Hermine hatte Probleme damit, die Geheimnisse für sich zu behalten.
Nein, das stimmte nicht. Sie behielt die Geheimnisse ziemlich gut für sich, es war nur, dass sie das Bedürfnis zu verspüren begann, einzugreifen, obwohl sie wusste, dass sie das nicht sollte, nicht konnte.
Als Mr. Weasley angegriffen worden war, war Hermine tagelang um den Grimmauld Platz herumgestromert. Sie versuchte rational zu bleiben. Zuerst entschied sie sich, die Information mit ihnen zu teilen und dann entschied sie sich dagegen. Letztendlich war sie mit diesem Idioten von Zaubertränkemeister aus dem St. Mungo in Kontakt getreten und hatte ein Dutzend unterschiedliche Variationen von gewöhnlichen Gegengiftgrundlagen gebraut und hatte ein halbes Dutzend Bezoare erworben; sie hatten über ihr erfundenes Projekt gesprochen, als der Ruf unten ertönte und sie beide nach oben eilten. Die Heiler dachten, dass es einfach großes Glück gewesen war, dass sie gerade in dieser Nacht mit diesen speziellen Zaubertränken und in dieser Menge, bereit für ein schnelles Experiment, dort gewesen war. Und sie hatten vier der Bezoare verwendet.
Dumbledore hatte sie knapp eine Stunde lang angeschrien. Er hatte sehr deutlich gemacht, dass sie etwas in dieser Art nie wieder tun sollte, egal wer in Gefahr war. Er hatte den restlichen Morgen damit abwechselnd verbracht, sie einerseits dazu zu bekommen, ihm zu sagen, was die nächsten paar Monate mit sich bringen würden, und andererseits hatte er sich darüber aufgeregt, wie wichtig es war, dass sie ihre Geheimnisse hütete.
Und dann hatte sie sich in Severus Büro zurückgezogen und einen Trank gegen ihre verdammten Kopfschmerzen genommen, weil Dumbledores Neugier ein Arschloch war.
Der schlimmste Teil daran war, dass er in sein Büro wirbelte und dabei wie die große schwarze Fledermaus aus den Kerkern aussah, wie die Schüler ihn gerne nannten, aber das Ganze dadurch ruinierte, dass er eine Teetasse wie einen Rettungsanker festhielt. Er hatte ein erbittertes, böses Gesicht gemacht, aber dann sah er sie und… seine Gesichtszüge entspannten sich. Das war das Merkwürdigste.
Sie wusste, dass er ihr über die Rumtreiber und Harry erzählt hatte, weil er versucht hatte sie zu beruhigen, damit sie ihre Okklumentik fallen ließ, aber es endete damit, dass es ihr mehr Gründe gab, ihre Gedanken für sich zu behalten: Lily und Lilys Augen. War sie ein Idiot? Er hatte diese perfekte Kindheitsliebe gehabt und sie hatte schon zuvor Bilder von Lily Potter gesehen…
Aussichtslos.
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Am Abend vom 13. Januar hielt Hermine ihren Mund. Tatsächlich hatte sie jeden, der zum Orden gehörte, seit Weihnachten gemieden. Am ehesten kam sie mit ihnen durch eine kitschige Muggel-Geburtstagskarte in Kontakt, die sie Severus an seinem Geburtstag geschickt hatte und das zählte kaum, weil sie nicht mal eine persönliche Nachricht hineingeschrieben hatte und einfach nur mit „H" unterschrieben hatte.
Sie war nicht in der Lage gewesen zu schlafen, deshalb trank sie einfach weiter. Es war zur Gewohnheit geworden, dass sie ein paar Drinks zu sich nahm, bevor sie zu Bett ging, um ihre aufdringlichen Gedanken aufzuhalten und abzuschwächen, ebenso wie ihre Erinnerungen. Sie trank einen süßen Wodka-Limonaden-Cocktail, bis ihr der Wodka ausging und dann trank sie ihren Standardwhiskey mit Wasser verdünnt. Sie hielt ihr Getränk gegen ihr Dekolleté gedrückt und blätterte durch die Seiten eines alten Lehrbuchs über das Heilen.
Hermine kippte den Rest ihres Drinks hinunter und stand auf, um sich noch einen einzuschenken. Sie war wackelig auf den Beinen, was sie zum Lächeln brachte. Es war lange her, seit sie das letzte Mal richtig betrunken gewesen war. Daran war, um ehrlich zu sein, zum Großteil Severus Schuld. Sie hatte mit ihm Zeit verbracht, während sie geplaudert oder gebraut hatten oder auch einfach nur, indem sie sich Briefe hin und her geschickt hatten. Er mochte es, ihr lange Schreiben zu schicken, in denen er ihr erzählte, wie furchtbar sie als Schülerin gewesen war, wie ihre Aufsätze immer Überlänge gehabt hatten, wie unerträglich es war, dass sie sich die aufgegebenen Texte merkte und wie lächerlich ihr Haar an diesem Tag aussah.
In letzter Zeit hatte sie nicht viel getrunken, weil Severus es nicht mochte, wenn sie sich betrank. Sein Vater war ein Säufer gewesen. Und sie musste sich nicht mit einem Drink von ihren Erinnerungen ablenken, wenn er sie mit Konversationen und Gedanken von den Erinnerungen ablenkte und… indem er einfach nur im Raum anwesend war, egal ob es physisch oder nur auf dem Papier war.
Severus Snape war verdammt ablenkend.
Hermine schenkte sich einen weiteren Drink ein, lehnte ihre Hüfte gegen die Theke und schwenkte ihr Trinkglas langsam, während sie der bernsteinfarbenen Flüssigkeit zusah, wie sie sich bewegte.
Sie vermisste ihn. Sie hatte ihn seit über einer Woche nicht gesehen. Das war gut, denn das bedeutete, dass er sich nicht wieder blutend zu ihr in die Wohnung geschleppt hatte. Sie wünschte sich dennoch, dass sie eine Ausrede dafür hätte, ihn wiederzusehen. Sie schrieb ihm schon zu oft; der Schulleiter hatte es bemerkt und obwohl er nicht darüber gesprochen hatte, hatte er ihr einen dieser Blicke zugeworfen.
Es war zwei Uhr morgens und sie stand mittlerweile nicht mehr neben der Theke, sondern saß darauf, nippte zerstreut an ihrem Drink und fragte sich, wie lange es noch dauern würde, bis sie sich müde fühlen würde. Sie war geistig erschöpft, aber immer wenn sie versuchte ans Schlafen zu denken, erinnerte sie sich daran, dass Bellatrix Lestrange nicht mehr in Azkaban war. Fenrir Greyback auch nicht. Acht weitere lausige Exemplare von Menschen. Sie fragte sich, ob Severus zu diesem Ereignis gerufen worden war. Ob er nach der Flucht dazu beauftragt worden war Wiederbelebungstränke für sie zu brauen und ihnen Schokoladentafeln zum Essen zu geben.
Der Schlüssel drehte sich im Schloss und sie sah hoch, zog aber nicht ihren Zauberstab. Dumbledore hatte einen Schlüssel und Severus hatte auch einen Schlüssel. Dumbledore würde nicht um zwei Uhr morgens bei ihr auftauchen, er würde ihr einen Patronus schicken, um sie zu sich zu rufen. Also musste es Severus sein.
Er trug seinen Gehrock, aber keine Roben. In seinem Haar schimmerte das Braufett, was er immer trug, wenn er komplexe Zaubertränke braute. Er sah… schockiert aus. Er okkludierte nicht, zumindest nicht mehr, aber er sah aus, wie ein Mann, der kurz davor war, zu sich zurückzufinden und wusste, dass er es nicht mögen würde.
„Du wusstest es?", fragte er, als er sie auf der Küchentheke sitzen sah. Die Tür fiel hinter ihm zu und das Schloss sprang automatisch wieder zu. Sie prostete ihm mit dem Trinkglas zu, war froh, dass ihre Hand nicht zitterte, und trank noch ein Schlückchen.
„Am Morgen wird es überall in den Zeitungen sein. Natürlich wusste ich es."
„Warum hast du nichts gesagt?" Er stand im Türrahmen zur Küche und seine Augen waren zu Schlitzen verengt. „Was verdammt nochmal–"
„Weil Dumbeldore mir deutlich seine Meinung gesagt hat, nachdem ich das Gegengift ins St. Mungo gebracht hatte, bevor Mr. Weasley attackiert worden war", sagte sie und unterbrach ihn, während sie ihn wütend ansah. „Weil er mir verboten hat auch nur ein Wort von alldem zu verlieren, bevor es passiert. Verdammt, Sev. Das ist der Grund, weshalb er mich Okklumentik gelehrt hat."
„Aber...", begann er und brach dann ab. Er fuhr eine Hand durch sein Haar und sah sie angeekelt an, als sie dadurch fettig wurde. Er wischte sie an seiner Hose ab.
„Tu das nicht", sagte sie. „Ich weiß. Ich… habe es versucht. Ich habe ihn angefleht, davor zu warnen und wenigstens ihm zu sagen, wenn etwas Großes davor stand, zu passieren."
„Er hat nein gesagt."
„Er hat nein gesagt." Sie nickte und trank noch mehr Whiskey. „Er hat mit Nachdruck nein gesagt. Er sagte, dass eine Vorwarnung den Ausgang komplett verändern könnte. Er sagte, von zwei Übeln wählt man lieber das, was man schon kennt."
Snape war mit zwei schnellen Schritten bei ihr, nahm ihr das Trinkglas aus der Hand, kippte sich den Rest ihres Whiskeys hinunter und verzog das Gesicht. Um Mitternacht herum hatte sie aufgehört, ihn mit Wasser zu verdünnen; sie trank sowieso nicht wegen des Geschmacks.
Es war schwer nachzudenken, wenn er so nah neben ihr stand. Er stand direkt neben ihren Knien und, als sie nachdachte, bemerkte sie plötzlich, dass sie ziemlich betrunken war. Sie bekam es trotzdem hin, ihm einen weiteren Drink einzuschenken, ohne etwas davon zu verschütten.
„Du bist betrunken", stellte er fest, nahm einen kleinen Schluck und starrte auf sie herunter.
„Ziemlich", sagte sie und sah seine Schultern anstelle seines Gesichts an. Sie wollte nicht, dass er ihre Gedanken las, nicht heute Nacht. Sie hatte keine Kontrolle. Und es gab zu viele Dinge, die zu ihm durchdringen konnten, zu viele Dinge, von denen es schlecht für ihn wäre, sie zu wissen – nicht nur Dinge über den Krieg, sondern auch… andere Dinge.
Ein Ding davon war, dass sie ihn berühren wollte. Wie sehr sie wollte, dass er sie berührte. Nicht auf eine sexuelle Art, obwohl das natürlich auch dazu gehörte. Sie wollte eine Umarmung. Sie wollte, dass er ihren Ellenbogen mit seinem anstieß oder, dass er seine Hand auf ihrer Schulter ablegte, wenn er an ihr vorbeigriff, um an die Flasche zu gelangen, um sein Glas nachzufüllen.
Sie hatte sich in ihn verliebt und das war schrecklich unpassend. Sie konnte es ihm niemals sagen. Er dachte über sie nicht dasselbe – verdammt, sie war sich die Hälfte der Zeit nicht einmal sicher, ob er sie überhaupt als Freundin betrachtete. Und selbst wenn er das tat, oder wenn er das konnte, könnten sie nie etwas unternehmen. Da war der Krieg und die Tatsache, dass sie immer noch seine Schülerin auf eine sehr reale Art war. Und die Standpauke, die sie dafür erhalten hatte, nichts preiszugeben, was in der Zukunft passieren würde, wäre nichts im Vergleich zu der Standpauke, die sie bekommen würde, falls der Schulleiter überhaupt jemals denken würde, dass sie ein Liebespaar sein könnten.
Ach, was soll's, dachte sie und rieb sich die Augen. Das ist mir total egal. Wenn er mich wollen würde, wäre ich sein, egal was die Konsequenz auch sein würde.
Sie lachte, aber es war eine jämmerliche Ausrede für ein Lachen, und nahm ihm das Trinkglas wieder ab. Sie trank ein paar Schlucke und sah ihn aus Vorsicht nicht an. Er nahm es zurück, leerte und füllte es wieder auf. Er hielt das Trinkglas an seine Brust und starrte auf irgendeinen Punkt links von ihrem Kopf.
„Ich dachte, Black wäre verrückt, nachdem er Askaban verließ, aber er ist im Gegensatz zu den Todessern, die heute Nacht ausgebrochen sind, kerngesund", sagte er. Sie bemerkte, dass die Hand, die den Whiskey hielt, zitterte. „Der Großteil von ihnen waren… allenfalls Fanatiker zu Beginn. Treu ergeben durch ihren Hass.
Als ich mich den Todessern anschloss, taten sie immer noch so, als wären sie eine politische Partei. Sie begannen erst Muggel an den Wochenenden zu foltern als… nun ja."
Sie nahm ihm den Whiskey ab und stellte ihn neben sich auf die Theke. Ihre Hand wäre kaum ruhiger als seine.
„Damals war Bellatrix Lestrange die Schlimmste von ihnen. Sie ist in den Dunklen Lord verliebt; das ist widerlich. Sie hat geweint als ihr klar wurde, dass der –neue?– Körper des Dunklen Lords, diese wieder geborene Abscheulichkeit, zu der er geworden ist… der Aufgabe nicht gewachsen ist, wenn du mir folgen kannst. Sie war gerade mit ihrem verdammten Ehemann wiedervereint worden und sie weinte wegen der Ungerechtigkeit der Funktionsstörung eines anderen Manns."
„Das ist eine Sache, über die ich noch nie nachgedacht hatte", sagte sie und verzog ihre Lippen. „Danke dafür."
„Warum dachtest du braue ich sonst so viele verdammte Potenztränke?"
„Ganz ehrlich? Ich hatte gehofft, dass sich eine abartige Glückssträhne im bevorzugten Feld deines Könnens aufgetan hat."
Er lachte, aber es war ein freundliches Lachen. Ein überraschtes Lachen.
„In meiner vergeudeten Jugend vielleicht", sagte er. Sie konnte sein Lächeln hören, aber sie sah ihm immer noch vorsichtshalber nicht ins Gesicht, damit sie keinen Blickkontakt hatten. Doch eigentlich wollte sie das. Sie mochte seine Augen. „Das ist sein Belohnungssystem, weißt du. Du hast die Ergebnisse seiner Unzufriedenheit gesehen. Wenn wir ihn zufrieden stellen…"
„Das musst du mir wirklich nicht erzählen." Tatsächlich war ihr etwas schlecht. Sie war schon sehr lange nicht mehr eifersüchtig gewesen und sie stellte fest, dass sie dieses Gefühl immer noch nicht mochte. Es war allerdings schlimmer als Ron und Lavender zusammen zu sehen. Es war Severus.
„Er schickt uns in ein Privatgemach", sagte er mit einer seltsamen Nervosität in seiner Stimme. Es hörte sich beinahe so an, als dachte er, dass er ihr eine Erklärung schuldete, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, warum. Vielleicht sah er sie doch als eine Freundin? Vielleicht wollte er nicht, dass sie dachte, dass er den Sex mit beschissenen Todesser-Huren genoss? „Ich gebe ihnen – ihr, Marcella; es ist immer dieselbe verdammte Hexe – eine Art Trank, der Halluzinationen auslöst. Sie denkt, dass wir… na ja. Und ich muss sie nicht mal berühren."
Mir wäre es lieber, du würdest bestraft werden, als dass eine andere Frau sich auch nur vorstellt, dich haben zu können, wenn ich das nicht kann.
Hermine kniff ihre Augen zu und betete zu jeder Gottheit, von der sie jemals gehört hatte, dass ihre Gedanken nicht zu ihm durchgedrungen waren. Es war peinlich, erniedrigend. Eine Schwäche. Und vermutlich problematisch, wenn sie nur weiter machen würden, Freunde zu sein und wenn er das gehört hatte, da er sie nie wollen würde. Sie war vielleicht nicht seine Schülerin, aber er sah ihre jüngere Version, diejenige, die immer noch seine Schülerin war, öfter als er sie sah. Er betrachtete sie nicht als eine Frau; nicht auf diese Art. Er hatte nicht mal darauf reagiert, als sie auf Slughorns Party so kess gewesen war; sie hatte ihre Brüste praktisch in seine Hand geschoben und er hatte sich dafür entschuldigt.
Sie kippte versehentlich nach vorne und ihre Stirn landete auf seiner Schulter. Sie hatte ganz vergessen, dass er ihr so nah war, damit so etwas passieren konnte, aber sie nahm an, dass er nur höflich war, um sie nicht von der Theke fallen zu lassen.
Dann trat er ein wenig näher an sie heran und legte einen Arm um sie. Zog sie in einer Umarmung näher an ihn.
„Severus." Es war ihr herausgerutscht. Das hatte sie nicht gewollt. Sie war so vorsichtig gewesen.
Er hielt sie fester und sein anderer Arm fand seinen Platz zwischen ihren Schultern. Er war warm und breit und perfekt. Sein Mantel roch nach warmem Metall und Kesseldünsten mit einer Unternote von Schokolade.
„Unsere Leben sind so beschissen", sagte er nach einer Weile und, obwohl sie ihn nicht lachen hören konnte, spürte sie es in der Bewegung seiner Brust. Er ließ sie nicht los.
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„Das schreit von oben bis unten nach dir", sagte Severus, als sie ihn Mitte März sah. Er hielt den Klitterer und lächelte.
Das Lächeln veränderte sein Gesicht. Normalerweise war er ernst und sein kantiges Gesicht war die Verbildlichung von Miesepetrigkeit und Gegrübel. Wenn er lächelte, sah er ein Jahrzehnt jünger aus und sie konnte den Glanz in ihm sehen.
„Was ist das?"
„Spiel nicht die Ahnungslose." Er ließ den Klitterer neben ihrem Ellenbogen auf den Tisch fallen und zog sich einen Stuhl heran. Sie versuchte nicht an die Tatsache zu denken, dass das das dritte Mal in einem Monat war, in dem er sie besucht hatte, obwohl er nicht verletzt war. Er schaute bei ihr vorbei, nur um sie zu sehen und mit ihr zu sprechen. „Wie hast du das geschafft?"
„Erpressung." Sie hob den Klitterer auf und überflog den Artikel, während sie das Grinsen nicht unterdrücken konnte.
„Du hast Rita Kimmkorn erpresst."
„Nein, Luna Lovegood."
Er nahm ihr die Zeitschrift aus der Hand, rollte sie langsam zu einer Röhre und gab ihr damit einen Klaps auf den Kopf. Sie lachte.
„Ja, ja, schon gut. Ich habe Rita Kimmkorn erpresst, um eine glaubwürdige Autorin mit der Sache verbunden zu haben. Und ja, ich weiß wie lächerlich es ist, dass Rita Kimmkorn eine glaubwürdige Autorin ist." Da er saß, goss sie ihm eine Tasse Tee ein. „Und ich nehme an, Umbridge hat es bereits verboten. Sie werden es morgen erneut drucken, weißt du. Die beliebteste Ausgabe, die es jemals gab."
„Ich kann mir nicht vorstellen warum", sagte Severus mit ausdruckslosem Gesicht. „Die gewöhnlichen Ausgaben sind vollgestopft mit interessanten Themen."
Sie grinste, trank ihren Tee und versuchte etwas anderes zu finden, über das sie reden konnten. Seit sie ihre kleine Offenbarung gehabt hatte, war sie nicht mehr dazu in der Lage gewesen, wie früher mit ihm zu reden. Gespräche über Artikel aus Zaubertrankjournalen oder beinahe Streits darüber, ob diese komische Theorie ganz gut und schön war. Jetzt wollte sie ihn aber fragen, was er nach dem Krieg anfangen wollte und, ob es vielleicht möglich wäre, dass sie mit dabei war. Für immer bei ihm.
„Wie läuft der Okklumentik-Unterricht?", fragte sie, obwohl sie sich schon gut vorstellen konnte, wie die Antwort ausfallen würde.
Severus rollte mit den Augen und fläzte sich ein wenig auf seinem Stuhl, als würde es ihn vor einer spontanen Lektion beschützen, wenn er seine Schultern zu den Ohren hochgezogen hatte. „Entsetzlich."
„Ich sollte dir das vermutlich nicht erzählen, aber die Unterrichtsstunden werden nicht besser werden." Harry hatte ihnen nie genau erzählt, was den Unterricht beendet hatte, aber sie wusste, dass er etwas getan hatte, was Severus so sehr erzürnt hatte, dass er ihn kurzerhand aus dem Raum geworfen hatte. Nicht nur das, aber was auch immer es gewesen war, war schlimm genug gewesen, dass Dumbledore zugestimmt hatte, den Unterricht zu beenden.
„Das überrascht mich nicht."
„Er wurde immer von seinen Gefühlen angetrieben. Und bei dem, was ich jetzt über Okklumentik weiß, ist es keine Überraschung, dass ihm das nicht liegt. Besonders nicht–und das ist keine Beleidigung–aber besonders nicht, wenn er von dir unterrichtet wird."
„Um ehrlich zu sein, habe ich versucht dem Schulleiter das zu erklären. Die Stunden wären von ihm viel besser angenommen worden, wenn sie von Dumbledore gekommen wären. Er hat abgelehnt."
Weil er beginnt, die Verbindung zu erahnen und er darüber besorgt ist, dass es nur noch schlimmer werden würde, wenn Voldemort denken würde, dass Harry einen besonderen Einblick in Dumbledores Vorgehensweisen besitzt.
„Ja."
„Ich habe vorgeschlagen, dass du ihn auch unterrichten könntest. Selbst unter dem Einfluss des Vielsafttrankes oder etwas ähnlichem. Davon wollte er auch nichts wissen."
„Hm." Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie hätte eigentlich nichts dagegen gehabt. Es hätte vielleicht sogar funktioniert. Wenn Harry allerdings wirklich ein Horkrux wäre, hätte es natürlich nicht wirklich geholfen. „Soweit ich weiß, hat Harry keine mysteriöse neue Hexe während seines Okklumentikunterrichts kennengelernt. Meistens hat er ein paar Stunden damit verbracht, darüber nachzudenken, wie sehr er dich nicht leiden konnte und ist dann in den Gemeinschaftsraum zurückgekehrt, um uns zu sagen, wie sehr er dich nicht leiden kann."
„Da hat er die Zeit wohl sinnvoll genutzt."
Severus rieb sich müde über die Stirn und Hermine hatte eine Idee. „Möchtest du dir den Zeitumkehrer ausleihen? Würde dir das helfen? Zumindest wärst du so in der Lage etwas Schlaf zu bekommen. Im Grunde genommen verwende ich ihn nicht mehr so oft."
Er sah sie einen langen Moment auf eine seltsame Weise an, dann blinzelte er und zuckte mit den Schultern. „Ich wüsste nicht, wie man ihn verwendet."
Sie griff sich an den Nacken und zog die lange Kette hervor, die sie dann über ihren Kopf zog. Sie ließ die Kette fallen und hielt einfach nur den Zeitumkehrer hoch, so dass er ihn sehen konnte, erklärte dann seine Ringe, wie sie jeden davon einstellte und drehte das Stundenglas in der Mitte.
„Faszinierend", sagte er und seine Augen klebten an dem kleinen Ding.
„Nun?", fragte sie. „Würdest du ihn dir ausleihen wollen? Ich bräuchte ihn zurück; Dumbledore will gelegentlich, dass ich ihn verwende."
„Das tut er?"
„Nicht für lange Sprünge, wie früher. Jetzt geht es zum Großteil darum, zum Anfang des Tages zurück zu gehen, um passenderweise im St. Mungo aufzutauchen, wenn ein Mitglied des Ordens eine diskrete Behandlung oder Überwachung braucht. Oder ich muss meine Zeit verdoppeln, damit ich an einem Treffen des Ordens teilnehmen kann und damit ich in einem zwielichtigen Stadtteil für Lupin als Reserveverstärkung mit dabei bin."
„Er hat dich zu den Werwölfen geschickt?"
Hermine berührte seine Hand, bevor sie es sich anders überlegen konnte nur flüchtig, um auf die Panik in seiner Stimme zu reagieren. „Nur ein paar Mal und es ist nichts dabei passiert. Es ist niemals während des Vollmonds und ich bin immer desillusioniert. Ich mache meine Schuhe lautlos und verberge meinen Geruch. Sogar Lupin weiß nicht einmal, dass ich mit dabei bin."
Sie wünschte sich tatsächlich, dass sie dasselbe tun und Severus mehr als einmal folgen könnte, aber er ging zu zu vielen Orten, die mit Schilden gesichert waren, die extra dafür gestaltet worden waren, um Leute wie sie fernzuhalten. Muggelgeborene. Diejenigen ohne dunkle Male.
Severus lehnte sich zurück und der Griff, mit dem er seine Teetasse hielt, war viel zu fest. Sie wollte ihn wieder berühren, um ihm irgendeine Art von Trost zu bieten. Es war… schön. Es war schön, dass er es nicht mochte, wenn sie sich in Gefahr begab und dass er sich um sie sorgte.
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Tee wurde zu einer regelmäßigen Gewohnheit. Es war wunderbar und schrecklich. Sie liebte es, ihn so oft zu sehen und zwar nicht in einem blutenden Zustand. Aber sie hasste die Spannung. Er spürte sie sicherlich nicht, ansonsten hätte er wohl etwas gesagt. Aber sie spürte sie. Den Schmerz. Sie wollte ihn. Sie hatte Albträume über die gesichtslose Marcella, die zumindest eine zaubertrank-bewirkte Fantasie hatte. Sie fühlte sich wie eine komplette Idiotin; das war das Letzte, von dem sie besessen sein sollte.
Und dann kam er zumindest ein mal pro Woche, gewöhnlicherweise an Donnerstagen, zum Tee vorbei. Er erzählte ihr dann, wie grauenhaft Harry in Okklumentik war und wie unerträglich Umbridge insgesamt war. Gelegentlich hörte sie Geschichten über andere Angestellte – Minerva schien sogar eine liebe Freundin zu sein (wenn sie die Geschichten richtig interpretierte) und für Poppy und Pomona besaß er eine hohe Wertschätzung. Er schickte ihr zwei mal pro Woche Briefe– in den meisten Fällen Samstags und Montags–in denen er ihr erzählte, dass ihre Aufsätze zu lang waren und ihre Vernarrtheit in Ronald Weasley urkomisch war.
Sie lebte für diese Briefe und die Besuche. Zwischen ihnen erledigte sie die Rechenaufgaben für den Orden und nahm an den Treffen teil. Es gab regelmäßig Versammlungen, um Informationen auszutauschen, obwohl nicht immer jeder an jedem Treffen teilnahm. (Sie war sich nicht sicher, ob das mit Absicht war, um die Informationen, die jedes Mitglied besaß zu begrenzen oder, ob es einfach nur wegen der Zeitpläne so war.) Sie braute den gewöhnlichen Vorrat an Zaubertränken für den Orden und ein paar weitere für ihre eigenen Schränke. Sie arbeitete an Projekten in ihrem Büro. Sie las Bücher und versuchte an banale Dinge zu denken, die sie Severus zurückschreiben konnte.
Als Dumbledore Hogwarts verließ, machte er einen Zwischenstopp in ihrer Wohnung. Er hinterließ keine Adresse, unter der man ihn würde erreichen können, aber er schritt eine Weile auf und ab und hielt sich sichtbar davon ab, sie dafür anzuschreien, dass sie ihm nicht gesagt hatte, was passieren würde.
Und dann kam der Tag der letzten Okklumentikstunde. Severus erschien direkt im Anschluss daran und war rasend. Die Fenster zitterten sogar, als er den Raum betrat.
„Was für eine Woche, hm?", fragte sie und versuchte lässig rüber zu kommen, um es zu vermeiden, mit ihm zu flirten. Sein Temperament war großartig, zumindest wenn es nicht sie war, auf die er wütend war.
„Was für eine Woche", knurrte er. „Hast du auch nur die geringste Ahnung davon, was Potter gerade getan hat? Hat er es dir erzählt?"
„Nein", sagte sie und beobachtete ihn, wie er herumlief. „Er schien tatsächlich sogar deswegen verlegen zu sein, als wir nachgehakt haben. Zuerst hatte er versucht uns zu erzählen, dass du entschieden hättest, er würde die Okklumentik gut genug beherrschen, um sich den Rest in seiner Freizeit selbst beizubringen, aber dann ertappte Ron ihn dabei, wie er immer noch diese Träume hatte. Er hat uns nie erzählt, was wirklich geschehen ist."
„Er dachte, es wäre eine gute Idee seine Nase in mein Denkarium zu stecken", sagte er mit angespanntem Kiefer und presste die Worte gerade so heraus. Er stakste auf sie zu. „Er hat dich gesehen. Ich musste ihn oblivieren."
„Ihn oblivieren? Weil er eine unbekannte ältere Hexe gesehen hat, die ein wenig wie seine Freundin aussieht?"
„Hermine." Er war ihr so nah. Sie saß in einem Sessel und er hatte sich über sie gebeugt mit seinen Händen auf den Armlehnen. Und sie konnte sich nicht daran erinnern, dass er ihren Namen jemals gesagt hatte. Nicht auf diese Art.
„Severus?" Sie konnte kaum atmen. Die Spannung war zurück. Das Verlangen. Er war ihr so nah.
„Ich habe… Geheimnisse ins Denkarium getan. Peinliche Momente, prägende Momente. Dinge, die ich verstecken wollte, um sie für mich zu behalten." Er leistete bemerkenswerte Arbeit, sie nicht direkt anzusehen, während er ihren persönlichen Bereich dominierte. „Er darf dich nicht haben." Der letzte Satz war kaum noch ein Flüstern.
Was? Was soll das bedeuten?
„Severus?"
Er sah ihr endlich in die Augen und sein Gesicht war so offen und so hilflos, dass sie ihre Hände nach ihm ausstreckte. Sie verlor jedoch die Nerven, bevor ihre Hände ihn erreichten, weshalb sie sie stattdessen auf seine Handgelenke legte.
„Du bist… Ich habe keine Freunde, Hermine. Es ist mit nicht bestimmt irgendwelche Freunde zu haben. Niemand kann Geheimnisse für sich behalten." Seine Augen bohrten sich in ihre, dunkel und intensiv. Er okkludierte nicht, genauso wenig wie sie, aber wenigstens einmal blieben sie in ihren eigenen Gedanken. „Du bist – unersetzlich – für mich."
„Severus."
Er versuchte aufzustehen, sich ihr zu entziehen, aber sie hielt seine Handgelenke mit ihren Händen fest. Es war kein großer Kampf; er versuchte nicht einmal seine Hände wegzuziehen, als sie ihn nicht sofort losließ. Er schloss seine Augen und ließ seinen Kopf hängen.
„Potter kann das beschissene Ende haben. Er kann die Rumtreiber haben. Er kann Lily haben." Er öffnete seine Augen und sah sie an. Ungeschützt. „Dich darf er nicht haben."
„Ich bin dein", flüsterte sie, da sie ohnehin verloren war. Er konnte genauso gut darüber Bescheid wissen.
Es schien als konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, wie man atmete und aufgrund dessen, was sie hörte, hatte er auch Probleme damit. Er starrte sie an, als wenn er nicht glauben konnte, was er gerade gehört hatte. Sie sah verlegen weg. Er hatte zugegeben ein Freund, ein guter Freund, zu sein. Und sie hatte… na ja.
Er begann seine rechte Hand zu bewegen und sie ließ seine beiden Handgelenke los und schloss ihre Augen. Vor ihm diese Verletzlichkeit zu zeigen, war schlimmer als die Eifersucht, die sie wegen der gesichtslosen Marcella gefühlt hatte. Schlimmer als die Eifersucht, die jedes Mal aufzulodern begann, wenn er Lily erwähnte. Sie hasste es ungeschützt zu sein; sie hatte dafür zu viele Geheimnisse.
Zu ihrer Überraschung überließ er sie nicht ihrer Beschämung. Seine Finger legten sich sanft um ihr Kinn und drehten ihr Gesicht wieder in seine Richtung. Er ließ sie dort, bis sie ihre Augen öffnete. Sein Gesicht war ihrem wieder so nahe und ihre Augen befanden sich auf derselben Höhe.
„Meinst du das ernst?"
Sie blinzelte und biss sich auf die Lippe. Für den Bruchteil einer Sekunde schwenkte sein Blick nach unten zu ihren Lippen, aber dann war er wieder zurück bei ihren Augen.
„Ja." Sie hatte kaum genug Luft, um es zu flüstern. Du bist unersetzlich für mich, hatte er gesagt. Potter kann Lily haben. Dich darf er nicht haben. „Ja, Severus. Ich bin dein."
„Scheiß drauf."
Er küsste sie. Es war kein schöner, sanfter Kuss – ein erster Kuss, ein Auftakt. Dieser Kuss war leidenschaftlich und das Über-Bord-werfen aller Vorsicht. Sie schlang ihre Arme um seine Schultern und hielt sich an ihm fest, wobei sie ihm half, dass er sie vom Stuhl hob und sie an sich drückte. Sie steckte alles, was sie zurück gehalten hatte, in diesen Kuss. Eine Hand brachte seine Haare durcheinander, um dafür zu sorgen, dass er ihr nahe blieb, während sie ihren anderen Arm um seine Schultern gelegt hatte und an ihm hing.
Sie lösten sich völlig außer Atem voneinander. Seine Hände waren beide an ihrem Hintern und hielten sie hoch. Ihre Beine waren um ihn geschlungen.
Das ist ganz schön schnell eskaliert.
Sie klammerten sich aneinander, atmeten und blieben eine lange Weile so. Letztendlich war es für ihn jedoch unsinnig, sie weiter hochzuhalten. Sie ließ ihre Beine fallen und er wanderte mit seinen Händen zu ihrer Taille. Sie standen nahe beieinander, jeweils umgeben von den Armen des anderen.
„Ich könnte mich sehr leicht in dich verlieben", sagte sie. Sie wurde rot. „Ich–"
Er legte seine Finger auf ihre Lippen. Sie erstarrte. Sie wollte ihn näher zu sich ziehen, aber sie traute sich nicht.
„Hermine, ich–"
Sie küsste seine Fingerspitzen. Sie wollte ihn verführen, wollte die Spitze eines seiner Finger in ihren Mund nehmen und die Dinge von da an ihren Lauf nehmen lassen, aber sie hielt sich zurück. Nicht dass es darauf ankam; wegen der Art, wie sich seine Augen verdunkelten, merkte sie, dass der Gedanke zu ihm durchgedrungen war.
Seine Hand bewegte sich, legte sich um ihre Wange und zog sie näher. Dieses Mal war er zaghafter. Seine Lippen streiften ihre in einer Serie aus federleichten Küssen. Sie lehnte sich ihm entgegen, fuhrt mit ihren Händen über seine Brust, um sie in seinen Reverskragen zu stecken und ihn näher zu sich zu ziehen. Sie küsste ihn zurück und knabberte an seiner Unterlippe. Er stöhnte; seine Hand verließ ihr Gesicht, wanderte ihre Taille entlang, zog sie näher und schlang sich um ihren Rücken.
„Das darf nicht passieren", sagte er und sie spürte seinen warmen Atem auf ihrer Wange. Ungeachtet dessen, was er gesagt hatte, drückte er ihr einen Kuss mit geöffnetem Mund auf ihren Mundwinkel. Danach rieb er seine Wange an ihrer, vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und ließ seine Lippen an ihrer Halsschlagader ruhen. Sie atmete schwer, als seine Lippen und Zunge sie neckten und sich seine Hände weit an ihre Taille ausbreiteten und ihre Seiten hoch und runter fuhren.
„Richtig", sagte sie, aber es kam nur als Keuchen heraus.
Er ließ sie abrupt los und trat einen halben Schritt zurück. Er schnaufte wie ein Blasebalg und ihr wurde klar, dass sie ihre Hände in seinen Haaren gehabt haben musste; sie waren vollkommen zerzaust. Ihre Haut kribbelte.
„Richtig", sagte er und hörte sich genauso außer Atmen an wie sie.
„Weil ich es nicht–wir es nicht können", sagte sie. „Es ist zu viel los. Es steht zu viel auf dem Spiel. Wir haben zu hart gearbeitet, um–wir haben zu viel hineingesteckt, um–Dumbledore würde uns nicht lassen –"
Er unterbrach sie mit einem weiteren Kuss.
„Du solltest wissen, dass ich keine halben Sachen mache."
„Das weiß ich."
Er küsste sie wieder.
„Wir sind am Arsch", sagte sie und lehnte ihre Stirn gegen seine. Er lächelte.
„Wir sind total am Arsch."
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Es war eine unausgesprochene Vereinbarung, dass sie damit aufhörten, sich zu treffen. Er schaute nicht mehr auf einen Sprung zum Tee trinken vorbei. Sie erzählte ihm nicht mehr, an welchen Abenden sie in Hogsmeade sein würde. Sie schrieben sich täglich Briefe.
Es war unvermeidbar, dass Dumbledore sie erwischen würde. Er würde nicht damit einverstanden sein. Er würde verbieten, dass sie sich weiterhin sahen und möglicherweise würde er sogar darauf bestehen, dass Severus zu Poppy ging, wenn er verletzt war (und Umbridge sollte verdammt sein).
Zu Ostern schickte er ihr Schokolade aus dem Honigtopf, aber er besuchte sie nicht in den Ferien. Sie schickte ihm eine kitschige Muggelkarte und unterschrieb sie mit „Deine H".
Als es Juni wurde hörte sie nicht viel von ihm. Die Briefe kamen zwar täglich an, aber sie waren kürzer. Er war mit den Schülern aus dem fünften Jahr, die ihre ZAGs machten, und mit den Schülern aus dem siebten Jahr beschäftigt, die ihre UTZs machten. Daneben gab er noch Karriereberatungen für die Schüler seines Hauses und hatte Umbridge, die ihm einfältig lächelnd auf Schritt und Tritt folgte.
Hermine ignorierte alle Bedrohungen von Dumbledore (vor allem, da er sowieso nirgendwo auffindbar war) und wartete im St. Mungo in der Nacht, in der Minerva hineingebracht wurde. Für die diensthabenden Heiler war sie ein Niemand – der angestellte Zaubertränkemeister war der Einzige, der sie erkennen würde und der war gerade nicht im Gebäude; das hatte sie überprüft – und so schritt sie im Wartezimmer auf und ab. Ihr logisches Denken sagte ihr, dass es Minerva gut gehen würde, aber Ideen tauchten in ihren Gedanken dennoch auf. Wie, was wäre, wenn sie hereinplatzen und ihnen Informationen geben sollte? Was, wenn sie das immer getan hatte und sich einfach nicht mehr daran erinnern konnte, dass sie es getan hatte?
Sie zog ernsthaft in Betracht sich ihren Weg an dem gelangweilt aussehenden Zauberer in der Sicherheitsdienstuniform vorbei zu erzwingen, als Severus eintraf. Er kam mit wogenden, locker um ihn gelegten Lehrroben, die er sich in seiner Hast, das Schloss zu verlassen, über seinen Mantel geworfen hatte, ins Wartezimmer. Sie streckte sich nach ihm aus, wollte seine Gedanken streifen, wie sie es immer tat, aber ihre Nerven befreiten sich und gingen auf ihn über. Augenblicklich war er an ihrer Seite und seine langen Finger umklammerten ihren Ellenbogen beinahe zu fest.
„Severus", flüsterte sie und er drückte sie an seine Brust. Ihr Kopf lag unter seinem Kinn, als wäre es das Natürlichste der Welt.
„Was gibt es für Neuigkeiten?", fragte er und ballte seine Hände zu Fäusten, während er sie festhielt. Sie musste schwer schlucken, bevor sie sprechen konnte.
„Nichts. Ich bin keine Verwandte. Sie lassen mich nicht durch."
„Komm mit."
Er ließ sie aus–seiner Umarmung? seinem Griff?–los, hielt sie aber weiter am Ellenbogen fest und zog sie mit einem wütenden Blick am Wachmann vorbei. Sie holte sein Schritttempo ein und trottete neben ihm den Korridor entlang während der Wachmann hinter ihnen, leise und wirkungslos, herpolterte.
„Welches Zimmer?", fragte er leise ohne seinen schnellen Schritt zu unterbrechen.
„Das dritte auf der linken Seite."
Zwei Nachwuchsheiler und ein Chefheiler blickten auf, als sie eintraten. Einer der Nachwuchsheiler wich bei Severus Anblick von der Tür weg und Hermine verdrehte ihre Augen in Richtung Decke.
„Nun?", fuhr Severus die Anwesenden an.
„Professor Snape, das ist höchst unvorschriftsmäßig", sagte der Chefheiler, während er den Nachwuchsheiler beäugte, der zur Seite gewichen war. Severus richtete seinen Blick auf den älteren Mann und hob eine Augenbraue. Er ließ Hermines Arm nicht los und sie war froh darüber; es gab ihr Halt.
Minerva lag in einem typischen Krankenpyjama auf dem Bett, ihre knochigen Füße waren sichtbar. Sie sah ohne ihre Roben so klein aus. Ohne die rohe Gewalt, die aus ihren Poren ausstrahlte. Sie war blass und ihre Augen waren vor Erschöpfung lila umrandet. Die Diagnose, die über ihr schwebte war eine, die Hermine nicht bevorzugt hätte, aber sie wusste, wie man sie lesen musste. Der Hauslehrerin von Gryffindor würde Zeit gegeben werden, um zu genesen. Um ihre linke Hüfte, wo es so aussah, als hätten sie zumindest zwei Stupor getroffen, wurden Nervenschäden ausgestrahlt. Aber selbst das würde mit der Zeit und Behandlung verschwinden.
Hermine stolperte von Severus weg, ließ sich in den Suhl in der Ecke fallen und schlang ihre Hände um ihre Knie. Sie starrte in die Diagnose. Atmete.
„Nun?", fragte Severus wieder und dieses mal war die Frage an sie gerichtet. Er sah äußerst neben der Spur aus; sie hatte sein Gesicht noch nie so schutzlos gesehen, während andere Leute im Raum anwesend waren. Sie konnte nicht sprechen, also nickte sie bloß.
„Es wird ihr wieder gut gehen", sagte der Chefheiler in einem genervten Tonfall.
Severus taumelte einen Schritt zurück, fing sich dann aber wieder und zwang sich dazu, aufrecht zu stehen. Er wandte sich an die Heiler und verschärfte seinen Tonfall mit ihnen, während Hermine ihre Fassung wiedererlangte.
Eine halbe Stunde später verließen sie das Krankenhaus gemeinsam. Ihnen wurde erlaubt, sich zu der bewusstlosen Minerva zu setzen, die nun mit einer dünnen Decke bedeckt war, bis der Chefheiler seine Runden auf der Station beendet hatte. Inzwischen war es früh am Morgen und Hermine konnte kaum noch ihre Augen offen halten. Der Stress dieses Tages war echter Erleichterung gewichen und hatte sie völlig ausgelaugt.
Sie liefen nach draußen und waren vorsichtig darauf bedacht, sich nicht zu berühren. Hermine wollte sich lässig an ihn lehnen, um sich bei ihm unterzuhaken und um seine Hand zu halten. Sie wolle ihr Gesicht an seine Brust drücken und ihre Arme um seine Hüften schlingen. Es war sehr schwer, alle diese Dinge und noch mehr nicht zu tun, da sie wusste, dass er etwas dagegen haben würde.
Der Raum zum Apparieren war unscheinbar wie die meisten Räume zum Apparieren. Ein schlichter Raum mit ein paar skurrilen Kleinigkeiten, um den Raum unverwechselbar und einprägsam zu machen, um das Risiko von Zersplinterungen zu verringern. Sie sah ihn an, nahm dann seine Hand und apparierte mit ihm Seit-an-Seit nach Edinburgh.
Sie hielten sich immer noch an den Händen, während sie den Flur zu ihrer Tür entlangliefen und sie durchschritten. Zumindest tat sie so, als hätte sie vergessen, dass ihre Finger mit seinen verschlungen waren. (Als könnte sie das vergessen; sie konnte sich kaum auf irgendetwas anderes konzentrieren.)
„Minerva wird es wirklich wieder besser gehen?", fragte er und nutzte ihre verbundenen Hände, damit sie in der Küche blieb. Er lehnte seine Hüfte gegen die nächste Küchentheke und beugte seinen Arm, um sie näher zu sich zu ziehen. Er hielt ihre Hand zwischen ihnen hoch und sein Daumen streichelte ihre Knöchel auf eine sehr reizende ablenkende Art.
„Bevor das Schuljahr vorbei ist, wird sie wieder in Hogwarts sein", sagte Hermine und sah seinem Daumen zu, wie er langsam über ihre Finger fuhr. Sie würde ihm vermutlich alles, was er wissen wollte sagen, einfach damit er sie so lange wie möglich weiter berührte. „Sie wird etwas schneller ermüden und wird eine Zeit lang einen Gehstock benötigen, aber zum größten Teil wird sie unversehrt sein."
„Ich hätte Umbridge beinahe verflucht, als sie den Lehrkörper über das informiert hat, was geschehen ist", sagte er und sein Ton war so emotionslos, dass sie nach oben in sein Gesicht blickte. Es sah ratlos aus, mit verkniffenem Mund und nachdenklichen Augen. „Sie war aufgedreht. Oder zumindest aufgedrehter als sonst. Regelrecht erfreut darüber, eine rivalisierende Autoritätsperson los zu sein."
„Das überrascht mich nicht", sagte Hermine. Er hatte aufgehört ihre Knöchel zu reiben, weshalb sie sich vorgelehnt hatte und ihre Stirn an die Rückseite seiner Hand lehnte. Es erforderte mehr Willensstärke, nicht den letzten Schritt auf ihn zuzugehen und ihre Arme um ihn zu legen, um ihn wieder zu küssen, als es das hätte tun sollen. Ihr Schlafzimmer war nur ein paar schnelle Schritte entfernt. Ihr Bett war nicht gemacht, aber das kümmerte sie kaum. Zumindest hingen (wahrscheinlich) keine BHs an den Türknäufen.
„Hermine." Sie konnte die Sehnsucht einfach nur aus dem Ton ihres Namens auf seinen Lippen heraushören.
„Das ist so unfair", murmelte sie und hoffte fast, dass er es nicht hören würde.
„Das Leben ist nicht fair."
„Bitte. Ich brauche keine hohlen Floskeln."
„Das ist weniger eine Floskel als eine Tatsachenaussage."
„Hättest du gerne einen Tee?" Weil sie eine Britin und er Brite war und verdammt noch mal, aber was konnten sie sonst tun?
„Ich sollte nicht bleiben."
Sie wimmerte, sie wimmerte wirklich. Es war erbärmlich.
Er legte ihr eine tröstende Hand auf die Wange und sie lehnte sich hinein. Einen Atemzug später fanden seine Lippen ihre und er küsste sie als würde er ertrinken und als wäre sie die Luft, die er brauchte.
„Und das ist der Grund, weshalb ich wirklich gehen sollte", sagte er, hielt sie aber weiterhin fest. Ihre Finger waren immer noch von vorhin ineinander verschränkt und seine andere Hand hatte er jetzt locker in ihrem Gewirr aus Haaren. „Ich liebe dich. Und du liebst mich. Wir sind beide zu eingebunden in diesen verfluchten Krieg, um… uns zu erlauben–abgelenkt zu sein. Das können wir nicht zulassen. Es geht nicht mal darum, von Dumbledore erwischt zu werden. Es wäre nicht, dass er nicht zustimmen würde, obwohl er das natürlich nicht tun würde. Es geht darum, dass wir beide schon so viel aufgegeben haben. Und keiner von uns ist egoistisch genug, um diese Verantwortung zur Seite zu schieben, nur für unser eigenes… Glück."
Es wäre eine weitaus wirkungsvollere Ansprache gewesen, wenn er nicht ungefähr jedes dritte Wort mit einem Kuss auf unterschiedliche Stellen ihres Gesichts unterstrichen hätte und mit einem halb unschuldigen Kuss auf ihre Lippen geendet hatte, bevor er das letzte Wort sagte. Und wenn er ihr nicht gerade gesagt hätte, dass er sie liebte.
„Nun ja, wenn das alles ist", sagte sie schwach, zog ihre verbundenen Hände nahe an ihre Brust und legte ihre andere Hand ebenfalls um seine. „Denke ich, dass ich mich hinsetzten werde und in dem mitleiderregenden Drama suhlen werde, was sich als mein Leben verkleidet hat."
„Du wirst dich nicht suhlen", unterrichtete er sie und trat so nah an sie heran, dass sie so gut wie an seine Brust gelehnt dastand, während ihre Hände zwischen ihnen gefangen waren und die Hand, die er in ihren Haaren gehabt hatte, ihren Kopf gegen sein Schlüsselbein hielt.
„Oh, sieh uns an", sagte sie halb belustigt, aber zum größten Teil überhaupt nicht belustigt. „Der Spion und die Mörderin. Tödlich. Stark. Verantwortlich. Liebestrunken. Trübselig."
„Ich blase kein Trübsal."
Sie lachte, aber es tat weh. Er war ihr so nahe–er war in ihren Armen, hielt sie in seinen Armen–aber sie konnte ihn nicht haben.
