Faramir verbeugte sich leicht und starrte den Mann erwartungsvoll an. Dieser schickte Abbas und die anderen Diener mit einem strengen Blick wortlos hinaus und räusperte sich.
Er sprach bemüht langsam und versuchte so gut wie möglich den fremden Akzent aus seinen Worten zu verbannen.
„Dies hier hatte ich eigentlich für meinen Sohn aufgehoben, doch da Alyah ihm nun zuvor gekommen ist und ich
nicht weiß, wann er beschließt erwachsen zu werden, gebe ich es gerne an Euch weiter."
Reichte ihm eine Krone. Faramir brachte kein Wort heraus und starrte in die Hände des Königs. Die Krone konnte zwar nicht mit der Feinheit der Arbeit der Elben mithalten, nichtsdestotrotz war sie eindeutig wertvoll und für einen König bestimmt. Faramir schüttelte leicht den Kopf und sah dem König in die Augen.
„Verzeiht mir, aber ich bin dessen nicht würdig."
König Said zog einen Mundwinkel belustigt nach oben. Seine Tochter hatte recht, dieser Mann war tatsächlich anders. Er kannte niemanden der eine solche Ehre mit diesen Worten ablehnen würde. Natürlich war sein Geschenk kein Zufall. Er hatte von seinem Diener erfahren, dass der Junge kein Geschenk von seiner Heimat mitgebkommen hatte. Eine absolute Unglaublichkeit in den Augen des alternden Mannes.
Wie konnte ein Vater seinen Sohn in ein fremdes Land schicken um dort zu heiraten, ohne ihm angemessen einzukleiden oder zu schmücken. Bei der Hochzeit war alles was Rang und Namen hatte vertreten. Dass ein Gondorrim die Tochter des Königs von Shaesh heiraten sollte, war vielen bereits ein Dorn ihm Auge, so hatten doch nicht wenige ihren Sohn angeboten. Doch diesen dann auch noch ohne Kostbarkeiten und der gleichen zu sehen, wäre zu viel des guten. Aber gut, er sollte solche Gedanken gar nicht haben. Er bevorzugte einen Sohn eines anderen Mannes als sein Nachfolger statt seines eigenen. Dieser Umstand war bestimmt noch schwerer zu begreifen.
Also konnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen würde der junge Prinz einen guten Eindruck machen und vor allem ihrer würdig erscheinen und zum anderen würde es keinen Zweifel mehr geben, wen er favorisierte und auf dem Thron sehen wollte.
Er schüttelte den Kopf und hielt Faramir die Krone hin.
„Ihr seid ein Prinz, und ein Prinz braucht etwas Schmuck, meint Ihr nicht?"
Faramir musste beinahe schmunzeln, mit dem Geschenk seiner Braut und dem Gewandt funkelte er ohnehin mehr als in seinen Augen nötig war. Da war sie wieder. Die Bezeichnung. Er könnte das Spiel weiterhin mitspielen doch entschied sich dagegen. Er war kein Prinz und er würde auch nicht länger lügen.
„Ich muss euch enttäuschen doch ich bin lediglich der zweitgeborene Sohn des Truchsesses. Ich bin kein Prinz."
Faramir hielt unbewusst den Atem an. Er musterte den Mann vor sich und versuchte etwas aus seinem Gesicht zu lesen- vergebens. Scheinbar fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Er rechnete beinahe damit aus der Stadt gejagt zu werden und schob den Gedanken an die Rückreise und damit seinen sicheren Tod weit weg.
König Said hatte mehr gesehen als die meisten Menschen die er kannte. Und wenn er sagte, dass ihn nichts mehr schockieren konnte, war das keine Angeberei, es war die Wahrheit.
Doch an diesem Tag wurde er doch tatsächlich gleich zweimal überrascht, und das ausgerechnet von einem Jungen aus dem Westen.
Natürlich wusste er, dass er kein Prinz war. Er hatte sich schließlich vorher gut informiert. Zwar hatte laut Malas der Herr Gondors ihn nicht in seinem Irrtum korrigiert, doch er hatte auch nichts anderes erwartet. Umso mehr überraschte ihn dessen Sohn.
Diesmal erreichte sein Lächeln auch seine Augen und Faramir atmete erleichtert aus.
„Von heute an, seid Ihr ein Prinz."
Mit diesen Worten setzte er Faramir die Krone auf und rückte sie sanft zurecht. Sie passte wie angegossen. Das helle Metall verschwand beinahe auf Faramirs mittlerweile goldenem Haupt.
Als der König die Gemächer verließ wandte sich Faramir vorsichtig in die Richtung des Spiegels und betrachtete sich erneut. Er erkannte sich beinahe nicht wieder. Das Gewandt, sein Gesicht, seine Haare und zu guter Letzt die Krone- sein eigener Bruder würde ihn vermutlich nicht einmal erkennen. Doch so fremd ihm der Anblick auch war, er verspürte keine Angst oder Wehmut.
„Die Welt liegt nicht in deinen Büchern und Karten. Sie liegt dort draußen!"
Die Worte des Mithrandir hallten noch in seinen Ohren. Was hätte sein Leben für einen Wert wenn er sich stets hinter den massiven weißen Mauern Minas Tiriths oder den dichten Wäldern Ithiliens verstecken würde. Faramir vertraute darauf, dass es ihm bestimmt war nun an dieser Stelle zu stehen und die Krone zu tragen.
Egal was das Schicksal noch für ihn bereit hatte, er würde sich dem stellen. Aufgeputscht mit neuem Mut stürzte er sich in sein neues Leben. Nur um wenige Stunden danach volltrunken mit einem Behälter in seinen Armen in seinen Gemächern voller Selbsthass zu liegen.
Faramir dachte immer, er wäre der Vernünftigere Bruder, doch er war sich beinahe sicher- nicht einmal Boromir würde seine eigene Hochzeit alleine mit seinem Erbrochenen verbringen.
