Kapitel 8 Sand und Stein
Als sie sich in den nächsten Tagen der Grenze Gondors näherten, hatte Faramir sich bereits an die fremde Sprache seiner Mitreisenden gewöhnt. Bis jetzt hatte noch niemand versucht mit ihm zu sprechen, was Faramir auf die Sprachbarriere zurückführte. Ihm fiel auf, dass die Route in Richtung Grenze an keinem Dorf vorbei führte. Vermutlich war das Misstrauen noch zu groß als dass man sich einem Dorf Gondor nähern wollte.
Faramir beobachtete seine Gesellschaft mit wachsamen Augen und versuchte so einen Eindruck in die Kultur und vor allem von seiner zukünftigen Braut zu bekommen.
Die Prinzessin wurde geachtet, sie schlichtete den einen oder anderen Streit, bestimmte die Ruheplätze sowie die Rastzeiten. Faramir hegte bereits insgeheim Bewunderung für sie. Sie befehligte diese grimmigen Riesen ohne Mühe und beherrschte die Kunst, ihre weibliche Stimmte wenn nötig mit Autorität aber auch mit einer Sanftheit zu füllen. Herrschte ein Zwist, so konnte sie diesen geschickt auflösen, waren Unsicherheiten zu spüren, so entschied sie mit fester Stimme was getan werden sollte. Er kannte zwar Frauen die eine ähnliche Autorität hatten, eine gewisse Heilerin zum Beispiel, die es sogar vermag Boromir Angst einzujagen. Aber es gehört mehr dazu eine Gruppe Haradrim Krieger, noch dazu von unterschiedlicher Herkunft, zu führen.
Er bemerkte, dass sie ihn ebenfalls oft eindringlich musterte. Nur wendete sie ihren Blick nie ab wenn er ihren erwiderte. Faramir brüstete sich selbst oft mit der Fähigkeit, Menschen gut lesen zu können, jedoch wurde er aus der Prinzessin nicht schlau. Sie hütete ihre Gedanken und Gefühle wie einen Schatz und machte jegliche Interpretationen ihrer Mimik unnütz.
Die Reise setzte sich fort und die Landschaft veränderte sich allmählich und auch das Klima wurde zunehmend heißer und trockener. Faramir musste bald seine Garderobe wechseln und da selbst seine Sommer Bekleidung zu warm und schwer für diese klimatischen Bedienungen waren, legte er nur die Hälfte an. Dies büßte er sogleich mit zwei sonnenverbrannten Unterarmen. Er versuchte es seinen Mitreisenden gleich zu tun und wickelte Stofffetzen um seinen Kopf um zumindest diesen vor der Sonne zu schützen. Er wollte sein Unwohlsein nicht zeigen und verbarg seine Arme unter einem schweren Baumwollhemd welches bei jeglicher Bewegung an der empfindlichen und gereizten Haut rieb und schmerzte.
Sie ritten auf einen steinigen Hügel, hinter Faramir befand sich die letzte spärliche Vegetation die der erbarmungslosen Hitze trotzte. Faramirs Kopf wurde heiß. Er wollte auf dem Hügel eine Rast einlegen. Er musste- sonst würde er vom Pferd fallen. Auf dem Hügel angekommen wollte er seinen Gefährten etwas zurufen- verstummte jedoch prompt. Vor ihm erstreckten sich soweit er sehen konnte geschwungene Hügel aus goldenem Sand. Faramir vergaß sein Unwohlsein und bewunderte die ungewohnte Landschaft. Ein Reiter schritt neben ihm und lachte. Er sagte etwas für Faramir unverständliches und berührte Faramirs schweißnasse und blasse Stirn. Er rief den anderen etwas zu worauf die Prinzessin ihm eine Anweisung erteilte. Dann stieg er von seinem Roß und deutete Faramir, es ihm gleich zu tun. Er führte Faramir zu seiner Satteltasche und zog mehrere helle Stoffe, ähnlich wie er sie trug, hervor. Er drückte sie Faramir in die Hand. Der Stoff fühlte sich kühl und leicht an. Jedoch war er dicht genug um Schutz vor der Sonne zu bieten. Faramir nickte dankend und hielt die Stoffe in die Luft. Er versuchte zu erahnen wie er sie tragen sollte und sah den Reiter an. Dieser trug wie die Prinzessin die Stoffe um den Körper gewickelt.
Einige Reiter beobachteten Faramir und lachten über seinen ratlosen Blick. Einer siegt von seinem Roß und deutete Faramir sich auszuziehen. Faramir sah in die Runde und sah die Prinzessin, die ihn offenkundig anstarrte. Sie spürte vermutlich sein Unwohlsein und wendete ihr Pferd. Faramir atmete dankbar auf. Er entledigte sich vorsichtig seiner Kleidung. Da diese bereits nass war, haftete sie an seinem Körper. Besonders seine Arme schmerzten, die Haut war noch immer rot und empfindlich.
Der Reiter der ihm die Kleidung gab, kramte in seiner Tasche und holte ein kleines Behältnis heraus. Er öffnete es und schmierte Faramir ohne zu warten eine ölige Paste auf die Arme. Faramir atmete scharf ein- die Berührung schmerzte, aber die Paste kühlte und linderte den Schmerz sofort. Während er das Gefühl genoss, begann ihn der andere Reiter anzuziehen. Faramir kam sich wie ein Kind vor.
Als er fertig bekleidet war, bemerkte er sofort den Unterschied. Der Stoff war wesentlich leichter und kühler als der schwere Baumwollstoff seiner Heimat. Als er seinen Stofffetzen wieder um seinen Kopf wickeln wollte, nahm ihm der Reiter den Fetzen aus der Hand und warf ihn mit einer Handbewegungen in den Sand, dann drückte er ihm ein Stoffband in die Hand. Faramir wickelte es um seinen Kopf und war stolz, dass er sich diese Technik bereits Tage zu vor von den anderen abgeschaut hatte. Der Reiter schien beeindruckt und nickte ihm anerkennend zu. Er stieg wieder auf sein Pferd und machte sich für den Weg bereit. Die Prinzessin trabte auf ihrem Roß vorbei und musterte ihn unverhohlen von oben bis unten. Sie verzog keine Miene und ließ Faramir wie immer im ungewissen. Er erinnerte sich an Malas Worte, und vertraute darauf, dass die Prinzessin ihren Unmut, wenn es einen geben würde auch äußern würde.
Während sich die Gruppe ihren Weg auf dem Rücken der Sanddünen durch die Wüste bahnte, wunderte sich Faramir, wie diese Umgebung überhaupt irgendein Leben zulassen könnte. Sie gingen von einer kleinen Wasserstelle zur nächsten, wie sie diese immer wieder fanden konnte er sich nicht erklären. Es gab keinen Weg, keine sichtbaren Hügel, keine Schilder oder andere Punkte an denen man sich orientieren konnte und dennoch gingen sie sicheren Schrittes in die scheinbar richtige Richtung. Faramir wusste sofort, ohne seine Mitreisenden wäre er dem Tode geweiht.
So heiß die Tage waren, so kalt waren die Nächte. Stets Sternenklar und ruhig erhellte der Mond die Umgebung. Faramir lauschte den Geräuschen der Nacht, jedoch waren keine Vögel, Insekten oder anderes Getier zu hören. Nur das Atmen und Schnaufen der Pferde durchbrach die Stille der Nacht.
An den Wasserstellen waren sie überwiegend alleine, ab und zu leisteten ihnen Hirten mit ihren Schafen oder Ziegen Gesellschaft. Faramir fiel mit seiner neuen Kluft nicht wirklich auf. Erst wenn er sein Gesicht wusch und dabei die Kopfbekleidung ablegte erschrak so mancher Hirtenjunge und bewunderte Faramirs goldene Locken. Einige fassten den Mut und berührten seine Locken vorsichtig. Wenn sie zu aufdringlich wurden verscheuchte die Prinzessin sie mit wenigen Worten. Dann wichen sie ehrfürchtig zurück und verneigten sich entschuldigend.
