Faramirs neue Quartiere waren in ihrer Fremdartigkeit wunderschön. Es gab ausladende Fenster welche jedoch nicht mit Glas sondern mit gelöcherten Holzplatten versiegelt waren. Diese warfen einen fahlen Lichtschein in das Zimmer und erwirkten so eine gemütliche Stimmung.
Der Steinboden strahlte eine angenehme Kälte aus welche sich anscheinend auf das gesamte Zimmer auswirkte.
Obwohl es draußen drückend heiß war, war es in den Quartieren überraschend kalt. Er konnte zwei Balkone welche mit grün überwuchert waren sehen. Die Pflanzen schienen mitten auf dem Stein zu wachsen und trotzten der sengenden Hitze mit einem provokant saftigen grün.

Hinter einer Holzwand konnte er ein Bett finden welches nicht wie in seiner Heimat mit dicken Decken und Fellen bedeckt war, sondern lediglich mit einem Tuch aus Leinen sowie einer gewebten Decke. Über dem Bett war eine Art Netz welche man darüber legen konnte. Vermutlich würde es aufgrund der Wärme einige ungebetene Besucher in der Nacht geben.

Die Nacht. Faramir stöhnte auf. Wo sollte er schlafen? Gewiss nicht mit ihr in einem Bett. Vielleicht würde sie auch nur ihr Zimmer zur Verfügung stellen. Als er sich umwandte um nach einem zweiten Bett zu suchen bemerkte er die Gestalt hinter sich.
Er fuhr leicht zusammen und ärgerte sich innerlich über seine Unbeholfenheit. Die Prinzessin lachte heiser auf und das ungewohnte Geräusch entlockte Faramir ein Grinsen. Er sah sich unsicher um und wünschte sich einmal mehr mit ihr reden zu können. Er fühlte sich so unbeholfen. So stand er mitten in ihren Räumen und er wusste nicht einmal warum. Und er konnte sie nicht einmal fragen.

Sie hatte sich anscheinend bereits umgezogen. Die staubige Kluft wurde durch etwas ausgewechselt, was wesentlich leichter und angenehmer aussah. Es war wieder in einer Wickeltechnik um den Körper befestigt, doch waren es weniger Schichten. Das brachte Faramir zu seinem nächsten Dilemma. Er selbst wollte nichts sehnlicher als aus seinen durchgeschwitzten Kleidern raus doch hatte er weder etwas passendes anzuziehen noch wusste er wo er das alte Gewand hinlegen sollte. Das Gewand welches er aus Minas Tirith mitbrachte vermochte ihn vielleicht in den kalten Nächten Gondors zu wärmen, doch hier wären sie komplett fehl am Platz. Faramir stöhnte auf. Es half nichts. Er hoffte sie würde zumindest ein paar Worte von dem was er sagte verstehen.

„Ich fürchte ich habe nichts passendes anzuziehen." Als von ihr keine Antwort kam, wuchs seine Frustration. „Außerdem weiß ich nicht einmal ob das hier meine Räume sind, oder wo ich mich waschen kann, was schon längst überfällig ist. Das Gewand was ich gerade trage muss vermutlich verbrannt werden..." Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen.

Auf einmal griff sie seine Hand und zog ihn aus dem Raum hinter sich her. Sie ging den langen Gang entlang und bog mehrmals ab. Faramir versuchte sich den Weg einzuprägen, sollte er sich einmal Verirren. Sie klopfte an eine Tür und stieß sie auf. In dem Raum dampfte es und mehrere ältere Frauen waren laut tratschend mit der Wäsche von einigen Tüchern beschäftigt. Als sie die Prinzessin sahen, beugten sie demütig den Kopf und sie wechselten ein paar Worte. Dann sahen sie Faramir an und nickten. Er sah zwischen den Damen und der Prinzessin hin und her und war überrascht, dass sie ihn einen leichten Stoß versetzte. Er taumelte in die Mitte des Raumes und hörte hinter sich die Tür ins Schloss fallen.

Die älteren Frauen redeten wirr durcheinander und schlichen um Faramir herum. Auf einmal begannen sie ihn auszuziehen. Faramir versuchte sich zu wehren, vergeblich. Als er in eine große Wanne mit lauwarmen Wasser gedrängt wurde, erinnerte er sich an die Amme die ihn als Kind immer wusch. Sofort spürte er 5 Paar Hände die ihn mit Lappen wuschen. Er konnte kaum etwas sagen, da sich alle paar Sekunden ein Schwall Wasser über seinen Kopf ergossen. Wenn es nicht so unangenehme Situation wäre, hätte Faramir das Bad mit Sicherheit genossen. Immerhin roch das Wasser nach Blumen und er konnte fühlen wie der Sand und der Schmutz von seiner Haut langsam hinunter gewaschen wurde. Zumindest würde er gut riechen wenn er das nächste mal seiner zukünftigen Braut begegnen würde.