Liebe Leser,
herzlich willkommen zu meiner neuen Darry Geschichte, die ich nach und nach veröffentlichen werde.
Euch erwartet ein hoffentlich sehr romantischer und unterhaltsamer Slowburn. Draco Malfoy wurde
nach drei Jahren Gefängnis aus Askaban entlassen und soll die nächsten zwei Jahren auf Bewährung
und ohne Zauberstab in der Muggelwelt leben. Er ist ein gebrochener junger Mann, traumatisiert vom
Krieg und seiner Zeit in Askaban, ohne Wissen, wie man sich unter Muggeln zurechtfindet. Das
Ministerium teilt ihm eine Wohnung in dem Londoner Stadtteil Camden zu. Dass Harry Potter sein
direkter Nachbar ist und das Café unten im Haus führt, stellt für Draco alles andere als einen Trost dar.
Ob sich das wohl ändern wird?
Eine oftmals düstere Geschichte mit viel einseitiger (?) Liebe, Eifersucht, Sehnsucht, Traurigkeit, aber
auch viel Romantik und Humor.
Triggerwarnung:
Krankheit: Lungenentzündung
knapper Bericht über einen Selbstmord (kein Hauptcharakter)
Kapitel 1: Die Ankunft von Draco Malfoy
Der Tag, an dem Draco Malfoy in die Wohnung neben Harrys Apartment einzog war ein Tag wie jeder andere, und doch sollte er Harrys Welt auf dem Kopf stellen wie kaum ein anderes Ereignis, seitdem Voldemort sich mit seinem eigenen Todesfluch zu Fall gebracht hatte.
Es war ein Montag, der 1. Oktober 2001. In dem Jahr hatten Terroristen einen Anschlag auf das World Trade Center in New York verübt, Wikipedia wurde gegründet und Prinz William lernte Kate Middleton in einer schottischen Universität kennen. Douglas Adams war gestorben und Bands wie Outkast, Linkin Park und Blue hielten sich wochenlang in den Top 10 der Charts. Millionen von Fans warteten gespannt auf die Premiere des ersten Teils der „Herr der Ringe" und mit Nokia- und Ericcson-Handys wurden weltweit Milliarden von SMS verschickt.
Harry war über die Muggelwelt bestens informiert, denn er besaß ein kleines Café in dem quirligen Stadtteil Camden, unweit des von Londoner und Touristen gleichermaßen beliebten Camden Marktes. Das Café lag etwas entfernt davon, in der lebhaften Parkway, die gesäumt war von kleinen Läden, Bars und Restaurants. Hier trafen sich Squibs, Muggels und Zauberer, die durch Freundschaft oder Verwandtschaft miteinander verbunden waren. Das Café war Anlaufstelle für Menschen, die die ersten Schritte in die eine oder andere Welt wagen wollten. Abends fanden Gesprächskreise für Muggel-Eltern statt, die nicht wussten, wie sie mit der versehentlichen Zauberei ihrer magisch-begabten Kinder umgehen sollten. Gemischte Paare tauschten sich über ihre alltäglichen Probleme aus und Geschwisterkinder, an denen der Kelch der magischen Begabung vorbei gegangen war, konnten ihren Frust loswerden.
Harrys Apartment befand sich im ersten Stock auf der linken Seite gleich über dem Café. Nachdem Mrs Pentriss, Harrys Nachbarin von nebenan, verstorben war, hatte ihre Wohnung drei Monate lang leer gestanden. Mrs Pentriss war Lehrerin an einer öffentlichen Muggel-Schule gewesen und im Alter von 93 Jahren friedlich eingeschlafen, wie man so sagt. Sie hatte keine Angehörigen und da das Londoner Zaubereiministerium, dem das Gebäude gehörte, keinen Erben ausfindig machen konnte, sollte die Wohnung von nun an möbliert und mit Austattung vermietet werden.
Harry hatte gewusst, dass die Wohnung zum Oktober wieder belegt sein würde. Dass es sich bei dem neuen Mieter um seinen alten Erzfeind Draco Malfoy handelte, erfuhr er allerdings erst am Tag des Einzuges.
Harry war gerade dabei, einen Tisch am Fenster abzuwischen, als drei Personen vor dem Café erschienen und unschlüssig stehen blieben. Sie trugen schlechtsitzende und aus der Mode gekommene Muggel-Kleidung und bewegten sich, als ob sie sich beobachtet fühlten. Harry genügte ein Blick, um zu erkennen, dass es sich um Zauberer handelte. Eine der drei Gestalten war eine kleine Frau. Sie deutete mehrfach zur Haustür und redete auf den älteren Mann ein, der neben ihr stand. Dieser wiederum hielt einen jüngeren, hochgewachsenen Mann am Oberarm fest, als ob er ihn am Fortlaufen hindern musste, obgleich der Jüngere nur teilnahmslos auf die Entscheidung seiner Begleiter zu warten schien, ob sie nun das Haus betreten sollten oder nicht. Er trug einen langen, beigefarbenen Trenchcoat, der um seinen dünnen Körper schlackerte. Die schwarze Kapuze seines Pullovers ragte weit über seinen Kopf und verdeckte das Gesicht zur Gänze. Allein ein paar Strähnen weißblonden Haares lugten an den Seiten hervor. Der junge Mann umklammerte einen braunen, geradezu lächerlich kleinen Koffer und hielt seinen Blick stur auf die grauen Plastersteine gesenkt.
Bevor die Drei im Aufgang zu den Wohnungen verschwanden, hob er unvermittelt seinen Kopf und schaute durch die Scheibe in das Café. Sein Blick traf Harry und für einen Augenblick schien die Zeit stehen zu bleiben. Der junge Mann war Draco Malfoy, doch sein Gesicht zeigte keinerlei Regung, als er Harry in die Augen starrte. Harry war sich nicht sicher, ob sein ehemaliger Mitschüler ihn überhaupt erkannt hatte. Ein paar Herzschläge später wurde Malfoy von dem älteren Zauberer in den Hauseingang gezogen und verschwand aus Harrys Sichtfeld. Harry ließ sich auf den nächststehenden Stuhl sinken. Was machte Draco Malfoy hier? Er sollte doch eigentlich in Askaban sein. Harry hatte ihn das letzte Mal bei seiner Gerichtsverhandlung gesehen. Das war drei Jahre her und Malfoy hatte damals genauso kränklich gewirkt wie gerade eben, hager und blass, mit tiefliegenden Augen und einem apathischen Ausdruck im Gesicht.
Eine schreckliche Ahnung breitete sich in Harry aus. Schnell stand er auf und lief in den hinteren Teil des Ladens, der nur für Mitarbeiter zugänglich war. Er öffnete die Tür zum Treppenhaus und lauschte.
„Hier ist es", drang die Stimme der fremden Hexe aus dem ersten Stock zu Harry hinunter.
Harry hörte, wie umständlich eine Tür aufgeschlossen wurde. Offenbar war die Dame es nicht gewohnt, Muggel-Schlösser zu öffnen.
„Rein jetzt!", befahl der ältere Zauberer. Fußgetrampel, dann wurde die Tür geschlossen. Harry ging zurück ins Café. Es dauerte keine zehn Minuten, da traten die Hexe und der ältere Mann wieder aus dem Haus heraus. Von Malfoy war nichts zu sehen. Harry beeilte sich, die beiden Zauberer abzufangen, bevor sie wieder verschwinden konnten.
„Guten Morgen!", grüßte er sie fast atemlos.
„Guten Mor… Harry Potter! Was führt Sie denn hierher? Guten Morgen!", antwortete die Hexe überrascht und erfreut zugleich.
„Ich war einkaufen." Harry hatte nicht vor, jedem Hinz und Kunz zu verraten, wo er wohnte und arbeitete. „War das da gerade Draco Malfoy, den Sie da bei sich hatten?"
Die beiden Zauberer schauten sich an, als wüssten sie nicht, ob es sich um eine vertrauliche Information handelte. Offenbar kamen sie zu dem Schluss, dass dem nicht so war und antworteten: „Ja, Draco Malfoy."
„Ich dachte, der sitzt in Askaban."
„Da war er auch - bis gestern. Er wurde entlassen, beziehungsweise ist er zur Bewährung frei gekommen."
„Hat er nicht fünf Jahre bekommen?" Harry hatte bei der Gerichtsverhandlung für Draco ausgesagt, aber das hatte das Ministerium nicht davon abgehalten, den jungen Malfoy mit der Höchststrafe für minderjährige Verbrecher zu belegen.
„Ja, fünf Jahre, aber aufgrund seines guten Betragens hat er eine Strafminderung erhalten. Er darf die letzten zwei Jahre in der Muggel-Welt absitzen."
"Das ist für uns auch billiger, als ihn in Askaban zu verwahren", fügte der Zauberer hinzu.
„Bedeutet das, er zieht jetzt hier ein?" Harry zeigte mit dem Finger auf sein Haus.
„Ja, aber keine Sorge, er hat keinen Zauberstab und darf Magie nur in Notfällen und zur Verteidigung anwenden, falls er überhaupt stablos zaubern kann. Das Haus gehört dem Ministerium und es ist eine Wohnung frei geworden. Das Ministerium bezahlt die Miete. Malfoy bekommt einen monatlichen Grundbetrag und wird regelmäßig von einem Bewährungshelfer kontrolliert. Ansonsten kann er sich frei bewegen, solange er nicht die Welt der Zauberer betritt oder das Land verlässt."
„Aber…" Harry wusste nicht, was er sagen sollte, um das aufzuhalten, was sich dunkel und gefährlich am Horizont abzeichnete. Er wolle protestieren und die beiden Zauberer drängen, Malfoy wieder mitzunehmen und woanders unterzubringen. Harry hatte sich hier ein schönes, friedliches Leben aufgebaut. Mit Malfoy in einem Haus zu leben, direkt neben ihm zu wohnen, konnte nur Unfrieden bringen. Harry wusste nicht, wie er das den beiden Zauberern verständlich machen sollte, und ahnte, dass es zwecklos war. Er würde die Entscheidung des Ministeriums nicht ändern können.
Der Zaubereiminister Kingsley war nicht gerade gut auf Harry zu sprechen, seit dieser sich standhaft geweigert hatte, als Werbefigur für das neue Ministerium aufzutreten. Anstatt nach dem Krieg Auror zu werden und als strahlender oder auch tragischer Held auf Galas und Gedenkveranstaltungen zu erscheinen, hatte Harry sein 7. Schuljahr in Hogwarts wiederholt, sich dann aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sein kleines Café eröffnet. Harry tat viel Gutes für Zauberer und Muggel, aber sein Anliegen, die beiden Welten einander näher zu bringen, fand wenig Anklang bei dem neuen Zaubereiminister. Es hätte ihm besser gepasst, wenn Harry sich ganz und gar dem Wiederaufbau der Zaubererwelt verschrieben hätte.
Harry konnte es nicht ändern und es war ihm im Grunde auch egal, was andere über ihn dachten. Er hatte seine Schuldigkeit getan und war sehr glücklich mit seinem Leben. Er hatte seine alten Freunde behalten und ein paar neue Freunde hinzugewonnen, sich eine Nische geschaffen, in der er in Frieden und mit dem Gefühl, Sinnvolles zu leisten, leben konnte. Nun drohte der Slytherin, all dieses zu zerstören, und Harry wusste nicht, wie er das verhindern konnte.
