Eigentlich wollte ich im Urlaub viel schreiben, nun ist mein letzter Urlaubstag und ich habe mal gerade 600 Wörter zustande gebracht, aber immerhin besser, als gar nichts.
Hannibal zog interessiert die Augenbrauen in die Höhe, er hatte gehofft, dass ihr Aufenthalt im Badezimmer sie ein wenig besänftigen würde. Ihm war völlig klar, dass Hannah sich übergeben hatte, der Geruch nach Zahncreme konnte den sauren Geruch der Magensäure nicht überdecken. Ihr Blick war abwesend und starr auf den Boden gerichtet, als er zu ihr sprach schien sie nicht zu zu hören, er schob sie sanft ins Gästezimmer zurück. Mit leeren Augen ließ Hannah sich auf das Bett setzen und verharrte bewegungslos auf ihrem Sitzplatz. Nach einem versichernden Blick verließ Dr. Lecter das Zimmer, um etwas zu Essen aus der Küche zu holen.
Während er in der Küche arbeitete, lauschte er, ob sich Hannah im Gästezimmer bewegte, doch aus dem Zimmer war nur Stille zu vernehmen. Nach einer halben Stunde betrat er mit einem Tablett das Gästezimmer, Hannah starrte unverändert auf den Boden, sie schien sich nicht bewegt zu haben. Das Omlett auf dem Teller erfüllte den Raum mit einem angenehmen Duft, als Hannibal das Tablett auf dem Nachtschrank abstellte. Hannah zuckte heftig zusammen, als Dr. Lecter sie an der Schulter berührte und sie somit ins Hier und Jetzt zurückholte.
"Hannah, Sie sollten etwas Essen, ich habe hier ein Kräuter-Omelett und einen grünen Tee für Sie!" er deutete höflich auf das Tablett und sah sie erwartungsvoll an.
Müde und desinteressiert fiel ihr Blick auf das Tablett, sie schüttelte den Kopf und sagte leise: "Vielen Dank für Ihre Mühe, aber ich habe keinen Hunger." Sie klang niedergeschlagen, er hätte gerne gewusst, was in ihrem Kopf vorging.
"Ich lasse es Ihnen hier stehen, vielleicht bekommen Sie später Hunger." sagte Dr. Lecter mit fester Stimme. "Nun werde ich mir Ihre Schulter ansehen, es könnte etwas unangenehm werden, wobei die Schmerzmittel, die Sie vorhin bekommen haben, die Prozedur erträglich machen sollten." Er musterte ihr Gesicht und sah, wie ihr erst die Röte in die Wangen stieg, nur um dann einer völligen Blässe Platz zu machen.
Als er den Verband entfernte, konnte er fühlen, wie sie sich verkrampfte, sie biss sich auf die Unterlippe, um keinen Laut von sich zu geben. Die Wunde heilte gut, die Ränder waren zwar leicht gerötet, aber sahen sauber aus. Er säuberte die Nähte und klebte ein großes Pflaster über die Wunden, so sollte Hannah weniger eingeschränkt sein und sich besser bewegen können. Mit großen Augen beobachtete Hannah jede seiner Bewegungen, sie schien ihm immer noch nicht zu trauen.
Nachdem er seine Materialien wieder verstaut hatte, ließ er sich ihr gegenüber nieder und begann in einem Buch zu lesen. Obwohl sie sah, wie seine Augen über die Seiten des Buches huschten, fühlte Hannah sich beobachtet und unbehaglich in ihrer Haut. Hannah gab sich alle Mühe das herrlich duftende Omlett neben sich zu ignorieren und starrte stumm aus dem Fenster. Nach gefühlt einer Ewigkeit legte Dr. Lecter das Buch bei Seite und sah Hannah streng in die Augen.
"Hannah, was soll ich nur mit Ihnen machen? Sie vertrauen mir nicht, erbrechen Ihre Medikamente und essen nichts. Ich weiß, dass Sie Hunger haben, Sie sind so stark unterzuckert, dass Sie schon zittern." In ihrem Blick war ein schwacher Protest zu sehen, sie wollte ihm widersprechen, stattdessen biss sie sich stärker auf die Unterlippe und sah zur Seite. "Anscheinend wollen Sie nicht mit mir reden, Sie vermeiden jeglichen Blickkontakt!" Er stand auf und sah sie streng an, während er ruhig erklärte: "Sie werden mir vertrauen und irgendwann etwas essen müssen. Es hängt ganz von Ihnen ab, wie angenehm Ihr Aufenthalt in meinem Haus sein wird!" Er verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab.
Gleichgültig sah Hannah zur Tür, sie musste die Worte erst mal auf sich wirken lassen, der Mann machte ihr nicht den Eindruck, als würde er scherzen. Sie war so leise gewesen, er konnte unmöglich gehört haben, was sie im Bad gemacht hatte, er war ihr unverändert unheimlich.
-10.09.2017-
