Kapitel 1
Ben Cartwright nahm die grüne Jacke vom Haken, strich den Kragen glatt und sah zu dem jungen Mann der sich den Pistolengurt umschnallte.
„Joseph, du bist vorsichtig, ja?" sagte er als er ihm in die Jacke half, dann trat er zurück und begutachtete ihn als Joe seinen Hut nahm. Er lachte als er den Hut aufsetzte.
„Es kann nichts passieren, Pa," er nahm die Hand seines Vaters und winkte dann „Ich bin unzerstörbar."
Ben lächelte und nickte, doch das Lachen erreichte nicht seine Augen. Der Griff um die Hand seines Sohnes wurde fester, und er schien einen Moment nach den richtigen Worten zu suchen,
„Nun, Joe? Bist du fertig, Junge?" brachte er schließlich heraus, und Joe, der bemerkte wie schwer seinem Vater fiel, konnte nur leicht lächeln,
„So bereit wie ich nur sein kann," antwortete Joe und lies seine Hand los. Dann drehte er sich unwillkürlich um und gab seinem Vater eine Umarmung von der dieser in den kommenden Monaten zehrte. „Ich komme klar, Pa." sagte er, seine Stimme ging unter, als sein Vater sein Gesicht an seine Schulter drückte.
„Pass auf dich auf, Sohn." Ben lächelte wieder, und schob den jungen Mann von sich weg. Einen Moment länger und sein Entschluss ihn ziehen zu lassen wäre weg gewesen. „Wo ist Hoss?"
„Der kümmert sich um Cochise," antwortete Joe und er sah wieder in die dunklen Augen seines Vaters, „Ich werde vorsichtig sein, Pa, ich verspreche es."
Sie teilten einen Moment der Stille, hielten sie fest, und schworen sich nie das Gesicht des anderen zu vergessen, versprachen sich selbst das dieser Moment für immer in ihrem Gedächtnis blieb, oder zumindest solange wie es nötig war.
Dann drehte Joe sich um und ging schnell zum Stall. Ben sah ihm nach, stemmte die Hände in die Hüften, doch bewegte sich nicht. Das war jetzt die Zeit für Hoss und Joe um sich zu verabschieden. Warum den Schmerz des Abschieds herauszögern? Also stand er da, eine große, einsame Figur, abwartend.
Es war ein wundervoller Tag, Frühling war gekommen und die Sonne schien. Es lag bereits der Geruch von Blumen und Kräutern, die in dem kleinen Garten wuchsen, den Marie Cartwright vor Jahren angelegt hatte und den Hop Sing gerettet hat. Joe straffte die Schultern, rieb seine Hände zusammen und winkte zu Zeke und Hop Sing, die im Vorhof standen als sie vorbeigingen.
Er ging zu Hoss, der sein Pferd führte und grinste,
„Ich wünschte du würdest mit mir kommen, Hoss," sagte er, als ob er einfach nur in die Stadt auf ein Bier reiten würde und nichts anderes.
„Man, ich wünschte ich würde mit dir kommen, Joe, aber du weißt wie es ist?" Hoss führte das Pferd zu seinem Bruder und seufzte, „Schau, Joe, sieh zu das du nicht in Schwierigkeiten kommst, hörst du?"
„Wenn ja, bist du der erste der es erfährt," antwortete Joe und hielt seinem Bruder seine Hand entgegen. Hoss griff sie mit seinen Händen und zog Ihn dann in eine kräftige Umarmung.
Mehr brauchten sie nicht zu sagen. Alles was sie zu sagen hatten war in den vergangenen Wochen besprochen worden.
Joseph Francis Cartwright lachte nervös und stieg auf sein Pferd. Cochise, als ob er die Aufregung seines jungen Besitzers spürte, tänzelte ein bisschen, als ob er sagen wollte, sie sollten besser los reiten.
„Ich schreibe," rief Joe, und er hatte ein Lachen auf dem Gesicht, das so bekannt war und dass sie alle so sehr liebten. Er hob seine Hand und rief ein Auf Wiedersehen und galoppierte aus dem Vorhof, als ob er es nicht erwarten konnte sein Abenteuer zu starten.
Hoss sah seinem Bruder nach als er außer Sichtweite galoppierte. Er stand wie versteinert an der Stelle, als ob er es nicht fassen konnte. Er bewegte sich nicht, selbst als sein Vater neben ihn trat und eine Hand auf die Schulter seines Sohnes legte.
„Ich wollte auch nicht das er geht." sagte Ben leise, als er seinem jüngsten Sohn nachsah.
„Ich habe nicht gedacht das er gehen würde, Pa." sagte Hoss schließlich nach einer Weile und hatte Mühe die Emotionen zu unterdrücken die in ihm hochkamen, „Nicht nachdem er weiß wie sehr wir Adam vermissen, seit er weg ist."
„Ja, ich weiß, Sohn," sagte Ben leise „Aber ich war stolz auf ihn, bin es immer noch," er lächelte ihn an, „Adam hat den Ozean immer geliebt, er hat sie immerhin im Blut. Nicht nur von mir, auch von der Seite seiner Mutter. Abel Stoddard sagte immer, Wenn die die zu einem Mann mit Salzwasser im Blut ruft, dann geht er. Ich schätze Adam hat genau das getan."
„Ich weiß, ich weiß," Hoss seufzte und verzog leicht das Gesicht, „Aber Joe hat kein Salzwasser in seinen Adern." und er trotzte, wie er es als Kind getan hätte, nachdem man ihm sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat.
„Joseph ist von Natur aus ruhelos. Er hat das wahrscheinlich von mir. Er will eine Chance seinen eigenen Regenbogen und seinen eigenen Topf voll Gold zu finden. Nun, das ist seine Chance."
„Aber Pa -" begann Hoss zu protestieren.
„Kein Aber, Hoss, wir haben jetzt darüber lange genug geredet, es ist keine Überraschung für uns, oder?"
Sie drehten sich um und gingen zusammen auf das Haus zu. Ben sprach weiter um sowohl Hoss und sich selbst zu trösten.
„Erinnerst du dich als Joe sich ´61 als Pony express Reiter eingeschrieben hat? Er hat es geliebt, obwohl er nur für eine kurze Zeit dabei war, bevor die Gesellschaft im Oktober geschlossen wurde. Es war eine gute Idee, so lange sie dauerte." er sah in die Ferne als er sich daran erinnerte wie aufgeregt sein jüngster Sohn war als er ins Haus gerannt kam mit der Anzeige ´Gesucht – junge drahtige, dünne Kerle, nicht über 18, bereit täglich ihr Leben zu riskieren. Waisenkinder bevorzugt, Lohn 25$ die Woche´ Adam hatte mit ihm lange geredet, erklärt was es wirklich bedeutet, ein Rennen mit dem Tod. Aber es hat die Phantasie des Jungen angefeuert und nach einem Jahr hatten sie seinem Wunsch nachgegeben und dankten Gott das er gesund nach Hause gekommen war.
„Ich schätze das hat ihn auf die Idee gebracht mehr zu wollen. Mehr von der Welt zu sehen außerhalb der Ponderosa," seufzte Hoss „Schätze wir sollten froh sein das er nicht direkt nach Adam fortgegangen ist, sondern bis jetzt gewartet hat."
„Nun, ich schätze es ist uns allen bewusst wie schnell die Zeit hier vergeht. Selbst die Idee mit dem Pony Express war schon vorbei in der Zeit in der sie sie zum Laufen gebracht hatten, deshalb hat sie auch nicht so lange durchgehalten. Wenn ich daran denke wie es hier war als ich mit Adam und dir hier ankam," er stoppte, schüttelte den Kopf und seufzte, „die Grenzen und Linien ändern sich so sehr, die Industrie monopolisiert die Minen, es entstehen Städte die näher sind für unsere Rinder. Manchmal frage ich mich wie die Dinge sein werden, wenn ich sterbe."
„Sprich nicht übers sterben, Pa," sagte Hoss, als ihm ein Schauer über den Rücken lief bei dem Gedanken.
„Nun, Joe will unsere Welt erkunden, bevor sie sich zu sehr verändert. Ich kann ihm das nicht wirklich übelnehmen. Er wird glücklicher sein, wenn er nachhause zurückkommt. Du wirst sehen."
Er atmete aus nachdem er diese Aussage gemacht hatte, als ob er sich wunderte das er nicht vom Blitz durch den Allmächtigen getroffen wurde, nach diesen Worten. Hoss sagte nichts. Er kannte seinen Vater zu gut und wusste das Ben´s Herz brach durch den Verlust von Zweien seiner Söhne.
Als er das Haus betrat rief Hoss zu Hop Sing „Was gibt's zum Essen?" Die ganze Zeit dachte er über die Veränderungen nach die in den vergangenen Jahren stattgefunden hatten. Als erstes war Adam, der sich dafür entschied das es Zeit für ihn war zu gehen. Er wollte sich seinen Traum erfüllen zur See zu fahren, bevor er zu alt dafür war. Das war eine recht traurige Zeit. Aber es gab Briefe von dem Seefahrer und Hoss wurde an die Zeit erinnert als Adam auf dem College war und nach einer Weile war er wieder zurückgekehrt. Hoss lächelte. Er war davon überzeugt das Adam bald wieder zuhause sein würde.
Wochen wurden zu Monaten und Jahren und jetzt wollte Joe sehen was hinter dem Horizont lag. Das war zuerst ein Schlag für Hoss, denn er hatte nicht die Absicht die Ponderosa je zu verlassen. Und seinem Bruder zuzuhören wie er Pläne machte, lies ihn sich miserabel und ausgeschlossen fühlen. Aber wie er sich jetzt schon seit Wochen sagte, Joe war nicht der beste Koch auf der Welt und es würde nicht lange dauern bis er sich nach Hop Sings Küche sehnte. Nein, er würde bald wieder zu Hause sein.
Er hörte wie der Tisch gedeckt wurde. Hop Sing hatte ein Jahr gebraucht um zu realisieren das er nur noch für drei kochte und nicht für vier. Vielleicht würde es genauso lange dauern bis er realisierte das er für zwei statt für drei kochen musste.
Der Abend kam und die zwei Männer saßen sich vor dem großen Kamin gegenüber. Ben rauchte seine Pfeife und sah zur Decke. Seine Augen waren halb geschlossen als er sich vorstellte wie es seinem Sohn jetzt wohl ging. Das führte ihn zu anderen Gedanken und Erinnerungen. Mit einem tiefen Seufzer, den er nicht verhindern konnte, merkte er das, wenn er die Macht hätte die Uhr zurückzudrehen, nur fünf Jahre, er es liebend gerne tun würde.
Oh, warum musste Joe jetzt gehen? Warum hatte Adam dem Ruf der See nicht widerstanden? Warum konnte nicht alles so bleiben wie es war?
