja nicht mich anzufassen, Kaiba!"
"Oder was?"
Der an Zynismus nicht zu überbietende Kommentar lähmte für einen Augenblick Teas Reaktionsfähigkeit, doch dann erholte sie sich und war dabei ihn erneut eine Ohrfeige zu verpassen, als er ihre Hand griff und sie an die Wand neben sich drückte.
"Hör zu, ich will genauso wenig, dass wir uns beschimpfen und uns grob angehen wie du, aber ich lasse es nicht zu, dass du mich mit Mona erpresst oder mir verbietest sie zu sehen", sprach Kaiba weiter und ließ seinen Blick nicht von Tea weichen. Ihre mäßigen Befreiungsversuche scheiterten an den festen Griffen, die Kaiba um ihre Handgelenke hatte und an seinen erdrückenden Körper, den er gekonnt an ihren drückte.
Trotz ihres verärgerten Gemüts konnte sie nicht verhindern, dass ihr innerlich warm wurde, ihr Herz schlug wie verrückt und sie war sich sicher, dass ihre Wangen verrieten, wie sie sich fühlte. Was sie fühlte, sobald er in ihrer Nähe war.
Kaiba erkannte ihr Unwohlsein und wusste sofort, dass seine Nähe der Grund war, weshalb ihr plötzlich die Atmung schwerfiel, weshalb sie errötete, weshalb ihre Brust auf und ab fiel und gefährlich die seine streifte.
"Und ich bereue nicht, dass wir in dieser Nacht vor drei Jahren zusammen waren", Kaiba grinste verführerisch und wohl wissend, dass in ihrem Kopf genauso die Bilder dieser heißen Nacht umkreisten, wie bei ihm. "Ich bereue nicht, dass ich dich gestern geküsst habe. Ich werde auch nicht bereuen, was ich jetzt mit dir anstellen werde."
Kaum hatte Tea realisiert, was er gesagt hatte, schon waren seine Lippen auf ihre. Die Unvorhersehbarkeit dieser Handlung, ließ Tea keine Chance dem auszuweichen oder dem entgegenzuwirken. Sie war gefangen zwischen der Wand und Kaibas festem Griff, seine Lippen auf ihren, seine Zunge umkreiste ihre, als er den Kuss vertiefte. Und sie hasste sich dafür, dass es ihr gefiel, was er mit ihr anstellte.
Er riss sich los und beide schnappten nach Luft, ihre Blicke aneinander fixiert. Kaiba hatte auf einmal eine Idee, wie er das Ganze wiedergutmachen konnte.
"Wenn du denkst, dass du mich damit verführen kannst, dann vergiss es Kaiba", hievte Tea und setzte fort, "deine Methoden wirken nicht mehr bei mir. Und wage es ja nicht mich wieder zu küssen."
"Ich habe das Gefühl, dass ich genau das bewirke, was ich bewirken will." Sein Gesicht war erneut gefährlich Nahe an ihrem und sie befürchtete erneut seine Offensive, die sie diesmal nicht bereit war zu tolerieren.
"Lass mich los Kaiba!"
Statt loszulassen, küsste er sie erneut. Er konnte nicht genug kriegen von ihr, von ihrem Geruch, der seine Sinne benebelte, von ihrem Geschmack, der ein Feuerwerk in ihm entfachte. Der Gestrige spontane und ungeplante Kuss hatte in ihm ein Hungergefühl entfacht, ein Appetit nach ihr erweckt, welches er irgendwie stillen musste. Welches er gelernt hatte in den letzten Jahren tief in sich zu begraben.
"Ich will dich Tea", flüsterte er ihr zu, sein heißer Atem kitzelte ihr Ohr und entfachte ein Schaudern in ihr, "Ich träume jede Nacht von dir. Verdammt, ich habe nie aufgehört von dir zu träumen."
Tea wusste nicht, was gerade in diesen Augenblicken mit ihr geschah. Sie wusste nicht, ob sie gerade selbst träumte, oder ob sie wirklich zuließ, dass Seto Kaiba sie küsste, sie anfasste und sie langsam aber sicher auszog. Sie wusste nicht, woran es lag, dass sie nicht die Weite suchte, als er ihre Arme losließ und sie die Gelegenheit hatte ihn auszuweichen. Stattdessen war sie fast nackt, als er sie hochhob, damit sie ihre langen Beine um seine Hüfte schließen und von ihm in ihr Schlafbereich getragen werden konnte. Begleitet von unstillbaren, hungrigen Küssen von beiden Seiten. Sie wusste nicht, ob es daran lag, dass sie so lange nicht mit einem Mann zusammen war, eigentlich mit keinem anderen als ihm, aber ihr sexuelles Verlangen nach ihm ließ keinen klaren Gedanken mehr zu und sie ließ ihn nicht nur gewähren, sondern küsste ihn mit noch mehr ungezähmter Leidenschaft zurück.
Sie kamen auseinander, als sie mit dem Rücken auf dem Bett fiel, aber lange ließ er sie nicht auf sich warten. Er nahm erneut ihre Lippen gefangen und entfernte das, was noch an Kleidung auf sie zu finden war, bewegte sich dann mit seinen Lippen zum Hals und küsste und biss sanft, als wollte er die Stellen markieren, wo er sich seinen Weg erneut in ihr Herz anbahnte. Gleichzeitig fand seine Hand die entblößte Brust, und schon hörte er ihr Stöhnen, als er sie sanft massierte. Er drohte ebenfalls die Kontrolle zu verlieren, wollte jedoch diesen sagenhaften Augenblick nicht zu schnell kulminieren lassen.
Kaum richtig angefangen, sah Tea bereits Sterne um sie kreisen und sie befürchtete, dass sie alleine durch das Anfassen und Andrücken seiner starken Hände an ihrem Körper zum Höhepunkt kommen würde. Sie hatte die Kontrolle über ihren Körper völlig verloren, denn jetzt war es ihr Instinkt, der sie lenkte, der ihre Beine spreizen und ihre Hüfte bewegen ließ. Sie spürte seine Erektion, hart und pochend, bereit sie in Ekstase zu versetzen. Mit einem Ruck brachte er sich in Position und wartete nicht einmal einen Augenblick, bevor er in sie hinein stieß. Beide stöhnten von der augenblicklichen Verbindung und mussten sich neu orientieren. Sie spürten gegenseitig den Rhythmus, den sie gemeinsam eingingen. Die Stöße wurden mehr und mehr, und mit jedem seiner Bewegung brachte er sie an den Rand des Wahnsinns und wieder zurück, bis in der kleinen Wohnung nur noch Stöhnen und Keuchen zu hören war.
Mit einem alles verstummenden Aufschrei kam sie heftiger als jemals zuvor, gefolgt von ihm, der sich gerade noch an den Oberarmen aufstützten konnte, um sie nicht unter sich zu begraben. In diesem kurzen Augenblick waren sie die beiden Liebhaber von vor fünf Jahren, als es nur die Beiden gab, als die Welt noch in Ordnung war, als nicht Zeitzonen, Jahre und Menschen zwischen ihnen zu Hindernissen wurden.
Als sich Kaiba aus ihr rausbewegte und sich ihre Sinne erneut klärte, traf ihr die Einsicht dieser folgenschweren Kontrollversuches. Sie drehte sich auf die Seite, brachte ihre Beine an sich und versuchte an alles Mögliche zu denken, nur nicht an das, was sie gerade getan hatte. Sie hatte mit einem verheirateten Mann geschlafen, dem Vater ihrer Tochter, der der Grund war, weshalb sie jahrelang vor Einsamkeit und dem erdrückenden Alltag fast alles verloren hätte, was ihr heilig war. Sie war das, was diese Frau über sie gesagt hatte, eine Opportunistin, die ihre Beine nicht geschlossen halten konnte, die keine Gelegenheit ausließ in den unmöglichsten Zeiten, in den bittersten Umständen sich ihm hinzugeben, ohne Respekt zu sich selbst oder zu anderen, ohne Selbstachtung. Wieso nur hatte sie sich diesmal erneut von ihm verführen lassen?
Kaiba bemerkte die Veränderung in ihren Gemütszustand.
"Tea..."
"Du solltest von hier verschwinden." Sie schaffte es gerade noch mit der dünnen Bettdecke ihre entblößte Form zu bedecken. Wenn sie sich schon nicht komplett unter der Erdoberfläche begraben konnte, dann wenigstens das letzte Funken Würde bewahren.
"Hör zu…"
"Verschwinde Kaiba.", unterbrach sie ihn. Diese verdammten Tränen bahnten schon wieder ihren Weg in die Freiheit und brannten tief auf ihre Wangen.
"Ich lasse dich nicht in diesem Zustand", sagte Kaiba als er vom Bett aufstand und seine Hose anzug und Hemd überwarf, um sich in einen gerade noch passablen Zustand zu bringen.
"Ich habe gesagt, dass du verschwinden sollst", kam erneut die laute und gebrochene Stimme von Tea. Jetzt nahm er auch ihre Tränen wahr und wusste nicht, was gerade passierte. Sie wollte es auch. Er hat sie zu nichts gezwungen. Sie hatte es genauso genossen, wie er, er konnte ihre Körpersprache entziffern wie ein offenes Buch. "Verstehst du es nicht, verschwinde von hier, ich will dich nie wieder sehen. Nie wieder will ich mich von dir so erniedrigen lassen, Kaiba!" Sie drückte die dünne Decke noch fester an sich, als wollte sie damit für immer ihren verdammten weiblichen Körper verstecken, der sie immer in solchen demütigenden Zustand brachte. "Elli wird bald hier sein. Erspare mir wenigstens das Schamgefühl ihr erklären zu müssen, was hier passiert ist."
Wenn Kaiba vor einer Sekunde noch das Selbstbewusstsein und die Hartnäckigkeit besaß Tea zur Vernunft zu bringen, dass sie sich nicht selbst belügen sollte und zu ihren Gefühlen für ihn einstehen sollte, so wie er bereit war seine Gefühle für sie zu offenbaren, so wurde dieses Gefühl mit jedem ihrer Worte zerschmettert und zerstört. Sie schmiss ihn raus, unbarmherzig und kalt, mit den Worten wie Schamgefühl und Erniedrigung, obwohl für ihn das Gegenteil der Fall war. Er hatte mit allen Mitteln sie zu erobern versucht, nicht zuletzt mit der Verführung gehofft einen großen Schritt Richtung Wiederverienigung zu machen. Doch auch daran war er gescheitert. Er wusste nicht weiter.
Aber, das Letzte, was er wollte, war ihr noch mehr das Gefühl zu geben sich schämen zu müssen, weil sie mit ihm zusammen gewesen war. Und so verschwand er aus der Wohnung, so still und unbemerkt wie er gekommen war. Resigniert, verwirrt, verzweifelt.
Dabei dachten beide, dass es für sie schlimmer nicht kommen konnte.
