Es war immer am Ende des Schuljahres.

Sie hätte beinahe dazu Lust gehabt, in irgendeine Muggelkneipe, weit weg von allem zu gehen; am Morgen würde sie zum Hauptquartier gehen, um in Erfahrung zu bringen, was Dumbledore wollte, dass sie tat (anders als still herumzusitzen, während er ihr Wissen mit seinem Zauberstab herausfischte). Stattdessen kam sie eine gute Weile nachdem sie wusste, dass Harry seinen Flohanruf getätigt haben würde, im Grimmauld Platz an.

Sie kleidetet sich in Roben, mit den Perlen in ihrem Haar und einem Schal in ihrer Tasche, um ihr Haar zurückzubinden, falls es erforderlich wäre. Sie sah wie Sam Barnes aus und nicht wie Hermine Granger. Das war wichtig.

Das Portrait von Mrs. Black starrte sie finster an, aber es wusste nicht, dass sie eine Muggelgeborene war, also war finster dreinschauen alles, was es tat. Kreacher war nirgends zu sehen und das war auch gut so, weil sie ihn vermutlich getreten hätte.

Sirius Black war in der Küche und stritt sich mit Severus. Sie hatte erwartet den Orden versammelt vorzufinden, bereit sich auf das Ministerium zu stürzen, wie sie sich erinnerte, dass sie es getan hatten. Stattdessen saßen Mad-Eye, Tonks, Shacklebolt und Lupin am Tisch, sahen angespannt aus und tranken Tee, während sie dem Streit zuhörten.

„Wie kannst du dir so sicher sein, dass er nicht mit seinen Freunden draußen im Wald ist? Es ist ein großer Wald", sagte Black abfällig mit vor der Brust verschränkten Armen.

Severus richtete sich auf – und er war wesentlich größer als Black – bemerkte sie aber in der Tür, bevor er antwortete. Er drehte sich zu ihr, um sie anzusehen und hob eine Augenbraue. „Nun?"

Sie runzelte die Stirn. Von allen Leuten, wusste er es besser, als sie so etwas zu fragen. „Er ist in die Mysteriumsabteilung gegangen."

„Wie können Siedas wissen?", fragte Moody nicht ganz grob.

„Arithmetik", sagte sie knapp und starrte Severus weiterhin böse an. „Natürlich kann ich mir nicht sicher sein. Vielleicht sollte jemand den Wald noch einmal durchkämmen."

„Das werden dann wohl Sie sein, Snape", sagte Moody, der sie beim Wort nahm. (Das war die eine schöne Sache, die von seinem Wissen darüber, dass sie der Drache war, herrührte; das hatte einen gewissermaßen merkwürdigen Respekt geschaffen.) „Jeder andere müsste ansonsten durch die Schutzzauber gelassen werden."

„Also gut", sagte Severus missmutig. „Aber Black muss hier bleiben. Jemand muss hier sein, um Dumbledore in Kenntnis zu setzen, wenn er ankommt."

„Wohl kaum!", sagte Black und griff Severus wieder an, aber Severus ignorierte ihn. Sie fühlte, wie er ihre Gedanken streifte und starrte ihn verärgert an.

Du Arschloch. Du weißt es besser, als mich so etwas zu fragen. Geh und finde die verdammte Dolores Umbridge.

Sie drehte sich von ihm weg, zog ihre Okklumentikschilde hoch, um ihn herauszuhalten und richtete ihre Aufmerksamkeit auf Moody und seine Pläne für das Ministerium, bis sie hörte, dass Severus über das Flohnetzwerk verschwand.

„Ihr könnt mich nicht zurücklassen. Kreacher kann Dumbledore erzählen, was vor sich geht."

Hermine machte einen finsteren Blick, mischte sich aber nicht ein. Kreachers Verrat war bereits vollendet.

„Schön", sagte Moody. „Wir brauchen alle Zauberstäbe, die wir bekommen können. Nun Barnes, was können Ihre Zahlen uns noch darüber verraten, was wir zu erwarten haben?"

„Ich vermute eine Handvoll Schüler, die Harry ins Ministerium begleiten. Seine Verteidigung-gegen-die-dunklen-Künste-Gruppe."

„Sie nennen sich selbst Dumbledores Armee", sagte Black und grinste liebevoll. Dieser Anblick ließ Hermines Herz ein wenig schmerzen. Zwischen ihm und Harry lief es beinahe gut und es war vorbei, bevor es überhaupt begonnen hatte. Es würde vorbei sein, bevor es angefangen hätte. Es war dabei zu enden. Sirius Black würde vor Sonnenaufgang tot sein.

„Richtig", sagte sie und zwang sich dazu, Black zuzulächeln. „Dumbledores Armee. Schulkinder auf einer törichten Rettungsmission, die sich Todessern stellen."

„Dankt Merlin, dass Molly Weasley nicht zu diesem Treffen gerufen wurde", flüsterte Tonks. Shaklebolt tauschte einen belustigten Blick mit ihr aus, bevor seine Aufmerksamkeit wieder zu Moody zurückkehrte. Der Auror im Ruhestand skizzierte ihnen einen Plan, mit dem Hermine nicht im geringsten zufrieden war, aber sie war zu sehr in Eile ins Ministerium zu gelangen, dass sie nicht darauf insistierte weiter zu reden.

„Nun denn", sagte Moody schließlich und ließ noch ein letztes Mal seinen Blick über sie schweifen. Er sah ausgerechnet zufrieden aus.

„Auf geht's", sagte Black und zog seine Jacke richtig, während er aufstand. Er hielt seinen Zauberstab fest in seiner Faust und es brauchte keine Legilimentik, um zu wissen, dass er den Kampf kaum erwarten konnte.

Hermine befestigte den Schal um ihr Haar mit einem Zauber; somit würde er sich nicht lösen und ihr in die Quere kommen. Shaklebolt sah sie komisch an und das war schon so gewesen, seit sie angefangen hatte, sich für den Kampf bereit zu machen. Als sie ihre Lederbänder um ihre Hände und Handgelenke wickelte und nachdem sie ihre Haare zurückgebunden hatte. Sie ignorierte ihn.

„Abmarsch", sagte Mad-Eye, stand taumelnd auf und stampfte aus der Küche heraus. Ausnahmsweise einmal warf Tonks den Schirmständer nicht um, als sie herauslief.

Sie reihten sich am Straßenrand, gerade innerhalb der Grenze der Schutzschilde des Hauses, auf. Sie blickte die Reihe rauf und runter, in dem Wissen, dass sie mit guten Zauberstäben im Rücken in einen Kampf gehen würde. Das half zwar nicht viel, den Schrecken, der seit Tagen in ihrem Hinterkopf tobte, zu beruhigen – was wäre, wenn ihre Anwesenheit etwas veränderte, was wäre, wenn sie einen Fehler machte, was wäre, wenn sie sich selbst erkannte, was wäre, wenn, was wäre, wenn, was wäre, wenn? Alle ihre Sorgen brodelten, wie gewöhnlich, mit dem hinzukommenden Stress von der Panik des ersten Mals, als sie diesen Kampf durchleben musste und an die sie sich immernoch erinnerte; es war ihr erstes richtiges Duell gewesen.

Hermine unterdrückte ihre Gedanken. Sie überprüfte wie immer, ob die Barrieren an ihrem Platz und aktiviert waren, teilte ihre Erinnerungen auf und schloss diejenigen weg, die sie nur ablenken würden. Sie würde nicht daran denken, wie beängstigend es für sie beim ersten Mal gewesen war oder wie gebrochen Harry gewesen war, nachdem Black starb. Und sie würde garantiert nicht daran denken, wie wütend sie auf Severus war.

„Drei, zwei, eins – los!", schrie Moody und sie apparierten alle ins Atrium. Der riesige Raum war unnatürlich hell nach der Dunkelheit auf der Straße vor dem Hauptquartier.

Für einen Moment war das einzige Geräusch, was sie hören konnten, das stetige Rauschen des Wassers von dem goldenen Brunnen.

Hominum Revelio", murmelte Shaklebolt und neun Lichtpunkte leuchteten für ein paar Sekunden vor ihm auf, bevor er den Zauber fallen ließ, um auf den Angriff zu reagieren. Zwei Todesser griffen sie an und eilten aus zwei entgegengesetzten Seiten auf sie zu. Einer hatte hinter der Statue gestanden; der andere war aus dem Schatten in einem der leeren Flohkamine hervorgeschossen gekommen.

Die Duelle waren schnell. Shaklebolt lähmte einen mit einer Ganzkörperklammer nach einem kurzen hin und her und Moody hatte den anderen so stark rückwärts gegen die Wand geschleudert, dass er bewusstlos wurde. Tonks ging voran und sicherte die Todesser, indem sie sie fesselte und ihnen ihre Zauberstäbe abnahm. Hermine und Lupin schritten mit ihren Zauberstäben in den Händen voran und Hermine mit ihrem Messer. Sie näherten sich dem Sicherheitsschalter, wo der letzte Lichtpunkt von Shaklebolts Zauber eine Person angedeutet hatte.

Es stellte sich heraus, dass dies der Nachtwächter war. Er befand sich an der Schwelle des Todes. Seine Augen weiteten sich, als er Hermine und Lupin sah und eine Hand tastete schwach nach einem Zauberstab, der nicht dort war und dann starb er. Lupin schloss die Augen des Zauberers und sah schwermütig aus.

„Wir gehen weiter", sagte Moody und erreichte die Aufzüge zuerst.

Sie teilten sich in Zweierpaare auf – Black und Moody, Lupin und Tonks und Hermine mit Shaklebolt.

„Für so was haben Muggel Treppen, weißt du", sagte Hermine, um in der angespannten Stille der Aufzugskabine überhaupt etwas zu sagen. „Um sich nach unten zu schleichen. Um sich zu bewegen. Und im Falle eines Feuers."

„Das ist schön", sagte Shaklebolt und klang unglaublich aufrichtig. Sie konnte nicht sagen, ob er sie aufzog oder nicht, aber darauf kam es nicht an, da die Gitter zur Seite glitten und eine kühle weibliche Stimme sagte: „Mysteriumsabteilung", und überall Chaos herrschte.

Das Licht der Fackel flackerte und die Flammen tanzten aufgrund der Ankunft des Aufzugs, als auch wegen der vielen Zaubersprüche, die die Luft in Bewegung versetzten. Es befand sich nur ein einziger Todesser im Flur, aber er war im Vorteil. Niemand in den Aufzügen konnte ihn richtig sehen, da er immer, wenn sie es versuchten, Flüche auf sie losschoss.

Der Vorteil des Dämonsfeuers war, dass der Heraufbeschwörer nicht in der Lage sein musste, das Ziel zu sehen, wenn er genug Kontrolle darüber hatte. Hermine hatte die Kontrolle.

„Zurück", sagte sie zu Shaklebolt, schob ihn aus dem Weg und stellte ihren Fuß an einer Seite des Gitters ab (der Aufzug versuchte sich wieder zu schließen und zur Atriumsebene zurückzukehren und kündete jedes Mal, wenn sich die Gitter wieder vollständig öffneten an, dass sie in der Mysteriumsabteilung angekommen waren; es war ziemlich unerträglich, ganz abgesehen von den Gittern, die ihr immer in die Quere kamen).

„Was wollen Sie–"

Sie hatte an das Bild in der Ausgabe ihres Vaters von Der Hobbit gedacht. Eine Strichzeichnung des Drachens Smaug. Als sie klein gewesen war, bevor sie einen echten Drachen gesehen hatte, hatte sie gedacht, dass er süß war. Ein bisschen wie eine Echse und ein bisschen wie eine Schlange. Stacheln auf seinem Rücken und eine Rauchwolke, die er aus seinen Nasenlöchern stieß. Das war der Drache, den sie mit dem Dämonsfeuer heraufbeschwor. So lang wie ihr ausgestreckter Arm, mit einem flachen Kopf und sich windenden, beinahe fischartigen Bewegungen. Shaklebolt wurde komplett still in dem Moment, als er sich zu ihnen im Aufzug gesellte.

Hermine schnippte mit ihrem Zauberstab und das Dämonsfeuer brauste aus dem Fahrstuhl heraus und nahm seine unmenschliche Hitze mit. Der Todesser in der Halle schrie und wurde dann leise. Sie wusste, dass der Drache ihn gefunden hatte, durch seine Brust wie ein Geschoss gefahren war und ein faustgroßes Loch in seinem Körper zurückgelassen hatte. Sie konnte das verkohlte Fleisch riechen.

Sie verließ den Aufzug und musste an den anderen beiden Türen vorbeilaufen, bevor sie den Todesser sah. Der Drache aus Dämonsfeuer schwebte über dem Gesicht des Todessers und schien den Augäpfeln des Zauberers dabei zuzusehen, wie sie aufgrund der Hitze schmolzen und seine Schläfen herabliefen.

Angewidert drückte Hermine mit ihrer Willenskraft das Dämonsfeuer aus, bis nichts mehr von ihm übrig war. Es war einfacher, es zu überlisten, um es zu löschen. Ihm seine schwungvollen Bewegungen und das Drama zu lassen; sie war dafür aber nicht in der Stimmung.

„Gesichert", sagte Hermine, weil es das war, was in den Polizeishows, die ihre Eltern sahen immer gesagt wurde, wenn sich die Bedrohungen alle als ungefährlich herausstellten.

„Verdammte Scheiße", murmelte Tonks beim Anblick der Leiche.

„Er ist tot", stellte Lupin fest und klang schockiert. Hermine hob eine Augenbraue und wusste ganz genau, dass sie damit Severus nachmachte. Sie war sich unangenehm bewusst, dass sie gewöhnlicherweise nicht mit Zuschauern agierte und, dass nur drei Leute des Ordens tatsächlich gewusst hatten, was sie genau für Dumbledore tat. Bis jetzt.

„Wir können über Moral und meine arme zerbrochene Seele reden, nachdem wir Dumbledores Armee gerettet haben", sagte sie und ließ dabei die Gruppe, der sie helfen sollten, wie einen Witz klingen. Sie lief den Korridor zu der schlichten schwarzen Tür hinab und hielt sie für die anderen, spöttisch formell, auf.

Moody stapfte konzentriert auf die Aufgabe, welche vor ihnen lag, durch die Tür. Tonks warf ihr einen argwöhnischen Blick zu. Shacklebolt und Lupin sahen besorgt aus, schienen sich aber offensichtlich zu zwingen, an ihre Prioritäten zu denken. Blacks Augen glitten ihre Figur nach oben, als er eingebildet stolzierend an ihr vorbeilief und sie hob eine Augenbraue, sagte aber nichts.

Dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit.

Der Raum auf der anderen Seite war der runde Raum, welcher voller schwarzer Türen war. Die Decke und der Boden waren ebenfalls schwarz. Das Licht hingegen war blau.

Als sie mit Dumbeldores Armee diesen Raum durchschritten hatte, hatten sie nicht gewusst, wofür dieser Raum da war oder wie er funktionierte. Moody schien bereits einige Erfahrungen mit der Mysteriumsabteilung zu haben. Anstatt blind durch den Raum zu stolpern und wahllos eine Tür zu öffnen und anstatt durch die sich drehenden Wände und Lichter desorientiert zu sein, zeichnete er mit der Spitze seines Zauberstabs eine Zickzack Linie und stieß die Spitze gegen eine Tür.

Alle Türen sprangen auf und Hermine konnte nicht sehen, was sich hinter irgendeiner von ihnen befand.

„Verdammte ‚Mysterien'", sagte Mad-Eye sauer. „Teilt euch auf. Findet die Kinder. Holt Potter raus."

Das musste ihnen nicht zweimal gesagt werden. Sie ging durch die nächste Tür und fand sich im Raum des Denkens wieder.

„Nein", sagte jemand schwach. Die Stimme war ihr schrecklich bekannt. „Nein, das gefällt mir nicht."

Sie stolperte beinahe über ihren eigenen bewusstlosen Körper und starrte entsetzt nach unten. Sie war so jung. Sie hielt sich selbst nicht für alt, aber verglichen mit diesem kleinen Teenager auf dem Boden, war sie das in der Tat. Das Mädchen hatte ihr verrücktes krauses Haar überall und einen Pickel auf dem Kinn.

Das Mädchen hatte auch Blut, was sich durch die Vorderseite ihres Hemdes gesaugt hatte. Hermine schauderte und ihre Hand wanderte reflexartig zu der linienförmigen Narbe. Sie fühlte sich, als müsse sie sich übergeben.

Hermine zwang die Angst und die Panik beiseite, wies die Stimme in ihrem Kopf ab, die sich auffallend wie Dumbledore anhörte und ihr sagte, dass sie nicht bei sich selbst eingreifen konnte, und kniete sich neben ihr jüngeres Ich. Sie beschwor ihre gewöhnlichen Diagnosen herauf, obwohl sie wusste, was sie finden würde.

Überall war Blut und es war noch viel schlimmer als Hermine das Hemd aufriss. Die Kleidung hatte die Haut, mehr oder weniger, an Ort und Stelle gehalten und das Öffnen, um einen Blick auf die Wunde zu werfen, hatte die Wunde dazu gebracht, sich selbst zu öffnen.

„Scheiße", sagte sie und lachte dann beinahe wegen ihrer mangelnden Kreativität beim Fluchen. (Ihre Aufmerksamkeit war gerade woanders, um fair zu sein.)

Hermine zog ihre Umhängetasche heraus und rief ihren verzauberten Faden aus deren Tiefen herbei. Sie wusste, dass es auf lange Sicht nicht viel helfen würde, aber hoffentlich würde es ihr für den kurzen Moment helfen und eventuell sogar ihre Eingeweide drinnen behalten, bis sie sie ins St. Mungo bringen konnten. Und dann wären dort beinahe ein Dutzend Tränke, die sie während des Heilungsprozesses nehmen müsste und ein furchtbarer Schmerz, wann immer sie sich bewegte, der sie monatelang begleiten würde und sie würde sofort ihren Eltern gegenüber lügen, woher die Wunde stammte.

„Bitte, Gott, lass das funktionieren."

Das Paradoxon war, natürlich, dass es funktionieren musste oder sie würde nicht am Leben sein, um es überhaupt erst zu machen.

„Scheiße", sagte sie wieder.

Sie schmierte die Paste über ihre Brust und wischte sich ihre Hände an ihrer Robe ab, als sie fertig war – ihr Zauberstab rutschte nachdem sie die Wunde genäht hatte aufgrund des Blutes, was ihre Finger bedeckt hatte, in ihrer Hand. Rauchiger Dampf stieg von der Wunde auf und sie war kaum verschlossen. Die beiden Seiten der Wunder berührten sich kaum; tatsächlich zogen sie sich an ein paar verschiedenen Stellen auseinander, während sie zusah. Blut sickerte unheilvoll heraus.

„Schlucken", drängte sie, während sie einen Blutbildenden Trank an ihre eigenen Lippen hielt und ihr Teenager-Ich schluckte, würgte und es dann wieder hinbekam zu schlucken.

„Nein. Hör damit auf", murmelte Ron von der anderen Seite des Raumes aus und sie erinnerte sich daran, dass er von einem Gehirn voller Fühler attackiert worden war. Oder so was in der Art. Die Geschichte hatte sie nur lückenhaft von den Jungs gehört, da beide von ihnen unter Strom gestanden hatten und Ron damals verwirrt gewesen war.

„Scheiß drauf", murmelte sie, zog eine lange Bandage aus ihrer Tasche und zwang ihr Teenager-Ich mit einem Zauberspruch in eine sitzende Position. Sie wickelte ihr die Bandagen fest um, damit die Wunde zusammengehalten wurde und ihr eigener junger Anstand bedeckt war. Das musste reichen. Sie würde zumindest nicht verbluten. Und die Wunde würde mehr verzauberten Faden benötigen, um geschlossen zu werden – wenn sie sich richtig erinnerte, und das tat sie, hatte ein Team aus vier oder fünf Heilern an ihr gearbeitet, Zaubersprüche und -tränke kombiniert, um sie wieder zusammenzuflicken.

Als Hermine sich sicher war, dass sie sich selbst nicht dem Tod überließ, warf sie sich ihre Umhängetasche wieder über die Schulter und lief los, um Ron zu finden.

Er lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden und murmelte vor sich hin. Er hielt die Überreste des Gehirns, das er herbeigerufen hatte, und dessen Tentakeln waren immer noch um seine Arme und seine Brust gewickelt. Die Tentakeln pulsierten und drückten zu. Es waren die Krämpfe eines sterbenden Nervensystems.

„Scheiße", murmelte Hermine. „Ron!"

Ihr Diagnosenspruch bestätigte, dass er mit einem Verwirrungszauber belegt worden war, was es einfach machte, sich darum zu kümmern. Somit blieb noch das Gehirnproblem – sie hatte keine Ahnung, was dessen Zweck war oder wie es funktionierte, aber es verursachte ihm erhebliche Schmerzen und Leid, selbst nachdem der größte Teil davon durch Zaubersprüche und Rons verzweifelte Hände zerstört worden war.

Behutsam, während sie ihr Messer anstelle von Zaubersprüchen verwendete, die sich in diesem Fall nicht als hilfreich erwiesen hatten, trennte sie die Fühler von dem Gehirn und begann, sie von seinem Fleisch abzuwickeln. Sie hatten sich an einigen Stellen ziemlich tief eingegraben. Er würde blaue Flecken auf seinem Oberkörper haben und könnte für diese später einen Blutergussbeseitiger bekommen, aber sie verwendete Zauber um die spiralenförmigen Schnitte um seine Handgelenke und Arme zu heilen, wo die Tentakeln auf nacktem Fleisch gelegen hatten und Blut gesaugt hatten. Ziemlich viel Blut für so schmale Schnitte.

Renervate.

Der Zauberspruch funktionierte nicht oder Ron reagierte darauf nur nicht richtig. Sie beschwor ihre Diagnosen erneut herauf, aber es ging ihm physisch gut.

Legilimens.

Rons Gedanken waren ein fremder Strudel glücklicher Kindheitserinnerungen und gewitzter Schachstrategien. Sie konnte die Struktur, die ihnen anhaftete spüren und sie konnte fühlen, dass dort ein Einfluss von außerhalb diese Struktur wie ein Hurrikan aufwirbelte. Erinnerungen, die ganz sicher nicht seine waren – weil er definitv niemals in einem Aztekentempel gewesen, noch vorne in einem Hörsaal auf und ab geschritten war – kollidierten mit den vorhandenen Erinnerungen. Eine warf die andere über den Haufen.

Über dieses Durcheinander konnte Hermine Rons verwirrtes Fluchen hören, als sein Bewusstsein versuchte auseinander zu klamüsern, was zur Hölle gerade passierte.

Sie wünschte, dass sie ihn bewusstlos schlagen könnte und sein Gehirn wieder geradebiegen könnte, aber Legilimentik erforderte eine Zielperson, die bei Bewusstsein war. Sanft und vorsichtig begann sie mit ihrer Arbeit. Mit einem halben Ohr konzentrierte sie sich, für den Fall, dass sich Feinde näherten, auf ihre Umgebung, aber Ron war nur wenige Minuten vom Wahnsinn entfernt und wenn sie sich richtig an die Geschichte erinnerte, waren die Todesser mittlerweile in der Halle des Todes beschäftigt.

Langsam begannen seine Gedanken aufzuhören, sich zu drehen. Sie füllte die fremden Erinnerungen in heraufbeschworene Phiolen ab. Unsicher, was sie mit ihnen tun sollte oder ob sie noch von irgendeinem Nutzen sein konnten. Ihre Vermutung war, dass die Gehirne gespendet worden waren, damit an den Gedächtnissen geforscht werden konnte.

Auf eine gewisse Art ein Gedankenbehälter, sinnierte sie, während sie Rons Kindheitserinnerungen vorsichtig zurück in deren gewöhnliche Spalte der grauen Zellen manövrierte und dem Drang widerstand seine Arachnophobie mit einer geistigen Wand abzuschotten, um sie zu lindern. Das würde in seine Privatsphäre eingreifen und falsch sein.

Die Gehirne waren sowohl faszinierend als auch fürchterlich und sie war begierig, Severus von ihnen zu erzählen, bis ihr einfiel, dass sie wütend auf ihn war.

„H'mine", sagte Ron, als sie sich aus seinen Gedanken zurückzog. Er rümpfte die Nase, als er sie ansah. „Wo sind deine Haare hin?"

Und dann wurde er reglos. Hermine lachte beinahe. Der gute alte Ron.

„Was hast du mit ihm gemacht?", fragte Ginny. Hermine blickte auf und sah, wie das jüngere Mädchen ihren Zauberstab auf sie gerichtet hielt, während sie sich am Tischbein abstützte. Sie sah blass aus, sehr blass sogar.

„Es geht ihm gut, Ginny. Er kommt wieder in Ordnung." Sie hielt ihre Hände hoch und drehte ihr Handgelenk, damit Ginny sehen konnte, dass ihr Zauberstab sicher in seiner Scheide steckte. „Bist du verletzt?"

Ginny hielt ihren Arm nur ein paar weitere Sekunden ausgestreckt, bevor sie ihren Zauberstab auf den Boden fallen ließ und ihre Hände behutsam benutzte, um ihr Bein vor sich zu ziehen. Sie nickte als Antwort auf Hermines Frage.

„Dann lass uns dich mal ansehen", sagte sie mit ihrer besten Heilerin-Stimme. Ginny schien von ihrem Ton nicht beruhigt zu sein und verkrampfte sich, als Hermine ihren Zauberstab herausholte, um die Diagnosen heraufzubeschwören. „Das ist ein glatter Bruch. Es wird nur einen Moment dauern – halt dich gut fest."

Ginny schrie auf, als der Bruch sich durch die Berührung von Hermines Zauberstab wieder richtete, aber sie entspannte sich einen Moment später. Sie bewegte ihren Knöchel und zog ihre Hose hoch, um ihn sich besser ansehen zu können. Er war ein wenig geschwollen.

„Äh, danke schön."

„Das wird schon wieder. Versuch fürs erste es nicht zu stark zu belasten und lass Madame Pomfrey das gründlich untersuchen, wenn du wieder zur Schule zurückkehrst." Hermine stand auf, richtete ihre Roben aus Gewohnheit und stellte fest, dass sie zu viel Zeit auf ihren Knien verbracht hatte. „Bleib bei deinem Bruder. Er wird noch eine Weile bewusstlos sein; er muss bewacht werden."

„Okay."

Hermine lief an den beiden jüngsten Weasleys vorbei und hinterließ einen Zauber auf ihnen, der sie alarmieren würde, wenn sie angegriffen würden. Keiner von ihnen war auch nur annähernd dazu in der Lage weiterzukämpfen.

Die Tür, durch die Hermine hereingekommen war, schlug auf und Hermine war sofort auf den Beinen. Sie stellte sich zwischen die Weasleys und den Eindringling, richtete ihren Zauberstab auf ihn und hielt ihr Messer fest in der Faust, die hinter ihrem Oberschenkel versteckt war. Dann bemerkte sie, dass es Dumbledore war – groß und furchteinflößend. Er zwinkerte nicht und er trug keinen Hut, der mit Monden und Sternen verziert war. Das war der Zauberer, der sie zurück und zurück und wieder zurück geschickt hatte. Es war der Zauberer, den Voldemort fürchtete.

Dumbledore sah sich im Raum um. Er sah das Blut auf der Vorderseite ihrer Roben und die Weasley Kinder, die so blass hinter ihr waren. Er bemerkte auch ihr jüngeres Ich, das nicht weit von dem Punkt, an dem er stand, bewusstlos ausgestreckt lag und das Blut, das durch die Bandagen um ihre Brust durchzusickern begann.

Sie spürte seinen gedanklichen Fühler, der gegen ihre Okklumentikschilde wie eine verdammte Atombombe schoss und sie stieß seinen Geist mit solcher Kraft von ihrem weg, dass sie das Gefühl hatte, als hätte sie gerade geniest. Dumbledore schritt auf sie zu und starrte sie zornig an, während sein Geist gegen ihren drückte.

„Harry ist da drin", sagte sie und wies mit ihrem Kinn zu der Tür hinter ihr. Sie blickte auf seine Nase anstatt in seine Augen. „In der Halle des Todes." Dumbledores Blick richtete sich von ihr auf die Tür hinter ihr. „Er braucht Sie."

Er warf ihr einen letzten Blick zu. Die Art, die versprach, dass es später noch eine Unterredung geben würde, und schritt durch die Tür.

„Deine Nase blutet", sagte Ginny und überraschte Hermine. Dennoch nickte sie einfach; Nasenbluten war zurzeit nichts Ungewöhnliches nach einem Zusammentreffen mit dem Schulleiter.

„Bewahre diese zwei vor weiterem Schaden", sagte sie wohl wissend, dass ihre Stimme tot und tonlos klang. Sie wischte sich mit den Ärmeln über ihre Nase, verstärkte ihren Griff um das Messer und den Zauberstab und folgte Dumbledore in die Halle des Todes.

„ER – IST – NICHT – TOT!", brüllte Harry und Hermine fragte sich, ob es zwischen den Räumen eine Art Schild gab, welcher die Geräusche daran hinderte durchzudringen. Im Raum des Denkens hatte einen Totenstille geherrscht; in der Halle des Todes hallte das Zischen der Zaubersprüche, die durch die Luft sausten, wieder. Die Druckwelle eines Aufpralls, die Rufe und Schreie der sich duellierenden und Harry Potter, der seinen Paten verlor. „SIRIUS!"

Hermine blickte hinab auf das Podium und sah Lupin, der körperlich mit Harry rang, um ihn vom Vorhang wegzubringen und ihn vom Podium wegzog.

Die Todesser verfielen durch Dumbledores Ankunft in Panik. Der Schulleiter hatte die Meisten von ihnen in die Mitte des Raumes getrieben, wo sie von unsichtbaren Seilen aus dem Verkehr gezogen worden waren. Mad-Eye war über Tonks gebückt und flüsterte einen Gegenfluch. Shacklebolt duellierte sich mit Bellatrix Lestrange. Dann gab es einem Knall und Shacklebolt lag am Boden, während Lestrange abhaute.

„Harry–nein!", schrie Lupin, aber Harry hatte längst seinen Arm aus dem Griff des Werwolfs gerissen.

„SIE HAT SIRIUS GETÖTET!", brüllte Harry. „SIE HAT IHN GETÖTET – ICH WERDE SIE TÖTEN!"

Und dann war er verschwunden.

„Fudge ist auf dem Weg. Holen Sie alle heraus und sehen Sie nach den Verwundeten", sagte Dumbledore zu Lupin. Dann drehte er sich ihr zu. „Stellen Sie sicher, dass sie sich nicht daran erinnern, wer hier war und überlassen Sie sie dann den Auroren."

‚Sie' waren die Todesser, die von seinem Zauber stillgestellt worden waren. Sie beschimpften ihn wüst und strampelten wild, aber das änderte nichts.

„Hermine Granger ist da drin", sagte Hermine und wies auf die Tür, die zum Raum des Denkens führte. „Sie muss so schnell wie möglich ins St. Mungo. Ich habe für sie alles getan, was ich konnte und sie blutet immer noch."

Ihre Finger zuckten, um über ihre Narbe zu fahren, aber sie zwang ihre Hände stattdessen, ihr Messer wegzutun. Lupin nickte und lief durch die Tür, auf die sie gewiesen hatte.

„Was ist mit Tonks passiert?", fragte Hermine Mad-Eye, während sie zu Shacklebolt herüberlief. Glücklicherweise war er nur gelähmt worden.

„Ihr wird es wieder gut gehen", sagte Moody. Als ob sie das beweisen wollte, versuchte Tonks sich aufzusetzen und stöhnte kampflustig, als er sie wieder nach unten drückte. „Bleib liegen, während ich das beende."

„Neville", sagte Hermine und musterte ihn, während er auf einer der tiefsten Reihen des Amphitheaters saß. „Bist du verletzt?"

Seine Nase war es offensichtlich und sie brachte sie in Ordnung, bevor er mit dem Sprechen begann. „Mir geht es gut", sagte er und befühlte behutsam seine Nase. Sie bemerkte, dass er ihren Zauberstab in der Hand hielt und, dass seine Knöchel weiß waren, weil er ihn so fest hielt.

Hermine wandte sich den Todessern zu. Sie erwiderten ihren Blick misstrauisch und einige von ihnen richteten die Pöbeleien, die sie an Dumbledore gerichtet hatten, jetzt an sie. Einem nach dem anderen blickte sie in die Augen und verfälschte ihre Erinnerungen. Es war wie eine Art milderem Obliviate. Als sie fertig war, waren sie nur noch dazu in der Lage, sich an ihre Handlungen, die Planung, die Vorbereitung und den Angriff zu erinnern, aber nicht die Identität der Leute, die ihnen gegenübergestanden hatten. Sie würden sie natürlich erahnen. Und es war unmöglich (geschweige denn unnötig) Dumbledore aus ihren Erinnerungen zu entfernen oder Harry. Sie ließ genug zurück, damit die Todesser sich selbst beschuldigen konnten und entfernte genug, damit niemand anderes beschuldigt wurde. (Der Orden des Phönix war letzten Endes eine Bürgerwehr.)

„Wir müssen uns auf den Weg machen", sagte Shacklebolt. „Wo sind die restlichen Kinder?"

„Wir werden sie holen. Sie müssen nach Hause gehen, damit Sie da sein werden, wenn man Sie rufen wird", wies Moody ihn an und Shacklebolt nickte schnell. Er schuf sich einen Portschlüssel und war einen Wimpernschlag später verschwunden. „Sie auch", sagte Moody, während er Tonks auf die Beine zog. Sie klammerte sich für einen Moment benommen an ihm fest und ging dann auf die selbe Art, wie Shacklebolt es getan hatte.

Jeder der Todesser bekam von Hermine einen Confundus und einen Stupor ab, nachdem sie ihre Erinnerungen umgestaltet hatte. Die Heiler würden denken, dass der Verwirrungszauber zu stark gewesen war und ihre Erinnerungen getrübt hatte, was wiederum ihre Spuren verwischte, da der einzige Grund weshalb diese Art der Magie nicht als Schwarze Magie klassifiziert worden war, der war, dass Gedankenmagie (der manipulativen Art) nicht allgemein verbreitet war.

„Nun", sagte Moody, während er zu Neville herüberhinkte. Neville sah regelrecht entsetzt aus. Sicherlich, weil er sich an letztes Jahr erinnerte, als der Betrüger-Moody der Lehrer für Verteidigung gewesen war. „Wie viele von euch waren hier?"

„Äh", sagte Neville, warf Hermine einen Blick zu und sprach dann zu seinen Schuhen. „Ich. Luna, Ginny. Harry, Ron und Hermine."

„Harry ist bei Dumbledore", sagte Hermine. „Hermine ist bei Lupin. Die Weasleys sind im Raum des Denkens. Wo ist Luna, Neville?"

„Sie sollte auch im Raum des Denkens sein. Sie haben sie mit einem Stupor getroffen."

Moody zerrte Neville nicht sehr sanft auf seine Füße und sie liefen die Steinreihen nach oben und aus der Halle des Todes heraus. Hermine war froh, den wispernden Vorhang hinter sich zu lassen.

„Wo ist Harry?", fragte Ginny sofort. „Professor Lupin hat mir nichts erzählt. Was ist passiert?"

Neville lief zu Ginny herüber und erklärte ihr in angestrengtem Flüstern, was sie verpasst hatte. Hermine sah nach Ron, während Moody Luna vor einer der Türen ausfindig machte.

Auf der anderen Seite des Raums war eine Blutlache, wo ihr Teenager-Ich gelegen hatte, als sie das letzte Mal in diesem Raum gewesen war. Hermine versuchte nicht daran zu denken.

„Bringen Sie sie nach Hogwarts", sagte Moody stirnrunzelnd. „Ins Hauptquartier können wir nicht zurück, jetzt wo Black tot ist."

Es wäre sinnlos zu protestieren – sie hatte nicht die Möglichkeit, ihm zu erklären, dass Black es arrangiert hatte, dass alles an Harry fiel und somit die Geheimnisse im Orden blieben. Hogwarts klang sowieso nach einer guten Idee. Viele Schutzzauber und ein richtiger Krankenflügel.

Hoffentlich durchkämmte Severus immer noch den Verbotenen Wald nach Umbridge, damit sie nicht mit ihm zu tun hatte. Sie war nicht mehr wütend, aber er war es jetzt sicherlich.

Moody überließ es ihr, die Sache mit Dumbledores Armee wieder einzurenken und war selbst gegangen, um das Hauptquartier zu säubern.

Sie benutzte einen ihrer eigenen illegalen Portschlüssel, um ihre Freunde zurück nach Hogwarts zu bringen. Mit ihren Armen, die sie um den immer noch bewusstlosen Ron gelegt hatte, kamen sie an den Schlosstoren an.

„Jetzt laufen wir", sagte sie und benutzte ihren Zauberstab, um Ron vor ihnen herschweben zu lassen. Sie ließ sie so schnell laufen, wie sie es konnten und bat Neville eindringlich, Ginny mit ihrem empfindlichen Knöchel zu helfen. Sie waren alle dabei, einen Schock zu erleiden, während sie hinter ihr her taumelten, benommen und schweigsam. Luna war sogar noch ausgeflippter als sonst und Ginny war zu ruhig.

„Poppy!", brüllte sie, als sie es endlich geschafft hatten. Eine magische Abkürzung zum Krankenflügel erschien ihr eine schlaue Sache in einem magischen Schloss zu sein, wenn es sie hier geben würde. „Poppy, kommen Sie helfen!"

Die Medihexe erschien und zog am Band ihres Morgenmantels. Ihre Haare waren zum Zu-Bett-Gehen geflochten.

„Was ist passiert?"

„Ich denke, dass ich das den Schulleiter werde erklären lassen", sagte sie, legte Ron auf einem Bett ab und deckte ihn zu. „Keiner von ihnen hat einen bleibenden Schaden erlitten, denke ich. Dennoch wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie sie noch einmal untersuchen würden. Ich bin gerade nicht in Bestform."

Poppy starrte sie einen Moment lang an, erfasste die Blutspuren, nickte dann und beschwor eine ihrer vielen Schürzen herauf.

Es gab nicht viel Theater, als Poppy darauf bestand, dass die Schüler alle über Nacht im Krankenflügel blieben. Neville versuchte, den Schlaftrank zu verweigern, den sie ihnen allen verabreichte, aber es brauchte nur einen bösen Blick und eine Faust, die sie in ihre Hüfte stemmte.

Ungefähr zu der Zeit als Neville einschlief, spürte Hermine, wie sie selbst zu zittern begann. Sie hatte am Fußende eines Bettes gesessen und ihren Kopf auf ihren Händen abgestützt, als sie sich durch den Schimmer eines Zaubers überrascht aufrichtete. Poppy hatte einen Diagnosespruch auf sie gerichtet.

„Mir geht es gut."

„Sie sind blutüberströmt."

„Das ist nicht mein Blut", sagte sie, aber dann musste sie lachen, weil es ihr Blut war, nur von vor langer Zeit. Und von überhaupt nicht so langer Zeit.

Ich hasse Zeitreisen. Ich hasse sie so sehr.

„Was ist heute Nacht passiert? Sie sagten, der Schulleiter würde zurückkehren?"

„Ich–", antwortete Hermine bestürzt, hielt dann aber inne, weil ihr Kopf vollkommen leer war. Ihr fiel keine einzige rentable Ausrede ein. Sie zog kurz in Betracht, einen Ohnmachtsanfall mithilfe eines Zaubers zu fälschen (was kein einfaches Vorhaben war, wenn man bedachte, dass sie versuchte, eine Heilerin zu täuschen), aber sie wurde durch die Unruhe von Dumbledores Ankunft mit Harry auf den Fersen gerettet.

„Madam Pomfrey, wären Sie so freundlich, Harry alles für die Nacht vorzubereiten? Ich nehme an, dass er in der Nähe seiner Freunde bleiben will."

„Wo ist Hermine?", fragte Harry, während er von Gesicht zu Gesicht blickte. Hermine drehte ihm vorsichtig lediglich ihr Profil zu und kippte ihr Gesicht in Richtung Boden, damit sie zum Großteil im Schatten lag.

„Miss Granger wurde über Nacht ins St. Mungo gebracht. Ich bin mir sicher, dass wir sie bald wieder bei uns haben werden."

„Kommen Sie, Mr. Potter. Seien Sie so gut und legen sich hier hin", sagte Poppy, während sie ihn zu einem Bett führte und ihm ein Paar Krankenhauspyjamas reichte.

„Miss Barnes, ich nehme an, wir beide sollten uns unterhalten. Und dann, denke ich, Poppy? Bin ich mir sicher, dass Sie auch Fragen haben werden."

„Zweifellos, Schulleiter", sagte Poppy, aber sie schmunzelte.

Hermine folgte Dumbledore schwerfällig in sein Büro. Sie war für ein weiteres Verhör zu müde und sie fühlte sich weiterem Schreien nicht gewachsen. Sie hatte nicht übel Lust, Dumbledore einfach das nächste Jahr zu enthüllen – die Angriffe, seine Hand, alles.

„Ich schulde Ihnen eine Entschuldigung", sagte er und setzte sich nicht hinter seinen Schreibtisch, wie er es gewöhnlich tat, sondern in einen der bequemen Sessel am Kamin. (In dem zugigen alten Schloss war es nie zu warm für ein Feuer und dort tanzte ein Munteres in seinem Kaminrost.)

Sie blinzelte ihn an und setzte sich in den Sessel ihm gegenüber, als er ihr wies, sich dort hinzusetzen.

„Dieser Angriff heute Nacht, als wir Sirius verloren haben." Er seufzte. Er sah sehr alt aus und ausnahmsweise einmal nicht, als würde er die Rolle eines alten Mannes spielen, sondern als könnte er jeden Tag seines Lebens bis ins Mark spüren. „Es ist beinahe schlimmer, als ich es mir ausgemalt hatte, obwohl wir Harry dieses Mal haben. Und es muss noch schlimmer werden, da mir das nicht den Anlass gegeben hat, Sie zurückzuschicken. Etwas anderes hat das."

„Ja. Etwas anderes wird das."

Wenn sie nicht so müde wäre, würde sie wegen der Aussage über Harry auf ihn losgehen. ‚Obwohl wir Harry haben.' Harry ist ein Junge! Er ist keine Waffe und wenn Sie versuchen, aus ihm eine Waffe zu machen, dann schwöre ich, werde ich nach Thailand ziehen und nie wieder mit Ihnen sprechen. Und ich werde Harry mit mir nehmen. Sie können mich mal.

„Ich werde Sie nicht bedrängen. Sie können aufhören so misstrauisch auszusehen."

Das ist kein Misstrauen. Das ist Wut. Und Müdigkeit.

„Ich habe Sie gebeten, mich nach hier oben zu begleiten, weil ich möchte, dass Sie bis zum Ende des Schuljahres in der Schule bleiben. Jemand muss ein Auge auf Harry haben und das kann ich gerade nicht tun. Er ist zu wütend auf mich."

Und das aus gutem Grund, dachte sie verdrießlich, musste aber feststellen, dass sie nickte. Harry war ungelogen seit dem Ende des vierten Schuljahres besonders wütend gewesen; das meiste davon hatte sie auf die Hormone geschoben und dann war er am Boden zerstört gewesen, als er Sirius verloren hatte. Der Großteil der Wut war auf Umbridge oder Severus gerichtet, dann gegen Dumbledore und gelegentlich auf das Quidditchteam der Slytherins.

„Möchten Sie, dass ich mich desillusioniere und die Gänge patrouilliere?"

„Nein, nein. Ich möchte Sie so oft wie möglich nah bei Harry haben. Jetzt ist eine besonders gefährliche Zeit – Voldemorts Rückkehr wird bis Ende der Woche öffentlich bekannt sein. Es gibt viele Kinder von Todessern in dieser Schule; wenn irgendeiner von ihnen danach strebt, das Mal zu bekommen, oder auch nur ein wenig die Interessen seiner Eltern vertritt, wäre jetzt die Zeit, in der sie zuschlagen würden."

Hermine dachte, dass er ein wenig paranoid war, aber in Wirklichkeit war es höchste Zeit. Seitdem Harry in Hogwarts angekommen war, hatte er Harry Gefahren ausgesetzt.

„Was ist es denn genau, was ich für Sie tun soll?"

„Vielsafttrank. Ich möchte, dass Sie Vielsafttrank mit dem Haar ihres jüngeren Ichs trinken. Während sie sich im St. Mungo erholt, werden Sie hier bei ihren Freunden sein. Ich bin mir sicher, dass Sie sie nach allem vermisst haben und sie brauchen Ihren Schutz."


Severus hatte Dolores Umbridge zwanzig Minuten nachdem er den Wald betreten hatte gefunden. Die meiste Zeit dieser zwanzig Minuten hatte er damit verbracht, vor Wut zu kochen.

Vielleicht sollte jemand den Wald noch einmal durchkämmen", murmelte er vor sich hin. Er war rasend gewesen.

Sie hatte gewusst, was passierte, wusste was passieren würde. Verdammt, sie ist im Hauptquartier aufgetaucht, obwohl Dumbledore ihre Nase so oft zum Bluten gebracht hatte, da sie nichts preisgab.

Und Dumbledore war nicht mal dort gewesen. Sie hätte ihnen ausnahmsweise einmal eine richtige Warnung geben können.

Der allmähliche Aufbau seines gewaltigen Wutausbruchs wurde durch seinen Fund von Umbridge, die von Zentauren gefangen gehalten wurde, vorzeitig abgebrochen. Es wurden Bögen auf ihn gerichtet und ihm nachdrücklich empfohlen, dass er einen anderen Ort aufsuchen sollte. Wenn er Umbridge wenigstens ein bisschen mehr gemocht hätte, hätte er zumindest symbolisch mehr Mühe in ihre Rückgewinnung gesteckt. Bedauerlicherweise für sie war, dass sie eine der Handvoll Leute war, die er wahrhaftig hasste. Er kehrte ihr den Rücken, damit sie das ernten konnte, was sie gesät hatte.

Er zog ernsthaft in Betracht Hermines Wohnung aufzusuchen, da er ihr doch schon einiges zu sagen hatte. Aber nein. Jemand aus dem Orden würde vor Tagesanbruch tot sein und Dumbledore würde ihn sicherlich für irgendetwas brauchen.

Severus zwang sich dazu, zu schlafen. Er nahm gerade genug Trank, um für drei Stunden ausgeknockt zu sein und bis Sonnenaufgang zu schlafen. Er erwachte mit seinem Mal, was mit jedem Atemzug eindringlicher brannte.

\\

Der Dunkle Lord hatte seine Erinnerungen geplündert, bis er aus seiner Nase und seinen Ohren blutete. Er hatte nach der kleinsten Andeutung von Harry Potters Plan gesucht. Irgendwas darüber, was im Anschluss nach dem Angriff passiert war. Alles, was Severus zeigen konnte, war seine verschwendete Zeit, als er nach Umbridge gesucht hatte und sein schneller Rückzug, als er sie bei den Zentauren entdeckt hatte. (Sein flüchtiges Treffen mit Dumbledore, bevor er dem Ruf gefolgt war, als er Dumbledore erzählt hatte, wo man die Kröte finden konnte und darüber informiert worden war, dass Black gestorben war, musste er zurückhalten.)

Der Dunkle Lord war erzürnt gewesen, dass Severus nicht die Information besaß, die er brauchte. Er war von seinem Spion enttäuscht gewesen, genauso wie er von Lucius enttäuscht gewesen war.

Der Dunkle Lord hatte einen Zeh beinahe sanft in seine Schulter gestochen, um Severus auf den Boden und von ihm fort zu drücken. Er war zu anderen Angelegenheiten übergegangen und überließ es seinem Spion, zum Raum zum Apparieren zu kriechen. Seine Würde vergaß er dabei gänzlich.

Er war zu Hermines Wohnung gegangen. Er hatte nicht zurück ins Schloss gewollt und er hatte auf keinen Fall bleiben wollen.

Er erinnerte sich nicht an vieles, abgesehen von der entspannenden Berührung ihrer Gedanken an seinen. Eine behutsame Liebkosung von verletzten und angeschlagenen Okklumentikschilden. Er war sich nicht sicher, ob er weinte oder nicht, aber er wollte es.

Erst später, als sie das Blut weggewischt und ihm einen Trank gegen die Schmerzen gegeben hatte, erinnerte er sich, dass er auf sie wütend sein sollte. Oder, dass sie wütend auf ihn war. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern.

„Es ist ein sehr langer Tag gewesen", sagte Hermine, während sie auf dem Boden neben ihm saß.

Sein Kopf schmerzte. Es war besser als vorher, aber es tat immer noch weh. Es fühlte sich wie Spannungskopfschmerzen an. Um ehrlich zu sein, konnten es Spannungskopfschmerzen sein. Der Trank könnte die rauen Ecken der forschen Legilimentik entfernt haben und einfach den Kopfschmerz zurückgelassen haben, der darunter kochte. Er hatte Glück so wie es war.

Hermine stieß sich mit einem Stöhnen vom Boden hoch und er schmunzelte. Er mochte die kleinen Erinnerungen daran, dass sie beinahe so alt wie er war. Allerdings hasste er sie auch – in den letzten paar Monaten war seine beste Taktik gewesen, dass er sich permanent daran erinnerte, dass sie eine Schülerin war. Verdammt noch mal, bei der Hälfte der Briefe, die er geschrieben hatte, hatte er sich auf ihr jüngeres Ich und all die unausstehlichen Dinge, die sie tat, konzentriert. Unglücklicherweise, fiel das gewissermaßen weg, wenn er bei ihr war. Diese Frau neben ihm war kein junges Mädchen.

Er stand mit der Absicht, sie zu umarmen oder zu küssen oder sonst was, auf. Aber…

Wir können das nicht tun. Wir wissen es besser.

Wir sind total am Arsch.

Sie stupste seinen Ellenbogen mit ihrem an. Es war eine lässige, freundliche und vertraute Geste und er mochte es. Es war beinahe so angenehm wie die Art, auf der sie seine Okklumentikschilde mit ihre Gedanken zur Begrüßung streifte, wenn sie den Raum betrat. Längst nicht so angenehm wie sie zu küssen, das wusste er, aber sie waren beinahe eine ganze Woche ohne ausgekommen…

„Dann komm mal mit", sagte Hermine in ihrer besten Nachahmung einer wichtigtuenden Heilerin und unterbrach wieder seine Gedanken. „Du musst dich hinlegen und schlafen. Das wird helfen."

Er diskutierte nicht. Sie führte ihn aus der Küche ins Wohnzimmer. Mit einem Schnipser ihres Handgelenks wurde das Sofa länger und breiter. Nicht ganz wie ein richtiges Bett, aber lang genug, dass seine Füße nicht unbequem herunterhängen würden oder so. Sie streifte seine Lehrroben und seinen Gehrock ab, legte sie auf dem Couchtisch ab und drückte ihn dann sanft auf das erweiterte Sofa hinunter. Es war überraschend bequem…

Er begann bereits wegzudösen, als sie aus der Truhe in der Ecke eine Decke herauszog und über ihn legte. Die Wolle roch, vermutlich wegen der Truhe, nach Zeder. Es war angenehm. Nicht ganz so angenehm wie der Kuss, den sie ihm auf seine Stirn gab, damit er einschlafen konnte, bevor sie wegging, aber trotzdem sehr angenehm.

Severus träumte, dass er in einer Badewanne war. Es war ein großes, altes Ding, komplett aus warmer weißer Keramik und kunstvollen Füßen. Das Wasser hatte Körpertemperatur und schäumte mit süß riechenden Bläschen. Den genauen Duft konnte er nicht bestimmen, was einfach nur die Vermutung bestätigte, dass es ein Traum war; nach so vielen Jahren des Zaubertränkebrauens hatte er einen sehr feinen und geschärften Geruchssinn.

Er saß zurückgelehnt in der Wanne und seine Beine waren an den Seiten ausgestreckt, um für die Frau Platz zu machen, die zwischen ihnen saß. Es gab genug Wasser, damit sie beinahe über seinem Schoß trieb. Warm und weich. Ihre Haut war nass, genauso wie seine und das war sehr schön. Es war Hermine, daher waren überall lockige Haare, aber sie hatte ihren Kopf seitlich auf seiner Schulter abgelegt, weshalb er zumindest keine Haare in seiner Nase hatte.

Sie waren sehr nackt und sehr entspannt. Ihre Finger fuhren in nassen Linien seine Arme, die um sie gelegt waren, hoch und runter. Sie war hochschwanger. Ihr großer, runder Bauch ragte aus dem Wasser vor ihnen heraus. Seine Hände lagen auf diesem Bauch, berührten ihn sanft und fühlten, wie das Baby darin nach ihm trat. Sie waren so ungezwungen zusammen und so sehr, sehr entspannt.

Da war kein Dunkles Mal auf seinem Arm, sondern nur blasse Haut. Sie hatte keine Narben. Sie waren einfach zwei Leute in einer Wanne, die die Schwangerschaft genossen, die sie gemeinsam erschaffen hatten. Ein ruhiger, verweilender Moment zwischen Liebenden.

Er wachte mit dem Gefühl vollkommener Entspannung auf, wie er sich gefühlt hatte, als er im Traum in der Wanne gewesen war, aber das hielt nicht lange an. Seine Morgenlatte war besonders kraftvoll und drückte sich gegen seinen Hosenschlitz. Er stöhnte, rollte vom Sofa und stolperte in Richtung Badezimmer, um eine kalte Dusche zu nehmen.

Die flüchtige Morgenroutine hätte seine Gedanken zu banaleren Orten führen sollen, aber das tat sie nicht. Er wusch sein Haar und richtete Säuberungszauber auf seine Kleidung vom Vortag, während er über Geheimnisse nachdachte.

Severus hatte viele Geheimnisse und die behielt er alle für sich. Sein peinlichstes Geheimnis, sein klischeehaftestes Geheimnis, war etwas was aufgetaucht war, seitdem er als Kind Lily Evans getroffen hatte: Er wollte geliebt werden. Das war es. Der große, schlechte Mann hatte einen sehr weichen Kern in seinem Herzen. Das Monster wollte einfach nur gewollt werden.

Eine lange Zeit über hatte es ihn angewidert. Als sie jung waren hatte er sich Hals über Kopf in Lily verliebt und diese Liebe hatte viel länger angedauert, als sie es hätte tun sollen und sein Herz mit Schuld beschwert. Sie war tot und beerdigt und ihr Sohn hatte bei ein paar erbärmlichen Ausgaben von Menschen gelebt, als ihr Verlust begonnen hatte ihm weniger wehzutun. Die Liebe zu ihr war der Grund gewesen, weshalb er sich dem Orden angeschlossen hatte und sie war für eine lange Zeit sein Grund gewesen, am Leben zu bleiben.

Zur Zeit ging es nicht um Lily oder Rache oder Ungerechtigkeit. Er hatte eine lange Zeit über für ein Prinzip gekämpft. Sein Unterbewusstsein schien allerdings bereit zu sein, zu dem Spiel, ihn mit Liebe zu foltern, zurückzukehren. (Ohne jegliche Rücksicht auf seinen Widerstand zu nehmen.)

Dumbledore glaubte, dass Severus eine tiefe, nachklingende Liebe für Lily Potter hegte, aber das war nicht der Fall. Es hatte, nachdem sie gestorben war, andere gegeben. Kurzlebige Dinge. Phantastereien. Manchmal war es ein Lächeln oder eine Liebenswürdigkeit gewesen, die ihm ins Auge fielen. Oder, zugegebener Weise, war es manchmal eine Brust oder die Kurve eines Beins gewesen. Er war ein Mann und er war jung, besonders gemessen an magischen Standards. Er hatte versucht, dass es nicht sein Leben beeinflusste; er hätte sowieso nie mit einer von ihnen sesshaft werden können, nicht während eines Krieges.

Aber diese Frau… Diese Frau war darin so tief verwickelt wie er und das sagte etwas aus.

Sie war wunderschön und großartig und sie war auch nicht von ihm oder seiner Vergangenheit vollkommen angewidert. Sie war liebenswürdig und einfühlsam. Sie konnte sanftmütig und Sonnenschein sein und sich genauso leicht, wie er es konnte, durch die Schatten bewegen. Vielleicht sogar besser als er, weil es niemand von ihr erwarten würde. Sie war unnachgiebig, ohne zerbrechlich zu sein. Sie war in die Mangel genommen worden und der Kern, der herausgekommen war, war unglaublich.

Blödsinn. Du hast dich wirklich in sie verliebt, sagte er sich selbst und rollte mit den Augen. Dennoch blieb ihm nichts anderes übrig. Er machte keine halben Sachen.


Zwei Tage nach der Mysteriumsabteilung stürmte Severus in ihre Wohnung zurück. Als er das erste Mal angekommen war, war er weggetreten gewesen und als er wieder gegangen war, war er abgelenkt gewesen. Dieses Mal war er rasend.

„Was ist passiert?", fragte sie und sprang auf. Er drehte sich um und lief auf sie zu, während er wütend auf sie herunterstarrte. Sie sah verwirrt zu ihm nach oben. „Severus? Was ist passiert?"

„Du hast gesagt, dass es nicht meine Schuld gewesen ist!"

„Was?"

„Deine erste verdammte Wunde aus dem Krieg!" Er langte nach ihrem Kragen, überlegte es sich dann aber anders und fuhr mit seinem Finger die Linie ihrer Narbe (mehr oder weniger; er hatte sie nie wirklich gesehen) von Dolohov entlang.

„Du hast den Fluch nicht ausgesprochen–"

„ICH HABE DIESEN FLUCH ERFUNDEN!"

Sie legte das für später zu den Akten. „Du hast ihn dennoch nicht ausgesprochen, Severus."

„Ich habe dich im Krankenhaus gesehen. Überall war Blut. Es ist Tage her und sie haben nicht… Sie kannten den Gegenfluch nicht. Sie haben es falsch gemacht." Für einen Moment war sie beinahe beleidigt, aber er hatte recht, was das anging. Sie hatte den Gegenfluch nicht gekannt.

Nun, du hast es bereits selbst gesagt: Du machst keine halben Sachen. Wenn du einen Aufschlitzfluch machst, dann schneidet der auch.

Er drehte sich von ihr weg, begann auf und ab zu schreiten und fuhr sich mit seinen Händen wieder und wieder durch die Haare. Sie sah ihm zu, während sie gedankenverloren über ihre alte Narbe rieb. „Ich hätte dir helfen können. Ich hätte dich ohne eine bleibende Narbe heilen können."

„Es ist nur eine Narbe, Severus."

„IST ES NICHT!"

„Was ist es dann?" Sie setzte sich wieder, verschränkte ihre Arme und ihre Beine und sah ihn wütend an.

„Du hättest es mir erzählen sollen", sagte er und fuhr fort, auf und ab zu gehen. Er war wie ein Tiger im Zoo, der auf die schauderhaft frustrierte Art eines gefangenen Raubtiers an den Gittern entlangschritt. „Ich hätte ins St. Mungo gehen und es in Ordnung bringen können. Du musst nicht–Wie konntest du einfach nichts sagen? Du hast mich auf deinem verdammten Sofa schlafen lassen! Du hast zugelassen, dass ich ausschlafe und eine schöne lange Dusche nehme! Du hättest mich direkt ins St. Mungo schicken sollen."

Sie zog in Betracht, ihm eine Ohrfeige zu geben. Oder ihn vielleicht zu verfluchen. Er musste sich zusammenreißen.

„Auf diese Art ist es immer passiert, Severus", sagte sie und versuchte beruhigend zu klingen. Sie war sich nicht sicher, ob es funktionierte – er hatte mit dem Reden aufgehört und sah sie an, aber er lief weiter. Vor und zurück, vor und zurück durch den kleinen Raum.

„Wir hätten es ändern können. Wir hätten es ändern sollen."

„Nein, das hätten wir nicht tun sollen", sagte sie nachdrücklich. „Das ist es worüber wir die ganze Zeit geredet haben. Von zwei Übeln wählt man besser das, was man schon kennt."

Was hätte es verändern können. Sag mir das. Was hätte mein Einschalten und Bereitstellen des richtigen Gegenfluchs wohl an dem Endergebnis dieses schrecklichen–"

„Irgendwas! Alles! Wir wissen es nicht und das ist der Punkt!" Sie war wieder auf ihren Beinen. Er hatte aufgehört vor ihr mit einem wütenden Blick auf und ab zu gehen. „Es hätte vielleicht nichts verändern können. Es hätte vielleicht nur eine kleinere Narbe oder überhaupt keine Narbe für mich geben können. Oder es hätte vielleicht Verdacht erweckt – warum schenkt der Hauslehrer der Slytherins einer Gryffindor aus dem fünften Jahr so viel Aufmerksamkeit? Wie kommt es, dass er überhaupt den Gegenfluch kennt? Fragen. Konsequenzen."

„Severus, mir geht es gut. Ich habe viel schlimmere Narben als diese. Es war nicht deine Schuld; du hast den Fluch nicht ausgesprochen. Und außerdem musst du mich nicht beschützen."

Er machte zwei Schritte auf sie zu und stand direkt vor ihr. Er blickte weder von oben auf sie herab, noch schüchterte er sie ein, aber er stand so nahe bei ihr, dass sie sich, trotz ihres Schleiers des Ärgers, daran erinnerte, wie schön es war, ihn zu küssen. Sie waren so behutsam miteinander umgegangen. Sie hatte neulich Nacht nichts mehr gewollt, als ihn ins Bett neben sie zu stecken, aber sie hatte ihn auf die Couch verfrachtet. Und sie hatte ihm keinen Gutenachtkuss gegeben. Und er hatte sie nicht geküsst, bevor er am nächsten Morgen aufgebrochen war.

Anstatt von oben auf sie herab zu sehen, blickte er ihr aufmerksam in die Augen. Seine Hände lagen auf ihren Oberarmen und hielten sie beinahe schmerzhaft fest. Sie hatte so ein Gefühl, dass er gar nicht bemerkte, dass er sie überhaupt berührte.

„Ist es so schlimm, dass ich dich sicher und unversehrt wissen will?"

„Ich bin sicher und unversehrt."

Sie dachte, dass er sie vielleicht küssen würde und sie war sich ziemlich sicher, dass sie ihn das tun lassen würde, aber stattdessen drehte er sich um und ging. Die Tür schlug hinter ihm zu.

\\

Der seltsamste Teil davon, vorzugeben ihr jüngeres Ich zu sein war, wie einfach es war. Ein Großteil davon lag daran, dass sie bettlägerig sein sollte, während sie sich von Dolohovs Fluch erholte, und der Rest lag daran, weil ihre Freunde alle ein wenig von ihrer Erfahrung im Ministerium benebelt waren.

Ron war immer noch mit ihr im Krankenflügel, aber Harry war ständig bei ihnen. Ginny, Neville und Luna waren beinahe genauso oft da.

Hermine verbrachte ihre Zeit größtenteils damit, zu lesen, ihren Freunden zuzuhören und zu versuchen, sich daran zu erinnern, wie es war, ein Teil von ihnen zu sein. Einer von Dumbledores Armee.

Das einzige Problem war, dass Harry nicht so stark verletzt worden war, um ihn im Krankenflügel zu behalten. Er kam zu Besuch und Hermine ließ Tipps fallen, dass er besonders vorsichtig sein musste, aber den Großteil des Tages war er auf eigene Faust unterwegs. Sie wusste nicht, wohin er ging. Er trauerte um Sirius, so viel war klar. Er erzählte ihnen, dass er Hagrid besuchte, aber sie vermutete, dass er die Zeit alleine verbrachte.

Währenddessen sprachen Severus und sie sich nicht wirklich. Er wusste, dass sie sich als ihr jüngeres Ich im Krankenflügel ausgab, aber es gab keinen Grund für ihn, sie zu besuchen (besonders nicht mit Ron, der so nahe dabei war). Sie sprang jeden Abend zurück, machte sich heimlich nach Edinburgh davon, um in der Apotheke zu arbeiten und an Treffen des Ordens teilzunehmen, aber Severus war nicht vorbeigekommen, um sie zu sehen, nachdem er abmarschiert und die Tür hinter sich zugeschlagen hatte.

Sie fragte sich, ob sie Schluss gemacht hatten.

\\

Drei Tage vor Schuljahresende wurde Ron aus dem Krankenflügel entlassen, also ging sie auch. Sie versuchte Black anzusprechen, aber Ron brachte sie beinahe jedes Mal zum Schweigen und Harry ließ es zu.

Es hatte keine Beerdigung gegeben, weil es keine Leiche gab und er sowieso ein gesuchter Mann war.

Hermine, die Black beide Male nicht besonders nahe gestanden hatte und die ihn bewusst gemieden hatte, seitdem sie den genauen Ort und die genaue Zeit seines Todes kannte, fühlte sich merkwürdig hilflos.

Sie hatte Severus zweimal in den Fluren gesehen. Beim ersten Mal war er vorbeigefegt, als wenn sie gar nicht da wäre und sie hatte ihn nicht aufgehalten. Sie hatte sich dazu entschlossen wütend auf ihn zu sein, wenn das die Art war, wie er sie jetzt immer behandeln würde. Beim zweiten Mal hatte sie sich nicht davon abhalten können, ein besorgtes kleines gedankliches Fragezeichen gegen seine Gedanken zu drücken, und er war stehen geblieben, um sie anzustarren.

„Was ist denn mit dem los?", hatte Ron gefragt, nachdem sie außer Hörweite waren. Sie hatte nur mit den Schultern gezuckt – sie konnte nicht sagen, ob es ein zorniges oder ein überraschtes Starren oder irgendetwas völlig anderes gewesen war.

Das Problem war, dass sie ihn liebte. Hundertprozentig. Unwiderruflich. Und er hatte ihr gesagt, dass er sie liebte. Und er hatte auf seinem Weg nach draußen die Tür zugeschlagen und seitdem hatte sie ihn nicht mehr richtig gesehen.

Bei den Treffen des Ordens stand er hinter ihrem Stuhl. Eine dunkle Existenz, die in ihrem Interesse auf andere Leute finster herunterstarrte. Sie hatte Momente der Verletzlichkeit erlebt, als sie ihn geheilt hatte und das hatte ihn menschlich und zugänglich gemacht. Und Begehrenswürdigkeit hatte nie in Frage gestanden: dieser Gedanke war im zweiten Jahr aufgekommen, als er mit seinem Zauberstab geschnippt und Gilderoy Lockhart auf den Hosenboden verfrachtet hatte. Diese einfache Anmut, diese Kinnline, diese Augen, diese Stimme. Die Breite seiner Schultern.

Sie konnten nicht mal richtig streiten. Sie waren andauernd in Konfrontationen verwickelt. Minerva nannte sie Auseinandersetzungen, aber nur weil sie nicht richtig zuhörte, was gesagt wurde. Die meiste Zeit über stimmten sie den vorgetragenen Argumenten des anderen zu, aber sie schienen die Hitzigkeit nicht aus ihren Stimmen heraushalten zu können oder das Fäusteballen oder sich in die Quere zu kommen, wenn sie dasselbe sagten. Es war dämlich.

Sie hatte ihren gerechten Anteil an festen Freunden gehabt, als sie zurückgesprungen war, aber mit keinen von denen war es etwas ernstes gewesen; sie war immer gedanklich und seelisch für den nächsten Sprung vorbereitet gewesen. Es brauchte nur ein einfaches Gespräch mit Severus Snape, besonders eins, das stattfand, wenn einer oder sie beide nicht bluteten und sie fragte sich, ob er Kinder mochte und, ob er gerne eigene hätte. Ob er wollte, dass sie sie bekam.

Bescheuert. Unmöglich.

Und anscheinend konnten sie sich richtig streiten. Das musste ein Streit sein. Sie konnten nicht Schluss gemacht haben – sie waren nie wirklich zusammen gewesen.

\\

Harry zog weiterhin umher. Sie hatte vergessen, dass er das tat.

Sie sollte eigentlich ein Auge auf ihn haben und sie tat ihr Bestes, um jeden Moment des Tages mit ihm zu verbringen, aber er schaffte es trotzdem, ihr zu entwischen. Schließlich waren sie dann aber im Hogwarts Express und er hatte nicht mehr ein ganzes Schloss, um umherzuschweifen und darin verloren zu gehen. Nur einen ganzen Zug.

Zum Beispiel waren die Jungs zur Toilette gegangen und kamen, über einen Zwischenfall mit Malfoy, Crabbe und Goyle redend, zurück. Anscheinend waren die Slytherins in irgendeinem Gepäckwagen zurückgelassen worden und Harry und Ron wollten ihr jetzt davon berichten. Sie hatte nicht übel Lust dazu gehabt, sie zu ohrfeigen und ihnen Schlaftränke für die restliche Fahrt zu verabreichen.

Stattdessen las sie ihnen Teile aus dem Propheten vor und fand ihre Antworten bei weitem nicht so unterhaltsam, wie die von Severus es gewesen wären, während die beiden Zauberschach spielten.

„Es hat bis jetzt noch nicht richtig begonnen", sagte Hermine, als sie mit der Zeitung fertig war. „Aber es wird jetzt nicht mehr lange..."

„Hey, Harry–"

Und die Unterhaltung ging dazu über, wer mit wem ausging. Hermine hatte ein wenig das Gefühl, dass sie versuchen sollte auf dem Laufenden zu sein, aber sie hatte sich nicht besonders für irgendetwas davon interessiert, als sie tatsächlich eine Teenagerin gewesen war, also fühlte sie sich nicht im mindesten schuldig, als sie sie unterbrach.

Sie konnte spüren, wie Harry sich weiter in sich zurückzog, je näher sie London kamen. Als der Zug langsamer wurde, hätte sie beinahe ihre Hand zu ihm ausgestreckt. Der Junge schrie einfach nach einer Umarmung, aber dann war der Moment vorbei. Sie sammelten alle ihre Sachen zusammen, machten Witze darüber, dass sie zu viele Taschen besaßen und versuchten, ihre Zauberstäbe in den Taschen zu behalten, während sie die Tierkäfige den richtigen Leuten weiterreichten (Krummbein wusste, dass etwas im Busch war, aber er hatte bisher noch nicht herausgefunden, was es war).

Als sie die Barriere zwischen den Bahngleisen durchquerten, hätte sie ihn beinahe wieder umarmt. Mad-Eye, Lupin und Tonks standen dort mit den Weasleys und sie hörte ihn laut schlucken. Und dann weinte sie beinahe, als sie hörte, weshalb sie alle da waren. Sie waren nicht nur da, um Harry zu begrüßen, sondern um für ihn mit den Dursleys zu reden.

Sie trennten sich – sie gab ihm eine feste Umarmung und versprach, ihn bald wiederzusehen. Er sah… beinahe glücklich aus, als er mit seiner Tante und seinem Onkel wegging. Oder vielleicht nicht glücklich, sondern erfreut. Er schritt mit Sicherheit mit mehr Elan, als sie es lange bei ihm gesehen hatte, voran, als er den Weg aus dem Bahnhof vorausging und seine Verwandten sich beeilten, um mit ihm mitzuhalten.

\\

Der Sommer war endlos. Den Großteil ihrer Zeit verbrachte sie damit, darüber nachzudenken, was ihre jüngeren Versionen gerade vorhatten. Die Ursprüngliche von ihnen würde den Sommer im Fuchsbau verbringen, eine wäre mit Minerva in Schottland, eine andere in Hogwarts, eine weitere würde ihre Ausbildung in Frankreich beenden, wieder eine andere versuchte einen praktikablen Grund zu finden, um das Jobangebot des St. Mungos auszuschlagen und schließlich gab es noch die eine, die sich in der spanischen Provinz versteckte, um Dumbledore aus dem Weg zu gehen.

An den Treffen des Ordens konnte sie nicht teilnehmen, da sie im Fuchsbau stattfanden und sich dort schon ihr jüngeres Ich aufhielt. Die wenigen Informationen, die sie erhielt kamen von Dumbledore und der verhielt sich seit dem Debakel in der Mysteriumsabteilung komisch, weshalb er sie nicht mit allem auf dem Laufenden hielt. Es war eher so, dass er einmal alle paar Wochen vorbeisah, um ihr mitzuteilen, wer gestorben war und wie. Manchmal gab er ihr auch einen Namen für den Drachen.

Severus kam zwei Mal vorbei, aber jedes Mal nur sehr kurz. Seit Ende des Schuljahres befand er sich, mit der Gesellschaft von Wurmschwanz als „Belohnung für seine Dienste" belastet, isoliert in Spinners End. Sie passte behutsam darauf auf, dass keine Gedanken zu ihm durchsickerten und er tat es ihr gleich. Aber es war so schön ihn zu sehen.

Als er das erste Mal vorbeigesehen hatte, war es, weil er in einen Raubzug involviert gewesen und es schlecht für die Todesser ausgegangen war. Sie nutzte die Gelegenheit, ihm das Folio zu Dumbeldores Fluch zu geben und ihm bloß zu sagen, dass sie hoffte, es würde ihm dabei helfen in den kommenden Monaten eine kniffelige Situation zu regeln. Beim zweiten Mal, erwischte sie sich dabei, wie sie mit ihren Händen durch seine Haare fuhr. Er hatte eine Gehirnerschütterung gehabt und sie hatte ihn geflickt und ihn für ein Nickerchen aufs Sofa gelegt. Anstatt wieder zu ihrer Arbeit zurückzukehren, hatte sie sich auf die Armlehne des Sofas gesetzt und seine Kopfhaut mit ihren Fingerspitzen massiert. Es war angenehm gewesen. Sie hatte sich dazu zwingen müssen, von ihm wegzugehen, bevor er richtig aufwachte.

Beide Male war er, so schnell er konnte, wieder gegangen. Sie konnte nicht sagen, ob er immer noch wegen ihres Streites wütend war oder ob es etwas anderes war. Sie wusste sowieso nicht, was sie ihm sagen sollte.


Das hätte vermutlich in zwei Kapitel aufgeteilt werden sollen, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Ich würde sagen, dass es mir Leid tut, aber das tut es nicht.

Macht's gut!

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