Kapitel 2 – Oktober 1996

Mitte Oktober erhielt Hermine einen kurzen Brief von Dumbledore.

Liebe Miss Granger,

bitte kommen Sie heute Abend um acht Uhr in mein Büro. Ich muss etwas Wichtiges mit Ihnen besprechen.

Herzlichst,

Dumbledore

PS: Das Passwort lautet Wackelpudding.

Hermine runzelte die Stirn über diesen Brief und Harry und Ron wunderten sich ebenso sehr.

„Was er nur mit dir besprechen will", murmelte Harry immer wieder im Laufe des Tages und Ron fing an, sich die wildesten Geschichten auszudenken.

„Vielleicht bringt er dir Okklumentik bei."

„Aber das hat doch nichts mit Besprechen zu tun."

„Hmmm… Dann hat er vielleicht eine wichtige Mission für dich."

„Ist das nicht eher Harrys Part?"

„Vielleicht plant er auch eine geheime Party für jemanden und braucht deinen Rat!"

Hermine rollte nur mit den Augen und war am Abend recht froh, dass sie den beiden entkommen konnte, um nun den wirklichen Grund zu erfahren.

Zwei Minuten vor acht klopfte sie an Dumbeldores Bürotür und wurde sogleich hereingebeten.

„Ah, Miss Granger, schön, dass Sie Zeit gefunden haben", begrüßte der Schulleiter sie erfreut. „Bitte setzen Sie sich doch."

Hermine nahm Platz und wartete nervös auf das Folgende.

„Möchtet sie einen Zitronenbonbon?"

„Nein, danke", erwiderte sie höflich, aber mit leiser Stimme.

„Nun", begann Dumbledore ernst. „Sie fragen sich sicher, warum ich Sie hierhergebeten habe."

Hermine nickte.

„Es ist so, dass ich gestern einen Brief von mir selbst geöffnet habe."

Als Hermine verwundert die Stirn runzelte, erklärte er: „Ich habe schon früh angefangen, meinem zukünftigen Ich Briefe zu schreiben, um im Notfall…. sagen wir… eingreifen zu können." Er zeigte auf einen Gegenstand auf seinem Schreibtisch, der Hermine erst dadurch auffiel: Ein Zeitumkehrer.

„Aber ich dachte, alle wären vor dem Sommer im Ministerium zerstört worden!", rief sie aufgeregt.

„Das ist hier ist ja auch mein privater", meinte Dumbledore zwinkernd.

„Das hier könnte der letzte Zeitumkehrer Englands sein", hauchte sie ehrfürchtig, doch der Schulleiter lachte.

„Wohl eher nicht. Ich bin sicherlich nicht der einzige, der heimlich einen in seiner Schublade versteckt hat."

Als Hermine sich gerade empören wollte, fuhr er schnell fort: „Wie dem auch sei, der Brief, den ich von meinem Vergangenheits-Ich gestern erhalten habe, enthält ein paar interessante Informationen. Ein wichtiger schwarzmagischer Gegenstand muss aus Muggel-London gestohlen werden, um Voldemorts Rückkehr zu verhindern."

„Aber er ist doch schon zurückgekehrt", warf Hermine ein und erinnerte sich an den Dunklen Lord, wie er im Ministerium gegen Dumbledore gekämpft hatte und fast Harrys Psyche zerstört hatte…

„Ja – aber nicht im Jahre 1982."

„Oh."

„In unserer heutigen Zeit ist dieser Diebstahl schon geschehen, deswegen konnte Voldemort erst vor einem Jahr wiederkehren. Aber 1982 suchen die Todesser noch danach und sollte es ihnen gelingen, wird er wieder zu Kräften kommen, noch bevor Harry richtig laufen und sprechen kann."

„Das heißt, dass wir ihm mehr Zeit verschaffen müssen."

„Ganz genau", rief Dumbledore. „Und deswegen möchte ich Sie in die Vergangenheit schicken, um diesen Diebstahl zu vollziehen."

„Warum muss denn dafür jemand in die Vergangenheit geschickt werden?", wunderte sich Hermine.

„Es muss nicht", gestand Dumbledore. „Aber es ist schon einmal so geschehen, wie ich von meinem vergangenen Ich erfahren habe. Daher kann es auch erneut so geschehen, beziehungsweise überhaupt erst so. Außerdem brauche ich jemanden, der einen Brief von mir an mein Vergangenheits-Ich überliefert, damit wir beide alles weiterhin im Griff haben können."

Hermine nickte verständig. „Und warum wollen Sie mich losschicken? Ist nicht eher Harry für solche Missionen besser geeignet?" Schließlich hatte er in den ZAG in Verteidigung gegen die Dunklen Künste besser als sie abgeschnitten und schon sehr viel mehr Erfahrung im Kampf gegen das Böse gesammelt als sie…

„Sie sind die Klügste Hexe Ihres Alters und eine Muggelgeborene, die einen Teil ihres Lebens in London verbracht hat, was Ihnen in dieser Mission sehr gelegen kommen wird; ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann, meinen Brief meinem Vergangenheits-Ich zu bringen und wieder einen zurückzunehmen, und die Todesser haben Sie damals noch nicht einmal ins Auge gefasst."

„Damals war ich ja auch noch ein Kleinkind, dass noch nichts von der Zauberei ahnte."

„Genau deswegen", meinte Dumbledore. „Wenn alles gut geht, werden Sie ein paar Minuten, nachdem sie in die Vergangenheit gereist sein werden, wieder hier in meinem Büro auftauchen und niemand wird jemals etwas erfahren."

„Und wenn etwas schiefgeht?"

„Dann müssen wir uns mit dieser neuen Zukunft beschäftigen."

Hermine nickte. „Dann müssen wir den Zeitumkehrer jetzt aber lange drehen."

Der Schulleiter grinste erfreut, da Hermine ihr Einverständnis gegeben hatte, und erwiderte: „Ich hab diesen hier ein wenig modifiziert. Man kann nun den genauen Zeitpunkt seiner Reise festlegen."

Hermine nickte anerkennend, doch dann fiel ihr plötzlich etwas Wichtiges ein. „Wenn ich in der Vergangenheit bin, wie komme ich dann wieder zurück? Muss ich dann 14 Jahre die Zeit durchleben?"

„Nein, nein", versicherte Dumbledore. „Der Zeitumkehrer ist in beide Richtungen wirksam."

„Sehr praktisch", lobte sie.

„Ja, nicht?"

„Wann geht es los?", wollte sie danach geschäftsmäßig wissen.

„Wann immer Sie wollen. Die Vergangenheit läuft uns nicht davon."

Hermine stand auf. „Dann würde ich gerne ein paar Sachen packen, die vielleicht helfen könnten und dann heute Abend schon reisen."

Dumbledore nickte. „Von mir aus gerne."

Hermine lief schnell in ihren Schlafraum und packte alles, was ihr sinnvoll erschien (Klamotten, hilfreiche Bücher, Feder und Pergament, etc.), in einen Rucksack, und zog sich um, damit sie nicht ihre unpraktische Schuluniform tragen musste. Sie war froh, dass sie auf dem Weg hin und her nicht ihren beiden besten Freunden begegnete und sich hätte erklären müssen, denn bestimmt hätten sie sie wegen der Gefahr aufgehalten.

Als sie wieder in Dumbledores Büro stand, war sie festentschlossen.

„Dies ist der Brief an mein früheres Selbst", sagte der Schulleiter und übergab ihn ihr.

Sie verstaute ihn sicher in ihrem Rucksack und wartete gespannt.

„Ich werde Sie auch ein paar Tage vor dem vermeintlichen Diebstahl schicken", erklärte Dumbledore ihr, während er ihr den Zeitumkehrer um den Hals legte und das richtige Datum einstellte, „damit Sie keinen Zeitmangel haben und sich akklimatisieren können."

Hermine nickte, dann meinte sie: „Ich mag das Wort Diebstahl nicht besonders…"

„Aber genau darum handelt es sich. Sie werden einem Schwarzmagier einen wertvollen Ring stehlen, damit Voldemort noch nicht zurückkommen kann."

Hermine seufzte. „Dann muss es wohl so sein."

„Keine Sorge", lächelte Dumbledore sie zuversichtlich an. „In der Vergangenheit bekommen Sie genauere Informationen – und außerdem müssen Sie diese Mission auch nicht allein machen." Er zwinkerte ihr zu, doch bevor sie fragen konnte, um wen es sich denn handelte, ließ er den Zeitumkehrer los, die Sanduhr raste geschwind und der Raum um Hermine drehte sich und wurde schließlich vollkommen schwarz.