Sie wippten sanft zur romantischen Musik. Eine sanfte Brise umwehte das tanzende Paar. Er schaute an sich herunter und bemerkte, dass sie beide nackt waren. Als er so seinen Blick über ihren schönen Körper wandern ließ, spürte er schon ihre zarten Finger auf seiner Wange, die ihn zärtlich liebkosten. Er schaute in ihre großen Rehaugen, die ihn voller Leidenschaft ansahen. Ihr Mund war halb geöffnet, ihre Wangen leicht gerötet. Sie war so hinreißend. Ihn erfüllte eine unbändige Lust bei ihrem Anblick. Seine Hände wanderten zu ihrem Po. Mit einem energischen Ruck drückte er sie an sich, was beide leicht erschauern ließ. Das Gefühl ihres nackten Körpers auf seinem war so überwältigend. Er konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. Schon drückte sie ihre Lippen verlangend auf die Seinen. Ein heißer Kuss entbrannte zwischen den beiden und er spürte, wie sich etwas an ihm versteifte.

Er wollte sie so sehr.

„Ranma",

hauchte Akane sehnsuchtsvoll in sein Ohr, als er sich von ihren Lippen löste und ihren Hals zu küssen begann. Er spürte ihre Hand, die sich einen Weg nach unten bahnte.

Ein bellender Hund schreckte ihn auf. So ein Mist! Warum mussten solche Träume immer enden, wenn es interessant wurde? Moment mal, was dachte er denn da!

Kurzerhand setzte sich der junge Kampfsportler auf seinem Futon auf. Solche Träume verfolgten ihn ständig. Sein Herzschlag wollte sich nicht so recht beruhigen. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Vielleicht sollte er einen Schluck trinken?
Leise schob er die Schiebetür auf und huschte in den Flur.

„Ein schönes kaltes Glas Milch wird mich bestimmt wieder beruhigen",

dachte Ranma bei sich, als er in die Küche kam.

Da bemerkte er, dass sich bereits jemand am Kühlschrank zu schaffen machte.

Akane.

Ausgerechnet dem Grund seiner Schlaflosigkeit musste er begegnen. Er räusperte sich leicht, um sie nicht zu sehr zu erschrecken. Dennoch zuckte sie kurz zusammen und drehte sich zu Ranma um.

„Ranma? Was machst du hier mitten in der Nacht?",

flüsterte Akane erstaunt.

„Dasselbe wie du. Reichst du mir bitte die Milch?"

Akane reichte ihm das Getränk weiter und sie tranken zusammen mitten im Dunkeln ihren Nachtdrink. Nach einer Weile brach Ranma das Schweigen:

„Warum kannst du nicht schlafen?"

Akane wusste nichts darauf zu antworten. Schließlich war sein unerklärliches Verhalten daran schuld, dass sie sich von einer Seite auf die andere wälzte.

„Ach, ich weiß auch nicht. Denke viel nach und so",

versuchte sie sich herauszureden.

Das machte Ranma neugierig. Was ging in ihr vor? War es etwa immer noch wegen diesem blöden Tanzkurs? Er traute sich nicht, nachzuhaken, obwohl er nur zu gern gewusst hätte, was sie dachte. Doch Akane kam ihm überraschend zuvor:

„Warum hast du dich umgetragen?"

Was sollte er darauf antworten? Mal wieder überforderte es ihn emotional. Schon wollte er wieder zu einer Beleidigung ansetzen, da unterbrach Akane ihn:

„Und komm mir jetzt nicht wieder mit einer beleidigenden Ausrede, Ranma. Ich weiß, dass da mehr dahintersteckt."

Er war restlos überfordert. Sollte er ihr einfach die Wahrheit sagen? Schließlich entschied er sich wieder für eine feige Ausrede und antwortete ihr:

„Mir passt der Freitag einfach besser, okay?"

Er klang wenig überzeugend. Akane musste die wahre Antwort wissen, sonst würde sie nicht schlafen können.

„Ranma, raus mit der Sprache. Was ist der wahre Grund?",

„Was meinst du damit? Das ist der wahre Grund!"

„Ach das glaubst du doch selber nicht! Ist es wegen Ukyo? Weil sie mich aus dem Kurs gestrichen hat? Aus schlechtem Gewissen?"

Damit hatte Ranma nicht gerechnet. Dachte sie, er täte es aus Höflichkeit?

„Akane, das ist es wirklich nicht! Das war wirklich kindisch von Ukyo, aber das ist nicht der Grund, warum ich dir in den Freitagskurs folge."

Bevor er sich versah, hatte er schon zu viel verraten. Jetzt wusste sie also, dass er es wirklich wegen ihr machte! Innerlich trat er sich in den Hintern. Gut, dass sie sein rot anlaufendes Gesicht in der Dunkelheit nicht sehen konnte. Schnell stellte er das leere Glas ab und verschwand wieder nach oben mit einem hastigen „Gute Nacht". Akane blieb erstaunt und irgendwie gerührt zurück. Ranma ging also ihretwegen in den anderen Kurs, aber nicht aus Höflichkeit! Bedeutete das also das, was sie sich zutiefst ersehnte?
Schnell leerte auch sie ihr Glas, bevor sie auf ihr Zimmer zurückging.

Es vergingen einige Tage. Der Mittwoch war gekommen, an dem der ursprüngliche Kurs Ranmas und Akanes zum ersten Mal stattfinden sollte. Tags zuvor berichteten schon die Schüler des Montagskurses ganz aufgedreht von den ersten Erfahrungen, die sie im Kurs gesammelt hatten.
Nun war Mittwoch und Ranma hatte es sehr eilig, nach Hause zu kommen. Ukyo sollte nicht mitbekommen, dass er gar nicht in den Kurs kam. Das würde nur Ärger geben. Akane bemerkte, wie schnell er bei Schulschluss seine Sachen packte, und zählte eins und eins zusammen. Er wollte dem Zorn der Nerima-Wrecking-Crew entgehen. Schon packte sie ihn und zog ihn mit sich in den Flur. Sie schafften es, unbemerkt das Schulgelände zu verlassen und so schnell wie möglich die Schulstraße zu überqueren, bevor sie in der Wohnsiedlung verschwunden waren.

„Puh, Akane, warum hast du das getan?",

stieß Ranma schnaufend hervor.

„Du wolltest doch schnell abhauen, bevor Ukyo mitbekommt, dass du heute gar nicht im Kurs bist oder?"

Akane kannte ihn einfach zu gut. Sie verstanden sich auch ohne Worte.

„Danke, Akane",

sagte er ihr ganz aufrichtig und lächelte sie auf seine unwiderstehliche Ranma-Art an.
Sie verlor sich mal wieder in seinen tiefblauen Augen, bevor sie dem intensiven Blick nicht mehr standhalten konnte. Schon lief sie weiter und ließ ihren Verlobten zurück, der ihr nach einiger Zeit schmunzelnd folgte.

Währenddessen bemerkte Ukyo mit wachsender Bestürzung, dass Ranma nicht kam. Sie sah angestrengt zur Tür der Turnhalle, durch die nach und nach die Teilnehmer des Kurses eintrudelten. Doch Ranma blieb weg. Das war eine Pflichtveranstaltung. Wo war er?

„So, herzlich Willkommen zum Tanzkurs!",

setzten die beiden Kursleiter an, doch Ukyo hob die Hand, um die Abwesenheit Ranmas zu melden.

„Frau Kuonji, das passt so. Herr Saotome steht nicht auf der Liste!",

korrigierte die Tanzlehrerin sie.

Ukyo war außer sich. Gab es einen Fehler oder war Ranma gewechselt? Plötzlich brach jemand die Tür auf und Kodachi sowie Shampoo stürmten in den Raum.

„Wir sind hier zum Tanzen!",

gaben sie mit ihrem dramatischen Auftritt zu verstehen.

„Tut mir leid, Mädels, ihr steht nicht auf der Liste!",

versuchten die Lehrer zu erklären, doch das interessierte die beiden Frauen nicht, die sich schon daran machten, Ranma in der Gruppe von Schülern zu finden. Aber sie fanden ihn nicht. Empört griff Shampoo Ukyo an und fragte sie:

„Wo Airen? Was hast du gemacht mit Ranma?"

„Ich wüsste auch gern, wo er steckt!"

Mittlerweile kamen Ranma und Akane zuhause an und verzogen sich jeweils in ihre Zimmer. Sie hingen ihren Gedanken nach. Seit dem Vorfall in Jusendo entstand eine nie dagewesene Spannung zwischen ihnen, die sie sich nicht wirklich erklären konnten. Nach so vielen gemeinsamen Jahren hatten sie Freude und Leid miteinander geteilt, waren an ihre Grenzen gegangen, hatten einander in den schwächsten Situationen gesehen. Was war das also? Im Grunde wussten sie, dass diese unausgesprochene Sache nach Jusendo und der geplatzten Hochzeit zwischen ihnen stand. Aber da war noch mehr. Es war eine Spannung zwischen zwei Menschen, die sich zueinander hingezogen fühlten, aber nicht wussten, wie sie ihren Gefühlen Ausdruck verleihen sollten. Ob das Tanzen sie näher zueinander bringen würde?

Ranma ging Ukyo die nächsten Tage aus dem Weg. Er hatte keine Lust, sich ihr zu erklären. Wie lange wollte sie es denn noch bei ihm versuchen? Hatte sie mit der versuchten Hochzeit nicht längst eingesehen, dass er nur Augen für Akane hatte? Er müsste früher oder später ein klärendes Gespräch mit ihr führen. Wie sollte er das bloß anstellen? Es graute ihn jetzt schon davor.

Als der Freitagabend gekommen war, versammelte sich die dritte Tanzgruppe in der Turnhalle. Die beiden Kursleiter stellten sich vor mit einer dramatischen Tanzeinlage. Sie tanzten zu einem schnellen Beat eine Rock`n Roll Choreographie, bei der die Frau in die Luft geworfen und von dem Mann wieder aufgefangen wurde. Ranma versetzte es in Erstaunen. Er dachte bisher, dass Tanzen mit Kitsch und Romantik zu tun hatte, aber das hier war ja Akrobatik! Damit kannte er sich aus. Interessiert folgte er der restlichen Performance, bevor das Tanzpaar mit einem donnernden Applaus begrüßt wurde.

„Und damit herzlich willkommen in unserem Tanzkurs! Mein Name ist Satomi Megore und mein werter Kollege heißt Yuki Ikezawa. Wir freuen uns sehr, dass ihr mit uns die nächsten Wochen verbringen werdet! Ihr werdet dabei die wichtigsten Tanzstile kennenlernen, um für den Abschlussball gerüstet zu sein."

„Vielleicht wird das alles doch nicht so übel, wie ich dachte",

sagte Ranma zu sich selbst.

Akane war ganz aufgeregt. Würde sie wirklich die Chance erhalten, mit Ranma zu tanzen? Sie schaute zu ihm hinüber. Er schien interessierter als zuvor. Ob ihm der erste Eindruck gefallen hatte?

„So, am besten machen wir es so, dass ihr euch selbst überlegen könnt, mit wem ihr ein Paar bilden wollt."

Schon begann das Murmeln und das Herumlaufen der Teilnehmer, die überlegten, mit wem sie tanzen sollten. Akane erstarrte. Sollte sie sich auch losbewegen? Sollte sie mutig auf Ranma zusteuern? Aber das konnte sie als Frau doch nicht tun! Sollte er doch den ersten Schritt machen! Und wenn er sie nicht fragen würde und jemand anderes auf sie zuging? Je mehr Zeit verstrich, desto panischer wurde sie. Was, wenn sie am Ende doch nicht mit Ranma tanzen würde?

Tausend Gedanken schossen durch Ranmas Kopf. Seine Beine waren wie am Boden festgewachsen. Warum konnte er in einer solchen Situation nicht mutig sein und auf Akane zugehen! So verharrten beide in ihrer Position, während alle anderen herumliefen und Paare bildeten. Warum war er nur so ein Feigling! Er schrie sich in Gedanken an, jetzt einfach zu Akane zu gehen und mit ihr ein Tanzpaar zu bilden. Doch bei ihm setzte alles aus. Wenn es um Akane ging, war er stets ein hilfloses Etwas.

Am Ende blieben sie beide übrig.

Erstaunt blickte Ranma Akane an und sie blickte zurück. Das war ja fast zu einfach gelaufen! Sie schauten um sich. Alle anderen warfen ihnen bedeutungsvolle Blicke zu. Keiner wagte es ernsthaft, zwischen Akane und Ranma zu stehen. Der ganzen Schule war klar, dass die beiden zusammengehörten. Sie waren in einem Tanzkurs ohne Ukyo, ohne Kodachi, ohne Shampoo, ohne Kuno, ohne Mousse und ohne Ryoga. Diese hätten ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alle anderen nicht.

„Sehr gut, dann können wir jetzt mit einer kleinen Aufwärmübung beginnen! Ihr habt jetzt vielleicht einen ersten Eindruck eures Tanzpartners erhalten, doch das Entscheidende fehlt euch noch: Das Vertrauen. Ihr müsst euch beim Tanzen fallen lassen können. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch ganz aufeinander verlassen könnt. Dafür schlagen wir euch nun folgende Übung vor."

Schon stellten sich die beiden Lehrer voreinander hin und Frau Megore ließ sich nach hinten fallen, wo Herr Ikezawa sie galant auffing.

„Seht ihr? Ich kann mich bedenkenlos fallen lassen, weil mein Tanzpartner mich sicher auffängt. Nun seid ihr dran. Macht es paar Mal, damit ihr füreinander ein Gefühl bekommt und sicherer werdet."

Ranma und Akane sahen sich verlegen um und schauten den anderen Tanzpaaren dabei zu, wie sie die Übung imitierten. Schwer schluckend blickte Ranma in Akanes Richtung, auf deren Gesicht sich ein leichter Rotschimmer abzeichnete.

„Wie wärs, Akane? Wollen wir?",

fragte er sie zaghaft, was sie mit einem schüchternen Nicken beantwortete. Wie er diese Verlegenheit an ihr liebte! Sie stellte sich vor ihn hin und gab ihm ein Zeichen, dass sie sich nun fallen lassen würde. Schon fiel sie ihm entgegen und er fing sie perfekt auf. Einmal mehr stellte er fest, dass sie leichter war als gedacht. Schnell erhob sie sich aus der Position und stellte sich wieder vor ihn hin. Bevor sie sich fallen ließ, drehte sie sich zu ihm um und schaute ihn fragend an. Er verstand und nickte ihr versichernd zu, bevor sie sich wieder nach hinten fallen ließ. Erneut fing er sie mit Leichtigkeit auf. Es gefiel ihm, diese im Grunde sinnlose Aufgabe mit ihr zu verrichten. Jedesmal, wenn sie sich fallen ließ, vernahm er ihren süßlichen Duft, der wohl von ihrem Shampoo ausging. Damit verband er sehr viele Erinnerungen. Immer wieder hat sich dieser Duft in seiner Nase festgesetzt, wenn er sie über die Dächer Nerimas getragen hat oder mit ihr von seinen brutalen Verehrerinnen weggelaufen ist, wenn er sie Huckepack getragen hat oder wenn sie ihm beim Verarzten seiner zahlreichen Wunden etwas näherkam. Es war einfach der Akane-Duft.

„Lass dich fallen, Akane",

sagte er ihr in Gedanken zu.

„Lass dich fallen, für immer. Ich werde dich immer auffangen. Dich immer unterstützen",

dachte er voller Sehnsucht.

Akane kribbelte es im Bauch jedesmal, wenn ihr Verlobter sie auffing. Seine starken Arme brachten sie immer um den Verstand. Diese Adern an seinen Unterarmen, diese großen Hände, die sie schon so oft gerettet hatten! Die Leichtigkeit, mit der er sie jedesmal auffing, ließ sie erschauern. Er war so stark. Es waren jene Arme, die vor gar nicht allzu langer Zeit einen Gott getötet hatten – alles nur für sie.

„Super! Das reicht. Als nächstes zeigen wir euch, welchen Tanz ihr in der heutigen Stunde lernen werdet",

kündigte Herr Ikezawa an, bevor er an der Musikanlage das richtige Lied einstellte. Es erklang ein langsamer Dreiertakt. Das Lehrerpaar ging in Position. Gespannt beobachtete Ranma, wie die beiden sich berührten. Die Frau legte also die Hand auf die Schulter des Mannes, der Mann legte seine Hand auf das Schulterblatt der Frau. Der Abstand zwischen beiden war sehr gering, wie er mit Herzklopfen feststellte. Mit Erstaunen bemerkte er, wie die Körperspannung der beiden sich deutlich erhöhte. Die Körperhaltung beim Tanz schien vergleichbar mit Kampfsport. Ob Akane Recht hatte, als sie das Tanzen als eine Sportart definierte?

Akane starrte gebannt auf das tanzende Paar. Sie begannen, sich langsam zur Musik zu bewegen, die Augen aufeinander gerichtet. Ob das dazugehörte? Die Beine des Paars bewegten sich parallel zueinander. Sie verschmolzen gleichsam zu einem Körper, als sie so über den Hallenboden schwebten. Als die Tanzlehrer nach einigen Minuten ihren Tanz beendeten, der keine Variationen oder sonstigen Besonderheiten besaß, wurden sie erneut mit dem Applaus der Schüler belohnt.

„Danke, danke! Nun seid ihr dran! Ihr werdet jetzt die einzelnen Elemente des sogenannten langsamen Walzers kennenlernen. Stellt euch dazu zunächst alle hier vorne zu den Spiegeln."

Akane ging zielstrebig zu den Spiegeln, um möglichst vorne zu stehen. Ranma folgte ihr zögerlich. Die Motivation seiner Verlobten war ja löblich, machte ihn aber noch verlegener.

„Wie ihr schon mitbekommen habt, handelt es sich bei dem Walzer um einen Tanz zu einer Musik im Dreiertakt. Wenn ihr tanzt, könnt ihr also mitzählen, um im Rhythmus zu bleiben. Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei…"

Und schon begannen alle Schüler gemeinsam den Dreiertakt mitzusprechen.

„Sehr gut, nun als nächstes das kleinste Element, das sich die ganze Zeit wiederholt."

Herr Ikezawa erklärte, dass sich die Schüler ein Quadrat vorstellen müssen, das sie tanzen. Dieses Quadrat müssen sie in zwei Dreiecke teilen.

„Was soll das? Sind wir hier im Matheunterricht oder was",

flüsterte Ranma irritiert und erntete dafür einen bösen Blick seiner Verlobten.

„Psst, Ranma! Warts doch erstmal ab!"

Genervt lauschte er weiterhin den Worten des Lehrers:

„Wir zeigen euch jetzt, wie man das Quadrat, bestehend aus zwei Dreiecken tanzt!"

Frau Megore und er machten einen Schritt nach vorne mit dem linken Fuß, dann einen Schritt zur Seite mit dem rechten Fuß, bevor der linke Fuß neben den rechten gesetzt wurde.

„Das war das erste Dreieck!"

Dann gingen sie mit dem rechten Fuß einen Schritt zurück, mit dem linken Fuß einen Schritt links vom rechten Fuß, bevor der rechte Fuß an den anderen gesetzt wurde.

„Und das war das zweite Dreieck! So einfach ist das!"

Sie machten es nun ein wenig schneller und im Takt – sie begannen nämlich, die Fußbewegungen durch das Zählen des Rhythmus zu unterstützen:

„Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei."

Ranma merkte Akane an, dass sie schon wieder mitzählte und mit ihren Füßen die Bewegungen andeutete. Sie war wirklich sehr motiviert. Wahrscheinlich wollte sie nicht schon wieder wie ein Trampel herumstampfen. Ranma tat es leid, sie ständig so zu nennen. Dabei stimmte das nicht einmal. Sie war kein Trampel. Sie war die sensibelste von allen. Auch wenn keine andere Menschenseele ahnte, wie es ihm ging, durchschaute sie immer schon alles. Er war ein offenes Buch in ihrer Hand, während er ein Buch mit sieben Siegeln für alle anderen darstellte.

„Wie ihr jetzt vielleicht gemerkt habt, benötigt es zwei Takte, um ein Quadrat zu tanzen."

Ranma lachte innerlich immer noch wegen der Geometrie-Sprache. Doch als er nun dazu aufgefordert wurde, die Tanzschritte nachzumachen, begriff er, wie hilfreich dieses Bild sowie das Zählen waren. Zunächst verwirrte es ihn und er verhaspelte seine Beine ein wenig, bis er es dann aber verstand.
Akane wunderte sich enorm. Wie machte er das gleich so gut? Sie selbst versuchte es immer und immer wieder, aber es wollte ihr nicht so wirklich gelingen. Wieder sah sie zu ihrem Verlobten, der so galant die Tanzschritte vollzog wie seine Katas am Morgen. Es sah bei ihm wirklich ein wenig nach Kampfsport aus. Das konnte man ihm aber auch nicht austreiben, stellte sie fest.

„Für den Anfang nicht schlecht!",

setzte Frau Megore zum Reden an.

Nach einiger Zeit der Trockenübungen ging es nun ums Ganze.

„Meine Lieben, stellt euch nun gegenüber auf."

Klopfenden Herzens stellte sich Ranma Akane gegenüber auf und sah ihr scheu in die Augen.

„Man, oh man! Ich schmelze dahin! Wie soll ich mich denn aufs Tanzen konzentrieren, wenn ich ihr so nahe bin!",

schrie er sich innerlich an.

„Sehr gut! Ich sehe allerdings, dass der ein oder andere Junge hier etwas zu weit von seiner Tanzpartnerin steht",

bemerkte Frau Megore und deutete Ranma mit einem Kopfnicken an, Akane etwas näher zu kommen.

„Junger Herr! Zehn Zentimeter, nicht ein halber Meter!"

Rief sie ungeduldig, bis sich Ranma endlich dazu durchrang, ihr doch näher zu kommen. Um sich herum hörte er leises Lachen und Tuscheln. Wie peinlich ihm das alles nur war.

„Oh Gott, oh Gott! Ich sterbe!",

dachte er sich nur noch. Dann setzte es komplett bei ihm aus.

Akane machte es unendlich nervös, dass Ranma sich so schüchtern verhielt. Was hatte das zu bedeuten? Er war doch sonst immer so selbstbewusst! Ob es an ihr lag? War sie zu blöd, dass er ihr gegenüber so zurückhaltend reagierte oder war es vielmehr echte Schüchternheit? Brachte sie ihn vielleicht doch etwas aus dem Konzept?
Als er ihr noch näherkam, spürte sie seine Körperwärme. Seine Nähe ließ ihr Herz wieder höherschlagen.

„So, und nun versucht ihr, gleichzeitig die zwei Dreiecke mit den Füßen zu bilden, indem die Frauen mit dem rechten Fuß nach vorne beginnen und die Männer mit dem linken Fuß nach hinten."

Akane und Ranma stellten sich nicht gut an. Irgendwie wussten sie nicht so recht, wie sie die Füße platzieren sollten, voreinander oder versetzt? Prompt trat sie ihm auf den Fuß, was ihn kurz zusammenschrecken ließ.

„Sorry, sorry! Ich bin so ein Trampel, ich weiß",

zischte sie ihm zu, doch er konnte gar nichts sagen. Sein Hirn war nur noch Matsche. Seine Beine gehorchten ihm nicht und er konnte seinen ganzen Körper nicht mehr kontrollieren. Alles geschah nur noch in einem vernebelten Zustand.

„Ranma, was ist los?",

zischte Akane ihm erneut zu, doch er reagierte gar nicht. Er hörte sie gar nicht richtig. Er vernahm nur noch ihre Nähe und stolperte nur noch über seine eigenen Beine.
Schon kam Frau Megore auf die beiden zu und versuchte, Ranma auf die Sprünge zu helfen. Langsam kam er nun doch hinein. Er schien sich zusammenzureißen.

„Gut, gut! Nun versuchen wir, die Arme einzusetzen. Die Herren bitte der Frau nun die rechte Hand unter ihrem Arm hindurchführen und auf dem Schulterblatt platzieren! Die Damen bitte die rechte Hand auf die Schulter des Mannes legen. Die anderen beiden Hände des Paares ineinanderlegen."

Vorsichtig legte Akane Ranma ihre Hand auf die Schulter und bemerkte prompt, wie angespannt er war. Erschrocken sah sie zu ihm auf. Warum reagierte er so? War das eine Reaktion der Ablehnung? Aber warum war er dann so rot im Gesicht? Er streckte seine Hand nach ihr aus und legte sie zitternd auf ihr Schulterblatt. Es erstaunte beide. Es wirkte ganz so, als ob ihre Körper füreinander gemacht waren. Seine Hand umfasste ihr Schulterblatt, ihre Hand ruhte perfekt auf seiner Schulter. Warum war seine andere Hand nur so nass? Ihre Blicke trafen sich in dem Moment. Sie versank in seinen blauen Augen, mal wieder. Er konnte nicht mehr wegsehen, als er sich in dem Braun ihrer großen Augen verlor. Erst als die Tanzlehrer wieder um Aufmerksamkeit baten, wurde dieser magische Moment unterbrochen.

„So, und nun versucht ihr dieselben Tanzschritte zu tun, indem ihr einander so mit den Händen haltet. Denkt daran, dass ihr eure Füße am besten nicht direkt voreinander bewegt, sondern ein wenig versetzt. Dann entfernt ihr euch mit euren Körpern auch nicht voneinander, sondern bleibt in einem optimalen Abstand."

Akane und Ranma versuchten es. Es war alles sehr verkrampft und konzentriert, weil Ranma einfach so angespannt war und Akane nicht auf die Füße treten wollte. Zudem schauten beide mehr auf die Füße als einander ins Gesicht oder aneinander vorbei. Immerhin verhaspelten ihre Beine sich nicht mehr.

„Versucht, nicht auf den Boden zu schauen. Das ist ein No Go beim Tanzen!",

versuchten die Lehrer, den Schülern zu erklären, aber das war nun mal ein Anfängerfehler, den sie so schnell nicht ausmerzen konnten.

„Das war doch für den Anfang schon richtig gut",

motivierten die Lehrer den Kurs.

„Nun versuchen wir es mit Musik. Denkt daran, den Takt mitzuzählen. Das hilft am Anfang sehr viel!"

Und bevor sie sich versahen, erklang eine richtig romantische Ballade im Dreiertakt, zu der sie sich jetzt bewegen sollten. Die Lehrer zählten an und gaben das Startsignal für die Schüler. Ranma bemühte sich, Akane nicht in die Augen zu sehen. Zu sehr brachte ihre Gegenwart ihn aus dem Konzept. Vielmehr starrte er auf seine Füße, um Akane nicht zu treten oder sich selbst wieder zu verhaspeln. Er brachte seine gesamte Willenskraft dafür auf, nicht auf den Song zu achten.

Nach einer halben Ewigkeit war der Song zuende und somit auch der erste richtige Tanzversuch.

Ranma atmete erleichtert auf, nachdem Akane und er sich aus der Tanzposition gelöst hatten. Akane legte mal wieder die Stirn in Falten.

„War das jetzt so eine Quälerei für ihn? Ist es wirklich so schlimm, mit mir zu tanzen?"

Sie selbst hatte es in vollen Zügen genossen. Die Lehrer bedankten sich herzlich für ihre Motivation und wünschten den Schülern ein schönes Wochenende.