Leah
Es kehrte langsam ein Alltag ein, zumindest so weit es in Anbetracht der Umstände möglich war. Carlisle arbeitete überwiegend tagsüber und war in der Nacht bei Leah. Nicht, dass sie etwas daran auszusetzen hatte. Es überraschte sie nur wie schnell sie sich an seine Anwesenheit gewöhnt hatte. Wobei gewöhnt das falsche Wort war. Sein Anblick brachte immer noch ihr Herz zum rasen und seine Nähe brachte noch immer dieses Hochgefühl mit sich.
Er schien es ebenfalls zu genießen, zumindest wollte Leah das glauben. Sein Verhalten erinnerte sie an die alten Filme, die ihre Mutter ihnen immer aufgehalst hatte. Tugendhafte Gentlemen. Carlisle war einer davon. Leah bemerkte, dass er sie immer wie etwas zerbrechliches und kostbares anfasste. Stets zaghaft, als würde er ihr die Möglichkeit geben vor seiner Berührung zurück zu weichen. Als ob sie das je tun würde.
Carlisle war ihre Droge und je mehr sie bekam, desto mehr wollte sie. Sie war sich auch nicht mehr so sicher wie subtil sie dabei war, denn mit seinen geschärften Sinnen ist es ihm wohl kaum verborgen geblieben, wie sehr sie ihm verfallen war.
Leah war sich nicht sicher, wer sich mehr über Carlisle Anwesenheit freute- sie selbst oder Seth. Der Junge hing Carlisle förmlich am Rockzipfel und selbst ihre Mutter, welche ihre Skepsis dem neuen Mitbewohner gegenüber kaum verbarg, war über die Veränderung in Seth erfreut.
Carlisle half ihn mit seinen Schularbeiten und erklärte ihm unermüdlich immer wieder das selbe- eine Tugend die Leah nicht ihr eigen nennen konnte. Sue entgegen verbrachte immer mehr Zeit mit Charlie und Leah wertete es als positives Zeichen. Immerhin vertraute sie ihr und auch Carlisle genug, um sie alleine mit Seth zu lassen.
Doch es dauerte nicht lange, bis die nächste Aufregung die Familie Clearwater erfasste. So war Leah so fixiert auf die Familie Cullen, dass sie ein Drama in ihren eigenen Reihen nicht vermutet hatte.
Es war mitten in der Nacht und Leah war einmal mehr froh über ihren geringen Anspruch an Schlaf. Sie hatte zwar ihre Augen geschlossen, aber es war weniger die Müdigkeit sondern mehr die sanften Berührungen mit denen Carlilse ihre Haare streichelte.
Sie lauschte mit einem Ohr an seinen stummen Herzschlag und war erstaunt, wie natürlich es ihr vorkam. Mit seiner freien Hand hielt er ein Buch, wobei Leah sehr wohl bemerkt hatte, dass er schon länger nicht mehr umgeblättert hatte. Zögerlich begann sie die Nähte seines Hemdes mit ihrer Fingerspitze nachzufahren und bemerkte wie er sich auf einmal versteifte.
Sofort hielt sie ein wartete gespannt ab. Als nichts geschah, führte sie ihre Bewegungen weiter aus und bestaunte den harten Körper unter ihrer Hand. Seine Temperatur hatte sich fast angeglichen, er war zwar merkbar kühler aber das war für ihre innere Hitze ohnehin angenehm. Die Vampire die sie bis jetzt berührt hatte, beim Kampf gegen Victorias Armee, fühlten sich wie gefrorene Marmorstatuen an und allein der Gedanke daran jagte ihr noch immer einen Schauer über den Rücken.
Carlisle aber wirkte fast menschlich. Sein Körper war zwar hart, aber es war beinahe so, als wäre er für sie gemacht worden. Mittlerweile folgte sie nicht mehr den Nähten seines Hemdes, was vermutlich mehr kostete als ihre gesamte Garderobe, sondern fühlte die Muskeln die darunter lagen.
Zwar war seine Statur nicht mit den von ihren aufgepumpten Rudelmitgliedern zu vergleichen, dennoch war er muskulöser als die meisten Menschen. Sie konnte sich nicht stoppen, als ihre Finger von seinen Brustmuskeln in Richtung seines Bauches wanderten und musste ein Stöhnen unterdrücken als sie das Relief seiner Bauchmuskeln spürte.
Ein Geräusch drang aus seiner Kehle was definitiv nicht menschlich war und Leah sah überrascht auf. Seine Augen waren halb geschlossen und das Buch hatte ebenfalls uninteressiert zur Seite gelegt. Das bisschen was sie von seinen Augen sehen konnte, war tiefschwarz und sein Mund war leicht geöffnet.
Er nahm tiefe Atemzüge und sie spürte seinen kühlen Atem auf ihrem Gesicht. Ihre Augen wanderten auf seine roten Lippen und die weißen Zähne die dahinter hervor blitzten. Sie wirkten wie ein Magnet auf sie und zu ihrem Verlangen kam der Drang nach mehr. Noch mehr zu spüren, zu fühlen, zu berühren- einfach mehr. Langsam richtete sie sich auf und nährte sich seinem Gesicht.
Sofort öffneten sich seine Augen und starrten sie mit einer Gier an, die ihr fast den Atem nah. Sie verharrte wenige Sekunden als sich sein Blick schlagartig änderte. Verwirrt sah sie ihn an und fragte sich sofort, ob sie etwas falsches gemacht hatte. Als sie es ebenfalls roch. Bevor sie reagieren konnte, hämmerte es an der Türe und sie konnte Seth hören, welcher aus seinem Schlaf gerissen wurde.
„Leah?!"
Pauls Stimme hatte einen derart ängstlichen Ton, dass Leah sofort reagierte. Sie stürmte zur Eingangstüre, welche bereits geöffnet war. Paul stand nackt vor ihr und atmete schwer, sein Blick hatte etwas panisches und als er Carlisle hinter ihr wahrnahm riss er die Augen auf.
„Paul was ist los?"
Paul sah zwischen den beiden hin und her.
„Es ist Rachels kleiner Bruder. Er war krank, die Ärzte haben ihm etwas gegeben.. irgendwas.. er bekommt keine Luft mehr!"
Sofort war klar, warum der Gestaltwandler mitten in der Nacht nackt in im Haus der Clearwaters stand. Sein Verhalten ließ auch kein Zweifel offen- Paul meinte es ernst.
Sofort schaltete Carlisle in den Arztmodus und sie ihre Augen vernahmen nur einen hellblauen Schleier welcher zu seinem Mercedes verschwand. Mit zwei Taschen in den Händen stand er in der Türe und sah Paul erwartungsvoll an.
„Kannst du mir zeigen wo er ist?"
Seine Stimme war ruhig und Leah kam nicht umhin als auch den Effekt auf Paul zu bemerken. Dieser entspannte sichtlich und nickte eifrig. Sie konnte seine Hitze spüren und hetzte ihm nach. Sie würde Carlisle mit Sicherheit nicht in das Haus von Rachel lassen, schon gar nicht mit einem Hitzkopf wie Paul. Carlisle hatte keine Mühe mit Paul mitzuhalten und Leah ohnehin nicht.
Sie war die schnellste ihres Rudels, doch es war nicht ihre Sache somit drängelte sie sich auch nicht vor, auch wenn sie genau wusste wo Rachels Haus war. Sie konnte sogleich die Seths Stimme in ihrem Kopf hören der noch etwas verschlafen fragte, was passiert sei.
„Bobby ist krank, Carlisle, Paul und ich sind am weg zu ihm!"
Es wunderte sie nicht wirklich, dass er ohne zu zögern ihnen folgte und Carlisle flankierte. Pauls Gedanken verursachten ihr Kopfweh, so schnell drehten sie sich.
Es war offensichtlich, dass er nicht begeistert war einen Vampir um Hilfe zu bitten und sie war nicht überrascht, als sie mitbekam, dass Rachel und ihre Mutter ihn zu dem Vampir geschickt hatten. Das Haus war bereits in Sichtweite und sie konnte Rachel erkennen, welche wartend davor stand.
Erleichtert blies diese einen Atemstoß aus, als sie das Vierergespann erkannte. Paul verwandelte sich und hielt sich erst gar nicht mit Kleidung auf. Zu Leahs Vergnügen sah sie, wie Rachel diesen zur Seite stieß und sofort auf Carlilse zu marschierte, welcher sich im Hintergrund hielt.
Rachel stockte der Atem als sie den Vampir sah und Leah durchfuhr eine Selbstzufriedenheit. Paul sah gut aus, sehr gut sogar. Er hatte etwas spitzbübisches, seine Züge waren attraktiv und auch anziehend gefährlich. Aber Carlisle sah aus wie ein griechischer Gott, damit mitzuhalten war schwer.
Nach wenigen Sekunden fing sich Rachel wieder und erklärte Carlisle, bei welchem Arzt sie waren und was dieser für eine Diagnose gestellt hatte. Aus dem Inneren konnte sie ein schweres Husten vernehmen und auch Carlisle zuckte sofort in die Richtung des Geräusches. Leah und Seth flankierten ihn immer noch, und Rachel sah ungeduldig zwischen dem Haus und Carlisle hin und her.
„Wenn Sie wollen, würde ich Ihnen gerne helfen."
Carlisle Stimme floss wie Honig durch die Stille der Nacht und Leah konnte Rachels Herzschlag hören, welcher darauf reagierte. Nach einem Moment zog sie Carlisle in Richtung des Hauses und stieß Paul, welcher in der Tür stand und dem es trotz der Situation noch immer nicht wirklich passte, dass ein Vampir im Haus seiner Gefährtin war, zur Seite.
Leah lachte wölfisches Lachen und trottete dem Paar nach. Sie hörte, wie Paul vorschlug den Jungen ins Krankenhaus zu bringen, als er von Rachels Mutter unsanft aus dem Kinderzimmer geschmissen wurde. Dieser kam wieder hinaus und hatte diesmal zumindest eine Hose an. Seths Stimme ertönte hinter ihr und sie war überrascht, dass sie seine Verwandlung gar nicht mitbekommen hatte.
„Es wird schon wieder Paul"
Seths gutartige Stimme schien ihn zumindest ein wenig zu beruhigen. Aus dem Haus konnte sie Carlisle hören, welcher in seiner gewohnt ruhigen Stimme mit den zwei Frauen sprach. Paul warf immer wieder einen unruhigen Blick zum Haus und Leah war überrascht, wie gut er sich zusammenriss.
Offenbar war seine Angst vor Rachel und ihrer Mutter groß genug, um sich nicht darüber hinwegzusetzen. Etwas was sie von Paul nie erwartet hatte. Die Prägung hatte schon eine seltsame Auswirkung.
Es dauerte nicht lang, bis Carlisle in wieder in der Tür auftauchte und in graziös nach draußen schritt. Hinter ihm war Rachels Mutter, dessen gerötete Augen auf Carlisle Rückseite geheftet waren.
„Wie gesagt, es ist nur eine allergische Reaktion auf das Penicillin was ihm Dr. Schreiber verschrieben hatte. Mit dem was ich ihnen gegeben habe, wird es bald besser werden. Auf dem Rezept ist eine Cortisoncreme, falls er einen Ausschlag bekommt."
Die Frau nickte energisch und starrte auf den Zettel den ihr der Vampir gegeben hatte. Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen und sie sah Carlisle dankbar an.
„Danke Dr. Cullen. Ich- danke." Sie hielt ihm die Hand hin und Leah sah aus dem Augenwinkel wie sich Paul versteifte.
Carlisle nickte ein wenig verlegen und ergriff ihre Hand. Ihren Schock aufgrund der Kälte verbarg sie weniger gut, doch Carlisle ließ sich nichts anmerken.
„Auf dem Rezept steht meine Telefonnummer, falls noch etwas sein sollte, können Sie mich jederzeit anrufen."
Mit den Worten drehte er sich um und sah Leah erleichtert an. Die Situation war auch für ihn angespannt gewesen.
Als er bei Paul vorbei ging, nickte er ihm freundlich zu. Paul presste seine Lippen aufeinander und mied seinem Blick, als die strenge Stimme seiner Schwiegermutter erhallte.
„PAUL!"
Dies schien Wirkung zu haben, denn er sah vom Boden auf und blickte Carlisle direkt an.
„Danke."
Das Lächeln was sich auf dem Gesicht des Vampirs ausbreitete war schlichtweg atemberaubend und sie konnte auch das Keuchen von Rachels Mutter hören.
„Gerne."
Eigentlich sollte sie es nicht verwundern, dass wenige Tage nach Bobbys Behandlung ein Lagerfeuer am Strand stattfand, zu dem Carlisle eingeladen wurde. Die Ältesten hießen die Neuankömmlinge willkommen und erzählten Geschichten. Natürlich wurde viel gegessen und noch mehr getrunken, vermutlich der wahre Grund warum diese Treffen überhaupt stattfanden.
Dennoch war Carlisle Einladung etwas mit dem Leah eigentlich nicht gerechnet hatte und schon gar nicht hatte sie mit der Freude mit der Carlisle zugesagt hatte gerechnet. Sie hatte es ihm eher beiläufig erzählt und fast damit gerechnet, dass er sich auf seine Arbeit ausreden würde aber als sie das Aufleuchten seiner Augen sah, blieb ihr die Luft weg.
Seine Freude darüber war ansteckend, dass Leah nicht anders konnte als zu lächeln und seine feinen Gesichtszüge zu genießen. Seth meinte, dass die meisten schon früher am Strand wären um den unüblichen sonnigen Tag zu genießen und nachdem er Carlisle versichert hatte, dass jeder dort wusste, dass er ein Vampir war, willigte er schließlich ein. Seth konnte jemanden so zu ziemlich allem überreden. Seine offene und ehrlich Art und sein Enthusiasmus waren ansteckend.
Leah war weniger begeistert, was nicht am Strand oder der Gesellschaft lag, sondern an den Erinnerungen die damit aufkamen. Das letzte mal als sie mit Carlisle am Strand war, hatte er sie verlassen und sie durchlebte die schlimmste Zeit ihres Lebens. Trotz der Zuneigung die er ihr zeigte verblieb immer die nagende Angst in Leah.
Die Angst, dass er es sich anders überlegen würde. Dass er seine Frau und Familie zu sehr vermissen würde und einfach wegging. Sie wusste es war unfair ihm sein Verhalten, für welches er sich mehrfach aufrichtig entschuldigt hatte und sie es auch nachvollziehen konnte, ewig vorzuhalten und das tat sie auch nicht. Aber sie konnte ihre Angst nicht beeinflussen.
Offenbar spürte er ihre Bedenken, denn es verging kaum ein Moment in der er nicht ihre Nähe suchte und sie irgendwie berührte. Der Strand war bis auf die Quileutes wie gewohnt leer, die Sonne stand tief und zu Leahs Grauen, war der Tag fast genau wie jener. Mit dem Unterschied, dass Carlisle Augen auf sie fixiert waren und er von sich aus ihre Hand nahm. Sie gingen den Strand entlang und Carlisle erzählte ihr eine Geschichte als er in Italien lebte und studierte. Leah versuchte ihm so gut sie konnte zu zuhören aber die Erinnerungen kamen immer wieder hoch.
Seth spielte mit Embry Football und Leah beneidete ihren Bruder um seine unbeschwerte Art. In dem Moment bemerkte sie etwas anderes.
Leise Fußstapfen, gefolgt von schweren. Sie drehte sich um und sah Claire, welche mit erhobenen Armen in Richtung Carlisle lief.
Zumindest probierte sie es, denn immer wieder fiel sie um und Quil war immer zur Stelle um sie aufzufangen. Er versuchte ihren Kurs immer wieder zu ändern, aber Claire drehte sich immer bestimmt um, um den Vampir zu verfolgen.
Sobald Quil sie auf dem Arm nahm, schrie sie unglücklich und Quil stellte sie wieder auf ihre Füße wobei sie ihrem Marsch wieder aufnahm.
Carlisle
Carlisle bemerkte, dass Leah nicht mehr ganz bei der Sache war und drehte sich um. Ein leichtes Lächeln schlich sich in sein Gesicht, als er das kleine Mädchen sah, welches sich gegen den Gestaltwandler erfolgreich wehrte.
Claire tapste unsicher in seine Richtung und er war sich nicht sicher wie er sich am besten verhalten solllte. Sicher war es dem Wolf nicht recht, wenn er seiner Gefährtin zu nahe kam, gleichzeitig wollte er das kleine Mädchen nicht enttäuschen.
Ihr Verhalten war nicht ungewöhnlich.
Die meisten Kinder waren begeistert von Carlisle, was nicht nur mit seiner Person sondern eher mit seiner Spezies zu tun hatte. Das Kind trottete zielsicher auf ihn zu und er konnte schon sehen, wie sie umfiel. In einer flüssigen Bewegung fing er sie auf und stellte sie wieder auf ihre Beine. Er bemerkte, wie sich Quil versteifte und nahm sofort seine Hände von ihr weg, als sie bitterlich zu weinen begann.
Sein versteinertes Herz brach und auch Quil schien unglücklich über die Tränen des Kindes zu sein. Unschlüssig kniete er sich zu ihr hinunter und versuchte so gut es ging dabei Abstand zu wahren.
Das letzte was er brauchte war ein Rudel wütender Wölfe gegen sich, vor allem nachdem sie ihm das Vertrauen entgegen gebracht haben und ihn eingeladen haben.
Claire streckte ihre Hände nach ihm aus und wollte offensichtlich sein Gesicht berühren. Er warf einen flüchtigen Blick zu Quil und Leah, wobei Leah auf Quil fixiert war.
Vermutlich wollte sie bereit sein, sollte er etwas unüberlegtes tun. Er konnte sehen wie Quil mit sich selbst rang, ob das Glück oder die Sicherheit seiner Gefährtin überwog und nachdem er keine Anstalten machte, sich zwischen Carlisle und dem Kind zu stellen, ließ Carlisle sich geduldig von den kleinen Händen anfassen.
Ungeschickt tapste sie in seinem Gesicht herum, zog vorsichtig an seinen Haaren und hatte ein verzücktes Grinsen auf ihrem Gesicht. Offenbar schien es ihr unendlich Spaß zu machen den Vampir zu berühren und Carlisle war erleichtert, als er bemerkte wie sich Quil entspannte. Den Abstand den er so sorgfältig gewählt hatte, wurde bald überflüssig als Claire immer näher kam und schließlich ihre Arme um seinen Nacken schlang.
Schließlich gab er nach und stand mit ihr auf, was sie mit einem glücklichen Lachen kommentierte. Er konnte nicht umhin als noch mehr zu lächeln als sie sein Gesicht in ihre Hände nahm und ihn anstrahlte.
Carlisle bemerkte Leahs Blick auf ihn und verlor sich für einige Sekunden in ihren Augen als sich diese weiteten. Er konnte sie Wärme der Sonne spüren und hörte auch von Claire ein Keuchen.
Mit großen Augen starrte sie ihn an und er konnte die kleinen Lichtpartikel sehen, die von ihm abstrahlten und sich auf ihrem Gesicht wieder fanden. Dennoch wollte er den Wolf nicht unnötig reizen, so machte er ein paar Schritte auf Quil zu und übergab ihm deine Gefährtin.
Zumindest versuchte er es, denn sobald er es versuchte, verstärkte Claire ihren Griff um seinen Hals und Carlisle wusste, er würde den Griff nicht brechen können ohne sie zu verletzen. Entschuldigend sah er Quil an, welcher ihn mit einem ähnlichen, vielleicht nicht ganz so verzückten Blick wie Claire, anstarrte. Die Sonne würde sich ohnehin bald am Horizont verabschieden und so machten sie sich auf dem Weg zurück zur Gruppe.
Leah schien nicht weniger überrascht von Quils Verhalten zu sein, dass dieser Carlisle einfach so gewähren ließ. Jedoch hatte er nicht wirklich eine andere Möglichkeit, vermutlich hatte er schon länger versucht Claire von dem Vampir fernzuhalten.
Als sie sich der Gruppe näherten, spürte erneut die Wärme auf seinem Gesicht und auch wenn er es gewohnt war, so sah er auch die Gesichtsausdrücke des restlichen Rudels. Seth sah ihn fast verliebt an und sein Herz schwoll beim Gedanken an den jungen Wolf an.
Er hatte Seth schnell liebgewonnen und war froh ihn zu seinen Freunden zählen zu können. Die Aufmerksamkeit die er vor allem vom weiblichen Teil des Rudels bekam, blieb auch Leah nicht verborgen und auch wenn er sich nichts draus machte, so war er doch zufrieden als er Rachel mit anerkennendem Ton leise sagen hörte, dass Leah es auch schlimmer treffen hätte können. Schließlich überkam Claier der Hunger und sie ließ sich unwillig Quil übergeben.
Es dauerte nicht lange, bis sich die meisten um das große Lagerfeuer setzte und obwohl eine natürliche Abneigung gegen Feuer hatte, so genoß er doch die Wärme die davon ausging. Noch mehr genoß er die Flammen, welche auf Leahs Gesicht tanzten und ihre ganz eigene Wärme die ihn durchströmte, als sie näher zusammen rückten. Er dachte daran, dass Leah sein eigenes persönliches Feuer war.
Seth ließ sich neben ihm auf dem Stamm fallen und hatte offenbar keine Berührungsängste. Seine Hitze drang durch seine Kleidung auf Carlisle Haut und obwohl es nicht schmerzhaft war, war es doch unangenehm warm. Lange hielt das Gefühl nicht an, denn Claire hatte es sich in den Kopf gesetzt wieder ihre Position auf Carlisle einzunehmen.
Der Großteil beobachtete belustigt, wie Quil verzweifelt versuchte das Kind abzulenken und schließlich resignierte. Er verscheuchte Seth und nahm neben Carlisle Platz. Claire nutzte sofort ihre Chance und kroch vergnügt auf Carlisle. Als dieser jedoch den niedergeschlagenen Blick von Quil wahrnahm, hatte er sofort ein schlechtes Gewissen.
„Es ist nicht ihre Schuld."
Seine Stimme war leise, was angesichts der Gesellschaft unnötig war.
Quil sah ihn fragend an.
„Die meisten Menschen fühlen sich angezogen von uns."
„Das kann ich bestätigen."
Rachels Stimme hallte vom gegenüberliegenden Platz am Feuer her und Leah musste auflachen als sie Pauls missmutigen Gesichtsausdruck sah.
„Ja wie Köder für die Beute."
Embrys Stimme klang angewidert und Carlisle musste sich zusammenreißen ihm keinen finsteren Blick zu zuwerfen. Ihn störte weniger das Kommentar als die Person, die es gesagt hatte. Was natürlich völlig irrational war, das wusste er. Aber offenbar hatte wenig was mit Leah zu tun hatte auch mit Vernunft zu tun.
Quil ließ sich nicht davon beeindrucken und Carlisle war froh, dass sein Blick etwas leichter wurde. Claire war schnell eingeschlafen und der Vampir übergab sie dem schon wartenden Wolf.
Billy Black nickte Carlilse freundlich zu und als Quil mit Claire verschwand, dauerte es nur einen Moment bis Seth wieder seinen Platz einnahm.
Er hörte das kichern von Leah, kommentierte das Verhalten jedoch nicht. Immerhin gab es außer Leah noch einen Wolf, den seine Nähe nichts ausmachte.
Auf einmal wurde es still und einer der ältesten begann die Geschichten zu erzählen. Carlisle war sofort in seinem Bann gezogen und interessiert nahm er jede Information auf. Er wusste, was für eine Ehre, vor allem für seinesgleichen es war, hier zu sitzen. Auf einmal unterbrach Billy den älteren Mann.
„Warum Legenden erzählen? Carlisle hat den Pakt selbst geschlossen, wer könnte es besser erzählen als er?"
In seiner Stimme lag nichts boshaftes, er war einfach nur interessiert. Auf einmal waren alle Augen auf ihn fixiert und er hörte wie sich Leah an ihrem bereits achten Hotdog verschluckte.
Carlisle wartete ab, bis ihm der alte Mann zu nickte und begann zu erzählen, wie er damals mit seiner Familie nach Forks gekommen war um dort sesshaft zu werden. Er erzählte von Ephraim Black und seiner Familie, seiner Neugier und seiner Besonnenheit die ihn heute noch erstaunten. Er erzählte, wie dankbar er für das Vertrauen war und wie viel Respekt er vor ihm hatte.
Nach kurzem Überlegen sagte er, dass er in einer Existenz kaum jemanden mit edlerem Charakter getroffen hatte- weder Mensch noch Vampir. Als er weiter ausführte, spürte er die verführerische Nähe von Leah neben sich und die Hitze von Seth. Carlisle dachte kurz, dass er irgendetwas richtig gemacht haben muss, wenn ihm das Schicksal oder Gott zwei Familien schenkte.
