18. (D)Eskalation


Der Mensch kann viel ertragen, solange er sich selbst ertragen kann." – Axel Munthe


Sie wurden von all diesen Schutzengeln umringt, die nicht gerade so wirkten als wären sie nur auf einem angenehmen Plausch aus. Sirius war sich ziemlich sicher, dass sie bereit wären alles zu tun, was nötig war, um das zu bekommen, was sie wollten. Und was sie wollten war Voldemort. Vielleicht wäre es wirklich besser, ihn ihnen einfach zu überlassen. Ich meine, wenn er uns befreit, dann wird es uns alle befreien, auch die, die gegen Jacks Pläne sind, und vielleicht hätten wir dann eine bessere Chance ihn aufzuhalten.

Natürlich war das ein feiger Gedanke, mehr nicht. Sirius konnte das Risiko nicht eingehen, dass Jack und Seinesgleichen frei und damit leichter dazu in der Lage sein würden ihre eigenen Eroberungspläne durchzuführen. Jack hatte selbst gerade offenbart, dass er nicht besser war als Voldemort, seine Rhetorik klang nur anders. Und er musste ihn aufhalten.

„Ihr könnt ihn nicht haben", betonte er, und warf einen hilflosen Blick auf Severus, der mit gezückten Zauberstad neben dem am Boden knieenden Voldemort stand und bereit zum Kampf wirkte. Nur leider gab es nichts, was ein sterblicher Zauberer in diesem Moment tun konnte, das die Schutzengel davon abhalten würde Voldemort ihrem Schutz zu entreißen.

„Erinnerst du dich an irgendwelche Anti-Schutzengel-Zauber? Nein, das dachte ich mir ja", presste Sirius zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, und dann verkündete er in Richtung der Schutzengel: „Also gut, ich sehe ein, dass ihr die Oberhand habt. Aber warum klären wir das hier nicht zivilisiert? In Form eines Zweikampfs zum Beispiel. Ich gegen Jack. Wenn er gewinnt, dann bekommt ihr Lord Voldemort, und wenn ich gewinne, dann lasst ihr von ihm ab. Wie wäre das?"

Er konnte Severus' ungläubigen Blick auf sich ruhen spüren, aber irgendetwas musste er ja versuchen, oder etwa nicht? Jack lachte, er lachte einfach. „Warum um alles in der Welt sollte ich mich darauf einlassen?!", wollte er wissen.

„Nun weil … das sehr sportlich von dir wäre?", schlug Sirius vor.

Jack schüttelte nur den Kopf. „Genug gespielt", meinte er und dann….

… fanden sich von einer Sekunde auf die andere alle Schutzengel im Jenseitigen Garten wieder. Und das natürlich ohne die Sterblichen.

Jack funkelte Sirius wütend an. „DU! Was hast du getan?!", wollte er wissen, „Du hast Zeit geschunden, während deine Verbündeten uns irgendwie verbannt haben!" Damit hatte er zumindest teilweise recht. Sirius hatte wirklich Zeit geschunden, allerdings hatte er keine Ahnung was eben passiert war bzw. welcher seiner angeblichen Verbündeten dafür verantwortlich war. Aber einem geschenkten Gaul schaute man in so einer Situation nicht ins Maul. Stattdessen rannte er los und gab Fersengeld. Er steuerte die nächstbeste Hintertür, von der er wusste, an. Leider war er aber nicht schnell genug - diverse andere Schutzengel stürzten sich auf ihn, packten ihn, und hielten ihn fest, bevor er entkommen konnte. Verdammt. Allerdings hatte er in Wahrheit auch kein anderes Ergebnis erwartet.

Jack baute sich bedrohlich vor ihm auf. „Wir werden herausfinden, was deine Freunde getan haben", prophezeite er düster, „Und uns davon nicht aufhalten lassen. Ihr werdet euch uns beugen, ob ihr wollt oder nicht. Es ist unausweichlich."


Was ist passiert?, wunderte sich Severus. Im ersten Moment waren die Schutzengel noch anwesend gewesen, im nächsten Moment waren sie alle verschwunden.

„Kein Ding", meinte Greyback, „Ich helfe immer gerne."

Severus kniff die Augen zusammen. „Du willst behaupten, dass du derjenige warst, der sie hat verschwinden lassen?", wollte er ungläubig wissen.

„Deine hübsche rothaarige Freundin und Dumbledores Bruder wissen, was man im Fall einer Schutzengel-Invasion zu tun hat", erwiderte Greyback, „Im Gegensatz zu anderen, bin ich niemand, der seinen angeblichen Verbündeten blind vertraut. Ich habe mich auf diesen Tag vorbereitet."

Also hatten Aberforths Paranoia und Greybacks Doppelzüngigkeit sie gerettet. Severus stemmte den Dunklen Lord hoch und warf einen unglücklichen Blick auf Nagini, die herbei geschlängelt kam. „Schnell", meinte er, „Wir müssen ihn hier wegschaffen und an einem schutzengelsicheren Ort unterbringen, an dem ihn unsere ehemaligen Verbündeten nicht mehr finden. Sie brauchen ihn für diesen Zauber, also lassen wir einfach nicht zu, dass sie ihn in die Finger bekommen."

„Zu deinem Glück weiß ich genau das richtige Versteck, wie gesagt Vorbereitung ist alles", meinte Greyback, während sie von den restlichen überaus verwirrten Todesessern umringt wurden, „Aber im Gegensatz zu denen sind wir sterblich, ich hoffe das ist dir klar. Wenn wir sie schlagen wollen, dann brauchen wir mehr als nur eine vorübergehende Notlösung." Nicht nur deswegen, weil die Schutzengel sie alle überleben würden, sondern auch vor allem deswegen, weil der Dunkle Lord, sobald er wieder zu sich käme, sicherlich nicht einverstanden damit wäre einfach nur herumzusitzen und abzuwarten; er würde diesen Krieg zu den Schutzengeln bringen wollen, und das wäre, egal wie es am Ende ausgehen würde, eine eindeutig schlechte Idee.

„Ja, ich weiß", erwiderte er also, „Aber ich hoffe auf Unterstützung von da Oben, wenn du verstehst, was ich meine."

Greyback zuckte die Schultern. „Hab nur nicht zu viel Vertrauen in deinen untoten Kumpel, Snape", meinte dieser, „Bisher war er nach allem, was ich gesehen habe, ja nicht sonderlich erfolgreich darin sich seinen Kollegen in den Weg zu stellen."

„Er war erfolgreicher darin als du denkst", erwiderte Severus, und überraschte sich selbst als er hinzufügte, „Und manchmal muss eben einfach darauf vertrauen, dass andere ihren Teil erledigen."


Offenbar hielten sie es für Zeitverschwendung ihn zu befragen. Allerdings sperrten sie ihn wieder ein, doch nicht wieder in die stillgelegte Kaserne, immerhin war schon einmal von dort entkommen, nein, sie sperrten ihn in einen tatsächlichen Käfig im Jenseitigen Garten ein, der von großgewachsenen männlichen Schutzengeln bewacht wurde. Ich weiß nicht, ob ich mich geschmeichelt fühlen soll oder das alles als Overkill ansehen sollte….

Auf jeden Fall schienen sie alles daran zu setzen um zu verhindern, dass er noch einmal entkam. Sirius seinerseits hatte nicht vor lange in diesem Käfig zu sitzen. Er versuchte die Stäbe seines Käfigs zu zerstören, indem er gegen diese trat, was ihm eine ziemlich eindeutige Drohung einbrachte. Dann versuchte er die Wachen zu sich zu locken um sie außer Gefecht zu setzen, doch das war gar nicht so einfach, da niemand hier auf den alten „der Gefangene stirbt gerade"-Trick hereinfiel, oder sich von Beleidigungen gegen seine Eltern provozieren ließ. Wenn sie ihm nicht gerade körperliche Gewalt androhten, ignorierten ihn die Wachen die meiste Zeit über.

Aber es gibt noch niemanden, den ich nicht irgendwann erfolgreich dazu gebracht habe das zu tun, was ich will, indem ich so lange genervt habe, bis er oder sie die Nerven weggeworfen hat. Durch den Verlust seiner Magie und seiner Animagus-Gestalt besaß er vielleicht nicht mehr viele beeindruckende Fähigkeiten, doch diese war ihm immer noch erhalten geblieben.

Letztlich allerdings fanden sie nicht heraus wer den längeren Atem hatte. Sirius wurde nämlich gerettet. Eine aus unerfindlichen Gründen als Hippie verkleidete Nora tauchte auf und schlug seine beiden Wachmänner K.O. .

„Ich kann nicht glauben, dass du gekommen bist um mich zu retten! Was soll das Outfit?!", meinte Sirius, kaum, dass er aus seinen Käfig gelassen worden war.

„Ich in inkognito hier", erklärte Nora, „Man soll mich nicht gleich auf den ersten Blick erkennen, und das hier unterscheidet sich sehr von meinem üblichen ernsthaften Businesswoman Auftreten. Komm mit, wir haben nicht viel Zeit, bis ihnen auffallen wird, dass du weg bist."

Sie führte Sirius zu einer abgelegenen Stelle im Jenseitigen Garten, hielt einen Gegenstand gegen die Luft, und zog diesen dann zuerst gerade über die Luft, und dann einmal links und einmal rechts senkrecht hinunter. „Was treibst du da?", wunderte sich Sirius.

„Ich erschaffe eine Hintertür", erklärte ihm Nora, „Trevor hat das für uns gebaut."

„Es lebe der Hausmeister. Ich hab euch doch gesagt, dass der nützlich sein wird", erwiderte Sirius, und dann waren sie auch schon durch die Hintertür getreten und fanden sich an einem anderen Ort wieder.

„Das hier ist nicht der Kopierraum", stellte Sirius fest. Tatsächlich wusste er nicht wo sie sich befanden, doch sie befanden sich an einen um einiges größeren Ort als der Kopierraum es war, und es befanden sich auch um einiges mehr Leute hier als das noch vor seinem letzten Trip auf die Erde der Fall gewesen war.

„Was? Wir wollten doch einen Widerstand aufbauen", sagte Nora auf seinen Blick hin nur, „Es gibt einige, die mit Jacks Plänen unzufrieden sind."

Einige schien so um die Fünfzig beinahe aufeinander sitzende Individuen zu meinen, durch die sich Nora und Sirius hindurch quetschen mussten um zu Damien Abrams, Morgan Star, und Trevor zu gelangen. „Ah, Mister Black, da sind Sie ja. Was ist der Stand auf der Erde?", wollte Damien Abrams wissen.

Sirius gab ihm eine kurze Zusammenfassung der Highlights. „Kurz gesagt, die Allianz mit Voldemort ist Geschichte, aber dafür plant Jack jetzt die Erde zu erobern und alles, was zwischen ihm und seinem Ziel steht, sind Severus und irgendein unbekannter Verbündeter, der wer-weiß-was für eigene Ziele hat", schloss er, „Was sollen wir jetzt tun?"

„Das Ende der Allianz mit Voldemort ist schlecht für uns", merkte Morgan Star an, „Die Meistern wären nur bereit gewesen uns zu helfen, weil sie nichts mit diesem Irren zu tun haben wollten."

„Aber die Erde erobern wollen sie?!", wollte Sirius empört wissen.

„Manche schon, anderen ist das einfach nur egal. Die Freiheit ist es, die ihnen alles schmackhaft macht", lautete die Antwort.

„Heißt das, wir sind die Bösen hier? Ernsthaft?!" Sirius wollte das nicht glauben. „Wenn es so wäre, hätten dann nicht alle, die dieser Meinung sind, am Anderen Ort landen sollen?"

„So einfach ist es nicht. Jeder ist doch der Held seiner eigenen Geschichte, und hehre Ziele haben schon seit jeher fragwürdige Mittel gerechtfertigt", meinte Morgan Star, „Die Drohung vor dem Anderen Ort zieht schon lange nicht mehr. Und im Grunde ist sich am Ende vom Tag jeder selbst der Nächste. Alles was hilft, das eigene Leben besser zu machen, ist schon in Ordnung. Zumindest solange wie man sich die Folgen davon nicht vor Augen halten muss, und da die Schutzengel die Erde noch nie beherrscht haben, kann niemand wirklich überzeugend argumentieren, dass diese Entwicklung per se schlecht für die Sterblichen wäre."

Sirius schüttelte wütend den Kopf. „Ich muss zurück zur Erde", meinte er, „Vielleicht kann ich dort was erreichen. Vielleicht gibt es einen Zauber, mit dem man Jack endgültig aufhalten kann. Per se schlecht oder nicht, Jack ist derjenige, der definitiv ein schlechter Herrscher wäre. Ich meine, jeder, der ihn hören kann, muss das doch erkennen…"

„Seinen Anhängern sagt er aber vor allem die Dinge, die die hören wollen", wandte Damien Abrams ein, „Und er verspricht ihnen Verbesserungen. Und das wollen sie ihm einfach glauben."

„Das wollen sie doch nur, weil er das Sagen hat", widersprach Sirius, „Wenn er wieder nur irgendein kleines Rad wäre, dann … Wartet mal, was wenn es eine Alternative zu Jack gäbe? Wenn hier schon Anarchie herrscht, dann können wir uns das doch auch gleich zu Nutze machen, oder? Wer sagt, dass man den Vorstand den alten Regeln entsprechend bilden muss? Wenn Jack die hergebrachten Regeln über Bord wirft, dann können wir das auch. Wir können einfach einen neuen Vorstand bilden und Jack so entmachten. Wir können einfach einen neuen Vorstand bestehend aus seinen Gegnern zusammenstellen."

„Aber warum sollte irgendjemand auf einen illegal gewählten Vorstand hören? Der tatsächliche Vorstand wird da doch wohl ein Wörtchen mitzureden haben, oder?", warf Nora ein.

„Klar, aber immerhin herrscht hier eine Demokratie, oder nicht? Wenn genug Leute den neuen Vorstand an der Macht sehen wollen, dann muss sich der alte Vorstand dem Willen der Mehrheit beugen", erwiderte Sirius, „Immerhin waren die Jenseitigen frustriert, weil sie kein Mitspracherecht in ihrem Leben hatten, oder? Nun, dann geben wir ihnen das einfach. Lassen wir sie selbst wählen, wer ihnen von nun anschaffen soll, was sie zu tun haben. Und ja, natürlich müssen wir dafür sorgen, dass das auf keinen Fall Jack sein wird."


A/N: Reviews?