Kapitel 2 – Die Stadt der Sonne

Malas, der Gesandte von Al Shaesh, der Stadt der Sonne, sprach mit schwerem Akzent unermüdlich auf den stolzen Truchsess ein.

Immer wieder schwärmte er von den Reichtümern und von der Schönheit seiner Heimat. Er erzählte von den sieben Heeren, welche allein König Said unterstehen. Die Stärke der Heere sucht seines Gleichen, erwähnte er immer wieder. Wer Al Shaesh kontrolliert, kontrolliert ganz Harad. Beinahe alle Königreiche haben König Said die Treue geschworen- außerdem niemand würde es mit der Streitmacht aufnehmen können. Und erst die Handelswege die erstellt werden können, der Reichtum der damit einher geht. Gewürze, Früchte, Felle, Juwelen und Stoffe wie man sie im Westen nirgends finden könne. Stoffe so edel, dass selbst die Elben vor Neid erblassen. Metalle so hart wie sie nicht einmal die Zwerge schmieden.

Boromir betrachtete den dunkelhäutigen Mann mit Argwohn, zu gut erscheint ihm dieses Angebot. Den Haradrim könne man nicht trauen. Zu lange hält nun schon der Krieg an, zu oft haben Haradrim Krieger die Dörfer in Grenznähe geplündert. Zu viel Blut ist geflossen. Unzählige Male versuchte er auf seinen Vater einzureden dieser war jedoch allein von der Vorstellung der von Malas aufgezählten Möglichkeiten so entzückt, dass er seinem Sohn kein Gehör schenkte. Boromir schnaubte, sein Vater war blind.

Denethor war kein Narr, immer wieder schweiften seine Blicke misstrauisch in Richtung Mordor. Die Ruhe war ein Segen, doch wie lange wird der Sturm auf sich warten lassen? Und wer stellt sich gegen ihn? Wer wird Gondor zu Hilfe eilen? Rohan? Elben? Zwerge? Zauberer? Nein er war sich sicher- zur dunkelsten Stunde würde er alleine vor einem Krieg stehen, den er nicht gewinnen könne. Er musste handeln.

Natürlich wusste er, dass Malas alles erzählen würde was Denethor hören möchte. Als der Bote von der Stadt im Süden eintraf und ihm das Angebot unterbreitete, entsandte Denethor unverzüglich alle ihm bekannten Spitzel, Gelehrten und Waldläufer mit der Aufgabe jegliche Information über dieses ihm fremde Reich zu sammeln.

In den darauffolgenden Monaten bestätigten sich die Gerüchte. Al Shaesh war die größte Stadt des gleichnamigen Königreiches Shaesh. Dieses war aufgrund seiner Größe, Lage und des diplomatischen Geschicks des Königs Said nicht nur der zentrale Handelspunkt Harads – sondern stellte auch tatsächlich die größte Streitmacht.

Fast alle Königshäuser Harads waren mit Shaesh in einer Allianz. Nach dem Krieg gelang es den Vorfahren von König Said das einst eher überschaubare und arme Gebiet zu dem größten Königreich im Süden zu wandeln. Aus dem heissen und staubigen Boden der Wüste erhob sich eine aufblühende Stadt. Diese Leistung musste selbst Denethor anerkennen.

Die Südvölker führten nicht nur mit Gondor Krieg, auch untereinander waren sich die temperamentvollen und stolzen Herren oft nicht einig. Wenn es König Said tatsächlich gelang, diese Wilden zu vereinen, so war es Denethros Pflicht als Herr von Gondor über das Angebot zumindest nachzudenken.

Ausserdem könnte die beschriebene Heeresstärke Gondor in der Stunde der Not retten. Ohne die Unterstützung von Harad wäre der dunkle Herrscher, selbst wenn er jeden Söldner und Ork den er finden könnte rekrutieren würde, in der Unterzahl. Denethor war sich sehr wohl um das Gerede der hohen Häuser von Mittelerde bewusst. Wie Boromir war man allgemein der Auffassung, dass man den Wilden nicht trauen und jeglicher Versuch mit diesen zu paktieren nur von Misserfolg gekrönt werden könne.

Zu tief saßen die Wunden des Krieges und der Überfälle der Vergangenheit. Doch die hohen Herren, welche sich allzu gerne bei diversen Festen über den Truchsess ausließen, hatten nicht den Feind vor ihren Toren. Sie vergaßen um die Gefahr,welche noch immer drohte. Denethor spürte es. Etwas regte sich hinter den Hügeln. Sollte Saurons Ring, der Ring der Macht von den falschen gefunden werden, so war Gondor verloren.