The Benefits of Eavesdropping on Hermione Granger –
Von den Vorteilen, Hermione Granger zu belauschen
Englischer Originaltitel: The Benefits of Eavesdropping on Hermione Granger
Autorin: Magalena
Übersetzt von Wine Witch
Betakorrektur: Hopfenbraut –
Vielen Dank für Deine sorgfältige und kompetente Arbeit!
Disclaimer: Harry Potter gehört JK Rowling. Autor und Übersetzer spielen lediglich in deren Sandkasten. Kein Geld, nur Spaß.
Anmerkung der Übersetzerin:
Meinen herzlichen Dank an die Autorin, Magalena, für ihre Erlaubnis zur Übersetzung.
Kapitel 1
„Guter Godric, bist du völlig verrückt geworden?"
Der Schrei ließ Severus aufmerken. Er blickte von seinem Buch auf, um zu sehen, woher die Störung kam. In diesen ruhigen Park in Muggel-London kam er oft, um sich eine Pause von der magischen Welt zu gönnen und sich zu entspannen. Die Bank, auf der er saß, war einer seiner Lieblingsplätze abseits der Hauptwege, ein wenig abgelegen in einer kleinen, von Bäumen gebildeten Nische, die sowohl kühlen Schatten als auch Privatsphäre bot. Und normalerweise Abgeschiedenheit. Aber heute nicht, wie es aussah.
Diese Stimme erkannte er wieder. Er kennzeichnete seine Seite und schloss sein Buch, legte es neben sich auf die Bank und glitt näher zu deren Ende, von wo aus er vorsichtig durch das Gebüsch spähen konnte. In der Tat war es Hermione Granger: Ehemalige Schülerin, Allround-Besserwisserin und genereller Liebling der Zaubererwelt. Mit offenem Mund und einem schockierten Ausdruck auf dem Gesicht stand sie da und starrte den Mann vor sich an, von dem er annahm, dass er ein Zauberer war.
„Mitchell Q. Crenshaw, bist du mir gefolgt?", fragte sie. „Ich habe klar gesagt, dass es mit uns vorbei ist. Und dennoch tauchst du ständig wieder auf, egal, wohin ich gehe! Daher weiß ich genau, dass du mir tatsächlich folgst. Das ist wirklich gruselig, Mitch, und es muss jetzt aufhören."
„Oh, Liebling. Das meinst du nicht wirklich", schmachtete der offensichtliche Dummkopf. „Ich möchte, dass du heute mit mir zum Mittagessen kommst und meine Mutter kennenlernst."
„Warum in aller Welt sollte ich deine Mutter kennenlernen wollen? Es ist aus. Wir sind lediglich ein paar Wochen lang miteinander ausgegangen, einschließlich unserer letzten Verabredung, die in einer absoluten Katastrophe geendet hat."
Mitchell verzog das Gesicht. „Sei nicht so, Hermy, Liebes, es war überhaupt keine Katastrophe, es war süß und zärtlich und sanft. Es war perfekt."
Selbst aus fünfzig Metern Entfernung konnte Severus sehen, wie Granger die Augen verdrehte. Er musste sich selbst die Hand auf den Mund legen, um ein Auflachen zu unterdrücken. Dies war fast noch besser als Muggelkino, er brauchte nur noch Popcorn und ein kühles Getränk.
Ihre Stimme war eisig. „Warst du in dieser Nacht im selben Zimmer wie ich? Ich hätte der Sache ein Ende machen sollen, als du darauf bestanden hast, das Licht auszulassen, auch wenn ich dachte, du seist nur ein wenig schüchtern. Aber als du nicht zulassen wolltest, dass wir uns beide völlig nackt ausziehen, und die ganze Sache in weniger als zwei Minuten vorbei war – nun, nach den Standards jeder denkenden, lebendigen Frau war es schlimmer als eine Katastrophe, es war eine ausgewachsene Tragödie."
Autsch! Severus zuckte zusammen. Ein direkter Schlag. Wenn man davon sprach, einer Sache ein Ende zu machen … dieser Idiot sollte sich vom Acker machen, solange er dazu noch in der Lage war. Granger würde ihm bei lebendigem Leibe das Fell über die Ohren ziehen – und wer konnte es ihr nach der Szene verdenken, die sie beschrieben hatte?
Mitchell, so schien es, war ein wenig langsam. Er reagierte einfach beleidigt. „Sei nicht so grob, Liebling." Er zuckte mt den Achseln, während er etwas aus seiner Tasche zog und es vergrößerte – einen Blumenstrauß – Stargazer-Lilien. „Nun, ich hatte eine wunderbare Überraschung geplant, aber da du anscheinend vorhast, sie zu ruinieren, muss ich es wohl hier statt in Hogsmeade tun." Er legte Granger die Blumen in die Arme und fuhr fort, indem er sich auf ein Knie niedersinken ließ.
Ihre Augen traten hervor, und ihr Mund öffnete sich ungläubig. „Bei Merlins haarigem Hintern, du bist wirklich verrückt. Was zum Teufel machst du da?" Sie trat einen Schritt zurück und schwang die Lilien wie eine Waffe vor sich.
„Ich mache dir natürlich einen Heiratsantrag, du dumme Gans", erklärte Mitch in einem Tonfall, in dem man mit einem Kleinkind sprechen mochte. „Ich bin verrückt nach dir, selbstverständlich ist der nächste logische Schritt, dass wir uns verloben. Mutter wartet bei Madam Puddifoot auf uns, um die Hochzeit planen zu helfen. Es gibt wirklich keinen Grund für eine lange Verlobungszeit; ich denke, eine Hochzeit im Juni wäre hübsch. Meinst du nicht auch, Liebling?"
Severus erwartete eine Explosion. Er brauchte nicht lange warten, ehe sie dem Idioten die Blumen in ihrer Hand über den Kopf schlug. „Ich glaube, ,verrückt' ist hier das Schlüsselwort. Damit meine ich, du bist absolut und komplett durchgeknallt. Du bist übergeschnappt, durch und durch bekloppt, hundertprozentig völlig bescheuert! Irre, irre, irre, irre … IRRE!" Mit jeder Anschuldigung schlug sie ihm den Lilienstrauß wieder über Kopf und Oberkörper, bis nur noch eine Handvoll nackter Stiele übrig war, die mit einem rosa Band zusammengebunden waren. „Und würdest du mich gut genug kennen, um mir einen Heiratsantrag zu machen, was du offensichtlich nicht tust, dann wüsstest du, dass ich Lilien absolut verabscheue. Ich kann den Geruch nicht ausstehen, er erinnert mich an Beerdigungen und Tod, und sie bringen mich … bringen mich … bringen … Hatschi! … bringen mich zum Nießen!"
„Hermy, nichts davon meinst du ernst. Es ist klar, dass du aufgebracht bis, du weinst", sagte ihr Möchtegern-Verlobter, als er die Hand ausstreckte und die ihre ergreifen wollte.
„Ich weine, weil ich allergisch bin, du Arsch", schnarrte sie, während sie vor seinem Griff zurückzuckte. „Und weil ich wütend bin. Du bist offensichtlich nicht zurechnungsfähig. Ein Mann macht keiner Frau einen Heiratsantrag, mit der er nur ein paar Verabredungen hatte, besonders dann, nachdem sie ihm mitgeteilt hat, dass sie ihn nicht mehr sehen will. Deine Handlungsweise ist nicht rational. Komm nicht wieder in meine Nähe, Mitch, oder ich werde die Auroren rufen und ein Kontaktverbot gegen dich erwirken."
„Also Süße, du weißt, dass du das nicht wirklich meinst", wiederholte zwei-Minuten-Mitch, als er wieder nach ihr griff. Severus kicherte über seinen Spitznamen für den Wichser, als er bemerkte, dass die andere Hand besagten Wichsers nach seinem Zauberstab griff. Er hatte nicht ernsthaft im Sinn, sie zu verhexen, oder? Vielleicht hatte er vor, einen Imperio auf sie zu werfen. Auch wenn Granger nicht sein liebster Mensch auf Erden war, würde Severus sicher nicht danebenstehen und dies zulassen, besonders, wenn ihre Reaktionszeit momentan durch ihre allergische Reaktion und ihren emotionalen Zustand behindert war.
Severus glitt von seinem Aussichtsplatz und bewegte sich lautlos, um einige Schritte hinter Granger stehenzubleiben. Sie bemerkte ihn nicht, aber Mitchell sah ihn. Severus' Augen verengten sich und er schüttelte zu Mitchell wie-immer-zum-Teufel-er-hieß den Kopf, um anzuzeigen, dass er nicht einmal darüber nachdenken solle, was immer er zu tun plante, wenn er wusste, was gut für ihn war. Mitchells Augen wurden groß, und er entfernte sich von Hermione.
„Ich habe das gesehen, du Schwachkopf." Es stellte sich heraus, dass die Hexe ziemlich gut war – selbst mit geschwollenen Augen und tränenüberströmtem Gesicht zog sie blitzschnell ihren Zauberstab und richtete ihn direkt auf Mitchells Familienjuwelen. „Egal, welchen Zauber du in meine Richtung werfen wolltest, denk nicht einmal daran. Ich würde alles auf meinem Gringottskonto verwetten, dass ich dich auf mehr Arten verhexen kann, als du dir vorstellen kannst, und schneller obendrein. Und im Augenblick kann ich mir etliche Zauber vorstellen. Wenn dir deine Eier etwas wert sind, geh von mir weg, Mitch, und bleib weg. Weit weg. Falls wir uns zufällig in den Gängen des Ministeriums begegnen, schau einfach woanders hin und geh weiter."
Plötzlich vollzog seine Haltung eine 180-Grad-Kehrtwende. „Mit Kusshand. Alle hatten recht deinetwegen. Du bist wirklich ein Miststück."
„Soll das meine Gefühle verletzen? Ja, ich kann ein Miststück sein, es ist praktisch eine Jobanforderung, um mit all diesen frauenfeindlichen Bastarden im Ministerium zu arbeiten. Aber meines Erachtens ist das besser, als eine Witzfigur zu sein. Ich schlage vor, dass du jetzt weggehst, ehe ich beschließe, einige dieser kreativen Hexereien zu üben."
Er ging los, dann wandte er sich um. „Nur, damit du es weißt. Letzte Nacht … das war Sex aus Mitleid."
Hermione lachte. „Was den Sex betrifft, da hast du recht. Es war wirklich mitleiderregend. Ich wäre sogar willens, das zu bescheinigen."
Mitchells Gesicht lief vor Wut rot an, und einen Moment lang dachte Severus, der Mann würde etwas Dummes tun. Ein drohender Schritt von Severus in dessen Richtung reichte jedoch, dass der Wichser sich umdrehte und aus dem Park rannte.
Granger stand aufrecht und beobachtete ihn, bis er außer Sicht war, dann sackte ihr ganzer Körper geschlagen zusammen.
Ehe Severus eine Chance hatte, einen eleganten Abgang zu machen, wandte sie sich mit gesenktem Kopf um und lief direkt in ihn hinein.
Hermione sah zu, wie Mitchell davonging und fragte sich, wie sie sich –wieder einmal – so getäuscht haben konnte. In romantischen Dingen hatte sie in den letzten paar Jahren wirklich Pech gehabt, und dies war eine echte Glanznummer.
Zuerst schien Mitch so nett gewesen zu sein: lieb und charmant und witzig. Aber nach ein paar Verabredungen hatte er begonnen, anders zu scheinen, immer noch nett – auf eine gezwungene Art – aber anders. Sie hatte gedacht, dass es vielleicht einfach an der Befangenheit des einander Kennenlernens lag. Aber die Dinge entwickelten sich zunehmend schlechter, und als ihre erst gemeinsame Nacht so übel verlaufen war, hatte sie beschlossen, die Beziehung zu beenden, ehe sie intensiver wurde. Nicht nur, weil der Sex so übel war, die Götter wussten, dass sie eine Menge schlechten Sex gehabt hatte, aber sie vermutete, dass jeder Kerl, den sie wirklich mochte, vielleicht … erziehbar war. Etwas an Mitchell passte einfach nicht; ihnen fehlte dieser Funke, und sie wusste, dass sie es beenden musste.
Anscheinend war er nicht ihrer Meinung gewesen, wie seine stalkerartigen Handlungen bewiesen. Sie seufzte und hoffte, dass er es nun kapiert hatte. Mutter Merlins, Männer waren so schwierig. Jetzt war sie traurig, depressiv und erschöpft. Alles, was sie wollte, war heimzugehen und sich das ganze Wochenende im Schlafanzug mit einer Dose gesalzener Caramel-Eiskrem und ihren Lieblingsmädchenfilmen zu suhlen. Sie würde ihr Flohnetzwerk verschließen und ihr Muggelhandy ausschalten und sich alleine verkriechen.
Ohne zu schauen, wohin sie ging, wandte sie sich zum Gehen um und rannte direkt gegen ein festes Objekt, das so hart war, dass sie davon abprallte und auf dem Hintern im Gras landete. Ehe sie auch nur verstand, was passiert war, streckte sich eine Hand nach ihr aus, um ihre zu ergreifen und sie hochzuziehen.
„Miss Granger, geht es Ihnen gut?"
Hermione blinzelte. Sie kannte diese Stimme. „Pro… Professor Snape? Was machen Sie hier?" Sie spähte nach oben in sein besorgtes Gesicht und realisierte, dass er nach mehr als nur ihrem Sturz auf den Hintern fragte. „Oh Scheiße, wie lange stehen Sie da schon?"
„Länger als genug, um zu wissen, dass Sie zwei-Minuten-Mitch endgültig losgeworden sind."
Als sie seine Formulierung hörte, stöhnte sie laut. Offensichtlich hatte er eine ganze Zeit lang zugehört. Gütige Götter, ging es noch ein wenig peinlicher? Hermione bemerkte, dass sie immer noch die Hand des Professors festhielt, nachdem er ihr aufgeholfen hatte. Sie zog ihre Hand weg und murmelte, „Großartig, jetzt ist meine Blamage komplett. Kann mich nun einfach jemand erschießen und mich aus meinem Elend erlösen?"
„Unsinn, Miss Granger …"
Sie unterbrach ihn, ehe er fortfahren konnte. „Hat Ihnen nie jemand gesagt, dass es unhöflich ist, andere zu belauschen?"
„Ich habe nicht gelauscht, nicht absichtlich. Ich war einfach zufällig in der Nähe, und Ihre liebliche Stimme war unmöglich zu überhören."
„Grr! Sie unmöglicher Mann! Sie sagen, Sie haben nicht gelauscht? Dennoch haben sie klar einem privaten Gespräch zugehört, also haben sie ex definitione gelauscht."
„Ewig die kleine Besserwisserin, nicht wahr? Ich glaube, manche Dinge ändern sich nie. Nun, man kann es kaum Lauschen nennen, wenn Sie beide Ihre Differenzen in einem öffentlichen Park austragen. Tatsächlich ziemlich laut. Außerdem", fuhr Severus mit einem Schulterzucken fort, „was mich betrifft, einmal ein Spion, immer ein Spion, schätze ich."
Hermione versuchte, ihre immer noch tränenden Augen abzuwischen. „Ein Witz? Sie machen einen Witz daraus? Dann finden Sie meine Demütigung lustig …" Ehe sie weitersprechen konnte, überkam sie ein heftiger Nießanfall.
Schweigend reichte er ihr ein sorgfältig zusammengelegtes Taschentuch.
Hermione versuchte, ihn böse anzuschauen, aber ihre Augen brannten so sehr, dass sie sich nicht auf sein Gesicht konzentrieren konnte. Mit einem Schnauben nahm sie ihm das Taschentuch aus der Hand, ohne auch nur ,danke' zu sagen. Sie wischte sich die Tränen von den Wangen und schneuzte sich geräuschvoll die Nase. Während sie das Taschentuch mit der linken Hand umklammerte, rieb sie sich die Nasenwurzel mit den Fingern ihrer rechten, während sie innehielt, um zu Atem zu kommen.
„Nun, trotzdem kann ich mich nicht erinnern, Sie darum gebeten zu haben einzugreifen. Was haben Sie sich dabei gedacht? Was bringt Männer dazu zu glauben, dass sie einfach die Verantwortung für Dinge übernehmen können, die sie einen feuchten Kehricht angehen? Als ob sie wüssten, was für jedermann auf der Welt das Beste ist, während sie tatsächlich meistens keine Ahnung haben. Wenn Sie sich einfach um Ihren eigenen Kram gekümmert hätten …" Sie hätte ihre Tirade fortgesetzt, wäre sie nicht so außer Atem gewesen, dass sie wieder innehalten musste, um nach Luft zu schnappen.
