Kapitel 6 Die blonden Locken

Denethor schrie erbost auf und verlangte von Malas zu wissen, was dieser gesagt habe. Sein stolz war zu guterletzt so gekränkt, dass er Malas nicht einmal ausreden ließ und ohne Unterlass über die Begegnung schimpfte.

Boromir war taub für jegliche Tiraden seines Vater- er war noch immer damit beschäftigt sich den nie stattfindenden Kampf und vor allem seinen glorreichen Sieg auszumalen.

Faramir war ebenfalls in seinen Gedanken verloren. Ihn überkamen Zweifel. Hatte er ihr nicht zugesagt? Möglicherweise hatte ihr sein Äußerliches nicht gefallen? Oder hätte er sie nicht ansehen dürfen?

Er wusste, wenn es seine Schuld seien sollte, würde ihm das sein Vater niemals verzeihen. Außerdem war nicht nur Denethor in seinem stolz verletzt. Auch wenn es Faramir nie zugeben würde, so war er doch auch gekränkt. War er so abstoßend, dass sie die Flucht ergriffen hat?

Als Denethor schließlich seine wutentbrannte Rede mit den Worten „Hat er ihr etwa nicht gefallen?" abschloss, meldete sich Malas zu Wort. „Seid versichert mein Herr, wenn ihr Sohn dem General nicht gefallen hätte, wüsstet ihr dies bereits, da mein Kopf vor euch auf dem Boden liegen würde."

Denethor war fürs erste besänftigt und ging die weiteren Schritte mit Malas durch.

Faramir hatte nicht bemerkt, dass er seit der Frage seines Vaters den Atem angehalten hatte und stieß den angehaltenen Atem seufzend aus.

Boromir, schlussendlich aus seinem Tagtraum erwacht, nahm unverzüglich seine brüderlichen Pflichten wahr und seuselte süffisant zu Faramir „Hast du das gehört Bruder? Deine blonden Locken gefallen der Prinzessin!Sie hat sich anscheinend sofort in dein liebliche Augen verliebt!"

Faramir lachte, das erste mal seit Wochen von Herzen auf. Er war erleichtert und konnte sich über seinen Bruder erfreuen. „So wie du den dunkelhäutigen Riesen begutachtet hast, könnte man meinen du hast dich heute verliebt!" Boromir lachte auf und ergriff fest Faramirs Nacken. „Es ist gut dich lachen zu sehen, Faramir. Keinem wünsche ich das Glück mehr."sagte er ernst und setzte noch ein „Vor allem in deiner Hochzeitsnacht." Boromir duckte sich gerade noch rechtzeitig um Fararmirs Faust auszuweichen.

Boromir wusste es nicht, aber er hatte damit ein Thema angesprochen welches Faramir bis zu dem Augenblick erfolgreich verdrängt hatte. Entgegen seines älteren Bruders hatte Faramir noch mit keiner Frau das Bett geteilt. Durch seine Bücher in denen er sich schon in der Kindheit verloren hatte, war Faramir zu einem unverbesserlichen Romantiker geworden. Er wollte aus Liebe eine Frau heiraten, und mit dieser dieses einmalige Erlebnis teilen.

Faramir verließ seinen Vater und seinen Bruder und machte sich auf den Weg in die Bibliothek. Er schämte sich dafür aber nach langem Überlegen kam er zum Schluss, dass er die verpasste Erfahrung am besten mit dem Studium aufwiegen könnte. Er fand einige Schriftstücke zu dem Thema und verbarg sie geschickt vor fremden Blicken. Er verlor sich so sehr in der Lektüre, dass er das Abendmahl verpasste. Zu seiner Überraschung wurde nicht nach ihm geschickt. Vermutlich hatte Boromir, wie so oft, ein gutes Wort für ihn eingelegt und seine Abwesenheit entschuldigt.