Manchmal dachte er, dass sie Freunde sein könnten. Er hatte keine Freunde, deswegen wusste er es nicht wirklich.

Nun ja. Er hatte mal Freunde gehabt. Lily war seine Freundin gewesen, als er ein Junge gewesen war und Lucius war sein Freund in der Schule gewesen. Und Narzissa, die jüngste der Black-Schwestern, bis zu einem bestimmten Punkt. (Damals war es ein guter Grundsatz gewesen, die Black-Schwestern zu meiden – Andromeda, die Älteste, geriet ständig mit ihren Schwestern und ihren Eltern aneinander und Bellatrix war schon immer verrückt gewesen. Nach seinem Maßstab während seiner Schulzeit, war das praktisch daten gewesen.) Regulus Black war ein paar Jahre jünger und beinahe auch ein Freund gewesen.

Hermine Granger, allerdings. Nun, das war ein abwegiger Gedanke.

Er hatte sie nach ihrem Alter gefragt, weil er ein neugieriger Idiot war und, wie die meisten seiner Fragen, hatte sie sie einfach und ehrlich und ohne sich angegriffen zu fühlen beantwortet, wo sie doch jedes Recht dazu hatte, sich so zu fühlen. Und sie war alt genug, dass sie, wenn sie ihr Leben wie eine normale Person gelebt hätte, mit ihm als Schülerin Hogwarts besucht hätte.

Obwohl er sie die Woche über als Schülerin sah, ein kraushaariges Ding, das zu viele Bücher herumtrug, brachte sie das direkt in die Freiwild-Kategorie. Wenn er sie während seiner Schulzeit gekannt hätte, hätte er sie nach einem Date gefragt, zum Teufel mit dem Blutstatus. Er hatte dieses bestimmte Vorurteil (und dann auch nur, um nicht aufzufallen) erst ein Jahr, nachdem er Hogwarts verlassen hatte, angenommen.

Sie war wie Lily, nur besser. Zum einem war sie am Leben. Und sie hatte, wie er, Schatten in sich. Lily hatte auch Schatten gehabt, aber sie hatte sie geleugnet. Vehement. Hermine akzeptierte sie. Sie hatte sie nicht gern, sie holte sie nicht stolz hervor und gab mit ihnen an (ihre Reaktion auf Moodys Spott war dafür ein Beispiel), aber sie versteckte sie nicht.

Es war dieser Gedankengang, der ihn eines stürmischen Tages zu ihrer Türschwelle führte. Er musste nicht bis spät am Sonntag in der Schule zurück sein (für einen Termin mit Blaise Zabini, wahrscheinlich um zusätzliche Aufgaben für Verwandlung über die Weihnachtsferien zu besprechen). Er hatte sich entschlossen, zu versuchen, ihr Freund zu sein. Wenn sie ihn ließ. Wenn er um seine eigne Unfähigkeit und seinen Hang dazu, Leute zu vergraulen, herumkam.

Gott, das war eine dumme Idee.

„Snape, hallo! Warum hast du geklopft?"

„Es erschien mir unhöflich, mich selbst hereinzulassen, wenn ich… nicht verletzt bin."

„Oh. Nun gut. Ich habe dir einen Schlüssel gegeben, weißt du. Du bist zu jeder Zeit willkommen."

Er blinzelte und folgte ihr in die Küche. Er war zu jeder Zeit willkommen? Das passierte nicht. Er hatte eine dauerhafte Einladung für Malfoy Manor, aber das war mehr ein einvernehmliches Bündnis als eine einladende Freundschaft.

„Tatsächlich habe ich dir gerade einen Brief geschrieben", sagte sie und faltete dann das Pergament zusammen, bevor er es lesen konnte.

Sie hatten alles in allem recht oft Briefe ausgetauscht. Einmal pro Woche, vielleicht zwei Mal, wenn es einen besonders grauenhaften Artikel im Propheten gab oder es etwas, was es Wert war darüber zu reden, in einer der Fachzeitschriften gab, die sie beide verfolgten. Letzten Monat hatte sie ihm ein Exemplar von Verwandlung Heute mit großartigen Anmerkungen geschickt, welches er gut vor Minerva versteckt hatte, bevor sie zum Tee kam. (Die meisten der Randkommentare waren nicht mal ein bisschen höflich gewesen.)

Sie setzten sich ins Wohnzimmer, ließen sich auf bequemen Stühlen nieder und sie stellte Tee auf den Kaffeetisch. Er mochte zwar derjenige gewesen sein, der bei ihr aufgetaucht war, aber sie fragte nicht einmal, warum er da war. Sie saßen einfach nur da, tauschten Meinungen über Artikel aus, die sie gelesen hatten, und tauschten dann die Zeitschriften, damit sie darüber diskutieren konnten, welche Feststellungen richtig waren. Sie waren halb mit einer potentiellen Verbesserung für den Wolfsbann fertig (er erstellte Möglichkeiten und suchte Bücher heraus, die man hinzuziehen sollte, und sie entwarf einen neuen arithmatischen Algorithmus eigens für das Experiment), als ein nicht ganz ernst gemeinter Streit darüber, wer das letzte Pizzastück bekommen sollte, sie plötzlich einhalten ließ. Es war beinahe Mitternacht.


Als Snape, Severus–Sev?–ging, waren beinahe vierundzwanzig Stunden vergangen. Ein spontaner Besuch, der einen ganzen Tag gedauert hatte. Hermine hatte nicht gespürt, wie auch nur ein Moment davon vergangen war. Genau genommen, wenn Minerva, die sich gefragt hatte, wo zur Hölle er hingegangen war, nicht eine Eule losgeschickt hätte, hätten sie vielleicht gar nicht mit dem Gespräch aufgehört.

Es war einfach mit ihm zu reden, was seltsam war: Er war kurz angebunden und neigte dazu, Argumente mit Beleidigungen zu unterstützen, wenn er zu erkennen begann, dass sie gewann.

Und sein Akzent, der nach so vielen Jahren des Gebrauchs als Junge im Gemeinschaftsraum der Slytherins eingefleischt war und sich aus Gewohnheit verewigt hatte, kehrte zu seinen Manchesterwurzeln zurück, wenn er begeistert und außerhalb von Hogwarts war. (Oder wenn er Schmerzen hatte, wie sie in den letzten Monaten bemerkt hatte, obwohl sie versucht hatte, nicht zu sehr daran zu denken.)

Und er hatte ihr eine süße Geschichte darüber erzählt, dass er weniger als eine Handvoll Freunde als Kind gehabt hatte und wie seine beste Freundin (die vor langer, langer Zeit gestorben war) ihn Sev genannt hatte. Und er hatte angedeutet, dass sie ihn Sev nennen konnte, wenn sie es wollte.

Er konnte auch kochen. Er hatte ihnen ein wunderbares gewissermaßen Burrito-artiges Ding zum Mittag zubereitet. Es war würziger und geschmacksintensiver gewesen, als es vernünftig war.

Und er sah ziemlich umwerfend mit Bartstoppeln, die irgendwann um Mitternacht herum erschienen waren, aus.

Den halben Tag lang wollte sie ihn erwürgen. Er machte sie wütend. Er spielte den Advocatus Diaboli, nur damit sie sich aufregte. Er bezog die lächerlichsten Stellungnahmen zu einem Thema und prügelte jedes beschissene Argument durch, bis er es nicht mehr aushalten konnte, und lachte sich auf ihre Kosten tot (oder sie kam ihm auf die Spur und schlug ihn mit einem Buch, was sehr selten vorkam).

Aber selbst als sie sich leibhaftig auf ihre Hände setzen musste, um sie davon abzuhalten, seine Schultern zu umklammern und ihn durchzuschütteln, genoss sie jede Minute davon.

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Im Dezember war sie während der Treffen des Ordens ein fester Bestandteil am Tisch geworden. Sie fühlte sich immer noch peinlich berührt und sie konnte erkennen, dass die anderen es bevorzugen würden, wenn sie am weit entfernten Ende des Raums stehen würde, aber Dumbledore hatte ihnen das alles klargemacht. Er hatte ihr Fragen gestellt und sie in Diskussionen mit einbezogen. Moody mochte sie sogar noch weniger, als er es zuvor getan hatte. Er nahm an, dass sie nur nebenberuflich tätig war. Dass sie Arithmantik machte und gelegentlich als Heilerin half.

Hermine seufzte. In einer Stunde fand ein weiteres Treffen statt und sie bezweifelte, dass der Schulleiter anwesend sein würde, was bedeutete, dass die Feindseligkeit ihr gegenüber mehr offen sein würde, als gewöhnlich.

Sie verschloss die Wohnung, richtete die Schutzzauber so ein, dass sie sie alarmieren würden, wenn jemand auftauchte während sie weg war, und apparierte auf die vorderste Treppenstufe des Grimmauld Platz. Sirius Black ließ sie mit einem schroffen Nicken herein, was sie erwiderte. Sie war nicht ganz dazu in der Lage, ihm in die Augen zu sehen – schließlich wusste sie, wie er sterben würde. Und sie plante nichts zu tun, um seinen Tod zu verhindern.

Die Küche war leer, als sie ankam und sie begann Tee zu machen. Sirius war die Treppe nach oben ins Haus gegangen, nachdem er sie herein gelassen hatte, aber das war ihr definitiv egal.

Sie stellte den Tee auf dem Tisch und setzte sich auf den Stuhl, der so etwas wie ihr Stammsitz geworden war. Er war am weit entfernten Ende des Tisches, aber immer noch nah am Kamin. Vom richtigen Winkel (oder eher vom falschen Winkel) aus, war sie zum größten Teil vom Licht verdunkelt und auf eine Silhouette verringert. Sie tat alles, was sie konnte, um sich zu verdecken. Dumbledore verwies immer als Samantha Barnes auf sie und sie hatte die anderen gebeten, sie Sam zu nennen. Severus war der einzige, der sie erkannt hatte. Niemand suchte bei den Treffen nach Hermine Granger und Dumbledore hatte sie alle dazu gebracht, jemand anderen zu sehen; Severus war nur ein Sonderfall. Dennoch bedeutete das nicht, dass sie nicht vorsichtig sein sollte.

Hermine hatte ihre nicht-ganz-eine-Verkleidung angezogen. Sie trug geflochtene Zöpfe und Perlen in ihren Haaren. Eine dunkle Jeans war in ihre Drachenhautstiefel gesteckt. Eine weiße Bluse unter einer grauen Weste. Sie mochte die Weste, da sie versteckte Taschen hatte, die gut für all die kleinen Dinge waren, die sonst in einer Handtasche gewesen wären. Sie hatte sich Roben angeschafft, was manchmal seltsam war, wenn sie darüber nachdachte. Sie trug sie als einen Teil ihrer Alltagskleidung. Noch nicht einmal auf die Art, wie sie es in der Schule getan hatte, wo sie sich wie ein langer Mantel angefühlt hatten, den sie nie ausziehen konnte.

Sie war nicht so eigen mit ihren Roben, wie Severus, aber sie hatte ihre Favoriten. Heute trug sie ihre Liebsten, weil sie bei einem Treffen mit Sirius Black sitzen musste und ihm nicht sagen durfte, wie Leid es ihr für die Art tat, wie er gestorben war – wie er sterben würde.

Die Robe war dunkelgrau, einfach geschnitten und zeigte ihre Silhouette ohne anzuliegen. Es gab so etwas, wie einen Kragen; ein sehr leichtes Quadrat an den Schultern über dem oberen Ende der Ärmel. Ab dem Ellenbogen weiteten sich die Ärmel. Vorne saßen neun silberne Spangen. Die erste an ihrem Schlüsselbein und die letzte knapp unterhalb ihres Beckens, um ihren Füßen und Beinen Platz zu geben, damit sie sich bewegen konnten, obwohl die Robe halb bis zur Wade reichte. Sie besaß große keltisch aussehende Muster, um die Fläche des dunklen Stoffs aufzulockern. Sie wirbelten über den Saum an beiden Handgelenken, verzierten den Kragen und waren an beiden Seiten der Lücke, nachdem die Spangen endeten, an der Unterseite der Robe.

Sie waren nicht annähernd so dramatisch, wie die schwarzen Weiten von Severus' Lehrroben, noch kamen sie an irgendetwas, was Dumbledore trug, heran, aber sie standen ihr. Es gab auch Geheimtaschen in den Ärmeln ihrer Robe.

Da sie genug davon hatte, dort zu sitzen und über ihre Kleidung nachzudenken, goss sich Hermine eine weitere Tasse Tee ein und blickte sie für eine Weile finster an.

Langsam traf der Orden ein. Mr. und Mrs. Weasley waren die Ersten und Mrs. Weasley begann sofort damit, Abendessen zu machen. Mr. Weasley plauderte mit ihr höflich über die Morgenausgabe des Propheten.

Sirius schloss sich ihnen in der Küche an, kurz nachdem Lupin angekommen war. Tonks, die Hermine gern mochte, aber Sam Barnes scheinbar nicht so gern hatte, setzte sich zwischen Lupin und Mr. Weasley. Moody setzte sich gegenüber von Tonks. Kingsley setzte sich neben Moody, unterhielt sich aber höflich mit Hermine (was nett von ihm war). Dedalus Diggle setzte sich Hermine gegenüber und hielt seine Ausgabe des Quibblers so hoch zwischen ihnen, dass alles was sie sehen konnte nur die obere Hälfte seines Spitzhutes war.

Der Rest traf ein und es war nicht sehr anders. Sie arbeitete mit keinem von ihnen. Sie wussten, dass Dumbledore ihr vertraute, aber das war alles, was sie wirklich über sie wussten. Sie hatte sogar für einige von ihnen die Medihexe gespielt, aber das hatte ihr nichts außer Höflichkeit eingebracht.

Hermine begann gerade, sich über sie alle zu ärgern, als Severus eintrat. Der Raum wurde nicht ruhig, aber der Teil, der am nächsten zu ihm war, tat es. Er trat mit Minerva ein und nickte höflich zu etwas, was sie gesagt hatte. Minerva wurde fröhlich begrüßt und nahm am von Hermine aus gesehen anderen Ende des Tischs Platz. In der Nähe, wo Dumbledore normalerweise saß. Das Schweigen folgte Snape die Länge des Tischs entlang; niemand begrüßte ihn, zumindest tat es niemand laut. Hermine streifte wie gewöhnlich freundlich mit ihren Gedanken seine Okklumentikschilde und war überrascht, aber auch erfreut, als er ihre Geste erwiderte.

Das Treffen ging von da an den Bach herunter.

Es war bemerkenswert, wie ungemütlich die Küche sein konnte. Sie verbrachte Stunden im Grimmauld Platz, gewöhnlich einsame Stunden. Sie braute im Keller und zog sich dann für etwas Tee und Brandy in die Küche zurück, während der Trank köchelte oder ruhte; was auch immer er tun musste. Das waren gemütliche Stunden. Die Küche war riesig und wurde von dem langen Tisch eingenommen. Es gab überall Töpfe und Pfannen und Brot, das vernachlässigt unter Geschirrtüchern lag. Es war heimelig. Sie erinnerte sich an das Weihnachten im Grimmauld Platz, als sie im fünften Jahr gewesen war. Wie sie am Weihnachtsmorgen in der Küche gesessen und fröhlich mit jedem geplaudert hatte und sich bei ihnen für die Geschenke bedankt hatte. Nichts von dieser freundlichen Atmosphäre war während dem Treffen vorhanden.

Zuerst hatten sie den jüngsten mysteriösen Tod, ihr aktuellster Name auf einem Papierstück von Dumbledore, besprochen. Es war ein Zauberer gewesen, der im Archiv gearbeitet hatte.

„Er hatte letzten Dienstag das Mal erhalten", bestätigte Severus. Er stand unerwartet hinter ihrem Stuhl. Sie fragte sich, wann er seinen Platz gegen den Kamin gelehnt verlassen hatte.

„Ich nehme an, dass Sie für die nachfolgende Abendgesellschaft zugegen waren?", fragte Moody gehässig.

„Selbstverständlich", erwiderte Snape beinahe höflich.

Sirius sagte etwas Beleidigendes und Hermine konnte Severus erwiderndes Grinsen fühlen. Minerva fuhr mit dem Treffen fort, bevor jemand seinen Zauberstab ziehen konnte.

„Im Ministerium wird gemunkelt, dass Dumbledore diese Leute töten lässt", sagte Kingsley. Sie waren diesem Thema lange genug fern geblieben, dass Hermine gehofft hatte, dass es weiterhin nicht zur Sprache kommen würde, aber der bedächtige Ton in der Stimme des Aurors ließ alle zuhören. Sie wusste, durch die Art, wie sich das Holz bewegte, als sich seine Finger darum verkrampften, dass Severus seine Hand auf die Rückenlehne ihres Stuhls gelegt hatte und sie liebte ihn dafür.

Hat er sie umbringen lassen?", fragte Mr. Weasley und blickte den Tisch hoch und runter. Seine Augen blieben an Severus, oder vielleicht an ihr, für einen Augenblick länger hängen, als bei irgendjemand anderen.

„Würden Sie wissen wollen, wenn er es getan hat?", fragte Hermine und starrte niemand besonderen den Tisch hinunter an.

„Was meinen Sie damit? Natürlich würden wir das", sagte Tonks empört. Sie sahen jetzt alle ihre Nachbarn an, wissend, dass wenn jemand im Orden Auftragsmörder gespielt hatte, es jemand von ihnen im Raum sein würde. Sie waren der innere Kreis, diejenigen mit den besten Positionen, um Einfluss auszuüben und neue Mitglieder zu werben.

„Das ist ein Krieg, Mädel", sagte Moody und seine beiden Augen waren auf sie gerichtet. Sie mochte das nicht. „Nichts über etwas zu wissen macht es nicht ungeschehen."

„Also wollen Sie wissen, dass einer der Leute hier in diesem Raum, vielleicht sogar ein Freund, rausgeht, um im Schutz der Dunkelheit zu morden?" Sie fragte sich, ob sie die Selbstvorwürfe heraushörten oder, ob es nur Severus bemerken würde. Er bemerkte es immer. (Natürlich brachte er es nie zur Sprache; sie konnte es nur an der Art und Weise erkennen, wie er sie ansah, wenn er dachte, dass sie es nicht merkte.)

„Ich würde gerne dessen Hand schütteln", sagte Moody so locker und so spontan, dass sie dachte, dass sie sich vielleicht übergeben müsste. Er bemerkte das und blickte sie finster an. „Werden Sie erwachsen, Barnes. Das ist nicht die Zeit für Unschuld. Dumbledore hat Sie vielleicht zum Tränke Brauen versteckt–" Und dann machte er eine Pause, um Severus einen bösen Blick zuzuwerfen und deute natürlich eine Pflichtverletzung an, da er nicht mehr derjenige war, der den Großteil der Zaubertränke braute. „–aber ich bin mir sicher, dass Sie bemerkt haben, wie viele von uns blutend zurückkommen."

„Wir sind vielleicht das Licht, das den dunklen Zauberern entgegentritt–" Ein weiterer böser Blick für Severus. „–aber es ist nie so einfach. Die Welt ist aus grauen Flächen gemacht. Ich schere mich einen Dreck um Ihre Sittlichkeit oder was auch immer es ist. Einige Leute in diesem Raum–" Sicherlich nicht sie. „–haben die Realität dieses Kampfes gesehen. Selbst das Licht muss Schatten werfen."

„Wie überaus poetisch", sagte Severus beleidigend. Moodys Blick wanderte von Hermine zu Severus und der bekannte Streit spielte sich ab. Moody mochte Severus nicht, das hatte er noch nie. Er konnte nur den jungen Todesser sehen. Er war beinahe so schlimm, wie Sirius, wenn es um unsinnige Sticheleien und alten Groll ging, obwohl er sich vom Verfluchen besser zurückhielt, als Sirius es je getan hatte.

Hermine war zutiefst dankbar. Ohne Zweifel hatte Severus den alten Auror absichtlich abgelenkt. Sie war kurz davor gewesen, Moody anzuschnauzen und das hätte ihr kein Wohlwollen bei den anderen eingebracht.

„Wissen Sie", sagte Severus und verspottete Moody jetzt, „die Todesser haben begonnen – wer auch immer es ist – Dumbledores Drachen zu nennen. Passend, finden Sie nicht? Bei all dem Feuer."

Seine Gedanken streiften ihre. Sie wäre bei der Berührung, der Erleichterung darüber, beinahe aufgesprungen. Sie fühlte sich, als wäre sie eine Gitarrensaite und jemand drehte den Wirbel und spannte sie immer fester und fester, viel zu fest; sie hatte sich gefühlt, als wenn sie gleich reißen würde und dann hatten seine Gedanken den Wirbel in die andere Richtung gedreht.

„Ja", knurrte Moody zurück zu Snape. „Mir gefällt das. Ein lodernder Drache, der auf all jene, die das Dunkle Mal tragen herabsinkt und sie verkohlt, so dass–"

„Genug", sagte Minerva vom anderen Ende des Tischs und sah blass aus. Hermine fragte sich, ob es deswegen war, weil sie, merkwürdigerweise, Severus zu mögen schien oder weil es wegen Moody war, der sich so weit in seinem Stuhl nach vorne gesetzt hatte, dass er nur noch einen Atemzug davon entfernt war, aufzuspringen. „Wir haben andere Dinge, über die wir heute Nacht reden müssen."

Hermine hielt ihren Kontakt mit Severus. Sie streiften nur ihre Gedanken, wie Finger, die sich unter einem Tisch berührten. Keine Kommunikation, einfach nur Kontakt. Unterstützung.

In dieser Nacht, als sie zurück in ihrer Wohnung war, befasste sie sich nicht näher mit den Gesprächen des Treffens, sondern mit dieser Unterstützung und der Erleichterung, der sich anbahnenden Anwesenheit hinter ihrem Stuhl. Sie nippte an einem Glas mit Rotwein und setzte sich ohne ein Buch in ihren Lieblingslesestuhl, um gründlich nachzudenken.