Hallo meine Leser (ob ihr es nun zugebt oder nicht), ich schreibe diese Geschichte nirgendwo vor, sondern lade das hoch, was von meinem Kopf in die Tasten geht, deshalb schwanken die Veröffentlichungszeiten stark.

Hannah kam wieder zu sich, ihr Kopf dröhnte und jeder Muskel in ihrem Körper schien zu Schmerzen. Erschöpft ließ sie die Augen geschlossen, während sie versuchte ihre Gedanken zu sortieren, es war als würde sie versuchen Wind mit den bloßen Händen zu fangen. Neben ihrem Bett raschelte Kleidung, sie fühlte eine Hand leicht ihren Arm berühren.
"Hannah, ich weiß dass Sie wach sind, Sie dürfen Ihre Augen ruhig öffnen!"
Hannah fürchtete sich, was sie wohl sehen würde, wenn sie die Augen öffnete, in ihrem Kopf liefen verschiedene Szenarien ab. Mit einem tiefen Atemzug riss sie die Augen auf und versuchte sich aufzusetzen, doch etwas hielt sie am Bett fest. Hannah zerrte an ihren Fesseln und suchte nach der Quelle der Stimme, so gut es aus ihrer liegenden Position möglich war. Neben ihrem Bett saß ein Mann auf einem Stuhl und beobachtete sie aus klugen Augen, in seinen Händen hielt er einen Block und einen Stift. Als ihre Blicke sich trafen, lief ein Schauer über Hannahs Rücken, sie verstärkte ihre Bemühungen ihr Handgelenk frei zu bekommen.
Ihre Stimme war kratzig und leise, als sie sprach: "Bitte, können Sie mich losmachen? Ich möchte aufstehen und etwas trinken!" Er schüttelte den Kopf und legte den Block bei Seite, bevor er antwortete. "Ich bringe Ihnen gleich etwas zu Trinken, aber das Zimmer dürfen Sie ohne Begleitung nicht verlassen! Sie sollen sich noch schonen und einen weiteren Ausbruchsversuch wird es auch nicht geben." Er schenkte ihr ein flüchtiges Lächeln, als er sich von seinem Sitzplatz erhob, um ihr etwas zu Trinken aus der Küche zu holen.
Wenige Augenblicke später betrat er das Zimmer wieder mit einer Kanne Wasser und einem Glas in der Hand und beobachtete still, wie Hannah weiterhin erfolglos probierte, ihr Handgelenk frei zu bekommen. Durch die Schusswunde, war der rechte Arm nicht hilfreich, frustriert stellte Hannah ihre Bemühungen ein und lies sich tiefer in ihr Kissen sinken.
Hannibal trat leise an das Bett und stellte die Kanne und das Glas auf dem Nachtschrank ab, bevor er sich über Hannah beugte und mit geschickten Fingern ihre Handfessel löste. Mit dem linken Ellenbogen versuchte Hannah sich aufzurichten, helfend legte Hannibal seine Hand unter ihren Rücken und stützte sie. Hannah schwirrte der Kopf, das Zimmer drehte sich und ihr war übel, als sie endlich aufrecht saß.
"Versuchen Sie langsam zu trinken" empfahl er, als er das Glas mit Wasser füllte und ihr in die Hand drückte. Er gab ihr zwei Tabletten, als er ihren misstrauischen Blick sah, erklärte er ruhig: "Das ist gegen die Schmerzen, ich werde mir nachher Ihre Schulter anschauen, aber erst einmal können Sie das Bad aufsuchen." Nun löste er auch ihre Fußfessel und beobachtete, wie sie die Tabletten in den Mund steckte und gierig das Glas leerte. Sie reichte ihm das leere Glas und schwang vorsichtig die Beine über die Kante des Bettes und stützte sich auf seinem Arm, den er ihr hinhielt. Er führte sie langsam durch das Zimmer und quer über den Flur, als sie das Bad betrat, blieb er vor der Tür stehen. "Nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen, ich warte hier, im Spiegelschrank finden Sie einige Hygieneartikel." sagte er, als sie die Tür hinter sich schloss. Zitternd ließ sich Hannah auf dem geschlossenen Klodeckel nieder und ließ den Kopf in die Hände sinken, sie musste einen Ausweg finden, der Mann vor der Tür war ihr unheimlich. Sie öffnete den Deckel, beugte sich über die Toilette und erbrach sich leise und so lange, bis die Tabletten im Abfluss landeten, eilig betätigte sie die Spülung. Im Schrank fand sie eine Zahnbürste und Zahncreme, sie putzte ihre Zähne zweimal, bis sie das Gefühl hatte, dass sie wieder sauber und der Geschmack nach Magensäure aus ihrem Mund verschwunden war. Anschließend wusch sie sich gründlich, ihre rechte Schulter schmerzte und ließ sich kaum bewegen, sie verfluchte sich, die Tabletten im Abfluss entsorgt zu haben. In ihrem Inneren wollte Hannah dem Mann vor der Tür vertrauen können, aber sie tat es nicht, sie war in ihrer momentanen Situation einfach zu verletzlich. Als sie das Gefühl hatte, wieder einigermaßen sauber zu sein, öffnete sie die Tür und verließ das Bad. Dr. Lecter erwartete sie schon und bot ihr wieder seinen Arm an, stur starrte sie geradeaus und ignorierte seine Geste. Sie wollte diesem Mann beweisen, dass sie nicht so hilflos war, wie er wohl annahm.

-21.08.2017-