Kapitel 1:

Es war ein wundervoller Tag auf ganz Magix.

Die Sonne ging langsam über dem Dunkelwald unter und ihre warmen Sonnenstrahlen tauchten den Himmel in ein Farbsymphonie aus rot, gelb und violett. Die Bäume wogten sich leicht im Wind.

Hinter dem Wald erhob sich Schloss Alfea, dessen blaue Turmspitzen in den Himmel ragten.

Eine warme Brise kräuselte das Wasser des Roccalucesees, an dessen Ufer gerade ein kleines Ruderboot von einem alten, hölzernen Steg ablegte und zwei Gestalten, die eine rudernd, die andere die umliegende Natur bewundernd, auf den See trug.

„Ich war schon so häufig an diesem See. Zum Entspannen, zum Trainieren und im Kampf gegen Monster und die Trix, aber so schön wie heute war Roccaluce noch nie. Oh Helia, dieser Tag könnte einfach nicht wundervoller sein!"

Er sah sie an. Betrachtete ihre Schönheit, die strahlenden grünen Augen, die im Licht der untergehenden Sonne einen so zauberhaften Glanz hatten, dass er gänzlich ihren Bann gezogen wurde. Er lächelte.

„Nein, das könnte er nicht", aber damit meinte er nicht die Sonne, das glitzernde Wasser oder das sattgrüne Laub der Wälder. Er hatte nur Augen für sie.

Schon seit ihrer ersten Begegnung. Im Nachhinein konnte er nicht begreifen, wie er damals so schüchtern gewesen sein konnte. Sie war die Einzige, die ihn wirklich verstand.

Nicht nur seine Kunst und seine Vorliebe für Papier und Pinsel statt eines Grafikprogrammes.

Nein. Sie verstand sein Wesen, seine Zärtlichkeit, seine Abneigung zur Gewalt und verurteilte sie nicht. Zugegeben, letzteres hatte sich auf den Abenteuern mit den Winx und in der Ausbildung an der roten Fontäne etwas geändert, aber er kämpfte nur, wenn es wirklich notwendig war und weigerte sich nach wie vor ein Schwert zu benutzen.

Sie war es gewesen, die ihm zuerst ihre Gefühle gestand. Und selbst dann war er noch zurückhaltend geblieben. Er war nicht zu ihr hingegangen und hatte sie umarmt oder geküsst. Das war erst vor dem Kampf gegen Lord Darkar geschehen. Viel zu spät, wie er sich einige Zeit lang vorwarf.

Er hatte so viel Zeit verschwendet und in diesem kurzen, schrecklichen Augenblick in der Relix-Dimension, in dem sie verletzt wurde und er nur bewegungslos zuschauen konnte, hatte er befürchtet es wäre das letzte Mal gewesen.

Seitdem hatte er sich geschworen, sich ihr gegenüber nie wieder zurückzuhalten. Er wollte für immer an ihrer Seite sein. Und deswegen waren sie beide, Flora und er, heute an diesem wunderschönen Spätsommertag in der Mitte des Roccalucesees.

Es war in der Tat ein wundervoller Tag gewesen. Von langer Hand geplant.

Der Spezialist hatte seine Freundin am späten Nachmittag von Alfea abgeholt, wo sie als Lehrerin für Zaubertränke arbeitete und sich mit großer Hingabe um den Garten und das magische Gewächshaus kümmerte.

Er selbst war nach seinem Abschluss an der Roten Fontäne als freischaffender Künstler tätig und die beiden waren kurz nach den Geschehnissen auf der Erde zusammen in eine kleine Wohnung in Magix City gezogen.

Irgendwann würden sie sich ein kleines idyllisches Haus auf Linphea kaufen, aber dazu fehlte zurzeit noch das nötige Kleingeld.

Unter der Woche übernachtete Flora aus praktischen Gründen in einem der Gemächer für Lehrkräfte in Alfea. Außerdem konnte sie so den Kontakt mit Tecna und Roxy aufrechterhalten.

Tecna hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Technomagie in Alfea auf den Lehrplan zu setzen und war dafür zuständig den Simulator zu Warten und zu Bedienen. Professor Palladium war zunächst nicht einverstanden gewesen, lenkte jedoch ein, da es unter seiner Leitung zugegebenermaßen doch das ein oder andere Mal zu Problemen mit dem Simulator kam und Tecna als Fee der Technologie einfach prädestiniert war für diese Tätigkeit.

Roxy absolvierte währenddessen ihr zweites Jahr in Alfea und Flora half ihr, sich in der Welt der Magie zurechtzufinden. Bald hatte sie jedoch auch Freunde in ihrem Jahrgang gefunden und inzwischen viel über die magische Dimension gelernt.

Auch die anderen Winx besuchten ab und zu die Schule, um eine Sonderstunde zu geben, die von allen Schülerinnen stets freudig erwartet wurden.

Für die Verabredung hatte sich Helia ein wenig herausgeputzt und statt seines hellgrünen Lieblingshemds ein weißes gewählt, über das er ein schwarzes Jackett trug. Seine Haare hingen wie immer in einem lässigen Zopf über seiner Schulter.

Flora hatte sich an diesem Nachmittag für das hellgrüne Kleid mit dem Träger aus blauen Blüten entschieden, das sie auf der Abschlussfeier des zweiten Jahres in Alfea getragen hatte. Dazu trug sie die passende Blumenhaarspange.

Als sie sich im Spiegel betrachtete, musste sie an jenen Abend im Pavillon der Schule denken und begann unwillkürlich an zu lächeln.

Mit diesem Lächeln öffnete sie Helia die Tür ihres Gemachs. Dieser brachte vor lauter Staunen über das Aussehen seiner Freundin keinen Ton hervor.

Sie brach die Stille mit einem „Hallo, mein Liebling", die sie sofort durch einen innigen Kuss wieder einkehren ließ.

Sie waren mit dem Bus in die Innenstadt von Magix gefahren und besuchten ein kleines Restaurant, abseits der belebten Straßen der Stadt.

In dem kleinen, mit vielen Blumen geschmückten Außenbereich des Lokals saßen sie, aßen, unterhielten sich über dies und jenes und genossen ihr Beisammensein.

In letzter Zeit hatten sie sich nicht so häufig sehen können. Helia hatte außergewöhnlich viel gearbeitet und auch Flora hatte in der Schule viel zu tun, da das neue Schuljahr gerade begonnen hatte.

Doch das machte diese Verabredung nur noch viel schöner.

Als sie nach Alfea zurückkehrten, entschlossen sie sich, bei dem herrlichen Wetter noch einen Spaziergang zum See zu machen.

Dort angekommen betrachteten sie das herrliche Wasser und Helia überraschte Flora mit der kleinen Bootsfahrt.

Nun sahen die beiden sich verliebt an und der Spezialist spürte das kleine, dunkelblaue Kästchen in der Innentasche seines Jacketts, direkt über seinem jetzt immer schneller pulsierenden Herz.

Jetzt. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen.

Er brach die Stille zwischen den beiden:

„Flora"

Er blickte sie an, schaute tief in die so vertrauten Augen.

Sie lächelte ihn an, wunschlos glücklich nach diesem fantastischen Tag.

Eine leichte Windbö wehte über den Wald und den See und ließ einige Haarsträhnen der brünetten Fee aufwirbeln.

Dieser Anblick verzauberte Helia abermals und er wünschte, er könnte diesen Moment festhalten und für immer verweilen, doch stattdessen fuhr er fort:

„Du bist mein Licht in der Dunkelheit und mein Halt, wenn ich mich selbst verliere. Du hast mir gezeigt, dass es sich lohnt für die richtige Person zu kämpfen und dass du diese Person bist. Du weißt, dass ich dich bedingungslos liebe und immer lieben werde. Du hast mein Leben verändert und ich möchte, dass wir für immer zusammenbleiben"

Floras Augen begannen zu glänzen. Helia hatte ihr, seit sie zusammen waren, immer offen seine Gefühle und seine Liebe gezeigt, doch in diesem Moment, an diesem wunderschönen Tag, berührten sie sie tiefer als je zuvor.

Als er sich daraufhin vor ihr hinkniete und eine Schatulle aus seiner Jacke holte, in der ein wunderschöner, silberner Ring mit einer filigranen Blüte aus Smaragd und Rosenquarz zum Vorschein kam, der in den letzten Sonnenstrahlen glitzerte, schlug sie in freudiger Erwartung an das, was jetzt kommen würde, die Hände vor dem Mund zusammen.

„Flora, Schutzfee von Linphea, möchtest du mich heiraten?"

Sie konnte ihr Glück kaum fassen.

„Helia, ich… ich",

in diesem Moment entgleisten die Gesichtszüge der Fee, als sich ein schrecklicher, stechender Schmerz in ihren Kopf bohrte.

Sie schrie auf, rutschte von der kleinen Holzbank und fiel auf die Knie. Schockiert über das, was gerade geschah, ließ Helia die Schatulle mit dem Ring fallen und hielt seine Freundin an den Schultern.

„Flora! Flora, was ist los? Was ist passiert? Rede mit mir!"

Langsam öffnete sie die Augen, hob den Kopf und starrte an Helia vorbei in die Ferne. Tränen vor Schmerz hatten ihre Freudentränen abgelöst und sie brachte nicht mehr als ein schmerzverzerrtes Hauchen heraus:

„Linphea. Es brennt!"