Leah
Sie hörte es zuerst von Jacob.
Sein Schmerz verbreitete sich unaufhaltsam durch den Bund den sie als Rudel teilten und Leah bekam eine Ahnung davon, wie sich ihre Brüder gefühlt haben müssen als die Sache mit Sam und Emily begann.
Seth wimmerte an ihrer Seite kläglich auf und auch die anderen versuchten alles um Jacob zu beruhigen. Dieser rannte in Richtung Norden und es brauchte erst Sams Alphastimme damit sie sich zurück verwandelten und Jacob mit seinem Schmerz allein ließen. Bella würde heiraten. Was für Leah nicht wirklich überraschend war, brach Jacob das Herz. Einzig allein Carlisle Gesicht erhellte sich freudig als er den Umschlag öffnete und die handgeschrieben Einladung durchlas.
Leah wusste, dass das Familienoberhaupt sporadisch Kontakt mit seinen „Kindern" hatte, es beunruhigte sie nicht. Zumindest nur ein wenig. Doch die edle Schrift welche ihren Namen neben seinen zeigte, löste eine Panik in ihr aus. Seth war ebenfalls eingeladen, genauso wie Billy. Im Gegensatz zu seiner Schwester freute sich Seth mit seiner bekannten Offenherzigkeit, doch die Einladung brachte ganz andere Sorgen über Leah.
Es war das erste offizielle Fest indem Carlisle nicht mit seiner Frau, oder Exfrau, sondern mit ihr auftauchen sollte. Weiters erzählte er ihr, dass ein weiterer Vampirclan, der Denaliclan, eingeladen war, Er versicherte Sam sofort, dass es sich dabei um seines gleichen handelte und sie keine Menschen jagten, es beruhigte Sam nicht wirklich aber nach Carlisle Ausführung über Ephraim Black am Lagerfeuer, riss sich der junge Anführer zusammen und sicherte ihm zu, dass den Verwandten nichts geschehen würde.
Neben Carlisle Vorfreude und Seth Zuversicht war es schwierig sich übermäßig Sorgen zu machen und Leah fühlte sich beruhigt.
Zumindest bis Carlisle mit einem ernsten Gesichtsausdruck nach Hause kam. Er mied ihren Blick und sofort schossen tausend Gedanken durch Leahs Kopf, einer schlimmer als der andere und als er sie schließlich zögerlich fragte, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn er bei der Zeremonie bei Esme sitzen würde, war sie zugleich beruhigt und frustriert.
Sein Blick war niedergeschlagen und sie konnte in seiner Stimme hören, dass er bereits mehr als genug Diskussionen geführt hatte.
Schließlich eröffnete er ihr, falls es ein Problem für sie sein sollte, dass er der Hochzeit gänzlich fern bleiben würde. Leah wusste, dass er es ernst meinte und ihr Frust wurde zumindest ein wenig gelindert. Doch was hatte sie für eine Wahl, er hatte für sie alles aufgegeben und jetzt sollte sie ihn von der Hochzeit seines ersten Sohnes fernhalten nur weil ihr Stolz ihr im Weg stand.
Die alte Leah hätte vermutlich, stur wie sie war, schlichtweg nein gesagt und geschmollt doch sie brachte es nicht über sich Carlisle das anzutun.
Es gab wichtigere Dinge als ihren Stolz und allein die Tatsache erschreckte sie. Sie nickte und sicherte ihm zu, dass es sie nicht stören würde. Sie hätte ohnehin Seth an ihrer Seite und immerhin ging es bei der Hochzeit nicht um sie und Esme sondern um Bella und Edward.
Egal was für eine Abneigung sie gegen die zwei hegte, wobei der zweitere nichts dafür konnte, es war Carlisle wichtig und so würde sie den Abend durchstehen.
Carlisle verbrachte immer mehr Zeit bei den restlichen Cullens und half bei den Vorbereitungen. Leah versuchte so gut sie konnte die Angst nicht die Überhand gewinnen so lassen und Seth lenkte sie so gut er konnte ab. Auch wenn er Carlisle vertraute, konnte sie spüren, dass auch er beunruhigt war.
Der Tag rückte näher und schließlich stand Leah ratlos vor ihrem Kleiderschrank. Es war schwer etwas zu finden, was ihr passte und was weiblich genug war um ihre Muskeln zu kaschieren. In ihren alten Kleidern sah sie aus, wie auf Steroide und schließlich überredete Sue sie mit ihr in Port Angeles ein Kleid zu kaufen.
Nach drei Geschäften war Leahs Nervenkostüm nicht mehr wirklich vorhanden und als sie ihre Mutter auch noch in ein teures Geschäft schleppte, streikte sie. Immerhin kannte Sue Clearwater ihre Tochter gut genug um sie doch noch zu überreden, und als sie dann auch noch das perfekte Kleid fanden, war auch Leah erleichtert. Zumindest bis sie das Preisschild sah.
„Denk nicht daran."
„Wie soll ich nicht daran denken? Das Teil kostet mehr als alle was ich besitze!?"
Sue verdrehte die Augen.
„Mach dir keine Gedanken, ich übernehme das."
Sofort schaltete sich Leahs stolz ein und sie schüttelte vehement den Kopf. Auch wenn die Versicherung ihres Vaters dafür gesorgt hatte, dass sie sich keine Sorgen um ihr Leben machen mussten, so war ein völlig überteuertes Stück Kleidung zu viel des Guten.
Schließlich zischte Sue entnervt.
„Carlisle hat darauf bestanden es zu bezahlen. Und er sagte mehr als einmal, dass der Preis absolut keine Rolle spielte. Also bitte. Bitte kauf es einfach."
Leahs Augen verengten sich und Sue bereute etwas von dem Vampir erwähnt zu haben. Sie konnte sehen wie sich Leah innerlich sträubte das Geschenk anzunehmen und setzte so gleich nach.
„Leah. Du kannst ihn glücklich machen und es annehmen oder du gehst in einer Short und einem Shirt zur Hochzeit. Mir ist es gleich!"
Leah überlegte ihre Möglichkeiten und dachte daran, dass Seth ebenfalls einen Anzug von Carlisle bekommen hatte, nachdem seiner seit dem letzten Wachstumsschub einfach zerrissen ist. Widerwillig riss sie ihrer Mutter das Kleid aus den Händen und trottete zur Kasse.
Als sie nach Hause kam und Carlisle unschuldig fragte, ob sie etwas gefunden hatte, warf sie ihm das verpackte Kleid ins Gesicht und schüttelte den Kopf. Der blonde Vampir kicherte und Leah war so anfällig für das musikalische Geräusch, dass sie sofort ihren Unmut vergaß. In seiner Anwesenheit war es schwer sich Sorgen zu machen. Bis zur Hochzeit zumindest.
Carlisle verschwand bereits in der Früh und hinterließ ihr einen sanften Kuss auf ihrer Stirn. Selbst im Schlaf seufzte sie genüsslich auf und bewegte sich in seine Richtung.
Ihre Nervosität stieg mit jeder fortschreitenden Stunde und auch Seth kämpfte mit seiner Krawatte. Im Endeffekt gab er auf und steckte sie in sein Sakko. Er überzeugte Leah, dass sie wunderschön in ihrem Kleid aussah und Leahs gab ihm einen spielerischen Schubs zur Seite. Sue Clearwater war ebenfalls schon fertig und zupfte noch an ihrer Tochter herum. Sie würde Charlie dort treffen, nachdem Billy mit den Clearwaters fahren würde.
Obwohl sich Leah mental auf den Tag vorbereitet hatte, versetzte der Anblick von Carlisle neben Esme einen tiefen Stich mitten ins Herz. Esme war trotz ihrem unnatürlichem Aussehen eine der schönsten Frauen die Leah je gesehen hatte. Ihr Kleid unterstrich ihren blassen Hautton und ihre haselnussbraunen Haare sahen aus wie flüssige Seide.
Carlisle daneben wirkte in seinem Anzug wie ein Model und begrüßte gewissenhaft jeden Gast der nach und nach eintraf.
Leah reihte sich in der Schlange ein und konnte ihre Augen nicht vom dem Paar abwenden. Sie fühlte ich wie ein Fremdkörper, ein Subjekt welches das Gesamtbild störte.
Carlisle und Esme sahen so natürlich miteinander aus, ihre Gesten waren auf einander abgestimmt und sogar ihre Gesichtszüge ergänzten sich. Sie sahen aus wie das perfekte Paar aus.
Wie sollte sie je damit mithalten können?
Seth stieß sie vorsichtig von der Seite an und riss damit Leah aus ihrem Trance. Schließlich weiteten sich Carlisle Augen und er starrte Leah mit einem Blick an, der ihre Ängste sofort linderte.
Als er nichts sagte, warf ihm Esme einen amüsierten Blick zu und wendete sich an Seth und Leah. Sie begrüßte Seth herzlich und ihr Blick verlor nichts an Freundlichkeit als sie Leah ansah.
„Es ist so schön, dich du sehen Leah."
Ihre Stimme war klar und samtig, es verbarg sich nichts bösartiges darin und Leah glaubte ihr sofort. Schließlich versetzte Esme Carlisle mit dem Ellbogen einen Stoß und dieser schreckte auf.
„Du siehst wunderschön aus."
Seine Stimme klang ungewöhnlich verzerrt und Leah bemerkte, dass er offenbar nervös war. Bevor sie etwas sagen konnte, mischte sich Seth ein.
„Danke, aber die Krawatte habe ich nicht ganz hinbekommen."
Esme lachte auf und Leah dachte, dass es sich wie Musik anhörte.
Nach einem letzten Blick schob Seth Billy weiter und Leah folgte ihrem Bruder. Ungläubig starrte sie das Haus und den Garten an.
Eines musste man den Blutsaugern lassen, dekorieren konnten sie.
Massive Baumstämme, mit Moos und Perlen geschmückt grenzten das Gelände ab, weißer Trauerregen war an den Baumästen befestigt und Lichterketten erhellten das ganze mit einem goldenen Schein. Die Zeremonie begann und Leah hielt sich mit Seth und Billy im Hintergrund. Irgendwo in der ersten Reihe konnte sie ihre Mutter wahrnehmen, welche neben Charlie und Rene saß.
Ihr Blick flackerte sogleich zu dem blonden Mann, der neben dem Bräutigam ganz vorne stand.
Unter dem Licht sah er noch schöner aus und Leah fühlte ihr Herz schneller schlagen, als sein Blick den ihren fand. Unmerkbar zuckten seine Mundwinkel nach oben und sie konnte nicht umher um das leichte Lächeln zu erwidern.
Leah machte sich nicht viel aus Hochzeiten, selbst als sie noch mit Sam verlobt war, war es für sie eher eine Formsache als ein Ausdruck großer Romantik. Nach der Sache mit Emily hatte sie den Gedanken daran zu heiraten verworfen und es störte sie nicht wirklich. Dennoch musste sie zugeben, dass diese Trauung selbst ihr pragmatisches Herz erwärmte.
Sie versuchte nicht auf den blonden Hinterkopf in der ersten Reihe zu starren, aber als er sich leicht zu Esme neigte und ihr etwas ins Ohr flüsterte, worauf sie kicherte, konnte sie ihren Blick kaum losreissen. Die Hitze breitete sich in ihrem Magen aus und sie unterdrückte so gut sie konnte ein Knurren. Ihr Wolf war definitiv nicht begeistert, auch wenn ihr Anspruch auf Carlisle eigentlich nicht existent war und er neben seiner Frau saß. Zumindest in den Augen der meisten Gäste.
Bis jetzt hatte sie das ganze gut gemeistert, aber sie hatte so ein Gefühl, dass es nicht lange dauern würde bis ihre Mauer bröckeln würde.
Natürlich verstand sie, dass Carlisle beschäftigt damit war seine Gäste und Freunde zu begrüßen.
Sie konnte sich auch kaum beschweren, da Charlie, welcher so weit weg von Rene wie möglich kommen wollte und Billy, welcher Charlie verschmitzt zu seinem neuen Schwiegersohn gratulierte, für genug Unterhaltung sorgten.
Es endete damit, dass Charlie androhte Billy in den Sektglasturm zu schieben und dafür von Sue einen heftigen Schlag auf den Arm kassierte. Es war als Seth besorgt aufsah, und sie seinem Blick folgte und in drei paar stechend gelbe Augen starrte, als sie daran dachte, dass sie vielleicht doch nicht kommen hätte sollen.
Sie hörte die unnatürliche Stimme welche wütend zischte und wissen wollte, was Seth und sie hier taten. Sie versuchte nicht einmal die Abscheu aus ihren Worten im Zaum zu halten.
Edward senkte seine Stimme und erklärte den Frauen, dass sie und Seth Freunde waren und er sie eingeladen hatte. Die Stimmung kippte leicht als eine der Frauen den Vampir ansprach, welcher damals versucht hatte Bella zu töten.
Offenbar war es der Gefährte einer von ihnen gewesen und hatte angeblich versprochen seine Diät zu ändern. Was ja sehr gut funktioniert hatte. Leah spürte wie sich ihre Nackenhaare sträubten und erneut die Hitze in ihrem inneren.
Sofort wendete sie ihren Blick ab und versuchte sich zu beruhigen. Zum einen war das letzte was sie wollte die Hochzeit zu crashen und zum anderen war ihr Kleid wesentlich zu teuer um es einfach so zu zerstören. Seth verbarg sein Unbehagen besser und widmete sich unbeeindruckt wieder dem Gezanke von Charlie und Billy.
Auch wenn sie Carlisle kaum zu Gesicht bekam, schlug sie sich besser als erwartet.
Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als sie hörte, wie Carlisle sie und Seth als Freunde der Familie bezeichnete.
Sie wusste nicht mit wem er sprach und es spielte auch keine Rolle.
Es tat weh.
Es tat furchtbar weh.
Es brach ihr Herz.
Die Tatsache, dass er dabei neben Esme stand, machte es nicht besser.
Sie konnte nicht verhindern, dass sich ein bekanntes Gefühl empor schlich. Sie fühlte sich wie damals mit Sam und Emily.
Nur noch schlimmer.
Sie beschloss dem ganzen ein Ende zu setzen und wandte sich an Seth.
Sie musste hier weg. Warum sollte sie sich eine ganze Nacht lang quälen?
Seth jedoch starrte besorgt in den Wald und auch einmal roch Leah es sofort.
Jacob war hier.
Seth warf ihr einen kurzen Blick zu und sofort gingen sie in Richtung des abgelegenen Bereichs. Sam und Jared waren ebenfalls in Wolfsgestalt hier, offenbar traute niemand so richtig Jacobs Selbstbeherrschung.
Was sich auch als weise Voraussicht herausstellen sollte, denn die Stimmung kippte schneller als gedacht und als sie Edwards Knurren hörte, erfasste sie die Hitze.
Ihr Schmerz war kurz vergessen und sie spürte wie sich Seth ebenfalls verwandelte. Jacob rannte so schnell ihn seine Tatzen tragen konnte in den Wald und das Rudel folgte ihm. Der Schmerz der ihn durchfuhr überdeckte ihren und Leah war fast froh darüber, für wenige Sekunden an etwas anderes denken zu können, als an Carlisle.
Ein herzzerreißendes Heulen durchriss die Nacht und Leahs Herz zog sich zusammen vor dem rohen Schmerz der darin lag. Mit Seth an ihrer Seite trottete sie nach Hause und bemerkte den Himmel, wie er immer heller wurde.
Offenbar würde bald die Sonne aufgehen. Das Haus war leer und Leah war das erste mal froh darüber. Natürlich bekam Seth sehr wohl mit was los war und versuchte sie so gut wie möglich zu trösten. Leah war ihrem Bruder dankbar aber trotzdem unterbrach sie ihren Trott und wünschte ihm in ihren Gedanken eine gute restliche Nacht.
Sie steuerte auf den Strand zu und musste Seth erst überzeugen, dass er sie sehr wohl alleine lassen konnte und sie ihre Ruhe wollte.
Schließlich zwickte sie ihn in seinen Pelz und er ließ von ihr ab. Der Strand war wie erwartet menschenleer und die ersten zaghaften Strahlen der Sonne zeigten sich bereits. Die Luft war kühl und salzig, nicht dass Leah das stören würde.
Ein Wolf zu sein hatte doch seine Vorteile.
Sie hob ihre Schnauze in den Wind und atmete tief ein.
Das Meer hatte etwas beruhigendes, das gleichmäßige Rauschen, der Duft, der Wind- alles arbeitete wie ein Uhrwerk. Es war angenehm still, zumindest bis in ihrem Kopf ein weiterer Geist auftauchte. Jacob hatte sich wieder zurück verwandelt und Leah war versucht ihn alleine zu lassen. Sie spürte seine Frustration, die unerwiderte Liebe und das stechende Gefühl, nicht genug zu sein und erkannte sich selbst darin zu gut wieder.
„Könnte es einmal nicht um die Leah Show gehen?"
Jacobs Stimme klang verbittert und Leah konnte es ihm nicht vorwerfen.
„Es tut mir leid Jake."
Ihre Aufrichtigkeit schien ihn zu überraschen und sie merkte, wie seine Wut langsam abnahm.
„Ich werde mich prägen."
Er sagte es so, als ob er vor hatte ein Auto zu kaufen und Leah schnaufte auf.
„Selbst wenn du das schaffst, denkst du wirklich, dass es besser wird?"
„Alles ist besser als das."
Seine Stimme war zu verbittert für sein Wesen und Leah dachte an das Gefühl als sie Carlilse mit Esme sah. Sie dachte daran wie er sie als Freundin der Familie vorgestellt hatte und sie sich auf einmal in ihren Selbstzweifel verloren hatte.
Jacob winselte.
„Na gut. Vielleicht nicht alles. Aber immerhin bist du Sam los."
„Anderer Name, gleiches Problem."
Ihr Zynismus brachte ihn zum lachen und sie war nicht minder überrascht, als er am Waldrand auftauchte und zu ihr trottete. Sein rot braunes Fell leuchtete in den Sonnenstrahlen und sie knurrte ihn freundlich an.
Für einige Sekunden starrten sie beide auf das offene Meer.
„Wir könnten durchbrennen."
Seine Stimme war ernst und Leah lachte laut auf.
„Durchbrennen? Wir zwei?"
Er legte seinen Kopf schief und sah sie von der Seite aus an.
„Ich steh auf ältere Frauen."
„Und man sieht was es dir gebracht hat."
Leah drückte ihren Kopf an seine Seite und genoss für einen Moment die Wärme seines Fells.
„Ich fürchte ich bin zu diesem freudlosen Leben verdammt."
Auch wenn es verlockend war alles hinter sich zu lassen, Leah kannte sich gut genug um zu wissen, dass sie nicht weit kommen würde. Sie wünschte aus tiefstem Herzen, dass ihre Abhängigkeit von Carlisle zumindest ein wenig kontrollierbar wäre. Oder zumindest nicht so
einseitig.
Jacob schnaufte auf.
„Dann sag mir wie es so läuft. Ich hau ab."
Traurig starrte sie ihn mit ihren blauen Augen an. Sie konnte es ihm nicht verübeln und dachte kurz daran ihn daran hindern zu wollen. Schließlich versprach sie ihm auf Billy ein Auge zu werfen und wünschte ihm Glück. Wenn es jemand verstehen konnte das ungeliebte Anhängsel zu sein, dann war sie es.
„Falls du es dir anders überlegst- du weißt wie du mich findest." Er zwickte sie spielerisch in die Seite und sie fletschte die Zähne.
„Hau ab du Idiot, bevor ich dich ins Meer werfe."
Sie sah ihm nach, wie er im Wald verschwand.
Die Wahrheit war, dass Jacobs Vorschlag gar nicht so irrational für sie klang als sie zunächst angenommen hatte. Sie fühlte sich wie ein fremdes Subjekt, ein Störfaktor in Calisles Leben. Der gestrige Abend hatte es nicht besser gemacht.
Im Gegenteil.
Leah dachte daran, wie perfekt und harmonisch Esme und Carlisle wirkten. Wie zufrieden sie in der Gegenwart des anderen wirkten, wie ein eingespieltes Team. Und sie meinte nicht nur ihr Aussehen. Es war die Art wie sie mit den Leuten sprachen, wie sie sich ansahen und über einen Inside Witz grinsten. Sie hingegen passte so ganz und gar nicht zu ihm. Esme wirkte sanft, gütig und nett. Sie hatte ein gewinnendes Lächeln und Leah fand es sehr schwer, sie nicht zu mögen. Leah hingegen war stur und harsch. Sie sprach ihre Meinung offen aus und nahm dabei selten Rücksicht auf die die es hörten. Sie nahm es Carlisle nicht übel, dass er sich auf der Hochzeit so verhalten hat wie es der Brautvater tun sollte. Es schien eher so, als ob Carlisle auf der Hochzeit sein wahres Ich ausleben konnte, was im Umkehrschluss bedeutete, dass er bei ihr eben nicht er selbst war. Und das Schlimmste war, selbst wenn es Leah ansprechen würde- Carlisle war viel zu nett als, dass er das je zugeben würde.
Carlisle
In dem Moment wo die Worte seinen Mund verlassen hatte, bereute er sie. Sie hinterließen einen faulen Geschmack und er betete zu allen Göttern die es hören wollten, dass sie ihn nicht gehört hatte. Das Drama mit Jacob kam wenig überraschend doch er hatte nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich keine Zeit finden würde um wenigstens mit Leah zu sprechen.
Sie beherrschte seine Gedanken und in dem Kleid was sie anhatte, brauchte es mehr als seine normale Selbstbeherrschung um sie nicht einfach auf die Tanzfläche zu zerren und sie zu berühren und an ihr zu riechen.
Esmes Strahlen entschädigte ihn und er war froh, ihr zumindest den einen Tag schenken zu können.
Es überraschte ihn nicht, dass sie nur positives über die Gestaltwanderlin zu sagen hatte und selbst als Emmett anmerkte, dass Carlisle mittlerweile genauso grässlich stank wie sein Wolfsrudel, zog sich ihr Mund zu einem breiten Grinsen.
„Du siehst glücklich aus, Carlisle."
Sofort verzog sich sein Gesicht. Das Schuldbewusstsein holte ihn ein und sie schlug ihn leicht auf den Arm.
„Ich freue mich für euch beide, und jetzt hör auf so ein Gesicht zu ziehen."
Ihre Stimme war tadelnd und er bemerkte, wie sehr er sie vermisst hatte.
Zwar nicht an seiner Seite aber sehr wohl in seinem Leben.
Der Abstand den er ihr zu Liebe gewahrt hatte, hatte zumindest vorerst die Wunden geheilt und Carlisle hoffte, dass in Zukunft sie vielleicht einen Weg finden würden.
Er warf einen Blick über ihre Schulter und suchte die Menschenmenge nach Leah ab.
Er war kurz beunruhigt als er sie nicht fand, doch da Seth ebenfalls nicht zu finden war, nahm er an dass das Geschwisterpaar sich wo herumtreiben würde. Sein Blick blieb bei Alice hängen, welche ihn spitz ansah.
Bevor er reagieren konnte, hielt sie sich die Nase zu und Jasper grinste ihn neben ihr breit an.
Esme hatte Recht. Er war glücklich. Sein Sohn hat die Liebe seines Lebens geheiratet, Esme wirkte zuversichtlich und auch der Rest der Familie schien sich an die Veränderung gewöhnt zu haben.
Es fehlte nur noch eines um sein Glück komplett zu machen.
Leah.
Was er noch nicht ahnte war, wie viel Arbeit noch auf ihn zukommen würde.
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ich mich über paar Rückmeldungen freuen!
