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Kurze A/N vorab:

Leider hat dieses Update viel länger auf sich warten lassen, als es sollte und das tut mir Leid.

Hintergrund ist, dass ich im Dezember erfahren habe, dass mein lieber Opa zu den Engeln gereist ist - und das bereits zwei Monate vorher. Das, was sich mein Erzeuger schimpft hatte es nicht für nötig befunden, mir das zu sagen. Alles in allem hat mich das in eine nicht unerhebliche Schreibblockade katapultiert, weswegen ich es einfach nicht gesch... gekriegt habe, das Kapitel vorher zu beenden (und das obwohl es nur ein Rewrite einer bereits bestehenden Geschichte auf meiner Festplatte ist!) Für das letzte Viertel des Kapitels habe ich über vier Wochen gebraucht *seufz* und ich bin noch immer nicht zufrieden damit TT.TT

Egal, genug des Gewäschs - weiter geht's mit der Geschichte.

B*

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Als Bardock am nächsten Morgen wach wurde, schlug er mit einem genervten und teils frustrierten Seufzen die Arme vor dem Gesicht zusammen. Es war ungefähr 04:30 Uhr, vielleicht plus oder minus 10 Minuten. Um das zu wissen musste er nicht einmal auf die Uhr schauen, denn es war mehr oder weniger in seinem Biorhythmus verankert um diese Zeit wach zu werden. Dummerweise war seine Laune noch immer nicht sonderlich besser als am Abend zuvor und der Gedanke an die bevorstehende Trainingseinheit trug nicht unbedingt dazu bei das zu ändern. Doch er war nun einmal jemand, der zu seinem Wort stand, selbst wenn es ein Moment der geistigen Umnachtung gewesen war, in dem er ihr zugesagt hatte.

Wie sagte man so schön? Ein Mann, ein Wort.

Mit einer schnellen und fließenden Bewegung schwang er sich schließlich von seinem Bett und ging in Richtung Badezimmer.

Eine kurze Dusche, eine Tasse Kaffee und keine 30 Minuten später war der junge Kommandant bereits bei dem alten Trainingsgelände, welches wie erwartet um diese Uhrzeit noch vollkommen verwaist war. Zwar war es nicht so, dass generell viel Betrieb dort herrschte, denn die wenigsten Saiyajin trainierten außerhalb der Missionen, doch war es ein beliebter Ort um sich kräftemäßig zu messen oder jemandem eine empfindliche Abreibung zu verpassen. Zu dieser Zeit des Tages allerdings, war so gut wie nie jemand anwesend, was einer der Gründe war, weswegen er so früh trainieren wollte. Das letzte was er zu seinem Glück brauchen konnte, waren Zuschauer und Gaffer die diese Neuigkeit in Sekundenschnelle zum Topthema des Distrikts machen würden. Außerdem war es um diese Uhrzeit noch nicht so sengend heiß, da nur eine der beiden Sonnen – und zwar die kleinere – am Himmel stand.

Es war gerade einmal 05:12 als er Gine's Silhouette am Himmel ausmachen konnte, was ihn allerdings nicht wirklich überraschte. Man konnte von ihr halten was man wollte, aber ihre Pünktlichkeit war wirklich bestechend, nicht selten sogar bestechender als seine eigene und das wollte wirklich etwas heißen. Wirklich etwas, was er ihr zu Gute halten konnte. Dummerweise war das vermutlich auch der einzige Pluspunkt, den er ihr zuschreiben konnte.

Als sie auf dem Platz gelandete war, steuerte sie direkt auf ihn zu, doch Bardock deutete ihr mit einer einfachen Handbewegung an stehen zu bleiben, denn in seinen Augen waren diese ganzen Begrüßungsfloskeln mit gezwungenem Smalltalk waren nichts anderes als überflüssige Zeitverschwendung. Stattdessen nahm er ohne Umschweife Position ein, denn immerhin waren sie zum Trainieren hier und genau das würden sie auch tun.

„Na los. Zeig was du kannst." Es war der typische, harte und scharfe Tonfall, mit dem er normalerweise Anweisungen erteilte oder mit dem er sie nicht selten zusammen gestaucht hatte in der Vergangenheit – je nachdem wie man es auslegen wollte. Es war ein Tonfall, den er instinktiv und unbewusst anschlug, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, dessen Wirkung jedoch unübersehbar war. Bardock konnte ihre plötzliche Anspannung und Nervosität beinahe riechen und musste sich ernsthaft beherrschen um das aufkeimende Grollen in seiner Kehle zu unterdrücken. Noch mehr musste er sich allerdings beherrschen, als er das mit ansehen musste, was in Gine's Augen vermutlich eine Kampfpose darstellen sollte. Wie um alles in der Welt hatte dieses Weib es geschafft, mit so einer losen Kampfhaltung auch nur einen einzigen Tag da draußen zu überleben? Vermutlich hatte sein Bettlaken nicht nur eine bessere Körperspannung, sonder auch ein bessere Kampfhaltung als sie. Ein frustriertes Seufzen kam über seine Lippen, als er mit geschlossenen auch und leichtem Kopfschütteln seine Haltung aufgab und mit festen, schnellen Schritten zu ihr hinüber ging. Die Augen auch nur deswegen geschlossen, um das dahinter stattfindende Augenrollen vor ihr zu verbergen, denn es wäre mit Sicherheit kontraproduktiv – insbesondere hinsichtlich der Anspannung und Nervosität - , wenn sie es mitbekommen hätte.

Bevor Gine überhaupt reagieren konnte oder ihre Position aufgeben konnte, stand Bardock bereits hinter ihr und hatte seine Hände fest um ihre Handgelenke gelegt, sodass ihr Rücken direkt an seinen Körper gepresst wurde.

„Die Pose ist Mist. Deine Deckung ist offen wie ein Scheunentor und macht deine Aktionen vorhersehbar." ... und zwar so vorhersehbar, dass es schon beinahe beim Hinsehen weh tat, denn die einzig deutlichere Methode ihre Taktik – oder wie sie es nennen wollte – offen zu legen wäre es laut auszusprechen, doch da Bardock berechtigte Zweifel an der konstruktivität dieser Kritik hatte, zwang er sich den Satz unausgesprochen hinunter zu schlucken. Stattdessen korriegerte er vorsichtig, aber bestimmt, ihre Körperhaltung während er sprach, sodass es nicht mehr ganz wie ein unglücklicher Unfall aussah.

Doch kaum ließ er ihre Arme los und trat einen Schritt zurück, driftete Gine beinahe automatisch wieder in Richtung ihrer vorherigen ‚Kampfpose'. Bardock konnte nicht verhindern, dass er mit den Augen rollte und seine Hände sich für einen Moment zu Fäusten ballten. Das genervte Grollen in seiner Kehle hielt er zurück indem er seine Kiefer fest aufeinander presste, wobei er sich zu allem Überfluss auch noch auf die eigene Zunge biss. Vermutlich – nein, mit Sicherheit sogar – war es im Endeffekt das einfachste, wenn er mit ihr bei Null anfangen würde. Sprich, er würde mit ihr die Grundlagen durchgehen, bis sie Albträume davon bekam, ihre Muskeln bluteten und es zu nichts anderem als einer reflexartigen Routine geworden war. Bardock hatte zwar keine Ahnung, wie dieses Weib auf eine solche Kampfhaltung gekommen war und noch viel weniger konnte er sich erklären wie sie überhaupt damit so lange überlebt hatte, streng genommen allerdings, interessierte es ihn wenn überhaupt nur so wenig, dass es ihm auch schon wieder egal war.

Während seine Gedanken immer mehr abdrifteten, korrigierte Bardock geistesabwesend und ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein immer wieder Gine's Haltung. Wie oft er dies inzwischen getan hatte wusste er zwar nicht, doch es musste eine Zahl irgendwo zwischen ‚Nicht oft genug, da sie sie immer wieder in ihre einzigartige Ausgangshaltung driftete' und ‚Definitiv oft genug um zu wissen, dass diese Trainingsstunden ein echtes Geduldsspiel werden würden.'.

Wirklich prima. Das sich die Anzahl der Trainingseinheiten nur zusätzlich in die Länge zog, was exakt das, was ihm noch zu seinem Glück gefehlt hatte. Er presste angesichts dieser Erkenntnis beinahe abfällig und irgendwie bitter die Kiefer zusammen.

Doch so sehr sich ein Teil von ihm auch gegen diesen Gedanken sträubte und ein weiteres Mal in Erwägung zog, dieses Training einfach zu schmeißen und zu vergessen, musste Bardock genervt feststellen, dass sich ein nicht unbedingt geringfügiger Teil von ihm gegen exakt diese Haltung wehrte. Er würde jetzt mit Sicherheit nicht wie ein jämmerlicher Penner den Schwanz einziehen, nur weil es komplizierter werden würde, als er gehofft hatte.

Fakt war, Bardock zog niemals den Schwanz ein, denn wie hieß es so schön? Um sein Ziel zu erreichen, muss man seine Komfortzone verlassen. ... naja, oder so ähnlich zumindest. Ohne es zu wollen kam ihm ein Satz seiner Mutter wieder in den Sinn. Die Frage lautet nicht „Warum?", sondern „Warum nicht?" Und sofern er sich richtig erinnerte war die Antwort ‚Keine Lust' kein akzeptabler Grund.

Mit einem kurzen, aber entschlossenem Blinzeln riss Bardock sich aus seinen Gedanken und versuchte sich wieder mehr auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Zwar war er noch immer nicht begeistert von der Idee, doch wenn er sie schon trainierte, dann würde es es verdammt noch mal auch richtig durchziehen. Er räusperte sich leise und festigte seinen Stand und den Griff um ihre Handgelenke.

„Fester Stand. Gerader Rücken. Füße parallel." Ein weiteres Mal versuchte er ihre Haltung zu korrigieren indem er versuchte ihren Körper langsam, aber bestimmt, in die entsprechende Position zu manövrieren. Doch kaum war diese Position erreicht, spürte Bardock beinahe wie ihre Arme gegen seine drückten. Ihr Körper war geradezu steif vor Anspannung, kein Wunder also, dass sie die Pose nicht halten konnte. Sie war schlichtweg zu verkrampft. Der Saiyajin schluckte das aufwallende Grollen in seiner Kehle hinunter. Streng genommen dufte er von dieser gottbeschissenen Anspannung ihrerseits nicht überrascht sein, doch über all seinen Gedanken hatte er diese Tatsache für einen gewissen Augenblick tatsächlich vergessen. Ein weiteres Mal unterdrückte er ein – diesmal wirklich genervtes – Seufzen. Vorsichtig lockerte er den Griff seiner Hände, sodass seine Finger mehr oder weniger locker um ihre Handgelenke lagen und senkte seinen Kopf soweit, dass er dicht neben ihrem lag.

„Schließ die Augen und konzentrier dich auf deine Atmung. Du bis zu verkrampft. Tiefe gleichmäßige Atemzüge." An dem veränderten Rhythmus ihrer Atmung war deutlich erkennbar, dass sie versuchte seine Anweisungen umzusetzen, was immerhin schon mal ein Anfang war, auch wenn Bardock ernsthafte Zweifel hatte, dass es funktionieren würde. Dennoch wartete er für seine Verhältnisse geduldig ab, bis sich ein annähernd gleichmäßiger Rhythmus eingependelt hatte, bevor er einen weiteren Versuch unternahm.

„Fester Stand. Gerader Rücken. Schultern straffen und..." Doch weiter kam er nicht in seinen Anweisungen, denn obwohl er es war, der ihre Bewegungen koordinierte und ihren Körper entsprechend dirigierte, gelang dieser Frau tatsächlich das Kunststück dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Scheinbar bemüht darum ihre Balance wieder zu finden, stolperte sie zu allem Überfluss auch noch über einen seiner Füße. Das sie nicht unsanft auf ihrem Hosenboden landete, verdankte sie einzig der Tatsache, dass Bardock noch immer direkt hinter ihr stand und den drohenden Sturz somit unfreiwillig verhinderte. Seine leicht nach vorn gebeugte Körperhaltung sorgte dafür, dass ihre Schultern gegen den Brustpanzer seiner Rüstung stießen und ihr Kopf in Folge der Bewegung direkt unter seinem Kinn landete. Ihre tiefbraunen und leicht wilden Haare kitzelten über seine Lippen und strichen hauchzart über die empfindliche Haut an Hals und Kiefer. So fein und kaum spürbar diese Berührung auch war, sie sorgte dafür, dass sich seine Nackenhaare gänsehautartig aufstellten und er instinktiv scharf einatmete. Der Geruch von Wüstensand, Staub und Hitze stieg in seine Nase, zusammen mit einem darunter verborgenen, vorsichtigen, aber alles andere als unangenehmen Duft, der ihm nie zuvor begegnet war und den er unmöglich unmöglich in Worte fassen konnte.

Dieser plötzliche und unerwartete, enge Körperkontakt erwischte den sonst so souveränen Kommandanten völlig auf dem falschen Fuß und für den Bruchteil einer Sekunde erstarrte er zu einer Salzsäule und sein Gehirn schaltete einmal mehr auf Leerlauf ihretwegen. Er war so überrumpelt, dass er nicht einmal bemerkte, dass er noch immer ihre Handgelenke festhielt und sie durch die veränderte Position der beiden beinahe umarmte.

„...B-Bardock...?" Gines – deutlich nervöse – Stimme holte ihn wieder zurück in die Wirklichkeit und augenblicklich ließ er ihre Hände los und sprang beinahe einige Schritte zurück, bevor er ihr den Rücken zuwendete. Noch immer irgendwie durcheinander räusperte er sich um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, machte aber keine Anstalten auch nur seinen Kopf in ihre Richtung zu drehen.

„Genug für Heute. Morgen. Selbe Zeit. Pünktlich." Mit diesen Worten sprang er in die Luft und jagte davon, ohne auch nur auf eine Reaktion ihrerseits zu warten.

Die trocken warme Wüstenluft peitschte in sein Gesicht während er mit unnötig hohem Tempo über den Himmel schoss. Seine Augenbrauen waren missmutig zusammen gezogen und seine Hände zu festen Fäusten geballt, doch dieses Mal galt diese Reaktion nicht Gine, sondern ihm selbst. Bardock verstand nicht, wieso ihn diese – wenn auch vollkommen unerwartete und gleichzeitig lächerlich peinliche – Aktion von ihr so durcheinander gebracht hatte. Er verstand es nicht und es gefiel ihm kein Stück. Nicht mal annähernd!

Sie riecht gut.

Ein einfacher Gedanke, der sich plötzlich in seinem Kopf manifestierte und ihn dazu brachte augenblicklich zu stoppen. Dieses Mal unterdrückte er jedoch weder das Augenrollen, noch das genervte und wütende Knurren, bevor er fast schon angewidert versuchte diesen Gedanken abzuschütteln und sich verbot auch nur einen weiteren Moment darüber nachzudenken.

Als Bardock schließlich in sein Appartement zurückkehrte, hatte er zwar noch immer keinen wirklichen Plan, wie er aus dieser Frau auch nur irgendwie eine halbwegs passable Kämpferin machen sollte, doch er wusste mit Sicherheit, dass er in Zukunft immer einen gewissen Abstand zu ihr wahren würde, bevor ... ja, bevor was eigentlich?!