Erste Reise: vom 29. Dezember 1996 zum 2. Juli 1996

„Ah, da sind Sie ja", sagte Dumbledore. Er wartete auf sie am Schultor und hielt den selben braunen Terminkalender, obwohl es nun Monate früher war, bevor er ihr die andere Kopie geben hatte. Er nahm seine Taschenuhr heraus und lächelte sie an. „Punkt zehn Uhr. Sie werden das in Ihrem Buch notieren wollen."

Sie blinzelte ihn an und nahm dann ihre Kopie des Terminkalenders und einen Kugelschreiber heraus (weil das wirklich viel einfacher war, als den Überblick über Tinte und Feder zu behalten). Vom 29. Dezember 1996 zurück zum 2. Juli 1996, am Tor von Hogwarts. 10 Uhr morgens. Prof. Dumbledore wartet. Er strahlte sie an, als sie aufschaute.

„Professor McGonagall ist ganz gespannt darauf, anzufangen", erzählte er ihr und lief den Weg, der nach oben zum Schloss führte, voraus. „Zu Beginn war sie natürlich dagegen. Der Gedanke daran, Ihre Schulausbildung so zu unterbrechen, ist sonderbar – nein, sagen Sie mir nicht wieso. Ich bin mir sicher, dass ich letztendlich selber darauf kommen werde." Er blickte zu ihr runter und zwinkerte.

Er fuhr fort, während sie liefen. Es schien, dass er sich sehr freute. Sie war drei Tage nach Voldemorts Rückkehr, am Ende ihres vierten Schuljahrs, in seinem Büro erschienen, hatte ihm das Buch gegeben und ein paar Fragen sehr vage beantwortet (und den Rest gar nicht). Sie war gegangen, um Aufgaben zu erfüllen, über die sie ihm nichts sagen wollte und er hatte sich den Terminkalender durchgelesen und sich gefragt, wieso er sich dazu entschieden hatte sie so weit in der Zeit zurück zuschicken und dann entschieden, dass sein Zukunfts-Ich wusste, was es tat. Er hatte Professor McGonagall von dem Buch erzählt, hatte sie aber nicht hineinsehen lassen.

„Guten Tag, Miss Granger", sagte Professor McGonagall, als sie in ihrem Büro ankamen. Sie packte ein paar letzte Bücher in eine Reisetasche mit Schottenkaro, die offensichtlich mit einem nicht nachweisbaren Ausdehnungszauber belegt war. Er war ähnlich zu dem, den Hermine für ihre Schultasche verwendet hatte, damit alle ihre Sachen hineinpassten. „Können wir gehen?"

Hermine nickte, denn sie war sich nicht sicher, was sie sagen sollte. Die Professoren schienen sehr gut damit klar zu kommen, dass sie hier und bereit zum Lernen war und sie gerade von kurz nach Weihnachten zurück geschickt worden war. Unterdessen war ihr anderes Ich im St. Mungo, während Heiler ihre Eingeweide wieder verschlossen. Sie schauderte.

„Geht es Ihnen gut?", fragte Dumbledore und warf ihr einen besorgten Blick zu. Ihren Terminkalender hatte er unter seinen Arm geklemmt.

„Ja, Sir. Mir geht es gut." Sie rückte ihre Tasche auf der Schulter zurecht. Ihr war es unangenehm, aber nicht zu sehr, dass sie für Hogwarts im Dezember und nicht im Juli angezogen war. „Es ist nur ein bisschen seltsam an all das zu denken."

McGonagall und Dumbledore wechselten einen belustigten Blick, den sie nicht ein bisschen mochte. „Es tut mir Leid, Miss Granger", sagte McGonagall. „Es ist nur so, dass Sie inzwischen drei Mal aufgetaucht sind, um sich mit dem Schulleiter bezüglich unterschiedlicher Projekte zu treffen, seitdem ich darüber unterrichtet wurde, dass Sie sich mir diesen Sommer anschließen. Ich wage zu behaupten, dass Sie während unserer Zeit in diesem Sommer schön braun werden."

Hermine lächelte und fühlte sich völlig überfordert.


Professor McGonagall stammte aus einer sehr alten reinblütigen Familie. Sie war die Letzte einer langen Ahnenreihe und hatte somit ziemlich viel geerbt, einschließlich eines recht riesigen Anwesens in den Highlands. Hermine konnte nicht genau sagen, wo sie waren. Sie wusste nur, dass sie weiter nördlich als Hogwarts waren.

Es gab drei Hauselfen und Hermine war bedacht, es nicht zu erwähnen. Die Elfen waren sehr aufgeregt, ihre Herrin zurück zu haben, und sogar noch aufgeregter, einen Gast zu haben – und es war eindeutig, dass McGonagall freundlich zu ihnen war und dass sie sie sehr mochten.

Sie wurde durch das Haus geführt und erhielt einen Überblick über das Gelände. Hermine würde im großen Gästezimmer untergebracht sein, das nahe der Bibliothek lag und ihr sehr zusagte. Professor McGonagalls Zimmer war am anderen Ende des Flurs.

Hermine lernte in kurzer Zeit ziemlich viel über ihre Hauslehrerin. Sie war eine Frühaufsteherin. Sie war nicht, genauso wie Hermine, ein Bücherwurm, obwohl sie ziemlich viel las. Sie verabscheute Gartenarbeit, aber ein Spaziergang durch den Garten war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. An den meisten Abenden ging sie um zehn Uhr mit einem Schlückchen guten Whiskey und entweder Verwandlung Monatlich oder Animagi Heute ins Bett. Sie hatte auch Freude daran, zu unterrichten, neigte dazu, die Schule und die Kinder über die Ferien zu vermissen und hatte eine starke Abneigung gegenüber Pfefferkobolden.

Der Sommer verging wie im Flug. Sie verbrachten einige Zeit damit, Hermines schulischen Fortschritt festzustellen und setzten dann dort an. McGonagall kannte die meisten anderen Fächer beinahe so gut wie Verwandlung, mit Ausnahme von Zaubertränke und Kräuterkunde.

Wenn sie nicht lernte oder unterrichtet wurde, war Hermine draußen in der Anlage und arbeitete sich in verschiedene Themen ein. Professor Dumbledore hatte ihr einige Bücher über Okklumentik und Legilimentik gegeben, mit der Andeutung, dass er davon überzeugt werden könnte, sie das irgendwann mal zu lehren, wenn sie genug aus den Büchern gelernt hätte. (Sie lernte sie auswendig.)

Zweite Reise: Vom 26. August 1996 zum 2. Juli 1996

„Acht Uhr morgens, Büro des Schulleiters", sagte Dumbledore, verglich das Buch in seiner Hand mit seiner Taschenuhr und lächelte. Hermine lächelte zurück und füllte ihren Terminkalender pflichtbewusst mit den Angaben, die er ihr gegeben hatte.

„Wie geht es Ihnen, Schulleiter?"

„Ziemlich gut. Hatten Sie einen schönen Sommer?"

„Es war sehr angenehm in den Highlands", bestätigte Hermine und versuchte, sich vom Grinsen abzuhalten. „Professor McGonagall hat ein sehr schönes Haus."

„Ich freue mich, dass Sie sich gut amüsiert haben; sie freut sich schon darauf." Er zwinkerte. „Nun also", sagte er, klatschte in die Hände und steckte beides, das Buch und die Uhr in seine Taschen. „Wir haben ein paar Stunden, bevor ich Sie am Tor treffen muss. Bringen wir Sie erst mal unter."

„Ja, Sir."

Sie würde dieses Mal den Sommer im Raum der Wünsche verbringen. Dumbledore hatte einen groben Plan für sie entworfen, der hauptsächlich aus weiteren Studien mit uneingeschränktem Zugang zur Bibliothek von Hogwarts bestand. Er würde ihr helfen, die Kleinigkeiten nachzuholen, die ihr in Zaubertränke und Kräuterkunde fehlten, und sie würden an Okklumentik und Legilimentik arbeiten.

Dieses Mal war der Sommer nicht so angenehm. Sie musste vor den Lehrern versteckt bleiben, obwohl sie glücklicherweise nicht oft in der Nähe waren. Der schwerste Teil war es, sich vor Snape zu verstecken, der mindestens zwei Mal pro Woche da war, um von den Todessern zu berichten.

Und dann wurde der Schulleiter verwundet. Sie wusste noch immer nicht, was passiert war, aber Snape war dort gewesen. Sie hatte ihn noch nie so schnell laufen gesehen, als er vom Büro des Schulleiters zu seinem eigenen Zaubertranklabor durch den Flur lief und dann, weniger als eine Stunde später, wieder zurückkam.

„Ich verstehe, warum ich diese Zeitreisen für Sie ersonnen habe, Miss Granger", sagte Professor Dumbledore, als sie ihn, fast zwei Wochen später, das nächste Mal sah. Er rechtfertigte sich nicht und erklärte auch nicht seinen Kommentar; er drängte sie nur noch mehr dazu, zu lernen.

Am Ende des Sommers machte sie ihre U.T.Z.s im Ministerium mit einigen ehemaligen Schülern aus dem siebten Schuljahr, die auf bessere Noten hofften. Sie bekam Os, außer in Geschichte der Zauberei.

Dritte Reise: Vom 2. September 1996 zum 9. Juli 1995

Das war die längste Zeitreise und es war ein Fehler gewesen. Sie tauchte im Büro des Schulleiters wieder auf und musste sich sofort auf seinem Teppich übergeben.

„Sie erwähnten, dass das passieren würde", sagte Dumbledore, reinigte die Schweinerei mit einem Schnippen seines Zauberstabs und reichte ihr einen Pfefferminzbonbon. „Offenbar wird es schlimmer, je weiter Sie zurückreisen."

Sie wollte vorschlagen, dass sie nicht weiter, als sie bereits war, zurückreisen würde, aber der Umfang des braunen Lederterminkalenders gab ihr nicht viel Hoffnung. Stattdessen, nahm sie den Pfefferminzbonbon und füllte die erste oberste Linie auf der entsprechenden Seite.

„Was werde ich dieses Mal machen?" Sie versuchte sich daran zu erinnern, was sie direkt nach dem Ende ihres vierten Schuljahrs gemacht hatte. Da hatte es ein paar schwierige Wochen zuhause bei ihren Eltern gegeben, in denen sie versuchte hatte, zu entscheiden, was sie ihnen sagen würde, und dann war Mr. Weasley heiter eingetroffen, um sie zum Grimmauld Platz zu bringen, wo sie den restlichen Sommer damit verbracht hatte, alles was sie konnte, über den Orden zu lernen und mit Magie zu putzen.

„Dieses Mal werden Sie etwas mehr beteiligt sein", sagte er und zwinkerte. Sie wünschte, er würde es nicht tun; es schien so, als würde er es nur noch tun. „Sie werden sich Charlotte White nennen." Er gab ihr einen Stapel an Dokumenten und Referenzen, die das bestätigten. „Und sie werden eine Ausbildung zur Heilerin in Frankreich machen."

„Oh", sagte sie nachträglich und besah sich die Dokumente. Ihre U.T.Z. und Z.A.G Punktzahlen waren dieselben, aber es stand der falsche Name darauf. Charlotte Katherine White. Ein komplett anderes Geburtsdatum. Eine Waise und ein Halbblut. Sie war in Gryffindor gewesen und besaß ein hervorragendes Empfehlungsschreiben von ihrer Hauslehrerin.

„Leider sind wir nahe daran den Punkt zu erreichen, weshalb Sie so oft zurückreisen, Miss Granger", sagte der Schulleiter ohne Andeutung des Zwinkerns. Er legte die Hände vor sich aufeinander während er sprach und alles, an was sie denken konnte war, wie merkwürdig es war, ihn ohne die vertrocknete Hand zu sehen. Er hatte es ihr verboten, ihm davon zu erzählen, bevor es geschah und sichergestellt, dass sie die Okklumentik gut genug beherrschte, um ihn davon abzuhalten, in ihre Gedanken zu blicken und selbst nachzusehen.

Sie nahm einen Portschlüssel nach Frankreich, wo sie in einem klischeehaften Landhaus mit anderen auszubildenden Heilern untergebracht war. Sie waren zu sechst im Haus, aber die Fremden waren unendlich bessere Mitbewohnerinnen als Lavender und Parvati.

Es war ein anstrengender neunmonatiger Lehrgang. Der erste Monat bestand zum größten Teil aus Anatomie und Gesundheit. Während der ersten Woche davon hatten beinahe alle Studenten mit einer Art von körperlicher Fitnessroutine begonnen und Hermine war da nicht anders. Ihre Mitbewohnerinnen gingen jeden Morgen joggen und sie schloss sich ihnen an. Zu Beginn war es schrecklich, aber bald gehörte es zum Aufwachen mit dazu.

Der Rest des Lehrgangs war anspruchsvoller. Nachdem sie die Grundlagen besaßen, begannen sie Zaubersprüche zu lernen. Es gab eine Woche, die Krankheiten gewidmet war, und eine andere für magische Krankheiten. Eine Woche für allgemeine Wunden, eine zweite für magische Wunden. Sie behandelten Zaubertränke und Vergiftungen, Zauberspruchunfälle, Gedankenzauberei, die schiefgelaufen war, allgemeine Schäden durch Zauberei und etliche andere Wochen für magische Behandlungen bei allgemeinen Erkrankungen. Sie mussten lernen, wie man übliche Heiltränke braute (wie beispielsweise den Blutbildenden Trank).

Wenn Harry und Ron den Lehrgang mit ihr gemeinsam gemacht hätten, hätte sie keine Zeit gehabt und wäre nur damit beschäftigt gewesen mit ihren eigenen Aufgaben mitzuhalten und die Jungs auf Kurs zu halten. Da jeder den Kurs belegte, weil er ein Heiler werden wollte, musste niemand den strengen Aufseher spielen. Das war eine Erleichterung und sie fühlte sich etwas schuldig, dass sie es genoss.

Sie lernte einen netten Jungen kennen, der Claude hieß, und sie verbrachten viel Zeit zusammen, obwohl sie nicht wirklich miteinander gingen. Sie lernten im selben Raum und fragten sich gegenseitig vor den Prüfungen ab. Er war ihr ziemlich ähnlich. Er las gerne und war ruhig. Er war groß, dunkel und attraktiv. Und wenn sie eine ruhige Minute hatten, mochte er es, sie zu küssen. Er war sehr süß; er nannte sie Lottie. Sie nahmen sich sogar ein Wochenende frei, um sich die Sehenswürdigkeiten in Paris anzusehen.

Als der Kurs vorbei war blieb Claude in Frankreich, um ein Praktikum im Rafaels, dem französischen Äquivalent des St. Mungos, zu absolvieren. Sie sagte ihm, dass sie zurück nach England gehen würde und versprach, ihm zu schreiben, obwohl sie wusste, dass sie das nie tun würde. Das brach ihr ein bisschen das Herz.

Vierte Reise: Vom 12. April 1996 zum 3. Januar 1995

Die Übelkeit war nicht ganz so schlimm, wie beim letzten Mal, aber es war trotzdem ziemlich unangenehm. Es fehlte nicht viel und sie hätte sich übergeben.

Als sie sich unter Kontrolle hatte, notierte Hermine die Zeit und den Ort, apparierte dann nach Hogsmead und notierte das auch. Sie traf den Schulleiter in den Drei Besen. Dort plauderten sie über den Kurs und über das, was als nächstes passieren würde.

„Als nächstes geht es natürlich ins St. Mungo", bestätigte er und holte einen neuen Dokumentenstapel aus seiner Tasche. Dieses Mal war sie Jean Isobel Blakely; eine Gryffindor. Ihre Noten von der Heilerausbildung und ihre U.T.Z. Punktzahlen waren die Gleichen und sie besaß eine herausragende Empfehlung von Albus Dumbledore persönlich. „Kommen Sie", sagte er, offenkundig aufgeregt. „Ich bringe Sie in einem alten, geheimen Haus des Ordens unter. Es ist nicht ganz so sicher, wie der Grimmauld Platz heutzutage, aber es ist immerhin auch nicht das Hauptquartier."

Er apparierte mit ihr Seite an Seite und sie übergab sich beinahe wieder. Seit-an-Seit-Apparieren war viel schlimmer, als alleine zu apparieren.

Die Wohnung war entzückend. Sie war klein, aber sie war die einzige Person, die hier leben würde. (Das würde eigenartig sein, da sie sich gerade erst ein kleines Haus mit fünf anderen Frauen geteilt hatte.) Es gab ein Schlaf- und ein Badezimmer, eine kleine Küche und ein Wohnzimmer, was fast gänzlich von einem riesigen Esstisch und einem kleinen Sofa eingenommen wurde.

Praktika im St. Mungo waren sehr begehrt und Hermine fragte sich, wie der Schulleiter das hinbekommen hatte. Er war Albus Dumbledore, also erklärte das Einiges, aber es erklärte nicht, warum sie kein Vorstellungsgespräch gehabt hatte und nicht ausgewählt worden war, bevor sie angenommen wurde. Sie fragte sich, ob das etwas wäre, was sie in Zukunft getan hatte, obwohl es momentan in der Vergangenheit war.

Die meiste Zeit über konnte sie ihren eigenen Zeitstrahl ohne große Anstrengung gerade halten, aber wann immer der Schulleiter beteiligt war, bekam sie Kopfschmerzen.

Am neunten Januar begann sie im St. Mungo und sehr schnell vergaß sie, über irgendetwas anderes nachzudenken. Es war nicht ohne Grund ein exklusives Programm; nur die Leute, die damit umgehen konnten, wurden ausgewählt. Sie wäre vielleicht keine Heilerin geworden, aber sie dachte, dass sie möglicherweise die Entscheidung dennoch selbst getroffen hatte. Es war faszinierend, wenn auch manchmal grauenvoll. Sie mochte es, Menschen zu helfen, während sie ihre Fähigkeiten für den Orden ausbaute.

Der Oktober war gerade zur Hälfte vergangen, als ihr bewusst wurde, dass sie nicht mehr nach Hogwarts zurückkehren würde. Jedenfalls nicht als Schülerin.

Fünfte Reise: Vom 6. Januar 1996 zum 1. Juli 1995

Es schien nicht von Bedeutung zu sein, dass bei der Rückreise eigentlich weniger Zeit vergangen war, als beim letzten Mal, wo sie zum Juli im Jahr 1995 zurückgekehrt war; sie war weiter von ihrem Platz auf dem linearen Zeitstrahl entfernt, als sie es bisher gewesen war, und das spürte sie auch. Dumbledore hatte sie zum Glück für die Rückreise in den Raum der Wünsche gebracht. Der Raum bat ihr einen weichen Boden, als sie zusammenbrach, und einen schönen, großen Eimer, um sich darin zu übergeben. Sie fragte sich, warum sie sich bei ihrer Ankunft im Juli übergab, es aber nicht im Januar getan hatte.

Nachdem sie sich sauber gemacht hatte, schrieb sie die Details ihrer Reise auf und traf Dumbledore, der vor dem Raum auf sie wartete. Er zwinkerte nicht, wahrscheinlich, weil er gehört hatte, wie sie sich übergeben hatte, aber er sah sie gut gelaunt an. Die Schüler wären kurz zuvor in die Sommerferien entlassen worden, was bedeutete, dass er die Schule voller Teenager für ein paar Monate los war, um sich mit dem Ministerium zu beschäftigen und den Orden wieder ins Leben zu rufen.

„Genau rechtzeitig", sagte er und ließ seine Taschenuhr wieder in seiner Tasche verschwinden. Sie lächelte ihn, vielleicht ein wenig angespannt, an. Sie war immer noch verärgert, obwohl sie hauptsächlich über sich verärgert war, da sie nicht erkannt hatte, dass dieses kleine Nebenprojekt ihr Lebensinhalt werden und sie von ihren Freunden wegnehmen würde. Sie erinnerte sich daran, dass dieses Endziel wichtig sein musste, denn sonst hätte er es nicht getan. Harry war für ihn wichtig und eine ihrer Hauptaufgaben war es immer gewesen, auf Harry aufzupassen.

„Es hilft, wenn ich dazu komme den Zeitplan zu ergänzen, während ich unterwegs bin", sagte sie und nickte dem braunen Lederbuch zu, was er unter seinen Arm geklemmt hatte.

Er gluckste und kam dann zur Sache. Dieses Mal würde sie ein Sommerseminar für Arithmantik am Salem Institut in Amerika besuchen. Sofort fasziniert (Arithmantik war bei Weitem ihr liebstes Schulfach), nahm sie gespannt den Stapel mit den Details von ihm entgegen. Dieses Mal war ihr Name Jennifer Marie Belvue (sie beschloss gleich, dass sie eine Jen sein würde), sie war eine Gryffindor und ihre U.T.Z. Punktzahlen hatten sich nicht verändert. Ihre Heilerlizenz und ihr Praktikumszeugnis waren nicht mit dabei, was, wie sie vermutete, Sinn ergab. Das Seminar war für jeden zugänglich, der dafür bezahlen wollte, weshalb es kein Empfehlungsschreiben gab, über das sie sich insgeheim freuen konnte.

„Na dann sollten wir uns jetzt auf den Weg machen. Ihr Portschlüssel verlässt uns in zwanzig Minuten und die Einweisung fängt in Salem in einer halben Stunde an."

Und das war die Geschichte ihrer ersten paar Wochen. Das Seminar war unglaublich spannend und Hermine lernte ziemlich viel. Sie brauchte etwas länger, ihre Gedanken auf Arithmantik umzustellen, nachdem sie so viel Zeit damit verbracht hatte, an Heilzauber und Anatomie zu denken.

Am Ende des Seminars, Mitte September, wurde der Aufsatz, den Hermine mit einigen ihrer Klassenkameraden geschrieben hatte, in einer Fachzeitschrift über Arithmantik veröffentlicht. Es war wunderbar und auch traurig. Sie war auf ihre Arbeit stolz, aber wenn sie wieder zur ihrer eigenen Zeit zurückkehrte, würde es nicht mehr ihr Aufsatz sein. Jen Belvue und Hermine Granger waren zwei verschiedene Personen.

Von dem Professor, der das Seminar geleitet hatte, wurde sie nach Alexandria eingeladen und nach einem eiligen internationalen Ferngespräch mit Dumbledore über das Flohnetzwerk (als sie das tat, war es ziemlich früh in Schottland aufgrund der Zeitverschiebung gewesen und Dumbledore war abgelenkt gewesen, hatte etwas über Stan Shunpike gemurmelt, während sie versucht hatte, ihn dazu zu bringen, dass er ihr zu Ägypten zu– oder abriet).

Die Muggel glaubten, dass die Bibliothek von Alexandria in der Antike komplett niedergebrannt war, wobei unschätzbare Informationen verloren gingen. Aber in Wahrheit wurde es aus der Geschichte der Muggel entfernt, nachdem das Statut der Geheimhaltung in Kraft gesetzt wurde. Es war weltweit die größte Geschichtssammlung der Zauberei; Hermine war im Paradies.

Ihre Aufgabe in dem Projekt begann in der Bibliothek, wo sie mit Runen und Arithmantik arbeitete und recherchierte. Es war wunderbar spannend, aber als ein Kollege des Professors sie fragte, ob sie etwas in den Gräbern arbeiten wolle, konnte sie diese Gelegenheit kaum ablehnen.

Die Pyramiden waren, gelinde gesagt, interessant. Sie verbrachte viel Zeit damit, mit zugekniffenen Augen auf die Hieroglyphen zu schauen und über verschiedene Runensprachen zu reden. Einmal erwischte sie sich dabei, wie sie ihre Notizen in Glyphen verfasste.

Die Arbeit verlor ihren Glanz, als sie letztendlich für zwei Tage in einem Grab eingeschlossen wurde. Jemand hatte draußen einen Schutzzauber ausgelöst und der Stein schloss sich um sie. Sie hatte mehr Glück gehabt als Tim, der andere Schüler, der von ihrem Seminar kam. Er wurde von dem sich schließenden Stein zerquetscht.

Sie hatte nichts zum Essen und nur herbeigezaubertes Wasser, aber das reichte aus, um sie am Leben zu halten. Sie verbrachte trotzdem zu viel Zeit im Halbdunkel. Das Erleuchten ihrer Zauberstabspitze vertrieb kaum die Dunkelheit des Grabes und sie wurde das Gefühl nicht los, dass sie von den Toten beobachtet wurde, als wenn sie darauf warten würden, dass sie sich zu ihnen gesellte, damit sie sie in Stücke reißen konnten. Als die Anderen endlich das Grab öffneten, war sie ein Wrack. Sie schickten sie zurück nach England, entschuldigten sich, wollten sie aber offensichtlich loswerden

Sechste Reise: Vom 5. Dezember 1995 zum 20. Juli 1995

Der Schulleiter war nicht erfreut, als sie in Hogwarts auftauchte, während er annahm, dass sie noch einen weiteren Monat in Ägypten war. Er sah sie enttäuscht an, nahm seinen Terminkalender noch mal zur Hand und schickte sie zurück in den Juli.

Wieder ging es Hermine ziemlich schlecht. Nicht so schlimm, wie beim letzten Mal, aber ihr war trotzdem übel. Nach dem Schock in dem Grab war sie auch nicht in der Lage, das Gefühl von Verkehrtheit abzuschütteln. Sie fühlte sich fehl am Platz.

Am schwersten war es, nach Alexandria zurück zu gehen. Nicht der eigentliche Weg dahin – Dumbledore war sehr großzügig mit nicht genehmigten Portschlüsseln und, da es der Zweck der Bibliothek war, Informationen zu teilen, brauchte sie keine spezielle Gruppe oder einen speziellen Grund, um hineinzugehen. Psychisch war es schwer. Die Pyramiden waren so nah und der Wüstensand, der überall war, erinnerte sie an das, was gerade passiert war.

Sie musste sich auch dieses Mal keine Gedanken über ihre offizielle Recherche machen. Sie gab sich den Namen Liz Belvue (da jeder Zutritt hatte, musste man sich am Empfang in eine Liste eintragen, damit sie den Überblick behielten; einige der Bücher waren gefährlich). Als sie später gefragt wurde, erzählte sie jedem, dass Jen Belvue ihre Schwester war. Das war auch der Grund, weshalb sie sich so ähnlich sahen.

Hermine liebte die ägyptischen Roben. Weit geschnittene, fließende Baumwolle in hellen Farben und so hübsche Schals. Es war höflich, wenn Frauen ihre Haare in der Öffentlichkeit bedeckten, aber sie vergaß es oft, wenn sie in ein Buch vertieft war und ihr der Schal letztendlich um die Schultern hing. Ihr Liebhaber, ein Australier, der Roger hieß, fand, dass es süß war.

Die leichten Roben erwiesen sich auch als saugfähig. Eines Abends lasen sie und Roger im tiefsten Inneren der Bibliothek und sie stieß auf das wahrscheinlich staubigste Buch, was sie jemals gefunden hatte. Sie hatte den größten Teil des Staubs mit ihrem Kopftuch weggewischt und einen angenehmen Abend, versunken in dem uralten Buch, verbracht. Es war allerdings kein angenehmes Buch gewesen. Es war voller dunkler Zaubersprüche, welche analysiert wurden, wie sie funktionierten und wo ihre Kraft herkam.

Sie hatte das Buch zu drei Vierteln durchgelesen und sah sich gerade eine besonders grauenhafte Zeichnung von den Auswirkungen eines Fluches an, welcher zum Glück über die Jahre verloren gegangen war, als es sie traf. Es gab keinen Anstieg und auch keine Warnung. Im einen Moment war sie angenehm entspannt und las gegenüber von Roger am Tisch und im nächsten Moment sprang sie schreiend von ihrem Stuhl auf.

Die Heiler erzählten ihr später, dass der Fluch ihren Rücken wie eine Peitsche geschunden hatte. Sie schätzen, dass es vierzig Peitschenhiebe gewesen waren, die sie alle mehr oder weniger gleichzeitig getroffen hatten. Sie besaß beinahe keine Haut mehr auf ihrem Rücken. Es brauchte zwei Tage, um die Haut nachwachsen zu lassen, und die ganze Zeit über wurde ihr rohes Fleisch mit einem cremigen Zaubertrank bestrichen, damit es sich nicht entzündete. Es entzündete sich natürlich trotzdem; es war kein schönes Buch gewesen.

Danach war ihr Rücken eine Katastrophe. Die Haut bildete sich zuerst, bevor die Muskeln und das Fleisch unter der Haut dazu kamen. Das war gut, weil es bedeutete, dass ihr Rücken nicht roh und offen und somit anfällig für weitere Infektionen war. Es bedeutete aber auch, dass starke Narben entstanden. Riesige, tiefe Täler zeigten genau, wo jeder Hieb in ihre Haut geschnitten hatte.

Als sie endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, schlief sie nachts auf ihrem Bauch quer über dem Bett und Roger fuhr mit seinen Fingerspitzen über die neue, empfindliche Haut. Sie wusste, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Sie konnte nie sagen, was er dachte, wenn er mit seinen Fingern durch ihre neuen Rillen strich. Sie wusste nicht, was sie von ihnen hielt.

Siebte Reise: Vom 16. November 1996 zum 31. Dezember 1994

Sie hatte das Ereignis mit dem Buch nicht in den Kalender geschrieben. Sie hatte die Recherche, zu der Dumbledore sie gezwungen hatte, ungeachtet der ganzen Zeit, die sie im Krankenhaus verbracht hatte, in der Bibliothek beendet. Deswegen brachte sie es nicht zur Sprache. Sie wusste, dass es unreif und unmöglich war, aber sie dachte, dass Dumbledore es gewusst haben müsste. Er hätte sie nicht zurück nach Alexandria schicken sollen. Er hätte wissen müssen, dass sie im Krankenhaus gewesen war und hätte sie besuchen sollen. Er war der Schulleiter; er hätte es wissen müssen.

Aber das hatte er nicht.

Nach der Rückreise war ihr unglaublich schlecht. Wenn sie nicht gerade viele Wochen im Krankenhaus wegen ihres Rückens verbracht hätte, hätte sie gesagt, dass es schlimmer war, als sie sich jemals gefühlt hatte. Sie hatte nichts geahnt, als sie vom Petrificus Totalus getroffen worden war und der Katzenzwischenfall im zweiten Schuljahr hatte eigentlich gar nicht mehr Schmerzen verursacht, als es der Vielsaft-Trank normalerweise tat.

Als sie auf dem Weg der Besserung nach dem ersten Tag war, war sie voller Furcht. Die Tatsache, dass der Schulleiter sie kannte und ihr braunes Lederbuch hatte, bedeutete, dass sie mindestens noch ein Mal zurückreisen würde und das bedeutete, dass es ihr noch viel übler gehen würde.

„Fühlen Sie sich besser, Miss Granger?", fragte der Schulleiter sie am Morgen nachdem sie angekommen war.

„Kaum, Sir." Es war seltsam, wie sie sich durch seinen Blick und einiger Worte wieder wie vierzehn vorkam.

„Ich denke, dann werden wir noch ein paar weitere Tage warten", sagte Dumbledore und reichte ihr ein Buch. Er setzte sich in den Stuhl am Kopfende ihres Bettes, faltete seine Hände und begann mit der Konversation. Sie lag auf dem Bett und blätterte durch das Buch, was er ihr gegeben hatte – es war ein dunkles Buch voller Horkruxe; sie konnte das Kribbeln des Bösen in den Seiten über ihre Fingerspitzen spüren – während sie zuhörte. Er arbeitete sich zu einer Konversation vor, die sie nicht haben wollte.

Dieses Mal ging sie nach Spanien, um die Zeit bei einem Kontaktmann von Dumbledore zu verbringen, der so zwielichtig war, dass er sie tatsächlich vor ihm warnte. Remy Bird war aus verschiedenen Ländern verbannt worden. Der einzige Grund, weshalb er noch immer in Spanien war, weil die Regierung ihm nichts nachweisen konnte.

„Ich würden Sie dort nicht hinschicken, wenn ich nicht denken würde, dass es völlig notwendig ist", sagte er ruhig. Er zwinkerte nicht. Als sie ihn ansah, war sie sicher, dass er dachte, dass es völlig notwendig war. Sie dachte das nicht. All diese Vorbereitung, die er sie machen ließ, schien übertrieben zu sein; sie verstand, warum sie die Heilerausbildung gemacht hatte und warum er sie ihre U.T.Z.s hatte machen lassen, aber die Arithmantik und Dunkle Künste Recherche ergab für sie keinen Sinn.

Remy Bird war so zwielichtig, wie sie darauf vorbereitet wurde und noch mehr. Er sah normal genug aus – ziemlich groß mit einem kleinen Bauch, borstigen Augenbrauen und auffallend goldenen Augen – aber da war etwas an seiner Schulterhaltung, was sie nicht mochte.

Das Haus war abgelegen auf dem Lande. Es war ein unheildrohender Ort. Ihr Zimmer war oben und er hatte es mit allerlei dunklen Objekten vollgestellt, die nur darauf warteten hervorzuspringen und sie zu holen. In der ersten Nacht wäre sie beinahe von einem Lethifold getötet worden. Dann gab es einen Vorfall mit dem kreischenden Teekessel, dem Bärenfellteppich auf ihrem Schlafzimmerboden, der versucht hatte ihr Bein abzubeißen und das Problem mit dem anzüglichen Spiegel im Badezimmer.

Sie lernte eine Menge von Remy in kurzer Zeit. Im Verlauf des ersten Monats erlernte sie mehr dunkle Zaubersprüche, als sie jemals gewollt hatte. Sie lernte auch die entsprechenden Gegenzauber und sogar einige raffinierte Heilzauber, die speziell für dunkle Magie anwendbar waren.

Hermine begann gerade zu denken, dass es gar keine furchtbare Idee gewesen war, nach Spanien zu gehen, obwohl es unangenehm war in Remys Nähe zu sein, als alles den Bach runter ging. Remy wurde aus Portugal, England und Deutschland ausgewiesen, weil er „Muggelkämpfe" veranstaltete. Er sperrte Hexen und Zauberer in Käfige ein und zwang sie dazu, mit ihren Fäusten, Zähnen und jeglicher zauberstablosen Magie, die sie heraufbeschwören konnten, gegeneinander zu kämpfen. Irgendwann ließ er sie gehen. Natürlich erst nachdem er ihre Erinnerungen verändert hatte.

Hermine hatte angenommen, dass die Muggelkämpfe der Vergangenheit angehörten, ansonsten hätte Dumbledore sie nicht nach Spanien geschickt. Sie war so lange davon ausgegangen, bis sie in einem dieser Käfige landete.

Sie war für sechs Monate seine Hauptkämpferin. Er gab ihr einen Zauberstab – ein verkrüppeltes Ding, das sie ganz und gar nicht mochte – um sich selbst nach jedem Kampf zu heilen und oft auch, um seine anderen Favoriten zu heilen. Ihre Knöchel waren andauernd zersplittert und ihre Fingernägel abgebrochen. Ihre Augenhöhlen waren so oft aufgeplatzt, dass sie trotz dem Heilen durchgehend blaue Augen hatte.

Er ließ sie nicht gehen. Sie versuchte zwei Mal zu fliehen und scheiterte beide Male. Für die Versuche wurde sie auch bestraft. Dann, nach sechs Monaten, zerbrach etwas in ihr. In der Vergangenheit war sie rücksichtsvoll mit zauberstablosen und ungesagten Zaubern umgegangen, aber die Zeit, die sie in den Kämpfen verbracht hatte, hatte ihre Fähigkeit mit ein paar nützlichen Zaubersprüchen vervollkommnet. Es war anstrengend und sie neigte dazu, sich zu fühlen, als würde sie durch deren rohe Magie an den Nähten zerplatzen, aber schließlich bekam sie so viele Schläge, wodurch die Linie überschritten war. Ihr dritter Fluchtversuch war erfolgreich; nachdem sie aus ihrem Käfig heraus war, nahm sie den Zauberstab von einem der Betreuer und ließ nur Asche zurück.

Sie tötete Remy mit einem Draht, der dafür vorgesehen war Käse zu schneiden. Er hatte immer einen großen, altmodischen gelben Käselaib in seiner Küche und der lange Draht war zwischen zwei Holzgriffen griffbereit gespannt. Der Mann liebte diesen Käse.

Es war ein sehr geeignetes Werkzeug. Sie trat durch die Küche ein und fand ihn beim Frühstück vor. Er war zu überrascht gewesen, um zu reagieren und dann hatte er seinen Zauberstab gezogen. Aber sie war an ihn gewöhnt; er mochte es zu reden. Sie sprach mit ihm, sie bekam den Käsedraht gut zu fassen und wickelte dann den messerscharfen Draht um seinen Hals, als ob sie ihn erwürgen wollte. Er schnitt glatt durch seine Luftröhre und andere lebenswichtige Organe, bis zur Wirbelsäule. Sie ließ den Draht in ihm und stieg die Treppe zu dem Zimmer hoch, welches sie bewohnt hatte. Ihre Sachen waren wie sie sie verlassen hatte und sie sammelte sie wieder ein, machte sich zurecht und hielt danach ihren Zauberstab fest in ihrer Hand, während sie das Dämonsfeuer heraufbeschwörte, um das Haus niederzubrennen. Die Behörden würden davon ausgehen, dass der verrückte dunkle Zauberer die Kontrolle verloren hatte – sie wären wahrscheinlich erleichtert.

Hermine war nicht erleichtert. Sie hatte Albträume und hatte die meiste Zeit über das Gefühl, als müsse sie sich übergeben. Sie fühlte sich nicht schuldig; wenn es jemand verdient hatte zu sterben, dann war es Remy Bird gewesen. Sie dachte auch an die Leute, die sie in den Kämpfen getötet hatte. Sie wusste nicht, wie sie von sich als Mörderin denken konnte.

Achte Reise: Vom 18. Juli 1995 zum 1. September 1994

Hermine ging nach ihrem Aufenthalt in Spanien nicht zu Dumbledore. Sie nahm sich von Remy Dinge mit, von denen sie dachte, dass sie sie gebrauchen könnte, brannte das Haus nieder und fand einen abgeschiedenen Ort, an den sie sich zurückziehen konnte. Es haute sie sofort um und sie verbrachte einen Tag, in dem sie immer wieder das Bewusstsein verlor und vor allem die Woche danach fühlte sie sich wirklich schrecklich.

Als sie sich wieder menschlich fühlte, schlich sie sich aus dem Muggel-Krankenhaus, in das sie ein netter Passant gebracht hatte und nahm sich ein Zimmer im La Casa, dem Tropfenden Kessel von Madrid. Sie versteckte sich für beinahe einen Monat. Sie ordnete ihre Notizen und schrieb Dumbledore einen langen Brief, in dem sie alles beschimpfte, was er sie hatte durchmachen lassen. Danach verbrannte sie den Brief und packte ihre Notizen für später weg.

Sie verbrachte fast ein Jahr in Madrid. Durch das, was sie von Remy gelernt hatte, ging sie ihre Notizen aus Alexandria mit einem neuen Bezugsrahmen durch. Sie übte mit dem Dämonsfeuer (natürlich nicht in ihrem Zimmer; draußen auf dem Land), so dass sie in der Lage wäre, die Horkruxe zu zerstören, wenn sie sie fanden.

Schließlich fühlte sie, dass sie in Madrid nicht weiterkam und kehrte nach London zurück. Ein Jahr war vergangen und sie traute sich nicht, noch länger wegzubleiben. Aber, als es damals darauf angekommen war, hatte sie nicht zurückgehen können. Sie dachte an die blöde Zeit in dem Käfig, die dunklen Kräfte und Remy und sie glaubte nicht, dass sie bei ihrer Rückkehr einem Kriegsgebiet gegenüberstehen könnte. Sie reiste zurück, bevor Voldemort zurückkehrte, und schämte sich, selbst als sie es tat, ein wenig darüber.

Neunte Reise: Vom 12. September 1995 zum 1. Juni 1994

In einem anderen Teil der Welt, versuchte Hermine Granger verzweifelt, Harry den Aufrufezauber beizubringen, spielte die Eule zwischen ihren zwei besten Freunden, die nicht miteinander redeten, und flirtete mit Viktor Krum. Hier arbeitete Mariah Northup in einer Apotheke. Sie hielt den Kopf unten, verrichtete ihre Arbeit gut und verbrachte viel Zeit damit, durch die Muggel-Nachbarschaft zu joggen.

Sie schloss keine Freundschaften. Sie kaufte keine Bücher. Sie aß kaum etwas. Sie wandte sich nur ihrer Arbeit zu und versuchte, nicht an den bevorstehenden Krieg zu denken. Sie fragte sich, ob sie einfach so oft zurückreisen konnte, bis sie so alt wie Dumbledore war.

Sie trank wahrscheinlich zu viel.

Zehnte Reise: Vom 18. Juni 1995 zum 1. Januar 1994

Hermine hätte es beinahe getan. Sie hatte viel über das Trimagische Turnier nachgedacht und sich gefragt, ob sie es versuchen sollte, die Geschehnisse zu ändern. Sie war sogar so weit gegangen, dass sie einen Brief für Dumbledore über Barty Crouch Junior und den Portschlüssel entworfen hatte. Sie hatte mit Arithmantik eine Matrix erarbeitet, potenzielle Ergebnisse ihres Eingriffs abgeschätzt und … letztendlich hatte sie sich nicht eingemischt. Voldemorts Horkruxe machten seine Rückkehr unvermeidbar; von zwei Übeln wählt man besser das, was man schon kennt.

Oder man rennt gewissermaßen davor weg. Sie reiste so weit zurück wie es möglich war, den Gedanken daran zu ertragen, und verfluchte ihr eigenes feiges Herz.

Im Februar war sie dann bereit zu ihrer eigenen Zeit zurückzukehren. Sie war nicht mehr so stark alkoholabhängig und sie vermied es nicht mehr, über den Krieg nachzudenken. Sie dachte sogar oft darüber nach, erstellte arithmantische Matrizen und versorgte sie mit Variablen, bis die Gleichungen Pergamentenstapel füllten.

Im März bekam sie einen Job im Zaubererradio, um ihre Rechnungen zu bezahlen (hauptsächlich, weil der Stundenlohn gut war und es sich irgendwie interessant anhörte) und lieferte die Perspektive der Muggelgeborenen für eine Talkshow. Die Idee des Ganzen war es, über die verschiedenen Arten zu informieren, wie man die sozialen Probleme der Zaubererwelt sehen konnte, und sie stellte fest, dass sie viel über die Klassentrennung und Arbeitsplätze in der Welt der Zauberer recherchierte. Allerlei Dinge, über die sie sonst nicht nachgedacht hätte.

Im August des Jahres 1995 wurde die Sendung „gestrichen". Das Studio wurde bei einem Angriff der Todesser niedergebrannt. Hermine versteckte sich fast eine Woche in ihrer Wohnung und versuchte, keinen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Sie reiste zurück, als es für sie unmöglich wurde zu atmen, wenn sie daran dachte, etwas anderes zu machen.

Elfte Reise: Vom 30. August 1995 zum 1. März 1994

Hermine verschwand nach Edinburgh. Sie hielt ihren Kopf unten und versuchte nicht daran zu denken, was sie beim ersten Mal zu dieser Zeit getan hatte (oder während irgendeines anderen Mals). Sie wollte sich nicht daran erinnern, dass in diesem Jahr an diesem Tag das passiert war oder, dass diese Person gestorben war. Sie wollte sich nur selbst einholen und vorangehen. Sie war wütend auf sich selbst, dass sie so reagiert hatte. Weggelaufen. Schon wieder.

Ihre Wohnung war in einem großen Haus, was in sechs Wohneinheiten umgestaltet worden war. Es befand sich in einer ruhigen Muggel-Nachbarschaft. Die Häuser auf der gleichen Seite der Straße waren ähnlich gebaut, aber auf der anderen Straßenseite befanden sich freistehende, neuer erbaute Einfamilienhäuser. Sie war die einzige Hexe in der Gegend, was ihr sehr gelegen kam. Sie übertrieb es weiterhin mit den Schutzzaubern, aber sie entspannte sich genug, um ihren Zauberstab nur in einer Spezialtasche ihrer Shorts mitzunehmen, wenn sie am Morgen joggen ging.

Sie nahm wieder einen Job in einer Apotheke an. Sie arbeitete im Hinterzimmer und hatte keinen Kontakt zu Kunden. Sie bereitete Zutaten vor, schrieb Etiketten für die Flaschen und Tiegel und führte die Bücher. Sie arbeitete am Montag, Mittwoch, Freitagmorgen und kam in ihrer Freizeit entweder am Samstag oder Sonntag vorbei, um sich um das Bestandsbuch zu kümmern.

Sie nannte sich Samantha Barnes, kurz Sam. Die Leute, die sie trafen, mochten sie, besonders der Brauer der Arzneimittel (er war kein Meister der Zaubertränke und er war darüber nicht gerade glücklich), der den Laden leitete, aber sie strengte sich an, damit sie nicht in ihren Erinnerungen hervorstach. Jack Boot, der die Arzneimittel herstellte, hatte einen Cousin, der Hogwarts besuchte und sie versuchte nicht daran zu denken.

Im Januar kamen Hermines private Recherchen zu Horkruxen zu einem Stillstand. Sie wusste mehr über sie, als irgendjemand anderer, der lebte. Das Wissen bescherte ihr manchmal Albträume. Besonders, wenn sie an die Menschen dachte, die sie in den Kämpfen getötet hatte.

Der einzige Weg, wie sie noch mehr über Horkruxe lernen konnte, wäre es, einen selbst herzustellen, und das würde ohne Zweifel nicht passieren.

Sie räumte ihre Recherche weg und schloss die Tür zu diesem bestimmten Projekt. Stattdessen konzentrierte sie sich auf all die möglichen Dinge, die Voldemort als angemessen erwägt haben könnte, um sie zu diesen schauderhaften dunklen Objekten zu machen. Die Liste war nicht besonders lang, aber es gab trotzdem noch zu viele Möglichkeiten. Schließlich legte sie auch dieses Projekt zur Seite; Dumbledore hatte die Informationen, die sie benötigte, um weiterzukommen – und nicht sie.

Als sie an Dumbledores vom Fluch getroffene Hand dachte, begann sie sich die Theorie von Flüchen zu erarbeiten. Es war arithmantikzentriert, denn sie musste das Gerüst des Fluches auseinanderbrechen (oder für ihre Praxistests einfache Zaubersprüche), um die Bestandteile zu sehen. Alle Zaubersprüche konnte man in Runen zerlegen, obwohl es nicht einfach und auch nicht besonders nützlich war. Außer sie bekam es richtig hin und konnte die Runen verwenden, um zu sehen, wo Behandlungen angewandt werden konnten. Außerdem konnte sie jede Rune und ihre Reaktion auf die anderen Runen, die den Zauber bildeten, untersuchen, um herauszufinden, woher die Symptome kamen und welche Runen sie ausgelöst hatten. Mit diesem Wissen konnte sie die Runen verändern und somit den Fluch von innen heraus zerstören. Das war ein ziemlich anstrengender Weg, da man sich von hinten vorarbeiten musste – zum Fluchbrechen gehörten normalerweise Gegenflüche oder das verharmlosen der Auswirkungen eines Zauberspruchs und nicht das Aufbrechen seines Gerüsts. Allerdings liebte sie es, Puzzle von der Mitte heraus zu beginnen.

Dann kam die letzte Aufgabe – und Voldemort. Horror in Hogwarts! bedeckte die erste Seite des Tagespropheten. Ein Artikel (und viele, viele weitere wie dieser, befanden sich auf weiteren Seiten und in späteren Ausgaben) mit vereinzelten Berichten von Schülern und anderen Zuschauern zu dem Vorfall. Es hatte Chaos geherrscht; niemand wusste, was passiert war, außer der Tatsache, dass einer der Champions tot aufgefunden worden war. Erwähnungen von Voldemort und Todessern wurden sorgfältig aus den Zeitungen herausgehalten.

Hermine machte sich ein paar Tage nach der Rückkehr auf den Weg zu Dumbledores Büro (und er war völlig erschüttert darüber, dass sie in der Lage gewesen war, sein Büro in Krisenzeiten wie jetzt unbemerkt zu erreichen) und gab ihm den Terminkalender. Sie fühlte sich ohne ihn beinahe… beraubt.

Sie kam sehr pünktlich drei Wochen später an, um am ersten Treffen des Orden des Phönix, seitdem die Potters getötet worden waren, teilzunehmen. Mad-Eye Moody öffnete die Tür und hielt sie mit seinem Zauberstab auf Distanz, bis Dumbledore aus der Küche geholt wurde, um sein Einverständnis zu ihrem Erscheinen zu geben.

„Ich habe sie hierher eingeladen, Alastor, genauso, wie ich dich damals eingeladen hatte", sagte Dumbledore ruhig, als wenn es seine Idee gewesen wäre, sie miteinzubeziehen. Falls er sich wunderte, woher sie die Zeit und den Ort des Treffens gewusst hatte, zeigte er es nicht. Sie verzog keine Miene, hielt ihr Kinn hoch erhoben und sah auf Mad-Eyes Zauberstabarm.

„In Ordnung." Er hatte zu lange gewartet, um es jetzt noch zu sagen und sie alle wussten es.

Sie folgte ihnen durch den vertrauten schmalen Flur. Alles war dunkler und schmutziger, als sie es je gesehen hatte. Allerdings wohnte auch bisher niemand außer Sirius Black hier und Black schien zwischen Ausgelassenheit, da er von Dementoren fort war und Angst vor der Aussicht, gefangen und zurückgebracht zu werden, hin und hergerissen zu sein.

Dumbledore setzte sich auf seinen Platz am Kopf des Tisches und seine prachtvollen violetten Roben färbten sich blutrot im gedämpften Feuerschein. Sie fragte sich, ob das Licht im Raum wegen der Atmosphäre der Geheimnisse so gedämpft gehalten wurde oder, weil die Lampen im Raum noch gesäubert werden mussten.

Mad-Eye setzte sich auf den letzten Stuhl, deshalb stellte sich Hermine ans Feuer am weit entfernten Ende, gegenüber dem Schulleiter. Es war eine angenehme Wärme und sie war gleichzeitig an einem guten Platz, um alle anderen sehen zu können. Die meisten von ihnen waren bekannte Gesichter – Mad-Eye, Mr. und Mrs. Weasley, Bill Weasley, der komische Mann mit dem Zylinder, Hestia Jones, Remus Lupin, Professor McGonagall und Hagrid. Sie waren die alten Kämpfer, die das letzte Mal gekämpft hatten. Außer Mad-Eye hatten alle einen panischen Ausdruck auf ihren blassen Gesichter, der Bände über das Trauma schrieb, von dem sie wussten, dass es der Krieg mit sich brachte.

Überraschenderweise ließen diese Ausdrücke sie sich über ihre Situation besser fühlen.

„Tom Riddle ist körperlich zurückgekehrt", sagte Dumbledore und alle Züge seiner großväterlichen Rolle waren verschwunden. Er war der Zauberer, der Grindelwald besiegt hatte und er zeigte das.

„Wie?", fragte Lupin mit heiserer Stimme. Er saß neben Black am weitesten von Hermine entfernt am anderen Ende des Tisches.

„Dunkle Magie", sagte Dumbledore und sie dachte beinahe, dass sie die Spur eines Zwinkerns sah. Er genoss die angespannte Stille – alle von ihnen forderten ihn dazu auf, ihnen nicht mehr Informationen zu geben – um eine Atempause zu machen, bevor er fortfuhr. „Der junge Mr. Potter war Zeuge des Rituals auf dem Friedhof. Ich bitte Sie, dass niemand von Ihnen ihn nach Einzelheiten fragt. Lasst die Erinnerung daran so gut verblassen, wie es möglich ist."

„Was ist unser nächster Schritt, Schulleiter?", fragte Black mit ruhiger Stimme nachdem alle die Möglichkeit gehabt hatten, auf Dumbledores Bitte zu nicken.

„Severus ist zurückgekehrt, um für uns zu spionieren. Wir werden eine Vorgehensweise planen können, wenn er mit den Informationen, die er bekommen kann, zurückkommt."

„Du meinst die Informationen, von denen der Dunkle Lord will, dass er sie an uns weitergibt", knurrte Mad-Eye. Dumbledore starrte ihn an, bis der alte Auror wegsah. Hermine bemerkte, dass sein magisches Auge auf sie fixiert war, aber sie hätte wahrscheinlich darüber nicht überrascht zu sein brauchen, da sie die einzige Neue war.

„Bis wir diese Informationen haben, werden wir abwarten und beobachten. Haltet eure Augen offen. Wir brauchen Verbündete, aber mehr als das brauchen wir Informationen. Pflegt eure alten Kontakte; findet neue. Haltet Ausschau nach Leuten, die sich möglicherweise dem Orden anschließen wollen. Aber niemand nähert sich, bis Ihr ihn mit mir abgeklärt habt."

Die Leute am Tisch murmelten ihre Zustimmung.

Das Treffen wurde fortgeführt und Details wurden besprochen. Die Weasleys würden mit Black im Grimmauld Platz bleiben, beim Saubermachen helfen und es als funktionales Hauptquartier zum Laufen bringen. Mad-Eye würde sich mit der lieben, alten Mrs. Figg treffen, damit er ihr die neusten Mittel geben konnte, um den Orden zu kontaktieren, und sie daran zu erinnern, Harry in den kommenden Wochen scharf zu beobachten. Hagrid würde zu den Riesen gehen. Lupin würde zu den Werwölfen gehen. Johnes und Diggle (der Mann mit dem Zylinder) würden damit anfangen, die alten geheimen Unterschlüpfe mit Vorräten auszustatten.

„Und was ist mit ihr?", fragte Mad-Eye und starrte sie mit beide Augen merkwürdig schielend an. Hermine blickte kühl zurück, wandte ihren Blick dann zum Schulleiter und hob ihre Augenbraue in ihrer besten Nachahmung von Professor Snape.

„Ah ja", sagte Dumbledore und lächelte wohlwollend. „Ich vergaß, dass sie noch nicht vorgestellt wurden. Das ist Samantha Barnes. Sie wird unsere Heilerin sein."

„Sie arbeiten für das St. Mungo?", fragte Black. Seine Hände klammerten sich krampfhaft an der Tischkante fest, als wenn er bereit wäre loszurennen und Hermine lächelte ihn beinahe liebevoll an, als sie sich daran erinnerte, dass es eine Klausel im Heilervertrag des St. Mungo gab, die besagte, dass jeglicher Umgang mit Flüchtigen gemeldet werden musste.

„Nein. Ich arbeite in einer Apotheke."

„Ihnen wurde gekündigt?", fragte Mad-Eye und in seinem braunen Auge schimmerte so etwas, was nahe an Bosheit grenzte.

„Ich habe mich abgemeldet."

„Sie haben sich abgemeldet –", begann Mad-Eye spöttisch, aber Dumbledore brachte ihn mit einer erhobenen Hand und einem strengen Blick zum Schweigen.

„Genug, Alastor." Seine Stimme war ruhig. Er richtete seinen Blick kurz auf sie, bevor er wieder zu allen am Tisch sprach. „Miss Barnes wird auch für uns Zaubertränke brauen, falls sie benötigt werden."

„Hat Snape mit einem Mal zu viel tun?", fragte Black gereizt. Hermine widerstand dem Drang, ihre Augen zu verdrehen; sie hatte vergessen, wie spitz die beiden übereinander redeten. Die Erwachsenen waren so vorsichtig gewesen, wie sie nur konnten, um die Streitereien vor ihren Augen geheim zu halten, aber sie waren nicht ganz erfolgreich gewesen.

„Ich sagte genug", wiederholte Dumbledore und blickte nun Black streng an. Der jüngere Mann senkte seinen Blick auf den Tisch vor ihm und machte einen finsteren Blick.

Dumbledore verzauberte den Glockenstrang in der Küche im Grimmauld Platz, damit ihre Taschenuhr erklang. Das war eine faszinierende Anpassung des Proteus-Zaubers, von dem sie wünschte, dass sie die Zeit dazu hätte, ihn genauer zu betrachten – es gab hunderte von möglichen Umsetzungen, die einige interessante Ergebnisse liefern konnten…

Sie kehrte zu ihrer Wohnung zurück und blickte lange aus dem Fenster auf die Muggel, die draußen ihrem Leben nachgingen. Sie hatte eine Flasche Rotwein, öffnete diese und trank direkt aus der Flasche, während sie ihnen zusah.

Der schlimmste Teil daran war, dass sie durch ihre Rückkehr nach Hogwarts und durch die Übergabe des Terminkalenders an Dumbledore, dem Ganzen prinzipiell zugestimmt hatte. Dem Horror, den Narben, alles davon. Sie hatte es akzeptiert. Sie hatte akzeptiert, dass es geschehen würde und zu einem Teil ihrer Vergangenheit werden würde. Die Zeit, die sie zurückgedreht hatte – und es waren beinahe zehn Jahre gewesen – war auf ihre Haut geschrieben, in ihr Fleisch und ihre Seele gemeißelt und das Buch Dumbledore zu geben, war der Auslöser für das alles gewesen. Die Paradoxie davon war eigentlich egal.

Sie war von der Flasche Wein leicht angetrunken, als ihre Taschenuhr ertönte. Sie nahm ihre Ausrüstung aus dem Schrank, trank in einem Zug einen Ausnüchterungstrank (ein Zaubertrank, der von dem gleichen Vertreiber entwickelt worden war, der den Aufpäppeltrank erfunden hatte) und lief durch den Flur zum Apparationspunkt.

Dumbledore wartete auf sie alleine in der Küche.

„Sie scheinen keine Schmerzen zu haben", stellte sie fest, wandte einen komplexen, kleinen Trick auf ihre Umhängetasche an – die Tasche war sehr komfortabel, geschmeidiges Leder in einer Übergröße und gewichtslos gemacht – so dass sie sie auf Taschengröße falten konnte, und sie in die hintere Tasche ihrer Bluejeans stecken konnte.

„Ich fürchte, dass ich Sie um etwas Abscheuliches bitte."

Er wird mich fragen, ob ich jemanden töte.

Und das tat er und wenn er es nur ein paar Wochen früher gefragt hätte, hätte sie ihm nie den Terminkalender gegeben. Verfluchte Paradoxe.

Sie kehrte zu ihrer Wohnung zurück und kleidete sich mit Bedacht. Ihre Drachenhautstiefel, ein schlichtes weißes Baumwolltanktop, Lederstreifen, die sie sich um ihre Hände und Handgelenke wickelte und eine Drachenhautweste. Sie hatte ein merkwürdiges Gespür vom Zaubererstil in den letzten paar Jahren entwickelt – um sich an das Leben in Roben anzupassen, benötigte man Gegenstände, wie die Umhängetasche und Nippes, welcher ins Haar eingeflochten wurde – von dem sie sich jetzt etwas entfernte. Sie trug bloß die schützende Montur. Ihr Zauberstab und ein kleines Messer steckten in einer Scheide an ihrem linken Unterarm.

Dumbledore hatte ihr einen Namen und eine Adresse auf einem Pergamentstück gegeben. Wendell (der Name ihres Vaters, erinnerte sie eine gehässige Nische ihres Gehirns) West. Er lebte in Bath. Er war kein Todesser, aber er war ein wichtiger Geldgeber und eine laute Stimme unter denen, die Unwahrheiten über Dumbledore und Harry verbreiteten.

Er wohnte allein in einem üppigen Herrenhaus, was von altem Reichtum zeugte und von Schutzzaubern gesichert war, die seit Jahrzehnten nicht gepflegt worden waren. Es war eine Angelegenheit von Minuten, bis sie durch sie durch war. Die alten Zaubersprüche dachten, dass sie ein Mitglied des Haushalts und somit uninteressant war. Mr. West war in seinem Büro eingeschlafen; sie beschwor Seile herauf und fesselte ihn auf seinem Stuhl.

Legilimens."

Ein einst stolzes Herrenhaus, war zur dunklen Ruine mit Staub in allen Ecken, verfallen. Massen an Todessern in ihren typischen Roben und Masken standen in einem muffigen Wohnzimmer stramm. Voldemorts schlangenartiges Gesicht war angespannt, als er jene befragte, die spät zurückgekehrt waren, einem nach dem anderen und verschonte diesen oder tötete jenen. Mr. West übergab lächelnd Taschen über Taschen voller Galleonen. Mr. West, der um die Erlaubnis flehte, das Mal tragen zu dürfen und es ihm jedesmal verwehrt wurde, dennoch brachte er immer mehr Geld mit und hoffte, dass es ihm dieses Mal erlaubt werden würde, richtig beizutreten.

Die Erinnerungen huschten schneller und schneller vorbei. Mr. West war neu bei der Sache am Ende der letzten Herrschaft gewesen; dieses Mal versuchte er sich seinen Eintritt zu erkaufen. Aber man konnte ihm nicht trauen. Er hatte einen Onkel, der ein Squib war und der einen Muggel geheiratet hatte. Außerdem war er ziemlich begriffsstutzig oder ihm fehlte zumindest der Verstand, um zu sehen, wie er manipuliert und getäuscht wurde. Voldemort nahm ihn total aus und danach würde er zum Sündenbock für etwas gemacht werden.

Hermine schloss ihre Augen und trennte seine Gedanken von ihren. Er rang erleichtert nach Luft und beinahe wäre sie vor Mitgefühl zusammengezuckt. Dumbledore hatte oft versucht ihre Gedanken zu lesen, seit sie ihm den Terminkalender übergeben hatte. Er hatte nicht beabsichtigt sie dabei zu verletzen, aber er war auch nicht besonders behutsam gewesen; er wollte die Informationen, von denen sie versprochen hatte, sie sie ihm nicht zu geben. (Es war eine komplizierte Situation.)

Sie benutzte das Messer, um ihn zu töten und durchschnitt seine Kehle in einer einzigen glatten Bewegung. Sie spürte es, wie sie alle Tode, die sie in den Kämpfen verursacht hatte, gespürt hatte. Es tat weh. Sie konnte spüren, wie die Magie und die Seele ihn verließen. Sie nahm sich einen Moment Zeit, um darüber zu trauern, um um sie selbst zu trauern. Sie fragte sich, ob Dumbledore irgendeine Idee von dem hatte, was er von ihr verlangte, wenn er ihr das Pergamentstück gab. Aber sie würde ihn niemals danach fragen; sie hatte ein schreckliches, kriechendes, juckendes, schmerzendes Gefühl, dass er genau wusste, was er von ihr verlangte.

Als das Blut aufhörte aus seinem Hals zu laufen, stand Hermine auf und steckte das Messer zurück an seinen Platz. Eine schnelle Durchsuchung des Herrenhauses förderte keine brauchbaren Gegenstände, ob dunkel oder anderweitig, zu Tage. Er hatte eine schöne Schreibfedernsammlung, aber sie wusste es besser, um nicht mit Trophäensammeln anzufangen. Es gab nichts Brauchbares für den Orden, also würde sie alles zurücklassen. Sie ließ sogar das Gold in der untersten linken Schreibtischschublade zurück, wo er es für das nächste Treffen mit seinem Dunklen Lord versteckt hatte.

Sie begann mit dem Körper. Sie beschwor das Dämonsfeuer herauf und sah dabei zu, wie alles in dunkler Asche verschwand. Zuerst der Zauberer, dann sein Stuhl und dann sein Schreibtisch. Raum für Raum. Flur für Flur. Und dann stand sie draußen auf dem Rasen und das Haus zerbröckelte zu Staub genauso, wie es Remy Birds viel kleineres Haus in Spanien getan hatte. Und dann war es Zeit, das Dämonsfeuer zurückzurufen. Das war der schwerste Teil daran, mit den verfluchten Flammen zu arbeiten, aber sie hatte Erfahrung.

Als sie ging, war das Herrenhaus nichts weiter als dunkle Erde, die leise im Zentrum der übermäßig grünen Rasenflächen rauchte. Die Auroren würden innerhalb einer Stunde vor Ort sein. Da die Stufe der Schwarzen Magie so lange aufrecht erhalten war, würde ein Alarm durch die Abteilung für Magische Strafverfolgung tönen.

Sie ging zurück zu ihrer Wohnung und nahm eine sehr lange Dusche, während der sie sich so sehr schrubbte, bis es wehtat. Danach stieg sie aus der Dusche und verwandelte sich wieder langsam in Sam Barnes. Sie hatte eine dunkelblaue Rabenfeder unter ihrem Haar an ihrem Hinterkopf und die Federspitze kitzelte ihr Genick und ragte aus dem Kragen ihrer Robe. Sie flocht ihr Haarbüschel über ihrem linken Ohr und über ihre linke Schulter und band es mit einem Stück farbiger Schnur zusammen, an dem ein silberner Muggelanhänger in Form eines Halbmonds befestigt war. Sie hatte rechts neben ihrem Scheitel eine Strähne mit kleinen Perlen in allen möglichen Farben versehen. Wenn das Haar erst einmal getrocknet war, würde es voller wilder Locken sein und diese kleinen Feinheiten würden sie mehr exotisch aussehen lassen. So als wären ihre wilden Haare eine Möglichkeit statt einer Plage gewesen.

Sie trug eine weite, schlichte, pfirsich-lachsfarbene Robe aus Alexandria. Vorne war sie offen und sie besaß weite Ärmel. Sie trug ein cremefarbenes Tank Top mit einem quadratischen Ausschnitt, khakifarbene Shorts und Sandaletten darunter. In Ägypten hätte sie den Schal, der hauchdünn und blaugrün war, über ihrem Kopf gehabt, stattdessen hing er ihr locker um den Hals, um die Spitze ihrer Nabe vor der Mysteriumsabteilung zu verstecken.

Als sie sich fertig angezogen hatte wurde ihr klar, dass sie nirgendwo hingehen konnte. Dumbledore würde den Grimmauld Platz vor Stunden verlassen haben, während sie sich einen Weg durch die armseligen Schutzzauber von West geschlagen hatte. Sie konnte nicht zu ihm nach Hogwarts gehen, nicht zuletzt weil es nach drei Uhr Nachts war. Sie konnte ihm nicht schreiben. Erstens, weil sie keine Eule hatte, die die Nachricht überbringen konnte und zweitens, weil sie ihren ureigenen belastenden Beweis schaffen würde, nachdem sie so sorgfältig den Rest davon verbrannt hatte.

Seufzend und wünschend, dass sie den Tag in seiner Gesamtheit löschen konnte, öffnete Hermine eine weitere Weinflasche und sah dem Sonnenaufgang zu.

Im August gab es ein weiteres Treffen. Der Tisch war durch Bänke und Stühle, die in einem Dachboden oder Gästezimmer gefunden worden waren, vergrößert worden, um den größten Teil der Küche zu füllen. Hermine traf spät ein – sie wollte nicht mit Freunden reden, die dachten, dass sie eine Fremde war – und landete wieder am Feuer. Kurz darauf schloss sich Professor Snape, der sie ignorierte, ihr an.

Der merkwürdigste Moment war es gewesen, hinter den Weasleys, ihrem jüngeren Ich und Harry vorbeizugehen, die am Treppengeländer standen. Sie erinnerte sich daran, wie sie den geheimnisvollen Hexen und Zauberern des Orden des Phönix beim Versammeln zugesehen hatten. Sie erinnerte sich an die kleine Hexe mit den Perlen und geflochtenen Zöpfen in ihrer Haarmasse und wünschte sich, dass sie eines Tages einmal in der Lage dazu sein würde, ihre ungebändigten Haare genauso tragen zu können.

Oh, diese Ironie.

Hermine konzentrierte sich wieder und sah zum Tisch. Bekannte Gesichter – Bill und Percy Weasley, Kingsley Shacklebolt, Tonks – hatten im Laufe des Sommers die Reihen gefüllt. Da waren aber auch unbekannte Gesichter; diejenigen, die durch das Flohnetzwerk angekommen waren und auch auf diese Weise wieder gingen. Mit Sorgfalt von den Kindern versteckt, die die Tür beobachteten. Sie waren weniger im Vergleich zu den Todessern, aber sie besetzten entscheidende Positionen und brachten wichtige Begabungen gewissermaßen mit an den Tisch.

Die Themen der Diskussionen bei den Treffen waren zum großen Teil die Mysteriumsabteilung und die Halle der Prophezeiung. Änderungen der Wache, die Klugheit, die Prophezeiung dort zu lassen, wo sie war und, was Voldemort in Hinblick auf die Prophezeiung tun würde. Sie wollte sie anschreien, dass das nicht wichtig war, denn in einem Jahr wäre sie sowieso zerbrochen und einer von ihnen würde tot sein, aber sie blieb still.

Dumbledore gab Professor Snape und ihr ein Zeichen, dass sie ihm, wenn das Treffen vorbei war aus dem Raum folgen sollten und das taten sie. Sie liefen an Fred und George auf ihrem Weg die Treppe nach oben vorbei und sie behielt ihre Haare sorgsam zwischen ihren Augen und ihrem Gesicht. Dumbledore stellte sich zwischen sie und das erste Schlafzimmer auf ihrer rechten Seite und sie entsann sich, dass das das Zimmer gewesen war, welches sie sich mit Ginny geteilt hatte.

Die Bibliothek war muffig, voller launenhafter Bücher und feuchten Vorhängen, aber die Stühle waren nicht unbequem. Sie waren in einem verblassten Slytheringrün und die Polsterung war klumpig geworden, aber sie waren immer noch ein Stückchen besser, als am Kamin in der Küche zu stehen. Der Schulleiter setzte sich mit einem zufriedenen Blick in den Stuhl, der am nächsten zum leeren Kamin stand. Professor Snape setzte sich in den gegenüberstehen Stuhl, weshalb Hermine nichts anderes übrig blieb, als sich verlegen in die Mitte des Sofas zu hocken.

„Ich meine, wir sollten mit einer angemessenen Vorstellung beginnen", sagte Dumbledore und lächelte sie wohlwollend an. Sie sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an, bemerkte dass sie Professor Snape nachahmte, hörte damit auf und warf dem Professor einen nervösen Blick zu. Er schien zu beschäftigt damit zu sein, Dumbledore nicht völlig spöttisch grinsend anzusehen, um sie zu bemerken.

„Wie sie bereits wissen, Miss Barnes, ist Professor Snape unser Spion. Von daher ist es wahrscheinlich, dass er derjenige sein wird, um den sie sich am Meisten kümmern werden. Severus, das ist Samantha Barnes, unsere Heilerin."

Professor Snape musterte sie kritisch, sein Gesicht war ausdruckslos. Sie bekam den Eindruck, dass sie in seinen Augen nicht ausreichend war. Er hatte sie immer so angesehen, also bemühte sie sich nicht darauf zu reagieren. „Miss Barnes", sagte er nach einer zu langen Pause, um noch höflich zu sein, und nickte ihr sehr schwach zu.

„Professor", antwortete sie und drehte sich dem Schulleiter zu, behielt ihn aber mit einem achtsamen Blick aus ihrem Augenwinkel im Auge. Er sah genauso aus, wie sie ihn in Erinnerung gehabt hatte. Blass wie ein Fischbauch und eingehüllt in schwarze Wolle. Die Wahl des Gehrocks und den Hosen, zeigten die Muggelerziehung, genauso wie es ihr Hang dazu, Bluejeans unter ihren Roben zu tragen tat; das war ihr vorher nicht klar gewesen, aber es änderte auch kaum etwas. Aus der Sicht einer Heilerin konnte sie sehen, dass er übermüdet und gestresst war und ein paar herzhafte Mahlzeiten brauchte. Seine Hände zitterten kurz, aber sie war sich nicht sicher, ob es eine Nachwehe des Cruciatus-Fluches oder etwas anderes war. Sicher nicht die Nerven.

„Ich denke, dass ich sie beide sich besser kennenlernen lassen werde. Sie werden sehr eng zusammenarbeiten – ich nehme an, dass Sie unserem Severus, bevor der Sommer vorbei ist, beim Brauen helfen werden, meine Liebe. Es könnte eine gute Idee sein, wenn Sie ihm Zutritt zu Ihrer Wohnung verschaffen, denke ich."

Hermine nickte. Professor Snape mochte Black nicht und Black mochte ihn nicht; es würde beides, Unbehaglichkeit und Feindseligkeit, beseitigen, wenn sie die Zeit, die sie gemeinsam verbrachten eingrenzen könnte. Der Professor würde es besonders nicht begrüßen, wenn er verwundet in Blacks Küche warten müsste.

„Ich werde Sie beide nächsten Dienstag sehen."

Sie murmelten ihre Verabschiedungen und Hermine stellte fest, dass sie nervös war. Das war Severus Snape, der Meister der Zaubertränke, der Todesser, der Spion. Sie hatte nicht Angst, dass er sie verletzten würde. Sie war nervös, dass er bemerken würde, wer sie war, da er ein Spion war. Sie war sehr vorsichtig gewesen, damit das bis jetzt noch nicht passierte und besonders, wenn sie mit Leuten in Kontakt kam, die sie oft oder fast regelmäßig sah. Sie machte noch mehr Perlen in ihr Haar, belegte es mit noch mehr Zaubern und begann ihren Lidstrich dicker zu malen, damit es den Anschein erweckte, dass sie eine andere Augenform hatte.

„Also. Miss Barnes. Oder ist es Heilerin Barnes?"

„Einfach Sam", berichtigte sie. „Die meisten nennen mich Sam. Und nein, definitiv nicht ‚Heilerin'. Ich war nie als Heilerin angestellt."

„Was tun Sie dann als Heilerin für den Orden?", fuhr er sie an. Sie wollte ihm einen finsteren Blick zuwerfen oder mit den Augen rollen, aber sie änderte ihr Vorhaben. Sie warf ihm einen liebenswürdigen, geduldigen Blick zu und hoffte, dass es ihm auf die Nerven gehen würde.

„Mir wurden einige Anstellungen als Heilerin angeboten und nicht zuletzt vom St. Mungo."

„Waren Sie zu gut für sie?" Sie merkte, dass er Überheblichkeit anstrebte. Sie lächelte, weshalb er ihr einen bösen Blick zuwarf.

„Der ganze Zweck hinter meiner Ausbildung als Heilerin war es, dem Orden zu nutzen. Wenn ich einen Job als Heilerin im St. Mungos – oder übrigens irgendwo anders – annehmen würde, würde die Arbeitszeit schnell meine Nützlichkeit verhindern. Und da gibt es gewisse Vereinbarungen in dem Vertrag mit dem St. Mungo, die meine – unterstützenden Dienste – für die Widerstandskämpfer behindern würden. Also arbeite ich stattdessen in einer Apotheke; da habe ich nämlich vorhersehbare Arbeitszeiten. Somit habe ich viel Zeit, um im Hauptquartier für die Treffen zu sein und mich um jegliche Notlage zu kümmern, die eintritt und ähnliches."

Bislang war sie einmal gerufen worden, um Fred wieder in Ordnung zu bringen, nachdem er bei dem Versuch zersplintert war, aus der Küche mit einer Kuchenplatte zu apparieren, die er nicht haben sollte, aber das war es auch schon.


Sie war schwer zu lesen. Ja, da war ein Moment der Panik gewesen, als der Schulleiter gegangen war und sie sich selbst alleine mit ihm, dem Todesser in ihrer Mitte, fand, aber dann war sie einfach nur… ruhig. Beinahe angenehm.

Sie hat einen verdammt guten Umgang mit Kranken.

Sie redeten. Er fragte sie nach der Apotheke und dem Brauen und versuchte zu entscheiden, wie verärgert er über seinen Arbeitgeber dafür sein sollte, dass er ihm eine Assistentin gegeben hatte. Sie fragte ihn nach seiner medizinischen Vergangenheit und ob er irgendwelche Allergien hatte. Es war ein sehr seltsames Gespräch.

Ihre Wohnung befand sich im Muggelteil von Edinburgh und die Schutzzauber waren absurd. Wenn es nicht die magischen Feinheiten gegeben hätte, die auf den Schöpfer deuteten, hätte er gedacht, dass Dumbledore sie für sie angebracht hätte. Er änderte seine Meinung über sie, wenngleich das nicht viel aussagte. Sie war immer noch eine Unbekannte.

„Das ist dann für Sie", sagte sie und reichte ihm einen einfachen Schlüssel. Einer von diesen kleinen, modernen für Muggelschlösser. „Er wird sie durch die Schutzzauber und die Tür lassen."

Die Art wie sie frech lachte, als er ihn entgegennahm, ließ ihn glauben, dass sie mit ihm flirtete, aber die Zurückhaltung in ihren dunklen Augen wiesen auf etwas anderes hin.

Er sah sie am nächsten Tag in der Winkelgasse. Er war bei Gringotts gewesen, um sich abzuholen, was er für die nächsten Monate brauchte, bevor alles von Schülern wimmelte, die die Dinge kauften, die sie für den Schuljahresbeginn benötigten. Er hatte die Bank verlassen, lief gerade die Treppe hinunter und da war sie. Sie verließ Flourish und Blotts, stopfte ein Paar dicke Wälzer in die Umhängetasche, die sie immer bei sich hatte (und in die sie gar nicht hätten hineinpassen können, dennoch taten sie es, ohne das Leder auszubeulen) und machte sich auf den Weg zum Tropfenden Kessel.

Er sah zu, wie sie davonlief und wie sie in der Menschenmenge verschwand. Sie war angespannt, obwohl sie nicht wirklich so aussah. Sie strahlte eine Art von Abneigung gegen Aufmerksamkeit aus, die er für sich selbst vor Jahren vervollkommnet hatte. Sie sah schon ansprechbar aus, dennoch traute sich niemand.

Sie ist spitz und zackig mit einem ausgehärteten Zentrum, dachte er und verglich seine Beobachtungen mit denen, die er vorige Nacht gemacht hatte, als sie geredet hatten. Was auch immer sie durchgemacht hat, es hat sie hart gemacht. Welche zerbrechliche Stücke ihr von der Verhärtung auch immer geblieben waren, sie waren an den Kanten abgebrochen und hatten dieses scharfe, verhärtete Ding zurückgelassen. Sie war einmal weich gewesen. Das konnte man an ihrem wütend machenden Umgang mit Kranken erkennen.

Sie ist eine Waffe.

Nein, das kann sie nicht sein. Sie ist eine Heilerin.

Wo zur Hölle hat Dumbledore diese Hexe gefunden?


AN: Es tut mir Leid für diese umfangreiche Exposition … ihr musstet in die Geschichte hineinkommen. Aber jetzt können wir richtig einsteigen.

Macht's gut!

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