Obwohl ich es liebe aus Faramirs Sicht zu schreiben, wollte ich in diesem Kapitel einmal die anderen Charaktere zu Wort kommen lassen. Ich hoffe es ist mir gelungen und es gefällt euch ! Über ein paar Worte würde ich mich riesig freuen ! Die nächsten Kapitel sind für lahatiel90 - danke für die Motivation weiter zu schreiben !

Bücher, Schriftrollen, Pergament soweit das Auge reichte. Faramir starrte mit offenem Mund in die Halle vor sich. Er war vom Anblick derart fasziniert, dass er gar nicht bemerkte wie er sanft durch die Tür geschoben wurde.

Alyah Tal Rasha beobachtete den fremden Mann neben sich. Sie musste zugeben, er übte eine seltsame Art von Faszination auf sie aus. Als sie von den Plänen ihres Vaters erfahren hatte war sie außer sich. Er gab sie an einen Fremden. Einem Tyrannen der sich aufgrund seiner hellen Haut und Lebensweise als übergeordnet sah. Sie kannte die Geschichten, sie kannte die Legenden und Sagen über den Hochmut dieser Menschen aus dem Westen.

Ein Hochmut der zu guter Letzt ihr aller Schicksal besiegelt hatte. Ein König der meinte er konnte der Kraft des Ringes widerstehen. Als wäre er über den Dingen erhaben. Und ausgerechnet sie sollte so einen Mann heiraten. Doch all die Diskussionen, der Kampf und ihre Sturheit halfen nichts.

Ihr Vater hatte sich entschieden und sie musste diese Entscheidung akzeptieren. Natürlich wusste sie, dass ihr Vater einen Plan hatte. Sie konnte ihn zwar erahnen doch sie verstand dessen Entscheidung trotzdem nicht. Zugegeben.-

wenn sie heiraten würde, würde das den Thronanspruch nur zusätzlich untermauern. Es würde die Familie stärken. Doch zu welchem Preis?

Viele Anwärter hatte es gegeben, sie lehnte allesamt ab. Die Männer von Harad waren große Krieger, soviel stand fest. Doch ihre Herzen waren auf dem Schlachtfeld oder in den Tavernen und Hurenhäusern. Keiner war in ihren Augen interessant.

Als sie dann von ihrem Vater über die Lage des Truchsesses hörten, welcher zwei Söhne hatte, hatte sie es schon geahnt. Ebenfalls große Krieger, stolz und von heller Haut.

Das Blut Numenors floss in deren Adern und damit vermutlich auch die Dummheit.

Allein der Gedanke widerte sie an.

Als sie in Minas Tirith eintraf musste sie die Schönheit der Stadt neidlos anerkennen. Wäre der Grund ihres Besuches nicht so abstoßend, hätte sie sich sicher mehr Zeit genommen um die Stadt zu bewundern. Doch sie hatte eine Aufgabe und weder Zeit noch Lust länger als nötig in dieser Stadt zu verweilen.

Sie hatte ihre Hauptmänner mitgenommen und trieb ihr Roß unbarmherzig über die hellen Pflastersteinen.

Als dieser schmierige Mann den ihr Vater aus ihr unerfindlichen Gründen als seinen Vertreter gesandt hatte, ihr Honig ums Maul schmierte und unablässig von den Heldentaten ihres Zukünftigen schwärmte, spürte sie bereits die Wut in sich hochsteigen.

Doch als sie ihn ansah, sah sie etwas. Sie konnte es nicht benennen, aber es lag etwas in seinem Blick was sie nicht vergessen konnte. Nur am Rande hörte sie den Stadtherren sprechen und entschied sich die Stadt sofort zu verlassen. Es hatte keinen Sinn noch länger zu verweilen, was die noblen Herrschaften zu sagen hatten, konnte sich Malas anhören. Er war der Diplomat, nicht sie.

Während ihrer Reise beobachtete sie ihn. In der fremden Umgebung verlor er ein wenig von der Anmut und Stärke die er noch vor wenigen Tagen an der Seite seines Vaters ausstrahlte, auf einmal wirkte er nicht mehr wie ein brutaler Kriegsheld der mit einem Schwung seines Schwertes 5 Männer töten konnte.

Er wirkte beinahe verloren.

Er war nicht viel älter als sie und sie war sich nicht sicher wie viel er schon von der Welt gesehen hatte. Womöglich war dies sein erster Ausflug ohne seine Landsleute.

Es formte sich eine Art Mitgefühl in ihrem Herzen.

Und er war nicht unansehnlich. Seine Augen trugen die Farbe einer stürmischen See und seine Haare strahlten Gold wie die Krone ihres Vaters. So einen Mann hatte sie noch nicht gesehen. Obwohl er neben ihren Hauptmännern etwas von seiner Erscheinung verlor, so hatte er einen kräftigen Körperbau. Er wirkte nicht nur stark sondern auch schnell, als wäre eher der Bogen seine Waffe als der Hammer. Bei ihrer Begegnung mit den Mamukils sah sie wieder, was sie bei ihrem ersten Treffen in der weißen Stadt nicht zuordnen konnte.

Dieser Blick. Er war anders. Er war sanft.

Es lag kein falscher Stolz, kein Neid oder Gier darin. Er blickte diese für ihn so fremde Kreaturen an und bewunderte sie offen.

Er ließ die Hirtenjungen gewähren als sie eine Haare berührten, sie kannte genug Männer die schon Hände wegen geringerer Vergehen abgeschlagen hatten. Nicht nur sein Äußeres war anders, auch sein Gemüt.

Die Faszination erreichte ihren Höhepunkt als sie ihn zu dem Abendessen holen wollte und ihn angezogen auf ihrem Bett liegend vorfand. Er war derart im Schlaf gefangen, dass er nicht mal ihre Anwesenheit bemerkte. Sie betrachtete ihn länger als angebracht war und wunderte sich erneut über diesen Mann der ihr Gemahl werden sollte. Seine entspannten Gesichtszüge ließen ihn noch jünger und schöner erscheinen.

Schön. Das war das angebrachte Wort. Er war einfach schön. Sie musste ihren Ehemann mit Sicherheit nicht verstecken, soviel war sicher. Allein die Tatsache, dass er anders war als die Männer die sie kannte, ließen sie zu hoffen wagen. Und seine Reaktion auf die Bibliothek von Shaesh war wie sie vermutet hatte- anders.

Der Vater war zufrieden, er hatte einen Gesandten und einen Schwiegersohn der es zuließ, dass seine Tochter bei ihm blieb.

König Said war kein Narr. Er wusste was in der Welt passierte. Zwar konnte er es nicht sehen doch er spürte es. Sauron erwachte langsam aus seinem Schlaf und machte sich bereit. Er wusste er würde bald nach ihm schicken und seine Treue einfordern.

Doch was wäre er für ein König wenn er seine Krieger, seine eigene Tochter für eine wilde Horde Monster kämpfen ließe. Orks gehörten nicht in die Zukunftsvision die er für seine Nachfahren wollte.

Seine Tochter hatte mit Geschick viele Stämme und Völker vereint, er wusste sie würden ihr bis in den Tod folgen, genauso wie sie ihr Leben für sie geben würde. Die Krieger in Harad folgten keinem Blut, sie folgten nur einer Sache. Stärke. Alyah hatte diese. Sie hatte immer schon das Talent Menschen in ihrem Umfeld zu den verschiedensten Dingen zu überreden. Sie war konsequent und stand unerbittlich für ihre Meinung ein- war jedoch nicht hochmütig genug um einen Fehler nicht einzugestehen. Und das schätzen die er wollte sie nicht auf dem Schlachtfeld liegen sehen.

Sein Sohn war schwach. Salar hatte viele Qualtitäten, er war ein guter Sohn, doch er war kein König. Er besaß nicht die Feinheit, das Pflichtgefühl und das Gespür was die Regentschaft erforderte.

Salar war in den Tavernen und in den Trainingshallen zu finden, seine Diener machten oft den Scherz, dass der Prinz entweder mit einem Schwert in der Hand oder im Hurenhaus an einer Brust nuckelnd zu finden wäre.

Said liebte ihn wie nur ein Vater seinen erstgeborenen Sohn lieben konnte, doch er wusste, sollte er sterben, würde das Reich was er aufgebaut hatte, für das er und seine Ahnen geschuftet hatten, innerhalb kürzester Zeit im Chaos versinken.

Und so schmiedete er einen Plan. Wenn seine Tochter eine Chance auf den Thron haben sollte, musste sie heiraten. Nicht irgendjemanden. Immerhin würde dieser Mann einmal König sein. Es half ihm nichts, wenn er statt Salar einen anderen Nichtsnutz auf den Thron setzen würde.

Also suchte er. Natürlich war niemand für Alyah gut genug. Sie fand immer irgendetwas auszusetzen. Außerdem wusste er, sollte sie einen Haradfürsten heiraten, würde sie weggehen und bei ihm leben. So war es der Brauch und nicht einmal ein König konnte sich über Tradition hinwegsetzen.

Also brauchte er einen neuen Plan. Und so rückte Gondor auf einmal in die Mitte seiner Gedanken. Die Händler flüsterten immer wieder von der weißen Stadt, den Problemen, den Gefahren und vom sturen Truchsess. Er sah seine Chance und er ergriff sie. Er hatte weder die Nobelmänner noch seine Berater hinter sich, doch das brauchte er nicht. Er war ein König, was er sagte war Gesetz.

Er war in der Position Forderungen zu stellen, er konnte einen Handel zu seinem Gunsten erzwingen. Etliche Stunden schritt er in seinen Gemächern auf und ab und schmiedete einen Plan. Nicht irgendeinen Plan, SEINEN Plan. Er schickte Kundschafter aus und sammelte jedes Gerücht, jede Information um sich ein Bild seiner Möglichkeiten zu machen. Scheinbar war ihm das Glück gewogen- denn der Herr Gondors hatte zwei Söhne.

Einer war ein großartiger Kämpfer und mutiger Krieger, der andere war ein weiser Gelehrte welcher, welch Überraschung aufgrund seines Intellektes vom Vater verschmäht wurde. Sollte er also einen Ehemann für seine Tochter erbitten, würde der Truchsess den zweit geborenen Sohn schicken. Den Entbehrbaren. Nie würde er seinen preisgekrönten Erstgeborenen fort schicken.

Zu seinem Glück war das war genau der den er brauchte. Sollte der Junge nur annähernd so klug sein wie alle sagten, wäre er die Antwort auf seine Probleme. Als Tochter des Königs würde sie auf den Thron sitzen, und er würde nicht nur die gierigen Aasgeier fernhalten welche sich sofort auf sie stürzten würden, sondern mit etwas Glück würde er das Reich nicht zerfallen lassen. Und das war schon mehr als er zu hoffen wagte.

Doch seine Loyalität zu seiner Heimat war ein Risiko. Er war dem Westvolk auf ewig verbunden, egal welchen Schwur er ihm leistete. Und trotzdem-

König Said war sich sicher Herkunft hin oder her, Faramir war die beste Chance die das Volk von Harad hatte.