Das nächste Mal, als er sie wiedersah, war wieder im Grimmauld Platz. Es gab kein Treffen. Es war ein Wochenende und er hatte eine schwache Entschuldigung abgegeben, um aus dem Schloss heraus zu kommen. Er hätte fast Lust dazu gehabt, in sein eigenes Zuhause zu gehen und seine Bücher zu genießen, aber Dumbledore hatte Black irgendwo hingebracht, deshalb entschied er sich für das Hauptquartier.

Der Hippogreif war oben und tat, was auch immer er tagsüber tat; ansonsten war das Haus leer, bis sie ankam. Er hatte sie nicht erwartet und sie hatte ihn eindeutig auch nicht erwartet. Er betrat die Küche vom Kellerlabor aus gerade in dem Augenblick, als sie durch die Haupttür hereintrat.

Sie war blutbedeckt und ein nicht geringer Anteil davon schien ihr eigenes zu sein. Ein tiefer Schnitt verlief ihre Wange entlang, begann an ihrer rechten Schläfe und bahnte sich dann seinen Weg an der Seite ihres Gesichts nach unten, bis zu ihrem Kiefer.

Sie trug Muggelbluejeans, die zerrissen und blutig waren, und ein schwarzes T-Shirt. Das Shirt war in ihre Hose gesteckt. Wahrscheinlich, um ihr besseren Zugriff auf die Beutel an ihrem Gürtel zu ermöglichen. Er erkannte den Würgedraht in einem Beutel. Sie hatte sich Lederstreifen um ihre Hände gewickelt, als eine Art Schutz für Faustkämpfe.

Sie roch nach verkohltem Fleisch und brennendem Holz. Er konnte die Kälte von ihr in Wellen herabfließen spüren; sie okkludierte intensiv. Zu intensiv, um ehrlich zu sein. Wenn sie so weitermachte, könnte sie sich selbst schaden.

„Lass sie fallen", sagte er und verharrte unbeweglich, als sie sich herumdrehte, um sich ihm gegenüber zu stellen, mit ihrem Zauberstab in ihrer rechten Hand und ihrem Messer in ihrer linken.

„Was zur Hölle tust du hier?", fragte sie durch zusammengebissenen Zähnen und steckte ihre Waffen wieder an ihre Plätze zurück.

„Mich von Dolores Umbridge fernhalten", sagte er ehrlich. „Brauen."

Sie lächelte beinahe, aber ihr Gesicht zu bewegen schien sie an die Wunde zu erinnern. Es begann frisches Blut heraus zu sickern und sie drehte sich von ihm weg, zog ein flaches wie ein Portemonnaie aussehendes Stück Leder aus ihrer Gesäßtasche und bewegte ihre Hand darüber, um es in seine ursprüngliche Form zurückzubringen. Es war eine braune Umhängetasche aus Leder an einem langen Band.

Sie zog ein schwarze, kastenförmige Box aus der Umhängetasche, öffnete sie und zog die darin befindlichen ausklappbaren Schubladen heraus. Er hatte eine sehr ähnliche Box. Sie beschwor sich einen Spiegel herauf und fuhr fort ihn zu ignorieren, während sie das Blut von ihrem Gesicht entfernte und sich dann selbst mit einem Faden aus einem Glas aus der Box zusammen nähte. Es war in irgendeine Art Lösung aufgerollt; er kannte sich damit nicht aus.

„Warum nicht einen Zauber verwenden?", fragte er, nachdem er ihr zugesehen hatte. Sie hatte die Hälfte des Schnittes fertig.

„Weil", sagte sie, als sie die nächste Pause machte, um das Blut wegzuwischen, „auf diese Art, keine Narbe entsteht. Und wenn da keine Narbe ist, muss ich auch keine Fragen beantworten."

Er nickte. Der Zaubertrank in seinen Händen gehörte in die Vorratskammer mit den anderen Vorräten an Heil-Sachen für den Orden, also trat er weg, um es dorthin zu stellen. Er hatte beinahe die Kühle der Okklumentik vergessen, bis er aus deren Kreis trat.

Es drehte seinen Magen um. Er hatte Hermine Granger, die Jüngere, am Freitag im Zaubertränkeunterricht gesehen. Sie war eine kleine Streberin gewesen, hatte Longbottom bei seiner Aufgabe geholfen. Es hatte ihm eine Schweinerei von einem geschmolzenen Kessel erspart, ja, aber es war dennoch unerträglich gewesen. An dieses Mädchen zu denken, wenn er diese ältere Version von ihr betrachtete, die sich entschlossen ihr eigenes Gesicht zunähte…

„Was ist heute Nacht passiert?"

„Du musst nicht derjenige sein, der das hört", erwiderte sie, band den letzten Stich ab und packte den Faden weg. Sie zog einen Tiegel mit einer weißen Salbe heraus, dessen Deckel zu dem mit dem Faden passte, und holte etwas davon mit zwei Fingern heraus. Es rauchte, als sie es auf die Stiche auftrug, aber als der Rauch verflog, war nur noch eine verblassende rote Linie dort, wo ihre Verletzung gewesen war. Nach ein paar langen Sekunden, war sie gänzlich verschwunden.

„Aber du musst es sagen."

Sie starrte ihn an und begann den Rest ihrer Dinge abzulegen. Sie öffnete die Spangen von ihrer Zauberstabscheide und nahm das Messer und den Zauberstab daraus. Sie legte den Zauberstab in Griffweite auf den Tisch, und ließ das Messer ins Waschbecken fallen. Dieses Mal musste sie, wie es schien, nicht den Draht sauber machen.

„Er hat mich zu Aurelius Block geschickt", sagte sie ausdruckslos. Sie sah ihn nicht an und richtete ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf das Messer im Waschbecken. „Derjenige, dessen Namen du mir überbracht hast. Weißt du, warum dir der Name gegeben wurde?"

Sie drehte sich um, damit sie ihn ansehen konnte. Sie hatte Blutspritzer auf ihrem Gesicht. Nicht auf der Seite, wo sie verletzt gewesen war. Es war das Blut von jemand anderem. Es war auch in ihren Haaren.

„Er hatte den Dunklen Lord verärgert und er hatte gedacht, dass es amüsant wäre, wenn Dumbledore die dreckige Arbeit für ihn macht."

„Ich, meinst du", sagte sie bitter und wandte sich von ihm ab. „Dumbledores Drachen."

Severus zog die Stirn in Falten. Es hatte einen Streit darüber beim letzten Treffen des Ordens gegeben. Moody hatte Granger zum ersten Mal wirklich wahrgenommen und das obwohl sie den ganzen Sommer lang bei den Treffen gewesen war. Gewöhnlich, wie er, im Schatten beim Kamin. Er hatte sie praktisch für ihre Unschuld, ihre Unbeflecktheit, oder zumindest den Anschein dafür, beschimpft. Sie sah tatsächlich sehr jung und unschuldig aus, wenn sie nicht mit Blut bedeckt war; sie war eine kleine Frau mit einem hübschen Gesicht und einem zarten Aussehen. Er hatte sie angebrüllt und von den grauen Flächen des Kriegs gesprochen, wie das Licht manchmal Schatten werfen musste. Severus war dazwischen getreten und hatte die Gruppe dann an Moodys ständiges Misstrauen ihm gegenüber, dem Bewohner des Schattens, erinnert und den Streit von ihr weg und zu dem bekannten, wenn auch feindseligem, Gebiet gelenkt, dass immer zur Sprache kam, wenn er und der alte Auror im selben Raum waren und ihnen genug Zeit zum Reden gewährt wurde.

„Aurelius Block war verliebt gewesen. Voldemort wollte ihn töten lassen, weil er zu der Verbindung nicht um Zustimmung gefragt wurde. Die Frau war ein Halbblut, die von ihrem Muggelvater großgezogen worden war", sagte sie. Ihre Stimme zitterte. Er könnte spüren, wie ihre Okklumentikschilde dabei waren zu zerbrechen. Blitze von ihren Erlebnissen sprangen aus ihren Gedanken zu ihm. Das Haus von Block. Aurelius, der versuchte sein Leben zu schützen, der ihr erzählte, warum er getötet werden sollte, ihr erzählte, dass seine Frau schwanger war und sie um Gnade bat. Nachdem sie ihn entwaffnet hatte, hatte er versucht, wegzurennen. Sie war ihm hinterher gesprungen und die Schlägerei, die folgte, wurde beendet, als sie ihn gewaltsam auf den Boden geworfen hatte und ihr Messer unter seinen Rippen und durch seine Niere gestoßen hatte. Er fiel wie ein Stein um. Sie hatte das Haus angezündet. „Die Frau wird jetzt da sein. Wahrscheinlich wird sie die Asche nach Andenken und seiner Leiche durchsuchen. Sie wird nichts finden."

Ich lösche sie aus, hatte sie das letzte Mal gesagt, als sie davon gesprochen hatten, erinnerte er sich. Sie merkte, worüber er nachdachte, und nickte.

„Kann ich dir eine seltsame Frage stellen?"

Sie lachte bitter und fuhr fort ihre Sachen zu säubern. Sie nickte.

„Warum verwendest du das Messer? Den Draht?"

„Weil es weniger weh tut, als wenn ich meine Hände benutzen würde."

Er sah sie einen Moment lang an und erinnerte sich an sie mit dem Schnitt, der ihr Gesicht entlanggelaufen war. Das tat zweifellos mehr weh, als geschlagen zu werden.

„Das ist es nicht, was ich meine."

„Ich weiß." Sie war mit dem Messer fertig und hatte sich der Scheide zugewandt und putzte das Blut mit Zaubern heraus, hielt aber inne, um ihn anzusehen. Ihre volle Aufmerksamkeit war… intensiv. „Ich tue das nicht, weil ich denke, dass es meine Seele retten wird, wenn es das ist, was du dich fragst."

„Nein", sagte er nachdenklich. „Ich–"

Sie hielt eine Hand hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Den Tod herbeizuführen – egal, ob du es Mord oder einen Unfall oder Gnade oder ein Attentat nennst – verletzt denjenigen, der es tut. Bei jedem, den ich in den Kämpfen getötet habe, bei jedem, den mir Dumbledore jetzt befiehlt, umzubringen, kann ich es spüren. Selbst, wenn ich weiß, dass sie es verdienen."

„Ich habe sogar ziemlich viel darüber in Alexandria gelesen." Sie kicherte betrübt. „Wenn ich Magie benutzen würde, um sie zu töten – nicht den Todesfluch, sondern Dämonsfeuer oder, wenn ich Petrificus Totalus verwenden würde und sie dann in einen See schieben würde – es wäre dasselbe, als wenn ich die Messer benutze. Sie wären tot und ich würde, da ich es verursacht habe, zerbrochen sein. Ich würde mich vielleicht gerechtfertigt fühlen. Ich würde vielleicht sogar fühlen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde. Aber da ist immer noch Reue. Diese kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mir sagt, dass es einen anderen Weg geben sollte.

„Aber das ist alles. Mit dieser Art des Todes, ist es nur der Tod."

„Wenn ich den Todesfluch verwenden würde, würde ihr Tod auf magische Weise an meiner Seele reißen. Das ist die Art, wie Horkruxe gemacht werden. Wenn die Absicht vorhanden ist, kann das magische Zerreißen dafür verwendet werden, die zerbrochene Seele zu zertrennen." Severus erschauderte und sie nickte. Er mochte das Mitleid, das er in ihren Augen sah nicht; es ließ sie noch älter aussehen. Müde.

„Aber du hast gefragt, warum ich mein Messer und den Draht verwende", fuhr sie fort. „Ich könnte in der Tat Dämonsfeuer verwenden; ich bin sehr gut darin. Ich könnte sie aufspüren und dabei zusehen, wie sie verbrennen, bevor ich meine Spuren mit dem Rest davon verwische. Aber, ehrlich gesagt, benutze ich das Messer, weil–" Sie seufzte, sah weg und spielte mit ihren Fingern am Leder der Scheide herum. „–ich ihnen die Chance geben möchte, mich zu verletzen. Sich zu wehren. Vielleicht mich stattdessen zu töten."

„Ich benutze den Draht, weil ich mich an sie anschleiche. Ich lasse mir Zeit. Ich stocher ein Loch in ihre Schutzzauber und warte in ihren Häusern. Dann greife ich sie an. Ich fühle mich nicht so sehr, wie ein Bösewicht, wenn ich mit einem Messer auf sie losgehe, während sie einen Zauberstab haben."

Er stand da und lief zu ihr herüber. Sie sah ihn nicht an. Ihre Hände hatten am Halfter innegehalten. Der Raum war noch kälter durch ihre Okklumentik, als er es vorher gewesen war. Er zitterte und hob seine Hand, um mit einer Fingerspitze die Linie des Schnitts entlangzufahren, den sie zusammengenäht hatte. Keine Spur der Verletzung war dort, außer dem verschmierten Blut.

„Du bist kein Bösewicht", sagte er. Sie blickte zu ihm hoch und ihre Augen glitzerten mit trockenem Humor.

„Sagt der Topf zum Kessel."

Er nahm seine Hand von ihrem Gesicht und versuchte sehr stark die Weise, mit der seine Fingerspitzen prickelten, zu ignorieren. Schülerin, erinnerte er sich selbst. Sie ist deine Schülerin. Selbst, wenn sie jetzt kaum sieben Jahre jünger ist als du, ist sie immer noch deine Schülerin.

„Du musst deine Schilde fallen lassen", sagte er ihr nach einem langen Augenblick. Er blieb nahe bei ihr und lehnte seine Hüfte gegen die Theke beim Waschbecken zurück.

Sie sagte nichts und ging einfach zurück zu ihren Dingen. Sie nahm eine Phiole aus ihrer Box und begann damit, das Leder der Scheide einzuölen und danach die Lederstreifen, die sie um die Hände getragen hatte. Er sah ihr beim Arbeiten zu und war sonderbarerweise beruhigt durch die geübten Bewegungen ihrer Hände. Es waren kleine Hände, elegant, zart, schön. Blut trocknete in ihren Nagelhäuten.

„Es würde funktionieren, weißt du", sagte er zu guter Letzt und zielte darauf ab, sie abzulenken und über etwas anderes zu reden. Allerdings war ihm nichts Nettes eingefallen, über das sie reden konnten. Irgendetwas Banales, aber dennoch Ablenkendes. Sie musste aufhören zu okkludieren. Wenn sie auch nur ein klein wenig wie er war, musste sie schreien.

„Was würde funktionieren?"

„Dein Plan mich zu töten."

Ihre Hände hörten mit der Arbeit auf und nach einem Moment sah sie zu ihm hoch. Ihre Gedanken streiften seine. Eine Frage ohne Worte. Er hatte sie geschockt.

„Selbst, da ich weiß, wie du es tun würdest, würde ich immer noch gleich reagieren", sagte er ehrlich. Er hatte nach ihrem Gespräch darüber nachgedacht. Dumbledore hatte ein Argument angebracht und so weit, wie es den Schulleiter betraf, nicht weitergeführt, aber es ließ ihn das überdenken.

„Ich weiß", sagte sie und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu. Dann blickte sie zu ihm herüber und ihre Blicke trafen sich. In seinen Gedanken hörte er, und ich glaube du weißt, dass ich dich töten würde, bevor du mir das Gegengift einflößen könntest.

Er nickte.

Als ihre Werkzeuge sauber und wieder in ihrer Umhängetasche verstaut waren, begann sie sich selbst zu säubern. Sie wusch das Blut von ihren Händen und ihrem Gesicht und benutzte einen Zauber, um es aus ihren Haaren zu entfernen. Der Zauber ließ ihre Haare sich komischerweise kräuseln, und trat aus dem Dutt hervor, in dem es steckte. Sie schien genervt zu sein, fuhr mit nassen Händen durch ihr Haar und versuchte erneut einen Dutt zu machen. Die Locken, die sofort wieder aus den zurückgehaltenen Haaren heraussprangen, wurden von ihr ignoriert und umrahmten ihr Gesicht. Es wäre schön gewesen, wenn sie nicht so gequält und mitgenommen ausgesehen hätte.

Er wollte das nicht genauer in Augenschein nehmen. Das war eine schreckliche Dynamik. Er sah sie jetzt die ganze Zeit über in Hogwarts; sie stach aus der Menge wie ein Leuchtfeuer hervor. Sie war jung und anstrengend, lernte für ihre Z.A.G.s wie eine Verrückte und war immer mit Potter und Weasley unterwegs. Dann hatte er sie hier oder in ihrer Wohnung in Edinburgh gesehen und sie war immer noch anstrengend, aber das war eine andere Sache. Und er ertappte sich ständig dabei, wie er dachte, dass sie schön war. Oder, wie er beobachtete, wie ihre Locken ihr Gesicht umrahmten.

Er hatte ihre Gedanken aus Versehen am Anfang der Woche im Zaubertränkeunterricht gestreift. Sie hatte sich aufrecht hingestellt und sich geschockt umgesehen. Sie hatte nicht gewusst, was es gewesen war. Er hatte sich umdrehen und seine Papiere sinnlos hin und her schieben müssen, um sich davon abzuhalten, sie anzusehen und sie zu beobachten. Er hatte in ihren Gedanken flüchtig eine Bibliothek sehen können. Es war eine akribische Ordnung von Fakten und Erlebnissen. Sie war völlig ungeschützt gewesen, ganz anders als diese Frau, die so viele mentale Schilde zwischen ihren Gedanken und der Welt aufgestellt hatte, dass es sehr wahrscheinlich war, dass sie bald ohnmächtig werden würde.

Absichtlich zart streifte er ihre Gedanken mit seinen. Sie begann den Griff, mit dem sie die Schilde festhielt, zu lockern. Sie konnte es fühlen, wie er sie berührte. Sie lächelte ihn gequält an, wusste, dass er versuchte zu helfen. Er wollte sie umarmen, aber das war absurd.

Sie drehte sich weg, stellte ihre Umhängetasche auf dem Tisch ab und begann dann Tee zu machen. Er holte den Brandy hervor, stellte ihn neben ihre Tasche, setze sich hin und machte somit klar, dass er nirgendwo hingehen würde.

Sie saßen stillschweigend da und arbeiteten sich mit großzügigen Dosen des Brandys durch die Teekanne. Er mochte den vermischten Geschmack davon nicht besonders und er nahm an, dass sie das auch nicht tat, aber das hielt sie nicht im Mindesten davon ab.

„Wenn du mich töten wollen würdest, wäre das einzige, was du tun müsstest, den Brandy zu vergiften", sagte sie nach langer Zeit.

„Ich dachte, wir hätten schon festgelegt, was passieren würde, wenn du in meiner Gegenwart vergiftet wärst", sagte er und verfluchte sich dann. Das war entsetzlich nah an Flirten dran gewesen. Sentimentales Flirten.

Sie war für eine ganze Weile still. Die Kälte hatte begonnen sich zu verflüchtigen, was ihn dazu veranlasste, seine eigenen Okklumentikschilde verstärken zu wollen. Sie hatten sich einige wenige Male in den letzten paar Monaten gesehen und jedes Mal hatten sie ihre Gedanken miteinander geteilt und ihre Gedanken hatten sich gestreift. Es schien so, als würden abschweifende Gedanken sie besuchen, wenn sie nicht aufpassten.

Sie trank ihren Tee aus und ihre Kontrolle zerbrach. Sie hatte ihre Okklumentikschilde so schnell fallen gelassen, dass er spürte, wie es ihn wie eine Eiswelle gegen sein Bewusstsein traf. Sie begann zu zittern; ihr ganzer Körper bebte, während sie verkrampft da saß und nach unten in ihre leere Tasse blickte.

Severus war mit drei Schritten um den Tisch herumgelaufen und drehte den Stuhl neben ihr seitwärts. Seine Knie drückten gegen ihren Oberschenkel als er sich hinsetzte. Er griff nach ihren Händen, hielt sie fest und blickte ihr in die Augen. Ihre Gedanken tanzten. Es waren keine einzelnen Gedanken, nichts, was man in Worten ausdrücken konnte. Es waren einfach nur Gefühle, Traurigkeit, die aufstieg, um Traurigkeit zu treffen. Einsamkeit und Schmerz. Sie beide sehnten sich nach anderen Dingen, nach einfacheren Leben und sie wussten beide, dass sie sie nie bekommen würden.

Er wusste nicht, wie lange sie dort saßen. Sie atmeten beide schwer, als sie zum gegenwärtigen Moment, zu ihren eigenen Gedanken, zurückkehrten. Sie weinten auch beide.

Manche Nächte sind schwerer als andere, erzählte er ihr und hatte es eigentlich laut sagen wollen, aber vergessen seinen Mund zu bewegen. Sie lächelte, nickte und sah weg.

Er ließ ihre Hände los und lehnte sich zurück. Er hatte das überwältigende Verlangen, sie zu küssen, aber er war sich nicht sicher, wo das herkam. Die Ergriffenheit des Moments? Einfach neben einem schönen Mädchen zu sitzen? Die Tatsache, dass es dieses bestimmte schöne Mädchen war?

Sie schien sich seiner Diskussion nicht bewusst zu sein, was schön war. Sie überraschte ihn, indem sie sich vorlehnte und ihn auch auf die Wange küsste… nur ein unschuldiger Kuss, aber es ließ sein Herz schneller schlagen.

Er fragte sich, für den Bruchteil einer Sekunde, ob er sich mit einem richtigen Kuss revanchieren sollte. Stattdessen, goss er ihnen aber einen Kurzen ein und s

ie stießen mit ihren Teetassen an, bevor sie sie hinunterstürzten.

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Severus sah Hermine in den nächsten paar Wochen noch zwei Mal. Das erste Mal war bei einem Treffen gewesen, wo sie von anderen Menschen umgeben waren. Sie hatte seine Gedanken zur Begrüßung gestreift. Es war eine warme, intime Art der begrüßenden Berührung gewesen, wie ein guter Freund, der sich dazu entschied, sich in den engen Stuhl neben ihm zu setzen, anstatt den viel bequemeren Platz, der am Ende des Raums frei war, zu nehmen. Es war vertraulich und… schön.

Seine beinahe gute Laune wurde ruiniert, als er Moody sah. Das Arschloch sah ihn konzentriert und nur fast wütend starrend an. Ein kurzes Eintauchen in seine Gedanken – für jemanden, der so paranoid und allgemein gut vorbereitet war, wie der alte Auror, besaß er keine Fähigkeit der Okklumentik welcher Art auch immer, obwohl es Anzeichen dafür gab, dass er es irgendwann einmal versucht hatte zu lernen – enthüllte den Grund dafür und es war äußerst ärgerlich. Dumbledore hatte Moody gesagt, dass er zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Tag in der Küche des Grimmauld Platzes sein sollte, um den „Drachen" zu sehen und er war unsichtbar in der Ecke gewesen und hatte zugesehen und zugehört, als Severus mit ihr gesprochen hatte, als sie ihre Okklumentik um sie herum hatte fallen gelassen. Mistkerl.

Moody war dort, erzählte er Granger in ihren Gedanken. Es war ausgesprochen merkwürdig, dass man in der Lage dazu war miteinander nur durch Blickkontakt zu kommunizieren. Er vermutete, dass sie es nicht oft tun konnten oder die anderen würden denken, dass sie sich tief in die Augen sahen oder so ein Scheiß.

Ich weiß, antwortete sie und betonte die Aussage mit so viel Ärger, dass er beinahe gelächelt hätte. Er hat mich vor ein paar Tagen bedrängt, um darüber zu sprechen.

Er schauderte und das Treffen zog sich hin. Glücklicherweise hatte Moody nicht mit ihm darüber reden wollen.

Das zweite Mal war, als er um zwei Uhr morgens in ihre Wohnung gestolpert war und wegen den Nachwirkungen des Cruciatus-Fluches gezittert hatte. Er hatte sie aus ihrem Bett geholt. Das war der Moment gewesen, als er ihre Narben gesehen hatte.

Severus war mindestens zwei Mal pro Woche gerufen worden und war dieser Tage selten bestraft worden, aber wenn er es wurde, dann war es schlimm. Dieses Mal war es das, weil er nicht wusste, was Dumbledore ein paar Tage zuvor im Ministerium gemacht hatte. Der Dunkle Lord hatte ihn persönlich bestraft, deswegen war es der Cruciatus gewesen.

Er musste würgen, als er im Flur vor ihrer Wohnung landete. Der Apparationspunkt lag am Ende des Flurs. Es war ein Teil des Raums, den sie oder Dumbledore verzaubert hatten, damit er von Muggeln nicht bemerkt wurde. Er hatte nichts mehr in seinem Magen übrig, was er auskotzen konnte, was wahrscheinlich eine gute Sache war.

Er sog Luft durch seine Nase ein und versuchte das Zittern, was in seinen Fingerspitzen begonnen hatte, zu ignorieren, als er sich selbst hineinließ. Es war dunkel gewesen. Er hatte erwartet, dass sie lesen oder da sein würde, aber die Wohnung war dunkel gewesen und für einen kurzen Moment der Panik hatte er gedacht, dass er sich zum Grimmauld Platz schleppen und hoffen müsse, dass jemand ihn bemerkte.

Aber dann war sie in bläulich karierten Muggel-Pyjamahosen und einem weißen Tank Top aus ihrem Schlafzimmer gekommen. Ihre Haare waren ein Durcheinander aus wallenden Locken gewesen, an einer Seite platter als auf der anderen. Er ertappte sich dabei, wie er dachte, wie bezaubernd das war, bis seine Aufmerksamkeit zu dem Zittern in seinen Knien zurückkehrte.

Hermine hatte ihn ohne ein Wort in die Küche geschoben und hatte ihn sich auf einen Stuhl setzen lassen, während sie die üblichen Diagnosezauber um ihn herum aufrief. Die Ergebnisse schwebten in der Luft, wo sie sie erscheinen gelassen hatte und gaben ihr Rückmeldung in Form von leuchtenden Farbstücken. Er war nie in der Lage gewesen viel aus ihnen schlau zu werden, aber er war gewöhnlich sowieso derjenige, auf den sie angewendet wurden.

Sie betrachtete ihn kritisch, zog eine der Diagnosen zurück und brachte sie neu an und schnippte dann mit ihrem Zauberstab in Richtung Schrank. Innerhalb von Sekunden waren die gerufenen Phiolen in ihrer Hand. Die einzigen Dinge, die bei den Zuckungen halfen, waren das Entspannungsmittel für die Muskeln, das sie ihm reichte und Schlaf, aber er konnte noch nicht schlafen. Sie stellte den Traumlosen Schlaf vor ihm auf den Tisch und wusste es besser, als zu versuchen, ihn dazu zu bringen, es einzunehmen.

Sie sah sich seine anderen geringeren Leiden an, während er darauf wartete, dass das Entspannungsmittel für die Muskeln zu wirken begann. Da waren Kratzer auf seinen Knien und Handflächen vom Hinfallen. Er hatte sich auf die Zunge gebissen, als der Fluch auf ihm gelegen hatte und es tat um ehrlich zu sein ziemlich stark weh.

Er betrachtete sie genauer, während sie arbeitete. Selbst, wenn sie zu Bett ging, hatte sie ihre Zauberstabscheide an ihrem Handgelenk. Es war aus geschmeidigem schwarzem Leder; da sie ihren Zauberstab in der Hand hielt, konnte er sehen, dass der Griff des kleinen Messers in der Scheide versteckt war. Sie hatte eine lange, feine Goldkette um ihren Hals, dessen Anhänger in das Tank Top gesteckt war, in dem sie schlief: es gab keinen Zweifel daran, dass es der Zeitumkehrer war.

Die Kleidungsstücke bedeuteten ihm nicht viel; dennoch konnte er mehr von den Narben sehen. Ihre Hände und Unterarme waren absolut voll von ihnen, beinahe so schlimm, wie seine eigenen. Er besaß die kleinen Brauunfälle eines ganzen Lebens. Als er sich einmal mit einem Messer in den Finger geschnitten hatte, während er Zutaten vorbereitet hatte oder als ein kochender Zaubertrank einige Tropfen ausgespuckt hatte, die ihn verbrannt hatten. Sie hatte einige, die von der selben Art sein konnten, aber… Ihre linke Hand war nach zwei gescheiterten Versuchen, den Kämpfen zu entkommen, gebrochen und aufgeschlitzt worden. Da war eine dunkelrote Narbe, die leicht hervorragte und unter ihrem rechten Schlüsselbein bis unter den Ausschnitt ihres Oberteils verlief.

Da waren noch andere kleine Dinge. Eine winzige weiße Linie einer Narbe an einer Seite ihrer Kehle. Er hätte beinahe seine Hand ausgestreckt, um den silber-weißen Wirbel zu berühren, der auf ihrem rechten Ellenbogen war; er hatte zwei eigene, wie diese. Das war das Ergebnis, wenn derjenige, der zauberte, mit der Spitze seines Zauberstabs die Haut berührte, während er einen für mehr als nur ein paar Sekunden mit dem Cruciatus belegte. Das intensivierte den Schmerz und stumpfte den Berührungspunkt für ein paar Tage ab. Den Dunklen Lord schien das nicht zu stören, da der Cruciatus ohne Berührung schon schmerzhaft genug war. Die Narben waren trotzdem beinahe schön; von dem Berührungspunkt aus verliefen die Strahlen in einen sich drehenden Strahlenkranz, der die Haut perlsilber-weiß aussehen ließ und ein bisschen leuchtete, wenn direktes Licht darauf fiel, aber nicht erhöht oder auf eine andere Art anders als die Textur der Haut darum herum war.

Es machte wirklich klar, dass das nicht die Hermine Granger war, die er durch den Zaubertränkeraum vor nur ein paar Stunden finster angestarrt hatte.

Sie drehte sich von ihm weg und für einen peinlichen Moment dachte er, dass sie ihn dabei erwischt hatte, wie er sie angestarrt hatte. Aber nein, sie lief zum Barschrank.

Da waren mehr Narben auf ihrem Rücken, schlimmere als die kleinen Dinge, die ihre Arme hoch und runter verliefen. Hauterhöhungen von schlecht verheilten Wunden.

„Wer hat dich ausgepeitscht?" Die Frage entfloh seinen Lippen, bevor er darüber nachdenken konnte. Glücklicherweise nahm sie es ihm nicht übel, wie er es getan hätte. Sie war außergewöhnlich mitteilsam über sich, um ehrlich zu sein, wenn man ihre Reaktion zu seinen Fragen über ihre Hand bedachte.

„Ein Buch", sagte sie trocken. Dieses Mal trank sie einen Whiskey mit Wasser und brachte ihm auch ein Schlückchen mit. Er fühlte, dass er gegen Ende der Nacht wahrscheinlich Alkohol haben wollen würde, deshalb nahm er ihn mit einem dankenden Nicken entgegen. „In der Bibliothek in Alexandria. Wir hatten nicht erkannt, dass es verflucht war, bis ich es aktiviert habe."

„Was ist passiert?"

„Ich habe hauptsächlich angefangen zu schreien", sagte sie. Ihr Ton war immer noch trocken, aber da war eine Grenze dahinter, die er nicht ganz erkennen konnte. War sie ärgerlich darüber, dass sie nichtsahnend von dem Zauber überrascht worden war? „Es hat meine Kleidung oder sonst etwas nicht beschädigt, deswegen haben sie eine Weile gebraucht um herauszufinden, was los war."

Er rieb sich über seinen Nacken und versuchte es sich vorzustellen.

„Vierzig Peitschenhiebe und ich denke, dass es schlimmer gewesen wäre, wenn sie das Buch nicht verbrannt hätten."

„Und die Heiler konnten nicht…?"

„Die Heiler haben verdammt gute Arbeit geleistet", sagte sie und rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl herum. „Der Schaden war so stark, dass… nun ja, nicht mehr viel Fleisch auf meinem Rücken war und sie haben die Haut zuerst wachsen lassen, um Infektionen zu verhindern."

Er rief den Whiskey herbei, schenkte ihnen nach und goss ihr einen Doppelten ein. Das brachte sie zum Grinsen.

„Und wie war deine Nacht?", fragte sie, absichtlich das Thema wechselnd.

„Hervorragend", sagte er mit Sarkasmus, der aus jeder Silbe triefte. „Er wollte wissen, warum Dumbledore diese Woche im Ministerium gewesen ist." Er nippte an seinem Whiskey. „Ich habe noch nicht einmal gewusst, dass er im Ministerium gewesen ist."

„Willst du, dass ich es dir sage oder würde es das nur schlimmer machen?"

Er war von der Frage überrascht. Niemand sagte ihm jemals irgendwas. Genau genommen kam das, was er über die Dinge wusste gewöhnlich wirklich daher, dass er den Orden ausspionierte (oder zumindest lauschte), außer es war etwas, was geradeheraus bei einem Treffen gesagt wurde. Er hörte nur den Leuten um ihn herum zu und war aufmerksam, selbst wenn es so aussah, als wenn er von einer Ecke aus finster in den Raum blickte.

Also zuckte er mit den Achseln und grinste sie an. Er hielt seinen Drink mit beiden Händen, damit sie nicht sehen konnte, wie seine Hände so offensichtlich zitterten.