Kapitel 3 – General Tal Rasha
Faramir, dessen Schicksal schon besiegelt wurde, war wie damals zu Jugendzeiten in der Bibliothek zu finden. Er suchte verzweifelt Lektüre über dieses ferne Land, das bald seine Heimat werden sollte. Jedoch wurde die Lektüre die von Harad handelt ausschließlich von Gondorianern verfasst. Somit waren sie für Faramir nutzlos, denn er konnte nicht glauben, dass ein so großes Gebiet ausschließlich von wilden Barbaren beheimatet wird, deren einzige Begierde das Plündern und Morden ist.
In seiner Jugend wurden ihm in den Unterrichtseinheiten von den Gelehrten grausame Geschichten über das südliche Volk erzählt und von den glorreichen Siegen Gondors über die wilden Stämme.
Insgeheim hatte Faramir Mitleid, die Sieger verschleppten die Kinder der besiegten Harad Könige und ließen sie bei Hofe wie wilde Tiere vorführen. War das nicht barbarisch?
Boromir liebte diese Geschichten. Er prahlte, dass er sich einmal eine ganze Schar an Harad Söhnen am Hofe halten werde- als Zeichen seiner Macht. Er träumte davon sich mit den südlichen Kriegern zu messen. Er verstand Faramirs Mitgefühl für diese Barbaren nicht.
Faramir plante nach Umbar zu reisen um dort die Antworten zu finden die er suchte. Vielleicht könnte er sogar die Sprache des südlichen Volkes lernen. Jedoch blieb ihm all das verwehrt. Denethor war sich sicher, dass Faramir einen Fluchtversuch plante und bestellte er ihn bis auf weiteres nach Minas Tirith, wo er ein Auge auf ihn haben könne. Und die wenigen südländischen Händler die sich nach Gondor wagten, erklärten Faramir, dass es etwa ein hundert verschiedene Dialekte in Harad gebe, und davon etwa dreißig in dem Reich Shaesh gesprochen werden. Faramir war ohne Hoffnung. Wie sollte er sich auf seine Zukunft in diesem Land vorbereiten?
An einem kühlen Frühlingsmorgen wurde Faramir zu seinem Vater bestellt, er wusste es besser als seinen launischen Vater warten zu lassen, legte sich schnell eine Tunika an und machte sich auf den Weg. Boromir, welcher sich anscheinend wieder in den Tavernen der Stadt umhergetrieben hat, war bereits vor Ort. Viel eher sein Körper, dem Anschein nach war sein Geist noch immer bei den hübschen Mägden des goldenen Hirschen. Immer wieder stieß er auf und verzog angewidert das Gesicht.
Faramir musste über seinen Bruder schmunzeln, er machte sich nichts aus Tavernen und Mägden. Sicher interessierten ihn die eine oder andere Schönheiten, jedoch hatten diese entweder nur Augen für Boromir oder sie langweilten ihn dermaßen, dass er sich nach einer Unterhaltung lieber in die Bibliothek zurück zog. Boromir meinte manchmal scherzend, es gebe bestimmt einen ansehnlichen Knaben der ihm seine Bücher tragen würde.
„Na großer Bruder, hast du hunger? Soll ich dir Kalbsleber bringen lassen?" Boromir schnitt eine angewiderte Grimasse. Faramir genoß diese Momente. Boromir sah ihn an, wollte etwas entgegnen, fühlte sich jedoch sichtlich zu miserabel um Faramir in einem Wortgefecht gegenüber zu treten. Er winkte geschlagen ab und Faramir lachte auf. Die spielerische Leichtigkeit wurde jeher unterbrochen.
#Die Türen gingen auf und Denethor ging schnellen Schrittes auf seine Söhne zu. Sein Gesichtsausdruck war freudig erregt. Im Schlepptau hatte er Malas, der einen ähnlichen zufriedenen Gesichtsausdruck hatte. Faramirs Unbeschwertheit verflüchtigte sich sofort. Er ahnte Böses. "Nun, da sich meine Söhne nun auch her bequemt haben, habe ich eine äußert frohe Nachricht zu verkünden."
Boromir stieß erneut den Schnaps von der Vornacht lauter als gewollt auf und erntete sogleich einen strafenden Blick seines Vaters.
"Die Tochter von König Said ist bereits auf dem Weg hier her und wird ihren zukünftigen Gemahl-" hierbei blickte er streng auf Faramir "selbst abholen."
Faramit fühlte sich auf einmal so elend wie sein Bruder aussah. Boromir öffnete seinen Mund um etwas zu sagen und wurde just von Malas unterbrochen.
"Ihr könnt versichert sein, General Tal Rasha, ist die schönste Frau von ganz Harad."
Boromir lachte plötzlich auf "General? Wie kann eine Frau ein General sein?"
Malas Augen verengten sich und sah Boromir abschätzig an "Ihr wärt weise General Tal Rasha mit respekt zu behandeln." "Oh seid versichert Malas, die Prinzessin- General Tal Rasha wird mit gebührendem Respekt empfangen, ist das nicht so Boromir?" Denethor sah seinen ältesten Sohn mit einem Blick, der normalerweise nur Faramir vorbehalten war, an. Boromir beugte sich sofort der Schelte und brachte ein widerwilliges „Natürlich." hervor.
Faramir war in Gedanken versunken. Seine zukünftige Gemahlin begab sich auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg um ihn zu holen. Faramir wusste, dass der König niemals seine Tochter diese Reise antreten lassen würde- könnte sie sich nicht verteidigen. Sie muss entweder eine Heerschar an Kriegern mit sich bringen oder wahrlich ein General sein.
Faramirs Gedanken schweiften wie so oft zu den Fragen ab, die ihn seit Malas Ankunft in der weißen Stadt quälten. – Wusste sie auf was sie sich einlässt? Hatte sie eine Wahl? Was wurde ihr erzählt? Was wurde ihr versprochen? Würde sie von ihm enttäuscht sein? Faramir war anders wie sein Bruder und sein Vater kein Krieger. Er beherrschte zwar Speer und Schwert und war ein geschickter Bogenschütze, jedoch fand er nie Spaß am Kampf.
Immer schon war er in der Bibliothek anstatt den Übungsplätzen zu finden. Sein Vater hatte nie viel für Bücher übrig. Das Kämpfen, Kriege und Siege waren das, was einen Mann ausmacht. Nicht das philosophieren und Bücher wälzen. Dies lies er Faramir auch stets spüren. Würde seine zukünftige Braut einen Krieger erwarten?
Er wusste , dass die Haradrim große Krieger sind. Erbarmungslos und tödlich. Manche haben schwarze Haut und sind so groß wie Trolle. Sie reiten nicht nur auf Pferden in die Schlacht sondern auch auf Ungeheuern, mit haarloser Haut,die so mächtig sind, dass sie auf ihnen Türme bauen können. Faramir hatte nichts mehr von der vorherigen Leichtigkeit.
