Kapitel 7 Jetzt gehe ich in die Wildnis

Faramir öffnete die Tür zu seinem Quartier und seinen Umhang auf einen Stuhl. Er bemerkte Boromir nicht, welcher auf seinem Bett sitzend wartete. Faramir wollte gerade die Öllampe anzünden und stieß vor Schreck einen Schrei aus als Boromir sich räusperte um auf sich aufmerksam zu machen.

Boromir lachte und sagte „Ruhig Blut kleiner Bruder, ich bin es nur." Faramir schüttelte den Kopf, sein Bruder liebte genoß es wahrlich ihn zu ärgern. „Warum warst du heute nicht beim Essen?"

Faramir drehte sich um und ordnete überflüssigerweise einige Bücher welche auf seinem Tisch lagen. Er suchte nach einer Ausrede. „Ich bin beim Lesen in der Bibliothek eingeschlafen." Nun er war ja tatsächlich in der Bibliothek gewesen, so gesehen war das keine Lüge. Boromir spürte zwar, dass hinter der Geschichte mehr steckte, ließ es aber darauf beruhen. Faramir hatte wahrlich bereits genug Probleme.

„Nun denn, Vater und dieser Malas-" er sprach den Namen mit Abscheu aus „-haben über seine Abreise geredet. Anscheinend wird sie vor verschoben. Die Reise ist zu späteren Zeiten töricht da, laut Malas, die Durchquerung durch diese .. Hash- Haksh... wie auch immer, Wüste, unmöglich wird."

Faramir erstarrte. Er ahnte auf was sein Bruder hinaus wollte. Dieser verzog sein Gesicht und wandte seinen Blick seinen Händen zu.

„Das bedeutet?" Fragte Faramir ungeduldig. „Das bedeutet, dass du morgen abreisen wirst."

Boromir sah auf und blickte Faramir wehmütig an. „Es tut mir so leid kleiner Bruder."

Faramir sagte nichts. Er ging zum Fenster und starrte in die finstere Nacht. „Wenn es irgendetwas gibt was du brauchst, sag es mir und es gehört dir." „Danke, aber ich würde jetzt gerne alleine sein." „Natürlich."

Boromir erhob sich vom Bett und ging zu Faramir, der noch immer in die Ferne starrte. Boromir überlegte ob er etwas sagen sollte, entschied sich dagegen und legte einen Arm um Faramirs Schulter. Nach einigen Sekunden ließ er Fararmir mit seinen Gedanken alleine.

Faramir hörte wie die Tür ins Schloss fiel und atmete auf. Er ließ sich auf sein Bett fallen. Wo vor wenigen Augenblicken Boromir saß, war das Laken zerknüllt und warm. Zu viele Gedanken schwirrten in seinem Kopf umher, als dass er einen fassen konnte. Ihn überkamen die verschiedensten Gefühle, Trauer weil er Boromir verlassen musste, Wehmut und Wut, dass er sich kampflos den Entscheidungen anderer beugen musste aber auch Neugier.

Trotz allem war er neugierig auf dieses fremde Land. Auf die Kultur, die Menschen, die Tiere, die Architektur und die Landschaft. Faramir fasste neuen Mut. Er würde sich nicht seiner Trübseligkeit hingeben sondern das beste aus seiner Situation machen. Der Mithrandir sagte einmal, dass es an einem selbst liege, was man mit der Zeit die einem gegeben wird anfängt. Diese Weisheit nahm er sich zu Herzen und schöpfte daraus neue Hoffnung. Er hatte vor, das beste aus seinem Schicksal zu machen.

Nach einem unruhigen und viel zu kurzem Schlaf erwachte Faramir am nächsten morgen. Er hatte in der Nacht noch seine für ihn wertvollsten Besitztümer gepackt und zu einem praktischen Gepäck verschnürt. Er hoffte für das Klima und die Umgebung gut gerüstet zu sein, jedoch war in seiner Garderobe natürlich kein Gewand, welches auf die Durchquerung einer Wüste ausgerichtet sei.

Faramir schritt zu dem weißen Baum hin, wo sein Bruder und sein Vater bereits auf ihn warteten. Boromir sah ihn gequält an und umarmte ihn fest. Er griff seinen Hinterkopf und flüsterte ihm zu „Schreibe mir Bruder, falls diese Wilden dir etwas antun, hole ich dich mit allen Söhnen Gondors wenn es sein muss."

Faramir drückte Boromir fest an sich und wertschätzte den Moment. Sein Vater beobachtete das Brüderpaar.

Aufgrund seiner gefühlslosen Fassade konnte es niemand ahnen, jedoch erfüllte die Wehmut auch Denethors Herz. Lange hatte er diesen Moment geplant und vorbereitet, doch jetzt wo er gekommen war, überkamen ihn Zweifel. Er wusste um die Liebe zwischen seinen zwei Söhnen. Haben sie doch wenig gemein, so teilten sie ihre Liebe zueinander. Sie ergänzten sich. Denethor wusste, sollte Boromir einmal das Amt des Truchsess übernehmen, brauchte er Faramir um der Aufgabe gerecht zu werden. Boromir war ein Soldat, ein großartiger Krieger mit vielen Fähigkeiten. Er war der geborene Anführer. So begabt Boromir war, so sehr fehlten ihn auch diplomatisches Geschick und eine gewisse administrative Klugheit. Was Boromir fehlte, trug Faramir in sich. Wo Boromir hitzig diskutierte und seine Sturheit bewies, schlichtete Faramir mit viel Gefühl jeglichen Disput. Viele Siege verdankte Gondor Boromirs Kühnheit und Führungsstärke. Jedoch fürchtete Denethor um den Fortbestand des Hauses der Truchsesse, denn mit der Rohheit Boromirs konnte man kein Reich regieren.

Da Gondor nur mit der Hilfe der Harad überhaupt eine Zukunft hatte, war der Verlust Faramirs unabdinglich. Denethors Zweifel blieben unbemerkt.

Als Faramir zu ihm kam um sich zu verabschieden sagte Denethor mit leiser Stimme „Achte gut auf dich, Faramir. Vergiss niemals wo du her kommst."

Faramir sah seinen Vater an und verbeugte sich. Er verspürte die tiefere Bedeutung in seinen Worten und nahm die Liebe die versteckt mit ihnen floß auf. Seine Eskorte war bereits pünktlich vor den Toren eingetroffen. Er bestieg sein Pferd und blickte ein letztes mal zu seinem Vater.

Denethor nickte ihm leicht zu, was Faramir erwiderte. Dann kam Boromir zu seinem Roß und hielt es am Zaumzeug fest. Er sah auf und Faramir konnte sehen, dass Boromir mit den Tränen kämpfte.

„Versprich mir zu Schreiben, Bruder. Versprich es mir." Faramir sah seinen Bruder gerührt an. Er nickte und trieb sein Pferd an. Als er sich langsam entfernte rief er Boromir über seine Schulter zu. „Du kannst lesen?"

Boromir lachte herzlich und schlug dem Tier auf das Hinterteil, dieses galoppierte daraufhin los und trug Faramir durch die weiße Stadt, seine Heimat, in Richtung der Außentore. Faramir sah in die Gesichter der Menschen die gekommen waren sich zu verabschieden. Er mahnte sich dazu seinen Gesichtsausdruck zu wahren und blickte mit Hoffnung und Stolz in die Gesichter.

Außerhalb der Tore warteten die Reiter von Harad. Die Prinzessin war ebenfalls unter ihnen. Er Schritt zu ihnen und wollte etwas sagen, jedoch trieben sie ihre Tiere mit Schnalzen und Rufen sofort weiter. Faramir ritt der Gruppe nach bis er gleichauf war. Sie ritten bis Mittagszeit mit vollem Galopp. Als sie eine Pause machten, drängten sich die Tiere zu dem kleinen Fluss. Einige Männer machten sich an eine Feuerstelle und ein paar verschwanden im Wald. Faramir war sich unsicher wie er sich verhalten sollte. Er wusste auch nicht, ob die Krieger ihn verstehen würden, also sprach er sie nicht an.

Er ging ebenfalls zu dem Fluss und wusch sein überhitztes Gesicht und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Wenn sie bei diesem Tempo ihre Reise fortsetzten, würden sie bereits in wenigen Tagen an der Landesgrenze sein. Was sich dahinter befand war Faramir fremd. Noch nie hatte er sich jenseits der Grenze von Gondor in Richtung Süden gewagt.

Faramir war in Gedanken versunken und bemerkte nicht, dass sich ihm jemand näherte. Er sah auf und sah die Prinzessin. Sie hatte aufgrund der Hitze die Kapuze abgelegt und er sah ihr ganzen Gesicht zum ersten mal. Sie trug eine lange Narbe welche sich auf der linken Seite ihres Gesichts über das Auge in Richtung Kinn zog. Sie schimmerte leicht rötlich, und machte ihr Antlitz noch fremder und schöner. Fararmir hatte nicht viel Zeit das Gesicht zu studieren, da sie ihm etwas zuwarf. Er fing es auf und bemerkte einen rot gelben Apfel in seiner Hand. Er blickte auf und wollte sich bedanken, jedoch war sie bereits wieder weg. Nach der kurzen Rast ging die Reise wieder weiter.