Wenn Hermine nicht in der Apotheke arbeitete oder in ihrer Wohnung darauf wartete, dass Professor Snape verletzt oder blutend ankam (auch wenn er das bisher noch nicht getan hatte), war sie in den Büroräumen, die sie in der Innenstadt besaß. Zu Beginn hatte sie die Bürofläche nur gemietet, um einen Grund zu haben, ihre Wohnung zu verlassen; jetzt gab es einfach nicht mehr genug Platz für all die Akten und Recherchen, die auf jeder Oberfläche ausgebreitet waren, außer im Büro.

Es war eine Dreizimmerwohnung. Die Tür öffnete sich in einen ziemlich kleinen Raum, der als Wartezimmer gedacht war. Direkt gegenüber war eine Tür, die zu der Hauptbürofläche, einem größeren Raum mit einem schmalen Fenster in der Mitte der hinteren Wand, führte. Vom Büro aus gelangte man in ein winzig kleines Bad.

Im Büro standen ein großer Schreibtisch, Bücherregale und ein paar Aktenschränke. Das Wartezimmer bestand aus einer niedrigen Couch, die an einer Wand stand (und auf der sie mehr Nächte verbracht hatte, als sie zugeben wollte), einem massiven Arbeitstisch, der an der Wand bei der Tür stand, Schreibtafeln, die an jeder Wand hingen, und einem niedrigen Tisch, der dazu neigte, dass sich Notizzettel auf ihm anhäuften.

Diese Räume waren ein Zufluchtsort. Sie waren anders als ihre Wohnung; sie wohnte hier nicht. Sie arbeitete hier. Das war ihre Arbeit, der Höhepunkt all dieser verdammten Recherchen und Narben. Das Erste, was sie getan hatte, nachdem sie eingesehen hatte, dass die Horkruxrecherche sinnlos war, war es eine Akte zusammenzustellen, die sie Professor Snape, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war, geben wollte. Sie enthielt Theorien zur Referenz für ihn, wenn Dumbledore verflucht werden würde. Das meiste davon basierte auf tatsächlichen Ergebnissen, die bis jetzt noch nicht eingetreten waren. Als sie fertig war, oder so fertig, wie sie es jemals sein würde (sie holte sie immer wieder heraus, um Fußnoten und Ergänzungen hinzuzufügen), stellte sie einen arithmantischen Algorithmus auf, der beurteilen konnte, wie Entscheidungen und Handlungen die Zukunft, von der sie wusste, wie sie sein würde, beeinflussen würden und wie ihre Zeitreisen die Dinge beeinflussen würden. Es war vom Standpunkt der theoretischen und akademischen Diskussion aus sehr faszinierend und sie hoffte inständig, dass sie eines Tages, wenn sie ihren eigenen Zeitstrahl wieder eingeholt hatte, in der Lage dazu sein würde, es zu veröffentlichen.

Die Tafeln waren mit Gleichungen bedeckt. Einige davon waren von dem Algorithmus und andere davon waren von anderen Zwickmühlen.

Hermine seufzte und schob Papiere auf ihrem Schreibtisch herum. Sie konnte sich nicht konzentrieren. Schlimmer noch, sie konnte nicht herausfinden, warum sie sich nicht konzentrieren konnte. Und das machte es noch schwerer sich zu konzentrieren.

Sie seufzte wieder, ging in den anderen Raum und wiegte ihr Trinkglas an ihrer Brust. Sie trank zu viel, dass wusste sie, aber es war das einzige Laster, was sie sich selbst erlaubte. Und sie hatte ihren Konsum zurückgeschraubt seit der Orden wieder ins Leben gerufen war.

Dumbledore hatte sie letzte Nacht ausgesandt, jemand anderen zu töten. Edward Barr aus der Abteilung für Magische Strafverfolgung. Als sie seine Gedanken durchsucht hatte, bevor sie ihn tötete, fand sie einen Plan, Fudge zu töten, obwohl es ein entsetzlicher Plan war. Sie hatte das Gefühl, dass Barr darauf angesetzt worden war damit, falls ein anderer Plan eines Todessers fehlschlug, er wieder in Spiel kommen könnte.

Dass sie andauernd auf Schleimer und nutzlose Nicht-Todesser angesetzt wurde war frustrierend. Sie konnte nicht sagen, ob Dumbledore versuchte sie zu beseitigen, bevor sie zu größeren Problemen wurden oder, ob er sie auf schlechte Informationen reagieren ließ, um Professor Snapes Loyalität zu beweisen. Es nagte so oder so an ihr.

Hermine zwang sich an etwas anderes zu denken, als an die ständige Schuld des Tötens und die nagende Reue, die in ihren Eingeweiden lebte, seitdem sie diesen ersten lädierten Riesen von einem Mann in den Muggelkämpfen zu Fall gebracht hatte. Sie schnippte mit ihren Zauberstab zur nächsten Tafel und rief ihre neusten Zahlen auf. Sie war mittendrin, jedes einzelne Detail, an was sie sich erinnern konnte, zu codieren und baute nacheinander alle Gleichungen in eine riesige Matrix ein. Sie hatte den Krieg auf einzelne Akteure heruntergebrochen. Die einzelnen Personen waren zusammen gruppiert und mit so vielen Loyalitätsverbindungen, die sie kannte, vernetzt. Und die Gruppen waren auf ähnliche Weise mit anderen Gruppen vernetzt. Es war ein Durcheinander und es bereitete ihr Kopfschmerzen.

\\

Es gab ein weiteres Treffen an diesem Nachmittag. Eine kleinere Versammlung, wenn man bedachte, dass es in der Mitte eines Arbeitstages stattfand. Mrs. Weasley war da, aber Mr. Weasley nicht. Mad-Eye, aber nicht Kingsley oder Tonks. Black, aber nicht Lupin. Dumbledore, aber ansonsten kein anderer aus Hogwarts.

Hermine setzte sich an den Tisch und bedankte sich bei Mrs. Weasley für den Tee, der vor ihr erschienen war. Sie nippte daran und hasste, was Dumbledore sie hatte tun lassen.

Was sie Professor Snape erzählt hatte war wahr: Sie musste Dumbledore nicht mögen. Sie musste nur tun, was er ihr sagte, und sie hatte an dem Tag, als sie ihm den Terminkalender gegeben hatte, beschlossen, dass sie tun würde, was er von ihr verlangte.

Sie schob ihre immer anwesenden Grübeleien beiseite und entfaltete das Pergamentstück, was Dumbledore ihr in dem Augenblick gegeben hatte, als sie die Küche betreten hatte. Sie hatte sich noch nicht entschieden, ob er sie als Bestrafung zu seiner Mörderin gemacht hatte oder ob es einfach Zufall war. Sie hatte im Grunde genommen gelernt mit der Schuld umzugehen. (Meistens.)

Walden MacNair, sagte das Pergament. Dumbledores geschwungene Schrift war ihr inzwischen bestens vertraut. Seine Adresse stand unter seinem Namen. Es war eine Wohnung, nicht weit von Godric's Hollow entfernt.

Sie steckte das Pergament in ihre Tasche, blickte auf und sah Professor Snape, der sich ihr direkt gegenüber setzte. Sein Blick glitt von dort nach oben, wo er ihre Hand und das Pergament beobachtet hatte, und er zog eine Augenbraue hoch. Sie zog eine Augenbraue als Antwort hoch, nippte an ihrem Tee (mit dem Wunsch, dass etwas Stärkeres untergemischt wäre), blickte von ihm weg und sah Dumbledore an.

„Ich bitte um Verzeihung!", sagte Professor Snape gereizt und Hermine bemerkte, dass sie ihre Aufmerksamkeit von dem Treffen hatte wegschweifen lassen. Sie blickte den Tisch hinauf und hinunter und war etwas überrascht zu sehen, dass Mad-Eye und Black etwas krank aussahen. „Schulleiter, einige von uns haben dringendere Aufgaben, als –"

„Das ist wichtig, mein Junge", sagte Dumbledore wohlwollend und gestikulierte mit seinen Händen. Er besaß eine Heiterkeit, die Hermine ausgesprochen unbehaglich war. Besonders in Anbetracht des Namens auf dem Pergament in ihrer Tasche. „Wir rekrutieren."

Wen." Es war keine Frage, sondern eine spöttische Bemerkung.

„Horace, natürlich."

Hermines Zuversicht schwand und sie holte ihren mentalen Count-down für den Zeitpunkt wieder hervor, an dem sie mit Dumbledore über Horkruxe reden musste. Wenn er Pläne schmiedete, Horace Slughorn zu rekrutieren, dachte er, dass der sich (noch) im Ruhestand befindliche Professor möglicherweise etwas wusste. In ihrem sechsten Schuljahr hatte er das gedacht; er hatte Harry sich bei dem vertrackten „Sammler" von Machern, wie ihr Vater sie genannt hatte, beliebt machen lassen.

Vielleicht hat er auf diese Weise die veränderte Erinnerung zurückgeholt, die Harry erwähnt hatte.

Natürlich hatte sie nicht aufgepasst und es brauchte ein bisschen kreativen Zuhörens (und vielleicht ein bisschen Legilimentik), um herauszufinden, dass Dumbledore es fertig gebracht hatte, eine offene Einladung für Slughorns jährliche Weihnachtsparty zu bekommen.

\\

Bei Einbruch der Dämmerung, wechselte sie ihre Kleidung. Keine Muggelkleidung und nicht ihre gewöhnlichen bequemen Roben. Sie zog Drachenhautstiefel, eine verzauberte Hose aus Leder, ihren Gürtel mit den vielen Beuteln für nützliche Dinge und ein schlichtes Baumwoll-Tanktop unter ihrer Drachenhautweste an. Um ihre Hände und Handgelenke wickelte sie Lederstreifen. Ihre Haare steckte sie rücksichtslos fest und band sie zusammen. Als der Nachteinbruch die Dämmerung ablöste, machte sie sich auf den Weg.

McNair war ein rangtiefer Lakai in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe. Er war derjenige gewesen, der gesandt worden war, um Seidenschnabel zu töten. Damals hatte sie nicht gewusst, dass er ein Todesser war, aber jetzt überraschte es sie nicht. Anscheinend war er auch ziemlich nah mit Dolores Umbridge befreundet.

Er hatte rudimentäre Schutzzauber um seine Wohnung gelegt. Die Art, die ihr sagte, dass er nicht davon ausging, dass ihn jemand bedrohen würde. Entweder dachte er, dass er zu gut war, um den Schutz durch die Zauber nötig zu haben oder, dass er zu wichtig war, um angegriffen zu werden. Er war die schlimmste Art von Verbrecher – die Art, die nicht einmal bemerkte, dass er nur ein Verbrecher war.

Seine Schutzzauber entstanden vor ihr. Es war eine Aura aus Zaubersprüchen und Runen. Er hatte sie nicht selbst eingerichtet, was nun zu seinem Nachteil war. Es war einfacher sie zu zerlegen, ihre eigenen Zaubersprüche einzusetzen und Teile seiner Schutzzauber neu zu schreiben. Als sie fertig war, erkannte die Wohnung sie so, als wenn sie dort leben würde; die Zauber würden ihn nicht alarmieren, dass sie anwesend war, denn ihre Anwesenheit war nicht ungewöhnlich.

McNair kam zwei Stunden später völlig blau an. Das saure Gefühl, dass in ihre Speiseröhre stieg, als sie dieses betrunkene Stolpern sah, konnte sie leicht herunterdrücken, obwohl sie wusste, dass es später zurückkehren würde. Sie okkludierte sich und beobachtete ihn.

Er war größer als sie, aber nicht so groß wie Snape – wann war er derjenige geworden, anhand dem sie Größe maß? – und auch nicht so breit wie Snape. Nach dem Tod der Potters war sein Leben einfach gewesen und er war weich um die Mitte herum geworden, so wie über-muskelbepackte Männer dazu neigten, wenn sie mittleren Alters waren oder aufhörten Gewichte zu stemmen.

Der Henker ging zu schnell zu Boden, um ihr ein gutes Gefühl zu geben, obwohl sie sich nie gut fühlte, egal wie viele Schläge sie brauchte. Ein Tritt in seine Kronjuwelen brachte sein Gesicht näher an ihr Level heran, wo es einfacher war, ihn zu schlagen. Sie brach seine Nase mit ihrer rechten Faust und stieß dann die Knöchel ihrer linken Faust gegen seine Schläfe. Er fiel um, stöhnte, drehte sich um, versuchte aufzustehen und übergab sich stattdessen.

Sie fesselte ihn und blickte ihm dann in seine Augen. „Legilimens."

Die Kellnerin aus einer Bar in der Nokturngasse. An einem langen Tisch in einem spärlich beleuchteten Raum sitzend und mit einem nervös aussehenden Terence Higgs redend, während sie auf etwas warteten. Die Brüste der Kellnerin aus der Bar in der Nokturngasse. Ein Büro im Ministerium, was von einer großen Axt eingenommen wurde, die McNair mit glatten, geübten Strichen auf einem Schleifstein schärfte.

Er wusste nichts Wertvolles. Er war ein Dieb in allen Perspektiven seines Lebens; nur sein Familienname hatte zu seiner Aufnahme als markanter Todesser geführt.

Sie benutze ihren Käsedraht, den sie immer noch seit Spanien bei sich trug (zu Beginn, um sich daran zu erinnern, dass sie frei und weg war, dass sie triumphiert hatte und lebte, und jetzt, weil es nützlich und vertraut war und sich in dem schmutzigen Grauen begründete, dem Dumbledore sie immer öfter aussetzte), stellte ihr Knie auf sein Kreuz und zog seinen Kopf mit dem Draht zu ihr zurück. Es glitt schnell durch sein Fleisch – einfacher als wenn man einen harten Cheddar durchschneiden wollte – und blieb dann an seiner Wirbelsäule hängen. Wenn sie Kraft aufwenden, richtig ziehen und ein wenig hin und her sägen würde, könnte sie den Draht durch den Knochen bekommen, aber das musste sie nicht tun. Stattdessen trat sie beiseite und drehte ihn um.

McNair wehrte sich schwach, seine Hände zuckten etwas. Er wusste, dass er starb, aber sein Körper wusste nicht, dass er tot war. Sie ignorierte den Schrecken in seinen Augen, die Überraschung und die Panik, als er merkte, dass er nicht mehr atmen konnte. Dafür kämpfte sie mit dem Draht und zog ihn aus dem Fleisch. Es war unschön.

Als der Draht frei war und wieder zusammengerollt an ihrem Gürtel hing, um später sauber gemacht zu werden, begab sie sich auf einen schnellen jedoch gründlichen Rundgang durch seine Wohnung. Es gab immer die Chance, dass er etwas besaß von dem er nicht wusste, dass er es hatte. Aber das hatte er nicht; diesmal hatte sie kein Glück.

Sie verbrannte die Wohnung und zerstörte sie mit Dämonsfeuer. Es war eine heikle Sache nur die Wohnung zu entfernen und den Rest des Gebäudes vom Bau her ganz zu lassen, aber sie hatte reichlich Übung gehabt.


Severus wusste nicht, was er zu ihr sagen sollte, als er sie das nächste Mal sah. Glücklicherweise, war er zu spät (wie gewöhnlich) und musste sich nichts für die Zeit vor dem Treffen ausdenken. Er setzte sich ihr gegenüber, sah wie sie ein Stück Pergament wütend anstarrte, fragte sich, worum es gerade ging – und dann diese bescheuerte Weihnachtsparty. Als ob sie alle von alters her Mitglieder des Slug-Klubs waren.

Verdammt noch mal zur Hölle mit allem.

Er hatte viel Zeit zwischen ihrer letzten Konversation und dem Treffen damit verbracht, über ihre Geschichte nachzudenken – vergeblich hatte er sie auseinander genommen und sich letztendlich auf den vorrangigen Fakt konzentriert, dass die Dinge im nächsten Jahr für Dumbledore wirklich immer schlimmer werden würden, weshalb er Hermine Granger (Gryffindors Goldmädchen, die schlauste Hexe ihres Alters, jemand, der so nah und wichtig für Harry verdammter Potter war) dieser Hölle aussetzte. Und dann diese bescheuerte Weihnachtsparty.

Seit seinem siebten Jahr in Hogwarts war er Mitglied im Slug-Klub gewesen. Lucius war, natürlich, seit seinem vierten Jahr Mitglied des Klubs gewesen. Lily war in ihrem fünften Jahr beigetreten. Severus hatte es zu der Zeit, als er eingeladen wurde, übelgenommen, aber die Tatsache, dass James Potter keine Einladung erhalten hatte, hatte seinen Stolz beruhigt. (Natürlich hatte ihn Lily sooft sie konnte als ihr Date mitgebracht, also war es nicht ganz so schön gewesen, wie er es sich vorgestellt hatte.)

Sein Hauslehrer war schrecklich gewesen, wenn es um Sonderbehandlungen ging und das Schlimmste war, dass er sich seine Lieblinge aus jedem Haus aussuchte. Der dürre, hässliche Junge mit einem Muggelnachnamen verdiente überhaupt nicht viel Beachtung, selbst wenn es seine Pflicht als Hauslehrer war, sich um ihn zu kümmern. Nein, das war Poppy Pomfrey jahrelang zugefallen. Da er zu oft in Schwierigkeit gewesen war, erkannte Slughorn nicht, dass er auch klug war. Seine Ambitionen waren nie ganz auf die Art ausgerichtet, die Slughorn in diesen „Eingesammelten" suchte.

Sich immer noch wegen der kommenden Party bemitleidend – jede Gelegenheit, bei der er Horace Slughorn sehen konnte, war ein Grund für Grauen – meckerte er sich seinen Weg durch die Lehrerkonferenz der Woche.

\\

Es war ein später Dienstagabend. Minerva hatte das Schloss vor dem Abendessen verlassen und behauptet, sich mit einem guten alten Freund zum Abendessen zu treffen und er war kurz nach dem Abendessen gegangen ohne kaum eine Erklärung abzugeben. Die Kröte würde nicht vermuten, dass sie ein gemeinsames Ziel hatten.

Während er Ausschau nach Minerva hielt, traf er Granger in der Bibliothek. Er hätte nicht überrascht sein sollen – wann war Hermine Granger nicht in einer Bibliothek, wenn sich ihr die Gelegenheit bot? – aber das war er. Sie war vollständig in Roben gekleidet und schien sich darin wohlzufühlen, was irgendwie sonderbar war. Sie trug ein locker wehendes dunkeloranges Kleid unter einer Überrobe in sattem Braun, die um die Taille von einem weiten perlenbesetzten blauen Band zusammengehalten wurde. Ihre Haare waren wie gewöhnlich ein Tumult aus chaotischen Locken, hinter ihrem linken Ohr ein wenig geflochten und mit einem silbernen Halbmond behangen, außerdem hatte sie bunte Perlen an ihrem Hinterkopf und eine glänzende schwarze Feder, die hinten in ihrem Kragen steckte. Die Farben standen ihr, genauso wie der Schnitt der Roben. Sie sah sehr stark wie sie selbst aus und sehr, sehr anders.

„Sie starren, Professor", sagte sie und holte ihn damit aus seiner Beobachtung. Sie sah nicht zu ihm nach oben und bewegte sich nicht. Sie saß in dem abgenutzten Ohrensessel, dessen Polster einmal slytheringrün gewesen waren, wie eine Königin mit überschlagenen Beinen. Sie sah wie der personifizierte Herbst aus.

„Rodrigez ist es kaum wert zu lesen", informierte er sie anstatt auf ihre Anschuldigung zu antworten.

„Ja", stimmte sie zu, was ihn überraschte. In seiner Erfahrung hielt Miss Granger jedes gedruckte Wort für Gesetz. „Aber es ist schwer seine Unzulänglichkeit genau zu widerlegen, ohne erst einmal eine Inventur daran vorzunehmen."

Immer noch sah sie nicht von ihrem Buch auf, was gut war, denn sonst hätte sie ihn beim Lächeln ertappt.

„Sie verschwenden Ihre Zeit."

„Glücklicherweise ist Zeit die einzige Sache, die ich im Überfluss habe."

Er gestand ihr den Punkt zu, indem er nichts weiter sagte. Er lief zu dem nächsten Regal und wählte ein Buch zufällig aus. Dann setzte er sich in den Ohrensessel, der gegenüber von ihrem stand, und machte es sich so bequem, wie es auf diesem ausgebeulten Ding möglich war.

Sie verbrachten die Stunde vor dem Treffen in angenehmen Schweigen. Zwei Mal hatte Granger geschnaubt und Zeilen aus ihrem Buch vorgelesen – eine von den Standards der fortgeschrittenen Arithmantiktheorie – damit sie sich gemeinsam über den Autor lustig machen konnten.

Sie waren von dem Trottel so abgelenkt – Rodrigez hatte nicht einmal darüber nachgedacht, seine Theorien anzuwenden, bevor er sie veröffentlichte – dass sie beinahe zu spät zur Versammlung in der Küche erschienen. Letztendlich standen sie neben dem Kamin. Sie standen nicht zusammen, aber sie waren ganz offenkundig abseits von dem Rest des Ordens.

\\

Severus erschien zu spät zu dem nächsten Treffen, welches nur drei Tage später stattfand. Er war vor dem Abendessen gerufen worden und er hatte die Schule verlassen, ohne jemandem Bescheid zu sagen (weil es ihm wirklich scheißegal war, wenn es soweit war). Der Dunkle Lord wollte Informationen über die Halle der Prophezeiungen und über alles, was der Orden tat, um diese zu bewachen. Lucius hatte ihm bereits die Details der Maßnahmen des Ministeriums gegeben.

Severus hatte nichts gewusst. Von daher, zitterten seine Hände nur leicht wegen des Cruciatus-Fluchs. Der Dunkle Lord hatte ihn nur für ein paar Sekunden damit belegt – er hatte mitgezählt. Nur lange genug, um ihn umzuwerfen, um ihn daran zu erinnern, wer der Meister war, und ihm ein leichtes Zittern zu geben, was er seinem anderen Meister zeigen konnte.

Er betrat die Küche im Grimmauld Platz und verstärkte seine Okklumentikschilde, als jeder am Tisch verstummte. Es war ein kleineres Treffen als gewöhnlich – der Schulleiter, Minerva, Black, Lupin, Moody, Shacklebolt und Granger. Sie saßen am nahen Ende des Tischs und ein Teetablett stand genau in der Mitte.

„Severus", sagte Dumbledore, hob seine Hand zu einem halben Winken zur Begrüßung und wies auf den Platz neben Lupin, gegenüber von Granger. Die Perlen und Federn waren heute zugunsten eines lockeren Pferdeschwanzes verschwunden. Kleine Locken entflohen der Frisur, um an ihren Ohren herumzubaumeln. Sie trug dieses Mal eine schlichtere schiefergraue Robe aus flacher Baumwolle über einem weißen Muggelhemd und einem dunkellilanen Pullover; er konnte den Rest von ihr nicht sehen, aber er vermutete, dass sie Bluejeans trug. Sie betrachtete ihn mit den Augen einer Heilerin und streifte seine Schilde mit ihren Gedanken. Er versuchte, sie zu ignorieren. „Setz dich zu uns."

Severus setzte sich und entschuldigte sich absichtlich nicht für sein Zuspätkommen.

„Ist alles in Ordnung?", fragte Lupin diskret. Granger zog eine lange Phiole aus ihrer Westentasche, in die sie hätte nicht hineinpassen dürfen, und machte einen Spritzer des boshaften grünen Inhalts in eine Teetasse, die sie ihm gab. Er warf ihr einen finsteren Blick zu, trank aber einen Schluck; das Entspannungsmittel für die Muskeln würde gegen das Zittern helfen, obwohl das Einzige, was es wirklich stoppen würde, Schlaf war. Der Cruciatus-Fluch legte sich mit dem Nervensystem an und eine der Nebenwirkungen waren das Zucken und die fehlzündenden Nerven; das Entspannungsmittel verringerte lediglich die Zuckungen und Spasmen und machte sie weniger auffällig.

„Es hat sich nichts verändert", sagte Severus zum Schulleiter, anstatt Lupin zu antworten. Der Werwolf war immer der ertragbarste der Rumtreiber gewesen. Er hatte etwas Sympathie für den geborenen Außenseiter, aber nicht viel, wenn es darauf ankam. Der Mann hatte seine Freunde gewählt, und seine Freunde waren Arschlöcher. Außerdem war da noch das Problem, als er versucht hatte, Severus zu töten, während sie zusammen nach Hogwarts gingen. Es war egal, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht bei vollem Verstand gewesen war. Sie würden niemals Freunde sein.

„Weißt du von irgendwelchen Änderungen seitens des Ministeriums, in denen die Mysteriumsabteilung beteiligt ist, Severus?", fragte Dumbledore. Seine Augen zwinkerten nicht; er sah nicht wie ein wohlwollender Großvater aus. Das war seine Kommandozentrale und sie waren sein Gremium.

„Das tue ich nicht."

Granger machte sich eine Notiz und er lächelte beinahe als er sah, dass sie einen Muggelkugelschreiber auf Pergament benutzte. Obwohl sie kein Protokoll für das Meeting führte; niemand machte das (es war zu riskant, falls die Protokolle jemals das Hauptquartier verlassen würden). Das Pergament war voller Runen und Gleichungen; sie ließ die Wahrscheinlichkeiten gegeneinander antreten, wenn er sich nicht irrte.

Sie redeten eine Weile aneinander vorbei. Das Ministerium leugnete immer noch die Rückkehr des Dunklen Lords und würde deshalb nicht den Schutz der äußerst wichtigen Prophezeiung verstärken. Der Dunkle Lord wollte dringend die fehlenden Stücke kennen, um alles, was er konnte, über seinen Widersacher zu wissen (als wenn ein Teenager wirklich so komplex sein könnte) und der Orden tat sein Äußerstes, um die Informationen von ihm fern zu halten. Es gab Wachpläne außerhalb der Mysteriumsabteilung, die Meisten des Ordens wechselten sich ab und jeder hielt seine Ohren für Neuigkeiten über den jüngsten Plan des Dunklen Lords, an Informationen zu kommen, offen.

So war es seit der Rückkehr des Dunklen Lords gewesen. Der Dunkle Lord baute seine Truppen wieder auf und schickte seine Abgesandten nach nah und fern. Unterdessen hielten sich seine Todesser zuhause bedeckt und schnüffelten nahe der Mysteriumsabteilung mit unterschiedlichem Erfolg herum. Von Zeit zu Zeit würde es einen Angriff und sogar noch seltener würde es Feiern geben.

Severus erwägte die Nutzlosigkeit dieser Treffen, als der Sturm, der gedroht hatte, als er angekommen war, schließlich losbrach. Donner erfüllte die Luft, die Fenster klirrten und dann prasselte der Regen stark gegen das Fenster.

„Das ist dann alles für heute Nacht, denke ich", sagte Dumbledore und rief sich selbst zurück nach einem Moment, in dem er den Regen, der gegen das Fenster schlug, angestarrt hatte. „Samantha, würden Sie so nett sein und Severus dabei helfen, die Liste im Keller zu beenden?"

„Natürlich, Schulleiter."

Und dann waren sie beide alleine im Kellerlabor. Es war zu hell für einen Kellerraum, wenn es nach ihm ging. Die weißgetünchten Wände schienen das Licht hin und her zu werfen und weigerten sich Schatten in der Form, die sie haben sollten, zuzulassen.

„Sind Sie verletzt?", fragte sie in dem Moment, als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. Er hob eine Augenbraue, kehrte ihr den Rücken zu und blickte auf die Liste – es waren nur mehr von den gewöhnlichen Zaubertränken für den Orden – und wählte einen kleinen silbernen Kessel aus dem Regal aus.

Sie brauten schweigend. Es war ein angenehmes Schweigen, wie als sie zusammen in der Bibliothek gelesen hatten.

Als er einen Käferpanzer in dem Steinmörser zerstieß, dachte er über die Hexe nach, die er aus seinem Augenwinkel heraus betrachtete. Sie trug tatsächlich Muggel-Bluejeans, wie er es erwartet hatte, und die Drachenhautstiefel, die er schon einmal gesehen hatte. Sie war geschickt im Brauen, ihre Bewegungen waren geübt und gemächlich. Als seine Schülerin war sie nervös – gewesen? - hatte immer im Rezept nachgelesen und immer die Menge jeder Zutat doppelt überprüft. In diesem Kellerlabor war sie selbstbewusst und ihre Zaubertränke wurden immer gut. Sie würde nie eine Zaubertrankmeisterin werden; sie war keineswegs ein Naturtalent am Kessel. Dennoch war sie eine Fachfrau, wenn es um das Befolgen von Anweisungen ging.

Er war vor ihr mit seinem Zaubertrank fertig. Es waren Stunden vergangen und im Haus über ihnen war es ruhig. Lange Zeit war das einzige Geräusch das Blubbern ihrer Kessel und das weiche Fließen des Suds gewesen, wenn einer von ihnen einen Zaubertrank umrührte. Er wusste nicht, wie lange es her war, seit er sich so entspannt in Anwesenheit einer anderen Person gefühlt hatte.

Zu guter Letzt drehte er sich um, um sie anzusehen. Irgendwann hatte sie ihre Robe abgelegt. Er hatte dasselbe getan; mit so vielen Kesseln, die in Betrieb waren, war es sehr heiß im Keller. Für die letzten Phasen ihres Zaubertranks trug sie ihre Handschuhe, damit die giftigen Säfte, mit denen sie hantierte, nicht mit ihrer Haut in Berührung kamen.

Ohne darüber nachzudenken stellte er sich hinter sie und richtete ihre Haare. Sie hatte sie voller Haarklammern gesteckt, als sie mit dem Brauen angefangen hatten, um die losen Strähnen aus ihrem Gesicht zu halten. Allerdings drohten sie an einer Seite zu verrutschen, die Strähne würde höchstwahrscheinlich über dem Kessel hängen und Haarsträhnen verlieren, die alles ruinieren würden.

„Danke", sagte sie und drehte ihren Kopf ein bisschen, so dass er die Klammer einfacher an ihrem alten Platz befestigen konnte. Als er damit fertig war trat er zurück und fragte sich, was zur Hölle er gerade gedacht hatte. Ja, das war eine kluge Maßnahme gewesen, aber warum hatte er einfach mit seinen Händen ihr Haar berührt? Warum hatte er nicht einfach einen Zauberspruch verwendet?

Ihr Haar war weich. Einige Strähnen waren etwas trocken, aber dennoch weich.

„Das sind teure Zutaten", sagte er, um eine Ausrede für seinen … was? Ausrutscher zu finden? Ja, es war ein Ausrutscher gewesen. „Wir sollten einen vollkommen zufriedenstellenden Trank nicht ruinieren, indem wir in dieser Phase Haare hereinfallen lassen."

„Wissen Sie", sagte sie einen Moment später und drehte sich zu ihm herum, um ihn richtig anzusehen, nachdem sie die Flamme unter ihrem Kessel – einem Standartzinnkessel in Normgröße 4 – gelöscht hatte, damit die Mixtur abkühlen konnte. „Ich denke, dass das wahrscheinlich das erste Mal ist, dass ich Sie einen meiner Zaubertränke loben gehört habe."

Er hob wieder seine Augenbraue, als er sie ansah. „Ich trinke die Zaubertränke, die Sie brauen, Granger." Hatte sie überhaupt eine Ahnung, was das bedeutete? Er war ein Zaubertränkemeister; seit er zwanzig Jahre alt war, hatte er keinen Trank mehr von einem anderen außer ihm selbst (und, einmal, von Dumbledore) getrunken.

„Es ist trotzdem schön, das zu hören." Sie sah verlegen aus und er bemerkte, dass die Haarklammer, die er neu festgeklemmt hatte, an dem falschen Platz geendet war und die Locken auf der linken Seite näher an ihrem Kopf anliegen ließ, als auf der rechten Seite. An ihr war es ein überraschend bezaubernder Anblick.

„Sie waren – und sind, gewissermaßen – die Beste in ihrem Jahr. Bei weitem", verriet er ihr, verschränkte seine Arme vor der Brust und sah zu ihr herunter. Es war ein kleiner Raum und die Anordnung der Regale und Tische führte dazu, dass sie ziemlich nah beieinander standen. Sie reichte knapp bis zu seinem Kinn. Damit war sie gerade noch durchschnittlich groß für eine Frau. „Ich könnte das wohl kaum mit Draco Malfoy im Raum sagen, nicht wahr?"

„Ich habe nicht gesagt, dass ich nicht verstehe, warum Sie nie etwas gesagt haben", sagte sie, ahmte seine Körperhaltung nach und starrte ihn direkt zurück an. Er bemerkte, dass sie die obersten Knöpfe ihres Hemdes, wegen der Hitze des Raums, so weit geöffnet hatte, wie es der runde Ausschnitt des lilanen Pullovers erlaubte. Und, dass sich, indem sie ihre Arme unter ihrer Brust verschränkte, das Hemd genug aufschob, um ein verlockendes Stück Dekolleté zu offenbaren. „Ich habe nur gesagt, dass es eine neuartige Erfahrung ist, das zu hören."

Severus seufzte, rieb mit einer Hand über seine Augen und zwang sich dazu, aufzuhören auf ihr Hemd herunter zu starren.

„Ich–"

„Die Meisten der Rezepte hier wurden abgeändert, nicht wahr?"

„Was?" Anschließend, bevor sie die Frage wiederholen konnte: „Ja."

„Das dachte ich mir. Ich schwöre, dass ich Stunden damit verbracht habe, diese Karten mit den Anleitungen aus meinen alten Lehrbüchern zu vergleichen. Sie sind ein Genie, wissen Sie das? Hier, erzählen Sie mir davon." Erwartungsvoll blätterte sie durch das Inhaltsverzeichnis und zog sein Rezept des Beruhigungstranks heraus. „Haben Sie die Erikson-Willis Fassung verwendet? Warum verwenden Sie die Kamille im Stück anstatt gehackt? Und wie zu Hölle sind Sie auf die Idee gekommen, kühle Keramikwaren zu verwenden?"

„Ausdrucksweise, Granger", sagte er und war sich nicht sicher, welche Frage er zuerst beantworten wollte. Die einfache Tatsache, dass sie die Erkison-Willis Fassung kannte und danach fragte, war Grund genug, die Fragen zu beantworten; sie wäre in der Lage die Antworten zu verstehen.

Sie grinste ihn an, stieß seinen Ellenbogen mit ihrem an und wartete auf seine Antworten.

\\

Granger hatte ihren Zeitumkehrer mit ihm geteilt. Ihre Konversation hatte sie vom Kellerlabor in die Familienbibliothek der Blacks getragen und war erst zu einem Ende gekommen, als das erste Licht der Dämmerung durch ein Fenster strömte.

„Dann lassen Sie uns mal schummeln", sagte sie und zog den Zeitumkehrer an seiner langen Kette von irgendwo aus den Tiefen ihres Hemdes hervor. „Wir werden trotz unserer Aufträge einen erholsamen Schlaf haben."

Und die Bibliothek war verschwommen und er hatte gefühlt, wie die Welt beängstigend auf ihrer Achse im Weltall für ein paar Atemzüge gekippt war. Dann war sie wieder ruhig und still. Granger entfernte die Kette von seinem Hals. Als sie das tat, streiften ihre zarten Finger seinen Nacken. Ihre Hand war warm. Dann war der Zeitumkehrer weg und sie grinste ihn frech an. Einen Moment lang war sie das Abbild von ihrem jüngeren Ich. Leuchtende Augen, von den vielen Stunden über dem Kessel war ihr Haar zu einem Nest geworden, sie war klein und lächelte.

Sie hörten zu, als sich das Treffen oben auflöste. Jemand, vermutlich Black, stapfte die Treppen nach oben. Die Vordertür öffnete und schloss sich mehrere Male. Dann war es ruhig.

„Ich werde Sie dann nächstes Mal sehen", sagte Granger. Das jugendliche Aussehen war verschwunden und von den zusammengesackten Schultern eines Erwachsenen ersetzt worden, der es hätte besser wissen sollen, als die ganze Nacht durchzumachen, aber da war immer noch etwas Kraft in ihren Augen, was ihm unbehaglich war. Ihre Diskussion hatte ihn auch… gestärkt.

„Gute Nacht, Miss Granger."

„Oh, bitte", sagte sie und sah belustigt und genervt zugleich aus. „Sie hören sich an, als wären Sie kurz davor, mich nachsitzen zu lassen."

Er hob eine Augenbraue und war sich nicht sicher, wie er sonst antworten sollte.

„Nennen Sie mich Hermine, oder Granger, oder Barnes, oder Sam. Allerdings am Besten nicht Barnes oder Sam."

Völlig auf dem falschen Fuß erwischt, ohne wirklich zu wissen warum, drehte er sich auf dem Absatz, verließ die Bibliothek, stieg leise die Treppen zum Hauptgeschoss herunter und marschierte aus der Tür. Er disapparierte zu den Toren von Hogwarts, von wo er einen langsamen Spaziergang über die Gründe machte.

Es war merkwürdig an Hagrids Hütte vorbeizulaufen, ohne dass Rauch aus dem Kamin aufstieg, ohne den freundlichen Halbriesen, der seine Hand zur Begrüßung hob.

Guter Gott, ich kann das nicht machen, dachte er und nahm seine Schultern zurück, als er in Sichtweite des Schlosses kam. Es hatte einen Sinn, dass er lief, obwohl alles, was er tun wollte, es war zu schlendern und seine Schultern hängen zu lassen.

Er fand Dumbledore in der Eingangshalle an. Er lachte über einen Abschiedswitz des fetten Mönchs, während der Geist von Hufflepuff fröhlich durch die Wand glitt. Das Gemälde, durch das er geschwebt war, verzog das Gesicht, obwohl es sicherlich die Kälte nicht spüren konnte.

„Severus! Du bist früher zurück, als ich erwartet hatte."

„Nun ja. Zu zweit schafft man mehr, weißt du. Wir haben die Zeit sinnvoll genutzt."

Dumbledore schmunzelte wissend.

„Ich frage mich, ob ich einen Moment mit dir sprechen könnte, Schulleiter."

„Natürlich. Begleite mich."

Sie gingen, ohne zu reden. Severus verlangsamte seine Schritte, um sich dem Tempo des Schulleiters anzupassen, und betrachtete die Gemälde, während sie liefen. Die Gemälde blickten ruhig und manchmal mürrisch zurück. Die Gesichter waren ihm alle bekannt, obwohl er die Namen von den meisten nicht kannte.

Schließlich erreichten sie das Büro des Schulleiters. Anstatt sich an seinen Schreibtisch zu setzten, lief Dumbledore weiter durch den Bogen hinter dem Schreibtisch und setzte sich auf das Sofa, welches in einer kleinen Wohnstube mit Sternwarte stand. Dort standen ein Sofa und ein paar Stühle, mehrere hohe und schmale Bücherregale und die äußere Wand bestand komplett aus Fenstern mit einem großartigen Blick auf die Gründe.

„Worüber willst du sprechen?", fragte Dumbledore und nur das fehlende Zwinkern legte nahe, dass er wusste, dass sich das Gespräch nicht um seine neusten Bestellformulare aus der Apotheke drehen würde, die Zutaten für den Zaubertränkelehrplan betrafen.

„Hermine Granger."

Das kannst du ihr verdammt noch mal nicht antun. Sie ist die schlauste Hexe ihres Alters und du hast sie zurück und zurück und zurück geschickt und hast sie in etwas komplett anderes verwandelt.

„Ah. Ich verstehe."

Severus hob eine Augenbraue. „Tust du das?"

„Du bist um sie besorgt."

Die zweite Augenbraue schloss sich der ersten an. Und was glaubst du, wo meine Bedenken liegen, alter Mann?

„Sie… ist dafür nicht geeignet, Schulleiter", sagte Severus.

„Wie kommst du darauf? Ich denke, dass sie die Aufgaben bewundernswert ausgeführt hat. Sie ist eine kompetente Brauerin. Und sie ist eine mehr als kompetente Heilerin, worauf es ankommt."

Ich habe sie erst drei Mal gesehen und betrachte sie jetzt schon als eine Freundin. Sie ist eine Schülerin.

„Es wäre weniger verdächtig, wenn ich zu Poppy gehen würde, wie vorher. Ich bin ein Lehrer und sie ist die Schulheilerin; das ist es, was angemessen ist."

Der Schulleiter sah ihn berechnend an, und Severus versuchte behutsam neutral zu bleiben.

„Poppy Pomfrey ist eine wunderbare Heilerin, aber sie ist kein Mitglied im Orden."

„Genauso wenig, wie Hermine Granger."

„Samantha Barnes ist es jedoch."

„Samantha Barnes existiert nicht."

„Warum die plötzliche Besorgnis? Ich bin im Klaren darüber, dass du mit Poppy vertraut bist, aber sicherlich kannst du erkennen, warum Miss Granger die bessere Wahl ist?"

Mehr vertraut mit Poppy, spottete Severus in seinen Gedanken und hielt sich gerade noch davon ab, mit den Augen zu rollen. Vielleicht ein wenig näherstehend, dennoch habe ich gerade sechs Stunden lang mit Granger geredet ohne, dass eine einzige Stunde vergangen ist.

„Es kam mir heute Nacht während wir brauten in den Sinn", sagte er nur halb ausweichend. „Du hast Recht, sie ist eine kompetente Brauerin. Und sie ist eine Fachfrau auf dem Gebiet der Arithmantik. Ich denke sie sollte lieber auf diesen Gebieten für den Orden eingesetzt werden, besonders wenn man bedenkt, dass Poppy in der Nähe ist."

„Es ist für dich nicht sicher, wenn du übel zugerichtet und blutend zur Schule zurückkehrst, wie du es oft tatest, bevor Miss Granger zur Verfügung stand."

Es ist für mich nicht gesund, so oft übel zugerichtet zu sein und zu bluten, wie ich es bin, dachte Severus gereizt. Aber er wusste, dass die Auseinandersetzung, falls man das so nennen konnte, vorbei war.

„Ich wünschte, das wäre vorbei, Schulleiter", sagte er, anstatt auf seinen Standpunkt zu bestehen. Er rieb eine müde Hand über seine müden Augen, und war sich völlig bewusst, dass er seit dreißig Stunden wach war.

„Ich weiß, mein Junge", sagte Dumbledore sanfter, als er irgendwas in den letzten paar Jahren gesagt hatte. Es tat beinahe weh, weil Severus wollte, dass es tröstlich war. Wenngleich es eine Manipulation war. „Nicht mehr so lange, denke ich. Ein Jahr, mindestens. Vielleicht ein paar Monate mehr."

Neuerdings hoffe ich einfach, dass ich die Nacht überleben werde.

Er nickte, verließ das Büro und versuchte nicht an die zweite Hälfte des Gedankens zu denken: Aber die meisten Nächte enden mit Hermine, deshalb sind sie mehr erträglich als die meisten des letzten Jahrzehnts.


AN der Autorin: Nur um ein paar Dinge über Dumbledore aufzuklären, die in den Reviews aufgetaucht sind – Dumbledore hat es darauf angelegt, dass Snape erkennt, dass „Sam Barnes" Hermine ist, weil er dachte, Snape hasste sie, da sie eine Schülerin/Gryffindor/Harry-Unterstützerin war. Er hat (oder hat versucht) einen Keil zwischen Snape und Poppy zu treiben, weil er gesehen hat, dass ihre Beziehung enger wurde und Snape musste sich entfremdet fühlen: Ein Snape, der alleine war, war bösartiger und ein effektiverer Spion, als ein Snape, der jemanden hatte, mit dem er über seine Leiden reden konnte und sich somit mit seinem Hass und Ärger abfinden konnte, den er ständig als Todesser heraufbeschwören und hegen und übertreiben musste. Deswegen warf er Hermine an ihn heran, in der Annahme, dass sie ihn aufregen wird, was sie tut, aber sie hat sich so sehr von der Schülerin, die Snape gehasst hat, verändert, dass er sie letztendlich tatsächlich mag. (Dumbledore hat diese veränderte Hermine natürlich nicht gesehen; er hat ein sehr solides Bild von ihr in seinen Gedanken, vom dem, was er über sie erfahren hatte, während er ihr Okklumentik beigebracht hatte. Und sie hatte ihm die traumatisierendsten Erlebnisse vom Zurückreisen vorenthalten, weil sie es ihm übelnahm, dass sie passiert waren.)

Das wird alles nicht in der Geschichte erklärt werden, weil es sich alles aus unseren Charakteren ergibt, die nicht bemerken, was sie sich gegenseitig vorenthalten und sie können Dumbledores Blickwinkel nicht gut genug sehen, um seine Motive mehr als zu erraten. (Verdammt, davon gibt es ein bisschen was im nächsten Kapitel, in dem Hermine ganz und gar vollkommen daneben liegt, was Dumbledores Motive betrifft. Aber, da es in den Reviews aufgekommen ist, dachte ich, dass ich es erkläre. Ich habe viel zu lange darüber nachgedacht, als ich das alles ausgearbeitet habe, um es nicht schließlich doch einzubringen.

Ich möchte mich auch sehr bei euch für die Reviews bedanken! Sie retten mir gewissermaßen den Tag, wenn ich Leute sehe, die auf eine Geschichte antworten, die dauernd in meinem Kopf gewesen ist. Ich muss jedes mal lächeln, wenn ich meine E-Mails öffne und sie dann auf mich warten sehe.

Macht's gut!

M