Meine lieben geduldigen Leser, hier endlich der lang ersehnte 23. Kapitel, das Treffen der Beiden. Ich bin mal gespannt, was ihr dazu meint :))))

Wie immer bedanke ich mich bei allen Lesern, die mir schöne Kommentare schreiben und PM, ihr seid der Grund, dass ich weiterschreibe :)

Eure

tatosensei


Kapitel 23: Gegenwart

Er stellte seinen Wagen auf dem leeren Standplatz auf der Straßenseite ab, indem er gekonnt zwischen zwei parkenden Auto parallel einparkte. Überhaupt einen Platz in dieser Gegend zum Parken zu finden war so etwas wie ein kleines Wunder, und er versprach sich davon einen Erfolg in seinem Vorhaben. Ein gutes Omen, an das er eigentlich nicht glaubte. Er schaute Richtung Park und suchte mit dem Blick die zwei Personen, die in letzter Zeit jede seiner freien Sekunden und jeden seiner freien Gedanken okkupierten. Dass er niemals wieder einen Tag verbringen konnte, ohne an sie zu denken, war ihm in dem Moment klar, als er sie das erste Mal gesehen hatte, aber er wollte zumindest den ständigen stechenden Schmerz entgehen, den er spürte, wann immer er an seine kleine Tochter und an Tea dachte. Das letzte Treffen mit ihr ließ ihn innerlich zertrümmern, brach seinen Willen und seinen Stolz sowohl als Mann als auch als Vater. Er fühlte sich wie ein verwundeter Löwe in einem Käfig, immer hin und her irrend und niemals seinen Platz findend. Er wusste nicht, ob er auf die Knie vor ihr gehen und sie so lange um Verzeihung bitten sollte, bis sie ihn verzieh oder ob er sie packen und so lange auf sie einreden, ja ihr sogar drohen und sie zwingen sollte ihn wieder in ihr Leben zu lassen. So wie er sich in seinem Büro an ihr zwang und sie küsste. So wie er sie in ihrer Wohnung verführte, und sie in dieser miserablen Lage zurücklassen musste. Erneut. Dass das nicht der richtige Weg war, zeigte ihre Abschottung und ihre totale Ignoranz. Danach ergab es überhaupt keinen Sinn den Versuch zu unternehmen mit ihr zu sprechen, sie zu treffen. Seine typische Kaiba-Haltung zog bei ihr nicht, er sollte es eigentlich besser wissen.

Er würde es niemals laut zugeben, aber die Gespräche mit Elli halfen ihm sehr einen klaren Blick über die ganze Sache zu gewinnen und seine nächsten Schritte zu planen. Er hatte nicht vor mit ihr über seine Person zu sprechen oder sich gar von ihr belehren und beraten zu lassen. Er wollte nur durch Elli zu Tea durchdringen, er wusste, dass sie eine sehr starke alliierte an Teas Seite war, er musste sie nur auf seine Seite bekommen. Er hatte nie viel von Psychologen gehalten, diese Seelenklempner dachten einem besser zu kennen und alle Gedanken und Emotionen zu verstehen, als man selbst. Denn niemand, kein Gelehrter und kein Fachmann würde jemals verstehen, was er damals als Kind durchmachen musste. Und keiner konnte sich jemals vorstellen, was es bedeutete der heutige Seto Kaiba zu sein. Elli hatte ihn jedoch eine Lösung vorgeschlagen, einen Ausgang aus dem Käfig, den er akzeptieren musste. Auch wenn dies bedeutete, dass er möglicherweise für immer seine Hoffnung auf ein glückliches Leben begraben musste.

Die Stimmen der spielenden Kinder brachten ihn aus den Gedanken wieder zurück in das Hier und Jetzt. Der Park war nicht sehr groß und entsprechend der Nachbarschaft recht voll gestopft mit Kindern unterschiedlichen Alters und Herkunft. Er brauchte nur die braunen schulterlangen Haare seiner Tochter ausfindig zu machen, Tea dürfte dann nicht weit von ihr weg sein. Seine umsichtigen blauen Augen fixierten just in dem Moment ein kleines braunhaariges Mädchen, das auf dem höchsten Punkt der kleinen Rutsche stand. Er erkannte sofort Mona, als diese auf ihre Reihe zum Rutschen wartete. Kaiba lächelte instinktiv, als er das fröhliche Gesicht seiner Tochter sah: Gott, hatte er sie vermisst! Vier lange Wochen war es her, als er sie das letzte Mal gesehen hatte, davon betrug drei Wochen seine Bewährungsphase bei Elli.

Kaiba ging schnellen Schrittes Richtung Rutsche; ihm war in diesem Augenblick egal, ob er von jemanden erkannt werden würde oder ob er entgegen Teas Forderung seine Tochter traf. Er sah, wie Mona sich auf die Rutsche setzte und vorsichtig hinunterrutschte. Die Kleine erkannte in der Ferne ihren Vater. Kaum auf den Boden angekommen, strampelte sie sich wieder auf die Beine und rannte los.

„Papi", schrie sie und rannte Kaiba in die Arme. Dieser, perplex das Wort Papi aus dem Mund von seiner Tochter zu hören,- hatte er sich gerade verhört? - blieb einen kurzen Moment in der Bewegung stehen, bevor er sich fing, unter die Arme des kleinen Mädchens griff, um sie in der nächsten Sekunde in die Luft zu schwingen. Mona lachte lauthals, als sie in der Luft schwebte und umarmte Kaiba fest mit ihren kleinen Armen, als dieser seine kleine Tochter an sich drückte und ihre Stirn küsste.

„Ich habe dich vermisst, Prinzessin", sagte Kaiba seiner Tochter ins Gesicht blickend. Dieses Strahlen allein ließ ihn alles andere auf der Welt vergessen.

„Ich auch vermisst, Papi."

Er hatte sich nicht verhört. Sie nannte ihn Vater. Elli hat ihn zwar erzählt, dass Tea mit Mona über ihn gesprochen hatte, erklärt hatte, wer er war, aber dass sie ihn gleich Vater nannte, dass er ihn gleich als solchen akzeptierte und anerkannte, war eine unerwartete, herzerwärmende Überraschung.

Gar nicht weit von Vater und Tochter, konnte Tea ihren Schock nicht verbergen, als sie ihre Tochter auf einmal von der Rutsche wegrennen sah, doch bevor sie in Panik geraten und hinter ihr her rennen konnte, hörte sie Mona Papi rufen und sah gleich im Anschluss die unverwechselbare Gestalt von Seto Kaiba mitten auf dem Spielplatz stehen, Arme ausgestreckt, ein breites Lächeln auf dem Gesicht, als er Mona in die Arme nahm und an sich drückte.

Als er sie zu sich nähern sah, drehte sich Kaiba um und blickte in die Augen von Tea. Sein Gesichtsausdruck wurde ernster, jedoch verschwand sein Strahlen, das Leuchten seiner Augen nicht. Er nickte ihr zu. Ob er es nun zugeben wollte oder nicht, er hatte auch Tea nicht aus seinen Gedanken streichen können, und diese Sehnsucht zeichnete sich in seinen tiefblauen Augen ab.

Sie wollte ernst wirken, verärgert, wollte überhaupt nicht gutheißen, dass er sich die Freiheit genommen hatte sie aufzusuchen, obwohl sie ihn das letzte Mal klar und deutlich gesagt hatte, dass er sich aus ihrem Leben heraushalten sollte. Aber alles, was sich in ihrem Gesicht abzeichnete, war Irritation, ein fragender Blick, eine Forderung nach Klarheit.

Du musst mit ihm reden…

„Wir müssen reden."

Tea nickte stumm. Die Worte von Elli wollten nicht aus ihrem Kopf verschwinden. Sie hatte so viele Nächte wach in ihrem Bett gelegen und an ihn, an das obligatorische Gespräch denken müssen, dass sie früher oder später mit ihm haben musste. Ja, sie wusste, dass sie mit ihm reden musste. Sie hatte es Elli versprochen und sie war es Mona schuldig. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie Richtung Sitzbank und packte den kleinen Elsa-und-Anna Rucksack von ihrer Tochter, die wenigen Spielzeuge und Snacks enthielt, die sie mitgebracht hatte und die zu einem Spaziergang mit einem Kleinkind dazu gehörten. Kaiba wartete geduldig, bis sie zurückkam und begab sich, seine Tochter immer noch in den Arm haltend, Richtung Wagen. Tea staunte nicht schlecht, als sie im Rücksitz einen Kindersitz auffand, worin Kaiba ihre gemeinsame Tochter hineinsetzte und sie anschnallte. Er dachte immer nicht einen, sondern zwei Schritte voraus. Danach öffnete er den Beifahrersitz und wartete, bis sich Tea hineinsetzte, und schloss die Tür zu. In wenigen Schritten saß er selbst im Wagen, startete den Motor und fuhr los.

Die perfekte Familie, dachte sich Tea nicht ganz ohne Ironie, schüttelte jedoch die Gedanken ab. Es war ungewöhnlich so wortlos neben ihm zu sitzen, obwohl sie sich so viel zu sagen hatten. Die Anspannung, vor dem, was noch kommen konnte, zwang erneut ihr Herz schneller zu schlagen und das Blut durch die Venen zu schießen. Nur mit großer Mühe konnte sie verhindern, dass die Bilder von ihrem letzten Zusammensein, sie erneut aufsuchten. Daher versuchte sie sich auf die Straße und die vorbeifahrenden Autos zu konzentrieren, um ihren Blick nicht automatisch zum Fahrer lenken zu müssen.

Die stille Fahrt im Auto wurde nur von Monas fröhlichem Plappern durchbrochen, die sich über die ungewohnte Perspektive im Rücksitz eines Autos freute und sich ab und zu vergewisserte, ob Tea tatsächlich in dem Wagen mit saß, oder sie fragte ihren Vater nach Banalitäten, die sie so interessant fand. Kaiba antwortete stets mit einem stolzen Lächeln und einer immensen Geduld, ab und zu den Blick in den Rückspiegel und zu Tea werfend. Für ihn konnte die Fahrt nicht lang genug sein, er wollte im Augenblick festsitzen.

Im kleinen Appartement angekommen, schaute sich Kaiba zum ersten Mal genauer die Wohnung nach dem Wiederaufbau an. Wenigstens konnte er seiner Tochter das unangenehme Gefühl ersparen, ihr kleines Reich zerstört aufzufinden.

"Schau, Papi, neue Bücher!", brachte ihn die Stimme seiner Tochter aus den Gedanken, die an seinem Trenchcoat zog und ihn die kleinen illustrierten Bücher hinhielt.

"Zuerst Hände waschen, Schatz", sagte Tea zu Mona, bevor sie mehr zu sich als zu jemand anderem im Raum hinzufügte: "Ich mache jetzt das Essen".

Sie spielten miteinander, er las das eine oder andere kleine Buch vor, Mona stets in seinem Schoß. Er ertappte sich manchmal darin, seine Tochter aufmerksam zu beobachten, wie sie spielte, wie sie in ihrer noch nicht voll entwickelten Kindersprache etwas erzählte, wie sie fröhlich umhersprang und wie konzentriert sie ihm etwas erklären wollte oder wie interessiert sie immer Fragen stellte. Wie wollte er nur all das alles aufgeben? Wie wollte er diese wertvollen Momente im Leben seiner Tochter verpassen? Kaiba schloss für einen Augenblick die Augen, um der bevorstehenden Wirklichkeit zu entkommen und spürte im nächsten eine kleine Hand auf seinem Gesicht.

"Papi, du schläfst."

Kaiba öffnete die Augen und lächelte.

"Ich schlafe nicht, ich war nur in Gedanken, mein Schatz. Was wolltest du mir zeigen?", fragte Kaiba. Mona setzte da fort wo sie aufgehört hatte, irgendwo zwischen das Buch kommentieren und von der gestrigen Kita-Begebenheit erzählen. Kaiba spürte einen Drang sie erneut zu umarmen, schnappte sich die Kleine und drückte sie an sich. Er wollte ihren Geruch, ihre zarten Hände, ihr schönes Gesicht, ihr Kichern, als er sie in die Arme hielt und kitzelte, für immer in seinem Inneren behalten.

Ein angenehmer wohlriechender Geruch füllte bald den kleinen Raum, gefolgt von klapperndem Geschirr und eine leichte Hektik im Essbereich, bis Teas Stimme verkündete, dass das Essen fertig war.

Gleich darauf sprang die Kleine auf, legte das Buch auf die Seite, schnappte sich Kaibas Hand und deutete auf die Richtung, wo ihre Mutter sie gerufen hatte. Kaiba ging zögerlich hinter Mona her.

"Mami, kann Papi auch essen?"

Noch bevor Kaiba etwas sagen und gar ablehnen konnte, sah er auf dem kleinen Tisch drei Gedecke.

"Er kann mitessen, falls er möchte."

In einem kurzen Augenblick schauten sich die beiden Erwachsenen in die Augen. Kaiba versuchte in ihrem Blick herauszufinden, ob es für sie tatsächlich in Ordnung war, beim Abendessen dabei zu sein, oder ob beim Anbieten Taktgefühl und Gastfreundlichkeit eine größere Rolle gespielt hatten.

Doch er konnte nichts Verwerfliches darin erkennen, weder Unmut, noch Zwang, noch eine Abneigung. Er hatte zwar keinen Hunger, doch weil er hier war, um ein langes ernstes Gespräch mit ihr zu führen, konnte er auch nicht einfach so gehen, oder auf dem Sofa warten, bis sie mit dem Essen fertig waren. Dies wäre unbeholfen und würde ihm keine Vorteile bringen.

Sie aßen in einer angenehmen Stille, Mona auf ihrem Hochsitz mit den zurechtgeschnittenen, mundgerechten kleinen Happen, Tea und Kaiba fast nebeneinander, denn der kleine runde Tisch zwischen Kochnische und Wohnzimmer bot nicht viel Platz zwischen den Tischnachbarn. Kaiba versuchte sich an das letzte Mal zu erinnern, als er so genüsslich zu Abend aß. Er hatte keinen Hunger, doch allein das einfache Gericht im Kreise der Menschen, die ihm alles bedeuteten, gab seiner Speise eine spezielle Würze und seinen Appetit einen großen Schwung. Ein solches Essen konnte er in keinem Sternerestaurant und bei keinem Gourmet der Welt finden. Er wusste nicht, dass es so eine Genugtuung bewirken würde seine Tochter beim Essen zuzuschauen, wie sie die kleinen Häppchen mit der kleinen Plastikgabel auffing, in den Mund steckte, dabei stets aufpasste, dass sie keine davon auf dem Weg verlor, und dann konzentriert und genüsslich kaute. Wie Tea, ab und zu neue Häppchen zurechtschnitt und auf ihr Teller legte und sich dann wieder ihrem Essen widmete. Das ganze Prozedere war eingespielt. Man merkte sofort, dass es eine sehr lange Zeit nur die beiden gegeben hatte. Mutter und Tochter.

Kurz vor neun, als Kaiba Mona ins Bett gebracht hatte, nachdem sie eine kurze Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommen hatte, und die Reste des Abendessens in Tupperdosen verpackt, das Geschirr gespült und in den Schränken einsortiert war, stand ein ernst blickender Kaiba Mitten im Appartement und wartete auf den richtigen Augenblick, um das langersehnte und alles klarstellende Gespräch zu beginnen.

Tea schaute ihn mit ebenfalls ernsten und konzentrierten Augen an. Die Hände vor die Brust verschränkt und auf das Gespräch wartend. Sie hatte Elli versprochen, dass sie ihn aussprechen lassen würde, sollte er mit ihr sprechen wollen, dass er ihn nicht unterbrechen würde und erst dann Schlüsse ziehen und ihn gar verurteilen oder freisprechen würde, wenn er meinte alles gesagt zu haben.

Kaiba räusperte sich.

"Danke fürs Abendessen", sagte er, doch bekam er keine Reaktion von Tea und setzte fort: "Nicht nur dafür, sondern auch, dass ich Mona sehen durfte."

"Ich hatte keine Wahl, du bist einfach am Spielplatz aufgetaucht."

"Dennoch... Danke."

Wieder einmal starrten sie sich an, in einer schweren, bis in den Knochen durchdringenden Stille. Bis Tea ihren Blick von ihm wandte

"Tea, ich will dich um Verzeihung bitten." Teas Kopf schnappte nach oben und fixierte irritiert Kaibas Blick.

"Ich will dich um Verzeihung bitten für das, was Xenia dir angetan hat", er pausierte und schaute sie an. Tea öffnete den Mund, um etwas zu sagen, jedoch schloss ihn, als kein Wort herauskam. "Aber nicht nur dafür, sondern weil ich so ein Feigling war, dass ich all die Jahre ein verdammter Narr gegenüber dir war, dass ich dich so oft verletzt habe und zugelassen habe, dass andere dich verletzen..."

Er machte einige Schritte in ihre Richtung und verringerte die Distanz zwischen ihnen. Nun standen sie da, keine Armbreite voneinander entfernt. Tea versuchte noch das Gesagte zu verinnerlichen, Kaiba suchte nach Worten, die am besten beschreiben konnten, was er in Wahrheit fühlte.

"Ich will nur, dass du mir zuhörst und mir die Gelegenheit gibst, dir alles zu erklären."

"Dann erkläre alles.", war ihre Antwort.

Kaiba drehte sich etwas von ihr ab. Wo sollte er anfangen?

"Ich habe dich damals verlassen, weil ich keine andere Wahl hatte. Ich musste sie heiraten.", er seufzte, "Meine Ehe wurde aus zwei Gründen geschlossen: Weil ich mich überschätzt habe und weil ich Kaiba Corp retten musste."

Die breiten blauen Augen von Tea zeigten ihn, dass er den richtigen Nerv getroffen hatte, um seine Geschichte fortzufahren. Er gab ein müdes Lächeln.

"Du kannst dich noch daran erinnern, dass Kaiba Corp damals in Schwierigkeiten war, als wir noch zusammen waren.


A/N: Sooo, jetzt bin ich gespannt, was ihr zu sagen habt. Ich weiß nicht wann der nächste Kapitel kommt, aber ich bemühe mich um einen frühzeitigen upload