19. Verzweifelte Maßnahmen


Man kann die Zeit zwar stoppen, aber nicht anhalten." – Peter E. Schuhmacher


Greybacks sicheres Versteck war, wie sich herausstellte, eine Höhle. Eine Höhlte mitten im Wald. Severus' Begeisterung hielt sich in Grenzen. Schutzengelsicher oder nicht, so wie er den Dunklen Lord kannte, würde dieser an einem Ort wie diesen noch weniger freiwillig bleiben wollen als an irgendeinem anderen, an den er sich vor Schutzengeln verstecken sollte. Greyback behauptete, dass er diese Höhle mit allen notwendigen Zaubern belegt hatte, und im Gegensatz zu den anderen Todesessern, die sie begleitet hatten, glaubte ihm Severus das sogar. Es änderte aber nichts an der Tatsache, dass es kein besonders tolles Versteck war. Die anderen Todesesser wollte die Höhle bewachen, um ihren Meister so zu bewachen, doch das musste Severus ihnen natürlich auch ausreden, da Schutzengel ja immer direkt neben ihren Schützlingen erschienen, und sie in diesem Fall zwar nicht in die Höhle hinein könnten, aber vor ihr auftauchen würden, und dann natürlich sofort wissen würden, wo der Zauberer, den sie zwingen wollten sie zu befreien, zu finden wäre.

Obwohl seine Argumentation vollkommen logisch war, waren die Todesesser trotzdem nicht besonders willig ihm recht zu geben. Weniger weil sie wirklich dachten, er hätte unrecht, sondern mehr deswegen, weil sie nicht dazu bereit waren auf irgendeine Chance sich beim Dunklen Lord einzuschleimen zu verzichten, und die Höhle nicht groß genug für alle vorhandenden Todesesser war.

Letztlich gelang es Severus doch noch die meisten von ihnen loszuwerden, doch einige, wie zum Beispiel Leland, waren nicht davon abzubringen dem Dunklen Lord metaphorisch die Hand halten zu wollen und machten sich in der Höhle breit, wo sie sich um den Dunklen Lord scharrten und ihn und Nagini anstarrten, als ob das irgendetwas helfen würde. Ihre Anwesenheit hinderte Severus daran sinnvolle Strategien mit Greyback zu besprechen oder auch nur zu versuchen den immer noch außer Gefecht gesetzten Dunklen Lord längerfristig mittels irgendeines Zaubers aus dem Spiel zu nehmen, was die Gefahr erhöhte, dass er bald zu sich kommen und alles verderben würde.

Was auch immer dieser Jack-Schutzengel versucht hatte mit ihm zu machen, es hielt immer noch vor – Lord Voldemort war stumm und wie erstarrt, und ein weggetretener Ausdruck lag in seinen Augen. Nagini hatte sich um ihn gewickelt und warf allen Anwesenden vorwurfsvolle Blicke zu, als wäre das hier irgendwie deren Schuld und nicht die von ihrem Herrchen. Auf jeden Fall machte sich Severus keine großen Hoffnungen, dass dieser Zustand noch besonders lange so bleiben würde.

Was auch immer Sirius unternehmen will, ich hoffe er beeilt sich.


Nach den üblichen Vorwürfen darüber wie verrückt seine Idee doch war, wurde ihr schließlich doch die Ehre zuteil in Betracht gezogen zu werden. „Angenommen wir versuchen das", begann Damien Abrams, „Wen sollen wir dann in diesen neuen Vorstand setzen?"

„Geachtete und geschätzte Personen, natürlich. Am besten solche, die hier versammelt sind", erwiderte Sirius, „Immerhin wollen wir Jacks Macht ja brechen, also je mehr sie ihn verachten um so besser."

Morgan Star wirkte skeptisch. „So einfach wird das nicht werden", meinte er, „Wenn wir nur Mitglieder vom Widerstand versammeln, dann sind wir nichts anderes als das: der Widerstand, der versucht illegal die Macht an sich zu reißen. Wir brauchen mindestens ein paar Mitläufer oder passive Personen mit dabei."

„Und wie sollen wir die davon überzeugen mitzumachen?", wollte Sirius wissen.

Morgan Star zuckte die Schultern. „Wir bieten ihnen Macht an, sie werden nicht ablehnen", meinte er, „Das Problem wird werden sie zu rekrutieren, bevor wir gefangen werden, nicht sie zu überzeugen."

„Wenn wir sie gezielt aussuchen, dann können wir sie verkleidet aufsuchen und ihnen schnell sagen, was Sache ist, ohne von ihnen erwischt zu werden", meinte Nora, „So wie ich Sirius befreit habe."

„Also sollten wir damit beginnen eine Liste aufzustellen, nehme ich an", meinte Damien Abrams, „Endlich zahlt es sich doch aus ein verdammter Bleistiftschieber zu sein! Wir kennen Namen und Betätigung von sehr vielen Leuten hier Oben, eine Liste sollte kein Problem werden."

Und damit rettete er wieder einmal mit einer seiner Ideen den Tag. Wie es zu erwarten gewesen war. Aber bedankte sich deswegen irgendjemand bei ihm? Nein, natürlich nicht! Sie boten ihn nicht einmal an ebenfalls in den neuen Vorstand aufgenommen zu werden. Nicht, dass er das gewollt hätte, aber sie hätten es ihn zumindest anbieten können, oder nicht?

Auch egal, solange wir Jack damit entmachten, soll mir alles recht sein.


„Sie haben uns gefunden", erklärte Greyback plötzlich, scheinbar aus dem Nichts heraus.

Severus und einige andere Todesessern warfen dem Werwolf verwirrte Blicke zu. Der deutete auf seinen Kopf. „Ich kann sie riechen, aber nicht hören, sie interagieren nicht mir ihrer Umwelt, treten auf keine Zweige und dergleichen, und doch rieche ich diesen eindeutigen Schutzengel-Geruch", behauptete er.

„Wonach riechen sie denn?", wollte Severus wissen.

„Es ist schwer zu beschreiben, es ist eine Art beruhigender Duft, der einem verspricht, dass alles wieder in Ordnung kommt. Deswegen wusste ich gleich, dass man ihnen nicht trauen kann", erklärte der Werwolf.

Severus entschloss sich dazu auf diese Aussage gar nicht erst zu antworten. „Aber auf jeden Fall kommen sie hier nicht rein", stellte er fest, „Wir sind also immer noch sicher…"

Und natürlich war genau das der Moment, in dem Lord Voldemort wieder zu tatsächlichen Bewusstsein zu kommen schien. „Was ist geschehen?", wollte der Dunkle Lord wissen, „Wo sind wir hier, und was wurde aus diesen verdammten Schutzengeln?!"


Nachdem sie in Windeseile ihren neuen Vorstand zusammengestellt hatten, mussten sie diesen noch offiziell machen. Das bedeutete leider, dass sie ihr Versteckspiel aufgeben und riskieren mussten von den anderen Schutzengeln erwischt zu werden.

„Ich kann ja auch alleine gehen", bot Sirius an, „Den neuen Vorstand offiziell verkünden, als Ausrufer sozusagen. Dann werde nur ich wieder eingesperrt, das bin ich inzwischen eh schon gewöhnt, und sobald ihr in Amt und Würden seid, könnt ihr mich wieder frei lassen."

Nora schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, wir gehen alle zusammen. Wenn wir zusammenstehen, dann sieht Jack, dass er uns nicht mehr weiterhin einfach so herumstoßen kann", meinte sie, „Unsere Stärke liegt in unserer Zahl."

Morgan Star und Damien Abrams schien einen Moment lang nicht begeistert von dieser Aussicht zu sein, doch dann nickten sie. „Ich wäre sowieso mitgekommen", meinte Trevor schulterzuckend.

Immerhin, selbst wenn das alles schief gehen sollte, wären Regie und Mindy immer noch sicher auf der Erde bei ihren Schützlingen Remus bzw. Percy Weasley und könnten ihren Kampf weiterführen. Zumindest redete sich Sirius das ein. Immerhin war das hier seine Idee gewesen. Wenn es also schief ging …. Nun dann wäre alles seine Schuld, das wusste er. Aber zumindest hätten sie es versucht.

Sie nahmen also die entsprechende Hintertür in den Jenseitigen Garten. Dort angekommen wurden sie sofort von den dort anwesenden Schutzengeln überrascht und verwirrt angestarrt.

Sirius trat vor und räusperte sich. „Wir sind hier um ein paar Neuigkeiten zu verkünden!", rief er, „Die Jenseitigen haben gesprochen, und sie haben einen neuen Vorstand gewählt! Direkt und sofort! Weil es so, wie es ist, nicht mehr weitergehen kann! Hört die Namen eures neu gewählten Vorstands, die nicht mehr anonym sind, sondern Namen, die ihr kennt: Morgan Star, Damien Abrams, Jacob Timely, Nora der Schutzengel-Coach, Setheus der Sekretär, Trevor der Hausmeister, Belladonna Normana Rollana, die sich ihre Beförderung ehrlich verdient hat, S-"

„Was hat das hier zu bedeuten?!" Jack und einige seiner gehorsamsten Gefolgsleute waren aufgetaucht und wirkten mehr als nur ein wenig wütend. „Was tut ihr hier?!"

Sirius warf ihm einen herausfordernden Blick zu. „Wir verkünden hier den neuen Vorstand, das tun wir", erklärte er.

„Den neuen …. Ihr könnt nicht einfach so entscheiden, dass es einen neuen Vorstand gibt oder diesen gar selbst wählen! Das ist vollkommen irregulär und so noch niemals vorgekommen! Und gegen alle Regeln und Bestimmungen!", erwiderte Jack empört.

„So wie es gegen alle Regeln und Bestimmungen ist Schutzengel, die anderer Meinung sind, von ihren Schützlingen fernzuhalten und einzusperren? Angestellte der Jenseitigen Schutzabteilung von ihren Schreibtischen wegzuholen, ohne diese neu zu bestücken? Oder hart arbeitende Hausmeister einfach so von ihrer Arbeit abzuziehen, nur weil sie die eigene politische Meinung nicht teilen? Das alles ist passiert, das alles habt ihr getan, der alte Vorstand! Wenn ihr also der Meinung seid, dass ihr euch nicht mehr an die Regeln und Bestimmungen zu halten braucht, dann brauchen wir das auch nicht! Deswegen haben wir einen neuen Vorstand gewählt, einen, der widerspiegelt, was wir sein wollen: Die verdammte Abteilung für Jenseitige Dienste!", erwiderte Sirius unbeeindruckt, und sämtliche Rebellen und auch einige der anderen anwesenden Schutzengel applaudierten zustimmend.

„So funktioniert das aber nicht!", jammerte Jack, „Das könnt ihr nicht einfach tun! Und dann erwarten, dass ihr damit durchkommt!"

„Sagt wer?", hielt Sirius dagegen.

„Nun …."

„Wir wäre es, wenn wir einfach nachfragen? Bei allen anderen Jenseitigen, die das hier etwas angeht, meine ich? Bei allen Schutzengeln und Angestellten der Jenseitigen Dienste? Das hier ist doch eine Demokratie, oder nicht? Fragen wir sie doch einfach wen sie als Vorstand haben wollen, den neuen Vorstand oder den alten Vorstand! Und das jetzt gleich. Holen wir alle Schutzengel nach Hause und stimmen wir ab!", schleuderte Sirius dem anderen Mann entgegen, und er erntete wieder zustimmenden Applaus.

Jack funkelte ihn wütend an. „Also gut", meinte er in einem bedrohlichen Tonfall, „Dann tun wir das. Stimmen wir ab. Finden wir heraus wer der Meinung der Mehrheit zur Folge das Sagen haben sollte!"


Wie es zu erwarten gewesen war, fackelte der Dunkle Lord nicht lange, sondern stürmte los um sich den Schutzengeln im Kampf zu stellen. Alle Versuche ihn zur Vernunft zu bringen, brachten nicht viel. Seine Todesesser folgten ihm wie eine große Traube, die ihn umgab, mit hinaus aus der Höhle dem scheinbaren Feind entgegen.

Severus befürchtete schon das Schlimmste.

Doch dann….

„Wo sind sie? Hier sind keine Schutzengel!", beschwerte sich Lord Voldemort, „Was habt ihr da nur behauptet?"

Severus atmete erleichtert auf. Was immer Sirius getan hatte, er hatte es gerade noch rechtzeitig getan.


„Siri? Was ist hier los?", wollte Regulus wissen und bahnte sich gefolgt von Mindy seinen Weg durch die Massen von Schutzengel zu ihm.

„Wir alle stimmen ab. Darüber wer hier von jetzt an das Sagen hat. Jack und seine Leute oder unsere Leute. Wir haben einen alternativen Vorstand zusammengesellt, und er steht gegen den Vorstand, zu dem Jack gehört, zur direkten Wahl", erklärte ihm Sirius, „Alle Schutzengel sind wahlberechtigt."

Regulus blinzelte. „Das ist nicht die Lösung, die ich erwartet hätte", gab er zu. Dann zögerte er einen Moment. „Und was, wenn wir diese Wahl verlieren?", wollte er dann wissen, „Wer sagt, dass wir sie gewinnen werden?"

Sirius hatte keine Antwort auf diese Frage parat. Er hatte keine Versicherungen, keinen Plan B - er hatte nur Hoffnung. Und diese Hoffnung würde reichen müssen.


A/N: Ob diese Hoffnung ausreicht, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

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