Weil heute Sonntag ist, das Wetter Mist ist, der Himmel grau ist und ich schon wählen war, kommt jetzt ein kurzes Kapitel.
Wills Gedanken rasten, er suchte immer noch nach einer Möglichkeit Hannibals Haus zu observieren, ohne dass dieser es bemerkte. Er war sich absolut sicher, dass Dr. Lecter genau wusste, was an dem Abend passiert war, an den sich Will nicht erinnern konnte. Im Gespräch hatte Will das Gefühl, dass Dr. Lecter wie eine Muschel war, keine Information ließ sich ihm entlocken und mit jedem Drängen und vorsichtigen ausloten, verschloss sich dieser stärker. Will begann Umwege zu fahren, gerne auch mit einem Taxi, um ganz zufällig an Dr. Lecters Haus vorbei zu fahren. Auf den ersten Blick war alles unverändert, Will wusste nicht, was er erwartet hatte. Vielleicht Licht, das in einem Zimmer brannte, in dem es sonst immer dunkel war? Eine Person am Fenster? Geräusche, die zu hören waren? Nichts von alledem passierte.
Ein Tischler hatte die defekte Scheibe an Wills Haus ersetzt und das Leben zog wieder seine gewohnten Bahnen und dennoch, war nichts, wie zuvor. Die Suche nach der mysteriösen Hannah nahm Will voll ein, die Observationen ließen ihn erst spät Abends ins Bett kriechen. Er verbrachte Stunden vor dem PC und durchforstete das Internet nach Informationen über die junge Frau, seine Vorlesungen rückten in die Hintergrund, wurden nebensächlich.
Als Will zu einem neuen Fall gerufen wurde, versuchte er sich nichts anmerken zu lassen, eigentlich wollte er nur schnell weg und sich weiter der Suche widmen, doch so sollte es nicht kommen.
Die Arbeit am Tatort verlangte Will sämtliche Kräfte ab, es war so mühsam, dass das erste Mal seit Tagen Hannah keinen Platz in Wills Kopf hatte, sie hätte an diesen Ort der Gewalt auch nichts zu suchen. Dr. Lecter schenkte Will von der Seite neugierige Blicke und schien besonders sorgsam zu lauschen, wenn Will sprach. Als Will lange nach Mitternacht in seinem Bett landete, war er zu erschöpft einen klaren Gedanken zu fassen, Bilder und Emotionen stürmten auf ihn ein, alles was er wollte, war die Augen zu schließen und endlich in einen traumlosen Schlaf zu fallen. Als Will endlich die Augen zufielen, war es, als würde er von einem schwarzen Loch verschluckt werden.
Das Klingeln des Telefons riss Will aus seinem Schlaf, Sterne tanzen ihm vor den Augen und es klingelte noch dreimal ehe er den Hörer in die Hand nahm und lauschte, wer am anderen Ende war. "Will, habe ich Sie geweckte? Er hat wieder zugeschlagen, es gibt eine weitere Leiche!" sprach Jack Crawford hastig ins Telefon. Will atmete geräuschvoll aus und rieb sich die Augen, niedergeschlagen fragte er: "Wo soll ich hin?"
Sein Kopf war wie leergefegt, er musste sich auf den Fall konzentrieren, wenn der Täter gefasst war, konnte er sich wieder voll der Suche nach der jungen Frau widmen. Es war merkwürdig, als wüsste jemand, dass er Hannah suchte und wolle ihn von seiner Suche abhalten. Will versuchte diesen Gedanken beiseite zu schieben und Logisch zu denken, solche Wahnvorstellungen hatten in seinem Kopf nichts zu suchen.
Der Fall hielt Will noch fast eine Woche auf Trapp und Hannah rückte immer weiter in den Hintergrund, langsam aber sicher nagten Zweifel an Will, ob er an dem besagten Abend nicht doch einen über den Durst getrunken hatte und er Hannibal zu unrecht der Vertuschung verdächtigte. Je mehr er zweifelte, desto glücklicher war er, niemanden in seine Vermutungen eingeweiht zu haben, nicht dass er zum Schluss noch als Verrückt oder Paranoid abgestempelt werden würde.
-24.09.2017-
